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Die männliche Identitätskrise - Über den Ursprung sexualisierter Gewalt

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16.05.20 17:02
Fertiggestellt

Der deutsche Fernsehsender ProSieben ist in der Regel nicht bekannt
dafür, politisch polarisierende Debatten auszulösen. Für gewöhnlich beschränkt
sich das Programm dieses Senders auf harmlose Unterhaltung, spannende Filme,
unterhaltsame Shows und dergleichen. Das hat sich allerdings mit der
Veröffentlichung eines Beitrages vom 13.05.2020 schlagartig geändert. Ein
bewusst gesellschaftspolitisches Thema wurde aufgegriffen und in drastischer
Form dargestellt. Hierbei handelt es sich um ein sechzehnminütiges Video,
welches auf dem YouTube Kanal von Joko und Klaas, zwei prominenter Stars des
ProSieben Senders, ausgestrahlt wurde. Die beiden traten selbst nicht auf,
sondern boten einer Gruppe von Frauen, die zum Teil selbst in der
Öffentlichkeit stehen, zum Teil jedoch auch nicht, die große Bühne. Die
Protagonistinnen machten in dem Video auf sexualisierte Gewalt gegen Frauen
aufmerksam. Die Frauen berichteten über eigene Fälle von sexueller Belästigung,
zeigten Penis-Bilder, die ihnen von unbekannten Männern in den sozialen Medien
geschickt wurden und verliehen auch anonymen Opfern von Vergewaltigungen eine
Stimme. Der Beitrag erschien unter dem provokanten Titel
"Männerwelten" und löste eine heftige Kontroverse im Internet aus.
Die Empörung war groß. Viele Menschen fühlten sich durch das Video persönlich
angegriffen. Kritisiert wurde die einseitig negative Darstellung des männlichen
Geschlechts in dem Video.  Es wurde das
Bild verbreitet, der Mann stelle per se eine Gefahr dar und es seien ohnehin
alle nur Vergewaltiger. Andere kritisierten, dass männliche Probleme gar nicht
thematisiert wurden. Schließlich gebe es ja auch männliche Opfer von
Vergewaltigungen, was nur nicht so bekannt sei, aufgrund der hohen
Dunkelziffer. Der Hype um das Video in den ersten Tagen ist gänzlich an mir
vorbeigegangen. Erst als ich durch die heftigen Reaktionen im Internet darauf
aufmerksam wurde, habe auch ich mir etwas verspätet das Video zu Gemüte
geführt. Die Schicksale der Frauen haben mich sehr gerührt, allerdings habe ich
durch das Video auch nichts Neues gelernt, was mir nicht vorher schon bewusst
gewesen wäre. Den Einfluss dieses Videos würde ich also nicht so hoch
einschätzen, wie manch anderer. Jedoch habe ich mich auch nicht durch die
Inhalte persönlich angegriffen gefühlt, weshalb ich die negativen Rezensionen
für völlig übertrieben erachte. Man darf bei alledem nicht vergessen, dass die
erzählten Geschichten real und nicht fiktiv sind, wir haben es also mit einer
wirklichen Problematik zu tun. Sicherlich kann man über den vorwurfsvollen Ton
des Videos, welcher sich undifferenziert an alle Männer zu richten scheint,
diskutieren, das ändert jedoch nichts an real stattfindenden Fällen von
sexualisierter Gewalt. Die Inhalte sind ja trotz allem, richtig. Auch dass es
beispielsweise männliche Opfer von Vergewaltigungen gibt, stimmt zwar, ist
jedoch nicht Thema des Beitrags und lenkt nur vom Wesentlichen ab. Davon einmal
abgesehen ist die Zahl von männlichen Opfern, trotz der wahrscheinlich hohen
Dunkelziffer im Vergleich zu der Anzahl an weiblichen Opfern, geradezu
lächerlich gering. Natürlich muss sich auch um diese gekümmert werden und
Vergewaltigungen sind auch geschlechtsunabhängig immer zu verurteilen. Es
erinnert mich jedoch ein wenig an die Diskussion, die von Rechten geführt wird,
die auf den Linksextremismus verweisen, wobei die weitaus größere Zahl an
terroristischen Anschlägen doch von Rechts ausgeht.

Das Video ist selbstverständlich bewusst provokant gestaltet, da es auf
satirische Mittel zurückgreift, um ein sehr ernstes Anliegen zu vermitteln. Aus
diesem Grund halte ich die gesamte Gestaltungsweise des Beitrages für legitim
und nicht skandalös, wie die vielen Kritiker. Tatsächlich interessiert mich
dieses Video nicht im Geringsten, ich will nicht aus einer Mücke einen
Elefanten machen. Durch die Diskussion wurde mir jedoch bewusst, dass hinter
der Fassade äußerst viele äußerst komplexe Problemstellungen verborgen werden,
deren Entschlüsselung mich gereizt hat und dazu bewegte, diesen Essay zu
verfassen.

Als Frau hat man es in der Gesellschaft definitiv nicht leicht und ich
habe für die Betroffenen volles Verständnis. Ich als Mann habe derartige
Vorfälle am eigenen Leib noch nicht erlebt und kann daher nur spekulieren, wie
es sich anfühlen mag, ständig nur auf sein Äußeres reduziert, vollkommen
sexualisiert zu werden und praktisch jederzeit Übergriffe fürchten zu müssen.
Ich kann mir aber sehr gut vorstellen, dass das zum Teil wirklich schlimm sein
muss. In dem Video wurden viele Zahlen genannt, beispielsweise werde in
Deutschland jede zweite Frau im Laufe ihres Lebens Opfer von sexueller
Belästigung. In dieser Hinsicht gehe ich mit Zahlen und Statistiken äußerst
vorsichtig um, weshalb ich selbige in diesem Text möglichst zu vermeiden
gedenke. Zahlen differenzieren nämlich nicht zwischen den verschiedenen Arten
von Belästigung. Wir sind uns natürlich einig, dass Belästigung niemals zu
tolerieren ist, wir sind uns aber auch einig, dass sehr wohl ein gravierender
Unterschied besteht zwischen einer anzüglichen Bemerkung und einer
Vergewaltigung. Was diese Zahlen ebenfalls nicht in Betracht ziehen ist eine
gewiss hohe Dunkelziffer, andererseits aber auch Falschaussagen gegen
eigentlich unschuldige Männer. Was als harmloser Flirt vonseiten des Mannes
gemeint war, kann von einer sensiblen Frau schnell aus Belästigung wahrgenommen
werden und daraus resultieren viele Missverständnisse zwischen den Geschlechtern.
Allerdings kann ich die Frauen hierbei durchaus nachvollziehen. Wer sein ganzes
Leben lang gesellschaftlich darauf trainiert wurde, stets wachsam zu sein und
das Schlimmste zu befürchten und derart für die vorliegenden Themen
sensibilisiert wurde, dem kann es schnell passieren, auch in einer harmlosen
Situation heftig zu reagieren. Bei diesem äußerst schwierigen Thema möchte ich
jedoch gänzlich anders schwerpunktmäßig vorgehen, indem ich das Problem bei der
Wurzel packe. Warum müssen Frauen überhaupt Angst vor sexualisierter Gewalt
haben? Weil es oft genug vorkommt, natürlich. Aber warum kommt es oft vor? Nun,
mag einer einwenden, weil Männer es können. Ihre körperliche Überlegenheit der
Frau gegenüber ermöglicht es. Ja, aber das reicht mir nicht als Antwort. Wir
können die Frage des "Warum" nämlich immer weiter stellen, bis wir
zur eigentlichen Wurzel des Problems gelangen. Männer haben zwar die
Möglichkeit, aber warum haben sie das Bedürfnis danach? Warum werden die Täter
nicht einmal durch die Angst vor Bestrafung (schließlich begehen sie
Straftaten) abgeschreckt? Macht und Dominanz auszuspielen mag sicherlich für
viele Täter erregend sein aber auch dieses Bedürfnis muss irgendwo seinen
Ursprung haben. Bei genauerer Betrachtung werden wir feststellen, dass
sexualisierte Gewalt ein zutiefst gesellschaftliches Problem ist, dessen
Wurzeln fest mit Institutionen und geschichtlichen Ereignissen zusammenhängen.
In diesem Essay werden wir uns also mit der Rolle des Mannes und dessen
Selbstbild auseinandersetzen müssen, um zur Wahrheit zu gelangen. Dabei müssen
wir sowohl geschichtliche, als auch gegenwärtige Phänomene in Betracht ziehen
und uns sämtliche komplexe Entwicklungen zu Gemüte führen. Zugegebenermaßen
tappen wir bei dieser Expedition oftmals im Dunkeln. Zusammenhänge sind nicht
eindeutig, wenngleich sie hin und wieder logisch erscheinen mögen. Bestimmte
Entwicklungen lassen sich im Detail rückblickend betrachtet schlichtweg nicht
mehr erklären, da auch das notwendige Material fehlt. Wenngleich ich mir größte
Mühe nach wissenschaftlicher Korrektheit geben werde, so kann ich doch nicht
garantieren, dass der Essay gänzlich frei von Spekulationen ist. Ich bitte dies
beim Lesen dieses Textes zu beachten. Ich hege keinerlei Wahrheitsansprüche,
denn ich bin selbst neugierig, auf was ich bei der Forschung stoße. Dieser Text
ist nichts weiter als ein Versuch, zur Erkenntnis zu gelangen und die
Konklusion ist meine persönliche. Doch genug der Vorrede. Beginnen wir nun die
Reise in das Wesen des Mannes.

 

Dass sexualisierte Gewalt im 21. Jahrhundert noch ein derart präsentes
Thema ist, beweist zunächst einmal, dass der moderne Feminismus gescheitert
ist. Offenbar gelingt es ihm nicht mehr, die eigenen Ziele und Ansprüche von
einer vollkommen ausgeglichenen Gesellschaft umzusetzen. Der ursprüngliche
Feminismus des späten 19. und vor allem 20. Jahrhunderts war in der Hinsicht
wesentlich erfolgreicher. Er packte das Problem an der Wurzel und hat daher
wichtige Erfolge zu verweisen. Nach dieser Erfolgswelle waren Frauen dem Mann
gesetzlich gleichgestellt, durften arbeiten, erhielten das Wahlrecht und ihnen
wurden die gleichen Chancen auf Bildung wie den Männern zuteil. Bei allem
Respekt aber im Vergleich dazu, ist der heutige Feminismus lächerlich. Die
heutigen Probleme werden nicht mehr an der Wurzel gepackt, sondern durch völlig
sinnlose Maßnahmen geschickt umgangen. Es ist diesem fehlgeleiteten Feminismus
zuzuschreiben, dass sich öffentliche Diskussionen überwiegend auf die
Einführung einer Frauenquote in Unternehmen oder aber einer Gender-gerechten
Sprache beschränken. Dabei hilft beispielsweise das Gendern den Frauen
überhaupt nicht weiter, da es an der Ausgangslage nicht im Geringsten etwas
ändert. Der Feminismus zeichnet sich in erster Linie durch die Unfähigkeit aus,
die Schwäche der eigenen Ansprüche und Maßnahmen in Bezug auf das große Ganze
nicht zu erkennen. In dieser Form handelt es sich hierbei nur um eine weitere
nutzlose Ideologie. Aus diesem Grund würde ich selbst mich nicht als Feministen
bezeichnen, wenngleich mir Frauenrechte sehr am Herzen liegen. Und ich kenne
viele Leute, denen es diesbezüglich genauso geht!

Die Rechten argumentieren gerne kulturalistisch, also sie führen das
Problem nur auf bestimmte Kulturen zurück und sind diskriminierend. Es heißt dann,
die Vergewaltiger seien ja nur Männer aus Kulturkreisen, die islamisch geprägt
sind und somit Frauen geringschätzen. Um sexualisierte Gewalt zu beenden, müsse
man nur Einwanderung aus Ländern wie Syrien oder Afghanistan unterbinden.
Logisch betrachtet kann dieses Argument nicht richtig sein, denn nicht jeder
Syrer oder Afghane ist ein Vergewaltiger und andersherum ist nicht jeder
Vergewaltiger ein Syrer oder Afghane, was jedoch gemäß dieser
Argumentationsweise so sein müsste. Eine genaue Kulturanalyse würde an dieser
Stelle zu weit führen und wenngleich ich gewisse Zusammenhänge nicht gänzlich
ausschließen möchte, so ist das Argument aus rein wissenschaftlicher Sicht
nichts als populistischer Unsinn, der komplexe Probleme stark vereinfacht und
nur gezielt Hass herbeiführen möchte.

Oftmals hört man zudem Ausreden wie, dass Männer nun einmal
triebgesteuert und lüstern seien und sich die hohe Anzahl von Fällen
sexualisierter Gewalt somit erklären lassen. Auch dies ist eine viel zu
einfache Antwort, die dem Problem in all seiner Komplexität nicht gerecht wird.
Evolutionsbiologisch betrachtet könnte dieses Argument womöglich folgendermaßen
gerechtfertigt werden. Die Reproduktion ist in der Natur das wohl höchste
Prinzip, da es die Arterhaltung gewährleistet. Frauen sind jedoch biologisch
begrenzt und können im Laufe des Lebens nur eine bestimmte Anzahl an Nachkommen
gebären, wohingegen Männer theoretisch unbegrenzt viele Kinder zeugen können.
Also liegt der Schluss doch nahe, dass sich die Zurückhaltung von Frauen
dadurch erklären lässt, dass sie ihren Geschlechtspartner mit Bedacht wählen
müssen und das aggressive Vorgehen der Männer, welches sich in Belästigung
widerspiegelt auf ihren instinktiven Trieb der rasanten Fortpflanzung
zurückführen lässt, oder etwa nicht? Nun, hierbei handelt es sich um ganz
gefährliches Halbwissen. Die Anwendung von Erkenntnissen über die Natur auf den
Menschen, hat sich oftmals schon als problematisch erwiesen. Ein solcher
Argumentationsgang ist getrost als sozialdarwinistisch einzuordnen. Schließlich
besteht der Mensch aus mehr als nur Instinkten und Trieben. Davon einmal
abgesehen, konnte wissenschaftlich noch nicht nachgewiesen werden, dass Männer
tatsächlich in dem Sinne „lüsterner“ sind als Frauen, die letztendlich genauso
an Sex interessiert sind, wie Männer. Unumstritten ist, dass Frauen diese
Bedürfnisse nicht derart deutlich zur Schau stellen, wie Männer. Womöglich
liegt dies auch in der Erziehung begründet, die heranwachsenden Mädchen
mitgegeben wird und ein hohes Maß an Zurückhaltung aus Gründen des
Selbstschutzes beinhaltet. Würden Frauen schließlich ihr sexuelles Interesse an
einem Mann offen zur Schau stellen, so würden viele Männer wohl darauf eingehen
und dies als offene Einladung betrachten.

Auch geschichtlich betrachtet ist Sex mit Macht verbunden. Wenngleich
häufig behauptet wird, entweder abwertend oder vorwurfsvoll, je nachdem von
welcher Seite dieses Argument stammt, Frauen hätten in der Weltgeschichte mal
abgesehen von den letzten hundert Jahren keinerlei Rolle gespielt, der irrt
gewaltig. Die Menschheitsgeschichte ist nicht derart männlich geprägt wie
angenommen wird. Auch wenn die Rolle des Mannes bedingt durch Diskriminierung
der Frau nach wie vor als etwas höher einzustufen ist (einzig und allein auf
Ungerechtigkeiten zurückzuführen und nicht auf die Schwäche weiblichen
Intellekts beispielsweise), so ist die Weltgeschichte auch durchaus immer schon
von Frauen beeinflusst gewesen, die unauffällig im Hintergrund agieren konnten
und großen Einfluss auf ihre Männer, die großen Herrscher und Forscher
ausübten, vor allem durch sexuelle Verführung. Diese Feststellung soll nicht
die allgemeine Unterdrückung der Frauen über Jahrhunderte hinweg entschuldigen
oder relativieren, sehr wohl aber zu einem differenzierteren Blick auf die
Menschheitsgeschichte beitragen. Als prominentes Beispiel hierfür ist Kleopatra
zu nennen, die bekanntermaßen Caesar ganz schön den Kopf verdrehte. Das Bild
von der im Hintergrund manipulierenden Lady Macbeth aus Shakespeares Drama ist
demgemäß nicht gänzlich der Fantasie des großen Dichters entsprungen.

Dass das sexuelle Bedürfnis als Instrument gebraucht werden kann aber
davon unabhängig beide Geschlechter kennzeichnet, ist hiermit erörtert. Im
Folgenden werden wir den Mann als solchen konkreter und isolierter in
Betrachtung ziehen, mit der Hauptfrage nach dem Ursprung von heutiger
sexualisierter Gewalt im Hinterkopf.

 

Die berühmte Philosophin und Feministin Simone de Beauvoir (1908-1986)
schrieb einst: „Man ist nicht als Frau geboren, man wird es.“

Gemeint ist hiermit, dass die Unterordnung der Frau unter den Mann und
ihre zu der Zeit präsenten gesellschaftlichen Nachteile nicht auf biologischen
und genetischen Schwächen beruhen, die Frauen wesentlich zu eigen sind, als
Folge des bloßen Frau-Seins, sondern rein gesellschaftliche Konstrukte sind,
die sich durch keine wissenschaftlichen Erkenntnisse oder höhere Mächte
rechtfertigen lassen.

Gilt diese Behauptung auch für den Mann? Wird man auch nicht als Mann
geboren, sondern wird erst durch die Gesellschaft zu einem gemacht?

 

Frau sein, ist nicht leicht, wie ich bereits eingangs dargelegt habe.
Mann sein jedoch ebenfalls nicht. Vor allem als Mann muss man sich immer wieder
selbst hinterfragen und herausfinden, wer man ist, wie man sein sollte und so
weiter. Kaum ein Thema ist derart heikel wie das der Männlichkeit. Was bedeutet
das? Sind die Ideale tragbar, ist es erstrebenswert „männlich“ zu sein? Es gibt
eine männliche Identitätskrise, die sich wie ein roter Faden durch die gesamte
Weltgeschichte zieht.

Da wir über keine Zeugnisse aus der Steinzeit verfügen, gilt es, in
dieser Hinsicht besonders vorsichtig zu sein. Es spricht jedoch vieles dafür,
dass die ursprüngliche Rolle des „Ur-Mannes“ darin bestand, Jäger und Sammler,
sowie Beschützer der Familie und des Stammes zu sein. Das Bild des Mannes als
Krieger findet sich später in zahlreichen Epochen wider. In der Antike ist der
Mann sehr körperlich, nicht umsonst wurde zu dieser Zeit der Sport populär
gemacht durch die olympischen Spiele. Viele Jahrhunderte später wird uns jedoch
ein anderes Bild von Männlichkeit präsentiert. Im Mittelalter, der Renaissance
und der Neuzeit galt der gebildete Mann als Ideal für wahre Männlichkeit. Der
gelehrte, beinahe körperlose und asexuelle Mönch, Dichterfürsten wie Shakespeare
oder Goethe, geniale und hochintelligente Forscher wie Pascal oder Newton, das
waren die neuen Vorbilder. Allerdings war auch dieses neue männliche
Selbstverständnis großen Schwankungen ausgesetzt. Die Nazis stellten dieses
Ideal beispielsweise wieder komplett auf den Kopf und machten aus dem Mann
wieder einen rohen Krieger.

Während das gesellschaftliche Selbstverständnis der modernen Frau vor
allem durch den klassischen Feminismus stark geprägt wurde und das weibliche
Ideal weitestgehend stabil ist und eine starke, selbstbewusste und
selbstbestimmte Frau vorgibt, so besteht die männliche Identitätskrise auch
heute noch nach wie vor. Wir wissen immer noch nicht, was der Mann ist und wie
er sein sollte. Manche sehen in ihm nur einen rohen, triebgesteuerten Krieger
und Vergewaltiger. Andere wünschen sich als Ideal den verständnisvollen,
charmanten und sensiblen Mann, so einen wie Jack Dawson aus „Titanic“. Wiederum
andere fragen sich, ob die moderne Gesellschaft den ursprünglichen Mann
vielleicht nicht sogar schon zerstört hat, indem er völlig verweichlicht und
somit seiner Männlichkeit beraubt wurde und ob wir nicht lieber zur Natur
zurückkehren sollten.

Bei all diesen berechtigten Überlegungen dürfen wir jedoch eine
gesicherte Erkenntnis nicht aus den Augen verlieren: Den „typischen“ Mann gibt
es nicht! Genauso wenig gibt es die „typische“ Frau! Dass Geschlechter rein
gesellschaftlich bedingt sind, wie Feministinnen behaupten, nehme ich selbst
nicht an. Tatsächlich gehe ich von bestimmten angeborenen Unterschieden schon
aus, wenngleich ich diese als vergleichsweise unbedeutend erachte und aus ihnen
niemals bestimmte Vorschriften oder Hierarchien ableiten würde. Wichtig bleibt
die Erkenntnis, dass Menschen, Männer und Frauen gleichermaßen, Individuen sind,
die sich aus einer einzigartigen Kombination aus verschiedenen Merkmalen
zusammensetzen und somit niemals einem gesellschaftlichen Ideal entsprechen.
Genau aus diesem Grund ist es ja auch so hirnrissig, Menschen in Kategorien
einzuordnen und von „typischen“ Männern und Frauen zu sprechen. Ein Mann im
biologischen Sinne kann aufgrund seiner Individualität viele Merkmale besitzen,
die als eher weiblich gelten und ihn somit eher feminin wirken lassen und ist
dennoch genau so männlich wie der rohe Krieger! Schließlich verfügen beide über
das geschlechtsdefinierende Merkmal, den Penis, das wichtige Phallussymbol der
Männlichkeit.

Hiermit offenbart sich uns also ein weiterer Konflikt, die
Unvereinbarkeit von Individualität mit dem Ideal. Männer, die nicht wissen, wer
sie sind, da sie, mit ihrer eigenen Einzigartigkeit konfrontiert unter der
allgemeinen männlichen Identitätskrise innerhalb der Gesellschaft leiden,
lassen sich leicht zu Fehlverhalten verleiten und fallen somit schnell auf ihre
angeborenen Triebe und Neigungen zurück, auf die ihre Vernunft in bestimmten
Momenten keinen Zugriff mehr hat. Nackte Triebe ohne jedwede Zurückhaltung
durch Vernunft oder gesellschaftliche Konventionen bedeuten immer, sexuelles
Begehren. Wir sollten das Problem der männlichen Identitätskrise also sehr
ernst nehmen, da ich in diesem Phänomen den Ursprung sexualisierter Gewalt und
somit die Antwort auf unsere Frage vermute. Frauen haben dieses ausgeprägte
ursprüngliche Problem der Identitätskrise nicht in dem Maße, sie sind dagegen
hauptsächlich von den Auswirkungen und Resultaten betroffen und so entsteht ein
gesellschaftliches Problem, welches beiden Seiten schwer zu schaffen macht.
Wichtig ist mir an dieser Stelle zu betonen, dass die Frauen keine Schuld
tragen! Es steht außer Frage, dass es keine Option ist, das weibliche Verhalten
irgendwie verändern zu wollen. Schluss mit schwachsinnigen
Kleidungsvorschriften für Frauen, um angeblich das Risiko einer Vergewaltigung
zu minimieren! Schluss mit Forderungen, Frauen sollten nicht abends alleine aus
dem Haus gehen! Das Problem liegt ganz woanders!

Um der Lösung einen Schritt näher zu kommen, bedarf es eines erneuten
Blickes auf historische Zusammenhänge. Im Verlauf dieses Textes habe ich von
dem Begriff „Weltgeschichte“ Gebrauch gemacht. Doch wann begann diese
eigentlich in Bezug auf den Menschen? Den Anfangspunkt genau datieren können
wir natürlich nicht, es ergibt jedoch Sinn, die Staatsgründung hierfür
festzulegen. Als der erste menschliche Staat gegründet wurde und die erste menschliche
Gesellschaft entstand, konnten erstmals Rollenbilder und Identitäten geschaffen
werden. Der vorstaatliche Mensch hegte derlei Gedanken wohl nicht, zu sehr war
er auf das eigene Überleben in der Savanne fixiert, als sich Gedanken über so
etwas wie Identität, Sein und Nicht-Sein Gedanken zu machen. Die männliche
Identitätskrise kann also erst mit der Staatsgründung begonnen haben, eine
Zeit, in der sich auch der Individualismus deutlicher als zuvor herausstellen
konnte.

Womöglich müssen wir zur Beantwortung unserer Ausgangsfrage also auf den
Staat zurückgreifen. Ist es vielleicht möglich, dass der Staat den Mann seiner
Männlichkeit beraubte und in ihm daher eine derart starke Frustration
hervorrief, die bis heute anhält und sich in einer andauernden Identitätskrise
und sexualisierter Gewalt Frauen gegenüber niederschlägt? Wenn dem so wäre,
müssen wir uns fragen, was zu den Aufgaben eines jeden stabilen Staates zählt
und was er somit dem Manne als Aufgabe weggenommen haben könnte.

Ein jeder Staat gründet seine gesamte Legitimität darauf, für seine
Bevölkerung Sicherheit und Frieden zu gewährleisten und sie zu versorgen. Kann
er dies nicht mehr sicherstellen, zerbricht er wie auch moderne Beispiele von
sogenannten „failed states“ wie Libyen veranschaulichen. Erinnern wir uns an
dieser Stelle an den zuvor thematisierten „Ur-Mann“, den Jäger und Sammler und
den Beschützer. Wir erkennen den Zusammenhang! Der Staat übernimmt die gleichen
Aufgaben, die, unserer Theorie zufolge, dem Manne ursprünglich zu eigen waren.
Versorgen und beschützen und gegen Feinde verteidigen. Das heutige Problem von
sexualisierter Gewalt könnte demzufolge strukturellen Ursprungs sein. Unsere
Gesellschaft und unsere Staaten sind von Grund auf falsch aufgebaut! Sie
berauben den Mann seiner Aufgaben und lassen ihn nutzlos zurück. Dies
resultiert in der Identitätskrise und führt dazu, dass er nichts mehr mit sich
anzufangen weiß und ein Ventil für seine destruktiven Neigungen sucht, welches
er in sexualisierter Gewalt an den Objekten seiner Begierde findet, den Frauen.

Diese These ist sehr gewagt, dessen bin ich mir gewusst. Sie beruht
zudem auf bestimmten Voraussetzungen, die gegeben sein müssen. Dazu gehört die
vereinfachte Annahme, dass der urzeitliche Mann abgesehen von Versorgung und
Verteidigung keine andere Aufgabe hatte, wovon ich tatsächlich selbst nicht
ausgehe. Zudem lässt sich nicht eindeutig belegen, ob dieser „Ur-Mann“ wirklich
ganz exakt so war, wie er beschrieben wird. Ein Zurück in die Steinzeit ist
selbstverständlich auch absolut unmöglich. Meine These bleibt also spekulativ
und angreifbar, das gebe ich gerne zu. Für sie spricht allerdings, dass die
Evolution noch nicht so weit ist, dass sie uns Menschen einer völligen
Umwandlung unterzogen hat. Im Grunde genommen sind wir in Bezug auf unsere
Bedürfnisse nicht anders als unsere Vorfahren. So enorm weiterentwickelt wie
wir gerne annehmen, hat sich der Mensch in Wahrheit gar nicht.

Was sind nun die Konsequenzen, die sich aus der These ergeben, dass der
Staat die grundlegende Männlichkeit unterdrückt und somit an sexualisierter
Gewalt im 21. Jahrhundert zumindest eine Teilschuld trägt? Wie bereits
angedeutet, ein Zurück in den „Naturzustand“ ist nicht möglich. Hierbei stellt
sich nämlich auch die Frage, ob es diesen „Naturzustand“ überhaupt jemals
gegeben hat, oder ob dies nicht mehr als eine Wunschvorstellung romantischer
Dichter ist.

Muss die Gesellschaft so umstrukturiert werden, dass dem Mann wieder
mehr und mehr die klassische Beschützer-Rolle zuteil wird? Individualität also
verdrängen und die männliche Bevölkerung kollektivistischer werden lassen?
Wollen wir keinen zweifelnden, sensiblen und unsicheren Hamlet, sondern lieber
einen rohen, barbarischen und kriegerischen MacBeth?

Wer dies tatsächlich ernsthaft anstrebt, der kann dies nur erreichen,
indem er den Staat grundsätzlich komplett abschafft. Die moderne Gesellschaft
benötigt schlichtweg keinen MacBeth mehr. Vielleicht ist das früher in geraumer
Vorzeit einmal so gewesen aber der Mensch und die Gesellschaft ist stetigem
Wandel unterworfen und Anpassungsbereitschaft ist erforderlich. Im Mann nur das
kriegerische Potential zu sehen, ist darüber hinaus wieder diskriminierend all
den Individuen gegenüber und enthält nationalsozialistische Propaganda und
sozialdarwinistische Züge, womit wir also wieder ganz am Anfang wären. Wir
drehen uns also im Kreis.

Unterziehen wir die Formen von heutiger sexualisierter Gewalt einer
kritischen Hinterfragung. Sowohl Männer, die Penis-Bilder verschicken, als auch
solche, die vergewaltigen, leiden an Komplexen. Diese Handlungen sind im Grunde
genommen nichts anderes als Ausdruck mangelnden Selbstvertrauens, also der
männlichen Identitätskrise. Ein verschicktes Penis-Bild ist eine
Selbstentwertung, da sich der Mann in eine untergeordnete Rolle begibt. Mit
prahlen hat dies nichts zu tun, es ist nichts anderes als eine Entwürdigung
seiner Selbst. Eine Vergewaltigung ist das genaue Gegenteil. Ein solches Verbrechen
stellt eine Selbstüberhöhung dar, das Ausspielen von Dominanz und Stärke.
Beides ist Folge mangelnden Selbstwertgefühls. Ein durchschnittlich
selbstbewusster und vernünftiger Mann verschickt weder anzügliche Bilder noch
belästigt er Frauen.  Selbstbewusst ist
er, wenn er sich seiner persönlichen Identität bewusst ist, fernab von
gesellschaftlichen Erwartungen und veralteten Rollenbildern.

Das Selbstvertrauen ist der wohl wichtigste Aspekt eines jeden Mannes.
Es muss stabil sein, damit sexualisierte Gewalt verhindert werden kann.

Unsere leistungsorientierte Gesellschaft ist in diesem Zusammenhang ein
zweischneidiges Messer. Zum einen lieben Männer den Wettbewerb. Deswegen lieben
viele Männer auch Sport, da man sich dabei mit anderen messen kann. Außerdem
treten sie mit anderen Männern in Konkurrenz um begehrte Frauen. Da der
Kapitalismus jedoch Überhand gewinnt, wird aus einem gesunden Wettbewerb ein
verzweifelter Kampf ums Überleben. Keine andere Bevölkerungsgruppe wird derart
an Leistungen gemessen, wie die Männer. Eine arbeitslose Frau ist in der
heutigen Gesellschaft kein Problem. Ein arbeitsloser Mann dagegen wird von
allen Seiten behandelt, wie der größte Verlierer. Das männliche Ego, das für
alle Männer derart wichtige Selbstvertrauen wird im Zeitalter des Kapitalismus
stärker als je zuvor auf die Probe gestellt. Dieses anstrengende Dasein und
weitere Aspekte, wie beispielsweise die sexuelle Ablehnung durch eine begehrte
Frau (hierbei äußert sich im Übrigen die weibliche Überlegenheit in Bezug auf
Sex, sie hat nämlich die Freiheit, zu wählen und sich unter vielen Bewerbern
einen auszusuchen, was mit Macht einhergeht), die einen Konkurrenten vorzieht,
führen ebenfalls zu einem Stau an Frustration, der sich ein Ventil sucht und
somit sexualisierte Gewalt und Belästigung begünstigt, um das angeschlagene und
existentiell wichtige Selbstvertrauen wieder herzustellen.

Meine endgültige Antwort lautet also: Ja, das aktuelle Problem von
sexualisierter Gewalt hängt mit der Rolle und des Selbstbildes des Mannes
zusammen, der Identitätskrisen ausgesetzt ist. Ja, das Problem ist strukturell
bedingt, liegt also in den Wurzeln der Gesellschaft und dem Aufbau des Staates begründet
und nicht in biologischen Gründen. Nein, der Staat sollte nicht grundsätzlich
abgeschafft werden, ich befürworte definitiv keine Anarchie, keinen
vermeintlichen „Naturzustand“. Der Mann mag ursprüngliche Aufgaben verloren
haben, es lässt sich jedoch nicht beweisen. Er kann sich zudem neue Tätigkeiten
suchen und macht dies auch, indem er sich auf den Wettbewerb einlässt. Dieser
wirkt sich in seiner kapitalistischen Intensität jedoch letztendlich negativ
auf ihn aus und verursacht Stress und unterdrückte Wut, die sich wiederum ein
Ventil suchen, um „Druck abzulassen“ und den Mann somit auf seine Triebe
zurückfallen lassen. Individuelle, womöglich psychopathische Neigungen, spielen
selbstverständlich auch eine Rolle, wenn es um Vergewaltigungen geht und auch
Kultur sollte nicht gänzlich vernachlässigt werden. Dies würde jedoch alles zu
weit führen, meine ich doch das hauptsächliche Problem in einem außer Kontrolle
geratenen Kapitalismus erkannt zu haben. Allgemein lässt sich natürlich
feststellen, dass die Einflüsse, die auf das Individuum wirken, zu zahlreich
und zu undurchsichtig sind, als dass eine umfangreiche Komplettanalyse
durchgeführt werden könnte.  Das Wesen
Mann ist und bleibt ein äußerst komplexes Konstrukt und es bedarf vieler
weiterer wissenschaftlicher Erkenntnisse aus Hirnforschung, Philosophie,
Soziologie, Psychologie und Biologie, um die ganze Wahrheit hinter
sexualisierter Gewalt zu begreifen, sofern dies überhaupt möglich sein sollte.

 

So interessant ich die Auseinandersetzung mit diesem schwierigen Thema
auch fand, so unbefriedigend war die Recherche und die Forschungsarbeit.
Dennoch bin ich mit diesem Text zu einer einigermaßen zufriedenstellenden
Antwort für mich selbst gelangt, wenngleich ich unmöglich Anspruch auf
Vollständigkeit und kompletten Wahrheitsgehalt stellen kann. Dafür sind die
Erkenntnisse schlichtweg zu unsicher. Nichtsdestotrotz hoffe ich, mit diesem
Essay die Aufmerksamkeit zumindest auf das eigentliche Problem gelenkt zu
haben, um somit zu einem gesellschaftlichen Diskurs beizutragen, in welchem
sich viele weitere Menschen, die klüger sind als ich, sich damit
auseinanderzusetzen. Mein Anliegen ist des Weiteren, sicherzustellen, dass sich
hartnäckige Vorurteile endlich auflösen und ich Menschen zu einer kritischeren Betrachtung
des Themas animieren konnte, sowohl Männer als auch Frauen. Vorurteile und
gesellschaftliche Rollenbilder sind enorm gefährlich und müssen endlich
überwunden werden, will man der Wahrheit ein Stück näher kommen. An der
allgemein sehr negativen Situation der Frauen muss sich endlich etwas ändern,
wobei auch das Leid der Männer in der heutigen Gesellschaft nicht vergessen
werden darf. Nur mit beidseitiger Empathie und Verständnis kommt man wirklich
weiter! Als abschließendes Plädoyer bleibt mir nichts anderes übrig, als allen
Männern nur zu raten, sich nicht von der männlichen Identitätskrise blenden zu
lassen und sich eine eigene Identität zu schaffen, die ihrer Individualität
angemessen Geltung verleiht, allen gesellschaftlichen Konventionen zum Trotz.
Nutzt gesellschaftlich verträgliche Möglichkeiten, eurer berechtigten
Frustration Ausdruck zu verleihen, zum Beispiel durch Sport oder künstlerische
Betätigung. Mein Aufruf an alle vernünftigen Männer: Zeigen wir den Frauen,
dass nicht alle Männer so sind und begegnen ihnen mit Respekt, Anstand und
Würde! Gehen wir im Notfall dazwischen und lassen die Ungerechtigkeit nicht
geschehen. Es ist nicht unser Schicksal, denn wir bestimmen, wer wir sind!

 

 

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Tonmond Am 19.05.2020 um 18:48 Uhr
Hallo Michael,

ich habe Deinen Essay mit großem Interesse gelesen und finde ihn sehr gelungen. Es gefällt mir, wie ausführlich Du das komplizierte und ein bisschen heikle Thema angehst und wie Du (mit Erfolg) versuchst, sämtliche Aspekte der Problematik zu berücksichtigen. Dabei schreibst Du aber meiner Meinung nach nie zu ausschweifend oder kommst vom eigentlichen Kernpunkt ab, Deine Sätze finde ich alle treffend, sinnvoll und passend. Deine Sprache ist nicht zu schwierig, umständlich oder gespickt mit Fremdwörtern, sodass ich (mit meinem "normalen" Bildungsstand) Deine Abhandlung ohne Schwierigkeiten lesen und verstehen konnte, ohne davon überfordert zu sein oder mich gar zu langweilen. Im Gegenteil, immer neue Gedankengänge, clever erkannte Zusammenhänge und mögliche Gründe haben mein Interesse an dem Text bis zum Ende aufrecht erhalten.

Als Frau mit eigenen, diesbezüglichen Erfahrungen hat mich das Thema besonders interessiert. Durch Deinen Essay fühle ich mich überraschend verstanden und ernst genommen, denn Du ergreifst oft Partei für die Rechte der Frau und beschreibst auch ihre Stellung in der Gesellschaft meines Erachtens nach sehr zutreffend. Die Tatsache, dass mich Dein Verständnis und Deine weitreichenden Sympathien für die Lage der Frauen überrascht haben, spricht wohl für meine eigenen Vorurteile den Männern gegenüber. Dein Text hat mich allerdings gründlich zum Nachdenken angeregt, denn er zeigt mögliche Gründe auf, die ich gut nachvollziehen kann. Ich glaube, da muss ich wohl meinen Eindruck und meine Meinung über die "Schlechtigkeit" des Mannes nochmal gründlich überdenken.

Ich wünschte, es gäbe mehr Männer wie Dich, denn dann wäre so ein Essay wie Deiner nicht mehr notwendig, weil das schlimme Thema wohl gar nicht existent wäre. Bis dahin finde ich es aber wichtig, dass das Thema nicht totgeschwiegen, sondern mit der nötigen Weitsicht behandelt wird, die Du zweifellos bewiesen hast.
Vielen Dank für die vielen, interessanten Einblicke und Denkanstöße!

Viele Grüße
Bettina
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MichaelLutzs Profilbild MichaelLutz

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