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Neville hatte es eindeutig verbockt. Statt seinen Schrumpfzaubertrank zartrosa erscheinen zu lassen, schmauchte seine Brühe eine kotfarbene Rauchwolke in die Luft und sonderte ein anheimelndes Odeur de Toilette ab. Davon angelockt, schwebte Snape heran, neigte sich über die Suppe, sah dann wieder auf und verengte die Augen angeelkelt zu Schlitzen.
"Longbottom", brachte er grollend hervor, "was bilden Sie sich ein, meinen Unterrichtsraum mit Ihren Hosengerüchen zu verpesten?"
Neville zuckte zusammen, zog die Schultern hoch und schniefte leise.
"Darf ich annehmen, dass Farbe und Geruch Ihres Trankes dem augenblicklichen Geschehen in Ihrer Unterhose gleichen?"
Snape bleckte seine gelben Zähne, als er sich unheilverkündend über Neville neigte. Dieser hatte sich hinter seinem Kessel so klein wie ein verschrecktes Tier gemacht.
"Das gibt 5 Punkte Abzug für Gryffindor! Und nocheinmal 10 dafür, dass Sie Ihre Windeln zu wechseln vergessen haben."
Dröhendes Gelächter schwappte von der Slytherinseite hinüber. Malfoy stand sogar, leicht hockend und mit dem Hintern zu den Gryffindors gewandt da und ließ eindeutige Geräusche ab.
So als bemerke Snape diese Szene nicht, stieß er wieder auf Neville ein. "Longbottom", höhnte er. "Am Ende der Stunde werde ich Ihrer Kröte ein, zwei Tropfen Ihres Gebräus einflößen. Sollten Sie es nicht fertigbringen, noch einen anständigen Schrumpftrank zu kreieren, garantiere ich Ihnen, dass Sie Ihre Kröte die längste Zeit lebend Ihr Eigen nennen durften, denn Sie wird eines äußerst qualvollen Todes sterben ..." Er sagte es so, als weide er sich an dem Gedanken, einem andere Wesen zunächst Schmerzen, alsdann auch den Tod zu bringen. Nevilles Augen füllten sich mit Tränen. Sein Herz hämmerte ihm bis hinauf in den Hals. Er hörte sein Blut in den Ohren rauschen. Panik packte ihn, während sich Trevor in seiner Umhangtasche verkroch. Kein Zweifel, auch er hatte Angst.
Bis zum Ende der Stunde versuchte Hermine, blass vor Wut und immer wieder zu Snape hinüberstarrend, Nevilles Trank zu retten. Schließlich sah er zwar wie eine ordentliche Schrumpflösung aus, doch würde er auch so wirken?
Wie angedroht, flößte Snape dem armen Trevor zwei, drei Tropfen von Nevilles Trank ein. Harry schien es, als hielt sogar Hermine den Atem an. Also war auch sie sich nicht sicher, wie er wirkte? Verdammt! Und was nun? Doch plötzlich tat es einen lauten Knall und Trevor, die Kaulquappe, hüpfte auf Snape ausgestreckter Hand umher, nur um nach drei leichten Zauberstabberührungen wieder in seinem Krötengewand zu erscheinen.
"Granger", zischte Snape giftig, "ich hätte es wissen müssen, dass Sie dahinterstecken. Das gibt noch einmal 50 Punkte Abzug für Gryffindor, weil Sie eine so nervtötende Alleswisserin sind."
Hermine bemühte sich, keine Regung zu zeigen, doch wusste Harry genau, wie es in ihr aussah. Sie hatten in dieser Stunde, bei dieser Bestie von Lehrer, ganze 75 Punkte verloren. Das war eine Ungeheuerlichkeit.
Zum Glück hatten sie in der nächsten Stunde Verteidigung gegen die Dunklen Künste bei Professor Lupin. Im Gegensatz zu Snape war er ein Sonnenschein von Mensch, immer fröhlich, immer lächelnd und vor allem gerecht.
Nun sah er die Truppe auf sich zukommen. Sah, wie sie die Köpfe hängen ließen.
"Na, na, was ist denn geschehen?", wollte er wissen.
"Snape ...", winkte Harry ab.
"75 Punkte hat er uns abgezogen", ergänzte Ron.
"Und das nur, weil ich Neville geholfen habe", fuhr Hermine fort. "Aber das Schlimmste ist ..."
"Ja, Hermine, was ist das Schlimmste?"
"Dass wir uns nicht wehren können. Diese Ungerechtigkeiten, diese Demütigungen ..." Hermine krause die Stirn. Auch in ihre Augen waren Tränen getreten. "Wir sind so machtlos!"
"Das seid ihr nicht", erwiderte Lupin sanft. "Ganz und gar nicht." Kaum wahrnehmbar schüttelte er den Kopf.
"Wie meinen Sie das?", wollte Parvati wissen.
"Ja, wie?", begehrte auch Seamus auf und Lavender nickte und sah den Lehrer gespannt an.
"Gleich, gleich", lächelte Lupin und fuhr dann fort: "Jetzt kommt erst einmal. Der Unterricht findet heute im Lehrerzimmer statt. Gestern Nachmittag hat sich nämlich im Kleiderschrank der Lehrer ein Irrwicht einquartiert und Professor Dumbledore war so freundlich, ihn mir für meine dritten Klassen zu überlassen."
"Also lernen wir heute, wie wir mit dem Irrwicht umgehen?", wollte Hermine wissen.
"Ja", nickte Lupin.
"Irrwichte sind Gestaltwandler", fuhr Hermine fort. "Sie verwandeln sich in das, wovor die Menschen ..."
"Sehr gut, Hermine", unterbrach sie Lupin. "Das und vieles mehr besprechen wir gleich." Er zwinkerte ihr zu und sie wischte ich die Tränen von den Wangen.
Wenig später betraten sie das Lehrerzimmer und trafen zu Nevilles größtem Schreck auf Severus Snape, der sich wohl nach seiner Zaubertrankstunde etwas ausruhen wollte. Nun, aufgescheucht durch Lupins Klasse, verengte er die Augen zu Schlitzen und finsterte die kleine Gruppe an.
"Wir möchten Sie nicht vertreiben", setzte Lupin an. "Sie können gern bleiben. Heute widmen wir uns dem Irrwicht in unserem Kleiderschrank." Er lächeltr verbindlich.
"Nein danke", blaffte Snape. Seine Lippen kräuselten sich gehässig, als sein Blick an Neville hängen blieb. "Das möchte ich lieber nicht mit ansehen." (1) Er wandte sich der Tür zu, doch ehe er hinausging, drehte er sich noch einmal um. "Vermutlich hat keiner Sie gewarnt, Lupin, aber in dieser Klasse ist Neville Longbottom. Ich kann Sie nur warnen, ihm nichts Schwieriges aufzugeben. Außer, wenn Miss Granger ihm Anweisungen ins Ohr flüstert." (2)
Noch ehe Lupin etwas entgegnen konnte, gab Trevor ein Geräusch von sich - es hörte sich so an, als räuspere er sich - und hüpfte geschwind aus Nevilles Umhangtasche, genau vor Snapes Füße. Dort blieb er einen Moment lang hocken, sah gleichmütig zu dem grimmig, zugleich aber erschrocken dreinblickenden Mann auf. Dann sagte er laut und vernehmlich: "Na, irgendjemand muss ja Ihre Arbeit tun, wenn Sie dazu nicht fähig sind."
Mit diesen Worten hüpfte er zurück in Nevilles Umhangtasche und ließ einen entgeistert dreinblickenden Snape zurück. Ebenso erstaunt starrten die anderen auf Neville, der seine Hand schützend auf die kleine Beule in seinem Umhang legte und puterrot im Gesicht war. Nur Lupins Anwesenheit gab ihm die Kraft, nicht zusammenzubrechen.
"Das hat ein Nachspiel!", zischte Snape, wandte sich abrupt um und verließ wutschnaubend und mit gebauschter Robe den Raum.
Wie geht es weiter?
Findet es heraus!
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(1), (2): Rowling, Potter 3, 137
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