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Kleine Drabble-Sammlung

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22.10.2017 21:57
In Arbeit
Hymne an den Tee

Tee, Tee! Die Welt in einer Schale! Bist das Getränk der Götter, das sie den Menschen zum Geschenk machten. Ach, welch Segen! Grün, schwarz, weiß und vieles mehr. Kräuter, Früchte, Gewürze. Bist so vielseitig, bist so facettenreich. Die Welt in einer Schale, denn die Welt kennt dich überall, in allen Ecken, und seien sie noch so fern und unbekannt. Heißes Wasser auf die herrlich duftenden Teeblätter, und schon entführst du den Genießer in ferne Welten. Der chado führt auf sicheren Pfaden, leitet, lenkt, lässt genießen und vollbringt kleine und große Wunder.

  Die Leittragenden sind lediglich die ach so unschuldigen Teelichterchen.

Narrengesänge

Bedrohliches Schwertergeklirr erschallt aus dem Burggraben, schwer gepanzerte Ritter messen sich im fairen Duell. Allein den Damen zu gefallen, setzten sie sich diesem gefährlichen Risiko aus. Das hübsche Burgfräulein singt ihre zarten Lieder, umschwärmt von Minnesängern. Beschwingt zupft ihre Kammerzofe die Saiten der Harfe, begleitet den Gesang ihrer Herrin. Gleich nebenan werden rauere Töne in der Taverne angeschlagen, die Humpen werden gehoben und laut klappernd aneinander geschlagen. Das schäumende Bier schwappt über, goldener Met fließ in Strömen zu derben Schankgesängen. Und dazwischen vollführt der Gaukler seine Kunststückchen zur Freude der Kinder.

  Nicht weit klingelt ein Handy, die Straßenbahn fährt vorbei.

Ein Tag bei einer Freundin

Wohnst gleich um die Ecke, kann ich einfach mal vorbei kommen. Gesagt getan, sag „Hallo!“. Immer wieder schön, dich zur Begrüßung abzuknuddeln. Setzten uns in die Sonne und chilln, lassen die Seele baumeln. Quatschen natürlich ununterbrochen, sind eben Mädchen. Und was für Mist teilweise! Aber gerade das ist ja so lustig, und tratschen tut jeder mal. Ist ja irgendwo auch gesund, sich dabei auch schon mal über andere auszulassen und sich den Frust von der Seele reden. Dabei foppen wir auch schon mal gerne deinen kleinen Bruder, wenn er in der Nähe ist.

  Unser „Bye Bye“ ist unser nächstes „Hi!“

Darkened Days To Come

Finsternis überall, die Nacht ist allumfassend, eisig, tödlich. Die Dunkelheit umfängt, die Dunkelheit verbirgt, behütet. Ihre Geheimnisse zeigt sie niemandem, nur denjenigen, die sie kennen, werden sie offenbart. Eine majestätische, düstere Schönheit, die dunkle Schwester des Lichts, des Tages, schwarz und mysteriös. In ihren Schatten verbirgt sich wahre Schönheit, in ihr verkriecht sich, was nicht gesehen werden will, was zu fragil ist, um dem Tageslicht ausgesetzt zu sein, zu zerbrechlich, zu kostbar. Die Dunkelheit ist sanft, schreit nicht danach, in schrillen Farben dargestellt zu werden, sie drängt sich niemandem auf.

  Allein ein Lichtlein, aufgestellt auf einem Grabstein, genügt zum Erstrahlen.

Magie der Stimme

Das Raunen ebbt ab, die Musik erklingt. Sphärisch, magisch durchdringt sie die riesige Halle. Ihre einzigartigen Klänge umschweben uns, umschmeicheln uns und nehmen uns mit in eine Traumwelt voller Wunder und Phantastischem. Sie durchdringt uns und löst uns von unseren irdischen Fesseln, löst alle Banden, sprengt alle Normen. Sie ist einzigartig, unnachahmlich. Mit ihren lockeren Tönen lädt sie zum Verweilen ein, zum Ausspannen, zum Träumen. Der Sänger beginnt zu singen. Die Texte bringen zum Nachdenken, sind philosophisch und doch auch von Kurzweil geprägt. Der Saal singt mit, da jeder sie kennt, denn sie sind Kult.

  Denn Pink Floyd sind Kult.

Cry

Seht ihr denn die Wahrheit nicht?

  Laugt mich aus, macht mich fertig. Ihr denkt doch alle, ich sei so überdurchschnittlich. Wo?! Ich bin euch gefällig, tanz nach eurer Pfeife, denn die Wahrheit wollt ihr ja nicht sehen. Warum da noch mit dem Kopf gegen die Wand rennen wollen? Warum, verdammt?! Aber die Wahrheit ist doch so viel dunkler. Warum aber könnt ihr jenes, was aus der Normalität fällt, nicht einfach akzeptieren. Ich bin ich, versteht das doch! Wollt ihr mich exakt nach euren Vorstellungen? Niemals! Und so fliehe ich vor euch…

  Denn die Wahrheit wollt ihr ja doch nicht sehen.

Die Entflohene

Verdammte Scheiße, was wollt ihr noch alles von mir?! Alle bedrängt ihr mich und alle zur gleichen Zeit. Ich tu’ doch schon alles Menschenmögliche, euch gefällig zu sein! Auch ich habe ein Leben, merkt ihr das denn nicht? Ja, ein eigenes Leben. Mein Leben. Meine Welt, in die ich fliehen kann, fliehen vor eurer Uneinsichtigkeit. Es ist eine Welt, in der ich die Herrin bin, in der ich bestimmen kann. Meine Welt, die ich nach meinen Visionen gestalten kann. Niemand kann sie mir nehmen, diese Welt von Fabeln und Fabeltieren, jene Welt, in die ich vor der grauen Realität fliehe.

A rainy day

Grau der Himmel, kalt der Wind. Die Welt liegt in Stille da. Eine melancholische Melodie schwebt durch die Luft, sanft, träumerisch, schmerzend im Herzen. Selbst der Himmel weint, lange, atemlos, in stummer Trauer. Beweint den Schmerz der Welt, das Leid der Welt. Leise raschelt das feuchte Laub im Regen, raunt wehklagend seine Zustimmung. Ein kleines, felliges Näschen lugt aus seinem Versteck im aufgeweichten Boden des Waldes und kräuselt sich. Rasch verschwindet es wieder. Und die Regentropfen sammeln sich an meinem Fenster, tanzen ihren Reigen, malen Muster, die nur sie kennen. Die Welt verschwimmt mehr und mehr hinter einem grauen Schleier.

Feel your heart beat!

Die Aufregung steigert sich mehr und mehr. Die Spannung ist beinahe zu greifen, die Luft knistert angespannt. Ganz Europa vor dem Fernseher. Und dann… der Countdown! Der Startschuss für den Grand Prix de Eurovision ist gefallen, die Big Party kann beginnen. Grenzenloser Jubel in der riesigen Halle vor der beeindruckenden Kulisse. Eine großartige Stimmung, tolle Künstler. Fröhliche Lieder und Lieder, die zu Tränen rühren. Für wen soll man bloß abstimmen? Schlussendlich entscheidet Europa. Qualvolle Minuten, während man gespannt auf das Ergebnis wartet, Daumendrücken für seinen Favoriten. Und dann ist es endlich soweit!

  Schlussendlich sind sie doch alle Sieger der Herzen.

Magie des Lichts

Das Raunen ebbt ab, die Musik erklingt. Sphärisch, magisch durchdringt sie die riesige Halle. Ihre einzigartigen Klänge umschweben uns, umschmeicheln uns und nehmen uns mit in eine Traumwelt voller Wunder und Phantastischem. Sie ist einzigartig, unnachahmlich. Mit ihren lockeren Tönen lädt sie zum Verweilen ein, zum Ausspannen, zum Träumen. Noch umgibt Dunkelheit uns, nur zwei Scheinwerfer ziehen suchend durch die Halle. Laser zerschneiden das Dunkel wie scharfe Messerklingen. Und dann erstahlt die riesige Bühne in herrlichen Farben. Es ist, als würde die Sonne wie bei ihren Aufgang erscheinen. Das Farbenspiel ist phantastisch, charakteristisch, so einzigartig.

  Dies ist Pink Floyds Magie.

Quid Roma est?

Ja, was ist eigentlich Rom?

Rom ist das Licht. Rom ist der Schatten.

Rom ist die Welt.

Eroberer. Imperator. Verbesserer.

Glanz der Kultur. Geißel der Menschheit.

Großartige Philosophen, glanzvolle Feldherren. Grausige Spiele, blutige Rituale.

Rom besaß alles. Die Welt, die Kulturen, das Wissen. Die Römer beherrschten die Welt, nahmen sich alles, doch brachten den Willigen Kunst, Kultur, Fortschritt.

Rom hielt die Welt zusammen mit eiserner Faust.

Mit Blut begonnene Geschichte, der Brudermord des Romulus, aufgezogen von einer Wölfin. Und wie Wölfe fielen die Römer mit unterbitterlicher Kriegsmaschinerie über ihre Feinde her.

Licht und Schatten, Hand in Hand.

Quod Roma est.

 

Und weil ich Spaß hatte, hatte ich das damals auch noch ins Lateinische übersetzt.

 

Was ist Rom?

Quippe, proprius quid est Roma?

Lux est Roma. Roma est umbra.

Roma est mundus.

Expugnator. Imperator. Emendator.

Gloria culturae. Flagrum humanitatis.

Maximi philosophi, opulenti principes. Crudeles cirenses, cruenti ritus.

Roma omni habuit. Mundum, culturam, sapientiam. Romani imperaverunt mundum, sumpsit omnia, autem transtulerunt volentibus artem, culturam, profectum.

Historia cum sanguine coeperns, nex Romuli a fratre Remo, eductus a lupa. Utque lupi impetum fecerunt in hostes cum rigidis armis.

Lux et umbra, manus in manu.

Dies ist Rom.

Der Titanien Ärgernisse - Ein Sommernachtstraum

Kleine Elfe, Droll der Freche, nun saget, nennet eure Herren! Dort kommen sie:

Von der einen Titania, tanzend, singend ihre Elfen um sie herum.

Und dort, von der and’ren Oberon, schattenumwölkter Fürst.

Zänkiges Gehmalenpaar, mächt’ge Waldgeister. Nun treffen sie aufeinander.

Mit Blitz und Donner! Flut, Sturm! Schnee und Regen!

„Nun, Titania, so sehen wir einander!“, rief der Ob’ron.

„Hebe dich hinfort, Gemahl!“, sprach Titania. „Mir ist dein Anblick verleidet!“

„Nennst mich verleidet! Fürchte mich, den mächt’gen Hexer. Gib, was rechtmäßig mein sein soll!“

„Nie! Niemals!“

Der dunklen Elfen Zorn, schrecklich, voll magischem Blendwerk!

Und so nimmt das Schicksal seinen Lauf…

Waldspaziergänge

Auf einem Stein sitzend sehe ich den Wald: Weites, dunkles Grün erstreckt sich rings um mich, hohe Bäume beschatten meinen Platz zwischen vom Morgentau feuchtem Laub, goldene Sonnenstrahlen fallen durch das Blätterdach und besprenkeln den Waldboden mit einem leuchtenden Mosaik. Der Wald erwacht zum Leben. Hoch oben in den Bäumen rings um mich sitzen Amseln, Meisen, Spechte, Eichelhäher und allerlei andere und singen ihr helles, frohes „Tirrili tirrili!“, immer und immer fort.

  Ich sitze und sehe die Natur. Ihr tiefes, uraltes Wesen durchdingt mein Sein, die Bewunderung für ihre Kunstfertigkeit, ihre Güte, ihre Gaben. Dies ist das schönste aller Theaterstücke.

The wild Life

Von Gondwanaland über die Savanne bis zum Pongoland durchs Aquarium nach Fernost. Mit Haien schwimmen. Mit Löwen brüllen. Mit Elefanten einherschreiten. Hunderte Tierarten, Tausende Tiere zu bestaunen. In Afrika die Vergesellschaftung der Tiere: Giraffen, Strauße, Antilopen, Zebras. In Südamerika das geheimnisvolle Okapi, Waldgiraffe, seltsames Mischwesen. In Asien der lauernde Tiger, majestätisch, der mächtige Elefant, gottgleich verehrt. Geh ins Pongoland, finde dich selbst. Siehe, deine Wurzeln! Sieh der Giraffe ins Auge, dem Löwen ins Maul. Und dann… Gondwanaland! Der Urwaldfluss Gamanil. Eine Reise durch die Erdgeschichte. Tropenwälder überall, ein Wald voller Schönheit, mitten unter den Tieren. „Der Natur auf der Spur.“

Es glubscht mich an!

Gehst durch einen Vulkantunnel, rote Lava um dich herum, zu deinen Füßen heißer Schlamm, der glucksende Geräusche von sich gibt. Plötzlich sieht dich aus dem Dunkel ein sonderbares Augenpaar entgegen. Trittst näher, siehst ein rosa Näschen, ein weißes Schnäuzchen, schwarze Ohren, doch bemerkst das alles nicht. Achtest nur auf die Augen… die schielen. Du denkst: So genial schielt nur Heidi!

  Nachdem du dich von diesem Schock erholt hast, gehst du weiter, bewunderst weitere nachtaktive Tiere, kommst schließlich ins Urwalddorf, die Basisstation der Regenwaldexpedition. Fährst über einen urzeitlichen Fluss, bist mitten drin. Überall um dich Tiere, Pflanzen. Sei willkommen in Gondwana!

Lebende Vergangenheit

Die schwüle, heiße Luft, drückend, schwer. Dämmriges Licht, smaragden durch das Blätterdach fallend. Ein zarter Farbflecken hier, eine versteckte Schönheit dort. Hibiskus, Orchidee, Amazonasschönheiten. Das Rascheln des Laubes, über den Köpfen unsichtbar rauschende Vogelschwingen. Die tiefe Stille des Waldes. Majestätisch aufragende Urwaldriesen. Ein Züngeln im Unterholz, der große Komodowaran kommt näher, lauert seiner Beute auf. Ein lautloses Einherschreiten vom Serval und vom Ozelot, scheue Katzen, doch wunderschön. Die Zwergflusspferde am Wasserfall, der Sunda-Gavial sperrt sein langes Maul auf. Der Lungenfisch kriecht an Land, Riesenseeotter schwimmen um die Wette, Totenkopfäffchen spielen auf ihrer Insel. An diesem Ort ist die Vergangenheit lebendig.

Zauberwald

Weit und breit keine Straße, keine Stadt, nur Gehöfte auf einsamen Kaupen. Überschattet von hohen Erlen fließt unweit die Dolzke. Rauschend fährt der Wind durch die Äste, wispert geheime Worte von der Schönheit des Speewaldes. Nichts Anderes ist zu hören als diese geheimen Worte, das ferne Zwitschern eines Vogels, das Zirpen der Grillen. In träger Gelassenheit fließt die Spree dahin. Vor meinem inneren Auge sehe ich den Kahnfahrer seinen Kahn durch die Fließe mit seiner Rudel fahren, durch das Große Fließ, das Lehder Fließ, den Suezkanal… Lautlos gleitet der Kahn dahin durch dieses Venedig des Nordens, das Paradies auf Erden.

Fontanes kleines Venedig, ein smaragdenes Juwel im Herzen Europas. Ruhig fließt die tausendfach verzweigte Spree dahin. Rings um die Fließe auf einsamen Kaupen stehen hohe Ulmen, Eichen, Buchen, Pappeln, Schätze der Natur. Zart schimmert das Sonnenlicht durch das Laubwerk, befleckt das Wasser mit goldenen Tupfen. Geschickt fährt der Spreewaldgondoliere, Fontanes Spreewaldkahnfahrer, den Kahn mit seiner Rudel durch den Wald. Lautlos gleitet der große Kahn dahin. Nur der Wind in den Bäumen ist zu hören, ein gelegentlich springender Fisch, ein leise rufender Vogel. Links und rechts langsam vorbeigleitende, unberührte Natur: dichtes Unterholz, ins Wasser ragende Äste, undurchdringliches Wurzelgeflecht. Und überall… Stille.

Eigentlich mag ich Berlin nicht. Diese Stadt ist einfach zu grau. Laut, dreckig, hektisch; Menschen über Menschen! Ein Dorf ist mir gerade recht, schon eine Kleinstadt zu groß, die pure Natur aber das Beste. Berlin: weit davon entfernt! Und doch…

  Und doch hat diese Stadt etwas. Ein Schmelzpott von Rassen, Kulturen, Religionen. Die unterschiedlichsten Stile: Normalos, Anzugleute, Sonderlingen, Leute aus der Szene. Berlin, eine Stadt mit Geschichte zum Anfassen, eine Zeitreise in das letzte Jahrhundert, in die jüngste Vergangenheit, alles direkt neben dem Hier und Jetzt. Eine Großstadt wie jede andere. Eigentlich mag ich Berlin nicht. Aber nur ganz eigentlich.

Lausitzer Legenden - Wie der Spreewald entstand

Einstmals wollte der Teufel auf dem Gebiet des heutigen Spreewaldes pflügen, spannte zwei Ochsen vor den Pflug und trieb sie erbarmungslos an, Stunde um Stunde. Bald schon waren die Flanken der Ochsen schweißbedeckt, Schaum stand ihnen vor ihren Mäulern und die Zungen hingen ihnen herab. Der Teufel wurde schrecklich wütend darüber, und mit lautem Peitschenknall wollte er sie antreiben, doch die armen Tiere waren am Ende ihrer Kräfte angelangt. Als der Leibhaftige schließlich sogar mit seiner Großmutter drohte, erschraken die Ochsen so sehr darüber, dass sie durchgingen, sich losrissen und davonrannten und den Boden tief furchten. So entstand der Spreewald.

Lausitzer Legenden - Die Krone des Schlangenkönigs

Kein spreewälder Bauer, weder Lehdscher noch Leipscher, würde jemals versäumen, die gekreuzten und gekrönten Schlangenköpfe anzubringen, denn sie bringen Glück und Segen ins Haus. Und das kam so:

  Einstmals kam ein Edelmann in den Spreewald an einen Bachlauf, wo er eine Gruppe Schlangen mit ihrem König und seiner Krone entdeckte. Der Mann kehrte am nächsten Tag  mit einem Tuch wieder, welches er auf dem Boden legte. Wie erwartet legte der Schlangenkönig die Krone auf das Tuch, das der Mann sogleich ergriff und floh. Da ihm die Krone viel Gutes brachte, nahm er als Dank die Schlange in sein Wappen auf.

Lausitzer Legenden - Blud und Plon

Im Spreewald sollen sich zwei sonderbare Gestalten herumtreiben: das Irrlicht und der Drache, vom Sorben Blud und Plon genannt. Beides sollen glücksbringende Gestalten sein, solange man ihnen nur eine Gegenleistung erbringt; der Plon bringt Reichtum, wenn man ihn nur die ganze Zeit über mit Hirsebrei füttert, während das Irrlicht für das heimbringen Verirrter Schmalzstullen verlangt. Diese waren es, die den vorbeifahrenden Touristenkahn heimlich beobachteten.

  „Schaum auch Spitze!“

  „Da fällt unsere ‚Galionsfigur’ doch ins Wasser.“

  „Ob ich ihm beim Reinfallen helfen soll?“, fragte sich das Irrlicht, bekannt für seinen Schabernack.

  „Ach, lass nur“, meinet der Drache und sprang selbst ins Wasser.

Staub in der Luft

Staub in der Luft, der Duft nach altem Papier ringsum. Sind zuhauf hier, die Bücher. Dicke Bände, dünne, große, kleine, gebundene, mit Leder ummantelte oder einfach mit Pappe. Verbergen zwischen ihren Deckeln unzählige Geschichten. Mit wispernden Stimmen raunen sie uns zu, erzählen uns von großen Abenteuern, noch größeren Gefühlen oder auch von den kleinen Dingen des Lebens, von Vergangenem, Gegenwärtigem, Zukünftigen oder gar von phantastischen Traumwelten. Eröffnen schillernde Welten, ein Tor aus der Realität. Zu gerne folgt man ihrem Ruf und taucht ein in ihre Welten, lässt sich entführen, lässt sich verführen. Eine Welt ohne Bücher kann es nicht geben.

Bücher

Zwei Deckel, ein Rücken, aus Leder oder nicht. Alt oder jung. Abgestaubt oder blütenweiß. Unzählige Wörter auf tintenfleckigen Seiten. Haus der Geschichten. Heimat ferner Welten. Geschickte Erzähler. Geburtsstätte fabelhafter Träume. Wunschdenken vieler Kinder. Eine Flucht vor der Realität. Märchen, Gute-Nacht-Geschichten, Abenteuergeschichten, packende Krimis, herzerweichende Romanzen. Wispern mit magischen Stimmen, raunen leise verführherrische Worte. Begleiter auf Reisen, Begleiter im Alltag. Tröster in dunklen Stunden, Unerhalter an grauen Regentagen. Beschützer großer Geheimnisse, Hüter sagenhafter Schätze, Hüter des Andenkens längst vergangener Helden. Flüstern unzählige Geschichten allein für jene, für deren Ohren sie bestimmt sind. Zurecht gefürchtet sind die gefräßige Ungetüme mit Namen Leseratten.

Geschichten

Geschichten sind eigenwillige Wesen, fast ebenso eigenwillig wie die Wörter, aus denen sie bestehen. Nicht zuletzt beugen sie sich gerade dem Schreiberling oder Erzähler nicht gern, entschlüpfen ihm immer wieder und tun, was ihnen beliebt. Nicht selten werden sie sogar… lebendig, wie es heißt. Und dann sind sie zu fürchten, denn ein sonderbares Eigenleben entwickeln sie. Schreckliche Ungetüme und tapfere Helden entschlüpfen ihnen und wirbeln alles durcheinander, versetzten jeden in helle Aufregung. Sie zu bändigen eine Kunst für sich, nur von wenigen wirklich beherrscht. Schlussendlich heißt es, sie einfach zu schreiben und nichts zu fürchten, ihnen furchtlos gegenüber zu treten.

Natur pur

Weites, dunkles Grün erstreckt sich weit ins Land, hohe Bäume beschatten meinen Platz zwischen vom Morgentau feuchtem Laub. Goldene Sonnenstrahlen fallen durch das Blätterdach und besprenkeln den Waldboden mit einem leuchtenden Mosaik. Vor mir liegt ein See im Wald, glitzernd wie ein Edelstein. Spielerisch umfließen sanfte Wellen meine nackten Füße. Das rhythmische Rauschen des Wassers dringt leise an mein Ohr. Der kühle, vom See her aufkommende Wind rötet meine Haut. Ich sitze da und sehe die unberührte Natur. Ihr tiefes, uraltes Wesen durchdingt mein Sein, die Bewunderung für ihre Kunstfertigkeit, ihre Güte, ihre Gaben. Dies ist das schönste aller Theaterstücke.

Flüssige Diamanten

Blau und so verlockend glänzt das kühle Nass zu mir herauf. Es ist, als würde es mich einladen, in seine Fluten zu springen, und ohne zu zögern komme ich dem nach. Kraftvoll springe ich ab, für eine kurzen Moment bin ich frei in der Luft, doch schon umgibt mich Wasser ringsum. Weich und zart strömt es an mir vorbei, liebkost meinen Körper wie ein Liebender. Unzählige Tropfen schimmern in der Luft, ganz wie flüssige Diamanten. Es ist alles so leicht! So spielerisch, als wäre es das natürlichste der Welt, so selbstverständlich wie das Atmen. So könnte ich die Ewigkeit zubringen…

Chilln

Scheiß auf Schule, Mann! Lass uns das jetzt vergessen und einfach entspannen. So unter freiem Himmel chilln ist viel besser, sich die Sonne auf den Pelz brennen lassen und die Freiheit genießen. Dazu einen frischen Drink genießen, auf das Leben prosten und chillige Musik hören. Ruhe umgibt uns, niemand stört den entspannten Lauf der Dinge, ganz so, wie es sein müsste. Ein sanftes Lüftchen streich über uns, die Musik entspannt. Lachend sehen wir zum Himmel auf und entdecken verrückte Wolkenfiguren: ein Ochse von hinten, ein geköpfter Drache, ein Delphin, der auch gut ein Buckelwal sein könnte. Albernheiten, Spaß. Leben pur.

Caelum Obscurum

Blau ist der Himmel. Weiße Wolken jagen über ihn dahin. Hell scheint die Sonne. Doch in der Ferne, ja, dort ist eine dunkle Wolkenwand auszumachen. Bedrohlich türmen sich gewaltige Wolkenmassen auf und verfinstern den Himmel. Schwarz wie die Nacht sind die, strahlen eine erdrückende Ruhe aus. Anspannung liegt in der Luft. Zitternde Anspannung. Das Land hält die Luft an. Es ist die Ruhe vor dem Sturm, durchsetzt mit nagender Ungewissheit. Was braut sich dort zusammen? Was bedroht? Und näher und näher schiebt sich die Wolkenwand. Vor ihr gibt es kein Entrinnen, unweigerlich wird sie auftreffen. Bald ist der Sturm da…

Nox luporum

Finster die Nacht, der Vollmond, kaum zu erkennen hinter den dichten Wolkenschwaden am Himmel. Stille hatte sich zu Mitternacht über das Land gelegt. Nur der Wind war zu hören, auffrischend und Regenwolken herbeitragend.

  In der Ferne blökte eine Schafsherde ängstlich.

  Kirchenglocken waren zu hören.

  Und das Heulen von Wölfen.

  Ein unnatürliches Heulen. Ein gefahrvolles. Kein gewöhnliches.

  Gefahr war im Verzug, Gefahr schlich auf grauen Pfoten durch die Nacht, hervorgerufen durch den vollen Mond. Er hatte die Gemüter erhitzt. Er hatte den Durst nach Blut geweckt. Der Hunger nach Fleisch war unersättlich. Menschenfleisch, süß, saftig.

  Sie waren wieder auf der Jagt…

Goldener Himmel

Der Himmel wird gülden.

  Die Tage werden kürzer. Die Schatten fallen weiter. Eine Würze liegt in der Luft, als sei der Sommer noch nicht davon gezogen doch der Winter schon kommend. Frisch sind nun die Tage, kühl und sternenklar die Nächte. Nebel liegt am Morgen in den Wiesen und verzaubert die Welt, als sei sie ein Märchen, ein Reich der Feen. Die letzten warmen Sonnenstrahlen fallen und schenken dem Laub ihre Farbe. Lichtgekrönt sind nun die Baumwipfel, als hätte jemand flüssiges Gold über sie gegeben. Eine warme, reine Farbe ist es, durch die die Sonne schimmert.

  Der Himmel wird gülden.

Mystische Träume

Unermüdlich steigen sie auf, die grauen Schleier des Vergessens. Wie ein Schatten sind sie, körperlos, lautlos. Über das Land legen sie sich wie zartes Tuch, sanft wogten sie über Wiesen und durch die Wälder. Unter ihren kalten Fingern liegt Vergessen, Magie, Geheimnisvolles. Sie bringen den Schlaf, Bruder des Todes, doch ist ihre Berührung zart und liebevoll. Sie verbergen die Makel der Welt und bedeckten sie gnadenvoll. Die Formen sind weicher, alles verliert seine Schärfe und Unreinheit, alles versinkt in dumpfer Stille, nichts ist deutlich, doch auch nichts undeutlich. Die Schleier des Vergessens hüten mystische Träume in sich, ihre ureigene Magie.

Freundschaft

Hey, mach nicht schlapp. Mach bloß nicht schlapp! Denk nicht darüber nach, was passieren kann!

  Nur leider wissen wir beide nur allzu gut, wie schnell es vorbei sein kann. Wir können nur hoffen, dass es nicht zum Äußersten kommt.

  Lebe dein Leben! Sei froh! Ich werde immer bei dir sein. Ich werde für dich da sein, wenn es dir mal nicht so gut geht. Immer werde ich dir zuhören, wenn Sorgen dich plagen. Lass die anderen reden, es kann dir doch egal sein. Wir wissen besser, was mit dir los ist.

  Wäre bloß nicht meine eigene, bittere Angst um dich…

Wintertraum

Müde öffnet sich ein Auge, wendet sich langsam dem Fenster zu. Dort erblickt es Weiß.

  Sanft und lautlos rieselt der Schnee vom Himmel. Wie erstarrt liegt die Welt unter der weißen Decke. Stille herrscht, nahezu nichts ist zu hören. Die Amseln sitzen dick aufgeplustert auf den Ästen, linsen in die fallenden Sterne hinein. Von Fern hallt Kinderlachen durch den Wald. Leise knirscht der Schnee unter vorsichtigen Sohlen. Weiß bemützt sind die Bäume. Eine leichte Bö kommt herein und schon rieselt weiterer Schnee von den Ästen. Und diese Stille, allumfassend und wunderbar! Es scheint, als läge ein Zauber auf diesem Winterwunderland.

Erwachen

Es wirkt, als würde die Sonne noch müde vom Winter in das neue Jahr blinzeln, doch von Tag zu Tag wird sie munterer und gewinnt neue Kraft. Immer länger steht sie nun am Himmel und sendet ihre wärmer werdenden Strahlen zur Erde. Erste kleine Farbtupfer erscheinen im tristen, braunen Wald: Vorsichtig schieben sich kleine Blütenköpfchen durch das alte Laub des Vorjahres, um zu sehen, ob ihre Zeit schon denn reif sei. Erste Vögel sitzen auf den noch kahlen Ästen und trällern schon munter ihr Lied. Und alsbald auch spießen die neuen Triebe, noch zart und hellgrün. Der Frühling bricht an.

Ein Gold-Traum

Da läuft sie in das Stadion, eine einzige Gestalt auf Skiern mit einem Gewehr. Zehntausende Menschen schweigen still, man hätte eine Feder fallen hören können. Sie läuft an den Schießstand, atemlose Stille. Das Gewehr im Stehendanschlag, visiert sie ihr Ziel an. Sie zielt,  schießt, trifft. Fünf mal! Und jedes Mal bricht das  Publikum in ohrenbetäubenden Jubel aus. Und dann fällt auch die letzte Schiebe. Es ist der helle Wahnsinn! Sie ist nicht mehr zu halten, fliegt davon und und läuft die Frauenstaffel zum WM-Gold. Die Freude ist nicht zu halten, als sie mit der Flagge ins Ziel einläuft. Sieg! Triumph!

Abgott LBM

Schon von Ferne sieht man die imposante Glashalle. Die Vorfreude ist wahrlich riesig, sie kann es kaum erwarten. Nur noch einige Minuten, dann kann sie in ihrem wunderschönen Kimono durch die Massen schweben. Hunderte, Tausende Leute, unglaubliche Kostüme sind zu sehen. In wunderschönen Kleidern und düsteren Kapuzenumhängen. Altaïr schleicht durch die Massen, Ezio an seiner Seite. Capt’n Jack Sparrow stolziert am Japanischen Teegarten vorbei. Nur hier kann man mit Frodo und Sam und all den andren Hobbits reden, wie sie nebst Akatsuki und Naruto durch den Poketpark schlendern. Es muss zwischen all den Büchern wohl der Himmel auf Erden sein.

Zeit des Dunklen

Alljährlich zu Pfingsten wird Leipzig zur Welthauptstadt der Dunkelheit. Steige aus dem Zug aus, gehe andächtig aus dem Bahnhof und betritt das Reich der Schwärze, der Neoromantik, der Cyber, des Steampunk. Sie kommen dir schon entgegen, sieh! Menschen in Schwarz, Menschen in Kleidern aus vergangenen Zeiten und aus zukünftigen, aus nie da gewesenen aus phantastischen Zeiten. Sieh die Diva im schwarzroten Reifrock und engem Mieder, sieh den Vampirlord mit Zylinder und Gehstock. Steige in die Straßenbahn, folgen den Schwarzen zum Heidnischen Dorf. Betritt eine Welt, die so anders ist als deine, die die meine ist. Sei dabei! Feel the darkness.

All is White - Émilie Simon

Ich lebe im Paradies, im Land von ewigen Nacht und ewigen Tag, dort, wo alles weiß ist. Dort lebe ich unter meinesgleichen, aufrecht stehend, fein gekleidet in einen Frack.

 

Alles ist weiß um mich her. Ich glaube, in dieser Nacht hat es noch mehr geschneit. Alles ist kalt, so kalt hier draußen. Ich lausche dem Wind, wie er leise sein mystisches Lied singt. Ich weiß, es bedeutet, ein Sturm wird aufziehen.

 

Ich lebe im Paradies, im Land von ewigen Nacht und ewigen Tag, dort, wo alles weiß ist. Dort lebe ich unter meinesgleichen, aufrecht stehend, fein gekleidet in einen Frack.

Song of the Storm - Émilie Simon

Kannst du nicht den Sturm näher kommen hören? Selbst Steine kann er bewegen. Kannst du nicht spüren, wie sich die Erde bewegt? Über allem formen sich bedrohlich dunkle Wolken. Kannst du nicht den Himmel rufen hören? Ganz nah nun, er jagt nach dir. Tiefe, dunkle Furcht baut sich auf. Es ist zu übermächtig für dich, zu stark. Kannst du nicht den Schnee stöhnen hören? Das Eis unter deinen Füßen bricht, knirscht, mahlt.

 

Dicht an dicht drängen sie sich, als seien sie ein einziges Lebewesen, groß, wogend, lebendig. Sie, die Nomaden zweier Welten, Nomaden der Eiswüste, doch aus dem Meer stammend.

The Frozen World - Émilie Simon

Willst du nicht für mich die Tür zu deiner Eiswelt öffnen, zu deiner weißen Wüste? Ich will über dieses Schneefeld wandern, wandern, wandern, bis wir wieder vereint sein werden. Oh, wie wir doch zu dieser gefrorenen Welt gehören!

 

Wenn das Eis zu schmelzen beginnt, wenn es wieder zu Meer wird, du wirst sehen, wie wunderschön all dies sein kann. Alles ist so ruhig am Ende des Planeten. Die Sonne küsst das Eis, bringt es zum Scheinen wie tausend Diamanten. Oh, wie wundervoll all dies ist, unser Paradies am Ende der Welt. Allein uns gehört es, uns, den Sängern im Eis.

Sayuri

Sie bemalt ihr Gesicht, um ihr Gesicht zu verstecken, ihre Augen sind tiefes Wasser. Eine Geisha ist eine Künstlerin der fließenden Welt. Sie tanzt, sie singt, sie unterhält dich. Der Rest bleibt verborgen, der Rest ist geheim.*

 

Mal erscheint sie in den Farben des Frühlings, mal tanzt sie einher wie eine zarte Schneeflocke, mal ist sie eine zarte Kirschblüte. Ein Lichtfunke in der Nacht, eine kleine Lampe, ein helllichtes Feuerwerk. Sie entführt dich in ihre Welt, gewährt nur einen kurzen Einblick, dann entschwebt sie dir. Wie ein Traum, als sei sie nie da gewesen, die Geisha, die Ehefrau der Nacht.

*Die Geisha (Film)

Unberührt

Es sind die kleinen Dinge des Lebens, die einen immer wieder aufs Neue zutiefst faszinieren können. Dinge wie diesen Fakt, das es  unberührte Natur wie im Spreewald in Deutschland noch immer gegen kann. Hier ist kein Lärm der Zivilisation vorhanden, der langsame, mäandernde Lauf der Spree bestimmt den Takt des Lebens, ja, wenn man Lehde nur um ein paar hundert Meter hinter sich lässt, verstummt das hektische Treiben des Tourismus. Dann ist man allein mit sich und der Natur, dem Rauschen des Windes, dem Zwitschern der Vögel, dem Zirpen der Insekten und nicht zuletzt dem allgegenwärtigen trägen Band der Spree.

Spree

Die Spree ist wie eine feine Dame. Sie lässt sich Zeit mit allem, denn schließlich hat sie alle Zeit der Welt. Gemütlich fließt sie durch ihr weit verzweigtes Bett, beschattet von Farnen, Gräsern und den mächtigen Gestalten uralter Bäume, die sich majestätisch über ihr erheben und sie vor neugierigen Augen aus der Luft behüten. Mit den glitzernden Augen einer Kennerin besieht sie sich die Urwälder, die ihre Ufer säumen, und wird gleichsam bewundert in ihrer ruhigen Eleganz, wie ein Blatt auf ihren Wassern tanzt und fremde Ufer erkundet. Dies ist die Spree, dies ist ihr Reich und ihr ureigener Zauber.

Auenland

Wanderer im Spreewald, erlebe dieses Auenland auf deine Weise. Wandere durch tiefe Urwälder, schattig, kühl unter mächtigen Ulmen und Erlen. Entdecke Geheimnisse, verborgene Wunder. Ein Lichtstrahl, grüngolden, der durch das dichte Blätterdach fällt und den Waldboden golden besprenkelt. Ein kleiner Vogel, der hoch über deinem Kopf im Geäst sein Liedchen singt. Tritt hinaus aus dem Schatten des Waldes, hinaus auf weite Wiesenlandschaften. Wogendes Gras, Duft von frischem Heu in der Luft. Der Wind streicht durch die Halme, singt sein wisperndes Lied. Nur hier auf Erden ist das Auenland zu finden, in einer Wildnis geschaffen vom Menschen und doch so wunderschön.

End of an Era

Der erste Oktober 2012, es ist das Ende einer zweiten, großen Ära. Wie anders als mit Fassungslosigkeit und Unglauben kann man auf die Pressemitteilung reagieren? Denn Annette Olzon verlässt Nightwish. Mit ihr verabschiedet sich eine wahrlich großartige Sängerin aus der Metalszene, die der Szene so viel bereitet hat. Metal, freilich, Rock und sogar Pop und Jazz, all dies zauberte sie mit ihrer Stimme, eine Stimme, facettenreich, talentiert wie kaum eine andere. Nicht zuletzt auf Imaginaerum schuf sie eine phantastische, düstere Welt voller Staunen und immer neuer Wunder. Doch es hatte wohl so sein müssen. Good bye, Anette! We will miss you!

Teehaus-Gedanken

Welch großartiges Werk die Natur doch ist. Eine tiefe Ruhe durchdringt mich, Ruhe in mir, Ruhe um mich. Die Stadt, die Zivilisation scheinen unendlich weit weg zu sein, es ist, als hätte all dies niemals existiert. Es gibt nur die Natur, wie sie alles um mich herum durchdringt, bis tief hinein in meine Seele. Leise fährt der Wind durch das Geäst, herbstliche Blätter rascheln sanft, schweben wie von zarten, unsichtbaren Händen getragen zur Erde. Einige kleine Vögel zwitschern im Geäst. Alle Anspannung fällt von mir, tief atme ich die frische Waldluft ein. Würzig durchströmt sie mich, klärt meinen Geist. Freiheit.

Schwarz

Schwarz. Schwarz. Alles Schwarz um mich. Kein Licht zu sehen, keine Hoffnung, dem zu entkommen. Ich irre umher, weiß nicht aus noch ein. Tiefste Verzweiflung ergreift mich, packt mich unerbittlich mit grausamen Klauen; tief bohren sie sich in mein Fleisch, rot fließt mein Blut. Die Verzweiflung, gnadenlos wie ein wildes Tier, lähmt meine Glieder, lähmt mein Denken. Wer bin ich? Wo bin ich? Was geht in mir vor? Warum hilft mir niemand? Sieht mich denn keiner zerbrechen? Wohin ging das Licht in meinem Leben, die Hoffnung, das Gute? Warum nur? Ich zerbreche.

Schwarz. Schwarz. Alles Schwarz um mich. Kein Entkommen.

Liebe

Es gibt ganz zweifelsfrei und ohne Frage zwei Arten von Liebe, zwei Herzen, die in meiner Brust schlagen.

Sehe ich Tolkien und all jene, die nach ihm kamen, so ist das eine geweckt. Fantasy ist etwas, dass uns etwas Großartiges verleiht: die Kraft der Imagination. Sie ist voll schillernder Farben, Gut und Böse, Intrigen, Mord, Magie. Fantasy lehrt uns die Realität, ganz zweifelsohne. Sie versteckt ihre Lehren nur ein wenig, kleidet sie in andere Gewänder, als sie es vielleicht gewöhnt sein mögen. Die Magie fremder Welten öffnet uns die Augen der Magie der eigenen Welt. Denn kann nicht hinter jedem Baum eine kleine Fee sitzen, hinter jedem Fels ein Troll, in jeder Höhle ein Goblin? Wir müssen nur lernen, sie zu sehen, die Fantasy lehrt uns die Mittel dazu.

Die andere Liebe gleicht jeder und auch wieder nicht. So viele Dichter haben sich bereits an ihr die Zähne ausgebissen und versucht, sie zu zähen. Doch immer und immer wieder entzieht sie sich jeglichem Zugriff. Sie lässt sich nicht fassen, sie lässt sich nicht fangen. Sie lässt sich nicht begreifen. Wie sollen Sterbliche da je ihre Dimensionen begreifen? Je sie vollständig erschließen?

Die Liebe ist alles zusammen, vollkommen allumfassend und bedingungslos.

Diese Nacht

Diese Nacht ist unser allein, denn wir regieren sie. Wir sind die Kreaturen der Nacht, unsterblich, tödlich. Wir sind die Wölfe der Nacht, jene Sterblichen sind unsere Schafe. Komm, komm zu uns, spüre unsere Fänge. Wir trinken dein Blut, du bist unser Leben, wir dein Tod. In kalter Schönheit streifen wir durch die Nacht, fürchte uns zu Recht! Denn wir verführen, denn wir betrügen, denn wir locken dich zu uns.

Sind wir nicht verflucht? Nicht wir nicht verdammt zu einem ewig währenden Untod? Sind wir nicht verflucht, uns an den Sterblichen zu mästen, sie in Angst und Schrecken zu versetzen?

Meditation

Ruhe und Entspannung umgeben dich. Du fühlst, wie die Energien dich durchströmen. Du bist eins mit ihnen, sie erfüllen dich ganz. Ganz ruhig geht dein Atem. Ein und aus strömt er. Ein und aus. Immer wieder. Dein Herz schlägt ruhig, warm strömt das Blut durch deine Adern. Dein Kopf wird ganz leer.

Angenehm schwer sind nun deine Glieder. Ganz schwer. Fließende Wärme durchströmt sie. Dein ganzer Körper ist davon durchdrungen. Immer tiefer tauchst du hinab in die Entspannung. Ganz tief hinab sinkst du in das wohlige, angenehme Nichts der Entspannung. Es ist wie schweben, fürchte dich nicht. Lass es geschehen.

Herzsplitter

Es gib Dinge im Leben, die kann man nicht begreifen – oder vielleicht erst sehr spät.

  Warum? Die alles entscheidende Frage.

Warum ist das Ende da? Warum muss ich so leiden? Warum musste es überhaupt erst so weit kommen? Hatte all das überhaupt jemals Bestand besessen? Sinn? Tiefe? Oder wurde ich ausgenutzt? Und noch viel mehr Fragen, die einer Antwort bedürfen, aber keine erhalten. Gibt es Antworten? Liegt dem ein Sinn zugrunde?

Mir blutet mein Herz, es schmerz, wie nie eine körperliche Wunde schmerzen könnte. Jetzt weiß ich, was ein gebrochenes Herz ist, und es ist die schlimmste aller Wunden.

Warum nur?

Still, still

Still, still nun. Es ist Weihnachten, die geweihte Nacht. In den Schaufenstern leuchtet es, ein Widerglanz der glitzernden Kinderaugen, deren Besitzer sich die Nasen an den Scheiben platt drücken.

Sei nur ruhig, lass dir Zeit. Weihnachten ist eine besinnliche Zeit. Hier ist kein Raum für Hektik und Ärger.

All die bunten Lichter! Nur zu Weihnachten sieht man sie, wie sie die grauen Städte in goldenes Licht tauchen und selbst die tristeste Hauswand bunt bemalen. Es ist ein ganz besonderer Zauber, der in der Luft liegt. Nur einmal im Jahr ist er zu fühlen.

Still, still nun. Fühle ihn in dir.

Der Feind Wolle

Ich starre meinen Gegner an.

Er starrt imaginär zurück.

Ich bin bewaffnet mit spitzen Nadeln, zwei Stück.

Er ist sich selbst eine Waffe.

Ich kneife die Augen zusammen.

Er hebt herausfordernd eine imaginäre Braue.

Ich greife mit den Nadeln an.

Er windet sich um meine Finger, meine Waffen.

Ich hole aus, steche, steche.

Er weiß immer und immer wieder meinen Angriffen auszuweichen.

Ich gebe nicht auf, nein, niemals!

Er lässt ebenso wenig locker.

Ich werde mein Ziel erreichen!

Er zieht seine Schlaufen immer fester.

Ich erweise mich als stärker.

Er muss sich geschlagen geben, muss sich in Mustern stricken lassen.

Es ist zur Jagd geblasen!

Nichts ahnend betrete ich mein Zimmer, begrüße die Vögel Sie erwidern den Gruß zwitschern und sehen mir entgegen. Süße Tierchen.

Doch dann…! Dann! Dann sehe ich den weißen Teufel. Da sitzt er mümmelnd auf meinem Schreibtisch. Sein Näschen zuckt, schwarze Knopfaugen blinzeln mich an. Verdammtes Plottbunny!

Rasch gehe ich in Deckung. Eine Waffe muss her, und das schnell. Da, mein Füller! Mist, er liegt zu weit weg. Vorsichtig robbe ich auf den Bauch näher an den Stift, mache lange Arme. Meine Fingerspitzen berühren ihn. Ja! Sofort greife ich nach ihm, springe brüllend auf und stürzte mich auf den Unhold. Erwischt!

Wenn ihr lustig seid, könnt ihr auch mal in mein Plotbunny Projekt reinschauen.
Blau gefiedert

Sie haben viele Namen, meine Wellensittiche, vielleicht nicht immer die Vorteilhaftesten, aber doch immer lieb gemeint.

Es sind schon kleine Charaktertierchen, eindeutig. Celebrían, die himmelblaue feine Dame, die über den Dingen steht und ihr Herrchen immer hinhält. Und Elrond, der azurblaue Möchtegernherr im Haus, der sich immer so rührend um sein Frauchen bemüht, der kleine Vogel, der immer alles beknabbern muss und manchmal wie ein kleines Kind ist, dem die ersten Zähne wachsen.

Unterschiedlicher können sie nicht sein und doch sind sie eine Einheit, meine zwei Süßen. Man wird sie nicht ersetzten können.

Eines sind sie auf jeden Fall: Seelentrost.

Himmlisch weich

So ein Bett, das ist doch etwas Feines. Am liebsten würden man es nie wieder verlassen wollen! Es ist so weich und warm, in das Kissen sinkt man tief ein und die Decke umhüllt einen behütend. Süße Träume verheißen die Daunen, sanft wiegen sie einen in den Schlaf. Nie, nie, niemals wieder das wundervolle Bett verlassen! Auf immer hier liegen und träumen, es weich und warm haben. Grausam sind all jene, die einen aus dem Bett werfen wollen!

Muss es denn wirklich sein, das Aufstehen? Muss man diese Qual über sich ergehen lassen, sich vom geliebten Bett zu trennen? Leider…

Kleiner Teddybär

Kleiner Teddybär, du erinnerst mich an meine Kindheit, als ich noch frei war und unbeschwert und mich keine Nöte und Sorgen der Welt drückten. Deine schwarzen Knopfaugen, dein braunes Näschen, dein lächelnder Mund, alles strahlt Freude aus, Hoffnung und Frohsinn. Du bist nur ein Stofftier, doch vielleicht gerade deswegen doch so viel mehr. Ich kann dich herzen, ich kann dich knuddeln, ich kann dich fest an mich drücken. Ich kann dir mein Leid klangen und es von mir geben, weit, weit fort.

Schon immer warst du bei mir, schon seit Kindertagen. Bestimmt wirst du mich noch lange begleiten, kleiner Teddybär.

Danke!

Eines muss einfach mal gesagt werden: Danke für alles!

Danke für die wunderbare Freundschaft und danke für deine Hilfe. Danke für dein Verständnis in so manch schwieriger Situation und danke für deine helfende Hand. Danke für die Unterstützung, die du mir so manches Mal botest, und vor allem danke für all die schönen Momente, die wir zusammen hatten. Danke für die wunderbaren Erinnerungen, danke für diese herrliche Bereicherung meines Lebens. Danke für das Lachen, das du mir in dunkelsten Stunden beschertest, und danke für deinen Rat, wenn ich selbst orientierungslos war.

Was würde es ohne dich nur alles nicht geben!

Spiegelaugen

Augen sind ein Spiegel in das Innerste, in ihnen liegt die Seele des Menschen. So viel können Augen erzählen, Freude, Liebe, Schmerz, Trauer, Hass, Wut. Alles spricht aus ihnen. Sie zeigen das Innerste ohne Hülle, sie zeigen, wer man ist. Doch sind sie stumm, wenn niemand hinsieht, um zu sehen, was sie ohne Worte sagen, was sie ohne Worte schreien, was sie ohne Worte flüstern.

Was ist, wenn alles, was aus den Augen spricht, offen vor einen liegt?

Was ist, wenn jeder hören kann, was sein Gegenüber ist?

Würde es mehr Verständnis geben?

Würde es mehr Frieden geben?

Würde es?

Leer

Tagtäglich derselbe Trott. Der Wecker klingelt, übermüdet aufstehen und zur Arbeit schlurfen. Immer und immer weiter funktionieren, funktionieren, funktionieren. Der Mensch wird zur Maschine, er muss Leistung bringen oder er wird ausgesondert und ersetzt.

Es laugt aus, macht einen innerlich leer. Man hängt nur noch da, antriebslos, man ist lustlos und geistig schon beinahe wie tot. Die Ideen sind vielleicht da, irgendwo hinter diesem schweren Schleier aus Ermattung. Doch sie sind nicht zu greifen, zu schwach ist der Griff.

Man dümpelt vor sich hin, macht einfach nur noch mechanisch, was ihm aufgetragen wird. Man verödet geistig.

Trott kann tödlich sein.

Mutter

Sie ist unser aller Mutter: unser blauer Planet Erde. Aus ihr werden wir geboren, zu ihr kommen wir nach unserem Ende zurück. Sie ernährt uns, sie gibt uns ein Heim, einen Ort zum Leben, einen Ort zur Freude, einen Ort für Abenteuer.

Was wären wir ohne sie? Ein Nichts. Sie ist unser Ursprung, unsere Existenz. Ohne sie würde es uns nicht geben.

Sie ist gütige Mutter und unerbittliche Herrscherin. Wir sind ihren Gewalten unterworfen, wir sind klein und nichtig. Doch wir sind ihre Kinder.

Unsere Pflicht ist es, unsere Mutter zu pflegen und zu erhalten. Ohne sie sind wir nichts.

100 Worte

Drabbles bestehen aus einhundert Worten ohne die Überschrift zu zählen, keinem mehr und keinem weniger. Einhundert Worte mit einem pointierten Ende zu schreiben, klingt nicht schwer. Oder doch?

Einhundert Worte sind nicht ohne! Sie können alles sagen oder nichts. In ihnen kann die Welt liegen oder eine nichtssagende Leere. Einhundert Worte wollen wohl überlegt sein, sie wollen sich zusammenfügen, sie wollen lachen, singen, tanzen.

Ein Drabble zu schreiben will gekonnt sein. Die Varianz ist vielseitig, Einhundert, zweihundert, dreihundert, Drabblegeschichten, Drabblegedichte. Einhundert Worte können so viel sagen, wenn man weiß, wie.

Drabbles, diese Sucht, sind kleine Teufelchen. Doch liebenswürdige kleine Teufelchen.

Selbstermutigung

Bald, bald schon ist es vorbei. Dreizehn Jahre sind eindeutig genug, dreizehn Jahre die Schulbank drücken, dreizehn Jahre büffeln für Fächer, die einen überwiegend nicht interessieren.

Jetzt aber beginnt die Zeit, in der ich nur noch die Wochen herunterzähle. Noch sechs… fünf… nur noch vier und dann drei und immer fort. Die letzten Klausuren werden geschrieben, die letzten Tests. So viele angenehme letzte Male!

Noch ein letztes Mal die Zähne zusammenbeißen bis zu den allerletzten großen Prüfungen und dann ist es für immer vorbei!

Schon ein komisches Gefühl… Die große weite Welt erwartet mich. Was wird mir dort alles begegnen?

Kindheitserinnerungen

Fröhliches Kinderlachen hallt im Ohr. Toben, rennen, lachen, weinen! Wir erinnern uns gern: an unbeschwerte Tage ohne Sorgen und Nöte, die über das Lieblingsspielzeug hinausgingen.

Erinnerungen an Jahre, in denen die Welt noch voller Wunder steckte, wo Magie in jedem noch so gewöhnlichen Ding steckte. Man stromerte durch das Gebüsch, erkundete alte Gemäuer und kletterte in Obstbäumen herum. Heute sind das alles Narreteien. Sind sie es wirklich?

Der Phantasie waren keine Grenzen gesetzt. Aus einem Eimer wurde ein Helm, ein Becher, das Fernrohr des Piratenkapitäns. Alles war möglich. Damals, in der Kindheit.

Vergangene Zeiten? Nicht, wenn wir es nicht zulassen.

Mobbing

Bei Mobbing denkt man immer an diskriminierende und verletzende Schüler. Dabei sind es nicht immer Schüler. Können es nicht auch Lehrer?

Sie können! Und sie tun es.

Wer die Leistung nicht bringt, ist nichts wert, ist nicht erwünscht. Nur Leistung zählt, nicht der Mensch dahinter. Wir sind zwar eine „Förderschule“, aber nur die wahrlich Hochbegabten erhalten Förderung.

Wer an einer Krankheit leidet, kann froh sein, dass er überhaupt an der Schule sein darf, darf froh über schlechte Noten sein, weil er eh nie etwas Besseres wird leisten können.

Die traurige Wahrheit hinter der glitzernden Fassade des ach so tollen Gymnasiums.

Bücherwelten

Die Füße schmerzen, beinahe meint man sie schon rauchen zu sehen. Der Rücken will auch nicht mehr mitspielen und so langsam bekommt man das dringende Bedürfnis nach frischer Luft und etwas mehr Freiheit von all dem Gedränge.

Aber all das wird in Kauf genommen für diesen einmaligen Anblick, für die Ausflucht in fremde Welten. Ein Tag unter Kriegern, Elfen, Orks, Hobbits und Zwergen zu sein. Ein Tag inmitten von Cosplayern und Bergen von Büchern. Zu Tausenden sind sie hier, Cosplayer von Anime, Manga, Filmen und Büchern.

Denn wo sonst als auf der Leipziger Buchmesse kann man Thranduil im Pyjama sehen?

Imaginaerum: A Nightwish so bright

Musik so pianoschwarz fliest durch meine Venen, Melodien der Nacht, der Sehnsucht und der Poesie. Musik ist es, die inspiriert und innerste Wünsche und Sehnsüchte weckt. Sie entführt mich in ferne Welten der eigenen Imagination, sie zeigt mir mein Innerstes, meine geheimsten Wünsche.

Diese Musik ist es, die mich träumen lässt, die Dinge möglich werden lässt, die es nicht geben kann.

Ein Sturm der Gefühle sind diese Melodien: laut und kreischend, leise und sanft. Wo sonst auf der Welt kann es solch bezaubernde Melodien geben, Melodien, die die Magie greifbare Realität werden lassen?

Nur hier, in der Welt von Nightwish.

Der gedankliche Mittelfinger

Ihr könnt mich alle mal kreuzweise. Ihr zwingt mich, dass ich mich bis zur Erschöpfung abrackere, dass ich schon wie aus dem Nichts krank werde. Ihr wollt, dass mir die Arbeit bis zum Halse steht. Ihr wollt, dass ich nicht gut vor euch bestehen kann.

Ihr unterstellt mir haltlose Lügen und macht sie öffentlich. Ich kann sagen, was ich will, ihr dreht mir dennoch einen Strick. Eure Lesekompetenz bleibt dabei weit zurück.

Wisst ihr was? Scheiß drauf. Ich hab meine Meinung von euch und sie ist nicht hoch. Jeder, der lesen kann, sieht das genauso. Ihr könnt mich nicht niedermachen.

Wirklich schöne Aussichten ...

Nur allzu früh schrillte der Wecker. Mürrisch kämpfte ich mich aus meiner warmen Decke an die Kälte dieses Montagmorgens, der Anfang eines fünf Tage währenden Elends.

Welche Fächer standen heute auf dem Stundenplan? Lieber nicht darüber nachdenken!

Zähne putzen, Frühstück hinunter würgen. Dummer Weise war auch noch das Nutella alle, also gab es nur Trockenbrot. Sehr schmackhaft…

Der Blick auf die Uhr verriet, dass ich spät dran war. Zu spät, der Bus fuhr jeden Augenblick los! Hastig sprang ich in die Sachen und spurtete los. Schnell wie der Wind! Aber natürlich verpasste ich nach Murphys Gesetz den Bus.

Na toll…

3, 2, 1 ... meins!

Ziellos wird sich durch eBay geklickt, Musik, Bücher, Deko. Ein Angebot springt plötzlich ins Auge. Tolkien… Ich lese weiter: Das Silmarillion, deutsche Erstausgabe.

Das muss ich haben! Helle Begeisterung macht sich breit. Startgebot ein Euro, noch keine Gebote, Angebot endet heute. Schutzumschlag fehlt zwar, aber was soll’s, das ist meins!

Fiebrig sitze ich da, starre den Bildschirm an. Ich hab Hummeln im Hintern. Wann ist die Zeit endlich rum?! Hoffentlich bietet niemand anderes!

Nach los, mach schon… Zeit, geh vorbei…! Ich beiße beinahe in die Tischkante.

Endlich! Nur noch Sekunden. Mein Finger schwebt über der Entertaste.

Drei, zwei, eins… meins!

Freundschaft

„Freundschaft, das ist eine Seele in zwei Körpern“, so sagte es bereits Aristoteles vor so vielen tausend Jahren und er hatte gewiss Recht.

Beste Freunde sind mit den Sternen zu vergleichen: nicht immer zu sehen, aber doch immer da. Und wenn sie zu sehen sind, dann ist die Freude nur umso größer. Nicht hell strahlend wie die Sonne, sondern ein zartes, magisches Leuchten geht von ihnen aus. Sie überstrahlen nichts, sondern sind von einer unauffälligen unaufdringlichen Schönheit und Eleganz.

Gute Freunde sind rar, keine Frage, nicht so zahllos wie die Sterne am Himmel. Aber das braucht man ja auch nicht.

In der Kürze liegt die Würze

Einhundert Worte? Schaff ich! Sind ja nur hundert! Kann ja nicht so schwer sein, so ein Drabble zu schreiben.

Munter setze ich mich hin und fange an zu tippen, was mir eben in den Sinn kommt. Kleiner Text, schnell erledigt, eine Sache von fünf Minuten.

Ha! Das denkst du! In der Kürze liegt nämlich die Würze, und Drabbles sind nicht zu knapp gewürzt. Eine solch kleine Speise muss raffiniert sein, um dennoch zu schmecken.

Eine Form muss her, etwas Ausgefallenes. Bloß nicht ordinär, verdirbt den Geschmack! Und dann wird gefeilt, gefeilt, gefeilt.

Denn Drabbles sind eben nicht nur einhundert Worte.

Träume

Sie liegt auf ihrem Bett, die Augen geschlossen, getragen von der raunenden Musik. Ein geheimnisvolles Lächeln liegt auf ihren Lippen, das Lächeln der Mona Lisa. Worte schweben durch ihr Zimmer, Gedanken, Bilder.

Sie ist weit weg von hier, nicht körperlich, doch geistig. Sie ist weit weg an einem anderen Ort, vielleicht einem besseren, nicht so trostlos wie dieser hier. Mehr Freude ist dort, mehr Farbe, mehr Licht. Mehr Leben.

Dort ist sie der Mensch, der sie in Wirklichkeit ist. Kein Druck, keine Pflichten. Freiheit, Grenzenlosigkeit, ihre Gesetze. Nichts zwingt sie, nichts treibt sie.

Sie will die Augen nicht öffnen, niemals.

Das Plotbunny

Das Plotbunny, deutsch Geschichtenkaninchen, wissenschaftlicher Name fabula lepus. Das Plotbunny ist eine weit verbreitete Art, die vor allen in Gegenden hoher Kreativität zu finden ist. Es ernährt sich von Ideen, allen voran literarischen. Sein Aussehen variiert stark, je nach Art der Idee, von dem es sich bevorzugt ernährt, ist dabei aber nur schwer von einem gewöhnlichen Kaninchen zu unterscheiden.

Allgemeine Artmerkmale sind: ein weiches Fell, große Knopfaugen und eine kleine Stubsnase, die stets neugierig zuckt. Typisches Verhalten ist plötzliches Auftauchen zu den unpassendsten Zeiten.

Doch vor allem: Ist man einmal von einer Plotbunnyplage befallen, wird man sie nie wieder los.

Reviews

Wie im Fieberwahn hacke ich auf meine Tastatur ein. Muss den Text schreiben! Muss schreiben! Die Worte fliegen geradezu über den Bildschirm, Wort um Wort, Satz um Satz, Absatz für Absatz fügt sich der Text zu einem harmonischen Ganzen. Ich lege meine Seele offen, schreibe mir alles vom Herzen. Muss der Welt mitteilen, was ich denke!

Und dann online stellen. Nervös bin ich, wie immer. Was werden meine Leser denken? Ist der Text wirklich so gut, wie ich ihn empfinde? Oder habe ich völlig versagt? Wo habe ich Fehler gemacht?

Schreibt mir Reviews! Schreibt mir, was ihr denkt! Seid lieb…

Seelentrost

Muss ich den sterben, um zu leben?, frage er sich oft. Er wusste die Antwort nicht.

 Man sagte, auf die Guten warte nach ihrem Tod das Paradies im Himmel, ewige Glückseligkeit, ewiger Segen und immerwährender Frieden. Es musste wunderschön dort sein, vielleicht nur eine Illusion, eine Lüge der Priester. Doch ein Seelentrost ohnegleichen in einer vergehenden, sterbenden Welt, die ihr Ende nahen sah.

Jeder wusste, dass das Ende kommen würde. Schon lange hatten sie ihr eigenes Ende heraufbeschworen, niemand hatte auf die Warnungen hören wollen. Nun tranken sie das Gift, das sie selbst gebraut hatten.

Er hatte kein Leben gehabt, nein, hatte immer nur die Geschichten von grünen Wäldern und blauen Himmeln gehört. Gesehen hatte er diese sagenhaften Orte nie, denn es gab sie nicht mehr. Er kannte nur eine grausame, unerbittliche Welt, die Tag für Tag ihren Tribut fordert. Er war gerade einmal Mitte zwanzig und ein alter Mann. Wenige nur lebten so lang wie er.

Noch ein Schluck des Giftes, tief und voll. Er sollte mehr davon nehmen, überlegte er. Wenn der Himmel wirklich so ein schöner Ort war, ein besserer Ort als der Friedhof Erde, dann sollte dies sein Ziel sein.

Er trank und trank und trank.

Verwirrung

Alles ist so verworren, das Leben so kompliziert wie eh und je. Alles wird bald völlig anders sein. Keine Schule mehr, dafür Arbeit, eigenes Geld.

Zeit ist knapp, der längste Urlaub meines Lebens ist vorbei. Alles hat ein Ende, früher oder später. Manchen trauert man nach, manchen nicht.

Gefühle, die vorher nicht da gewesen sind. Gewollt oder nicht? Unsicherheit verbindet sich mit ihnen. Sind sie gewollt, dürfen sie sein?

Ein Lachen, herzlich und aus der Seele heraus. Musik wie von anderen Welten, magisch, schön. Geschichten von Schöngeistern und solchen, die es werden wollen.

Wohin wird mich mein Weg führen?

Verunsicherung.

Quo vadimus?

Wohin gehen wir?

Wir gehen gemeinsam, du und ich. Zwei scheinbar verschiedene Wege und doch nur einer.

Du gehst in Armut, ich in Reichtum. Du kennst den Mangel, ich den Überfluss. Dein Magen ist leer, meiner nimmersatt. Dein Rücken ist krumm von der Feldarbeit, ich habe nie kennen gelernt, wie mein Essen auf meinen Teller kommt. Dein verunreinigtes Wasser reicht kaum, ich schöpfe es mit beiden Händen und vergieße es in der Wüste.

Doch in deinen Augen liegt das Lachen, wo in meinen nur stets Wachstum geschrieben ist.

Wir gehen diesen Weg gemeinsam, du und ich, unzertrennlich.

Wir gehen heim.

The Plan

Fliegen, fliegen, fliegen. Futter suchen. Feinden ausweichen. Spinnennetz, Vogel. Gefahren meiden. Wind weht, Blätter fallen, Regentropfen prasseln wie Geschosse herab.

Fliegen, fliegen, fliegen. Unermüdlich summt die Fliege ihren Weg, sucht ihren Pfad durch ihr kleines, scheinbar unbedeutendes Leben. Sie ist nur ein kleines Insekt in der unendlichen Weite der Welt.

Fliegen, fliegen, fliegen. Immer höher und höher. Die Unendlichkeit des Universums steht ihr offen, ihre Flügel tragen sie an jeden Ort. Ein großartiges Gefühl. Schwerelosigkeit. Grenzenlosigkeit. Immer höher und höher und höher!

Ein zischender Laut. Ein unmerkliches Blinken. Die Fliege ist in der Glühbirne verglüht. Unscheinbar und unbemerkt von allen.

Shatter Me

Die kleine Ballerina tanzt unablässig, spielt mit zarten, zerbrechlichen Puppenfingern ihre Violine und entlockt ihr magische Klänge. Sie tanzt und spielt und dreht sich in ihrer kleinen Glaskugel und weiß nichts von den unendlichen Weiten jenseits ihrer Welt.

Bis eines Tages ein Schmetterling gegen ihr Glas fliegt und ihr die weite Welt jenseits ihrer Kugel offenbart. Sie ist erfüllt von großem Staunen und tiefer Verwunderung und endloser Neugier ob der scheinbar völlig neuen Welt.

So spielt und spielt sie, dreht sich, tanzt. Legt ihre Seele bar, legt all ihre Emotionen in die Musik, um am Ende ihre Fesseln zu sprengen.

Beyond the Veil

Die Meermaid sang ihr liebliches Lied, sang und lockte, und das Mädchen antwortete dem Ruf. Noch zögerte sie, doch schließlich ließ sie sich in die Fluten des Meeres leiten.

Tiefer und tiefer hinab tauchten die beiden, immer weiter hinab in die unendlichen Fluten des Meeres. Fremde Welten taten sich auf, ungeahnte Weiten. Ein längst vergessenes Atlantis lag hier versunken, alte, vergessene Wunder und Magie aus anderen Welten. Vergessene Schätze gab es hier zu entdecken, antike Relikte.

Tiefer und tiefer leitete die Meermaid das Mädchen hinein in die Dunkelheit. Doch Licht war am Ende und die Offenbarung eines anderen, großartigen Universums.

Bridge to Nowhere

Sie waren ein junges Paar, eine zierliche Frau und ein stiller Mann an ihrer Seite, die beide die Ruhe und den Frieden der Natur liebten und die Leidenschaft zum Reisen teilten. Ihr Ziel war der Whanganui Nationalpark und jener magische Ort der Brücke ins Niemalsland, einer Brücke inmitten der Wildnis, die nirgendwohin und doch überall zugleich hin führte.

Ringsum erstreckte sich tiefer, undurchdringlicher Urwald. Das Blätterdach war beinahe lückenlos geschlossen, jadegrün erstreckte es sich zu allen Seiten durch das Tal, über welchem sich die Brücke spannte. Leise tröpfelte das Wasser des Regenwaldes durch das Laubwerk zu Boden.

Arm in Arm standen sie da, sogen die würzige Luft ein und waren mit sich selbst im Frieden. Was gab es Schöneres, Großartigeres, als Mutter Natur in ihrer unverfälschten Pracht Seite an Seite mit dem Partner bewundern zu können?

Nichts war zu sehen, nichts zu hören, das ihren inneren Frieden mit sich und der Welt stören könnte. Alles war rein und pur und doch allem voran genau so gut, wie es war.

Sie schmiegte sich dichter an ihn und summte wohlig. Er schloss die Arme fester um sie und hauchte einen Kuss auf ihr Haar.

In der Ferne ging allmählich die Sonne unter, langsam und rot und riesig und majestätisch. Die Tiere kamen zur Ruhe, der Wald wurde still.

Über allem legte sich allumfassender Frieden.

London calling

Lärm, Dreck, Staub. Massen, Menschen über Menschen. Gesichtslose Gestalten schieben sich aneinander vorbei, Millionen von Abermillionen Geschichten tagtäglich.

  Der Pulsschlag der Stadt, ihr Atem nie verstummend. Immer wimmelnd, immer lebendig. Überall passiert etwas, nie kommt das riesige Wesen zur Ruhe.

  Moderne und Altertümlichkeit treffen aufeinander. Die moderne Megacity und das royal feeling, Seite an Seite. Hier trifft man auf die königliche Familie, hier sieht man die Palastwachen des Buckingham Palace, und direkt daneben Geschäftsleute, Punks, Hippies und ganz normale Leute.

  Unzählige Sprachen aus aller Welt, das Herz des British Empire, des Commonwealth.

  Das alles ist London und noch viel mehr.

Zu Hause

Wo bin ich? Wo gehöre ich hin? Wo ist mein Heim? Dort, wo mein Herz ist, oder dort, wo ich mein ganzes Leben verbrachte?

Wohin wird mich mein Weg führen? Mache ich das Richtige? Bin ich zu vorschnell? Mache ich den dritten vor dem ersten Schritt? Ist es gut und durchdacht, was ich machen will? Kann ich selbstbestimmt auf eigenen Beinen stehen?

Der Vogel wird flügge, fliegt aus seinem Nest, breitet die Schwingen aus und ist frei. Frei zu tun, was ihm beliebt. Doch Freiheit kann auch beängstigend sein. Bedrückend und überfordernd. Kann der Vogel legen oder wird er abstürzen?

Mondscheintänze

Leise, ganz sanft, bewegen sich die Tänzer durch die Nacht. Düfte schweben umher, schwer und durchdringend, herrührend von den Blumen der Dunkelheit. Tanzen, tanzen, tanzen. Schritt, Schritt, Drehung, Schritt. Ein sanftes, gediegenes Schweben über die Lichtung im Wald, während der Mond im dunklen Spiegel des Sees schimmert.

Magie ist in der Luft, ein zartes, silbriges Schimmern, das die Tänzer umgibt, als wären sie aus einer anderen Welt, einer anderen Zeit. Und vielleicht sind sie das ja auch, entrückt von Raum und Zeit, ganz in ihren eigenen Sphären schwebend.

Die Bewegungen sind fließend und ganz ohne Hektik, langsam ausklingend und verblassend.

Honigkuchenpferdchenfreude

Der Wecker klingelt. Im Osten zeigt sich noch kaum der erste graue Schimmer. Müde ziehst du dir die Decke über die Ohren und willst eigentlich nicht aufstehen, denn du weißt: Der Tag wird grau und kalt und ungemütlich und eklig.

  Doch die Pflicht ruft, du musst aus den Federn. Verschlafen schleichst du zum Fenster und ziehst das Rollo hoch.

  Und siehe da! Schnee!

  Es liegt der erste Schnee des Winters. Ganz heimlich ist er über Nacht gefallen. Noch ist es nicht übel, nur eine zarte Puderung. Dennoch freust du dich wie ein Honigkuchenpferdchen.

Mit einem Male ist alles wieder schön.

Es ist für uns eine Zeit angekommen

Das Wetter ist grau und kalt und ungemütlich. Die Stadt sieht noch hässlicher aus als ohnehin schon.

  Doch nach und nach flammen in den Fenstern erste Lichtlein auf. Immer mehr werden sie und künden von einer Zeit der Besinnlichkeit und Ruhe. Der Advent ist gekommen, die Zeit der Ankunft, der heiligen Weihnacht.

  Verhüllt schieben sich die Menschenmassen durch die Straßen, eingemummt, um sich gegen die Kälte zu schützen. Sie sehen grimmig aus, doch in ihren Augen steht das Leuchten. Sie alle wissen, dass der Trott des Alltags nun neue Farben bekommt, neue Freuden.

  Bald beginnt die schönste Zeit des Jahres.

Für dich

Wir sind eins, du und ich. Stets bin ich bei dir, nicht immer physisch, doch ein Teil von mir ist immer mit dir. Du gibst mir Halt inmitten des Sturms, du schenkst mir wohltuende Ruhe und Frieden in unruhigen und schwierigen Zeiten. Du bist meine bessere Hälfte.

Es ist ein Wunder, einfach alles: dass es so jemanden wie dich überhaupt geben kann, und erst recht, dass ich meinen Weg gemeinsam mit dir beschreiten darf. Was wäre ich nur ohne dich? Nicht ganz, nicht vollständig, das wäre ich.

Ich bin froh, dass es dich gibt, denn ich liebe dich, mein Schatz.

Lichterfest

Arm in Arm sitzen wir im Fenster. Fest schmiege ich mich an dich, du ziehst die Decke über mich und wärmst meine Hände mit deinen. Draußen herrscht tiefste Nacht, Stille. Doch wir wissen: Nicht mehr lange wird es andauern.

Wir warten gemeinsam auf jenen einen Augenblick, wenn die Zeiger der Uhr auf zwölf stehen. Mitternacht, die Geisterstunde. Der Moment, in welchem ein neues Jahr beginnt und die Raketen zum Himmel aufsteigen. In bunten Kaskaden explodierend, in goldenen Funken aufstiebend, den Himmel in ein farbenfrohes Lichterfest hüllend.

Wieder ein Jahr vorbei. Was haben wir geleistet? Was wird das neue Jahr bringen?

 Gott

Am Anfang war es gar nicht so schlecht ,sich wie Götter zu fühlen. Das schlimme daran war, zu wissen, dass nichts davon real ist.

Inception

Götter.

  Ja, das waren wir wohl. Götter im Geiste. Wir hatten die Macht, alles nach unserem Willen zu formen, Welten zu erschaffen und wieder zu zerstören, wie es uns beliebte. Wir hatten absolute Macht. Unsere Leben währten ewig, wir kannten weder Krankheit noch Tod. Ferne, abstrakte Gedanken voller Schrecken für uns.

  Doch die Realität sieht anders aus.

  Wir sind Gedankenwesen, Träumer, die die Realität nicht ertragen. Denn die Gedanken sind frei und grenzenlos, doch das Leben begrenzt und grausam.

  Es vernichtete uns, zerstörte uns, bis wir nur noch ein Schatten unser Selbst waren.

  Das war das Grausamste: unsere eigene Unzulänglichkeit.

Uhrwerk

Der Wecker klingelt. Wie immer viel zu früh. Aufstehen, hinein in den Alltagstrott. Dieselben Aufgaben, dieselben Gesichter. Tag für Tag, Woche für Woche. Jahr für Jahr. Keine Abwechslung, immer dasselbe. Langweilig. Unerfüllend.

  Tick tack, tick tack. Die Uhr des Lebens geht immer voran, unaufhaltsam. Immer voran, nie zurück. Kein Stillstand.

  Stillstand ist Verschwendung. Immer funktionieren. Immer voll da sein. Wie ein Schweizer Uhrwerk. Mensch oder Maschine?

  Voran, voran! Kein Zögern! Uhren geben den Takt an, Termine, Verpflichtungen. Musst dies tun und jenes. Darfst nicht still stehen. Musst voller Energie sein. Jeden Tag auf's neue.

Doch ist der Mensch keine Maschine.

Wolken

Wolken.

  Mehr als nur Wasser.

Hoch droben.

Und doch so nahe.

Flauschig weich.

Sturmdunkel.

Hoffnungsschimmer.

Alles Licht nehmend.

Unerreichbar. Scheinbar.

Schnell dahin ziehend.

Träge dahin schwebend.

Zahllose Formen annehmend.

Die Phantasie beflügelnd.

Frei.

Grenzenlos.

Zum Träumen anregend.

Bezaubernd.

Liegen dahinter ferne Welten?

Fliegende Schlösser?

Fabelhafte Wesen?

Ferne Länder?

Fremde Völker?

Abenteuer?

Gefahren?

Entdeckungen!

Mit ihnen schwebend.

Die Flügel ausbreitend.

Entfesselt.

Nicht mehr erdengebunden sein.

Keine Grenzen kennend!

Träumer.

Visionär.

Alles ist erlaubt!

Für einen Moment.

Einen Moment der Stille.

Sich fragend.

Sich wundernd.

Mit den Wolken ziehend.

Wohin ihr Weg sie führt?

Was wird man am Ende finden?

Die Freiheit.

Gesichtslos

Bin gehetzt, gestresst. Sehe nur noch Deadlines, Termine, Verpflichtungen. Arbeit, Arbeit, Arbeit. Keine Zeit mehr für mich. Bin nur noch für andere da.

Die Masse zieht an mir vorbei. Gesichtslos.

Auch ich bin ohne Gesicht für all diese Menschen. Ein graues, schemenloses Wesen, ein Ding, das im eigenen Weg steht und ein Hindernis darstellt beim Erreichen des angestrebten Zieles. Entmenschlicht. Entwürdigt. Grau. Ohne Leben. Nichts als ein Ärgernis.

Alle diese fließenden, verschwommenen Schemen um mich herum. Sie wirbeln und wirbeln und wirbeln in verwirrenden Bahnen. Sind auch sie Menschen? Bin ich genauso, wie sie mir erscheinen?

Lebe ich überhaupt noch?

Kraft

Bequemlichkeit. Einfach liegen bleiben. Das Bett ist so weich und warm.

Es lockt sehr, keine Frage. Die Verführung ist stark, einfach faul zu sein. Doch aller Anfang ist schwer! Erst einmal aufgerafft, wird alles viel leichter sein.

Rasch die Sachen gepackt und losgegangen. Auf zum Sport! Seit viel zu langer Zeit schon nicht mehr wirklich verausgabt.

Beinahe vergessen, was für ein Genuss es sein kann, den eigenen Körper bewusst wahrzunehmen. Die Kraft, die durch jede Faser fließt. Schnell, schnell, schnell! Nur durch eigene Muskelkraft angetrieben dahin schießend. Dafür sind wir alle geschaffen.

Befreit Körper und Geist. Ist ein wahres Hochgefühl.

Freiheit

Endlich frei! Frei zu tun, was man will und kann. Ganz nach eigenem Belieben. Keine Schule mehr, keine Verpflichtungen mehr. Kein Herumärgern mit ungeliebten Fächern. Die ganze Welt steht offen, grenzenlose Möglichkeiten.

  Wohin wird der Weg zu den eigenen Füßen einen führen? Was findet sich nach der nächsten Wegbiegung?

  Doch ist es auch ein großer Druck. Plötzlich steht man auf eigenen Füßen, die schützende Käseglocke der Schule fällt weg. Ungekannte Probleme kommen auf einen zu, neue Herausforderungen und Hürden. Wird man es schaffen, kann man bestehen? Kann man das Leben meisten?

Doch es bleibt dabei: Diese neue Grenzenlosigkeit ist befreiend.

Frühlingserwachen

Ein sonderbarer Geruch wehte in die Drachenhöhle und riss ihn aus seinem Schlaf. Verschlafen blinzelte das geschuppte Wesen und knurrte erbost. Wer wagte es, ihn in seinem Schlaf zu stören? Er würde büßen!

Fauchend erhob sich der Drache und trottete schuppenrasselnd zum Eingang der Höhle.

Eine Offenbarung bot sich ihm: herrliche, frische Luft, Sonnenschein und eine grünende, blühende Landschaft. Sogleich war aller Ärger verflogen. Zaghaft reckte er die Schnauze in die Frühlingsluft. Dann entfaltete er seine Flügel, schüttelte sie aus. Unbändige Freude erfüllte ihn. Endlich Freiheit, endlich ein neues Erwachen! Und er flog davon, der grenzenlosen Freiheit des Himmels entgegen.

Herolde des Herrn

Der Frühling war wie kaum eine andere Jahreszeit die Zeit des Herrn. Hier entfaltete sich in voller Pracht sein Reich und zeigte sich seine Macht in Gänze.

In freudiger Erwartung fuhren die himmlischen Heerscharen der Engel, der Herolde des Herrn, auf die Erde herab, um unter den Menschen das Wort Gottes zu verbreiten. Sie streckten ihre Flügel und bliesen die Trompeten. Jetzt war die Zeit des Winters vorbei, der Frühling kam herangeeilt und mit ihm erwachte alles zu neuem Leben. Der Tod wurde zum Schweigen gebracht.

Jetzt war die Zeit des Lebens und der Freude, vorbei der triste, graue Winter!

Und dann und wann ein weißer Elefant

Unbedarft dreht sich das Karussell. Auf und ab hüpfen die Figuren zu einer lustigen Musik. Dann und wann huscht ein weißer Elefant vorbei, manch einmal auch ein schwarzer Panther. Hoch und runter geht es, immer im Kreis, nie aber gerade aus. Helles Lachen ertönt, welches keine Sorgen kennt.

Ringsherum ist alles grau, verschwimmt in Farblosigkeit. Nur das Karussell leuchtet grell und kunterbunt auf. Ein sonderbarer Fleck in der tristen Eintönigkeit seiner Umgebung.

Unermüdlich drehen sich die Pferdchen im Kreis. Ziehen ihre Bahnen, als kennen sie nichts anderes. Immer voran! Doch stets im Kreis.

Und dann und wann ein weißer Elefant.

Töten ist ganz einfach

„Töten ist ganz einfach“, wispert die kalte Stimme des Todes in das Ohr des Jungen. Nein, nicht des Todes, sondern seines Meisters, doch nahm dieser ebenso Leben. So wie der Junge.

  Seine Hand zitterte, die Spitze des Dolchs huschte hin und her. Dies war sein erster Mord, dann wäre er ein Assassinengeselle und kein Lehrling mehr.

  Dies war der große Tag seines Lebens, das einzige, welches er kannte, auf den er hin fieberte, seit er denken konnte. Er war in dem Gedanken aufgewachsen, dass er eines Tages ein eiskalter Mörder sein würde.

Töten war einfach, seine Gefühle zu töten nicht.

Höllenritt

Sie sagen, ich sei wahnsinnig, irre und krank. Ich habe ihnen das Gegenteil beweisen wollen. Was gäbe es da besseres, als der Hölle einen Besuch abzustatten, einfach nur, weil ich es kann, und um den Namen des Teufels zu erfragen?

Mir ist es egal, dass mich jeder Dämon der Sieben Höllenkreise zu Tode hetzen will. Ich bin besser als sie alle. Ich bin eine Schlächterin, der selbst der Teufel wird Respekt zollen müssen, wenn ich erst einmal vor ihm stehe.

Sie werden schon alle sehen, was aus mir wird, wenn ich diesen Höllenritt überstanden habe! Irre nennen sie mich? Niemals!

Ruhe sanft

Die kleine Elfe Fel liebte das Kornfeld. Sie liebte es wie kaum etwas anderes, auf ihrer Wühlmaus durch das endlose Dickicht zu reiten und jeden Tag etwas Neues zu entdecken. So ein Feld war nicht so eintönig, wie man meinen mochte. Es war nicht nur Erde und Korn und Halm. Ganz im Gegenteil pulsierte es voller Leben, kleinem Leben, für die Augen des großen Volkes nahezu unsichtbar.

Heute fand sie auf den Spitzen der Halme eine weiße Daunenfeder. Sie hätte sie nicht bemerkt, wäre ihre Maus nicht plötzlich nach oben geklettert und hatte damit wieder einmal ihren Willen gegen ihre Reiterin durchgesetzt.

Die Feder hing zwischen den Ären einer der Dolden, irgendein Vogel musste sie wohl achtlos verloren haben. Fasziniert betrachtete Fel die Feder genau, nachdem sie von ihrer Maus gestiegen war. Selten hatte sie eine so weiße und weiche Feder gesehen.

Ringsum erstreckte sich nichts als das schier endlose Kornfeld, soweit, wie das Auge der kleinen Elfe reichte. Gold an Gold, sich sanft im Winde wiegend, wie ein Meer aus Ären.

Allein die kleine Feder hatte sich sanft auf das Bett aus Korn gelegt.

Fel war aus irgendeinem Grund fasziniert von der Ruhe und Harmonie, die dieses Bild ausstrahlte.

Smaragdgrüne Stille

Ringsum Stille. Allein die Grillen zirpen in der mittäglichen Ruhe und die Vögel zwitschern in den Wipfeln. Sanft rauscht der Wind in den Blättern, säuselt sein Lied. Ebenso zart plätschert das Wasser um den Kahnbug, gleitet langsam vorbei.

Kaum etwas stört die Ruhe des Waldes und den Spiegel des Flusses. Smagardgrün scheint der Wald im Wasser, golden brechen sich die Sonnenstrahlen auf zarten Wellen, während kleine Fischchen darunter hinweg huschen. Libellen schwirren umher, fliegenden Edelsteinen gleich.

Unberührte Natur ringsumher. Stimmengemurmel nur in der Ferne. So war es schon immer, so wird es immer bleiben. Nichts stört den Frieden des Spreewaldes.

Wertlos

Das bin ich also für dich. Wertlos. Bin ich das also?

Denn dieses Gefühl gibst du mir.

Hier liege ich also in einer dunklen Ecke, verlassen von allen, leer. Nichts anderes ist mir erlaubt. Ich darf keinen eigenen Willen haben, keine Wünsche und Sehnsüchte.

Leer habe ich zu sein, allein deinem Willen gefügig. Also füge ich mich, ordne mich unter.

So sieht es in meiner Herzgegend aus. Mechanisch. Tot.

Ich vergesse, dass ich einst ein Mensch war, ein eigenständiges Wesen, denn das darf ich nicht sein. Bin ich es, werde ich zurückgestoßen, verletzt.

Ich sehe es ein, ich bin wertlos.

Dieses Drabble entstand im Rahmen eines Schreibprompts meines Creative Writing Uniseminars. Mehr Schreibübungen könnt ihr hier einsehen. Unsere Aufgabe war es gewesen, den Satz »So sieht es in meiner Herzgegend aus« aus dem Gedichtzyklus »Gemäldegalerie« von Sonja von Brocke auf der Seite 76 mit einzubauen und daraus selbst ein Gedicht zu machen. Da seit 2011, wo diese Sammlung begonnen wurde, Drabbles schon immer meine Art von Gedichten waren, dachte ich, versuche ich, ein Drabble als Prosagedicht zu verkaufen. Außerdem wollte ich dieses Drabble ohnehin schon seit einigen Wochen schreiben, es bot sich also an.

Autorennotiz

Diese Sammlung beinhaltete meine ältesten Drabbles. Das erste Drabble dieser Sammlung ist tatsächlich auch das erste, das ich jemals schrieb.

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Autor

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Statistik

Kapitel:104
Sätze:910
Wörter:12.102
Zeichen:71.748

Kurzbeschreibung

100 Worte, die das Leben schreiben. Drabble-Sammlung

Kategorisierung

Diese Story wird neben Vermischtes auch in den Genres Natur, Nachdenkliches und Schmerz & Trost gelistet.