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Die Unfassbare

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17.01.21 12:36
16 Ab 16 Jahren
In Arbeit

Charaktere

Tora (die Unfassbare)

Dunkelbraun gelocktes Haar und silberne AugenIst recht klein und dürr Einzelgängerin und Diebin

Hallo ihr,

Dies ist meine erste Naruto Fanfiktion.
Ich bin schon gespannt, was ihr so davon haltet. :)
Viel Spaß beim Lesen.

LG Soleira

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Tora (zehn Jahre)

Mit einem lauten Klirren zersprang die Glasflasche an der Wand, nur knapp von meinem Kopf entfernt. Scherben schnitten in meine Haut und der Alkohol brannte, als er sich in den kleinen Wunden sammelte. Mit Mühe unterdrückte ich ein angstvolles Wimmern und schirmte mit den dünnen Armen das Gesicht ab. Heute war es besonders schlimm. Dabei hatte ich doch gar nichts getan. Aber mein Vater fand immer einen Grund seine Wut an mir auszulassen.

„Du undankbares Gör.“ Drohend ragte er über mir auf und ein Zittern durchlief meinen Körper. Würde er mich wieder schlagen? Oder im Brunnen vor dem Haus halb ertränken? Wie aufs Stichwort begannen die kaum verheilten Wunden auf meinem Rücken zu schmerzen. Der Angstschweiß lief mein Gesicht hinunter. Mit aller Kraft versuchte ich die Tränen zurückzuhalten. Diese Genugtuung würde ich ihm nicht auch noch geben. Dabei hatte der Tag so gut angefangen. Zumindest für meine Verhältnisse. Ich war in die Akademie gegangen, hatte eingekauft und anschließend etwas für meinen Vater zu Essen zubereitet.

Doch er hatte auf sich warten lassen. Erst am späten Abend war er nach Hause gekommen und hatte dann nach etwas zu Essen verlangt. Wie so oft war er betrunken gewesen. Als ich ihm mitgeteilt hatte, dass ich das Gekochte noch aufwärmen müsste, bevor er es essen konnte, war er wütend geworden. Wegen etwas so Banalen. Doch was hätte ich tun sollen. Mich gegen ihn wehren? Nein. Dazu hatte ich viel zu große Angst vor ihm. Ich war ein kleines zehnjähriges Mädchen, das gerade einmal ein Jutsu beherrschte. Und er war ein ausgebildeter Jonin und somit um einiges stärker als ich. Zumal er noch größer und ein Mann war. Nicht einmal einen geringfügigen Schaden würde ich ihm zufügen können.

Ein scharfer Schmerz zog sich meinen Kopf entlang. Ich hatte das Gefühl er würde platzen. Starke Hände umgriffen mein Haar und ich unterdrückte mit Mühe einen Schmerzensschrei. Vater hatte meine Unaufmerksamkeit genutzt um mir ins lange Haar zu greifen. Mehrfach hatte er es sich um die Hand gewickelt, sodass ich ihm erst recht nicht entkommen konnte. Tränen des Schmerzes schossen in meine Augen und ich presste meine Lippen fest zusammen um dem Wimmern, das beständig und drängend meine Kehle emporkroch, Einhalt zu gebieten. Wut und Schmerz durchschossen meinen Körper. Es war nicht fair, dass er mich so behandelte. Was hatte ich ihm denn getan? „Hör… hör auf.“ Meine Stimme bebte und ich war mir erst nicht sicher, ob er mich verstanden hatte.

Doch das verstärkte Ziehen in meinen Haaren bestätigte mir, dass dies der Fall gewesen war. Ich biss mir so fest auf die Lippe, dass sie zu bluten begann. Nie und nimmer würde ich vor ihm heulen. „Werden wir jetzt auch noch frech, kleines Fräulein? Weißt du denn überhaupt, was du mir zu verdanken hast?“ Seine Stimme war ganz nah bei mir. Ich presste die Augen fest zusammen, um nicht in sein Gesicht sehen zu müssen. Innerlich wusste ich, dass es dann nur noch schlimmer werden würde. Der stechende Geruch des Alkohols brannte in meiner Nase und ich kämpfte mit aller Gewalt dagegen an, sie angeekelt zu verziehen. Etwas traf meine Magengrube und sämtliche Luft wurde aus den Lungen gepresst. „Sieh mich gefälligst an, wenn ich mit dir rede?“ Seine Stimme war so laut, dass meine Ohren klingelten.

Zittrig öffnete ich meine Augenlider und sah das Gesicht meines Vaters nur knapp vor dem meinen schweben. Es war gerötet vor Wut und Alkohol. Seine Augen trugen einen gefährlichen Schimmer in sich. Noch vermochte ich nicht zu sagen, was es war. Und ehrlichgesagt wollte ich es auch gar nicht wissen. Zu groß war die Angst vor dem, was möglicherweise noch kommen könnte. Unruhig huschten meine Augen umher und blieben an dem Messer haften, welches auf der Spüle lag. Mein Körper kribbelte unangenehm, als ich erkannte, dass mein Vater den Blick verfolgt hatte. Ein beinahe schon triumphierendes Grinsen breitete sich auf seinem Gesicht aus.

„Willst du mich etwa verletzen oder sogar töten?“, lallte er. Eine Gänsehaut bildete sich auf meinem Rücken. Sein Blick … er war so … beinahe schon wahnsinnig. Ich zitterte unter dem Ausdruck seiner Augen. Die Hand, welche sich um meine Haare verkrampft hatte, lockerte sich minimal. „Ich wäre nicht der Erste, den du getötet hast, du skrupelloses Monster.“ Erstarrt sah ich ihn an. Wie? Das konnte er doch nicht ernst meinen. Wann? Wen hatte ich getötet? So etwas würde ich nie im Leben tun. Niemanden würde ich das antun, nicht einmal ihm. Schallendes Lachen erfüllte den Raum. Die Augen meines Vaters glühten vor Irrsinn. „Wie du weißt es nicht? Na ja wie auch. Du warst ja gerade einmal ein paar Minuten alt.“ Was sagte er da? „Deine Mutter ist wegen dir gestorben du kleines Monster. Durch deine Geburt. Also wer ist hier der Mörder?“

Mörder. Mörder. Mörder. Immer wieder hallte dieses Wort in meinen Ohren wieder. Ich schüttelte, sofern es eben ging, den Kopf. „Nein… du lügst. Ich würde nie…“, stammelte ich und starrte den Boden an. Ich hatte sie nicht getötet. Ich konnte sie nicht ermordet haben. Das wäre nicht ich.

Der Griff um meine Haare wurde stärker und eine andere Hand packte mich an der Schulter. Mein Körper wurde herumgewirbelt und ich prallte mit dem Rücken voran gegen das harte Holz der Spüle. Die Wunden auf meinem Rücken platzten wieder auf und etwas Warmes lief meinen Rücken hinunter. Blut. Tränen benetzten mein Gesicht, während mein Rücken wie Feuer brannte. Die Schritte meines Vaters hallten laut in meinen Ohren wieder. Wie Donnerschläge, bei einem Gewitter. Nur, dass diese jetzt weniger angsteinflößend wären. Blind vor Schmerz und Trauer tastete meine Hand nach dem Messer auf der Spüle. Fest schlossen sich meine Finger um den kühlen Griff und hielten ihn fest. Erneut begann mein Vater zu lachen. Kalt und herzlos. „Glaubst du wirklich, du kannst mich mit dem Messerchen besiegen. Ich bin ein Jonin und du… du bist nur eine kleine Rotzgöre, die denkt sie könnte es ihm Leben zu etwas bringen. Doch dazu werde ich es nicht kommen lassen. Dein Leben wird deine eigene Hölle. Verlass dich drauf. Für andere wirst du unsichtbar sein und niemand wird etwas mit dir zu tun haben wollen. Unsichtbar hast du mich verstanden?“ Sein Gesicht war erneut so nah an dem meinem.

All meinen Mut samt der Wut zusammenkratzend, spuckte ich ihm ins Gesicht. Die Überraschung war ihm deutlich anzusehen. Doch rasend schnell verwandelte sie sich in pure, mörderische Rage. Ich hatte ihn nur noch rasender gemacht. Gerade noch rechtzeitig konnte ich mich ducken. Ein lautes Krachen folgte. Dort, wo eben noch mein Kopf gewesen war, befand sich nun ein großes Loch. Angsterfüllt sah ich auf den Schaden, den er verursacht hatte. Und in diesem Moment fasste ich einen mutigen und zugleich waghalsigen Entschluss. Mich hielt hier nichts mehr. Mein Vater hasste mich. Mutter war dank mir gestorben. Ich hatte niemanden nur mich und… meine Kraft. Und so sammelte ich mein Chakra und konzentrierte mich auf das einzige Jutsu, das ich beherrschte und von dem niemand bisher wusste.

„Jutsu der Unsichtbarkeit.“

Tora (12 Jahre)

3…2...1...

„Meine schönen Äpfel! Haltet den Dieb.“ Der Aufschrei des Händlers gellte durch die Gassen Konohagakures. Ein breites Grinsen schlich sich auf mein Gesicht, während ich in Höchstgeschwindigkeit über die Dächer rannte. Selbstverständlich unsichtbar. Sonst würde ich mir mein Selbstmordkommando auf den Hals hetzen. Diesmal hatte er etwas länger gebraucht, um den Diebstahl zu bemerken. Aus einem sicheren Versteck heraus, hatte ich beobachten können wie die Augen des dicklichen Händlers prüfend über seinen Stand gewandert waren.

Daichi war ein wohlhabender Kaufmann, der des Öfteren nach Konoha kam um seine Früchte zu verkaufen. Die wirklich lecker waren. Besonders die frisch gestohlenen. Bei ihm machte es mir am meisten Spaß etwas zu stehlen. Der Kerl war nicht nur geizig, sondern hatte auch noch Geld wie Heu. So zum Ausgleich war es doch nur fair, wenn man den guten Mann ab und zu ein wenig um ein wenig von seiner Ware erleichterte. Besonders für seine Äpfel verlangte der Gute viel zu viel. Acht Ryou für einen einzigen Apfel war doch ein wenig übertrieben. Naja um dem Kerl eins auszuwischen … dafür war ja ich sozusagen zuständig.

Auch wenn ich mir nur das nahm, was ich zum Leben brauchte. Und das war wirklich nicht viel. Ich wollte nicht zu oft mein eigene Sicherheit aufs Spiel setzen, nur um einmal mehr zu stehlen. Und ehrlichgesagt, machte es mir auch nicht wirklich Spaß. Das Gute war, dass mich noch nie jemand erwischt hatte. Nun ja das lag wohl auch an dem Jutsu, das ich beherrschte oder vielmehr beherrschen musste. Denn ohne diese Fähigkeit, wäre ich auf der Straße ziemlich aufgeschmissen.

Still und heimlich konnte ich mich an die Stände heranschleichen und die ein oder andere Sache mitgehen lassen. Und, das Wichtigste war: Aufpassen, dass keine Shinobi in der Nähe waren. Bei meinem allererstem Diebstahl wäre ich beinahe erwischt worden, weil ich vergessen hatte auf meine Umgebung zu achten. Zwei Tage, nachdem ich von zuhause und vor meinem Vater geflohen war, hatte mich der Hunger ins Zentrum Konohas getrieben. Es war ein regnerischer Tag gewesen und die meisten Menschen hatten in ihren Häusern Zuflucht gesucht. Das Jutsu der Unsichtbarkeit nutzend, war ich frierend durch die Gassen geschlichen, auf der Suche nach etwas Essbaren. Meine Kleidung war wie eine zweite, nasse Haut an meinem Körper geklebt, während mein Magen immer wieder schmerzhaft gedrückt hatte. Dann hatte ich den Stand von Daichi entdeckt, mit seinen frischen Äpfeln, Orangen, Bananen….

Ich kann mich noch genau daran erinnern, wie mir bei dem Anblick das Wasser im Mund zusammengelaufen ist. Trotz meiner Unsichtbarkeit war ich langsam und geduckt an den Stand herangeschlichen. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich meiner Fähigkeit noch nicht wirklich getraut und war dementsprechend unsicher bei der Anwendung, doch das hatte sich von Mal zu Mal gelegt.

Da sich die Äpfel eher im hinteren Bereich und nicht direkt vor den Augen des Händlers befanden, hatte ich mir auch dieses frische Obst ausgesucht. Vorsichtig hatte ich nach dem ersten Apfel gegriffen und ihn in meiner kleinen Tasche verschwinden lassen. Als nichts passiert war, bin ich mutiger geworden und hatte zum Schluss ganze sechs Äpfel in meiner Tasche. Mit dem Beschluss, dass das reichen würde, hatte ich mich wieder auf den Weg machen wollen um mir ein sicheres Versteck zu suchen und bin gegen ein Hindernis gelaufen.

Noch allzu gut kann ich mich daran erinnern, wie entsetzt ich zu dem Mann über mir aufgeblickt hatte. Es war ein Jonin gewesen. Sein Anblick hatte mich sehr verschreckt, denn auf mein kleines zehnjähriges Ich hatte er einfach nur riesengroß und dunkel gewirkt. Mit seiner dunklen Kleidung und der schwarzen Maske, die sein Gesicht bis unter den Augen verdeckte. Die meinen hatten sich entsetzt geweitet und ich war einen Schritt zurückgegangen. Nur, dass sich dort hinter mir, die Ablage mit den Äpfeln befunden hatte. Es hatte laut gekracht und all die schönen Äpfel waren in den Dreck gefallen. Dennoch hatte ich es nicht gewagt mich umzudrehen. Wohl wissen, dass der Händler bald herumfahren und mit dem Schreien beginnen würde. Und dann hatte ich mich blitzschnell auf dem Absatz umgedreht, war der tastenden Hand des Mannes ausgewichen und davongerannt. Noch heute hielt ich mich von ihm fern. Denn nun wusste ich, was ich damals eigentlich für ein Glück gehabt hatte, ihm entkommen zu sein. Er war nicht nur ein ausgebildeter Jonin, sondern war mitunter auch als der Kopierninja bekannt.

Kakashi Hatake.

Ein weiterer Grund also mich besonders von ihm fernzuhalten. Denn er hatte mich ja schon gesehen. Nicht direkt zumindest. Aber er wusste, dass ich existierte. Und noch dazu eine der meistgesuchten Diebinnen in Konoha war. „Die Unfassbare“ nannten sie mich. Ich verzog das Gesicht. Wenn die Leute wüsste, dass sich hinter diesem Namen ein zwölfjähriges Straßenmädchen verstecken würde. Schon mehrmals hatten sie versucht mich zu fangen. Doch mittlerweile kannte ich Konohagakure wie meine Westentasche. Alle Geheimwege, Pfade und Gassen waren in meinem Kopf eingespeichert. Noch dazu lebte ich außerhalb von Konohagakure im Wald. Und bis zu meinem Versteck, hatte ich mehr als genügend Fallen aufgebaut.

Aber bisher war es noch niemanden gelungen mich bis zu meinem Versteck hin zu verfolgen. Glücklicherweise. Denn dann würde es für mich gar nicht mehr gut aussehen. Zwar hatte ich mich, was Kampftechniken anging auch um einiges weitergebildet, aber dennoch, wenn mir ein ausgebildeter Jonin gegenüberstünde... Ich wollte es mir gar nicht ausmalen.

Denn an Waffen hatte ich zu wenig in der Tasche um wirklich kämpfen zu können. Zwei kleine Shuriken, ein Drahtseil und ein Messer. Nicht wirklich viel. In meinem Versteck hatte ich noch einen Bogen, samt Pfeilen. Den brauchte ich immer, wenn ich jagen ging. Das Schießen hatte ich mir selbst beigebracht und mittlerweile war ich ganz passabel darin. So konnte ich mir ab und an einmal einen Hasen schießen. Und wenn es damit nicht klappte, blieb mir immer noch das Stehlen. Denn das machte ich nur, wenn mir keine andere Wahl blieb.

Vor allem im Winter, wenn viele Tiere Winterschlaf hielten. Da war es immer besonders schlimm. Häufig hatte ich mich dann des Nachts ins Dorf geschlichen und mich in der Nähe von Gaststätten aufgehalten, sodass ich nicht erfror. Das Leben als heimatlose Diebin war hart, aber das einzige, was mir momentan übrigblieb. Denn wer wollte mich schon? Mein Vater? Der erst recht nicht. Er hatte nicht einmal nach mir suchen lassen, als ich von zuhause abgehauen war. Das einzige, was ihn kümmerte, war er selbst. Geschwister hatte ich keine und meine Großeltern waren schon lange tot. Also musste ich es mit mir selbst aushalten und zusehen, dass ich irgendwie überlebte.

Als Kind hatte ich immer den Traum gehabt eines Tages eine großartige Ninja Kriegerin zu werden, die tapfer, gemeinsam mit ihren Freunden, für ihr Dorf kämpfte. Zwar besaß ich gewisse Fähigkeiten, die gefördert werden könnten. Aber ich besaß kein Geld. Wer also würde mir den Aufenthalt in der Akademie zahlen? Keiner. Wer interessierte sich schon für ein dreckiges Straßenmädchen, das sich noch dazu mit dem Stehlen verschuldet hatte?

Mit einem verärgerte Knurren wischte ich all diese Gedanken beiseite. Ich sollte endlich damit aufhören so sehr in Selbstmitleid zu versinken. Ich war schließlich Tora. Die unfassbare Diebin aus Konohagakure.

Ein erleichtertes Seufzen glitt über meine Lippen als ich den Wald erreichte. Ich hatte es geschafft. Und diesmal tatsächlich, ohne verfolgt zu werden. Der Tag versprach wirklich noch gut zu werden. Jetzt würde ich erst einmal mein Versteck aufsuchen und die Äpfel darin lagern. Anschließend könnte ich noch einmal zurück ins Dorf zur Akademie gehen. Genau. Zur Akademie. Natürlich unsichtbar.

Denn neben einem der Klassenzimmer wuchs ein hoher Baum, dessen Zweige so stark waren, dass sie mich tragen konnten. Häufig machte ich es mir dann auf einem Ast gemütlich und lauschte dem Unterricht. Alles was dort gelehrt wurde, konnte ich ebenfalls üben und anwenden. Dadurch hatte ich es geschafft, mir das Jutsu des Tausches oder das der Doppelgänger beizubringen. Äußerst effektiv für eine Diebin wie mich. Eines Tages wollte ich auch das der Schattendoppelgänger beherrschen, aber dazu würde ich mich wohl noch gedulden müssen. Das Jutsu der Nebeltarnung war das einzige des D-Rangs, das ich bisher beherrschte, aber es hatte bereits immer hervorragend funktioniert.

Irgendwie vermisste ich meine Zeit auf der Akademie, auch wenn ich damals nicht wirklich mit den anderen Kindern zurechtgekommen war. Was eigentlich auch daran lag, dass ich mich selbst sehr zurückgezogen hatte. Zu dieser Zeit hatte ich nicht so recht gewusst, was ich mit anderen machen sollte. Ich war lieber alleine gewesen und hatte vor mich hingeträumt. Jetzt, ein paar Jahre später, wünschte ich mir nichts anderes als Freunde. Aber in meiner aktuellen Situation war so etwas schier unmöglich. Man würde mich zurück zu meinem Vater schicken und die Hölle würde erneut beginnen. Bei dem Gedanken an meinen Erzeuger lief mir jedes Mal eine Gänsehaut über den Rücken.

Schon ein paar Mal hatte ich ihn im Dorf von Weitem gesehen und dann lieber einen Bogen um ihn gemacht. Diesem Menschen wollte ich um nichts in der Welt über den Weg laufen. Da bevorzugte ich noch eher eine Begegnung mit dem Kopierninja Kakashi Hatake. Der war mir auch um Meilen sympathischer. Auch wenn sie ihn schon einmal beinahe auf mich angesetzt hätten. Doch der Hokage hatte meinen Fall dann als Nichtigkeit abgetan. Wofür ich ihm auch sehr dankbar war. Das hatte ich alles dem Gespräch zweier ANBU entnehmen können und wäre dabei fast vor Schreck von Dach gefallen. Das war der Schock meines Lebens gewesen, nach dar Situation zwischen mir und meinem sogenannten Vater. Allein der erneute Gedanke an die Person, die mir das Leben zur Qual gemacht hatte, ließ Übelkeit in mir aufsteigen. Entschlossen drängte ich ihn beiseite.

Geschickt schlängelte ich mich durch das dichte Gestrüpp, sorgfältig darauf achtend möglichst keine Spuren zu hinterlassen. Der Boden war noch leicht feucht vom Regen der letzten Nacht. Die Tage zuvor waren abnormal heiß gewesen, umso mehr hatte ich nun das kühle Nass willkommen geheißen. Manch einer würde Regen als nervig bezeichnen, aber für mich war er ein wichtiger Bestandteil meines Lebens. Wasser war kostbar und überlebenswichtig.

Tief im Herzen des Waldes unter dem dichten Blätterdach lag mein kleines, aber sicheres Versteck. Direkt unter den Wurzeln eines großen alten Baumes hatte ich mir eine kleine Höhle eingerichtet, welche von dem wuchernden Gebüsch fast vollständig verdeckt wurde. Undichte Stellen hatte ich mit Moos, Lehm und Harz versiegelt. Meine Behausung war klein, aber es reichte um darin zu übernachten und Sachen zu verstauen. Zumal ich selbst keine wirklich erstrebenswerte Körpergröße besaß. Hoffentlich würde sich das in den kommenden Jahren noch ändern. Ich wollte nicht mein Leben lang so klein bleiben. Andererseits war diese Größe für mich als Diebin auch richtig praktisch. Vor allem wenn man verfolgt wurde. Ich passte durch die engsten Spalten und war noch dazu recht wendig. Ja meine kleine Statur hatte natürlich auch so ihre Vorteile.

In Frühling, Sommer und Herbst ließ es sich hier gut leben. Allerdings musste ich mir im Winter jedes Mal etwas einfallen lassen, um nicht zu erfrieren. Denn auch wenn ich einen Wintermantel aus Tierfell besaß, nicht einmal der schaffte es mich vor dieser tödlichen Kälte zu schützen. Tagsüber war ich dann immer in Bewegung, versuchte meinen Körper möglichst warm zu halten. Entweder durch trainieren oder einen Besuch im Dorf. Bisher hatte das immer funktioniert und hoffentlich würde es in Zukunft auch weiterhin klappen.

Geschwind hatte ich die frisch gestohlenen Äpfel im Inneren der Höhle verstaut. Bis auf zwei. Die würde ich mir für den restlichen Tag aufheben. Zufrieden tätschelte ich meine Gürteltasche. Nun war es an der Zeit Jagen zu gehen. Schon lange war es her, seit ich das letzte Mal Hasenfleisch zwischen die Zähne bekommen hatte. Vielleicht hatte ich ja heute etwas mehr Glück. Sonst würde ich gefühlt den Rest meines Lebens von gestohlenem Brot und Obst ernähren müssen. Nicht wirklich sehr erstrebenswert. Abwechslung musste sein. Ich grinste leicht. Heute würde ich etwas fangen, da war ich ganz sicher. Immer optimistisch bleiben.

Gerade als ich mich auf den Weg machen wollte, erklang nicht weit von meinem Versteck ein lautes Knacksen, gefolgt von einem wütenden Schrei. Ich erstarrte. So weit war noch nie jemand an meine Behausung herangekommen. Auch wenn dieser jemand möglicherweise nicht hinter mir her war, so musste ich ihn dennoch beobachten um den unangekündigten Besucher im Notfall von hier fortzulocken. „Jutsu der Unsichtbarkeit“, wisperte ich. Sofort verschwand mein Körper. Gewohnheitsbedingt sah ich an mir herunter, ob es auch wirklich funktioniert hatte. Als ich keinen Fehler feststellen konnte, machte ich mich in die Richtung auf, aus der die Geräusche kamen.

Lautlos sprang ich von Baum zu Baum. Der „Besucher“ war leicht zu finden gewesen. Mit der Lautstärke, die er momentan verursachte, hatte er all das Wild im Umkreis von mindestens fünf Kilometern verschreckt. Ich schüttelte den Kopf. Wie konnte man nur so einen Lärm veranstalten? Leicht verärgert schüttelte ich den Kopf. Das wars dann wohl mit jagen. Und dabei war ich so optimistisch gewesen.

Es handelte sich um einen Jungen etwa in meinem Alter. Seine blonden Haare standen nach allen Seiten ab. Auf seinem Gesicht zeichneten sich Schnurrhaare ab. Ich legte den Kopf schief. Irgendwie kam er mir bekannt vor. Meine Augenbrauen zogen sich zusammen, als ich nachdachte. Vorsichtig schlich ich näher an ihn heran.

Auf einer breiten Astgabel fand ich schließlich den geeigneten Platz, um ihn zu beobachten. Verbissen warf er seine Kunais in die Rinde meines Baumes. Schweißperlen rannen sein junges Gesicht hinab, während er immer wieder ausholte. „Eines … eines Tages werde ich Hokage, verlasst euch drauf.“ Erkenntnis durchzuckte mich wie der Blitz. Natürlich. Warum war ich nicht gleich darauf gekommen. Bei dem Jungen handelte es sich um niemand anderen als Naruto Uzumaki. In ihm wurde der Kyuubi in Form des neunschwänzigen Fuchses kurz nach seiner Geburt versiegelt. Ich hatte wenig mit ihm zu tun gehabt. Anders als ich hatte er sich jedoch nicht vor den anderen Kindern abgeschottet. Nein. Er wollte dazugehören. Doch alle hatten in ihm nur den Fuchs gesehen, von welchem er selbst nichts wusste. Und anscheinend war beides noch immer der Fall.

Nun verstand ich auch seine Wut. Es war sicher nicht leicht für ihn in einer Welt zu leben, die nichts mit ihm zu tun haben wollte. Ein Stich fuhr in mein Herz. Ich verstand ihn. Womöglich besser als manch anderer. Auch wenn wir nicht dasselbe Schicksal teilten, waren wir beide in derselben Situation. Alleine.

Mit einem Mal zischte die Luft. Ein Schmerz an meinem Arm ließ mich laut keuchen. Verdammt, das brannte. Anscheinend hatte er eines der Kunais falsch geworfen und hatte statt des Baumes mich getroffen. Was war ich auch so leichtsinnig und setzte mich direkt auf den Baum, an welchem der junge Shinobi trainierte. Ich musste hier fort, und zwar so schnell wie möglich. Schon wollte ich mich in Bewegung setzen, als mich etwas zurückhielt.

„Wer ist da?“

So ein Mist.

Verdammt. So ein Mist. Ich sollte definitiv verflucht sein. Warum passierte das ausgerechnet mir? Und das noch dazu hier im Wald. Wo es doch so extrem schwer ist in so einem Terrain seine Spuren zu verwischen. Ich knirschte mit den Zähnen und linste zu Naruto, welcher neugierig in meine Richtung blickte. Zwar war ich für ihn nicht sichtbar, doch ich wusste, dass er wusste, dass ich da war. So blöd war er nicht. Mir blieben jetzt zwei Möglichkeiten. Entweder ich flüchtete ins Dickicht und hoffte, dass er irgendwann aufgab. Was ich einem Naruto Uzumaki eher nicht zutraute, denn schon früher war er dafür bekannt gewesen, niemals aufzugeben, komme was da wolle. Oder ich würde mich ihm zeigen und hoffen, dass er nicht darauf kam, dass ich die unfassbare Diebin aus Konoha war.

Ich schüttelte den Kopf. Sicher nicht. Er war wie ich noch ein Kind. Sicher würde Naruto denken es würde sich um eine mächtige erwachsene Person handeln. Nie im Leben würde er davon ausgehen, dass ein zwölfjähriges Mädchen und eine Diebin, dieselben Personen waren. „He ich weiß, dass du da bist. Komm raus. Ich tu dir nichts, echt jetzt.“ Naruto klang keineswegs ungeduldig, eher neugierig und freundlich. Er hatte sich kein Stück verändert.

Schon damals hatte ich den blonden Chaoten gemocht, aber Vater hatte mir immer verboten mit ihm zu spielen. Als ich es einmal dann doch gewagt hatte, hatte ich die Ohrfeige meines Lebens bekommen. Eineinhalb Wochen hatte ich den Handabdruck unter einer Bandage versteckt und behauptet, ich sei auf mein Gesicht gefallen. Seitdem hatte ich mich von ihm ferngehalten, was Naruto zu Beginn sehr verwirrt hatte. Aber mit der Zeit hatte er sich damit abgefunden, dass ich anscheinend nur ein weiteres Kind war, dass nichts mehr mit ihm zu tun haben wollte.

Das schlechte Gewissen begann an meinem Herzen zu nagen. Er würde mich bestimmt nicht mehr erkennen.

Als Naruto einen weiteren Schritt auf den Baum zutrat löste ich schließlich das Jutsu und zeigte mich das erste Mal seit zwei Jahren einem anderen Menschen. Die Augen des blonden Chaoten weiteten sich, als er meine Gestalt dort über ihm erblickte. Hatte er mich erkannt? Nein, das konnte nicht sein. Aber wenn, was würde er von mir denken? „Wer bist du? Irgendwie kenn ich dich.“ Oh nein. Das konnte doch nicht wahr sein.

Naruto zog die Stirn in Falten und schien krampfhaft zu überlegen, woher er mich wohl kannte. „Aber das ist unmöglich. Du wurdest für tot erklärt.“ Mein Herz setzte aus und begann unregelmäßig weiterzuschlagen. Er hatte mich also doch erkannt, oder aber er verwechselte mich. Ich musste es also darauf ankommen lassen.

„Was denkst du denn woher du mich kennst?“, fragte ich und beugte mich leicht nach vorne. Fest sah er mir in die Augen, blinzelte kein einziges Mal. Er schien sich ziemlich sicher zu sein.

„Aus der Schule, aber es ist zwei Jahre her, dass ich dich zuletzt gesehen habe. Und wenn ich mich nicht täusche ist dein Name Tora oder?“

Meine Glieder zitterten leicht. Unsicher setzte ich mich auf den Ast und ließ die Beine baumeln. Er hatte mich erkannt. Aber ich musste herausfinden, weshalb er sich so sicher war.

„Warum bist du von dieser Annahme so überzeugt?“ Prüfend sah ich ihn an und Naruto zögerte keine Sekunde mit seiner Antwort. „Deine Augen.“ Ich versuchte äußerlich ruhig zu bleiben, doch es gelang mir nur halbwegs. „Sie haben so eine ungewöhnliche Farbe. Sie sind so schön silbern.“

Überrascht blickte ich den blonden Chaoten an. Noch nie hatte jemand meine Augen als schön bezeichnet. Eher unheimlich oder seltsam. Ich vermochte mir bisher nicht zu erklären woher ihre Farbe kam, beziehungsweise was es damit auf sich hatte. Aber vielleicht würde ich es ja eines Tages herausfinden.

„Und auch deine Haare. Ich kenne niemanden mit wilden Haaren.“ Ich bildete mir ein, ein Schmunzeln aus seiner Stimme herauszuhören. Das stimmte. Meine Haare waren wirklich verrückt. Am Kopf bis zu den Schulterblättern lockten sie sich und gingen dann in sanfte Wellen über.

Ich starrte ihn einfach nur an. Konnte gar nicht anders. Er erinnerte sich an mich. Das hätte ich wirklich nicht gedacht. Einerseits freute ich mich, aber andererseits fürchtete ich mich davor, dass er ins Dorf laufen und allen von mir erzählen könnte. Das musste ich verhindern. „Hör zu“, hob ich an und sprang in einer fließenden Bewegung vom Baum. Nicht weit von ihm, landete ich sanft auf dem Boden. „Da du mich ja jetzt enttarnt hast, lass dir eines sa…“ „Du bist es wirklich!“, unterbrach er mich. Unglaubliche Freude und Triumph zeichneten sich auf seinem Gesicht ab. „Ha, ich wusste es. Jetzt kann niemand mehr sagen, dass ich ein schlechtes Gedächtnis habe, echt jetzt. Wenn ich das den anderen erzäh…“

„NEIN NARUTO“, nun war ich diejenige, die ihn unterbrach. Verschreckt sah der Blonde mich an. Verständnislosigkeit zeichnete sich auf seinem Gesicht ab. „Aber“, versuchte er es erneut und erntete von mir ein heftiges Kopfschütteln plus einem wütenden Blick. Ganz leicht wich er zurück. Noch immer von meiner plötzlichen Wut verblüfft. Ich konnte es ihm auch nicht verübeln. Natürlich wollte ich in mein Ninjaleben zurück. Auf die Akademie gehen und mit Freunden etwas unternehmen.

Doch es gab auch Dinge, die ich bedenken musste. Ich war eine gesuchte Diebin und noch dazu war der Mensch, den ich am meisten fürchtete, mein Vater. Das hieße, ich müsste zu ihm zurück. Und das konnte und wollte ich nicht. Ich würde meine persönliche Hölle betreten und diese würde mich zerstören, das wusste ich genau. „Denkst du denn nicht, dass es einen Grund gibt, weshalb ich von daheim fortgelaufen bin“, seufzte ich. Seine Augen weiteten sich leicht.
„Weggelaufen … aber warum?“ Ich ignorierte die Frage und sah Naruto eindringlich an. „Das. Was ich dir nun erzählen werde, ist nicht nur der Grund, weshalb ich meinem Heim den Rücken gekehrt habe, sondern auch, dafür, dass ich nicht vorhabe jemals dorthin zurückzukehren.“

Immer noch verwirrt nickte er, entspannte sich jedoch ein wenig. Das nahm ich als Aufforderung und begann zu erzählen.

Ich berichtete von dem Tod meiner Mutter nach meiner Geburt und dem sich verschlimmernden Zustand meines Vaters. Dass, er immer mehr damit begann seine Wut an mir auszulassen und immer öfter betrunken nach Hause kam. Mit geweiteten Augen hörte er mir angestrengt zu, bis zu der Stelle, an der ich ihm beichtete, weshalb ich nicht mehr mit ihm gespielt hatte.

„Jetzt versteh ich. Oh, man so ein gemeiner Kerl. Keine Sorge ich bin überhaupt nicht sauer oder so.“ Ich nickte dankbar. Das erleichterte mich. Der Blonde ahnte nicht, wie sehr. Als ich von dem Abend berichtete, an welchem ich fortgelaufen war, sprang Naruto mit einem Satz auf. Das Gesicht rot vor Wut.

„Das glaub ich einfach nicht. Der Kerl ist ja … ist ja … ich weiß nicht wie ich das beschreiben soll. Schlimm ist sowas jawohl. Sein eigenes Kind so zu behandeln. Schämen sollte er sich dafür und das was er danach gemacht hat.“

Nun war ich an der Reihe mit dem verwirrt sein. „Wie? Was meinst du Naruto?“ „Was ich meine?“ Naruto schob sein Gesicht ganz nah an meines und sah mich an. Seine Augen loderten vor Wut.

„Der Kerl ist am nächsten Tag bei uns im Klassenzimmer aufgetaucht und hat vor uns allen gesagt, dass du verschwunden seist. Und dann ist er in Tränen ausgebrochen.“

Geschockt sah ich ihn an. Mein Vater und Tränen? Nein. Niemals, das musste er gespielt haben. Er hasste mich wie die Pest, sah er doch in mir die Schuld an Mutters Tod. Ich ballte die Fäuste. So etwas hatte ich ihm nun wirklich nicht zugetraut.

Naruto senkte den Kopf und sah zu Boden.

„Und als du dann nach einem Jahr nicht wiederaufgetaucht warst, hat der Hokage dich für tot erklärt.“

„Und das sollen sie auch weiterhin so annehmen“, sagte ich tonlos. Widersprüchliche Gefühle zeigten sich auf Narutos Gesicht. Er schien sich nicht sicher wie er mit der Situation umgehen sollte. Und ehrlichgesagt war ich es auch nicht.

„Warst du denn seitdem nicht mehr im Dorf? Ich meine, du lebst doch nicht nur hier im Wald oder?“ Ich biss mir auf die Lippe. Wahrheit oder Lüge? Was würde ich wählen. Ich entschied mich für die halbe Wahrheit. Von meiner Tätigkeit als Diebin würde der Blonde niemals etwas erfahren. Außerdem wusste ich noch immer nicht, ob ich ihm wirklich trauen konnte.

„Du hast recht. Ab und an komme ich tatsächlich ins Dorf.“ „Und niemand hat dich gesehen?“ Naruto schien es gar nicht glauben zu können.

„Nein. Ich bin klein, weißt du. Ich falle nicht auf. Außerdem bin ich den Augen der Menschen nur ein Straßenmädchen. Wer sieht so jemanden denn bitte genauer an?“ Mein Gegenüber nickte langsam.
„Ja das klingt schlüssig. Aber würdest du denn nicht gerne einfach mal wieder so richtig im Dorf sein, anstatt durch die Gassen zu streichen?"
Ich nickte leicht. „Natürlich. Aber was habe ich denn für eine Wahl? Man würde mich sofort erkennen.“ Naruto zog die Stirn in Falten. „Ich denke mir was aus.“ Sein Magen grummelte und erinnerte mich an den Grund, weshalb ich eigentlich losgezogen war. Ich griff in meine Gürteltasche und fischte einen der beiden Äpfel heraus.

Als Naruto die rote Frucht sah, begannen seine Augen zu glänzen, doch dann huschte sein blaues Augenpaar in meine Richtung. „Und du?“ Ich lächelte. Wie lieb von ihm auch an mich zu denken. Doch ich schüttelte den Kopf. „Ich habe selbst noch einen.“ Ein erleichtertes Aufatmen folgte und Naruto biss herzhaft in den Apfel. Zu meinem Glück fragte er nicht nach, woher ich ihn hatte. Wie er so vor mir saß und mit leuchtenden Augen zu mir herübersah, überkam mich ein Gefühl, dass ich lange nicht mehr gehabt hatte. Ich fühlte mich wohl und seltsam sicher.

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Nicht weit von uns entfernt in einem dunklen Raum, saß ein Mann vor einer großen gläsernen Kugel. Sie zeigte das Bild zweier Kinder, welche sich fröhlich ein paar Äpfel teilten. Seine Augen begannen sich leicht zu verengen, als er das Mädchen weiterhin betrachtete. Irgendwie kam ihm das junge Ding bekannt vor. Die Stirn in Falten ziehend beobachtete er sie noch eine Weile, bis er sich schließlich zurücklehnte und sich mit der rechten Hand über das Gesicht fuhr. „Kann ich denn meinen eigenen Augen noch trauen?“ Er schüttelte den Kopf. „Ich muss herausfinden, ob es stimmt.“ Dann wandte der Mann seinen Kopf in Richtung des Fensters. Eine große Gestalt stand dort. Es handelte sich um einen großen, schlanken Mann in rabenschwarzen Kleidung. Doch mehr als das, war in der Dunkelheit nicht erkennbar. „Tu mir den Gefallen und überwache sie.“ Ein leichtes Rascheln erklang, als sich der Mann bewegte. „Sind sie sicher, dass ich ein Kind bewachen soll?“ Ein Lächeln glitt über die Lippen des anderen. „Ich vermute, sie ist mehr als das. Ich habe so ein Gefühl.“

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Wir waren noch eine ganze Weile so dagesessen und hatten uns unterhalten. Durch Naruto hatte ich einiges erfahren. In der Schule war wie vor zwei Jahren auch schon sein stärkster Kontrahent Sasuke Uchiha. Obwohl ich versucht hatte ihn von diesem Wettstreit abzubringen, hatte er sich vehement dagegen gewehrt. Er würde Sasuke nicht gewinnen lassen und dass er dann allen zeigen könne, dass er es wert wäre, Hokage zu werden. Schließlich hatte ich dann damit aufgegeben. Es brachte nichts ihn dazu zu drängen. Wenn er sich einmal etwas in den Kopf gesetzt hatte, dann konnte man den Blonden Chaoten nur noch sehr schwer davon abbringen. So grundsätzlich hörte er ja auf niemanden, außer sich selbst. Eine Eigenschaft, die er sich hoffentlich irgendwann abgewöhnen würde oder jemand in seinem Leben auftauchte, den er wirklich respektieren würde.

Als die ersten Grillen zu zirpen begannen, wurde mir auf einmal klar, wie spät es geworden war und wie lange ich nun schon mit Naruto dagesessen hatte. Bestimmt drei Stunden. Wie die Zeit doch verging, wenn man mit jemanden Spaß hatte. Spaß… Ich lächelte traurig. Ja es hatte wirklich gut getan wieder einmal mit einer Person reden zu können. „Weißt du Tora … das hat wirklich Spaß gemacht. Es ist lange her, dass ich mit jemanden so schön reden konnte.“

Ich nickte. „Das geht mir genauso. Bei mir sind zwei Jahre vergangen, seit ich überhaupt so richtig ein Gespräch mit einer Person geführt habe. Und das heute … ich habe es sehr genossen. Danke dafür.“ Lächelnd sah ich ihn an. „Das sollte jetzt aber kein Abschied sein.“ „Wie?“, verwirrt sah ich ihn an. Ein wenig verlegen kratzte er sich am Kopf.

„Naja, … ich meine, wir könnten uns doch öfter hier treffen oder auch mal zusammen ins Dorf gehen, wie ich es vorhin schon gesagt habe.“ Als ich den Mund öffnete um zu protestieren, da mich ja jemand erkennen könnte, winkte er ab. „Ich habe mir da schon etwas überlegt. Ganz einfach, wir machen deine Haare kürzer, damit du wie ein Junge aussiehst. Die passende Kleidung dazu trägst du ja schon.“

Naruto hatte Recht. Meine Klamotten sahen tatsächlich nicht wie die eines Mädchens aus. Alles was ich am Leib trug, waren eine dunkelbraune dreiviertel Hose, ein langärmeliges grünes Shirt und schwarze Sandalen. Noch dazu hatte ich keine richtigen weiblichen Rundungen. Die würden wahrscheinlich erst in den nächsten Jahren kommen. Ein weiterer Vorteil den ich nutzen könnte. Meine Haare hatte ich fast immer zu einem Zopf geflochten, damit sie mir beim Rennen nicht im Weg waren. Tatsächlich hatte ich schon einmal überlegt sie abzuschneiden, da sie manchmal ziemlich hinderlich waren.

„Wir müssen sie ja nicht ganz abschneiden“, durchbrach Naruto meine Gedanken. „Ich meine nur so, dass man dich halt nicht mehr als Mädchen erkennt.“ Doch ich schüttelte Kopf. „Wenn wir das machen, dann schon richtig.“ Narutos Augen begannen vorfreudig zu glänzen. „Und ich werde es machen, nicht du“, sagte ich bestimmend. Der Blonde zog eine Schnute. „Kommt gar nicht in die Tüte, Freundchen. Wer weiß, was du mir für ein Muster in den Kopf schnippeln wirst.“ Bei dem letzten Satz begann er zu grinsen. „Jetzt, wo du mich auf die Idee bringst.“

„Oh nein, bestimmt nicht.“ Ich lachte. „Sonst bist du mich schneller wieder los, als dass du Hokage sagen kannst.“ Anscheinend hatte es etwas gebracht. Naruto schien von der Idee, mir ein Kunstwerk in die Haare zu schnitzen, abzulassen. Innerlich atmete ich auf.

„Jetzt muss ich aber los, es ist schon ziemlich spät.“ Schneller, als ich gucken konnte, war er aufgestanden und hatte sich gestreckt. Ich nickte. Er hatte recht. Ich musste auch zurück zu meiner Höhle. Die Hand hebend drehte sich der Blonde um und ging davon. Doch auf halber Strecke drehte er sich noch einmal um und sah mich an. „Weißt du Tora, es wäre schön, dich als Freundin zu haben. Du bist so ein netter und offener Mensch.“ Diese Worte verursachten einen kleinen Stich in meinem Herzen, hatte ich ihm doch nicht die ganze Wahrheit gesagt. Aber ich musste vorsichtig sein. Noch kannte ich ihn nicht lange genug um ihm vollends vertrauen zu können. Also nickte ich nur. „Das wäre schön Naruto.“

„Noch ein letzter Schliff … so … fertig.“ Zufrieden betrachtete ich mich im Teich. Naruto, welcher dicht neben mir saß und mir tatsächlich ein wenig geholfen hatte, betrachtete meine deutlich geschrumpfte Kopfbehaarung mit einem begeisterten Grinsen. „Jetzt hast du fast so kurze Haare wie ich“, lachte er. Erneut lehnte ich mich nach vorne und besah das Ergebnis. Meine Haare gingen mir nun nur knapp über die Ohren und standen aufgrund der vielen Locken nach allen Seiten ab. Dafür, dass ich so etwas noch nie gemacht hatte, war ich jedoch sehr zufrieden. „Ich hätte nie gedacht, dass es so gut wird, echt jetzt.“ Zufrieden musterte Naruto mein Werk. Aus meiner Sicht schon fast ein Kunstwerk.

„Jetzt siehst du wie ein waschechter Junge aus. Und die stehen ja echt lustig ab. Da kommt wirklich keiner drauf, dass du ein Mädchen bist.“ Vorsichtig fasste der Blonde Chaot in meine Haare. „Die in meiner Klasse haben alle lange Haare. Scheint irgendwie im Trend zu sein. Aber ich finde kurze viel besser. Die hindern dich nicht. Und wenn du sie wäschst sind sie schnell wieder trocken.“ Optimistisch strahlte er mich an. Ich lächelte. Seine Gesellschaft tat mir wirklich gut. Zwei Wochen waren nun vergangen, seit wir uns im Wald getroffen hatten. Zwar trafen wir uns nicht jeden Tag, aber dennoch sah ich Naruto mindestens drei Mal die Woche.

Vor zwei Tagen wäre ich, als ich wieder einmal ein paar Früchte von Daichi hatte mitgehen lassen, beinahe mit ihm zusammengestoßen. Es war echt knapp gewesen. Gerade noch so, hatte ich ausweichen können. Hals über Kopf war ich dann davongerannt. Hatte nicht zurückgesehen, aus Furcht erneut jemanden anzurempeln. Tags drauf hatte er mir dann erzählt, die Unfassbare getroffen zu haben. Ich hatte mich beinahe an meiner Spucke verschluckt. Der Blonde hatte richtig davon geschwärmt. Zwar hatte ich versucht ihn von seiner Vermutung abzubringen, aber wie ich ihn kannte, hatte er mal wieder nicht gehört. Ich seufzte. Typisch Naruto. Aber trotz seiner übermütigen und auch unbedachten Art, mochte ich ihn sehr gut leiden. Und das beruhte auch auf Gegenseitigkeit, wie er es mir in den letzten Tagen oft gezeigt hatte. Letzte Woche hatte er mir eine Portion Reis mitgebracht, die wir dann zusammen mit etwas Hasenfleisch vertilgt hatten. Es war lange her gewesen, seit ich das letzte Mal Reis gegessen hatte, denn der ließ sich nicht so einfach stehlen. Da blieb ich doch lieber bei Daichis Stand.

„Hee Tora. Hörst du mir eigentlich zu?“ Ich schreckte auf. Schon wieder war ich abwesend gewesen. Narutos fragendes Gesicht mir gegenüber. „Nein. Tut mir leid. Ich war abwesend“, sagte ich entschuldigend. Leicht besorgt sah er mich an. „Das bist du in den letzten Tagen oft. Ist alles okay. Du kannst mir alles sagen, echt jetzt.“ Er grinste schief. Naruto ahnte ja gar nicht wie recht er mit seiner Vermutung hatte. Nichts war okay. Mich plagte das schlechte Gewissen ihm gegenüber. Noch immer wusste er nicht davon, dass ich die Unfassbare war. Aber ich fürchtete mich im Gegenzug davor, dass er sich dann von mir abwenden oder den Hokage verständigen würde. Und dann, wäre ich wieder allein. Im Wald oder im Gefängnis. Der Wald wäre mir zwar lieber, aber letztendlich würde es dasselbe sein. Ich hatte es satt nur vor mich hin zu vegetieren und brauchte jemanden, der mich verstand. Vielleicht würde ich es Naruto eines Tages sagen. Wahrscheinlich genau dann, wenn ich wusste, dass ich ihm vertrauen konnte.

Ich schüttelte den Kopf. „Nein Naruto. Es ist alles gut. Ich bin nur etwas müde.“ „Okay. Wir können auch morgen ins Dorf gehen, echt jetzt. Wenn es dir nicht gut geht.“ Ein Schmunzeln schlich sich auf meine Lippen. So fürsorglich kannte ich den Uzumaki gar nicht. Aber ich mochte diese Seite an ihm.

So schlichen wir uns am frühen Nachmittag ins Dorf. Ich wusste, dass die Wachen um halb drei Schichtwechsel hatten und somit konnten wir unbemerkt das Tor passieren.

Es war so richtig ungewohnt für mich, das Dorf zu betreten. Vor allem sichtbar. Wenn ich mein Unsichtbarkeitsjutsu nutzte, war ich in allem was ich tat sicher und selbstbewusst. Aber nun, so sichtbar, wie es nur ging hier im Dorf zu stehen machte mir zugegeben, doch ein wenig Angst. Ich fühlte mich wie ein zartes Rehkitz. Angreifbar und verwundbar. Immer enger rückte ich an Naruto heran.

Überrascht sah er mich an. „Was ist denn mit dir?“, flüsterte er. „Ich bin es nicht gewohnt, so offen durch die Gassen zu laufen“, erwiderte ich ebenso leise. „Es wird nichts passieren, versprochen. Und sobald wir deinen Vater sehen, kannst du rennen und ich halte ihn auf. Echt jetzt.“ Ich lächelte leicht. Zwar bezweifelte ich, dass der Blonde Chaot in der Lage wäre meinen Erzeuger lange aufzuhalten, aber allein schon seine aufmunternden Worte gaben mir ein Gefühl der Sicherheit. War es das, was Freundschaft ausmachte? Bisher hatte ich nie wirklich Freunde gehabt, weswegen es schwer für mich war, dieses Gefühl zu beschreiben.

Immer ein wenig schräg hinter Naruto, lief ich mit ihm durch das Dorf. Mit einem Mal erstarrte dieser in seiner Bewegung. Dort vielleicht zwanzig Meter von uns entfernt, neben einem der Stände, stand Sensei Iruka und sah sich suchend um. Ein Verdacht überkam mich, als ich in Narutos erstarrtes Gesicht blickte. „Ähm, ist es möglich, dass du jetzt eigentlich noch Unterricht hast?“

Ertappt schreckte er zu mir herum. „Ach Tora. Wie meinst du das? Ich hab keine Ahnung von was du sprichst.“ Ein kleiner Schweißtropfen bildete sich auf seiner Stirn, als er erneut zu Iruka hinüberlinste. Doch der war verschwunden. Naruto atmete aus, doch ich blieb misstrauisch. Irgendetwas war hier faul. „NARUTO!“ Uff. Ich hatte ja schon fast vergessen was für ein Organ mein ehemaliger Sensei hatte. Wie ein wildgewordener Stier rannte er auf uns zu. Alles in mir schrie danach, nun fortzurennen. Doch ich konnte und wollte Naruto nun nicht im Stich lassen.

Geistesgegenwärtig machte ich die Fingerzeichen für das Jutsu des Tausches, packte den Blonden an der Hand und zerrte ihn in eine Nebengasse. Vollkommen überrumpelt ließ er sich mitziehen. Wenige Sekunden später vernahm ich ein lautes Fluchen.

Sensei Iruka hatte anscheinend die Täuschung bemerkt. Wir mussten uns beeilen. Im Rennen ließ ich Narutos Hand los. „Folge mir“, zischte ich und gab mir Fersengeld. Durch meine Tätigkeit als Diebin war ich es gewohnt lange Strecken im Sprint zu rennen. Doch wie ging es Naruto dabei. Kurz blickte ich zurück. Doch der Blonde folgte mir ohne große Probleme. Erleichtert blickte ich wieder nach vorne. Die Gasse war beinahe zu Ende und an ihrem Ende stand niemand anderes als Iruka. Ich stieß einen Fluch aus, packte erneut die Hand meines Freundes und zerrte in eine unscheinbare Gasse.

„Da können wir nicht hinein, das ist eine Sackgasse“, rief Naruto. Ich schüttelte den Kopf. Auch wenn es auf den ersten Blick so aussah, als würde die große Mauer den Weg blockieren, zwischen ihr und der nächsten Hauswand war eine kleine Lücke. Gerade so groß, dass sich ein Kind hindurchquetschen konnte. Im allerhöchsten Tempo rannte ich darauf zu.

Naruto, der den Spalt noch nicht bemerkt hatte, versuchte seine Hand von der meinen zu lösen, doch ich hielt ihn unerbittlich fest. „Da gibt es eine Lücke. Komm runter“, zischte ich und ließ seine Finger los um mich seitlich durch eben jene hindurchzuzwängen. Meine nun kurzen Haare waren mir ebenfalls eine Hilfe. Denn sonst immer hatten sich die langen Strähnen in den Ritzen der Mauer verfangen. Was manchmal echt nervig gewesen war.

Als wir die Mauer hinter und gelassen hatten und in eine etwas breitere Gasse rannten, packte Naruto mich mit einem Mal am Arm und zog mich in eine kleine Nische. „Hör zu. Ich denke es ist besser, wenn wir uns ab hier trennen. Wir treffen uns morgen Abend am Fluss. Denn wenn sie dich erwischen, bringen sie dich zu deinem Vater zurück. Und das willst du doch nicht oder?“ Ich schüttelte den Kopf, unfähig ein Wort herauszufinden. Im Moment kannte meine Dankbarkeit Naruto gegenüber keine Grenze, wünschte ich mir doch gerade nichts anderes, als mich unsichtbar zu machen und in den sicheren Wald zu verschwinden.

„Dann geh. Wir sehen uns“, sagte er und grinste leicht. „Ich komm zurecht, echt jetzt.“ Ich grinste leicht und nickte erneut. „Gut, aber wenn wir das nächste Mal in die Stadt gehen, versichere dich bitte vorher, dass du keinen Unterricht hast.“ Naruto lachte. „Geht klar.“ Dann war er verschwunden. Ich lächelte und sah mich nach möglichen Beobachtern um. Als ich niemanden sah und mich sicher fühlte, wandte ich mein Lieblingsjutsu an. „Jutsu der Unsichtbarkeit.“

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Nicht weit von der Stelle entfernt, an welcher ich verschwunden war, stand eine dunkle, hochgewachsene Gestalt im Schatten. „Wusste ich es doch. Nun muss ich nur noch abwarten, bis sie erneut in die Stadt kommt und dann wird es einfach für mich.“

Entspannt saß ich am Fluss und ließ meine Beine in das kühle Nass baumeln. Es war ein schöner Tag. Der Himmel war fast wolkenlos und die Sonne strahlte mit angenehmer Wärme auf Konoha herab. Ich genoss das Zwitschern der Vögel und die sanfte Windbriese, welche mit meinem kurzen Haar spielte. Wann immer ich zum Fluss ging, genoss ich es hier zu sein. Diese Umgebung war einfach so schön friedlich. Man hörte nichts außer der Natur und… „ALLES GUTE ZUM GEBURTSTAG.“ Eine laute Stimme erklang hinter meinem Rücken und erschreckte mich so sehr, dass ich vor Überraschung das Gleichgewicht verlor und mit einem lauten Platschen in den Fluss fiel.

Panik überkam mich und ich strampelte hektisch mit Armen und Beinen um nicht unterzutauchen. Er war zwar nicht tief, aber ich fürchtete mich sehr vor dem schnellen Gewässer. Auch wenn ich es eigentlich können sollte. Dies war eine meiner größten Schwächen. Ich konnte nicht schwimmen. Vater hatte es mir nie beigebracht, da er es nicht als wichtig empfunden hatte. Panik kroch in mir hinauf und klammerte sich wie eine eisige Kralle um mein Herz.

Da packte eine starke Hand meinen Arm und zog mich aus den Fluten. „He Tora. Oh Mann, das tut mir so leid, echt jetzt. Ich hatte ja nicht geahnt…“ Besorgt sah Naruto mich an, als ich vor ihm an Land kroch. Zittrig setzte ich mich auf und schüttelte den Kopf. „Kannst du ja nicht wissen. Ich meine, eigentlich kann jeder in meinem Alter schwimmen. Aber mein Vater … er hat es mir niemals beigebracht. Du weißt ja, dass wir nicht die beste Beziehung gepflegt haben.“, sagte ich heiser. Der Blonde nickte. „Ja, es ist aber dennoch schockierend. Wenn du magst, kann ich es dir beibringen.“, sagte er. „Das würdest du für mich tun?“ „Aber klar. Ich helfe dir wo ich kann. Und wenn ich eines Tages Hokage bin, dann sorge ich auch dafür, dass du deinen Platz im Dorf bekommst und dein Vater für seine Taten bezahlt. Echt jetzt.“ Aufmunternd strahlte er mich an und entlockte mir ein kleines Lächeln. „Danke Naruto“, sagte ich.

„Jetzt aber zu dem Grund, weshalb ich überhaupt hier bin. Wir haben schließlich deinen Geburtstag zu feiern“, grinste er. Ach ja richtig. Mein Geburtstag. Dreizehn Jahre werde ich heute. Somit sind drei Jahre vergangen seit ich von daheim fortgerannt bin und acht Wochen, seit ich Naruto begegnet war. Ja, die Zeit vergeht schneller als mancher gucken konnte. Schade eigentlich. So manche Momente, hätte ich gerne festgehalten und nie wieder vorbeigehen lassen. Aber vielleicht musste man sie auch verstreichen lassen, damit man etwas noch schöneres erleben konnte. Und ich konnte wirklich sagen, dass ich viele super Momente zusammen mit Naruto hatte und auch noch haben würde. Da war ich mir sicher.

„He Tora. Schweifst du schon wieder ab? Ich wollte dir doch nicht nur zum Geburtstag gratulieren. Denn was wäre ein Geburtstag ohne ein Geschenk?“ Verdattert sah ich ihn an. Ein Geschenk? Für mich? War das ein Witz? Naruto schien mein blödes Gesicht zu genießen, denn er grinste breit und langte hinter sich. Wie gebannt folgten meine Augen seiner Bewegung, wollte ich doch jede Sekunde in mir aufsaugen und niemals vergessen. Mein erstes Geschenk seit Jahren. „Mach die Augen zu“, forderte er und ich schloss sie, wenn auch nur widerstrebend. Ein leises Rascheln erklang, dann war es still und ich fühlte, wie er etwas vor mir absetzte. „So. Jetzt kannst du.“ Vorsichtig öffnete ich meine Lider und sah…

Einen Kuchen. Einen etwas schiefen, aber dennoch vollständigen Schokoladenkuchen. Ich konnte nicht anders, mir klappte der Kiefer runter. Hatte er den selbst gemacht? Mein Gegenüber grinste breit. „Tadaaa. Mein erster selbstgemachter Schokokuchen. Bin echt stolz drauf. Aber Sensei Iruka wird einen Anfall kriegen, wenn er die Schulküche sieht.“ Leicht verlegen kratzte er sich am Kopf. Mir war die Schulküche egal. Schneller als der Blonde gucken konnte, war ich ihm um den Hals gefallen. „Danke. Das ist das Schönste Geschenk, das du mir hättest machen können. Ich bin so glücklich.“

Lachend genossen wir den, zugegeben, wirklich guten Schokokuchen. Ich genoss das Gefühl, die süße Schokolade auf der Zunge zergehen zu lassen. Naruto ahnte ja nicht, was er mir da für ein riesen Geschenk gemacht hatte. In meinen Augen waren es gleich zwei. Einmal der Kuchen und auf der Anderen Seite, die Tatsache, dass er ihn selbst gebacken hatte. Als wir fertig waren, konnte ich gar nicht anders und fiel dem Blonden ein zweites Mal um den Hals. Ja, der Tag würde noch wunderbar werden.

Am Nachmittag schlichen wir uns nach Konohagakure hinein. Mittlerweile hatte ich meine Furcht, mich sichtbar durch die Gassen zu bewegen, fast gänzlich abgeschüttelt. Aber dennoch, ein Fünkchen blieb noch immer, ganz tief in mir drin. Nicht gewillt, mir meinen Frieden zu lassen. Aber die meiste Zeit, die ich im Dorf war, schaffte ich es diese Zweifel zu unterdrücken. Wenn es hart auf hart kam, würde Naruto mich gehen lassen und die Verfolger in eine andere Richtung lotsen. Zwar war ich eine eins im Abhauen. Musste ich ja sein. Aber unsichtbar. Mit einem sichtbaren Körper gestaltete sich die Sache schon um einiges komplizierter, machte es aber dennoch nicht unmöglich.

Gemeinsam mit Naruto lehnte ich an einer Hauswand und beobachtete das bunte Treiben. Der Schatten, welcher ganz in der Nähe, versteckt hinter einem Kamin saß, bemerkte ich nicht.

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Still saß er da und beobachtete jede einzelne Bewegung des Mädchens, das in der Begleitung des jungen Naruto war. Ihre Haltung wirkte entspannt. Sie schien sich sicher zu fühlen. Lässig hingen die Arme, ihren zarten Körper herunter. Doch er wusste genau, dass dieser Eindruck täuschte. Das junge Ding war hart im Nehmen, hatte viel erlebt und durchgemacht. Das war ihm nach den vielen Wochen des Beobachtens klar geworden und er begann ihre Gefühle zu verstehen. Zu Beginn war er nicht wirklich begeistert gewesen, auf ein Kind aufzupassen, aber die Sache würde noch ziemlich interessant werden. Da war er sich sicher.

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Die Sonne war schon im Begriff hinter den Hausdächern zu verschwinden, als ich mich aufrichtete. Es war schön gewesen, dem Treiben zuzusehen und wieder unter Menschen sein zu können. Durch die Bewegung wurde Naruto wachgerüttelt, welcher im Laufe der Zeit an meiner Schulter eingeschlafen war. So eine Schlafmütze. Ich schüttelte grinsend den Kopf. Nun wurde es aber wirklich Zeit für mich zu gehen. „Naruto. Ich muss los. Die Sonne steht schon tief.“ Der Uzumaki nickte langsam und sah mich mit einem trägen Ausdruck im Gesicht an. „Ich glaub ich geh ins Bett“, nuschelte er. „Das glaube ich auch“, lachte ich und drückte ihn kurz, bevor ich meine Hand hob und davon ging.

Mit einem lächeln auf den Lippen schlenderte ich durch die Gassen des Dorfes. Schon konnte ich das Tor vor mir erblicken. Doch mit einem Mal, konnte ich eine Präsenz hinter mir spüren. Langsam glitt meine Hand zur Gürteltasche und fasste nach dem Kunai. Ein Lufthauch, mehr brauchte ich auch nicht zu spüren um blitzartig herumzuwirbeln und mit meinem Angreifer die Klinge zu kreuzen. Doch die Gestalt, die ich vor mir erblickte, ließ mein Herz stillstehen. Dunkle schwarze Augen sahen mir triumphierend entgegen. Ein Feuer brannte in ihnen, so kalt und grausam, dass es mir nur so den Rücken hinunterlief. Verbissen hielt ich gegen seine immense Kraft an. „Hallo kleine Mörderin.“ Ich schluckte. „Vater.“

Schweißtränen liefen mein Gesicht hinab. Ob der Angst oder Anstrengung wegen vermochte ich nicht zu sagen. Verbissen kämpfte ich gegen seine schier unendliche Stärke an.

„Na. Begrüßt man so etwa seinen Vater? Respekt scheinst du ja keinen mehr zu haben.“ Meine Glieder zitterten vor Anspannung. Die Angst drohte beinahe übermächtig zu werden. Warum musste es ausgerechnet heute passieren? An meinem Geburtstag? Was sollte ich denn nun tun? Mein Vater hatte eine gute Ausbildung hinter sich und war Jonin. Einer der besten Ninjakrieger des Dorfes. Gegen so eine Person kam ich doch nicht an.

Blitzschnell und ehe ich reagieren konnte, hatte er mit der Hand nach meinem Kragen gegriffen und zog mich in die Höhe. Ich röchelte aufgrund des Sauerstoffmangels, sagte jedoch kein Wort. Stumm ertrug ich die fürchterlichen Schmerzen an meiner Kehle. Diese Genugtuung wollte ich ihm nicht geben. Nein! Eigentlich wollte ich ihm gar nicht zeigen, wie schwach ich war. Er sollte sehen, was aus mir geworden war. Ich war nicht länger die kleine ängstliche Tora.

Das würde ich ihm hier und jetzt beweisen. Ich musste nur noch ein wenig warten, auch wenn mich der Kragen zu erwürgen drohte, trotz des fürchterlichen Schmerzes an meiner Kehle. Nun war sein Gesicht schon ganz nah an dem meinen.

„Weißt du, wie lange ich auf diesen Augenblick gewartet habe? Ich werde das beenden, was ich vor drei Jahren angefangen habe. Keiner kann dir helfen.“ Er grinste erneut. Mir wurde speiübel bei diesem Gesichtsausdruck. „Du hast Recht.“ Beinahe schon verwirrt sah er mich an und der Griff lockerte sich ein wenig. „Mir wird keiner helfen.“ Ein Lachen folgte. „Ich sehe, du hast es begriffen, kleine Göre.“ Ein Knurren entkam meinem Mund und ließ ihn verstummen.

„Ich helfe mir selbst.“ Mit diesen Worten ließ ich meinen Schädel gegen seine Nase krachen. Es knackte. Unsanft kam ich auf dem Boden auf. Doch mir blieb keine Zeit. Schnell griff meine Hand nach dem Kunai und ich ging langsam, Schritt für Schritt zurück. Meinen Vater immer im Auge behaltend.

Als er die Hand von seiner Nase entfernte, stockte mir der Atem. Sie sah seltsam verdreht aus, Blut lief daran herab und tropfte auf den Boden. Seine Augen hatten einen mörderischen Ausdruck angenommen. Hasserfüllt blitzten sie mir entgegen. Langsam und schleichend kam er näher.

„Das. Wirst du bereuen.“ Die Stimme war so leise, aber dennoch dröhnte sie lauter als jeder Trommelschlag in meinen Ohren wieder. Ich schluckte. Stark bleiben Tora. Du bist nicht so schwach wie du aussiehst.

Meine Hand, die sich um das Kunai verkrampft hatte, lockerte sich. Angespannt fixierte ich ihn und beobachtete jeden seiner Schritte. Er schloss die Augen für einen kurzen Moment, dann rannte er auf mich zu und warf drei Kunais auf meinen Körper. Zumindest für den Moment, dann verpuffte mein Ebenbild und gab den Blick auf einen Baumstumpf frei. In ihm steckten die drei Wurfmesser. Ich hatte den Augenblick als er die Augen geschlossen, genutzt um das Jutsu des Tausches anzuwenden. Aber das würde mir womöglich kein zweites Mal gelingen. Erneut würde er sicher nicht darauf hereinfallen.

Wütend brüllte er auf. Ich biss die Zähne zusammen, denn wenn er mich entdeckte, konnte es eng für mich werden. Und wenn ich mich nun bewegte und mein Unsichtbarkeitsjutsu anwendete wäre es ebenfalls keine gute Idee. Denn dann wüsste er, dass ich die Unfassbare wäre und könnte mich verraten. Dann würde auch Naruto von mir Bescheid wissen. Nein. Das durfte nicht passieren.

„Komm raus. Wo versteckst du dich?“ Seine Augen leuchteten unheimlich im Licht der kleinen Gasse. „Ich sehe schon, man nennt dich nicht ohne Grund die Unfassbare.“ Mein Atem setzte aus. Nein. Das konnte er nicht wissen. Woher?

Beißender Schmerz meldete sich an meinem Hinterkopf.

„Hab ich dich.“ Ein kleiner Schmerzensschrei entrang sich meinen Lippen. Nicht schon wieder. „Gar nicht mal so dumm, dir die Haare kurz zu schneiden. Ich vermute mal es war die Idee des kleinen Fuchsbastards. Wie hieß er doch gleich?“

„Naruto“, presste ich wütend hervor. „Wag es nicht so von ihm zu sprechen. Du hast keine Ahnung.“ Wütend warf ich ihm diese Worte entgegen. Mir egal, was er mit mir machen würde, aber ich würde nicht zulassen, dass er so von meinem Freund sprach. Dann hörte ich auf damit mich zu wehren und seine Hand um meine Haare ließ tatsächlich ein wenig lockerer. „Geben wir etwa schon auf. Komm kämpfe mit mir. Das ist doch langweilig.“ Er war verrückt definitiv. Und ich schämte mich dafür, so eine Person als Vater zu haben. Doch er hatte mich unterschätzt. Noch lange dachte ich nicht ans Aufgeben. Das war nicht meine Art.

Schon früh hatte ich als Diebin lernen müssen, dass man nicht kapitulieren durfte, wenn man überleben wollte. Hartnäckigkeit und Wille waren so wichtig wie die Luft, die ich zum atmen brauchte. Meine Hände kratzten über den sandigen Boden. Sand. Mir kam eine Idee. Eilig schloss ich eine Faust und verharrte in der Stellung. Wartete auf den richtigen Augenblick. Ich zwang mich meinen Atem heftig gehen zu lassen um meine Angst und Aufregung vorzutäuschen. Zu meinem Glück konnte er meine Augen nicht sehen, denn dann würde er erkennen, was in ihnen brannte. Purer Wille, Wut und Entschlossenheit. Angst fühlte ich keine mehr. Sie schien wie weggeblasen von der festen Entschlossenheit, mich meinem Vater zu beweisen. Meine Stärke zu zeigen. Und das würde ich.

„Wartest du auf den Tod?“, schnurrte in mein Ohr.

Ich erschauderte, als ich seinen Atem an meinem Hals spürte. Wenn er doch wüsste. Keine Ahnung hatte er. Urplötzlich schloss ich die Augen und warf den Sand in die Richtung, in welcher ich seine Augen vermutete. Meine Haare wurden losgelassen und ich konnte hören, wie er nach hinten sprang. Hatte ich getroffen? Unsicher wandte ich mich um und erstarrte.

Vor meinen Augen ragte eine große Gestalt auf. Doch es war nicht mein Vater. Der Mann vor meinen Augen trug eine Joninweste, genau wie sein Gegenüber. Die Arme waren verschränkt und in der rechten Hand hielt er zwei Kunais.

„Du wirst dieses Mädchen nicht weiter anrühren.“ Die Worte waren so leise, dass ich mir nicht sicher war, ob er sie wirklich ausgesprochen hatte. Drohend hingen sie in der Luft, wie ein Gewitter, das kurz davor war loszustürmen. Auch diese schien wie erstarrt zu sein. Alles war ruhig. Nur das unregelmäßige Atmen von uns dreien konnte ich vernehmen.

Ich konnte nicht anders, als meinen Retter verblüfft anzustarren. Denn von allen Jonin, die es im Dorf gab, hatte ich ihn am wenigsten erwartet. Unsicher wanderten meine Augen erneut über seine Erscheinung. Kein Stück hatte er sich verändert. Noch immer trug er diese schwarze Maske, die Mund und Nase verdeckte. Das Stirnband hatte er hochgeschoben und ich vermutete, dass meinem Vater nun das berühmte Sharingan entgegenblickte.

Dieser schien sich aus seiner Erstarrung gelöst zu haben, denn er sah sein Gegenüber mit einer Mischung aus Hass und …  Angst an. Das war das Erste Mal in meinem Leben, dass mein Vater sich vor jemanden zu fürchten schien und dieser Umstand gab mir einen Funken Hoffnung.

„Kakashi Hatake.“

Ohne, dass ich es wirklich hatte kontrollieren können, verließen diese beiden so simplen aber gerade doch so aussagekräftigen Wörter meine Zunge. Noch immer sah ich den hochgewachsenen Ninja ungläubig an. Warum verteidigte er mich? Wusste er wer ich war? Oder dass ich soeben gegen meinen eigenen Vater gekämpft hatte? Unzählige Fragen tummelten sich in meinem Kopf. Schwirrten darin herum wie lästige Fliegen.

„Ganz recht.“ Ich zuckte zusammen als ich die Stimme des Grauhaarigen vernahm. Sie war angenehm dunkel und auch … sympathisch. Doch ich konnte sein Wesen nicht an einer einzigen Begegnung festmachen. „Akaya. Ich muss zugeben, bisher habe ich nie wirklich etwas von dir gehalten, aber, dass du ein Mädchen attackierst und ihr Leben bedrohst übersteigt meine kühnsten Vorstellungen.“

Mein Vater lachte. Aber es klang leicht verunsichert. Er schien Respekt vor Kakashi zu haben und ich konnte es ihm nicht verübeln. Denn mir erging es ebenso. Der Kopierninja strahlte etwas aus, das ich mit einem Wort gut beschreiben konnte. Autorität. „Ich habe sie nicht wirklich bedroht, sie hat mir einst Geld gestohlen und ich wollte ihr Angst machen. Sozusagen als kleine Strafe.“ Lüge. So ein feiger Lügner. Kakashi würde ihm das hoffentlich nicht glauben.

„Weißt du denn nicht, dass sie die Unfassbare ist? Ich wollte sie hinterher zum Hokage bringen, damit er sieht, dass sie nichts weiter als ein dummes Kind ist.“ Ich zuckte zusammen, was nicht an der Beleidigung lag, sondern an der Tatsache, dass er meine Identität aufgedeckt hatte. „Ich weiß“, erwiderte der Grauhaarige. Überrascht und geschockt zugleich sah ich ihn an. „Woher?“ Es war nur ein Hauch. Aber er hatte mich dennoch gehört. Halb drehte er sich zu mir um und sah mich an. Ich konnte nicht anders als seinen Blick zu erwidern. Er hielt mich fest.

Doch seine Augen blickten mich weder bedrohlich noch mahnend an. Verständnis blitzte darin auf und ich bildete mir ein, dass sich seine Mundwinkel unter der Maske ein wenig anhoben. Ich kam nicht umhin verwirrt zu sein. Weshalb war dort nichts Feindliches zu erkennen? Ich war eine Diebin, hatte einiges gestohlen. Ein normaler Mensch würde wütend oder mit Ablehnung reagieren oder nicht?

„Später Kleines. Wir werden dir alles erklären. Aber zuerst habe ich hier noch etwas zu erledigen.“ Fest sah er mir in die Augen und ich nickte schwach. Das war mir alles zu viel. Ich war verwirrt, verängstigt und überfordert. Momentan wollte ich einfach nur zurück in meine Höhle im Wald, mich in das weiche Moos legen und schlafen. All das vergessen und mein Leben weiterleben. Als wäre es niemals passiert. Aber die Wahrheit sah anders aus. Um einiges. Ich war aufgeflogen und hatte keine Ahnung was man nun mit mir anstellen würde. Alles drehte sich. Mein Leben würde nicht mehr so sein wie zuvor. Naruto. Was wird passieren, wenn sie es ihm sagen? Ich hielt mir den Kopf. Es war einfach zu viel.

Mühsam um mich abzulenken konzentrierte ich mich wieder auf das Geschehen vor meinen Augen. Kakashi hatte sich inzwischen wieder zu meinem Erzeuger umgedreht. Ich konnte förmlich spüren, wie die Luft zwischen den beiden immer kälter wurde. Vorsichtig ging ich ein paar Schritte rückwärts um an Abstand zu gewinnen. Auch wenn ich hoffte, dass es zu keinem Kampf kommen würde… Sicher war sicher. Die Augen meines Vaters waren jedoch nicht auf Kakashi, sondern unentwegt auf mich gerichtet. Ein Hass brannte ihn ihnen, sodass ich mir fast sicher war, dass er Kopierninja es ebenfalls gesehen hatte.

„Ich weiß, dass sie deine Tochter ist. Also versuche es nicht zu bestreiten.“ Er wusste es? Aber wie? Alle nahmen doch an, dass ich tot war? Woher also? Hatte er mich etwa beschattet? Mein Vater erwiderte nichts auf diese Aussage. Doch seine Hand verkrampfte sich umso mehr um das Kunai. Er war kurz davor auszubrechen. Ich konnte es spüren. Noch nie war er ein wirklich beherrschter Mensch gewesen. „Also sage mir, weshalb gehst du mit deinem eigenen Kind so um?“ Kakashis Stimme klang ruhig, hatte aber dennoch einen scharfen Unterton.

„Ich bin dir keinerlei Rechenschaft schuldig“, knurrte er. „Außerdem hast du keinerlei Beweise dafür, dass sie meine Tochter ist.“ „Nein, das bist du nicht. Zumindest nicht mir.“ Die Worte ließ er so in der Luft hängen. Wie auch schon, als er aufgetaucht war, klangen sie wie eine Drohung mit einem kleinen Hauch von Triumph.

Ein Geräusch drang an meine Ohren und ich wandte den Kopf in Richtung des nächsten Hausdaches. Dort oben auf dem Sims saßen vier …. Ich blinzelte. Nein. Meine Augen hatten mich noch nie betrogen. ANBU Soldaten. Aber die konnten unmöglich wegen mir hier sein. Mein Blick glitt zu Kakashi. Unsere Blicke kreuzten sich und er schüttelte den Kopf. „Nicht wegen dir“, sagte er leise. Meine Anspannung ließ nach. Aber wenn nicht ich der Grund war, dann…

Ein paar Füße trommelte über den Boden. Hektisch. Mein Vater versuchte tatsächlich davonzulaufen. Wusste er denn nicht, dass es nichts bringen würde? Schneller als ich schauen konnte hatten die vier ANBU ihn umringt und ihm die Waffen abgenommen. „Ich will es wissen. Woher wisst ihr davon?“

Kakashi schüttelte den Kopf. „Wir haben es nicht gewusst, nur vermutet. Danke, dass du soeben gestanden hast.“

Stille.

Geschockt sah Vater den großen Ninja an. Er schien schier überfordert zu sein und ich kam nicht umhin Kakashi Anerkennung entgegenzubringen. Mit einem kleinen, einfachen Trick hatte er es geschafft meinen Vater die Wahrheit gestehen zu lassen ohne, dass dieser sich dessen bewusst war, was er soeben tat. Er hatte ihn in dem Glauben gelassen, sie wüssten bereits, dass ich seine verschwundenen Tochter wäre. Ein kluger Schachzug.

Stumm sah ich zu, wie die ANBU meinen Vater fortbrachten. Er wehrte sich nicht. Und ich fühlte nichts. Weder Triumph, Freude noch Erleichterung. Womöglich lag es auch einfach daran, dass mein Leben gerade ziemlich durcheinander war und ich nun einfach nicht wusste, wohin mit mir. Zögerlich wandte ich mich an Kakashi. „Werde … werde ich nun ins Gefängnis kommen?“ Der Silberhaarige blickte mich mit einem leicht abwesenden Gesichtsausdruck an. „Hmm. Was hast du gesagt?“ Verwirrt sah ich ihn an. „Entschuldige aber ich war gedanklich woanders. Könntest du die Frage noch einmal wiederholen?“ War der immer so drauf? Diese eine Frage kam mir nun doch tatsächlich in den Sinn. Denn irgendwie hatte ich so etwas nicht von ihm erwartet. „Ähm. Ob ich nun ins Gefängnis komme?“ Unsicher blickte ich zu ihm auf. „Wie kommst du denn auf die Idee?“ Nun war ich verwirrt.

„Ich bin eine Diebin und habe viele Jahre lang Essen gestohlen. Eigentlich …“

Kakashi unterbrach mich. „Das mag wohl sein, aber du bist ein Kind. Und außerdem sind deine Diebstähle nichts Gravierendes. Alles war du bisher gestohlen hast war Essen richtig?“ Ich nickte. „So etwas nennt man Mundraub und das ist in Konoha nicht wirklich strafbar. Außerdem bist du noch minderjährig. Und es gibt noch ein paar andere Dinge, die dabei hineinspielen, aber dazu später.“

Schier überrumpelt sah ich ihn an. Keine Bestrafung? Oder wie durfte ich das jetzt verstehen? „Aber was geschieht dann mit mir? Ich werde doch sicher nicht so weiterleben dürfen wie bisher oder?“ Ein Grinsen zeichnete sich unter der Maske meines Gegenübers ab. „Nein. Das auf jeden Fall nicht. Aber sei versichert, der Hokage wird dich sicher nicht weiter auf der Straße leben lassen.“ Der Hokage?

„Ja der Hokage weiß von deiner Existenz, seit du auf Naruto Uzumaki gestoßen bist und hat mich beauftragt, dich ein wenig zu beschatten.“ Er fuhr sich durch die Haare und gab mir einen Augenblick Zeit die neuen Informationen sacken zu lassen. Acht Wochen? Zwei Monate hatte er mich beobachtet und ich hatte nichts davon bemerkt. Was war ich denn für eine Diebin, wenn ich nicht einmal einen Beobachter bemerkten konnte? Ziemlich miserabel. Also meinem Namen machte ich momentan definitiv keine Ehre.

„Jetzt aber Schluss damit. Wir haben schließlich noch einem Termin“, sagte Kakashi.

„Wo?“

„Beim Hokage. Wo denn sonst?“

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Autor

Soleiras Profilbild Soleira

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Statistik

Kapitel:9
Sätze:1.151
Wörter:11.945
Zeichen:68.768

Kurzbeschreibung

Tora ist ein Straßenmädchen in Konohagakure und eine Diebin. Da sie kein Geld besitzt muss sie sich mit dem Klauen durchschlagen. Noch nie hat sie jemand erwischt. Denn Tora ist unsichtbar.

Kategorisierung

Diese Fanfiction wurde mit Freundschaft, Familie, Drama (Genre), Spannung und Allgemein getaggt.