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Choice

80
26.02.24 15:01
12 Ab 12 Jahren
In Arbeit

Diese Klassenfahrt wird der Horror, dachte Sage. Erst hatte sich der Reisebus, der die Schüler der Jordan Private Day von New York nach Shadow Cave bringen sollte, um drei Stunden verspätet. Dann, als der Bus endlich aufgetaucht war, war es ein großer, weißer Schrotthaufen gewesen. Mrs Leach, die blondierte, junge Lehrerin die die Reise leitete, hatte nicht den Hauch einer Ahnung was man in so einer Situation tat und statt beim Reisebüro anzurufen und sich zu beschweren, scheuchte sie die Schüler kurzerhand in den Bus.
Innen war es muffig und dunkel gewesen, und überall klemmten die Somnenschütze an den Fenster, sodass man sie nicht mal mehr wieder hoch bekam. Und dann fing auch noch der Kampf um die besten Sitzplätze an. Wovon es kaum welche gab.
Ein großteil der hässlichen, dunkelrot gemusterten Sitze im Bus war verklebt mit Soda, oder man fand Kaugummis, wenn man eine falsche Bewegung machte und irgendwo gegen kam, oder man schaute auf nur um festzustellen dass irgendsoein Idiot HAHA mit einem blauen Stift an die Decke geschrieben hatte. Die Fußstützen ließen sich nicht herausfahren und ein großteil der aufklappbaren Tische, die an den Rückenlehnen der Sitze befestigt waren, waren spurlos verschwunden.
"Oh mein Gott", hatte Amy Walter gesagt. Den anderen schien nichts Besseres dazu einzufallen.
Amy, groß und dünn und blond, war die Anführerin der Cheerleader und stand vor ihrer hübschen kleinen Gruppe von Gefolgsleuten und verzog den Mund. Ihr Lippenstift glänzte rot und sie hatte selbst noch vor ein paar Sekunden einen Kaugummi gekaut. Der klebte jetzt an ihrem weißen Eckzahn, und man sah, dass ihr die Lust daran deutlich vergangen war. Sie nahm ihn raus, wickelte ihn mit spitzen, manikürten Fingern in ein Papier ein, und warf es in einen der stinkenden Mülleimer neben den Sitzen.
"Oh mein Gott", sagte sie dann wieder. "Ist das deren Ernst? Ich dachte wir gehen auf eine Privatschule. P-r-i-v-a-t. Nicht öffentlich. Hätte ich doch auf die Brooklyn gehen sollen? Ich wette die haben normale Reisebusse"
"Stimmt. Und die fahren auch runter nach Mexiko, nicht in eine Kleinstadt von er noch nie jemand was gehört hat" Tisha Jackson, Amys beste Freundin, und samthäutige, dunkle Schönheit schnippte mit den Fingern und zupfte am Amys Ärmel. "Da unten kriegen sie bestimmt jede Menge Stoff. Und Alkohol"
"Ist ja widerlich", sagte Amy, aber sah eher so aus, als fände sie die Vorstellung nicht ganz so schrecklich. Nicht so schrecklich wie diesen Bus.
"Ich kann nicht glauben dass vier sechs Stunden in diesem Bus sitzen müssen", sagte sie schnippisch.
"Entschuldigung. Darf ich mal?", sagte Sage plötzlich von hinten. Sie hatte die ganze Zeit hinter den beiden beliebten Mächen gestanden und sich wie ein Idiot gefühlt, weil sie bis vor einem Jahr selbst noch auf die Highschool in Brooklyn gegangen war.
Dann hatte ihre Mutter diesen neuen Job bekommen. Und diesen neuen Kerl. Und plötzlich war Sage Adams, schwarzes Schaf und Klassenclown der Brooklyn High, niemand anderes geworden, als die Neue an der Jordan Private Day. Der Schnöselschule von New York. Und sie hatte nicht gerade viele Freunde gemacht. Wenn man Henry, den Löwenförmigen Wasserspender nicht dazuzählte, sogar gar keine.
Amy und ihre Zicken hatten sie sofort auf dem Kieker gehabt. Lederjacken, schwarze Hosen und abgewetzte Combat Boots? Schwarze Schafe kamen nicht so gut im weißen Schwanenpalast an, wie Sages Mutter behauptet hatte. "Ach", hatte sie am Abend vor Sages ersten Schultag gesagt. "Das wird schon. All diese verwöhnten Kinder - die stehen doch auf Rebellion. Du bist da genau das Richtige für sie"
Sage hatte ungläubig die Augen verdreht. "Mom. Ich bin doch keine gestohlene Prada Sonnenbrille oder ein Tütchen Heroin. Und solange ich nicht zu dieser Sorte Rebellion gehöre, gehöre ich nirgendwo dazu. Finito. Ende. Sie werden mich hassen"
Aber Sages Mutter hatte schon nicht mehr zugehört; sie war gerade dabei online zu schoppen und all das neue Geld auszugen, dass sie jetzt zur Verfügung hatte. Außerdem kreiste ihre Maus verdächtig oft über eine Werbeanzeige für Luxusbabywaren.
In dem Moment war Sage wirklich schlecht geworden, und sie hatte den Raum verlassen. Wenn ihre Mutter jetzt auch noch ein Kind mit David, d neuen Kerl bekommen würde - damit währe Sages Untergang besiegelt.
Gläcklicherweise kam das Thema in den nächsten Wochen nicht mehr vor. Dafür besuchte Sage die neue Privatschule und musste erfahren dass sie mehr als bloß Recht gehabt hatte; die Schüler kicherten hintsr ihrem Rücken, die Sportler stellten ihr Beine, und sogar die Lehrer hatten ein böses Funkeln in den Augen, wenn sie sie drannahmen, obwohl sich Sage gar nicht gemeldet hatte.
Und jetzt, im Bus, auf dem Weg zur Klassenreise, drehten sich Amy und Tisha zur ihr um und zogen jeweils eine perfekt gezupfte Augenbraue hoch. Amys blond, Tishas dunkelbraun.
"Hast du was gesagt?", zwitscherte Amy.
"Ich glaube Brooklyn hat gesagt: Lasst mich vorbei" Tisha kicherte hinter ihrem noudefarbenen Lippenstift und die Truppe hinter den beiden gackerte gehorsam.
Sage rollte die Augen. "Wenn ihr auch nur halb so viel Zeit damit vergeuden würdet euch das Hirn auszupudern, wüsstet ihr, dass wir in fünf Minuten los fahren. Ich hätte gerne vorher einen Platz und ihr steht mir im Weg. Also?" Sie breitete die Hände aus.
Zu ihrer Überraschung gab die Prada Clique ungewöhnlich schnell nach.
"Meinetwegen", sagte Amy unschuldig. Sid flatterte mit den schwarz getuschten Wimpern. "Geh ruhig"
Sie machte einen Schritt zur Seite, aber in dem Moment, in dem Sage dazu ansetzte, an ihr vorbeizugehen, streckte sie einen schwarzen Highheel aus und versperrte den Weg. Sage, die im letzten Moment zurückwich, strauchelte, und griff nach einer Rückenlehne um sich festzuhalten. Die Prada Clique brach in höhnisches Gelächter aus.
"Ein wenig wackelig auf den Beinen?", fragte Amy engelhaft.
Sage raste vor Wut.


"Ich nicht", zischte sie. "Aber du gleich." Sie stürzte sich auf Amy und packte sie am Genick.
"Genauso wackelig wie die Klammern, die dein Gehirn noch in deinem Kopf halten.", zischte sie. Sie umklammerte ihren Rucksack fester und stapfte an den Zicken vorbei.

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