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Zwei fingerbreit Salz

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15.1.2017 14:52
16 Ab 16 Jahren
Fertiggestellt

Kapitel 1

Die Vorstadt-Legende

Der Garten des Hawkes-Hauses war gerade verwildert genug, um einem jeden Spaziergänger klar zu machen, dass es leer stand, jedoch ohne dabei allzu verwahrlost zu wirken - ein Zeichen der Hoffnung des Eigentümers, es doch noch irgendwann verkaufen oder wenigstens vermieten zu können.
Seit Mortimer sich erinnern konnte, war die georgianische Villa, die am Ende der Straße thronte, wie eine alternde Königin, unbewohnt und jeder im Oxforder Vorort Summertown hatte mindestens eine Theorie, warum.
An diesem Sonnabend allerdings stand ein Wagen vor dem Hawkes-Haus, Möbelpacker trugen geschäftig Kisten und Koffer ins Haus und ein Hausmädchen hatte sich daran gemacht, die blinden Fenster wieder zu säubern.
„Sieh nur, Vater, da zieht wer ins Gruselhaus!", fasste Mortimers Tochter Sophie die Situation ebenso treffend wie lautstark zusammen.
„Sophie!", tadelte Clementine sie sofort. „Sowas sagt man nicht. Das ist doch kein Gruselhaus."
„Ich find's aber gruselig, Mutter. Da wohnt bestimmt ein Gespenst drinnen!"
„Unsinn, Sophie, es ist ein Haus wie jedes andere auch. Es stand nur lange leer", beharrte Clementine, die nichts davon hielt, ihren Kindern derartige Schauergeschichten zu erzählen.
„Außerdem...", meinte Mortimer nun schmunzelnd und nahm seine Erstgeborene auf den Arm, „...hören die meisten Leute nicht gern, dass in ihrem Haus Gespenster wohnen. Darum darf man das nicht laut sagen."
Clementine seufzte. „Ach, Morty, nun erzähl du ihr doch nicht auch noch solche Geschichten. Es ist nur ein altes, leerstehendes Haus, weiter nichts..."
„Natürlich, Liebes, weiter nichts..."
Der Sarkasmus in Mortimers Stimme verriet Clementine, dass er an ihre Worte dachte, nachdem sie das Haus selbst vor nunmehr sechs Jahren besichtigt hatten: „Natürlich ist es ein schönes Haus, hübsch groß, aber solch große Häuser brauchen auch viel Personal und das können wir uns nicht leisten. Außerdem werde ich unsere Kinder bestimmt nicht in einem Haus aufziehen, in dem es eventuell spukt!" Sie errötete bei dem Gedanken an ihre Inkonsequenz.
„Gespenster hin oder her", sagte Mortimer in bestimmtem Ton, „wir wollen mal sehen, ob wir die neuen Bewohner des Hawkes-Hauses finden können. Es wäre nur höflich, wenn wir uns vorstellen. Schließlich sind wir jetzt Nachbarn."

Die erste Bewohnerin des Hauses war schnell gefunden; eine rundliche Dame mit dunkler Haut und indischen Gesichtszügen stand am Gartentor, wachte mit Argusaugen über die Kisten und Koffer und wies die Träger genau an, wo sie was davon abzuliefern hatten, während ihr dunkelgrünes Gewand im aufkommenden Wind flatterte.
„Die Frau trägt ja komische Sachen...", flüsterte Sophie ihrem Vater ins Ohr, als sie sich ihr näherten.
„Das ist ein Sari, Sophie, das tragen die Frauen in Indien. Und jetzt sei bitte nett und sag 'Guten Tag', ja?", flüsterte Mortimer zurück und Sophie tat, wie ihr geheißen.
Die Dame blickte erschrocken von einer Liste - wohl die Inventur des Hausrates -, die sie gerade aufmerksam studiert hatte, auf.
„Guten Tag, Ma'am", sagte auch Mortimer und lüpfte kurz seinen Hut. Auf eine angedeutete Verbeugung verzichtete er, da er Sophie noch immer auf dem Arm trug.
„Einen sehr schönen guten Abend, Sahib", antwortete die Frau mit jenem breiten, melodischen Akzent, der den Einwohnern Indiens zu Eigen war.
„Verzeihen Sie, Ma'am", fuhr Mortimer lächelnd fort. „Ich sehe, Sie sind sehr beschäftigt und will Sie nicht lange aufhalten, aber ich konnte nicht umhin, mich zu wundern. Könnte der Herr des Hauses wohl einen Moment entbehren um seine neuen Nachbarn kennen zu lernen?"
„Es tut mir schrecklich Leid, Sahib, aber Shree St.Claire ist nicht mit uns nach England gefahren", erklärte die Inderin und presste sich verlegen ihre Inventurliste an die Brust. „Aber wenn Sie möchten, können Sie Kumari Rhea und Kumari Phoebe treffen."
„Was ist denn ein Kumari?", fragte Sophie mit der nonchalanten Neugier, die man Kindern ihres Alters gerade noch wohlwollend verzieh.
„Das ist in Indien eine junge Dame. So wie man bei uns ‚Miss' sagt", erklärte Clementine, die mittlerweile auch herangetreten war und das Gespräch bisher schweigend verfolgt hatte.
Sophie sah ihren Vater zweifelnd an, als glaube sie den Worten ihrer Mutter nicht recht.
„Deine Mutter hat wie immer ganz recht, Sophie", bemühte sich Mortimer, diese Zweifel zu zerstreuen. Zu der Inderin gewandt fügte er hinzu: „Es wäre uns eine Freude, die beiden jungen Damen kennen zu lernen. Nicht wahr, Liebes?"
Clementine und Sophie - die sich gleichermaßen angesprochen fühlten - nickten zustimmend.
„Natürlich nur, wenn Sie nicht zu beschäftigt sind", meinte Clementine.
Die Inderin lächelte breit. „Einen Moment, bitte, Sahib", sagte sie und wuselte geschäftig davon.
Etwas irritiert blickten Mortimer und Clementine ihr nach, keiner von ihnen hatte erwartet, einfach so stehen gelassen zu werden.

Kurze Zeit später kehrte die Inderin in Begleitung zweier junge Damen zurück, die wohl noch keine 20 sein mochten. Auf den ersten Blick waren sie nur anhand ihrer Kleidung zu unterscheiden - eine von ihnen war wie die ältere Inderin in einen Sari gehüllt, während die andere sich offenbar bereits mit der englischen Mode gut gestellt hatte und ein leuchtend zinnoberrotes Kleid trug - denn beide trugen die selbe, dunklen Haarpracht zur Schau und besaßen äußerst ähnliche Gesichtszüge, die ebenfalls etwas indisches an sich hatten.
Mortimer war sich sicher, dass es sich dabei um Zwillinge handelte, doch bei genauerer Betrachtung fiel ihm auf, dass die Dame im roten Kleid ein klares Paar moosgrüner Augen besaß, während die Augen ihrer mutmaßlichen Schwester ebenso klar, aber von der Farbe dunkler Bronze waren.
„Ah", rief die junge Frau im Sari aus. „Das sind also die Leute, die du uns vorstellen willst, Tantchen Anjali?"
Ihre Schwester blickte sie tadelnd an. „Bitte verzeihen Sie, meine Schwester steckt mit ihren Manieren noch in Indien fest", entschuldigte sie sich dann bei Mortimer.
„Oh, aber nicht doch! Es ist doch ganz verständlich, dass man eine Weile braucht um sich anzupassen. Schließlich mag Indien britisch sein, aber es gibt dennoch viele Unterschiede und Sie haben sicherlich lange dort gelebt." Er lächelte gönnerhaft.
"Wir wurden in Indien geboren", warf das Mädchen im Sari ein, während Mortimer sich auf seine guten Manieren besann.
Er reicht den beiden Damen die Hand. „Wenn ich mich dann vorstellen darf, Mortimer Crawford, das ist meine Frau, Clementine, Sophie, unsere kleine Prinzessin", Sophie winkte bei diesem Worten mit äußerst vornehmer Miene. „und unser jüngster Nachwuchs noch unbekannten Namens." Er wies auf Clementines deutlich ausgeprägten Schwangerschaftsbauch. „Wir wohnen am anderen Ende der Straße."
„Wir freuen uns wirklich sehr Sie kennen zu lernen", erklärte das Mädchen in dem zinnoberroten Kleid und stellte sich als Rhea St.Claire vor.
„Ich bin Phoebe. Auf gute Nachbarschaft!", verkündete ihre Schwester.
„Wir würden Sie hinein bitten, aber das Haus ist leider noch nicht für Besucher hergerichtet", erklärte Rhea mit einem peinlich berührten Lächeln.
Einen Moment lang standen alle da und wussten nicht recht, was als nächstes zu sagen sei, aber gleichfalls war niemand ernstlich gewillt, das Gespräch bereits zu beenden.
„Nun", meinte Mortimer schließlich und räusperte sich. „Darf man fragen, was sie nach Summertown führt?"
„Natürlich dürfen Sie. Unser Vater meinte, es würde uns gut tun, eine Weile hier in England zu verbringen, um ordentliche Umgangsformen zu lernen und Kontakte in der Gesellschaft zu knüpfen", erklärte Rhea lächelnd.
Phoebe biss sich derweil auf die Unterlippe um sich von einer vorlauten Antwort abzuhalten.
Umgangsformen und Kontakten. Ha! Ihr Vater war vielmehr der Meinung, dass es höchste Zeit für seine Töchter war, einen wohlhabenden, englischen Gentleman zu heiraten.
„Unter uns gesagt", fuhr Rhea fort und errötete. „Ich hoffe auch, hier einen passenden Ehemann zu treffen."
„Oh, da werden Sie gewiss keine Probleme haben. Soweit ich weiß sind noch einige gute Partien zu haben", meinte Clementine mit einem Lächeln und die Umstehenden lachten - bis auf Phoebe - herzlich.
„Haben sie auch schon Heiratspläne, Miss Phoebe?", wollte Mortimer wissen.
Phoebe sah zu Boden. „Um ehrlich zu sein...", begann sie etwas verlegen. „Ich glaube, ich bin noch nicht so weit, zu heiraten und eine Familie zu gründen. Ich möchte lieber auf Reisen gehen und die Welt sehen."
Mortimer lachte. „Aha, eine Abenteurerin also. Aber glauben Sie mir, es reist sich viel angenehmer, wenn man angenehme Gesellschaft hat." Er warf einen liebevollen Blick auf Clementine.
„Vater?", meldete sich Sophie zu Wort. „Wenn man auf Abenteuer gehen will, muss man doch mutig sein, oder?"
Mortimer sah seine Tochter etwas irritiert an. „Manchmal schon, ja..."
„Das ist gut, dann kann Miss Phoebe schon mal Mutig sein üben!" Sophie sah aus, als sei sie äußerst zufrieden mit dieser Schlussfolgerung.
Auch Phoebe blickt das Mädchen irritiert an. „Wie kommst du denn darauf, Sophie?"
„Na, wegen dem Gespenst!", erklärte Sophie als wäre es die offensichtlichste Tatsache der Welt.
„Ein Gespenst?" Rhea runzelte die Stirn.
„Verzeihen Sie, Sophie ist überzeugt, dass es in dem alten Hawkes-Haus spukt", bemühte sich Clementine rasch zu sagen und sah ihre Tochter strafend an.
„Allerdings muss man sagen, dass unsere kleine Sophie da bei weitem nicht die Einzige ist. Ich fürchte, Ihr neues Heim hat eine äußerst grausame und blutige Vergangenheit und Sie wissen sicherlich, wie die Leute so sind", schritt Mortimer zur Sophies Verteidigung.
„Mortimer, nun mach den Damen doch keine Angst!" Clementine warf ihrem Gatten den selben strafenden Blick zu, der zuvor schon Sophie getroffen hatte.
Er störte sich nicht sonderlich daran. „Ach, früher oder später hätten sie doch ohnehin davon erfahren." Er wandte sich wieder an Rhea und Phoebe. „Es war allerdings sicher nicht meine Absicht, sie zu ängstigen."
Rhea winkte ab. „Wie es scheint, werden wir uns wohl oder übel mit der Vergangenheit dieses Hauses arrangieren müssen. Es kann nicht schaden, sie zu kennen."
„Wissen Sie viel über das Haus?", wollte Phoebe wissen und ihre Augen blitzten hell auf.
„Ich fürchte, ich weiß nichts genaues, nur, was man sich eben so erzählt. Aber dazu ist hier am Gartenzaun die falsche Zeit und der falsche Ort. Warum kommen sie nicht nächste Woche einmal zum Abendessen vorbei? Dann ängstige ich sie gerne mit all meinem Halbwissen." Er zwinkerte.
Rhea zögerte einen Moment, doch Phoebe schien geradezu begeistert von der Idee.
„Wir würden uns sehr freuen", sagte sie eilig. „Wann wäre es ihnen denn recht?"
„Wie wäre es gleich nächsten Sonntag? Dann haben sie Zeit, sich ein bisschen einzufinden", schlug Clementine vor.
„Und ein bisschen mit den Geistern des Hawkes-Hauses auf Tuchfühlung zu gehen!" Phoebe lachte ausgelassen, während Rhea leicht die Augen verdrehte.
„Ich wünsche Ihnen eher von Herzen, dass die Geister Ihnen nicht allzu viele Probleme machen", meinte Mortimer in einem plötzlichen Ernst, der Rhea einen Schauer über den Rücken jagte. „Nun denn, wir wollen Sie nicht länger aufhalten. Sie haben sicherlich noch viel zu tun."

Kapitel 2

Erste Anzeichen


Rhea hätte es nicht zugegeben, aber Mr. Crawfords Andeutungen bezüglich des Hauses hatten sie nervös gemacht und die teils neugierigen, teils mitleidigen Blicke der anderen Nachbarn trugen nicht dazu bei, dass sie sich besser fühlte.
Anjali Kapoor, die zugleich Haushälterin und Gouvernante war -  hatte zwar versucht, das Haus mittels duftendem Räucherwerk und einigen, in ungeübtem Sanskrit, gemurmelten Gebeten von bösen Geistern zu reinigen, aber dennoch zuckte Rhea bei jedem unerwarteten Geräusch leicht zusammen.
Ihr war des Nachts, als höre sie Schritte, als ginge jemand ruhelos auf dem Flur vor ihrer Schlafzimmertüre umher.
Ganz bestimmt war es nur Anjali, die nicht schlafen könnte, sagte sie sich, aber sie wagte nicht, nachzusehen.
Auch hütete sich Rhea, das Thema gegenüber Anjali und Phoebe anzusprechen. Ihre Schwester würde es sicherlich nur zum Anlass nehmen, sie zu ärgern. Es war ja eigentlich auch albern, sich in ihrem Alter noch derart von ein paar dummen Schauermärchen ängstigen zu lassen.
Oder vielleicht war es sogar Phoebe selbst, die vor Rheas Zimmer auf- und abging und sich einen makabren Scherz erlaubte, sich vorzustellen, wie Rhea verängstigt lauschte.
Ja, bestimmt war es Phoebe, das sah ihr ziemlich ähnlich.
Rhea versuchte, die Sache zu ignorieren, aber als sich nach einigen Tagen auch noch ein leises Wispern und gelegentliches Stöhnen zu den Schritten gesellten, hatte sie die Nase gründlich voll von diesen Kapriolen.

„Sag mal, wird dir das nicht langsam langweilig?“, wollte sie am Morgen wissen, als sie sich zu Phoebe an den Frühstückstisch setzte.
„Auch dir einen wunderschönen guten Morgen, liebste Schwester“, meinte ihre Schwester mit tadelndem Unterton. „Ich habe leider nicht die geringste Ahnung, wovon du sprichst. Wärst du wohl so freundlich, mich aufzuklären, was mir langweilig werden soll?“
„Du weißt genau, wovon ich spreche! Dass du hier so frisch und scheinheilig sitzen kannst, nachdem du fast eine Woche lang jede Nacht an meinem Zimmer vorbei läufst um mich zu ängstigen, ist wirklich erstaunlich!“ Rheas Gesicht wurde zornesrot. Das war doch nicht zu fassen! Als wäre es nicht schon unreif genug, was Phoebe da trieb, hatte sie jetzt auch noch den Nerv es frech zu leugnen? „Und jetzt fängst du auch noch an, zu flüstern und zu stöhnen um den Geist zu mimen. Das ist doch wirklich der Gipfel! Wie kannst du dich nur so kindisch benehmen?“
Rhea steigerte sich derart in ihre Wut, dass sie Phoebes erst verwirrtes und dann zunehmend verärgertes Gesicht erst bemerkte, als ihre Schwester nun ihrerseits loswetterte.
„Sag mal, bist du verrückt geworden? Du kommst hier her, sagst nicht einmal Guten Morgen, schreist mich an und unterstellst mir, ich würde Nachts an deinem Zimmer vorbei laufen - was übrigens kein Verbrechen ist -  und dazu flüstern und stöhnen und weiß Gott, was sonst noch alles. Und dann mokierst du dich auch noch darüber, dass ich nicht weiß, wovon du sprichst? Ja, das ist doch ganz vorbildlich und erwachsen!“ Phoebe sprang mit hochrotem Gesicht auf. „Zu deiner Information: Ich war jede Nacht in meinem Bett. Ich habe weitaus besseres zu tun als sinnlos vor deinem Zimmer herumzulaufen. Du hörst doch Gespenster!“
Auch Rhea sprang auf. „Ach, willst du mir nun erzählen, dass es hier tatsächlich spukt?“
„Nein“, gab Phoebe patzig zurück. „Aber Ich glaube, du hast dich von diesen albernen Schauergeschichten erschrecken lassen und hörst Dinge, die gar nicht da nicht!“
„Nun ist aber gut!“, rief Anjali endlich, bevor die beiden sich noch wortwörtlich an die Gurgel gingen. „Sie benehmen sich beide nicht wie die feinen Damen, die Sie sind. Sie keifen wie kleine Kinder und Ihre arme Mutter würde sich schämen, wenn sie Sie so sähe.“ Sie fasste Rhea an den Schultern und drückte sie mit sanfter Gewalt zurück auf den Stuhl. „Sie sind gerade erst hier eingezogen. Natürlich ist alles noch ungewohnt und nach den unheimlichen Geschichten ihrer Nachbarn ist es verständlich, dass Ihre Fantasie mit Ihnen durchgeht. Aber es ist wirklich kein Grund, einfach jemanden zu beschuldigen. Ich mache Ihnen jetzt einen starken Tee und dann können wir in Ruhe darüber reden, ja?“
Die Inderin wuselte in Richtung des Musikzimmers davon und kam gleich darauf zurück, um in die Küche – wo sie eigentlich hin wollte - zu begeben.
Rhea konzentrierte sich nach der Schelte mit hochrotem Kopf darauf, ihren Toast zu buttern und vermied es tunlichst, ihre Schwester anzusehen.
Wann war sie nur so reizbar geworden? Rhea wusste es nicht, aber sie musste sich dringend wieder in den Griff bekommen.
„Hast du wirklich gedacht, ich wäre das?“, wollte Phoebe nach einem langen Moment des Schweigens wissen.
„Ich hatte es zumindest gehofft“, gab Rhea zögernd zu.
„Du glaubst aber nicht, dass hier tatsächlich Gespenster umgehen, oder?“ Phoebes Gesicht verzog sich zu einem Lächeln, das irgendwo zwischen mitleidig und etwas schadenfroh lag.
Ihre Schwester schwieg einen Moment und starrte auf die goldbraune, mit Orangenmarmelade bestrichene Oberfläche ihres Toasts.
„Himmel, du glaubst das wirklich, nicht wahr?“, fiel Phoebe seufzend in die Stille, gerade in dem Moment, als Rhea die Selbstsicherheit gefunden hatte, doch etwas zu sagen.
„Es gibt in dieser Welt so vieles, was wir nicht verstehen. Ich weiß nicht, ob es wirklich Gespenster waren, die ich gehört habe, aber irgendetwas oder irgendjemanden habe ich gehört.“ Rhea wählte ihre Worte sorgfältig, wusste sie doch, dass ihre Zwillingsschwester eine wahre Spottdrossel sein konnte.
Phoebe verdrehte die Augen. „Das kann doch nicht dein Ernst sein. Du bist doch wirklich eine Gans…“ Rhea täuschte sich, es war ganz bestimmt nichts. Das Haus war einfach nur alt, mehr nicht. Ein paar ungewohnte Geräusche in einem alten Haus, das man außerdem gerade erst bezogen hatte, waren doch nichts Ungewöhnliches. Dennoch besaß Phoebe genügend weibliches Feingefühl um zu erkennen, dass zumindest die Verunsicherung ihrer Schwester ganz und gar echt war.
„Das nächste Mal, wenn du dich ängstigst, rufst du mich, ja?“
„In Ordnung“, murmelte Rhea, nahm sich aber vor, Mr. Crawford, bei dem für den heutigen Abend angesetzten Essen, nach den Gerüchten, die sich offenkundig um das alte Hawkes-Haus rankten, zu fragen. Vielleicht konnte er ihr mehr dazu sagen.

Kapitel 3

Das Abendessen

Dies konnte er in der Tat.
„Nun, wie ich Ihnen bereits gesagt habe, besitzt das Hawkes-Haus eine äußerst blutige Geschichte. Es heisst, darin ginge der Geist von Simon Hawkes, dem einzigen Sohn des Erbauers, um. Mr. Hawkes war, nach allem, was man hört, kein angenehmer Zeitgenosse. Trank und prügelte wohl seine Frau und seine Kinder. Fürchterlich, nicht?“, begann Mortimer seine Ausführungen während des Desserts.
„Schrecklich“, stimmte Rhea betreten zu. „Und so ein gewalttätiger Mensch soll nun in dem Haus spuken?“
Phoebe stocherte in ihrem Zitronenmelissen-Kuchen und versuchte keine taktlosen Kommentare von sich zu geben.
„Oh ja“, Mr. Crawford klang viel zu heiter für eine Aussage wie diese. „Es heißt nämlich, dass Mrs. Hawkes ihren Gatten in einem Akt blinder Rache vergiftete. Ein Verdacht, der nie wirklich bestätigt werden konnte, aber das ist nun einmal, was man damals vermutete und sie wissen sicher, wie die Leute eben so sind. Aus bloßen Vermutungen werden im Laufe der Zeit nur allzu oft handfeste Tatsachen.
Wie auch immer, Mr. Hawkes wurde also tot im Flur des ersten Stocks aufgefunden. Und damit nahm der Spuk seinen Anfang. Zu Beginn waren es offenbar nur kleinere Unannehmlichkeiten: Ein paar eisig-kalte Luftzüge, selbst bei geschlossenen Fenstern und an warmen Tagen, einige grundlos zuschlagende Türen, gelegentliches Wispern in der Nacht... Ängstige ich Sie zu sehr, Miss Rhea? Sie sind ja ganz blass“, unterbrach sich Mortimer und blickte Rhea mit besorgtem Blick an.
„Für einen Moment haben Sie ja richtig geschlottert“, pflichtete Mrs. Crawford ihrem Gatten ebenso besorgt bei.
Auch Phoebe sah bestürzt aus.
„Es geht schon wieder... Ich war nur in Gedanken“, murmelte Rhea und klang dabei matter als sie eigentlich bereit war, zu zeigen. Es war bereits zweimal vorgekommen, dass sie des Nachts aufgewacht war, weil sie fror. Aus dem Wissen heraus, dass Englands Wetter generell kühler war als das Klima Indiens, hatte sie es jedoch als ungewohnt, aber normal abgetan. Nun war sie sich plötzlich nicht mehr so sicher darüber. „Bitte, erzählen Sie weiter.“
„Sind Sie sicher? Es wäre mir äußerst unangenehm, wenn Sie heute Nacht meinetwegen nicht schlafen könnten.“
„Ach, ich habe sie doch darum gebeten“, erwiderte Rhea. Innerlich schauderte sie, wenn sie daran dachte, was wohl noch alles ans Tageslicht kommen würde, aber sie nahm sich vor, sich nicht davon einschüchtern zu lassen.
„Nun, wie Sie meinen, aber - bitte - Sie dürfen mich jederzeit aufhalten, wenn es Ihnen zu viel wird. Also wo war ich noch gleich...?“
„Bei kleineren Unannehmlichkeiten nach Mr. Hawkes Ableben“, half Phoebe ihrem Gastgeber auf die Sprünge.
„Ach ja... Alsbald begannen kleinere Gegenstände zu verschwinden - wie Mrs. Hawkes Brillantohrringe - während andere auftauchten. So stand eines Morgens Mr. Hawkes Rasierzeug wieder auf der Waschschüssel, obwohl Mrs. Hawkes es - je nachdem wen man danach fragt - hatte verkaufen oder zumindest für immer wegräumen lassen.
Zunächst dachte man an einen makabren Scherz oder vielleicht das Unverständnis der Kinder, die ihren Vater trotz allem zurücksehnten.
Doch wenn es ein Scherz war, so wurde der Schelm, der ihn spielte seiner wohl einfach nicht müde.“ Mortimer machte eine Kunstpause und Phoebe nutzte diese um das Wort zu ergreifen.
„Sagen Sie“, begann sie mit einem kecken Lächeln, „die Familie scheint in reichlich...“ sie versuchte, ein passendes Wort zu finden, „...haarsträubenden Verhältnissen gelebt zu haben. Ist Ihnen zufällig bekannt, warum die Witwe nicht einfach mit ihren Kindern fort gezogen ist?“
„Das ist wirklich eine ganz exzellente Frage, Miss Phoebe“, antwortete Mortimer, sichtlich erfreut über die kritische Einstellung, die sie an den Tag legte.
„Ich habe nicht die geringste Ahnung“, fügte er dann trocken an. „Vielleicht hofften sie, diese Phänomene würden wieder aufhören, vielleicht wusste Mrs. Hawkes nicht wohin oder vielleicht war sie einfach nur unglaublich stur.
Fest steht nur, dass Elisabeth Hawkes wohl zu lange in dem Haus blieb. Denn eines Morgens fand man sie tot in der Halle. Offenbar war sie die Treppe hinunter gestürzt und hatte sich dabei das Genick gebrochen. Aber die Familie mochte nicht an einen Unfall glauben.“
„Das ist ja fürchterlich“, murmelte Rhea, versuchte aber, sich ins Gedächtnis zu rufen, dass all das schon lange zurück lag, in der Hoffnung, es helfe gegen die beachtliche Bestürzung, die sie ergriffen hatte. Dennoch wurde ihr bei dem Gedanken, jeden Abend auf dem Weg in ihr Schlafzimmer an zwei Stellen, an denen jemand verstorben war, vorbei zu kommen, unsäglich flau im Magen.
„Ich nehme an, damit ist der Spuk noch nicht zu Ende?“, fragte Phoebe mit interessiertem, aber weiterhin etwas geringschätzigem Unterton.
„In der Tat, er wurde sogar immer schlimmer, denn nun geht offenbar auch Elisabeth Hawkes Geist in dem Gemäuer um. Einige der Nachmieter wollen sie sogar gesehen haben.
Sehen Sie, die Hawkes-Kinder wollten auf keinen Fall in dem Haus bleiben und versuchten, es zu verkaufen, was bei zwei Todesfällen junger, gesunder Leute und innerhalb von recht kurzer Zeit natürlich nicht ganz einfach war.
Schließlich gelang es ihnen, es zumindest zu vermieten. Es ist wohl unnötig zu sagen, dass keiner der Mieter es besonders lange darin aushielt. Manche hielten nicht einmal einen Monat durch. Diejenigen, die länger standhielten, berichteten sogar von fliegenden Gegenständen wie Kissen und Tellern.“ Mr. Crawford unterbrach sich unvermittelt. „Sagen Sie, Sie haben nicht zufällig derartiges beobachten können?“ Seine Augen blitzten mit unverhohlener Neugier.
Rhea und Phoebe waren einen Moment lang sprachlos. Was für eine Frage!
„Natürlich nicht!“ Phoebe fand als erste die Worte um ihrer Empörung Ausdruck zu verleihen. „Allein die Idee ist lächerlich, vollkommen absurd, finden Sie nicht?“
„Es gibt so viel Lächerliches und vollkommen Absurdes auf der Welt, dass man ganze Bücherregale damit füllen könnte. Und tagtäglich entdeckt der Mensch mehr davon. Ein paar fliegende Untertassen würden mich nun wirklich nicht überraschen“, erklärte Mortimer gemäßigt, doch mit einem gewissen Ausdruck von Bedauern in den Augen.
„Sie beschäftigen sich wohl sehr ausführlich mit... derlei Dingen?“, versuchte Rhea, die Wogen etwas zu glätten.
„Viel zu ausführlich für einen Mann seines Alters.“ Clementine hatte dem Gespräch bislang schweigend gelauscht. Einerseits, weil sie ihren Gatten nicht hatte unterbrechen wollen, andererseits aus schlichter Müdigkeit.
Mortimer beschloss, die Aussage großzügig zu überhören, wusste er doch, dass Clementines Worte - wenngleich man sie bei oberflächlicher Betrachtung als Spott missverstehen konnte - keineswegs böse gemeint waren.
„Letztlich bin ich nur ein einfacher Kaufmann; fasziniert von den Dingen, die jenseits des Horizonts liegen“, erklärte er mit einem Ausdruck, der Rhea beinah etwas wehmütig erschien, während Clementine ihn nachsichtig lächelnd anblickte.
„Nun, die Nachmieter jedenfalls“, nahm er seine Erzählung, nachdem er sich einen Moment lang gesammelt hatte, erneut auf. „berichteten nicht nur von gespenstischen Vorgängen und Erscheinungen, sondern auch die mysteriösen Todesfalle im Hawkes-Haus nahmen zu. Eine Mieterin, angeblich eine äußerst lebenslustige Person, wurde im Foyer gefunden, erhängt am Lüster, ohne dass eine Leiter oder eine andere Möglichkeit gefunden wurde, wie sie den Strick dort oben angebracht haben konnte. Ein anderer erstickte in seinem eigenen Bett unter einem Kissen - angeblich war niemand sonst im Haus, als es er starb. Und einer weiteren Dame, die den Fehler machte, zu lange in dem Haus zu wohnen, wurde der Schädel eingeschlagen, wie man hört. Es heißt auch, dass einige einfach verschwanden und niemals wieder gesehen wurden.“Rhea erschauderte erneut. „Das klingt als wäre es regelrecht lebensgefährlich, in dem Haus zu wohnen... Als wäre das Haus selbst bösartig...“ Unbehaglich rutschte sie auf ihrem Stuhl hin und her.
Phoebe hingegen schien von all dem nur mäßig beeindruckt. „Ach, kommen Sie, nun erzählen Sie aber wirklich nur Schauermärchen! Selbst wenn es Geister gibt, wie sollten sie Dinge bewegen oder jemanden töten? Sie haben keine Körper mehr.“
„Ich wage nicht darüber zu urteilen, was davon wahr ist und was nicht. Ich erzähle Ihnen nur, was ich selbst gehört habe. Um ehrlich zu sein, hatte ich nie zuvor das Vergnügen, einen Bewohner des Hawkes-Hauses persönlich kennenzulernen. Es stand leer, solange ich zurückzudenken vermag“, gab Mr. Crawford zu. „Dennoch bitte ich Sie,“ an dieser Stelle sah er Rhea und Phoebe eindringlich an. „auf sich aufzupassen und, sollte es notwendig sein, dürfen Sie selbstverständlich zu jeder Zeit auf meine Hilfe hoffen.“
„Bitte zögern Sie nicht, diese Hilfe einzufordern“, pflichtete Clementine ihrem Ehemann bei und legte die Hand auf Rheas Arm, „Mortimer mag ein Fantast sein und Sie mit seinen Geschichten erschrecken, weil er es manchmal etwas übertreibt, aber er will stets nur das Beste für die Menschen in seinem Umfeld. Wirklich, es gibt keinen fürsorglicheren Mann als ihn.“
Rhea nickte dankbar.
„Gibt es denn keine Angaben darüber, wie man dem Spuk beikommen könnte?“, wollte sie dann wissen.
Phoebe verdrehte die Augen. Unfassbar, dass Rhea das wirklich glaubte. Sie unterdrückte ein Seufzen.
„Nun, ein Patentrezept gibt es - wie so oft - nicht“, meinte Mr. Crawford nach einem Moment, „Aber ich glaube, ich habe ein paar Berichte zu diesem Thema. Wenn Sie möchten, suche ich Sie gerne für Sie heraus.“
„Das wäre sehr freundlich von Ihnen“, antwortete Phoebe bevor Rhea etwas sagen konnte und erntete einen irritierten  Blick. Sie mochte es lächerlich finden, aber wenn es irgendeine Maßnahme gab, die ihre Schwester beruhigen konnte, würde es bestimmt nicht schaden, sie eben anzuwenden.

Während Mr.Crawford in sein Arbeitszimmer eilte um die Berichte zusammenzusuchen, setzten Rhea und Phoebe sich mit Mrs. Crawford in den Salon. Man sprach - sehr zu Phoebes Erleichterung - über Triviales: Das Leben in Indien und die Gegensätze zu England, Clementines Schwangerschaft und Rheas Suche nach einem Gatten.
Schließlich kehrte Mortimer mit einem dünnen, in dunkelrotes Leder gebundenen Journal zurück. Das Etikett auf dem Einband verriet in enger, betont sauberer Schrift, dass es darin um „Heimsuchungen“ ging. Phoebe konnte nicht anders als sich zu fragen, wie viele solcher Journale zu unterschiedlichen Themen Mortimer wohl noch in seinem Studierzimmer aufbewahrte.
„Bitte verzeihen Sie, dass ich Ihnen die betreffenden Stellen nicht ordentlich herausgeschrieben habe, aber angesichts der Dringlichkeit und der späten Stunde“, wie auf Befehl schlug die Standuhr im Foyer ein Uhr, „schien es mir das Beste, Ihnen die entsprechenden Seiten einfach zu markieren“, erklärte er nicht ohne ein wenig Verlegenheit. „Ich hoffe sehr, dass diese Informationen Ihnen helfen können.“
Mit fast schon feierlicher Miene übergab er Rhea das Journal.

Kapitel 4

Mortimers Journal - Teil 1

Das Hawkes-Haus schien Rhea auf dem Heimweg immer überragender und dunkler zu werden, bis sich nur mehr ein schwarzer, bösartiger Koloss voller Gefahren aus dem leichten Nebel erhob.
Vor der Tür blieb sie zögernd stehen, als wagte sie nicht, dieses Domizil der Niedertracht zu betreten. Als sie über die Schwelle trat, presste sie Mortimers Journal an ihre Brust. Die wohlige Wärme des crawford’schen Wohnzimmers und der leichte Duft nach Mandarinen der Clementine umwehte, waren noch nicht ganz verflogen, aber dennoch schien Rhea, sie tauchte in eisigkaltes Wasser, sobald sie die Halle betreten hatte.
Sie unterdrückte einen erschrockenen Aufschrei, als kalter Klumpen hing er in ihrer Kehle, nahm ihr fast den Atem.
Phoebe schien nichts davon zu bemerken. Im Bestreben, ihre Schwester von düsteren Gedanken abzulenken, plapperte sie schon die ganze Zeit munter drauf los, schwärmte noch immer von dem vorzüglichen Kuchen und den wunderbaren Kokosmakronen, die es zum Tee gab und von der kleinen Sophie und ihrem jüngeren Bruder Victor, die beide so adrett anzusehen waren, als wären sie geradewegs aus einem Modejournal gestiegen.
Ohne darauf zu achten verabschiedete sich Rhea hastig ins Bett, ließ ihre Schwester etwas ratlos zurück, die nicht erwartet hatte, derart rüde unterbrochen zu werden.
Aber Rhea gedachte nicht im Mindesten zu schlafen.
Mit einer Decke um die Schultern setzte sie sich an ihren Sekretär, riss mit fahrigen Bewegungen ein Streichholz an und entzündete die Leselampe.
Selbst das goldene Licht der kleinen Lampe erschien ihr ebenso unnatürlich kalt wie der Rest des Hauses.
Ihre Hand zitterte, als Rhea sie auf den Buchdeckel legte. Für einen Moment schloss sie die Augen. Das Journal lag unter ihren kalten Fingern und Rhea genoss die Wärme, schöpfte neue Kraft aus ihr, obwohl sie ihr angesichts der Kälte im Haus ebenso seltsam erschien.
Endlich - sie vermochte selbst nicht zu sagen, wie lange sie so da gegessen hatte - schlug sie das Journal auf.
Auf der ersten Seite fand sich ein filigranes Muster aus Linien, Kreisen und Schnörkeln, dessen Bedeutung Rhea nicht verstand, jedoch bewunderte sie die Geduld, mit der Mr. Crawford es zu Papier gebracht haben musste.
Vielleicht eine Art Schutzzauber, überlegte sie. Zuzutrauen wäre es Mr. Crawford ja durchaus gewesen.
Rhea beschloss, ihn danach zu fragen, wenn sie ihm das Journal zurück gab und sich stattdessen auf das eigentliche Problem zu konzentrieren. Entschlossen blätterte sie zur ersten Seite, die mit einem Lesezeichen markiert war.
Mr. Crawfords Aufzeichnungen schienen in der Art eines Tagebuchs geführt zu sein. Auch hier war die Schrift betont sauber, als wäre er die Schreibarbeit nicht gewöhnt. Der erste Eintrag, den er als von Interesse betrachtete, war mit dem 12. April datiert und lag bereits einige Jahre zurück.

William, mein lieber Freund aus North Carolina, berichtete mir unlängst von einem bemerkenswerten Fall in New Bern.
Mr. John Cooper und seine Gattin Angelica, hatten ein Haus gekauft, dessen früherer Besitzer, einem Mr. Robert Montgomerey, verstorben war. Schon Bald sahen Mr. und Mrs. Cooper sich einer Reihe von unangenehmen Spukerscheinungen gegenüber.


Rhea überflog die detaillierte Aufzählung dieser Erscheinungen nur halbherzig - davon hatte sie bereits mehr als genug gehört – aber aufmerksam genug um zu verstehen, dass der vorherige Hausbesitzer wohl in dem Haus umging, augenscheinlich alltägliche Tätigkeiten verrichtete und nur allzu oft Eigentum der Coopers zerstörte.

Nun mutet es wohl durchaus ein wenig seltsam an, dass Mrs. Cooper, ein äußerst zierliches Fräulein, sich eines Abends der ruhelosen Erscheinung Mr. Montgomereys mit bemerkenswerter Furchtlosigkeit näherte und ihn so höflich es ihr möglich war ansprach:
„Verzeihen Sie, Mr. Mongtomerey?“, sagte Mrs. Cooper William zufolge. „Es tut uns wirklich leid, sollten John und ich Sie stören. Es war nicht unsere Absicht, in ihr Heim einzudringen. Aber sehen Sie, wir haben dieses Haus gekauft und es ist nun auch unser Heim.“
„Gekauft?“, soll die Erscheinung hallend geantwortet haben. „Aber ich wohne doch hier!“
Mrs. Cooper scheint mir eine aussergewöhnlich scharfsinnige junge Dame zu sein, verstand sie doch sogleich, dass Mr. Montgomerey sich seines eigenen Ablebens nicht recht bewusst zu sein schien.
Nun ist es sicherlich nicht ganz einfach, jemandem mit dem gebotenen Respekt zu sagen, dass er verstorben ist, aber ich muss anerkennen, dass Mr. Cooper diese surreale Situation bemerkenswert gut meisterte.
"Das ist nun sicher schwer für Sie“, sagte sie William zufolge. „und ich wünschte, ich müsste Ihnen das nicht mitteilen, aber ich fürchte, Mr. Montgomerey, ich fürchte, dass Sie verstorben sind.“
„Verstorben? Ich?“ Mr. Montgomerey war angeblich ganz schockiert von dieser Eröffnung - eine wie ich finde durchaus verständliche Reaktion. Mrs. Cooper berichtete William, er, Mr. Montgomerey, sei ganz bedrückt zu Boden gesunken. „Aber das kann doch nicht sein... ich bin doch hier“, murmelte er verwirrt.
Ich fürchte es ist leider so.“, sagte Mrs. Cooper mit bewundernswerter Gelassenheit, aber dennoch mit all der Einfühlsamkeit, die den Damen zu eigen ist. „Ohne respektlos erscheinen zu wollen, aber mein Mann John und ich, wir haben uns gefragt, ob es nicht vielleicht besser für Sie wäre, ins Jenseits zu gehen.“ Als sie aber sah, wie niedergeschlagen Mr. Montgomerey ob der Nachricht seines Todes noch war, fügte sie rasch hinzu: „Aber wenn Sie noch eine Weile bleiben möchten, sind Sie uns als Gast herzlich willkommen. Ich bitte Sie nur, kein Porzellan mehr zu zerschlagen.“
William berichtete mir höchst zufrieden, dass dieses Gespräch das KLima im Hause Cooper erheblich verbesserte. Zwar ist der Geist von Robert Montgomerey noch immer zugegen, doch können sich die Coopers laut William nun gut mit ihm arrangieren.


Rhea musste beinahe lachen. Ein übernatürlicher Hausgast, was für eine kuriose Vorstellung. Dann betrachtete sie einen Moment lang gedankenverloren den Lampenschirm. Ob sich die Geister des Hawkes-Hauses wohl auch durch ein vernünftiges Gespräch zur Ruhe bringen ließen? Rhea bezweifelte es.
Im Gegensatz zu „ihren“ Hausgeistern war Mr. Montgomerey ja im Grunde genommen friedlich gewesen.
Sie blätterte zur nächsten Textstelle. Der Bericht stellte sich als gut zwei Jahre alt heraus.

Unter dem Datum des 11. März erfuhr sie von Mr. Percival Knowles aus Bristol, der in einem neugebauten Haus diverse Spukaktivitäten erlitt.

Mr. Knowles beschloss, es mit reinigendem Räucherwerk zu versuchen. Er verbrannte eine großzügige Mischung aus Salbei, Zeder und Rosmarin um das Haus zu reinigen und fand, dass die unerwünschte Aktivität alsbald in nicht geringem Maße zurück ging.
Allerdings zeigten die Geister sich als beharrlich und der Spuk nahm einige Tage später erneut zu.
Bei Mr. Knowles aber schien es sich um einen ebenso beharrlichen Mann zu handeln. Mit einem Lachen gab er an, er sei eben einfach Tag für Tag wieder mit dem Räucherwerk durch alle Räume des Hauses gepilgert. Den Geistern sei es wohl irgendwann zu bunt geworden.
Er gab an, noch immer einmal in der Woche zu räuchern, aber die unerwünschten Aktivitäten sind seither nicht wieder aufgetreten.


An dieser Stelle begann Mr. Crawford, sich darüber auszulassen, wie interessant dieser nämliche Fall doch sei, da es sich um ein neues Haus handle und darüber zu sinnieren, warum Mr. Knowles mit dieser Methode Erfolge erzielte.

Rhea nahm sich vor, Tantchen Anjali zu bitten, es noch einmal mit Räuchern zu versuchen. Der erste Versuch, den sie unternommen hatte, schien relativ erfolglos geblieben zu sein, aber Mr. Knowles‘ Fall zeigte schließlich, dass es manchmal einfach eine Geduldsprobe war.
Sie gähnte, übersprang den letzten Absatz und blätterte zum nächsten Bericht, der mit dem 6. Oktober des letzten Jahres datiert war.
Unten in der Halle schlug die Uhr halb drei.

Aus dem wilden, aber regnerischen Schottland erreichte mich Nachricht von meiner liebsten Freundin CeCe.

Rhea runzelte ob des ungewöhnlichen Spitznamen die Stirn.

Sie wusste von Mr. und Mrs. Jones und ihren drei Kindern aus Edinburgh zu berichten.
Die Familie war unlängst in ein kleines Stadthaus gezogen, das sie zu einem äußerst günstigen Preis hatten mieten können.
Alsbald stellten sich jedoch heftige Spukerscheinungen ein, unter denen insbesondere die Kinder zu leiden hatten.


Erneut überflog Rhea die Details der Erscheinungen lediglich.

CeCe, wissend um frühere Fälle, wie denjenigen des Ehepaars Cooper aus North Carolina und Mr. Knowles drüben in Bristol, riet der Familie zunächst, es ebenfalls mit einem Gespräch oder dem Räuchern des Hauses zu versuchen.
Zwar gingen die Phänomene zurück, jedoch nur in geringfügigem Maße.
In dem Bestreben, noch nicht zu brachialen Methoden zu greifen, aber dennoch den Schaden für die Familie zu begrenzen, schlug CeCe vor, die Geister zunächst einfach mit einer Salzbarriere aus den Schlafgemächern fern zu halten.
Auch regte sie an, dass jedes Familienmitglied einen kleinen Beutel mit Dingen, die einen emotionalen Wert besitzen und ihnen im Falle eines Falles ein Trostspender zu sein vermochten und einer kleinen Prise Salz füllen sollte.
(Der Versuch des jüngsten Sohnes Phineas, einen lebenden Frosch, den er gedachte, als Haustier zu halten, in seinen Beutel zu stecken, konnte CeCe gerade noch verhindern – Phineas begnügte sich schließlich mit einem aus Holz geschnitzten Fröschchen.)
Die Wirkung dieser Maßnahme auf Geister und eventuelle andere Entitäten darf trotz den Schützenden Qualitäten des Salzes sicherlich bezweifelt werden, nicht aber der beruhigende Effekt, den sie auf die Familie Jones hatte.
Wenn nichts anderes, so beruhigte es sie immerhin und wirkte der Angst, die naturgemäß mit derlei Phänomenen einhergeht. Eigentlich ist diese Angst auch grundverkehrt, da es Geister gibt, die sich an ihr nähren und so der Spuk sogar noch schlimmer werden kann.


Rhea seufzte. Keine Angst… Das war leichter gesagt als getan…

Die reinigende Wirkung des Salzes jeden Falls zeigt sich rasch als effektiv. Salzbarrieren an Türen und Fenstern verwehrten den Geistern zunächst den Zutritt in die Schlafgemächer, nach einer Ausweitung und erneutem Räuchern zum ganzen Obergeschoss und schließlich gelang es sogar, die ungeliebten spektralen Gäste ganz aus dem trauten Heim der Jones‘ zu verdrängen.

Kapitel 5

Mortimers Tagebuch - Teil 2

Rhea gähnte. Draußen würde es bestimmt bald wieder dämmern, wenn sie hier noch lange saß. Vielleicht war es besser, für heute aufzuhören und endlich ins Bett zu gehen. Tantchen Anjali würde sie bestimmt schelten, wenn sie erst zu Mittag aufstünde.
Aber nun, da sie schon so weit gelesen hatte, wollte sie den letzten Eintrag nicht einfach aufschieben, zumal es der neuste der markierten Berichte – er lag nur wenige Monate zurück – war ihr die gewisse Steigerung in der Heftigkeit des Spuks aufgefallen war. Sie fragte sich, ob Mr. Crawford diese Berichte ausgewählt hatte, damit eben dieser Effekt zu Stande kam. Vermutlich war es so.
Sie richtete ihre Aufmerksamkeit wieder auf den Bericht.

Mrs. Cecilia Chathams Kinder mochten bereits erwachsen sein, aber das hielt die Witwe nicht davon ab, sich ein großzügiges Haus auf dem Lande unweit Hawkhurst zu kaufen.
Da Mrs. Chatham offenbar einen äußerst leichten Schlaf hat, bemerkte sie bereits  in der ersten Nach unerklärliche Geräusche und gab an, einen eisigen Lufthauch gefühlt zu haben. Auch berichtete sie, den Tränen nahe, ein paar eiskalter Hände hätten sich unter der Bettdecke um ihre nackten Knöchel gelegt und versucht hätten, sie aus dem Bett zu ziehen, allerdings erst einige Tage später.

Mr. Crawford fuhr fort, die verschiedenen Aktivitäten in Mrs. Chathams Haus zu beschreiben. Rhea schauderte während des Überfliegens.

Nun war die Witwe Chatham – im Gegensatz zu manch anderem – nicht nur mit finanziellem, sondern auch mit intellektuellem Reichtum gesegnet:
Sie quartierte sich prompt in der örtlichen Pension ein und begann, sich mit der Geschichte des Hauses auseinander zu setzen. Dabei stieß sie alsbald auf ein beunruhigendes Gerücht. Und zwar munkelte man hinter vorgehaltener Hand, dass einer der Vorbesitzer des Hauses – nämlich ein Mr. Angus B. Hambledon – wohl ein Teufelsanbeter gewesen sei.
Sicherlich konnte das Gerücht auch darauf zurückzuführen sein, dass Mr. Hambledon nie ein besonders eifriger Kirchengänger war und – obwohl bescheidenen Verhältnissen entstammend – bereits in jungen Jahren zu einem beachtlichen Vermögen kam, ohne dass jemand wusste, womit er seinen Lebensunterhalt verdiente
Dennoch fühlte sich Mrs. Chatham genötigt, den lokalen Pfaffen in die Sache zu involvieren. Nachdem der Pfarrer jeden Raum des Hauses gesegnet und mit Weihwasser besprengt hatte, wurden die Phänomene keineswegs geringer, wie man erwarten möchte.
Durch die Gebete und das Weihwasser war die Entität wohl äußerst verärgert worden. Eine derartige Reaktion auf religiöse oder rituelle Handlungen ist bei dieser Art von Geistwesen bekanntermaßen nicht unüblich.

Rasch ward aus ein paar Segnungen und etwas Weihwasser ein vollständiger Exorzismus geworden, der über mehrere Tage andauerte.
Aufgrund der  Reaktionen (Unter anderem das selbe Knurren, das Mrs. Chatham zuvor schon gehört hatte, jedoch ungleich lauter und bedrohlicher, ein fauler Geruch nach verrottendem Fleisch und faulen Eiern, die Aufforderung, mit „diesem verdammten Dreck“ aufzuhören, abgegeben mit der Stimme des verstorbenen Gatten Mrs. Chathams, diverse direkte, körperliche Angriffe auf den Priester und Mrs. Chatham selbst – Auf ihrem Unterarm erschienen gar blaue Flecken und Kratzer, als sie sich weigerte auf irgendwelche Forderungen einzugehen!) und der allgemeinen Vorgänge im Haus, können wir festhalten, dass es sich hierbei höchstwahrscheinlich um eine Entität der Klasse Ⅴhandelte!

Rhea hatte keinerlei Ahnung, was eine Entität der Klasse Ⅴ war, aber der Umstand, dass die Worte mit roter Tinte doppelt unterstrichen worden waren, verlieh ihnen etwas Bedrohliches. Sie war sich nicht sicher, ob sie Mr. Crawford danach befragen wollte. Unwissenheit konnte manchmal eben schon ein Segen sein.
Rhea schlief unruhig in dieser Nacht, gestört von wirren Träumen voll geisterhafter Stimmen und bedrohlichen Schatten. Sie vermochte nicht zu sagen, ob es von der Lektüre des Journals oder vom Haus als solches herrührte. Sicher war nur, dass sie sich wie gerädert fühlte, als  die Strahlen der Mittagssonne sie schließlich weckten.
Anjalis unausweichlichen Vortrag ließ sie tumb über sich ergehen und als sie Phoebe Mr. Crawfords Journal übergab, erntete sie einen irritierten Blick.
„Willst du es denn nicht zuerst lesen?“
Rhea errötete leicht. „Ich habe es schon gelesen…“, murmelte sie.
„Ach herrje“, stöhnte Phoebe und fasste sich an die Stirn. „Bestimmt hast du deswegen so schlecht geschlafen.“
„Vielleicht“, sagte ihre Schwester vage.
„Ist es wenigstens aufschlussreich?“
„Ja, ich denke schon. Es ist sogar in gewisser Weise unterhaltsam“, gab Rhea zu.
„Na, da bin ich ja mal gespannt…“

Kapitel 6

Silhouette im Rauch

Rhea überwachte Anjali, während sie erneut mit Räucherwerk von Raum zu Raum ging. Sie hatte die Inderin gebeten, besonders die Halle und den Flur des ersten Stocks umfänglich zu behandeln.
Grau-blaue, duftende Schwaden füllten den Gang und machten die Sonnenstrahlen, die durch das große Bogenfenster hereinfielen, sichtbar.
Tief atmete Rhea ein. Sie war noch immer fasziniert, wie gut man das Zedernholz herausriechen konnte und der Salbei war gleichsam intensiv, sodass sie ihn schon fast auf den Lippen schmecken konnte.
„Es riecht wie in einem alten Schrank...“ Das war alles, was Phoebe dazu zu sagen hatte.
„Ach, komm, wenn es hilft ist das doch..:“ Rhea sprach den Satz nicht zu Ende, denn in diesem Moment fiel ihr Blick auf die Treppe und auf eine Stelle, die gänzlich frei von Rauch zu sein schien.
Der feine Rauch umgab die Silhouette eines Mannes. Er war nur für einen Moment zu sehen, gerade genug, damit Rhea ihn bemerkte.
Mit einem spitzen Schrei stolperte sie einige Schritte rückwärts, kam aus dem Gleichgewicht und hätte Phoebe nicht geistesgegenwärtig ihren Arm festgehalten, hätte sie wohl schmerzhafte Bekanntschaft mit den Eichendielen unter dem Läufer gemacht.
„Vorsicht! Was ist denn los?“, wollte ihre Schwester alarmiert wissen.
„Hast du das nicht gesehen?“, fragte Rhea weitaus lauter als notwendig gewesen wäre. Ihre Stimme klang ungewohnt schrill.
Phoebe musste die Gestalt auch gesehen haben. Sie musste!
„Was gesehen, Rhea?“
„Da!“ Sie zeigte auf die Stelle. „Da war eine Gestalt... Ein Mann... Aber jetzt ist er... verschwunden... Er ist einfach verschwunden!“
Phoebe runzelte die Stirn. „Ein Mann? Bist du sicher?“
„Ja! Ja, ich bin sicher! Ich habe ihn doch gesehen!“
„Und dann ist er verschwunden?“ Phoebe sah ihre Schwester zweifelnd an.
„Ja doch! Wenn ich’s dir doch sage! Du musst ihn doch auch gesehen haben!“, Rhea stiegen die Tränen in die Augen.
Phoebe fasste ihre Schwester bei den Schultern und sah sie eindringlich an. „Rhea, beruhig dich doch. Da war nichts, glaub mir. Du bist nur müde und dieser Mr. Crawford hat dir mit seinen wilden Geschichten Angst gemacht und jetzt spielt dir deine Fantasie einen Streich, das ist alles.“
„Und ich sage dir, da war Etwas... Jemand“, beharrte Rhea beinahe schon trotzig und vor Erregung zitternd.
Phoebe seufzt und beschloss, es mit einer anderen Taktik zu versuchen: „Selbst wenn, jetzt ist es fort, was auch immer es war. Vielleicht war es ein Geist und der Rauch hat ihn vertrieben.“
Sie zog ihre Schwester in eine Umarmung. „Du brauchst keine Angst zu haben. Du bist hier sicher, ich verspreche es dir.“
Sie streichelte liebevoll Rheas Rücken.
Langsam beruhigte sich die junge Frau wieder, das Zittern lies nach.
Doch trotz Phoebes Versicherung, dass sie nichts zu befürchten hatte, zweifelte sie.

Obwohl sie protestierte, nahm Rhea Anjalis Nähkorb nach dem Abendessen in ihr Zimmer. Sie hatte nicht viel Ahnung vom Nähen - das war Arbeit für ein Hausmädchen -, aber es war ihr unangenehm, jemanden darum zu bitten. Sie wollte schließlich nur zwei kleine Beutel mit Salz in das Innenfutter ihres scharlachroten Lieblingskleides nähen. Wie schwer konnte das schon sein?

Es erwies sich als schwieriger, als Rhea zunächst gedacht hatte, aber schließlich war es geschafft.
Sie hängte das Kleid über den Paravent in ihrem Ankleidezimmer und ging, nachdem sie noch einmal die feinen Salzlinien am Fensterbrett und auf der Türschwelle kontrolliert hatte, ins Bett.
Trotz allem hatte sie ein mulmiges Gefühl.

Über die nächsten Tage nahmen die geisterhaften Geräusche, das Klopfen, die Schritte und die Stimmen, sowie die kalten Luftzüge, ohne benennbaren Ursprung beständig zu, doch Phoebe und Anjali schienen sie entweder nicht zu bemerken oder gekonnt zu ignorieren. Rhea hingegen fühlte sich stets beobachtet, wenn sie durch die Zimmer und Flure des Hawkes-Hauses wanderte.
 

Kapitel 7

Elisabeths Geist

„Weißt du, Rhea…“, begann Phoebe eines Abends, als sie gemeinsam beim Abendessen saßen. „Tantchen und ich sind etwas besorgt um dich. Wir haben gedacht, es wäre eine gute Idee, auch einen Arzt zu konsultieren und nicht nur einen Freizeit-Geisterjäger.“
Rhea sah ihre Schwester irritiert an. „Einen Arzt? Aber ich bin doch nicht krank.“
„Und dennoch lebst du, wenn du ehrlich bist, in ständiger Angst. Sieh dich doch nur an! Du schläfst kaum noch, du kommst fast gar nicht mehr aus deinem Zimmer und seit Tagen trägst du dieses Kleid! Lass es doch wenigstens einmal waschen!“
Phoebe versuchte ihrer Schwester so schonend wie möglich beizubringen, dass sie nicht gerade nach Rosen duftete.
Rhea schwieg eine lange Weile. „Du hältst mich für verrückt, nicht wahr?“, sagte sie dann leise.
„Ich halte dich nicht für…“
„Aber ich bin nicht verrückt!“, rief Rhea wütend und stand auf. Das Geschirr klirrte und Phoebe zuckte erschrocken zusammen als die Handflächen ihrer Schwester auf den schweren, dunklen Mahagonitisch niedersausten. „Ich weiß was ich gehört habe! Ich weiß, was ich gesehen habe! Und ich weiß, was ich gefühlt habe!“ Rhea sank kraftlos auf ihren Stuhl zurück. „Warum glaubst du mir nicht?“
Phoebe seufzte. „Wie soll ich dir denn glauben? Weder ich noch Tantchen hören unerklärliche Geräusche, oder spüren kalte Luftzüge oder sehen seltsame Schatten und Silhouetten. Es könnte doch sein, dass… all das nur in deinem Kopf ist. Vielleicht könnte dir ein guter Nervenarzt besser helfen als zwei fingerbreit Salz auf deiner Türschwelle…“
„Du bist meine Schwester, mehr noch, mein Zwilling, du solltest mir einfach vertrauen.“
Sie erhob sich schwerfällig und warf Phoebe einen vorwurfsvollen Blick zu, bevor sie sich umwandte und sich auf den Weg in ihr Zimmer machte.

Ein Nervenarzt! Phoebe wollte sie wohl wirklich für wahnsinnig erklären lassen. Ihre eigene Schwester!
Als sie die Treppe hinaufstieg, fiel ihr auf einmal auf, dass die leichten Gardinen sich bauschten und flatterten, jedoch ohne, dass auch nur der geringste Luftzug zu spüren war. Im nächsten Moment formte sich hinter dem dünnen Leinenstoff der leichten Tagesgardinen die Gestalt einer Dame mittleren Alters in einem altmodischen, weißen Kleid mit Unterbrustband und Schultertuch. Das Mondlicht fiel durch die geisterhafte Gestalt auf den Boden und verlieh ihr ein geheimnisvolles Leuchten, während sie versonnen aus dem Fenster blickte; Eine Hand an das Fensterglas gelegt, als wäre das, was dahinter lag unerreichbar für sie und doch so sehnlichst gewünscht.
Nachdem sie den ersten Impuls, einfach wegzulaufen, unterdrückt und den anfänglichen Schrecken überwunden hatte, schien Rhea die Gestalt kaum bedrohlich, vielmehr überkam sie Mitleid.
„Pardon? Mrs. Hawkes?“
Die Gestalt blieb stumm, doch sie wandte sich Rhea zu und sah sie mit großen, aber trüben Augen an.
„Ich…“ Rheas Herz schlug heftig gegen ihre Rippen, als wäre es ein Vogel in einem viel zu engen Käfig.  Sie hatte Mr. Crawford Bericht über den Geist Mr. Montgomereys so oft gelesen, in der Hoffnung, sich so auf eine ähnliche Begegnung vorbereiten zu können. Doch hier stand sie nun, Aug in Aug mit dem Geist mit dem Geist der verstorbenen Mrs. Hawkes und ihr wollte nicht mehr einfallen, wie Mrs. Cooper das Gespräch in dem Bericht begonnen hatte.
„Ich wollte Sie nicht stören“, brachte Rhea schließlich hervor. „Aber ich wohne jetzt hier und… wenn Sie sich entscheiden könnten, dieses Haus zu verlassen, wäre ich Ihnen sehr dankbar.“ Zweifelnd, ob das höflich genug war, stotterte Rhea etwas über die übernatürlichen Vorgänge im Haus zusammen und darüber, dass sie sich davon gestört fühlte um ihre Situation zu erklären.
Die Erscheinung bewegte die Lippen, doch kein Ton war zu hören. Mrs. Hawkes griff sich an die Kehle, ihr Blick hätte trauriger nicht sein können.
„Sie… können nicht sprechen?“
Mrs. Hawkes schüttelte den Kopf. Rhea runzelte die Stirn. diese Möglichkeit hatte sie gar nicht gedacht und sie war nicht sicher, was nun am besten zu tun war.
Mrs. Hawkes wandte ihren Blick derweil nach dem Flur zu ihrer Linken, auf dem durchscheinenden Gesicht ein Ausdruck von Besorgnis, als sähe sie etwas im Dämmerlicht der Gaslampen, was Rhea verborgen blieb.
Diese Miene veränderte sich zu schierer Furcht, als die Lampen in einem nicht spürbaren Luftzug zu flackern begannen und die Gardine sich erneut bauschte.
„Uhm… Mrs. Hawkes? Ist etwas nicht in Ordnung?“, fragte Rhea nervös, obwohl sie wusste, dass der Geist ihr nicht antworten konnte.
Hastig drehte die Erscheinung sich zu ihr um und deutete ihr unmissverständlich, sich zu entfernen, ihre Lippen schienen stumm das Wort „Geh!“ zu formen. Die Temperatur in der Halle fiel schlagartig um einige Grad.
Fröstelnd und erschreckt floh Rhea in ihr Zimmer, dankte still Gott, dass es in der entgegengesetzten Richtung lag.
Hastig griff sie nach dem Topf mit Salz, den sie vorsorglich auf ihren Nachttisch gestellt hatte und zog damit einen Kreis um ihr Bett, betete, dass er übelwollende Geister fernhalten würde.
Sie hörte das Klirren der Fensterscheiben, als bebte nicht nur ihr Atem, sondern auch die Erde selbst. Sie wickelte sich ihre Decke um die Schultern, denn es wurde noch immer beständig kälter. Der Spiegel ihrer Schminkkommode war beschlagen – sie war nicht sicher, ob dies den Gesetzen der Physik entsprach – und Stück für Stück erschienen darauf die Worte „Er wird dich holen.“
Rhea schauderte, nicht wissend, ob es eine Warnung oder eine Drohung war.
Das Klirren der Fensterscheiben wurde lauter. Der Spiegel wurde dunkel und die Schrift verschwand, nur um sofort wieder neu zu erscheinen.
„Sie kann dich nicht retten.“
Nicht nur die Worte, sondern auch die Schrift selbst waren anders.
Mit einem scheußlichen Knacken zersprang der Spiegel, Rhea fiel vor Schreck und von einem Schrei begleitet auf den Rücken.
Jetzt hatte ihr letztes Stündlein geschlagen, Rhea war sich sicher…
Aber nichts geschah.
Der Raum wurde wieder wärmer, der Spiegel wieder klar.
Zitternd und mit rasselndem Atem sah sie sich um und wartete einen langen Moment. Der Spiegel war noch immer von spinnennetzartigen Rissen durchzogen.
Als sich ihr Atem beruhigt hatte, wagte sie sich zögernd aus dem schützenden Salzkreis heraus und als noch immer nichts geschah, auch aus ihrem Zimmer. Der Flur war hell erleuchtet, die Lampen brannten, als wäre nie etwas gewesen. Sie atmete tief durch. Phoebe. Sie musste Phoebe finden. Der Spiegel war der perfekte Beweis dafür, dass sie nicht verrückt war!

Kapitel 8

Ende

Sie fand ihre Schwester im Salon mit einem Buch auf den Knien. Als sie den Raum betrat, sah Phoebe von ihrer Lektüre auf.
„Du bist ja ganz bleich, was ist passiert?“, wollte sie besorgt wissen.
„Komm mit!“, antwortete Rhea, fasste ihre Schwester bei der Hand und zog sie einfach mit sich.

Als die beiden jungen Frauen aber in Rheas Zimmer kamen, fanden sie alles ganz gewöhnlich. Der Spiegel war ungebrochen, ohne den geringsten Riss warf er Rheas völlig verwirrtes Gesicht zurück.
„Aber… Ich… Der Spiegel…“, stammelte sie. „Er war gesprungen!“
„Du hast den Spiegel zerbrochen?“ Phoebe runzelte die Stirn und besah sich den Spiegel genauer. „Er ist doch ganz in Ordnung.“
„Ich habe ihn nicht zerbrochen“, beteuerte Rhea „Er wurde auf einmal ganz schwarz und dann ist er zersprungen. Einfach so. Knack!“
„Rhea, das ist doch lächerlich.“ Phoebe klopfte gegen den Spiegel. „Das sind nur deine Nerven!“
„Nein, es sind nicht nur meine Nerven! Wirklich! Es war alles genau so, wie ich’s dir sage! In diesem Haus gehen Dinge vor sich…“ Ihr stiegen die Tränen in die Augen.
Phoebe seufzte. Sie hatten das doch gerade erst besprochen.
„In Ordnung, weißt du was? Wir fahren weg. Nur für ein paar Tage. Wir könnten nach Bristol ans Meer fahren.“ Vielleicht würde das ihre Schwester etwas zur Ruhe kommen lassen.
„Bristol liegt nicht am Meer, du meinst Brighton.“ Rheas Stimme klang matt, aber Phoebe war froh, dass sie wenigstens noch beieinander genug war, um sie zu korrigieren.
„Dann eben Brighton.“ Sie zuckte mit den Schultern. Ob Brighton oder Bristol war doch völlig egal. „Wir mieten uns ein kleines Cottage und verbringen ein paar Tage am Meer. Vater hat sicher nichts dagegen. Ich telegraphiere ihm gleich morgen früh, ja?“
Rhe nicht. „Vielleicht hast du recht...“, murmelte sie.
„Keine Sorge.“ Phoebe umarmte ihre Schwester. „Es wird bestimmt alles gut.“

Rhea hatte Phoebe überzeugen können, in dieser Nacht bei ihr im Zimmer zu schlafen. Etwas, was sie zuletzt zu Kinderzeiten getan hatten. Während ihre Schwester friedlich neben ihr schlief und sehr undamenhaft schnarchte, lag Rhea wach. Ausnahmsweise hörte sie keine Geräusche und doch konnte sie nicht schlafen. Ihr müder Blick ging immer wieder nach dem Spiegel, als fürchte sie eine böse Schattengestalt könnte jeden Moment ihren hässlichen Kopf daraus hervorrecken.
Sie hoffte inständig, dass sie bald nach Brighton fahren konnten, obwohl der Badeort zu dieser Jahreszeit wohl eher scheußlich als erholsam sein musste. Aber je früher sie aus diesem Albtraum ausbrechen konnte, desto besser. Vielleicht konnte sie Phoebe so ja doch noch davon überzeugen, dass sie nicht verrückt war.

Rhea schlug die Augen auf; sie musste wohl doch für einen Moment lang Schlaf gefunden haben. Um sie herum war es seltsam dunkel, sie sah die Hand vor Augen nicht und es war totenstill.
Dann traf sie die Erkenntnis, dass sie sich nicht in ihrem Bett befand. Statt einer weichen Matratze fühlte sie eine harte, glatte Oberfläche unter ihrem Körper. Vorsichtig tastete sie nach den Seiten und stieß nahezu sofort auf Widerstand. Sie streckte die Hände aus - oder vielmehr, sie versuchte es, doch auch hier stieß sie sogleich auf eine Wand, bezogen mit weichem Stoff, genau wie zu den Seiten. Ein Sarg! Sie lag in einem Sarg.
Vorsichtig klopfte sie gegen das Holz und erzeugte so einen dumpfen Ton, als wäre dahinter nur feuchte Grabeserde.
Ihre Gedanken überschlugen sich. Man hatte sie begraben! Wieso? Was war passiert? Und wann? War sie verstorben? Nein. Nein, das konnte nicht sein. Ihr Herz schlug, sie fühlte es deutlich in ihrer Brust.
Ihr hämmernder Puls wurde zum Taktstock für die Schläge, die sie gegen den Sargdeckel richtete und der panischen Tritte, doch die Hoffnung, aus diesem engen Gefängnis zu entkommen, schien vergeblich.
Bald schmerzten ihre Hände und Knie, ihr Nachthemd war zerrissen und Tränen rannen heiß über ihre Wangen. Sie hustete heftig.
War das nun das Ende? Sie öffnete die Lippen zu einem Schrei, der ihre Lungen brennen ließ. Mit aller Kraft schrie sie.

Rhea schreckte auf. Was für ein Albtraum! Verstörender als alles andere schien ihr, dass nicht sie es gewesen war, die lebend in einem dunklen Sarg zu sich gekommen war, sondern – wie ihr nun bewusst wurde – Phoebe. Rheas eigener Name hatte sich – zum Schrei ihrer Schwester verzerrt - ihre Kehle hinauf gedrängt, ihr Trommelfell zum Beben gebracht.
Hastig sah sie sich im Zimmer um, nur um sich zu vergewissern, dass alles in Ordnung war, dass es nur ein Albtraum gewesen war, der sie geweckt hatte. Doch das war es nicht.
Phoebe war nicht da. Und auf einen zweiten Blick fand Rhea, dass der Salzkreis um ihr Bett zu einem säuberlichen Haufen zusammengekehrt worden war.
Ein eisiger Lufthauch fegte durch den Raum, als hätte er nur darauf gewartet, dass Rhea das Salz erspähte. Korn für Korn wurde es weggeweht und Rhea vermochte nicht zu sagen, ob es in den Ritzen und Spalten des Hauses verschwand oder im schieren Nichts - aus der Wirklichkeit hinaus gefegt und in eine andere Welt.
Sie sprang aus dem Bett. Sie musste Phoebe finden, koste es, was es wolle. Sie rannte den Gang entlang.
„Du wirst sie nicht finden. Niemand wird sie finden. Sie ist bei mir.“
Die Stimme klang seltsam hohl und schien ihren Ursprung direkt in Rheas Kopf zu haben.
Ein heftiger, eiskalter Windstoß warf die junge Frau zurück. Zitternd richtete sie sich wieder auf.
„Bitte!“, rief sie in die Dunkelheit. „Bitte tun sie meiner Schwester nichts! Lassen Sie sie gehen!“
Ein gehässiges Lachen erklang, von dem Rhea nicht sagen konnte, ob es außerhalb ihres Kopfes wahrnehmbar war.
„Was gibst du mir dafür?“
Rheas Brust bebte. „Alles“, hauchte sie. „Alles. Wenn sie nur lebt.“
Die Stimme - Rhea war sich sicher, dass sie Mr. Hawkes gehörte - schwieg einen Moment lang, der Rhea ewig vorkam, als wöge sie den Preis für Phoebes Leben ab.
„Ein Leben für ein Leben. Ihres gegen deins. Kommen wir ins Geschäft?“
„Und sie lebt noch?“, vergewisserte Rhea sich. Sie misstraute den scheinheiligen Unterton in Mr. Hawkes Stimme.
„Sie lebt, darauf hast du mein Wort. Noch. Du solltest dich rasch entscheiden, Mädchen, sonst ist es aus mit deinem Schwesterchen. Und das willst du doch nicht.“
„Sie werden sie in Ruhe lassen!“, forderte Rhea.
„Auch darauf mein Wort. Keinen Finger lege ich an sie.“
Die Stimme klang höhnisch, aber welche andere Möglichkeit blieb Rhea? Sie schluckte trocken.
„Was muss ich tun?“

Phoebe hatte aufgegeben, gegen ihr hölzernes Gefängnis zu schlagen und zu treten. Ihre Kehle fühlte sich an wie zugeschnürt, sie konnte kaum noch atmen.
Und mit einem Mal hatte sie eine Müdigkeit ergriffen, derer sie sich kaum zu widersetzen vermochte. Doch sie fühlte, dass sie sich nicht davon übermannen lassen durfte.
Sie musste wach bleiben.
Sie musste kämpfen.
Ihre Augen fielen zu, ohne, dass sie etwas dagegen tun konnte.
Sie musste wach bleibe
Sie musste kämpfen.
Immer wieder hallten ihre Worte durch ihren Kopf, der sonst wie leergefegt war.

Oben in der Halle des Hawkes-Hauses rannen Rhea die Tränen über’s Gesicht, als sie die raue Hanfschlinge um ihren Hals legte.

Phoebe kämpfte mit jedem Augenblick schwerfälliger darum, die Augen trotz der Finsternis offen zu halten. Sie hätte Rhea glauben sollen. Der Gedanke flackerte Matt in ihrem Geist auf.
„Verzeih mir, Rhea“, hauchte sie kaum hörbar.
Sie konnte nicht länger wach bleiben. Ihr Kampf war verloren.

„Entschuldige, Phoebe“, wisperte Rhea.
Der Lüster in der Halle schaukelte, als sie vom Geländer sprang.

Autorennotiz

Ich bin mit dieser Geschichte nicht besonders zufrieden und überarbeite sie derzeit.
Ich hoffe, das Endergebnis in einem Verlag unterbringen zu können.

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Autor

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Kapitel:8
Sätze:812
Wörter:10.244
Zeichen:61.277

Kurzbeschreibung

Auf Wunsch ihres Vaters ziehen die Schwestern Rhea und Phoebe St.Claire von Indien in den Oxforder Vorort Summertown. Schnell merken die beiden jungen Frauen, welchen Ruf das Haus in dem sie wohnen hat. Es soll darin spuken und so mancher Bewohner hat das Hawkes-Haus nicht mehr lebend verlassen. Während Phoebe keine seltsamen Vorkommnisse bemerkt, scheint Rhea jedoch mehr und mehr im Wahnsinn zu versinken.

Kategorisierung

Diese Story wird neben Horror auch in den Genres Historik, Mystery und Angst gelistet.

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