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Einsamkeit

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19.7.2019 7:53
16 Ab 16 Jahren
Fertiggestellt

2 Charaktere

Namenloser Charakter

Das ist ein von mir selbst ausgedachter Charakter.

Coyote Starrk

Coyote Starrk ist der Espada mit der Nummer 1 auf der Hand. Begleitet wird der wohl faulste Espada von Lilynette Gingerbuck, die ihn immer wieder wortwörtlich in den Hinter treten muss, um ihn zum Handeln zu bringen.

Eine Tür öffnet sich.
Eine Person tritt ein....
 



Der Wind wehte sachte über die Wiesen und Felder. Ein paar Blätter wurden von den Bäumen geweht und tanzten daraufhin auf und ab. Die Sonne schien und die kleinen Vögel zwitscherten fröhlich vor sich hin. alles in allem schien der heutige Tag aus einem Bilderbuch gesprungen zu sein. Solche Tage waren selten und deshalb musste man sie genießen.
 



Sie erfüllt den Raum mit ihren Gefühlen, ihren Träumen, ihren Gedanken und Wünschen sowie ihren Sorgen, Ängsten, ihrem Willen und ihrer Wärme. Auch ihre Kraft und ihr noch matt leuchtendes Licht wollen die Umgebung bereichern.
 



Mit einem breiten Grinsen im Gesicht lief ein braunhaariger Junge über die saftig grünen Wiesen. Sein Weg führte ihn zu einem großen Berg, der sich südlich von seinem Dorf befand. Er war glücklich, weil das Wetter so schön war und weil er heute eine sehr gute Freundin treffen wollte. Die beiden kannten sich schon lange, aber sie sahen sich nur selten, weil sie so weit abseits wohnte und eine kranke Schwester hatte, um die sie sich kümmern musste. Ihre Eltern kannte er nicht. Immer wenn er sie Zuhause besuchte, waren sie nicht da. Bestimmt mussten ihre Eltern viel arbeiten, um alle zu ernähren.
 



Ihre Seele ist bereit, die Einsamkeit von jedem zu nehmen, um alle davor zu beschützen. Hat jemand ihr Erscheinen bemerkt? Wurde ihre Existenz zu Kenntnis genommen?
Eine Tür schließt sich...
 



Er selbst hatte Glück, dass seine Eltern gut verdienten und er daher ein gutes Leben führen konnte. Er hatte jeden Tag drei Mahlzeiten, konnte sich öfter als zwei Mal in der Woche waschen. Er wohnte in einem sicheren Haus aus Stein und auch seine Kleidung sowie die Möbel in seinem Zimmer zeigten, dass er mehr Geld hatte als die anderen Dorfbewohner.
Obwohl er so schnell gelaufen war wie er konnte, kam er an seinem Ziel erst nach einer Stunde an, dementsprechend war er auch ziemlich außer Puste. Er verschnaufte kurz und klopfte dann ein paar Mal kräftig gegen die Holztür und wartete. Ihm war bewusst, dass es etwas dauern würde bis jemand kam und öffnete.
Erstaunlicherweise musste er höchstens zwei Minuten warten bis jemand kam und ihm aufmachte. Vor ihm stand nun ein Mädchen, das ungefähr einen Kopf kleiner war als er selbst. Mit großen fragenden Augen sah sie ihn an.
"Wer bist du und was willst du?", fragte sie mit ihrer kindlichen Stimme.
"Ich bin Coyote und möchte zu deiner Schwester Maria."
Da Maria nur eine Schwester hatte und die Wahrscheinlichkeit, dass ihre Familie umgezogen war, gering war, ging er davon aus, dass das Mädchen vor ihm Marias Schwester war.
"Die ist nicht da!", bekam er als Antwort.
"Wo ist sie?", wollte er wissen.
"Weiß nicht", gab sie bissig zurück.
"Und wann kommt sie wieder?"
Auch wenn das Mädchen recht unfreundlich zu ihm war, blieb er freundlich. Er wollte keinen Streit.
"Gar nicht mehr."
Der freche Ton war aus ihrer Stimme verschwunden, stattdessen konnte er Trauer in ihr hören.
"Warum?"
Maria würde ihre geliebte kleine Schwester doch nicht einfach so verlassen, oder?
"Sie ist tot."
Ihre Stimme war monoton, als sie diesen Satz über ihre Lippen brachte. Ihre Augen waren leer, schon die ganze Zeit über. Es war ihm nicht aufgefallen. Hätte es etwas geändert, wenn es ihm aufgefallen wäre? Wahrscheinlich nicht.
Er wusste nicht, was er sagen sollte. Was sagte man in so einer Situation? Wahrscheinlich, dass es einem Leid tat, aber was tat ihm Leid? Was hätte ihm Leid tun sollen? Dass er sie daran erinnert hatte? Sie dachte bestimmt jede Sekunde daran. Würde eine Entschuldigung irgendwas verbessern? Er glaubte, dass es nichts ändern würde, daher schwieg er. Ihm fehlten sowieso die richtigen Worte, sie blieben ihm einfach im Hals stecken.
"Komm doch rein."
Fast schon schüchtern öffnete sie die Tür vollständig und ließ ihn in das kleine Haus. Ihr Blick war auf den Boden gerichtet. Auch sie wusste nicht, was sie sagen sollte. Sie bekam eigentlich so gut wie nie Besuch.
Es waren einige Minuten des Schweigens vergangen, bevor sie dies zu Coyote gesagt hatte.
Dieser nickte nur stumm und trat ein. Ihm war das alles total unangenehm. Immerhin hatte er sich hier schon lange nicht mehr blicken lassen und jetzt war Maria tot. Einfach weg - für immer. Marias Schwester führte ihn in die alte Küche und setzte Teewasser auf, dann nahm sie neben ihm am Tisch Platz. Während sie sich ansahen, strich sie sich eine blonde Strähne aus dem Gesicht.
"Wie lange ist sie schon..."
...tot? Warum konnte er es nicht sagen? War es, weil es für ihn so unerwartet kam? Oder weil er Naoki nicht verletzen wollte?
Naoki. Genau, das war der Name von Marias Schwester. Er hätte ihren Namen fast vergessen. Zum Glück war er ihm nicht ganz entfallen, sonst wäre es wohl noch peinlicher geworden, als es eh schon war.
Mit emotionsloser Stimme antwortete ihm Naoki: "Seit einem Jahr. Woran sie gestorben ist, weiß ich nicht."
"Verstehe."
Ihm war das alles so unglaublich unangenehm.
Beide schwiegen. Keiner wusste, was er sagen sollte. Zwar hatte Coyote sich oft mit Maria um Naoki gekümmert, aber die hatte ihn innerhalb eines Jahres anscheinend vergessen und auch sonst hatten sie nicht viel mit einander zu tun. Die paar Male, in denen er ihr begegnet war, waren kurz gewesen und sie hatte meistens geschlafen.
Inzwischen war das Teewasser fertig und das blonde Mädchen goss die heiße Brühe über die Teeblätter. Es dauerte ein wenig bis der Tee fertig war, aber als er es war, stellte sie ihm eine Tasse mit der Flüssigkeit hin. Dankend nahm er das Getränk an.
"Sag mal, Naoki, was ist eigentlich mit euren Eltern?"
Bis heute hatte er nie nach ihnen gefragt, aber plötzlich interessierte ihn diese Frage so sehr, dass er sie einfach stellen musste, auch auf die Gefahr hin, dass er der Blondine weh tat.
"Die sind schon seit meiner Geburt tot."
Und was nun?
Es war erschreckend, wie wenig er über Maria gewusst hatte. Nicht einmal ihren Tod hatte er mitbekommen. Ob sie krank gewesen war? Er wollte nicht nachfragen. Man sollte ja kein Salz ihn die Wunde streuen.
Schweigend saßen sie da und tranken Tee, der im Übrigen wirklich gut schmeckte. Wie viel Zeit bis jetzt vergangen war konnte er nicht sagen, aber er hatte auch kein Interesse daran.
"Möchtest du mit raus kommen, um den Sonnenuntergang zu sehen?", fragte sie ihn.
Ohne auf eine Antwort zu warten ging sie nach draußen und setzte sich dann auf den Holzboden des Hauses. Wenn man geradeaus sah, konnte man die Berge sehen, die bis in den Himmel ragten. Sah man nach links oder rechts, sah man steinige Wege und viele Grünflächen. Alles in allem hatte man einfach eine fantastische Aussicht und die frische Luft, die es hier gab, war wunderbar. In der Ferne zwitscherten einige Vögel fröhlich vor sich hin. Die untergehende Sonne färbte den hellblauen Himmel in verschiedenen Farbtönen, wie zum Beispiel rot, orange und rosa.
Leise kam Coyote zu Naoki und setzte sich neben sie. Um den Augenblick nicht zu zerstören, schwieg er. Am liebsten wäre der Grauäugige noch bis zum Verschwinden der Sonne geblieben, aber er musste noch etwas für seine Eltern kaufen.
"Du, Naoki", begann er leise.
Er hatte das Gefühl, dass er, wenn er lauter sprach, irgendetwas kaputt machen würde und dies wollte er nicht.
"Was denn, Coyote?", fragte sie genauso leise zurück.
Ihre Stimme hatte sich wieder verändert. Anstatt monoton war sie nun voller Freude, aber auch etwas Verwirrung schwang darin mit.
"Ich muss jetzt gehen, aber ich komme Morgen wieder, wenn du willst."
"Klar. Bringst du mir dann was mit?"
"Mache ich, versprochen."
Mit einem freundlichen Lächeln im Gesicht verabschiedete er sich von ihr und machte sich auf den Heimweg.
Er lief so schnell er konnte wieder ins Dorf zurück, er musste dort sein, bevor die Läden zu machten. Glücklicherweise schaffte er es rechtzeitig und der Laden in den er musste, hatte noch offen. Ja, auch er hatte von Zeit zu Zeit mal Glück.
Im Dorf angekommen lief er zu dem kleinen Dorfladen, der eigentlich alles hatte, was man so brauchte. Normalerweise holte er das Brot beim Bäcker, dieser hatte jedoch schon geschlossen. Er betrat den Laden und suchte sich eines der noch vorhandenen Brote aus und ging damit zur Kasse, um zu zahlen. Heute stand hinter der kleinen Theke nicht der alte, eher rundliche Mann, sondern ein kleines schwarzhaariges Mädchen, welches ihn freundlich anlächelte. Ohne viele Worte zahlte er und wollte wieder gehen, doch das Mädchen hielt ihn noch kurz auf.
"Menschen, die von der Einsamkeit zerfressen sind, tun manchmal unbegreifliche Dinge. Man muss wirklich immer auf sich und die Personen, die man lieb hat, aufpassen."
Coyote verstand nicht ganz, worauf die Kleine hinaus wollte, aber er nahm sich vor, ihre Worte zu merken und später jemanden zu fragen, ob dieser diese Sätze verstand.
Auf dem Weg zu seinem Haus begegnete er kaum jemandem. Dies war auch nicht weiter verwunderlich, wenn man die Uhrzeit bedachte. Der Mond leuchtete inzwischen hell und signalisierte die Schlafenszeit. Er hatte wirklich lange gebraucht. Sein Haus stand wie das von Naoki etwas abseits vom Dorf, daher war es auch so spät, als er dort ankam.
Seine Eltern hatten sich schon um ihn gesorgt, weil er so lange weg war.
Morgen würde er wieder zu Naoki gehen und ihr etwas mitbringen, so wie er es ihr versprochen hatte. Übermorgen würde er dann erneut zu ihr gehen und den darauf folgenden Tag auch. So oft wie er konnte wollte er sie besuchen kommen, dies nahm er sich ganz fest vor. Jetzt, da niemand mehr bei ihr war, würde sie sich einsam fühlen. Obwohl, sie war seit einem Jahr einsam. Seit einem ganzen Jahr. Er wollte, dass sie wenigstens jetzt nicht mehr einsam sein musste.

Ein erfrischender Wind wehte über die Wiesen und Felder. Ein braunhaariger Jugendlicher lief über die Felder, die kaum noch Gemüse hervor brachten, da sie schon vom vielen Benutzen ausgelaugt waren, in Richtung Berge, wo er eine Freundin besuchen wollte.
Vor ungefähr fünf Jahren hatte er ihr versprochen, dass er sie besuchen würde, und dieses Versprechen hatte er bis heute gehalten. Leider musste er am übernächsten Tag verreisen, aber dafür würde er einfach am morgigen Tag früher kommen.
An seinem Ziel angekommen, klopfte er und wartete. Langsam wurde die Tür aufgemacht und Coyote trat ein, als sie vollständig offen war.
"Ich habe dir wieder etwas mitgebracht. Ich hoffe es gefällt dir."
Er hielt ihr ein kleines weißes Päckchen entgegen.
"Danke."
Sie nahm das Geschenk zwar an, öffnete es aber nicht. Gemeinsam setzten sie sich in den Garten und schwiegen zunächst. So war es immer. Er kam, sie setzten sich draußen hin und schwiegen, dann aßen sie zu Mittag. Nach dem Essen blieb er noch bis zum späten Nachmittag und begab sich dann auf den Heimweg.
"Wie lange bleibst du heute?"
Diese Frage stellte sie jedes Mal und jedes Mal antwortete er dasselbe: "So lange wie es mir möglich ist."
Nur heute nicht.
"Ich weiß nicht. Länger als sonst auf jeden Fall. Ich verreise übermorgen für ein paar Tage."
"Dann bleib doch heute über Nacht."
"Ich weiß nicht. Meine Eltern machen sich schnell Sorgen um mich."
"Achso."
"Lass uns ins Dorf gehen", schlug er zusammenhangslos vor.
Er bekam keine Antwort.
"Naoki?"
"Hm?"
"Willst du mit ins Dorf gehen?"
"Ich weiß nicht."
"Ach komm schon. Du gehst nie ins Dorf."
"Ich mag die Dorfbewohner nicht und sie mögen mich nicht."
"Aber die kennen dich doch gar nicht."
"Mag sein, aber die Leute haben irgendwas gegen meine Familie."
Naoki klang traurig und Coyote wusste nicht, was er fühlen sollte. Egal was er sagte, sie würde es ablehnen, mit ihm ins Dorf zu gehen, aber er wollte auch nicht aufgeben. Irgendwas an ihrer Haltung ließ ihn hoffen, dass er bald Erfolg hatte.
"Maria ist trotzdem ins Dorf gegangen."
"Sie musste Essen und Medikamente kaufen, die man größtenteils nur im Dorf kaufen konnte. Aber das ist jetzt anders."
"Verstehe."
Eigentlich verstand er gar nichts. Was sprach denn dagegen, von hier weg zu gehen? Niemand kannte Naoki. Woher sollten die Leute also wissen, dass sie Marias Schwester war? Stille entstand zwischen ihnen.
Doch plötzlich stand Coyote auf und nahm Naoki, die ihn verwundert ansah, an der Hand und zog sie hoch. Er würde mit ihr ins Dorf gehen, egal was sie davon halten würde.
"Komm!"
Mehr sagte er nicht.
Mit schnellen Schritten machten die beiden sich auf den Weg, während der Braunhaarige fröhlich vor sich hin grinste, was das Mädchen alles andere als begeisterte. Immer wieder versuchte sie sich aus seinem Griff zu befreien, aber vergebens. Vielleicht wollte sie es auch nicht wirklich. So weit sie sich zurück erinnern konnte, wollte sie schon immer Mal ins Dorf. Maria hatte es ihr jedes Mal aufs Neue verboten, wenn Naoki sie fragte, ob sie mit dürfe. Jetzt wo sie den langen Weg selber zurück legte, verstand sie, warum ihre Schwester es nicht erlaubt hatte - zumindest einen der Gründe. Sie war früher einfach nicht fit genug für solche weiten Strecken gewesen.
"Wie weit ist es denn noch, Coyote?"
"Nur noch ein kleines Stückchen. Da vorne sieht man schon die ersten Häuser."
Er zeigte geradeaus und lächelte sie aufmunternd an. Ihm war klar, dass Naokis Ausdauer nicht sehr gut war, aber er hoffte trotzdem, dass sie noch ein Weilchen durchhalten würde. Wenn sie zu müde zum Laufen wäre, würde er sie tragen. Vielleicht könnte er Naoki auch seinen Eltern vorstellen. Diese arbeiteten leider etwas weiter weg und kamen oft erst spät abends nach Hause, doch heute Morgen hatten sie gemeint, dass sie am heutigen und am morgigen Tag früher nach Hause kommen würden. Das Lächeln in seinem Gesicht wurde etwas breiter.
"Gibt es einen bestimmten Ort, den du gerne sehen würdest?"
"Nun ja... Maria hat mir von einem Brunnen erzählt, der hier irgendwo sein soll. Da würde ich gerne hingehen."
"Geht klar."
Coyote wusste, welchen Brunnen die jüngere von ihnen meinte. An diesem Ort hatte er Maria kennen gelernt. Zügig brachte er seine neue, gute Freundin zu dem gewünschten Platz. Momentan war dort viel los. Die Frauen und Männer liefen hektisch hin und her. Ein paar Kinder spielten Fangen, andere spielten mit den Hunden, die aufgeregt durch die Gassen hetzten.
Zuerst verstand der braunhaarige Junge nicht, warum alle so hektisch waren, dann aber viel ihm wieder ein, dass am nächsten Tag ein Festtag war, und an solchen hatten die Geschäfte geschlossen. Ihn persönlich interessierte dies eher weniger, aber vielleicht wollte das blonde Mädchen dort hin.
"Du, Naoki", sprach er sie an.
"Ja?"
"Möchtest du morgen auf das Fest, welches hier veranstaltet wird, gehen?"
"Natürlich, aber ich habe keine passende Kleidung", gestand sie und sah traurig zum Boden runter.
"Kein Problem, dort drüben kann man solche Kleidung kaufen."
Er zeigte auf ein Haus mit der Aufschrift "Schneiderei". Den zweiten Teil der Innschrift konnte er nicht lesen.
"Aber das ist bestimmt teuer und ich habe doch gar kein Geld bei mir."
"Mach dir da mal bitte keine Sorgen, warte einfach hier, ja?"
"In Ordnung, ich warte hier auf dich."
Das Mädchen setzte sich auf den Brunnenrand und sah in dessen Inneres. Man konnte darin nichts Besonderes erkennen, nur ihr Spiegelbild blickte ihr entgegen, trotzdem fand sie ihn interessant. In diesem Moment fühlte sie sich wie ein kleines Kind, das sie eigentlich auch war, aber nicht sein durfte. Sie entdeckte die Welt auf ihre eigene Art und Weise neu. Eigentlich war ihr Verhalten auch sonst nicht ungewöhnlich, denn bis dato hatte sie noch nie einen solchen Brunnen gesehen. Sie kannte nur solche, die zum Wasserschöpfen da waren und dieser hier war dafür nicht gebaut worden, sondern dazu, dass man ihn betrachtete. Sie selbst holte ihr Wasser meistens aus den kleinen Bergbächen, die in der Nähe ihres alten Hauses flossen und die restlichen Sachen wie Kleider, Essen und Futter für die Tiere kaufte sie bei den Händlern, die ein paar Male im Monat auftauchten. So hatte sie die letzten Jahre überlebt und so würde sie auch die nächsten Jahre überleben. Geld hatte sie durch den Verkauf von Äpfeln, Kirschen, Kräutern und Eiern bekommen. Die drei Kirsch- und Apfelbäume trugen dieses Jahr reichlich Früchte, die Kräuter wuchsen ebenfalls hervorragend und die Hennen legten regelmäßig Eier. Alles in allem gar nicht mal so schlecht. Im Winter würde sie nur von den Hennen leben können, da die Bäume zu dieser Jahreszeit nicht wuchsen beziehungsweise keine Früchte trugen und auch von einer dicken Schneedecke zugedeckt waren.
Während die Blondine also ihren Gedanken nachging, suchte Coyote einen schönen Kimono für sie aus.
Langsam hob sie ihren Kopf. Sie war mit ihrem Gedankengang zu Ende. Erst jetzt fiel ihr auf, dass der Junge noch nicht zurück war. Wie lange er jetzt schon weg war, wusste sie nicht, aber es fühlte sich wie eine Ewigkeit an. Ob er überhaupt zurück kommen würde? Geduldig blieb sie dennoch sitzen und wartete. Ihr angespanntes Gesicht zerfiel, als sie Coyote wenig später sah, der mit seinem üblichen Lächeln auf sie zu rannte. Sie sprang auf ihre Beine und lächelte ihm entgegen.
"Tut mir Leid, dass es so lange gedauert hat. Ich konnte mich einfach nicht zwischen den ganzen schönen Kimonos entscheiden, deshalb habe ich einfach ein paar mehr genommen."
Er hielt eine große braune Tüte hoch. Neugierig nahm sie die Tüte und sah hinein. Sie konnte lediglich ein paar farbige Stoffe erkennen.
"Wenn wir wieder Daheim sind, kannst du sie anprobieren."
"In Ordnung."
Coyote nahm Naoki an der Hand und zeigte ihr dann das gesamte Dorf. Wegen des kommenden Festes achtete so gut wie niemand auf die beiden.
Nach der Besichtigung brachte er die Braunäugige zu sich nach Hause. Er wollte nicht nur seinen Eltern seine Freundin vorstellen sondern auch fragen, ob er bei dieser übernachten durfte. Nach ungefähr zwanzig Minuten kamen die beiden Erwachsenen.
Das junge Mädchen war total nervös, weil sie nicht wusste, wie die Eltern des Jungen sein würden, aber sie machte sich
umsonst Sorgen. Während Coyote seinen Eltern alles Mögliche erzählte und fragte, ob er über Nacht bei der Jüngeren schlafen durfte, sah sie sich ein wenig um.
Das Zuhause des Braunhaarigen war ihrer Meinung nach sehr interessant und groß. Es war auch viel schöner als ihres.
"Naoki! Naoki!"
"Ja?"
"Hast du mir zugehört?"
"Nein, tut mir Leid."
Beschämt sah sie zu Boden. Sie war so fasziniert von diesem Gebäude, dass sie alles andere vergessen hatte.
"Ist nicht schlimm. Ich habe gesagt, dass meine Eltern nichts dagegen haben, wenn ich bei dir schlafe. Lass uns schnell meine Sachen packen und dann gehen. Ich möchte noch bevor die Sonne untergeht bei dir sein."
"Dann beeilen wir uns besser."
Gemeinsam packten die beiden das Nötigste zusammen und liefen dann zurück in die Berge. Die restlichen Stunden vor dem Sonnenuntergang verbrachten sie mit dem Beobachten der Hennen und deren Pflege. Für Coyote war dies etwas Besonderes, weil es das erste Mal war, dass er sich um Tiere kümmerte. Er fand, dass er sich gar nicht mal so doof anstellte. Auch Naoki fand dies und lobte ihn.
"Wenn wir hier fertig sind, dann können wir uns etwas Leckeres kochen", meinte sie fröhlich.
"Klar."
Als Essen gab es zwar nichts Besonderes, aber es schmeckte Coyotes Meinung nach trotzdem gut und irgendwie war es doch etwas Besonderes.
Morgen würden sie auf das Fest gehen und viel Spaß haben. Leider musste er nach dem Fest nach Hause, da er ja übermorgen weg fuhr. Wohin, wusste er nicht, aber es war nur für ein paar Tage. Doch allein dieser Gedanke, dass er weg von dem Mädchen war, schmerzte ihn ein wenig. Eigentlich wollte er für immer bei der Blondine bleiben. Er wusste nicht, ob er sie liebte, aber er empfand auf jeden Fall etwas für sie. Ob es ihr auch so ging? Vielleicht würde sie, wenn er sie fragen würde, ob sie nicht zu ihm ziehen wolle, ja sagen. Immerhin wäre sie dann nicht mehr so alleine. Aus langjähriger Erfahrung wusste er, wie es sich anfühlte, allein zu sein. Seine Eltern kamen selten nach Hause, wenn sie kamen lag er meistens schon im Bett und schlief. Nach außen hatte er nie gezeigt wie sehr es ihn verletzte, allein zu sein. Maria war die Einzige gewesen, die ihn durchschaut hatte. Er war darüber so froh gewesen. So waren sie auch ins Gespräch gekommen und schlussendlich wurden sie zu Freunden. Seit sechs Jahren war sie nun schon tot. Ihr Grab besuchte er oft, manchmal mit ihrer Schwester, manchmal alleine. Naoki kam meistens dann zum Grab, wenn er nicht dabei war. Er konnte es irgendwie verstehen und es störte ihn auch nicht. Warum sollte es auch?

Viele kleine Laternen erhellten das Dorf. Der Mond schien vom dunklen Nachthimmel herab. Ein paar Feuerwerkskörper wurden angezündet und explodierten dann am Himmel. Die Stimmung, die in der Luft lag, war ausgelassen und voller Freude.
Naoki strahlte über das ganze Gesicht. Es war ihr erstes Fest. Sie wusste gar nicht, wohin sie zuerst hinsehen sollte. Überall waren Stände mit Süßigkeiten, bunten Lichtern, Essen und Trinken. Ein paar verkauften auch Stofftiere. Obwohl sie und Coyote schon seit mehr als fünf Stunden hier waren, war alles total interessant, erstaunlich und einfach wunderbar.
"Du, Coyote, warst du mit Maria auch mal hier?"
"Nein, sie wollte nicht. Sie meinte, dass sie dich nicht so lange allein lassen wolle."
"Verstehe."
Kurz war die Stimmung zwischen den beiden getrübt, aber Naoki war so von allem begeistert, dass sie sich schnell wieder für ihre Umgebung interessierte und ihr Gespräch vergaß. Sie strahlte so sehr, dass der Junge einfach mit ihr glücklich sein musste. Ihre gute Laune war ansteckend. Sie lief fröhlich durch die Straßen und sah sich zum hundertsten Mal alles an. Der Grauäugige hatte Mühe, ihr zu folgen. Wenn er ehrlich war, hatte er noch nie so viel Spaß gehabt, nicht einmal mit Maria.
Die letzten Jahre war er mit seinen Eltern hier gewesen, aber mit diesen hatte es nie Spaß gemacht. Aber dies war, so glaubte er, total normal. Eltern waren immer langweilig und machten fast jeden Spaß zu Nichte.
Maria hätte sich bestimmt genauso gefreut wie ihre kleine Schwester, da war er sich sicher. Aber an sie wollte er jetzt nicht denken. Er wollte nur an Naoki denken. Nur an sie allein.
"Warte doch auf mich, Naoki!", rief er ihr immer wieder hinterher.
"Du bist einfach zu langsam!", antwortete sie ihm dann jedes Mal.
Normalerweise war er schneller, aber er musste das Mädchen den gesamten Weg tragen und da wurde man halt müde.
Plötzlich blieb die Braunäugige stehen. Hätte Coyote keine guten Reflexe gehabt hätte, wäre er in sie gelaufen. Glücklicherweise blieb er rechtzeitig stehen.
"Hey, Naoki, was ist denn los?"
"Nichts. Ich wollte nur noch einmal den Brunnen sehen, von dem mir meine Schwester erzählt hat."
Erst jetzt sah der Junge, wo sie waren. Vor ihnen lag der Brunnen. Die beiden setzten sich an den Rand und sahen in den Himmel. Ein paar Sterne leuchteten herab.
"Wunderschön."
"Findest du?"
"Ja. Von den Bergen aus hat man zwar auch einen schönen Blick auf die Sterne, aber hier ist eine viel fröhlichere Atmosphäre."
"Ich mag es lieber ruhig."
Dies lag vielleicht daran, dass Coyote meistens Lärm um sich hatte. Naoki hingegen lebte weit weg von anderen Menschen und hatte auch sonst nicht viel Kontakt mit anderen. Wenn man alleine war, dann gab es nicht viel Lärm.
lange saßen die beiden da und sahen in den Himmel, der immer wieder von bunten Lichtern erhellt wurde.
Als das Fest sich dem Ende näherte, begaben sich auch die beiden Kinder auf den Rückweg. Coyote kam noch einmal mit zu Naoki, da er seine Eltern überzeugen konnte, dass er am nächsten Tag pünktlich zur Abreise da sein werde.
"Warte kurz hier, Coyote. Ich hole noch schnell etwas."
Verwirrt sah er sie an. Was sie wohl noch holen wollte? Na gut, es konnte ihm egal sein, es war immerhin ihre Sache.
"Geht klar", sagte er und blieb stehen.
Mit schnellen Schritten machte sich Naoki auf den Weg zu einem der Läden, die trotz des Festes offen hatten.
"Auf was wartest du?"
Leicht erschrocken drehte sich der Braunhaarige um. Vor ihm stand das Mädchen von vor fünf Jahren. Er hatte ihre Worte nicht vergessen. Nie hatte er sie vergessen. Verstanden hatte er sie trotzdem nicht.
"Ich warte auf Naoki."
"Verstehe. Wusstest du, dass ihre Haare mal schwarz waren? Aber irgendwann sind sie blond geworden, so wie die von Maria."
"Und?"
"Nichts und."
"Was willst du?", fragte er skeptisch.
Ihm war dieses Mädchen nicht ganz geheuer.
"Nichts."
Ihre Stimme war so emotionslos und doch waren da Emotionen heraus zu hören. Coyote konnte es nicht erklären. Dazu fehlten ihm die richtigen Worte.
"Woher kennst du Maria und Naoki?", wollte er von ihr wissen.
"Bin ihnen mal begegnet."
"Ich verstehe dich nicht."
"Musst du auch nicht - geh einfach nach Hause."
"Warum sollte ich?", fragte er skeptisch.
"Es ist sicherer."
Ohne auf eine Antwort seitens Coyote zu warten, verschwand sie in der Menge, die sich langsam auf den Weg in ihre Häuser machte.
"Seltsames Mädchen", murmelte er.
"Wer ist ein seltsames Mädchen?", wurde er plötzlich gefragt.
Erschrocken drehte er sich um und sah Naoki in die Augen. Er hatte gar nicht mitbekommen, dass sie zurück gekommen war. In ihren Augen lag Trauer. Dachte sie etwa, dass er sie gemeint hatte?
"Das Mädchen, das gerade noch hier war."
"Achso, du meinst dieses dumme Gör", stellte sie mit Verachtung in der Stimme fest.
Eigentlich wollte Coyote noch etwas erwidern, aber Naoki zog ihn bereits in Richtung Berge und redete ihn zu. Sie erzählte ihm vom Fest, so, als wäre er nicht da gewesen. Es freute ihn wirklich, dass es ihr so sehr gefallen hatte. Seine Frage, die er ihr stellen wollte, hatte er wieder vergessen.
Als sie über die verlassenen Felder liefen, schwiegen sie. Das Mädchen hatte alles erzählt, was ihr eingefallen war und der Junge hatte nichts zu sagen. Außerdem meinte sie, dass sie, wenn sie zu laut wären, von einem wilden Tier angegriffen werden könnten. Dies war zwar unwahrscheinlich, aber wenn Naoki es lieber ruhig haben wollte, dann war er eben leise.
Nach dem Wald und den Feldern kamen sie auch schon bei den Bergen an. Die zwei beeilten sich ins wärmende Haus zu kommen, denn inzwischen war es schon recht frisch geworden und ein feiner Regen hatte eingesetzt.
Drinnen war es dunkel. Der Regen prasselte auf das alte, hölzerne Dach der Hütte.
Sie entledigte sich im kleinen Badezimmer ihrem rosafarbenen Kimono, während Coyote sich im Schlafzimmer umzog. Beide zogen sich ihre Schlafkleidung an, da sie sich bald zum Schlafen legen würden, davor wollten sie aber noch etwas zur Ruhe kommen.
"Willst du dich noch raus setzen, auch wenn es regnet?", erkundigte sich der Braunhaarige.
Naoki nickte und meinte, sie würde noch Tee kochen, doch Coyote winkte ab und schlug vor, dass er das machen würde. Ein wenig überrascht über dieses Angebot sah sie ihn an, sagte aber nichts dagegen und ging noch mal ins Bad, während er schon das Teewasser aufsetzte. Der Grund, warum er sich zum Tee kochen angeboten hatte, war, dass er sie überraschen wollte. Auf dem Fest hatte er Teeblätter gekauft, mit denen er sie überraschen wollte. Bestimmt würde sie sich freuen. Er selbst freute sich auch, aber nicht wegen dem Tee, sondern weil dieser Tag so schön war.
Trotz seiner Freude hatte er ein ungutes Gefühl in der Magengegend. Wahrscheinlich lag es daran, dass er verreiste und Naoki somit für eine unbestimmte Zeit lang alleine lassen musste.
In der Zeit, in der das Wasser vor sich hin kochte, dachte er über verschiedene Dinge nach. Komischerweise musste er immer wieder an Maria denken. Er vermisste sie. Ob er ihr hätte helfen können, wenn er gewusst hätte, dass sie krank war? Vielleicht ja, vielleicht nein. Gedankenverloren goss er die heiße, klare Flüssigkeit in die Tassen und rief zu Naoki, dass der Tee fertig sei. Diese kam auch sofort und setzte sich neben ihn. Sie saßen wie immer draußen. Der leichte Regen berührte ab und zu ihre Haut. Stundenlang saßen sie da und schauten in den dunklen, bewölkten Himmel. Sie schwiegen. Der heutige Tag war lang gewesen und sie waren beide müde.
Plötzlich stand die Blondine auf und brachte ihre Tasse weg, nichts Ungewöhnliches.
"Kommst du wieder?", fragte sie ihn, während sie die Tasse weg stellte.
"Ja."
"Versprich es!", bat sie ihn.
"Versprochen!"
"Ich war lange alleine", erklärte sie mit trauriger Stimme.
"Ich weiß, tut mir Leid."
Es tat ihm wirklich Leid. Er konnte sich gut vorstellen, wie sie sich gefühlt haben musste. Es muss schrecklich sein, keine Eltern zu haben und die geliebte Schwester schon so früh zu verlieren. Aber jetzt war er da und er würde immer für sie da sein.
"Bleibst du für immer bei mir?"
"Wenn du willst, gerne."
Seine Antwort war ehrlich.
Ein Lächeln lag auf Naokis Lippen. Sie wollte, dass er immer bei ihr blieb, egal was geschehen musste. Sie würde dafür sorgen, dass er auch wirklich bei ihr blieb und niemals weg ging. Sie stand hinter Coyote und sah zu ihm runter. Er bemerkte sie nicht.
 



Eine Tür öffnet sich.
Eine Person tritt heraus...
 



Ein unglaublich starker Schmerz machte sich breit. Zog sich vom Rücken über die Schultern bis zum Kopf. Kleine weiße, schwarze und rote Punkte tanzten vor den Augen. Tränen stiegen auf. Schreck spiegelte sich in ihnen wider. Langsam kullerten kleine Salztropfen über das Gesicht und fielen vom Kinn auf den Boden. Übelkeit machte sich bemerkbar und trübte den eh schon verschleierten Blick.
 



Keiner hatte sie wahrgenommen. Keiner hatte ihre Seele so akzeptiert wie sie war.
Personen kommen und gehen, diese hatte die Welt gesehen, aber sie wollte nicht gehen, nur weil sich jemand an ihr störte.
Die Sehnsucht hielt sie fest und ließ ihr Herz leiden.
 



Eine klebrige Flüssigkeit lief über den Körper und machte sich auf dem Holz breit, bildete nach und nach eine kleine Pfütze.
Der Schmerz wurde kurz schwächer, wurde dann aber wieder stärker - immer wieder. Erschöpft wurden die Augen geschlossen und der müde Körper fiel zur Seite.
 



Ihre Seele ist breit, alles und jeden in die Dunkelheit der Einsamkeit zu stürzen, um ihre Seele, ihr Herz zu beschützen und zu heilen!
 



Keine Zeit für Erinnerungen. Keine Zeit für Erklärungen. Keine Zeit für irgend etwas. Nicht einmal Gedanken konnten gefasst werden. Nur das Wissen, dass es zu Ende war, war vorhanden. Wenn man nach dem "Warum?" fragen würde, würde man sich dann mit der Antwort zufrieden geben? Wohl eher nicht.
 



Eine Tür schließt sich.
Für immer?

Autorennotiz

Ein One Shot, den ich 2010 geschrieben habe. Eigentlich sollte es der erste Kapitel einer One Shot Sammulung werden, aber ich habe die anderen One Shots nie geschrieben... Ja, faules Ich halt. ^^

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Wörter:5.393
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Kurzbeschreibung

Coyote lernt die Schwester einer alten Freundin besser kennen und muss erfahren, dass manche Menschen die Schuld immer auf andere schieben, auch wenn niemand Schuld hat.

Kategorisierung

Diese Fanfiction wurde mit Charaktertod, OneShot, Angst und Alternativuniversum getaggt.