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Im Baskenland

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30.09.20 15:09
12 Ab 12 Jahren
In Arbeit

Autorennotiz

Titelbild: Altstadt von Bayonne - Eigenes Werk

Das Original der Geschichte findet Ihr hier: erzaehlungen.moosecker-hassels.de/text/text_02_pdf.php?v=oeffentliche_adobe&d=im_baskenland.pdf

Dies ist eine Art Reisebericht und da es an guten Reiseberichten nicht mangelt, will ich diesen Berichten keine weiteren Weisheiten hinzufügen, sondern berichte einfach von unseren Gefühlen und Erfahrungen, wenn wir das Land der Basken bereisten.

Von Linxe aus – über ein Jahrzehnt lang war das unser zweiter Wohnsitz – liegt das Baskenland um die fünfzig Kilometer Luftlinie entfernt. Die Basken haben eine eigene Sprache, die sie Euskara nennen. Ihre Heimat nennen sie folglich nicht Baskenland, sondern Euskal Herria. Wir sind gerne von Linxe aus ins Baskenland gefahren, zumal Bayonne, die von Linxe aus nächstgelegene größere Stadt, im Baskenland liegt. Die Grenze zum Baskenland ist keine Landesgrenze, denn der nördliche Teil dieses Landes gehört zu Frankreich, während der Süden ein Teil Spaniens ist. Die Grenze zwischen Frankreich und Spanien verläuft mitten durch das Baskenland, genauer gesagt, ein kleinerer Teil des Baskenlandes gehört zu Frankreich. Den Übergang von Frankreich oder auch von Spanien aus ins Baskenland bemerkt man trotzdem sofort; die in Euskara beschrifteten Schilder sind nicht zu übersehen. Alle Wegweiser und Hinweisschilder sind zweisprachig – im Norden Euskara/Französisch, im Süden Euskara/Spanisch, genauer gesagt Euskara/Kastilisch. Lustig findet der Fremde die Werbetafeln entlang der Straßen. Da erscheinen auf den Bildern vertraute Produkte, nur der Werbetext ist in einer völlig fremden unverständlichen Sprache verfasst. Sonst ändert sich nicht viel. Die Landschaft wird, je weiter man nach Süden vordringt, immer gebirgiger, da der größte Teil des Baskenlandes in den Pyrenäen liegt. Und was auffällt, die Ortschaften sehen sowohl im französischen als auch im spanischen Teil des Baskenlandes völlig unterschiedlich zu den Orten in den benachbarten Gebieten aus. Rot und weiß sind die beherrschenden Farben.

Die Basken sind ein stolzes Volk, dessen größter Wunsch die Unabhängigkeit ihres Landes ist. Dieser Wunsch ist völlig losgelöst von den Gräueltaten der ETA und macht sich eher bemerkbar, wenn Politiker der beiden Zentralregierungen das Baskenland besuchen. Da kann es schon einmal vorkommen, dass der französische Präsident auf Wahlkampftour mit Eiern beworfen wird. Zu den Standardfragen, die dem Besucher des Baskenlandes gestellt werden, gehört direkt nach der Frage nach seiner Herkunft die Frage, ob es ihm im Baskenland gefalle. Die Frage ist leicht zu beantworten, die landschaftliche Schönheit des Landes ist berauschend und die Basken sind ein ausgesprochen freundliches, ja herzliches Volk. Ich nenne hier ein beeindruckendes Beispiel. Einmal, als wir die Stadt Hondarribia besuchten, war die große Rolltreppe von der Unter- zur Oberstadt außer Betrieb. Uns blieb keine Wahl, denn unser Auto hatten wir in der Oberstadt abgestellt, wir mussten nach oben. Mühsam stiegen wir über die hohen Stufen der Rolltreppe nach oben. Es war sehr heiß an diesem Tag und als wir oben ankamen, ging es meiner Frau ausgesprochen schlecht. So schlecht, dass ich mir ernsthafte Sorgen machte. Da ich diese Art von Schwächeanfällen kenne, sorgte ich dafür, dass sie sich an einer Mauer anlehnen konnte und ich stellte mich dann so, dass sie von den Passanten abgeschirmt war. Sofort bildete sich eine Menschentraube um uns und alle boten uns ihre Hilfe an. Ich hatte einige Mühen, mit allen Worten, die mit in Englisch und Französisch dazu einfielen, den guten Leuten klarzumachen, wir hätten keine Hilfe nötig. Zum Glück erholte sich meine Frau schnell. Ich glaube, sonst hätte man womöglich noch den Rettungsdienst gerufen. So ich versuchte mich zum guten Schluss im Danken. Ich war froh, dass mir rechtzeitig muchas gracias einfiel, denn Hondarribia liegt im spanischen Teil des Baskenlandes. Heute bin ich etwas weiter, diese Floskel beherrsche ich inzwischen auch auf Euskara – zumindest wenn mir im entsprechenden Augenblick die Vokabel einfällt.

  Dieses kleine Volk macht beiderseits der Grenze einen durchaus homogenen Eindruck. Das Überschreiten der Grenze von Frankreich nach Spanien ändert nicht viel, die zweite Sprache ist eben eine andere. Der Wechsel zum Nachbarland ist aber unüberhörbar, was sich leicht an zwei benachbarten Städten verdeutlichen lässt. An der Mündung des Flusses Bidasoa in den Atlantik liegt am rechten Ufer die französische Stadt Hendaye. Am linken Ufer liegt die bereits erwähnte spanische Stadt Hondarribia. Obwohl es sich bei beiden Ortschaften um baskische Städte mit viel Tourismus handelt, sind sie vom Charakter her nicht zu vergleichen. Eine Autofahrt vom Zentrum der einen, zum Zentrum der anderen Stadt ist nach nur sieben Kilometern in wenigen Minuten erledigt. Kommt man von Hendaye aus nach Hondarribia, wird man vom Lärm wild hupender Autos und von den Stimmen, sich lautstark über ganze Plätze hinweg unterhaltender Menschen erschlagen. Eine Geräuschkulisse, die wir nur aus Spanien kennen. Zumindest in diesem Punkt unterscheidet sich das spanische Baskenland nicht vom Rest Spaniens. Fährt man dann zurück nach Hendaye empfindet man im Ort, trotz des Straßenlärms, eine vornehme Ruhe.

Was uns am meisten überraschte, obwohl auf beiden Seiten der Grenze Menschen leben, die Euskara sprechen und baskisch denken, in ihrem Gehabe unterscheiden sie sich genauso, wie die restliche Bevölkerung der Länder Frankreich und Spanien. Inzwischen schwerhörig und mit Hörgeräten ausgestattet, fanden wir es in ganz Spanien nur dann erträglich, wenn wir uns dieser Geräte entledigten bevor wir das Auto verließen. Da der französische Teil des Baskenlandes für uns näherliegend war, kamen wir nicht allzu häufig in den Genuss ohne Ohren durch die Orte zu spazieren. Und unser häufigster Grund ins Baskenland zu reisen war nun einmal unsere Freude an baskischen Spezialitäten – da gibt es dann keinen Unterschied, das ganze Baskenland pflegt die gleichen Vorlieben bei Speisen und Getränken. So konnten wir uns, wenn es nicht um eine Besichtigung ging, die zusätzlichen Kilometer bis nach Spanien sparen. Halt, einen guten Grund gab es dann doch! Kamen wir mit wenig Sprit ins Baskenland, fuhren wir über die Grenze. Der kleine Umweg lohnte sich immer und so schlimm war der Lärm ja nicht mehr, seit wir abnehmbare Ohren haben.

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BerndMooseckers Profilbild BerndMoosecker

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Kurzbeschreibung

Es gibt Länder und Orte, von denen man besonders beeindruckt ist. Bei meiner Frau und mir ist es das Baskenland, das tiefen Eindruck bei uns hinterlassen hat. Deshalb ist das hier auch kein Reisebericht im üblichen Sinn, sondern eine Beschreibung von Gefühlen.

Kategorisierung

Diese Story wird neben Reise auch in den Genres Heimat und Vermischtes gelistet.

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