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Ein Jahr für fünf [Kalender 2019]

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21.1.2019 8:02
12 Ab 12 Jahren
In Arbeit

5 Charaktere

Albus Dumbledore

Hermine Granger

Minerva McGonagall

Remus Lupin

Severus Snape

Erschöpfung, Große Halle, Herbstwind

~*~

Sie hatte sie alle gleichermaßen erfasst, die Lider gesenkt, sich auf die Glieder geschlagen. Ein müdes Gähnen nur hier und da durchbrach das Schweigen, übers Schloss verteilt. Alles lag in tiefem Schlummer, alles war im Land der Träume. Alles? Nein! Rastlose Geister wandelten noch immer in Gedankentürmen umher, suchten nach einer Antwort. 

Hermine trotzte der Erschöpfung. Vielleicht war sie als Einzige im Schloss noch wach. Vielleicht lagen auch andere schlaflos auf ihrem Lager. Wer wusste das schon? Morgen, wenn sie in ihr Haus zurückkehrte, würde sie es gewiss bereuen. Doch jetzt fand sie einfach keine Ruhe. Ihr Gehirn ratterte, wälzte die Ereignisse, die sie in Atem gehalten hatten, hin und her, her und hin. Wie nur hatte das passieren können? Wo war bloß das Schlupfloch, das es zu schließen galt? All die Dementoren und doch nutzlos! Sorgenfalten kräuselten ihre Stirn als sie sich müde zur Seite drehte. Oh Harry, abermals sind wir nicht mehr sicher, mögen die Lehrer klüger sein als wir!

Sie waren nicht klüger geworden! Stunden über Stunden der Suche und keine Spur, nicht einmal im Ansatz! Keine Ahnung und keine Idee. Er war wieder wie vom Erdboden verschluckt, wie ein Geist einfach verschwunden. Wusste der Geier, warum die Sicherheitszauber der Schule ihn nicht aufgehalten hatten. Minerva gähnte. Sie fühlte sich müde und unendlich schlapp. Eigentlich hätte sie Albus in der Großen Halle aufsuchen müssen, die Lage mit ihm besprechen, sich den Kopf zermartern sollen, wie die Sicherheit der Schüler wieder herzustellen sei. Es wäre ihre Pflicht gewesen. Doch sie war zu erschöpft dazu. Schläfrig schlug sie am Treppenhaus den Weg nach oben ein, schläfrig und mit einem schlechten Gewissen.

Gewissenbisse. Remus fühlte sie zwicken und nagen, stechen und beißen. Das schlechte Gewissen saß ihm im Nacken, trieb ihn durch die Korridore, obwohl ihm die Augen zuzufallen drohten. Vage ahnte er wie seinem alten Freund und neuem Feind dieses Kunststück gelungen war, das allen anderen Rätseln aufgab. Das alte Geheimnis, der Schwur ihrer Schulzeit geisterte durch seinen Kopf wie ein Phantom längst vergangener Zeiten. Doch er brachte es nicht über sich, den Mund aufzumachen. Wagte nicht, seine Bedenken, Befürchtungen auszusprechen. Nach allem was geschehen war fühlte es sich noch immer an wie Verrat. Dumbledore würde es das Herz brechen. Und Severus? Was würde er erst denken, bei all diesem Hass?

Der Werwolf war es gewesen, ganz gewiss! Er, Severus, hatte es all die Zeit gewusst. Remus Lupin war ein faules Ei im Nest. Und endlich zeigte er sein wahres Gesicht! Der Hass, die Wut, der nahe Triumpf in diesem stillen Krieg, trieben Severus die Erschöpfung aus den Gliedern. Sein Körper schrie nach Schlaf, sein Geist aber war hellwach. Albus musste ihm glauben, konnte nicht anders, nach diesen Beweisen! Der Werwolf war eine Gefahr. Er hatte seinem alten Kumpel hinein und hinaus verholfen und wenn Dumbledore ihn nach dieser Nacht nicht glaubte…. Aber nein, das würde nicht geschehen! Siegessicher stieß Severus die Tür zur Großen Halle auf, bereit den Verbrecher anzuklagen.

Albus seufzte tief und schwer. War dieser Krieg zwischen seinen Schützlingen niemals beizulegen?  Er hatte Severus‘ Anschuldigungen gelauscht als dieser Remus an den Pranger stellte und war doch nicht bereit, ein Urteil zu fällen. Remus war unschuldig wie ein Lamm, dessen war Albus sich sicher. Und er war müde ein Richter zu sein, müde überhaupt. Dieser Abend hatte alle Kräfte aufgezehrt und noch immer hatte er den Dementoren zu sagen, dass die Suche beendet war. Wie das alles überhaupt hatte passieren können, blieb ein Rätsel. Sein Kopf war leer. Er hob den Zauberstab und sprach ein stummes Alohomora, das die Fenster der Großen Halle öffnete: Frische Luft für die Schlafenden.

Frische Luft durchzog den Saal, durchzog die leeren Flure und dunklen Klassenzimmer. Der Herbstwind, kalt und klar, der alle Sinne kühlte, der die Lungen erfrischte und die Gedanken zum Schlaf bettete. Fünf Paar Augen fielen zu, entschieden sich nach langem Denken endlich zu ruhen. Zweifel und Rätsel, Sorgen und Ängste, Anklagen und schlechtes Gewissen, sie schwiegen. Hermine und Minerva, Remus, Severus und Albus, sie gaben endlich der Erschöpfung nach und folgten ihr ins Land der Träume. Nur der Herbstwind ging noch durchs Schloss, sang sein stummes Lied: Sirius Black war in Hogwarts eingedrungen und wartete irgendwo da draußen…

Hoffnung, Pokalzimmer, Schneefall

~*~

Ein kühler Lufthauch zog durch die Treppenhäuser von Hogwarts. Kühl war es in allen Fluren und Zimmern. Der Frost war über das Land hereingebrochen, ließ Blumen und Pflanzen aus Eis auf den Fensterscheiben sprießen. Über den Dächern, über den Zinnen trieben seit Tagen puderweiße Wolken und unablässig rieselte der Schnee. Das neue Jahr glich einer frischen Leinwand. Niemand wusste, welche Szenen die Hand des Schicksals noch darauf zeichnen würde.

Remus lächelte als er kurz ans Fenster trat und hinaus in das Schneetreiben sah, die Hitze der leeren Tasse noch an seinen Fingern. Der Tee aus dem Lehrerzimmer wärmte ihn gut. Um ihn her herrschte klirrende Kälte, hinter ihm klirrte funkelndes Metall. In den zahllosen Vitrinen versprühte es ein goldenes Blitzen wie ein Hoffnungsschimmer im tristen Wintergrau. Seitdem die meisten Schüler über die Ferien nachhause gefahren waren und das Schloss so still und leer war, hatte er sich angewöhnt, in den Korridoren ein wenig zu lustwandeln und den Erinnerungen an alte Zeiten nachzuhängen. So hatte es ihn heute ins Pokalzimmer verschlagen, um sich ein wenig im Glanz der Geschichte der altehrwürdigen Schule zu sonnen und dem letzten Zeugnis von James‘ Quidditcherfolgen die Ehre zu erweisen: Der Name seines Freundes eingraviert in Gold. Wehmütig betrachtete Remus gerade die Pokale und Medaillen als ein Geräusch ihn aufmerken ließ: Jemand hatte das Pokalzimmer betreten. Sofort wandte er sich um. Ein Mädchen stand im Türrahmen, langes buschiges Haar umrahmte sein Gesicht ehe es auf dem rot-gold-gestreiftem Schal endete: Hermine Granger. 

 „Professor Lupin“, rief sie abgehetzt, „Ich habe Sie im ganzen Schloss gesucht. Harry hat mir erzählt, dass Sie ihm schon heute Abend den Patronuszauber zeigen wollen, ist das wahr?“ 

„Das stimmt“, entgegnete Remus und fragte sich, was sie wohl von ihm wollte. Die Schülerin setzte ihre Ledertasche ab, während sie die Vitrinen musterte.

„Harry, er ist immer noch traurig, dass er das Quidditchspiel gegen Hufflepuff verloren hat. Und er ist sauer auf mich, weil ich auf McGonagalls Seite bin, wegen dem Feuerblitz, wissen Sie. Er versteht einfach nicht, dass… dass ich Angst habe, dass Sirius Black…“

Sie brach ab. Und mochte ihr bester Freund ihre Bedenken auch nicht verstehen: Remus verstand.

„Professor McGonagall und Professor Flitwick tun ihr Bestes, um den Feuerblitz auf mögliche Flüche zu überprüfen. Vielleicht ist er ja auch ein Geschenk eines Verehrers. Harry ist berühmt und hat viele Bewunderer“, erklärte er beschwichtigend und warf einen Seitenblick zum Fenster, damit er nicht in ihre Augen sehen musste. Dass dieses Geschenk Sirius‘ Handschrift trug wie kein Anderes, verschwieg er. Wäre er nicht der Verräter gewesen, der James ans Messer geliefert hatte, es wäre genau das gewesen, was Sirius getan hätte, hätte er vom Quidditch-Unfall eines geliebten Patenkindes erfahren. Doch das konnte er einem vierzehnjährigen Mädchen nicht sagen. Für eine Weile standen sie schweigend nebeneinander und sahen durch die Fenster hinaus in den fallenden Schnee, jeder in seine Gedanken versunken. Die Stille schien durchtränkt von namenlosen Sorgen, unsichtbaren Schatten gleich der Dementoren, die um die Schule kreisten, während ruhig der Schnee fiel, sanft und weich wie Watte. 

„Was denken Sie, Professor Lupin, wird er…?“, fragte da Hermine Granger, flüsternd fast. 

Der Hauch ihrer Worte ging durchs Zimmer wie eine Winterbrise, zu schwach um den Weg fallender Flocken zu verwirbeln. Remus sah hinauf in den Himmel, ebenso weiß und unbeschrieben wie die Landschaft ringsumher.

„Ich denke, dass Harry das nächste Spiel gewinnen wird“, erwiderte er dann, wissend, dass es nicht die Antwort  auf ihre stumme Frage war, „Und dass er auch aus anderen Kämpfen siegreich hervorgehen wird.“

Hermine wandte den Kopf, blickte zu ihm auf. In ihren Augen las Remus Zweifel, doch besaß sie zu viel Anstand, um einen Lehrer offen der Leichtgläubigkeit zu bezichtigen. 

„Ich werde Harry alles sagen, was ich in den letzten Tagen in der Bibliothek über den Zauber gelesen habe“, erklärte sie bestimmt und verabschiedete sich.

Still lächelnd und mit einem heimlichen Respekt vor ihrer Courage sah Remus ihr nach. Er wusste nicht woher er diese plötzliche Gewissheit nahm, doch war er guter Dinge. Alles würde sich aufdecken und zu einer Lösung kommen, die keinen Blutzoll verlangte. Das spürte er einfach.  Hoffnungsvoll blickte Remus zum Fenster hinaus. Der Horizont glich einer weißen Leinwand und hinter ihm blitze James‘ Name im Gold.

Stolz, Flourish & Blotts, Buch

~*~

Die Bretter ächzten und keuchten stumm unter der seitenschweren Last, die sie zu wuchten hatten. Wälzer und Folianten, Taschenbücher und  Broschüren drängten sich Rücken an Rücken aneinander, leinengebunden und in Leder geschlagen. Albus atmete tief ein, genoss den Duft von Wissen und Weisheit, von altem Pergament und frischer Setzkastentusche, der aus allen Ecken auf ihn einströmte. Gab es einen herrlicheren Ort als einen Raum voller Bücher? Flourish & Blotts mochte zwar kaum mit der Schulbücherei von Hogwarts zu vergleichen sein, doch war es noch immer die beste Adresse, wenn man seine Privatbibliothek etwas aufzustocken gedachte. Während er hin und wieder einen Band aus den Regalen zog, hier und da etwas schmökerte, begleitete ihn das Rascheln von Papier. Nach einer Weile hielt Albus die Neugierde nicht mehr aus, sah von seiner Lektüre auf und warf einen verstohlenen Seitenblick hinüber in die Ecke des Raumes, wo eine schwarzgekleidete Gestalt das Angebot der Abteilung Zaubertränke studierte: Severus Snape. Die dünnen Finger an die schmalen Lippen gelegt, die Bücherrücken eingehend musternd war er offenbar auf der Suche nach einem ganz bestimmten Titel. Für welches Werk er sich wohl entscheiden würde? Albus fragte nicht nach. Er würde es früh genug erfahren, spätestens in der letzten Woche der Sommerferien, wenn alle Lehrer seine Unterschrift für die Liste der Schullektüre erbaten, die sie fürs nächste Schuljahr zusammengestellt hatten. Für Severus war es das zweite Mal und wie es schien, machte er es sich mit seiner Aufgabe nicht allzu leicht. Albus war ihm zufällig in der Winkelgasse begegnet und für einen seltsamen Augenblick wunderte er sich, warum der junge Mann sein Angebot ihn zu begleiten nicht mit einer Ausrede ausgeschlagen hatte. Jedem Anderem zeigte Severus Snape die kalte Schulter. Etwas, das Albus zuweilen besorgte, wenn er an die Worte seines Schützlings dachte, damals bei dessen Zusammenbruch in seinem Büro. Dann jedoch verdrängte er seine düsteren Gedanken. Er mochte Severus nicht weiter stören. Kaum hatte er sich dem Bücherregal vor sich wieder zugewandt, machte sein Herz mit einem Mal einen Satz als er etwas entdeckte, das seine Stimmung schlagartig kippen ließ.

„Du meine Güte!“ gluckste er als den goldenen Schriftzug ‚Albus Percivals Wulfric Brian Dumbledore Gesamtwerk Sonderausgabe‘ auf dem edlen Folianten mit Goldschnitt entdeckte, der im obersten Regalbrett ausgestellt war. Ihm war zumute wie einem Kind, das zum ersten Mal sich selbst im Spiegel sah. Hier war es, sein Lebenswerk, seine größten Leistungen auf dem Gebiet der Alchemie, die Lorbeeren all seiner Forschungen, vergoldet und auf ewig auf Pergament gebannt. Vergnügt und mit geschwellter Brust nahm Albus das Zeugnis seiner Berühmtheit aus dem Regal und begann darin zu blättern. Wie sehr rührte ihn die Ehre, die ihm hier zuteilwurde. Sein Ausruf hatte Severus hellhörig werden lassen und der junge Zauberer war in skeptischer Neugierde neben ihn getreten. Albus erzählte ihm wie ein strömender Wasserfall von den kleineren und größeren Unfällen bei der Erforschung von Drachenblut und von der langen Zusammenarbeit mit Flamel. Severus schwieg, doch verfinsterte sich seine Stirn, als trieben dahinter dunkle Wolken, als tose in der Seele ein Unwetter. Schließlich klappte Albus das Buch zu.

„Ich hoffe, ich langweile Sie nicht, Severus?“, fragte er vorsichtig und sah seinen Schützling über die Handmondbrille hinweg eindringlich an.

„Nein“, erwiderte Severus, „Es ist nur…“

Er sprach es nicht aus, doch Albus vernahm die Worte auch so: Sie sind so berühmt, die Gallionsfigur der magischen Welt und ich bin ein Nichts, namenlos und entstellt durch das Dunkle Mal. 

„Vielleicht wird auch Ihr Name eines Tages hier im Regal stehen, Severus. Wenn Sie Ihre Arbeit weiterhin so gewissenhaft betreiben, sehe ich gute Chancen für Sie.“ 

Severus sah auf. Nun glich sein Blick der Wüste auf die plötzlich ein lang ersehnter Regentropfen gefallen war.

„Ich muss noch in die Apotheke. Möchten Sie mich begleiten, Professor Dumbledore?“, fragte er. Albus brauchte eine Sekunde, um zu begreifen, dass der größte Eigenbrötler im Kollegium von Hogwarts ihn gerade eben um seine Gesellschaft gebeten hatte.

„Natürlich“, erwiderte er und sah Severus, der schon vorausging, einen Augenblick lang nach. In seiner Hand lag noch immer schwer das Buch. Doch war es mit einem Mal nur noch ein Haufen bedruckten Papiers, wertlos und unbedeutend. Die wahren Meisterwerke wurden nicht in Schreibstuben vollbracht. Sie entstanden zwischen den Zeilen des Lebens. 

Zorn; Gemeinschaftsraum; Kamin

~*~

Das kann sie nicht machen!

 

Hermine starrte auf das Porträtloch und ihre braunen Augen funkelten vor Zorn. Wut schwelte in ihr, glühte wie die Asche des Feuers im Kamin. Das Feuer, das nun nicht mehr brannte, nicht mehr auf diese Weise jedenfalls. Noch immer schien ein Schatten im Durchgang zu stehen. Noch immer glaubte Hermine ihre Silhouette dort zu erkennen, die Brille mit den Vierecksgläsern, das schottenkarierte Schultertuch, den strengen, schwarzen Dutt. Professor McGonagall hatte den Raum noch nicht lang verlassen. Noch immer hing ein Hauch ihrer verhängnisvollen Worte in der Luft, schien sich in den Ecken zu sammeln, wie ein Echo auf Hermine einzuströmen. Die Hauslehrerin war im Gemeinschaftsraum nicht gerade ein häufiger Gast. Ihr Erscheinen war stets ein hoher Besuch, der selten etwas Gutes bedeutete. Doch diese Hiobsbotschaft hatte keiner erwartet, zumindest die jüngeren Jahrgänge nicht. Hermine aber hatte es befürchtet, leise schon lange geahnt, seitdem sie ihr falsches Lächeln beim Schuljahresdiner am Lehrertisch gesehen hatte. Es passte ins Bild. Der Glorienschein verblasste, die Repressalien nahmen zu. Die mächtigste Frau unter dem Dach dieser Schule zeigte mehr und mehr ihr wahres Gesicht. Mit grollendem Magen blickte Hermine auf den Kaminsims. Die Dose mit dem Pulver hatte Professor McGonagall gleich mitgenommen, zur Sicherheit wie sie sagte, denn die Gefahr sei groß und Harry  habe schon mehrfach kopflos gehandelt, womit sie nicht ganz Unrecht hatte. Noch immer klangen Hermine ihre strenge Worte in den Ohren. Es täte ihr leid, ihr seien die Hände gebunden und sie bemühe sich, eine Lösung zu finden. Konnten ihre Worte die Zukunft sein? Hermine zweifelte. Gedankenvoll blickte sie ins Feuer, das Feuer im Gryffindorkamin. In die Flammen, rot und gelb und orange, die niemals grün mehr leuchten würden, durch die höhere Macht bestimmt. Und in ihrem Magen schwelte noch immer heiß wie Zunder der Zorn.  

 

Sie hat es getan!

 

Minerva atmete tief aus als sie den leeren Flur betrat, von der Fetten Dame im rosa Kleid misstrauisch beäugt. Ein Atemzug wie das Pfeifen der Dampflock, ein Atemzug aus Rauch und Dampf und Wut. Sie hatte ihren Zorn gezügelt als vor den Schülern stand. Doch hier draußen gab es keine Zeugen; niemand, der ihre glühende Miene sah. Nur das Porträt im Nacken, dem sie längst den Rücken zugewandt hatte, einen Knoten schwarzen Haares entgegenhielt, der vielleicht das Letzte war, das ihre Beherrschung zusammenhielt. Unter dem geordneten, schottenkarierten Schultertuch brodelte es wirld. Die Augen der Schüler schienen Minerva noch immer zu durchbohren, rissen, zerrten an ihrem Nervenkostüm. Blasse, entsetzte Gesichter. Besonders das von Miss Granger hatte sich ihr eingebrannt. Miss Granger, die stellvertretend für Mister Potter stand, der mit Mister Weasley bei irgendeiner Strafarbeit saß. Die Augen des Mädchens waren voller Anklage gewesen. Ihre Worte hätten ihre Fassade fast zum Einsturz gebracht. Fast, ja fast hätte Minerva sich hinreißen lassen ihre wahren Gefühle, ihre wahren Gedanken in einem bösen Wort zu offenbaren. Gerade noch hatte sie sich gebremst und doch war sie sich sicher, Miss Granger ahnte etwas. Schwer lag die Flohpulverdose in Minervas Hand. Schwerer als sie eigentlich war. Sollte sie Reue empfinden? Nein, sie hatte nur getan, was sie hatte tun müssen. Sie handelte nur im Sinne der Schüler, warum verstanden die Kinder das nicht? Ein entsetzter Aufschrei war durch die Reihen gegangen. Nur Miss Granger hatte geschwiegen, die Stirn wie von düsteren Gedanken umwölkt. Ahnte sie, wie vage ihr Versprechen war, eine Lösung zu finden? Auf welch wackligen Beinen es stand? Oh, wenn Minerva sie doch nur in die Finger bekäme! Ihr Magen grollte wie hundert Löwen, die eine Hydra zerreißen wollten. Hastig steckte sie die Flohpulver ein; rauschte davon, im Rauch der Wut.

 

Das Porträt am Durchgang aber, die Fette Dame, vergaß nicht. Sie hatte in den Gemeinschaftsraum gelauscht und so erfahren, was wirklich geschah.

„Bitte, Miss Granger, versammeln Sie als Vertrauensschülerin ihre Hauskameraden. Ich habe Ihnen leider eine ernste Mitteilung zu machen“, sprach Minerva und wartete angespannt, bis der Gemeinschaftsraum sich füllte.

„Was ist geschehen?“, fragte ein Schüler aufgebracht und sie holte tief Luft.

„Ich muss Ihnen leider mitteilen, dass unsere Großinqusitorin Dolores Umbridge neuerdings das Flohnetzwerk im gesamten Haus kontrolliert“

„Was?!“, tobte Hermine, „Aber Professor, das kann sie nicht machen!“

Minerva seufzte schwer. 

„Ich fürchte, Miss Granger, Sie hat es getan!“

Autorennotiz

Hallo zusammen! Schön, dass ihr hereinschaut. Dieser Kalender ist ein Beitrag zu meinen Schreibprojekten "Ein Tribut an Fünf" im Forum. Zusätzlich zu den Projektvorgaben hat jeder Oneshot hier genau 700 Worte. Ich hab die Sammlung als "Gen" und "Headcanon" getaggt, denn auf die meisten trifft beides zu. In ein paar wenigen gibt es Was-wäre-AU und Romanze zwischen Canonpairs (nicht den Dous!). Ansonsten ist von Fluff bis Tragödie alles dabei.

Bis auf die 1. und die 52. Woche gilt für die Dous folgende Reihenfolge. Kalenderwoche endet auf..

0: Hermine & Severus
1: Minerva & Remus
2: Hermine & Remus
3: Albus & Severus
4: Hermine & Minerva
5: Albus & Remus
6: Minerva & Severus
7: Albus & Hermine
8: Remus & Severus
9: Albus & Minerva

Viel Spaß beim Lesen!

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Autor

Augureys Profilbild Augurey

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Statistik

Kapitel:4
Sätze:210
Wörter:3.025
Zeichen:18.237

Kurzbeschreibung

Ein Jahr ist eine lange Zeit, ein ganzes Leben noch viel länger. Für Albus Dumbledore, Hermine Granger, Minerva McGonagall, Remus Lupin und Severus Snape ist beides erfüllt von Momenten. Glückliche Momente und traurige , witzige und spannende Momente. Momente, die einer mit dem Anderem teilt! Fünf Lieblingscharaktere, zehn Dous, zweiundfünzig Begegnungen. Kunerbunte Geschichten für ein ganzes Jahr! Oneshotsammlung, keine canonfremden Ships, zu 90% Gen und canonkompatibel.

Kategorisierung

Diese Fanfiction wurde mit Kalender, OneShot-Sammlung, Gen, Headcanon, Allgemein und Schreibprojekt getaggt.