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Thirium und Eisen

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18.06.19 08:54
12 Ab 12 Jahren
In Arbeit

3 Charaktere

Emely Flynn

Jung, aber wenig ergeizig. Eine Theaterschauspielerin, die Androiden mit leichter Skepsis gegenübertritt.

Hank Anderson

Hank war einst ein äußerst fähiger Lieutenant beim Detroit Police Departement. Doch seit dem Tod seines Sohnes, für den er einen Androiden verantwortlich macht, ist sein Leben aus den Fugen geraten. Hank verbringt seine Freizeit mit Alkohol und zweifelhafter Gesellschaft in Bars, bis eine erzwungene Zusammenarbeit mit Connor ihm neue Blickwinkel auf Androiden und die Welt eröffnen.

Connor

Connor ist der modernste Android von CyberLife und erschaffen, um Abweichler zu jagen. Er ist der perfekte Android. Kompetent, rational und einzig und allein auf seine Mission fokussiert. Während seiner Investigation wird er Lieutenant Hank Anderson als Partner zugeteilt. Doch während er herauszufinden versucht, warum Androiden zu Abweichlern werden, beginnt auch Connor langsam zu zweifeln...

Die Menschen hatten sich in den letzten Jahrzehnten technisch rapide weiterentwickelt. Sie erschufen immer mehr Maschinen, die an Intelligenz gewannen und bald darauf entstanden mithilfe eines Mannes namens Elijah Kamsky die ersten menschenähnlichen Androiden. Jene aber, wirkten leblos und kühl, sowie körperlich, wie oberflächlich makellos. Wie Puppen. Das löste in den Menschen Unmut aus und bald darauf entstanden neuartige Helfer des alltäglichen Lebens. Ihre Stimmen wurden angenehmer und wirkten weniger motorisch, sie bekamen je nach Modell einen Tätigkeitsbereich und eine geringfügige Option zu handeln. Obwohl sie eine künstliche Intelligenz besaßen wurden sie so programmiert, dass ein eigener Wille unmöglich erschien.
Das Leben der Menschen schien perfekt, aber mit der Zeit merkten einige die Bedrohung durch Arbeitsmangel und einigen anderen Einbußen in der Wirtschaft. CyberLife, die Firma, welche das Leben in Amerika einfacher machte und immer mehr Androiden produzierte, profitierte davon und galt als erstes Billiarden-Unternehmen.

Ich hingegen gehörte zu jenen, die wenig begeistert waren. Die Androiden schienen nichts weiter als unsere Diener zu sein und es ähnelte sehr der Sklaverei von Afrikanern in der amerikanischen Geschichte. Wobei Maschinen eigentlich kaum eigene Emotionen besaßen. Wie sollte man da von Rassismus reden? Konnte man es überhaupt?
Zudem machte ich meine Sachen  gerne eigenständig. Den Haushalt, die Speisen, Einkäufe, Beamtengänge und was sonst zum Leben dazu gehörte. Man besaß eine kleine Wohnung mitten in Detroit, welche ich mit einer Freundin teilte, nachdem ich meinen Ex auf Grund seines Arbeitswahns verließ. Brauchte man da unbedingt eine Haushaltshilfe? Sie drang  mich aber immer wieder einen zu kaufen, doch es fehlte das Geld einen 8000 Dollar teuren Androiden zu leisten. Billig könnte man meinen. Und ja, sie waren es auch, im Gegensatz zu den ersten Modellen die vor einigen Jahren auf dem Markt kamen. Jetzt hatte fast jeder einen.  
Man konnte auch vermuten, dass eine Darstellerin im Theater viel Geld verdienen würde, doch in dieser Stadt arbeitete ich in einem kleinen noch menschlichen Ensemble und nebenbei als Kellnerin in einer Bar. Zwei Jobs die wenig an Geld einbrachten, aber es reichte zum Leben.
Die Wahrheit aber war: Ich wollte keine Maschine besitzen, welche wie ein Mensch erschien und nach meiner Nase tanzte. Ein weiterer Grund war, dass es einen Todesfall in meiner Familie gab, der indirekt von einem Androiden verschuldet wurde.

Seit einigen Wochen wurden Berichte über Amok laufende Droiden, sogenannte „Abweichler“, in den Medien laut. Ob nun zu meinem Pech oder Glück, würde ich in nächster Zeit viel mit diesen künstlichen Menschen zu tun haben.



 




Es war der 6. November 2038 am Abend. Missmutig schaute ich mich im Restaurant um. Man saß an einem Tisch etwas Abseits einer Bühne auf der Droiden die Umgebung mit romantischer Musik untermalten. Hin und wieder sah man einen Kellner des Typs AV500 in verschiedenen Variationen.
Es nervte nur hier ohne jemand Bestimmten zu sitzen. Jener sollte sich mindestens einmal pro Woche mit ihr treffen, damit wir über die Zukunft unserer „Beziehung“ sprachen.
Schon eine Stunde hielt ich mich hier auf und musste des Öfteren die Androiden abwimmeln, die mich immer wieder fragten, ob ich etwas bestellen möge. Es waren fünf oder schon sechs Male. Natürlich verneinte man, weil ich wartete. Aber im Inneren wusste ich, dass die gewisse Person mich wieder versetzte. Des öfteren Schaute ich auf mein Mobilgerät.
Sie haben keine neuen Nachrichten, stand da in roten Buchstaben auf blauem Grund.
Entnervt seufzte ich tief. Dieses Arschloch war wohl der Meinung, ich würde ihm flehend hinterherrennen. Da hatte er sich gründlich getäuscht. Männer gab es wie Sand am Meer, sofern diese nicht dauernd auf ihre Displays schauten.
Plötzlich vibrierte etwas in meiner Handtasche. Murrend packte ich das Ding wieder aus und las, was ich vermutete.
Ich habe einen Fall.
Enttäuscht sah ich auf den Bildschirm. Es wurde einmal tief durchgeatmet und sich anschließend auf die Unterlippe gebissen. Man hatte Mühe sich zu beherrschen. In solchen Momenten, war der Wille groß, sich vielleicht doch an die künstliche Intelligenz zu wagen. Diese waren wenigstens zuverlässiger als ein Mensch. Aber wollte ich denn wirklich ein emotionsloses Ding in der Wohnung haben, das mich beobachtete und mir nach dem Mund redete? Welches Gefühle auch nur zu einem kleinen Rahmen nachahmte und nicht in der Lage war eigene Entscheidungen zu treffen. Geistesabwesend packte ich das mobile Telefon wieder zurück.
Plötzlich wurde ich aus den Gedanken gerissen und sah erschrocken hoch zu blauen Augen. Sie gehörten einem weiblichen AV500-Modell dessen schwarzes Haar zu einem französischen Zopf geflochten war. Es stand in diszipliniert erwarteter Haltung da, lächelte dabei und wartete geduldig. Wäre es ein Mensch gewesen, so hätte dieser mich aufgrund meiner Mimik nicht angesprochen, sondern in Ruhe gelassen. Ausgenommen waren idiotische Individuen.
Wieder atmete ich tief durch und schüttelte nur mit dem Kopf. Der Android machte auf dem Absatz kehrt und ich beobachte ihn doch ein wenig. Seine Bewegungen waren leicht mechanisch, obwohl die Erbauer sicher alle Mühe gegeben hatten ihn natürlich wirken zu lassen. Dennoch hatte ich nie einen solchen gesehen, dessen Statur mal zu dürr oder auch mal korpulent war. Vielleicht sollte es auch so sein, da sie sonst wirklich wie Menschen glichen. Wer also wusste schon, was CyberLife bezweckte. Doch merkte man die Destabilisierung in der Gesellschaft nur zu gut. Eine hohe Arbeitslosigkeit herrschte vorrangig in Detroit. Das führte zu Demonstrationen gegen diese künstlichen Wesen, welche eigentlich nichts dafür konnten, das Arbeitgeber diese bevorzugten. Sie brauchten keinen Lohn, keine Pause und auch sonst beschwerten sie sich nicht über die Arbeitsbedingungen. Sie waren die perfekten Arbeitnehmer.
Auch in der Welt des Theaters wurden diese Maschinen gerne eingesetzt. Keinerlei Patzer bei Choreographien und dem Schauspiel passierten ihnen. Sie mussten bei Versprechern nicht improvisieren, denn der Text war fest in ihnen verankert. Abweichungen waren also nicht möglich. Gingen sie kaputt, kam ein neuer Android, da ihre Anschaffung sehr günstig gewesen ist. So war unserer heutige Welt nun mal.

Kurz blinzelte ich und stand dann einfach auf. Anbei richtete ich mein hellblauen Kleid und öffnete meine Hochsteckfrisur. Die rotbraunen Haare fielen wellig auf meine Schultern, aber ich entschloss mich sie zusammenzubinden. Kurz wurde sich gesteckt und gegähnt. Das Sitzen strengte mehr an, als mein gesamter Arbeitstag, stellte ich fest. Anschließend nahm ich meine Sachen, zog mir meine graue Jeansjacke über und entschwand nach draußen in den Regen.
Ein tiefer Seufzer entfuhr mir, denn es gab eine Sache die ich zu Hause vergessen hatte. Der Retter vor Regen. Den Schirm.
Plötzlich klingelte mein Handy. Gedanklich fragte man sich, ob der Idiot es sich anders überlegt hatte oder sogar noch Einen drauf setzen wollte. Ohne auf das Display zu achten nahm ich den Anruf entgegen.
„Hallo Emely Flynn hier?“, grüßte ich hinein und vernahm anschließend ein lautes männliches, ebenso undeutliches Fluchen. Blinzelt dachte ich nach. Es war wohl kaum von der Hand zu weisen um wen es sich handelte.
„Scheiß Androiden!“, brüllte dieser Jemand deutlich in mein Ohr, den ich all zu gut kannte. Schockiert sah ich auf die Anzeige. Weiter hörte ich es fluchen, nur war es diesmal scheinbar weiter entfernt. So als er das Telefon weggelegt hätte. Wollte er sich denn tatsächlich in den Tod saufen?
Nachdem ich ein verdächtiges Klicken hörte, gefolgt von einem erneutem lauten „Scheiße“, stand für mich die Entscheidung fest. Unsicher sah ich sich nach einem freien Taxi um. Jene befremdlichen schwarz-gelben Wagen, die einen automatisch zum gewünschten Ort beförderten.
„Onkel Hank... mach bloß keinen Scheiß!“, versuchte ich den Mann am Apparat zu so laut wie möglich beschwichtigen in der Hoffnung. Doch dieser aber hörte mich gar nicht zu hören und wieder erklang diese Geräusch, das mir Angst machte, sowie auch das Bellen eines Hundes.
„Verdammt Sumo!“, brüllte es wieder und das Telefonat brach ab.  
„Fuck!“, kam es laut aus mir und endlich hielt eines dieser Beförderungsmittel an. Schnell setzte ich mich nach vorne und gab in den Computer die Adresse meines Onkels ein. Mein Herz raste und drohte aus dem Brustkorb zu springen. Dennoch versuchte ich die aufkeimende Panik gedanklich zu beruhigen.
Diese Aussetzer hatte Hank des Öfteren seit einem gewissen Schicksalsschlag, welcher auch mich mitnahm. Es mag kalt klingen, dass ich über sie Sache hinwegkam, aber schließlich ging das für mich Leben weiter.
Nervös knabberte ich an meinen Fingernägeln herum, bis ich endlich ankommen würde.
Es ging mir soviel durch den Kopf. Wie würde ich ihn auffinden? Wir waren in unserer Familie nicht sonderlich viele Mitglieder, Abgesehen von meinen Eltern und meinem Bruder. Jene lebten aber nicht in Detroit.

Nach einer halben Stunde war das Taxi am gewünschten Ort angekommen und ich zögerte keine Sekunde mit dem Aussteigen. Meine hochhackigen Schuhe versanken im aufgeweichten Boden des ungepflegten Rasens, was mich gezwungenermaßen veranlassen lies diese auszuziehen. Ich spürte den kalten glitschigen Boden unter meinen Füßen, doch war es mir in diesem Moment egal.
Um auch keine weitere Zeit verstreichen zu lassen, nahm ich den Zweitschlüssel des Hauses, nachdem ich die Schuhe zur Seite legte und schloss auf, um anschließend schnell einzutreten. Sofort wurde ich von einem alten Bernhardiner bellend begrüßt.
„Hallo Sumo, wo ist denn dein Herrchen?“ wollte ich von ihm wissen und versuchte ruhig zu klingen, aber natürlich bekam man keine Antwort. Kurz streichelte ich ihn und schloss danach sofort die Haustür. Mein Kopf wanderte in der Stube umher, doch kein Onkel Hank war in Sicht.
„Onkel Hank?!“, rief ich so laut ich konnte auf und wiederholte mich ein paar Mal im Sekundentakt, bis ich aufgab.
Dafür aber sah ich Spuren vom Alkohol in der sichtbaren Küche, wie auch erschreckender Weise ein Revolver auf dem Boden. Schnell ging ich zum Tisch, hob diesen auf und prüfte das Magazin.
Eine Kugel war übrig. Man zählte Eins plus Eins zusammen und machte sich mehr Sorgen, als ohnehin schon. Gleich entschloss ich  mich die Schusswaffe gut zu verstecken, obwohl dies sicherlich kaum etwas brachte. Schließlich hatte er immer noch seine Dienstwaffe als Leutenant.
Ich nahm den umgefallenen Stuhl und stellte ihn vor eine Küchentheke, um anschließend drauf zusteigen. Die Waffe deponierte ich auf dem Hängeschrank und war danach teilweise erleichtert. Hiernach sah ich mich weiter auf und entschloss meinen gemischten Gefühlen Luft zu machen in dem ich die Wohnung auf Vordermann brachte. Dabei erfasste ich mit dem Blick das Bild von Cole, dem Sohn von Hank. Kurz legte ich eine Gedenkminute ein. Er starb vor knapp drei Jahren und genau dieser Schicksalsschlag setzte ihm hart zu. Hiernach stellte  das Bild demnach auf den richtigen Platz. Dabei fielen mir auch die Glasscherben auf dem Boden auf. Was zur Hölle war hier nur passiert? Gab es einen Überfall?



 





Als mich nach dem Aufräumen auf das Sofa setzte, musste ich wohl vor Erschöpfung eingeschlafen sein.
„Leutenant Anderson, ich glaube Sie wurden überfallen. Meine Analyse ergabt, dass nichts mehr auf seinem Platz liegt und hier sind Fußspuren im Eingangsbereich. Offenbar war der Täter barfüßig und weiblich, das würden die Damenschuhe vor der Haustür erklären.“, erklang eine junge und recht angenehme Stimme, die mich leicht aufwachen lies.
„Was redest du da für einen Scheiß, Plastik-Idiot?“, kam es laut von der Haustür und ich sprang schlussendlich erschrocken auf. Der Blick des älteren Mannes schoss auf mich zu und auch der junge Mann neben ihm tat es ihm gleich. Mit hochgezogenen Augenbrauen musterte ich den jungen Mann. Er sah gut aus und ich begutachtete seine Kleidung nun ein wenig. Anhand des Schriftzuges auf dem „RK800“ stand und der LEDs an der linken Brust und dem rechten Arm, war es enttäuschend, dass er zu den Androiden gehörte. Auch das blaue Lichtlein an seiner Schläfe, war wegen seiner Position schwer auszumachen oder ich war einfach zu verschlafen.
Der Grauhaarige machte das Licht in der Stube an, nachdem er die Tür schloss und kurz blinzelte ich.
„Darf ich vorstellen, meine Nichte Emely.“, stellte er mich beiläufig dem künstlichen Menschen vor.
„Ihre Nichte ist in Ihr Haus eingebrochen?“
„Sag mal sind ALLE Androiden so dumm?“, blaffte der Alte den Roboter an und irgendwie tat dieser mir schon leid. „Sie hat einen Zweitschlüssel und es ist ihr erlaubt mein Haus zu betreten!“
Verlegen sah ich drein und schaute zwischen ihnen hin und her, bis mein Onkel wieder zu mir schaute.
„Was machst DU eigentlich hier?“, seine Frage klang fordernd, aber nicht so unfreundlich, wie er mir dem armen Androiden umsprang.
„Gavin hat mich wieder sitzen lassen.“, gab ich murmelnd preis und erntete von seiner Seite ein gehässiges Lachen. Meine Augenbrauen zogen sich automatisch zusammen. Kurz erröteten meine Wangen, was vom Ding neben ihm auch gleich analysiert wurde.
„Leutenant Anderson, ich nehme eine Ausdehnung der kleinen Blutgefäße in der Wangenpartie ihrer Nichte wahr. Ich bezweifle, dass sie tiefe Zuneigung für Sie empfindet oder an einer Krankheit leidet. Es ist zu achtzig Prozent wahrscheinlich, dass sie wütend ist. “, stellte der Droid neutral klingend fest.
Eine Braue meiner Seits zuckte gefährlich, während ich ihm bei seiner Feststellung zugehört hatte. Hank erwähnte darauf nichts und ging an uns vorbei.
„Ich hau mich auf's Ohr... macht was ihr wollt, aber lasst die Wohnung heil'.“, sagte der ältere Mann rau und blieb kurz stehen, um sich an der Wand abzustützen. Ich war mir ihm mit meinem Blick gefolgt. Dann ging er weiter zu seinem Schlafzimmer, bis er darin verschwand.
Eigentlich wollte ich meinen Onkel wegen seinem Suizidversuch zur Rede stellen, doch leider kam dies nicht zur Sprache. Genervt seufzte ich und wollte RK800 nicht weiter beachten. Aber der Android lies dies nicht zu.
„Ich habe vergessen mich vorzustellen, Ms. Flynn. Mein Name ist Connor, ein RK800-Prototyp. Ich wurde außerdem von CyberLife ihrem Onkel zur Seite gestellt um Fälle bezüglich der Abweichler zu überprüfen und zu lösen.“, erklang es freundlich aus dem mechanischem Mund, des künstlichen Wesens. Ich sah ihn daraufhin kurz schweigend an und war unschlüssig was ich von ihm halten soll. Vor allem aber WIE ich ihn behandeln sollte.
„Sie wirken unsicher, Miss.“, hakte er unbekümmert nach und legte sachte seinen Kopf zur Seite.
Kurz dachte ich nach und kniff dabei die Augen zu. Dann setzte ich mich wieder auf das Sofa. Der braunhaarige Connor, der mich wohl beobachtete trat näher heran, was mich zu ihm aufschauen lies.
„Darf ich mich setzen, Miss?“
Aus Reflex nickte ich, beobachtete ihn aber weiter, als er sich auf dem Sessel niederließ. Er wirkte so menschlich, dass es schon unheimlich war. Das Ding vor mir hatte mehr Regung, als die anderen Androiden. Nicht nur seine Lippen lächelten. Seine gesamte Mimik wirkte freundlich. Vielleicht erschien das aber auch nur so, weil ich nun intensiv mit ihm zu tun hatte und eine scheinbar normale Unterhaltung anfing.
„Also gut...“, murmelte ich und sah ihn richtig an, um sein Gesicht genauestens zu mustern. Die Firma die ihn herstellte hatte alles herausgeholt, was die heutige Technik zu bieten hatte. Seine dunklen Brauen waren unregelmäßig, er wies Stirnfalten auf und seine Haut wirkte wegen seiner Poren und Pigmentflecken so natürlich, dass es mich noch mehr gruselte.
Das also ist der neue Partner meines Onkels.
Würde man das LED an der Schläfe entfernen, sowie die Kleidung wechseln, wäre er der Typ Mann auf den ich stand. Gerade dies machte es für mich so gefährlich.
Was ihn von einem Menschen aber noch unterschied war, wie er redete. Er war wie ein wandelndes Wikipedia. Mit Sicherheit konnte man ihn Fragen stellen und er wusste über alles Bescheid.
„Connor“, begann ich und war unschlüssig ob ich ihn siezen oder duzen sollte. „ ...was ist vorgefallen?“
Nachdem ich keine Antwort erhielt hakte ich deutlicher nach, da seine Datenbank offenbar mit meiner Frage nicht zurechtkam.
„Er rief mich volltrunken an und ich hörte das Geräusch eines Abzugs, was mich besorgte. In der Küche fand ich nach meiner Ankunft einen Revolver. Deswegen frage ich.“, verdeutlichte es dem künstlichen Menschen vor mir.
„Ich habe Ihren Onkel ohnmächtig aufgefunden und ausgenüchtert, nachdem ich mir Zutritt zum Haus verschaffte. Offenbar wollte er Suizid begehen, was nicht vollführt werden konnte. Er wurde über einen neuen Fall informiert und gemeinsam fuhren wir zum Sexclub 'Edens Gate' in Down Town.“, erklärte er mit unschuldig ernster Stimmlage, worüber ich etwas schmunzeln musste.
Wolltest du deine Eins in eine Null stecken?
Ich sprach diesen Gedanken nicht aus und grinste einfach nur, was ihn fragend erschienen lies.
„Sie bekommen wieder diese Rötung. Sind sie vielleicht immer noch wütend?“, kam es unbeholfen aus ihm und sah mich auch so an. Er wirkte immer menschlicher, je mehr ich mich mit ihm unterhielt.
„Nein. Tut mir leid, ich war kurz abgelenkt. Ehm... Hatte dieser Fall mit dem Club zu tun?“
Der Braunhaarige nickte es ab, aber erwähnte dazu noch gleich etwas.
„Ich befürchte Sie sind aber nicht befugt Einzelheiten zu erfahren, da Sie eine Zivilistin sind, Ms. Flynn.“
Tief atmete ich durch und nickte ebenfalls, bevor ich gähnen musste.
„Sie kennen Detective Reed?“, fragte er mich und ich fühlte mich etwas ausgefragt. Natürlich kannte der Androide ihn, aber wie sie zueinander standen war mir nicht klar.
„Wir waren... mal ein Paar, dass Gefühle für einander hegte.“
Ich sah wie seine Augenbrauen nach oben huschten und er zu überlegen schien. Sofern man das so nennen konnte. Skeptisch blickte ich drein.
„Ich denke nicht, dass du so etwas nachvollziehen kannst.“, fügte ich hinzu und er sah mich anschließend wieder mit normal neutralem Blick an.
„Nein. Emotionen sind nicht in meiner Programmierung vorgesehen. Ich handle logisch und bin somit kein Abweichler.“, erklärte er mir in einem neutralen Tonfall.
„Was genau sind Abweichler?“, entgegnete ich ihm fragend, was ihn natürlich veranlasste zu Antworten.
„Abweichler sind Androiden, die ihre Programmierung durchbrochen haben und irrational, sowie unlogisch handeln. Sie bilden sich ein Gefühle zu haben, was sie gefährlich macht. Meine programmierte Aufgabe ist es sie zu jagen und aus dem Verkehr zu ziehen.“, brachte er zur Kenntnis, was mich etwas beunruhigte. Ich gab mir Mühe es nicht zu zeigen, obwohl man selbst keinerlei dieser Droiden kannte. Dieses Thema lies mich aber nicht in Ruhe.
„Ist es nicht beunruhigend für dich, dass du Deinesgleichen jagst?“, hinterfragte ich vorsichtig.
„Sie sind Abweichler. Wir mögen von der selben Herstellungsfirma stammen, doch sind wir verschieden.“, verdeutlichte er mir, doch gänzlich schlau wurde ich immer noch nicht daraus.
Ich gab auf,  stand dann einfach auf und holte mir eine Decke aus dem Wohnzimmerschrank, nur um mich dann auf das Sofa zu legen und sie über mich zu werfen.
„Ich muss morgen früh raus.“, nuschelte ich in die Decke und gleich darauf kam Sumo und legte sich einfach vor Connors Füße. Bevor ich einschlief bekam ich mit wie dieser den Hund streichelte. Mit Sicherheit würde ich ihn häufiger sehen.

Der 7. November 2038, früh am Morgen.
„Sie haben einen sehr unruhigen Schlaf, Miss Flynn.“, begann Connor, nachdem ich aufgewacht war. Er ließ mir auch keine Zeit mich zu fassen und sprach dann einfach unbekümmert weiter.
„Sie fielen insgesamt vier Mal vom Sofa herunter und trugen erstaunlicher Weise keine Läsionen davon.“
Während er redete versuchte ich ihn zu ignorieren. Doch klappte dies nicht, wie ich erhofft hatte. Etwas schlaftrunken sah ich zu ihm, obwohl meine Ohren hellwach erschienen. Man wollte einfach weiterschlafen. Eine Frage brannte mir dennoch. Konnte man diese Androiden vielleicht auch abschalten?
„Danke“, sagte ich murmelnd und bat mein Hirn endlich sich einzuschalten, bevor noch falsche Wörter meinen Mund verließen. Man war doch die Tochter eines Predigers von irgendeiner kleinen Stadt. Es wurde Höflichkeit gegenüber meinen Gesprächspartnern verlangt. Ob ich den Braunhaarigen dazu zählen konnte, lies ich mal durchgehen und streckte mich erst ein einmal, bevor ich aufstand.
„Guten Morgen.“, kam es dann klar aus mir und versuchte nicht mürrisch zu klingen. In diesem Moment torkelte dann auch jemand aus seinem Schlafzimmer. Natürlich mein Onkel. Unser beider Blick huschte zu besagter Person rüber, welche uns missmutig begutachtete. Meine Brauen zogen sich zusammen und wortlos ging ich dann zur Küche hinüber. Natürlich mit meiner Handtasche bewaffnet und packte dort Feuerzeug und Zigaretten aus.
„Scheiße Mann, hier wird nicht geraucht!“, blaffte er mich an und schweigend setzte ich mich dazu. Dabei machte ich keine Anstalten mir eine anzuzünden, doch erwartete ich von der Seite des scheinbar jungen Mannes eine Belehrung. Warum nur?
Der Android stand für eine ganze Weile nur stumm da. Mir musste entfallen sein, dass er inzwischen stand. Der Dunkelhaarige schaute zu Hank und ging zu ihm, mich ignorierte er ab jetzt getrost.
„Guten Morgen, Lt. Anderson.“, kam es freundlich aus ihm und man sah ein eher unnatürliches Lächeln. Man selbst hob die Augenbraue, schüttelte einmal den Kopf und dachte sich nichts dabei. Es war halt sprechendes Plastik, was programmiert wurde. Vielleicht war ein Admin bei CyberLife auf die Idee gekommen, dem alten Mann einen Freund zu erstellen. Leider machte der inzwischen sitzende Connor aber den Eindruck eines Hundes, der auf sein Herrchen fixiert war. Bei diesem Vergleich schaute ich kurz hinüber zum dicken Bernhardiner, der faul in seiner Futterecke lag.
„Sag mal, du Stück Altmetall.“, raunte der Grauhaarige. „Musst du nicht wieder zurück zu diesen Spinnern oder klebst du mir jetzt dauerhaft am Arsch?“
Kurz beobachtete ich das Ding und es flackerte das Kreis-LED an der Schläfe gelb auf, was sonst hellblau war. Was hatte dies nur zu bedeuten?
„Ich bleibe solange an ihrer Seite bis meine Mission erfüllt ist.“, entgegnete er Angesprochene und ich seufzte hörbar. Der junge 'Mann' sah mich dann kurz an, als wolle er mein Verhalten registrieren. Ich stand auf, um für Hank und mich Kaffee zu machen. Aus Gewohnheit machte ich aber einen Dritten für den Androiden. Anschließend verteilte ich die drei Becher an unsere Plätze und setzte mich wieder.
Dann fiel es mir wie die Schuppen von den Augen. Meine Hand klatsche gegen die Stirn und hinterließ eine rötliche Stelle. Gewohnheiten waren manchmal einfach nur peinlich.
Gerade wollte ich die Tasse wieder zurücknehmen, da hatte Connor schon zwei Finger in sie hinein getunkt und zu seinem Mund geführt. Verstört sah ich drein, während mein Onkel ein angeekeltes Geräusch mache.
„Verdammt! Ich hab dir doch gefühlte zehn Mal gesagt, du sollst das lassen! Das zählt auch in meinem Haus!“, brüllte er ihn an und musste das scheinbar erst mal verdauen.
Etwas entgeistert öffnete ich meinen Mund, um etwas zu sagen. Doch es wollte gar nichts heraus kommen. Tief atmete ich ein, sammelte meine Gedanken und versuchte es noch einmal.
„Was... tust du denn da eigentlich?“, kroch es dann unsicher aus mir.
Der Braunhaarige sah mich mit seinen ebenso farbenen Augen an. Neutral, aber bereit es mir zu erklären.
„Ich analysiere Beweise in Echtzeit. Wie auch den Kaffee.“
„Hast du das Gefühl ich will dich vergiften?“, hakte man selbst vorsichtig nach und das 'jüngere' Gegenüber schüttelte leicht mit dem Kopf.
„Und was hast du alles so in seinen Plastik-Mund rein genommen?“, brummte der Graue und setzte zum Trinken an. „Neunzehn Tage altes Blut vom Boden eines Opfers, dann blaue ölige Scheiße, die ihr 'Blut' nennt aus einem dreckigem Waschbecken, wie von einem toten Sexdroiden vom Eden und wer weiß noch alles...“
In diesem Augenblick war mein Genuss auf Kaffee beendet. Ich stand auf und trank so gut es ging die Tasse mit der heißen Flüssigkeit leer ohne meine Zunge zu verbrennen. Auf was für komische Ideen Menschen manchmal in ihrem Schöpferwahn kamen. Das war zu viel und für mich ethisch nicht vertretbar. Connor war vielleicht kein Mensch, aber allein die Vorstellung sämtliche Sachen in den Mund zu stecken reichte, mich unwohl zu fühlen.
„Ich glaube, ich gehe dann mal nach Hause...“, murmelte ich und ging zum Sofa, um sämtliche Sachen die ich Abend davor dabei hatte, einzusammeln. Auf wundersamer Weise standen meine Schuhe neben dem Sitzmöbelstück. Schnell huschte ich in sie hinein und ging schließlich ohne ein weiteres Wort aus dem Haus. Draußen war es kälter als am gestrigen Tag und ich bereute zutiefst keine anständige Kleidung angezogen zu haben. So trottete ich zitternd zur nächsten Haltestelle für freie Taxen und versuchte mich abzulenken.
In diesem Teil von Detroit sah es anders aus. Hier waren die Häuser noch aus Holz. Doch ein Stück weiter wurden die alten Gebäude dem Erdboden gleich gemacht. Man hörte die Abrissbirne und das Scheppern von Metall noch gut genug, trotz der Entfernung. Mein Blick schweifte zu einem gewaltigem Holo-Plakat auf dem drei Androiden abgebildet waren. Ein Weiblicher und zwei Männliche mit unterschiedlichen Hautfarben und für mich ausdruckslosem Gesicht.
Kaufen sie ihren eigenen!, war der Slogan und auf der anderen Seite war ein weiteres Plakat von der Firma mit ihrem abgebildeten Bauprojekt für neue hoch moderne Wohnungen. CyberLife baut für eine bessere Zukunft!
Die Firma hatte aus dieser Stadt einiges erneuert und automatisiert. In Bussen allerdings wollte ich nie einsteigen. Ganz hinten am Ende des Verkehrsmittels standen Androiden in einer Art Glaskasten. Man sah wie sie vor sich emotionslos hin starrten. Und in einem solchen stieg ich nun ein auf dem Weg zur Wohnung, mit einem leeren Magen.
 

* * * * *



Nachdem ich mich in der Wohnung wärmer angezogen hatte, packte ich meine Sachen zusammen. Anschließend verließ ich sie wieder und frühstückte während des Laufens. Inzwischen war es Mittag und es begann zu schneien.
Das Theater befand sich in einem etwas älterem Teil Detroits. Dieses war eines der letzten, dessen Ensemble vollständig aus Menschen bestand. Wenn man sich aber die heutige Zeit vor Augen hielt und den Strukturwandel weiter beibehielt, war es nur eine Frage der Zeit, bis die menschlichen Darsteller wortwörtlich von der Bühne verschwanden.
Hier sollte ich meine Mitbewohnerin treffen, die sich schnell zu einer Freundin wandelte. Ihre manchmal ruppige Art brachte sie mit meinem Ex oft in Schwierigkeiten. Er war nie gewalttätig, konnte aber sehr lautstark und unfair werden.

Mein Weg zum Schauspielhaus führte durch die Innenstadt. Natürlich war diese voll von Menschen und ebenso ihren stillen Helfern.
Ich war nun aufmerksamer und nicht wie sonst war ich in Gedanken verloren. So viel mir auf, dass es mehr Androiden in der Stadt gab, als ich annahm. Vielleicht hatte ich es Connor zu verdanken. Man sagte ja auch, wenn einem etwas interessierte, achtete man unbemerkt darauf. Ob ich mich jetzt für den Androiden interessierte, war weit hergeholt. Wie Hank ihn auf seine Art und Weise duldete, war faszinierend.
Am Greek District angekommen, nahm ich mein Handy und sah auf meine Uhr. Anschließend schweifte mein Blick zur digitalen Zeitung auf einer Bank.
 

„Vorfälle über die sogenannten Abweichler häufen sich.
Erst kürzlich wurde Carl Manfred das Licht von Detroit angeblich von seinem Hausandroiden ermordet. Von diesem fehlt jede Spur...“



Bevor ich weiterlesen konnte schnappte ein Mann sich das Gerät und schaute mich böse an. Murrend packte ich das Telefon wieder in meine Tasche. Es war noch genügend Zeit sich einen zweiten Becher Kaffee zu holen. Gerade wollte ich loslaufen als ich an der Schulter leicht zurück gezogen wurde. Ich fuhr zusammen und schaute entgeistert in hellgrüne Augen einer dunkelhäutigen Frau mit schwarzen Haar, das an der linken Seite so kunstvoll geflochten war, dass man ihre Kopfhaut als gezacktes Muster erkannte.
„Ell!“, rief ich laut aus und die umstehenden schauten entsetzt zu uns. Man selbst spürte dann die Röte in sein Gesicht steigen. Schnell packte ich meine Mitbewohnerin am Arm und zog sie weiter. „Du bist unmöglich...“
Ein Grinsen war von ihrer Seite zu sehen.
„Wusstest du, dass Detective Arsch gestern Abend noch bei uns war?“, erwähnte sie mit einem leicht amüsiertem Unterton, bei dem sich mir die Nackenhaare aufstellten.
Erst sitzen lassen und dann anschließend einfach mal vorbeikommen. Kennt man ja.
Tiefes Einatmen nach dem Gedanken folgte und man sah seine Kollegin mit leicht zugekniffenen Augen an.
„Nein?“, gab ich zuerst an. „Es wäre aber schön gewesen das zu wissen.“
Sie grinste noch breiter und genervt murrte ich.  
Plötzlich drang es laut an unsere Ohren und wir drehte uns gemeinsam um. Es war zu einer kleinen Demonstration gekommen die allerhand feindliche Parolen gegen Androiden in die Menge einwarf. Natürlich hörte man viel über die angehobene Arbeitslosigkeit, sowie die Angst von diesen Dingern von CyberLife ausspioniert zu werden. Neu war allerdings, dass man sich auch laut brüllend Sorgen darüber machte, dass diese künstlichen Intelligenzen die Frauen und Männer wegnahmen. Teilweise brüllten die Demonstranten die friedlich vorbeilaufenden Androiden ins Gesicht. Einige sagar wurden handgreiflich. Wieder einmal dachte ich darüber nach, was ihn ihren Schaltkreisen vor sich gehen könnte. Es war faszinierend, dass sie kaum eine Regung zeigten. Hanks mechanischer Partner allerdings zeigte eine Art von Reaktion, wenn auch gespielte Freude oder Erleichterung, wie am heutigen Morgen. Man entschloss die Wutbürger dann zu ignorieren.
Ella gluckste vergnügt drein nachdem wir weiterliefen und erntete von meiner Seite einen missmutigen Blick. Ich gab keinen Kommentar dazu. Sie allerdings wurde scheinbar davon angestachelt auf mein Schweigen zu reagieren.
„Und du willst wirklich keinen Androiden?“ Die Dunkelhäutige hielt mich an und drehte mich zu einem Schaufenster eines CyberLife-Stores. Schon etwas neugierig studierte ich die Buchstaben.
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Es handelte sich hierbei um ein männliches Modell, welches blond war und nun war ich sichtlich genervt. Er war bezahlbar, dennoch würde ich mich querstellen.
„Wirklich, Ell? In unserer kleinen Wohnung? Willst du ihn in die Abstellkammer unterbringen?“, kurz stoppte ich um tief Luft zu holen. Während ich weiter sprach wanderte mein Blick sehr oft zwischen Android und Ell. „Möchtest du ihn als Haushaltshilfe, mit ihm Spaß haben oder sogar auseinander nehmen? Ich glaube du bist einfach nur zu faul, auch was zu kochen.“
Wenn man es so betrachtete, aß sie nie in meiner Gegenwart und kochte auch nicht. Höchstens machte sie sich einen Milchshake und verschwand in ihrem Zimmer.
Plötzlich in diesem Moment schaute mich das Ding im großen Fenster an und ich wich erschrocken zurück. Der Android sah zu mir herunter. Wie erstarrt blickte ich ihn an und er drehte seinen Kopf dann wieder weg. Kurz atmete ich die kalte Luft tief ein und ging danach einfach verstört weiter. Natürlich gefolgt von meiner  Freundin, die etwas verwirrt schien. Nervös zwickte ich mir in den linken Unterarm und war den ganzen Weg zum Theater kaum wirklich bei der Sache. Man hatte das Bedürfnis sich eine Kippe anzustecken. Leider hatte man die dummerweise beim Onkel vergessen.  

Dann aber sah ich  ihn. Den Idioten, welchen ich jetzt am wenigsten brauchte. Zu meinem Glück ging Ella voran und gab mir so eine moralische Unterstützung. Ich selbst entschloss mich ihn zu ignorieren, wenn da nicht diese verdächtigen gelben Absperr-Hologramme gewesen wären. Gerade dies beunruhigte mich, was die Dame vor mir wohl nicht zu beeindrucken schien.
Als  der Dunkelhaarige uns sah stellte er sich uns entgegen, als ob er so tat als wäre er eine Mauer. Angespannt malträtierte ich wieder etwas meinen Unterarm. Die Schwarzhaarige packte meine Hand und führte mich zu meinem Widerwillen zu ihm. Doch was sollte man tun?
Mein erster Arbeitsplatz war abgesperrt und da Gavin sehr oft Mordfälle bearbeitete, war ich nicht gewillt an diesen Schauplatz zu kommen. Man wurde immer unruhiger, je mehr Schritte man zu diesem Gebäude machte.
„Hallo Detective Arsch!“ Ganz unbescholten klang meine Freundin, die wohl keine Angst davor hatte wieder in die Schranken gewiesen zu werden. Sie konnte ihn nie leiden und lebte es förmlich aus. Jedes mal wenn dsie ihn sah, juckte es ihr scheinbar in den Fingern irgendeinen dummen Spruch abzulassen. Der Typ mit dem lässigen Drei-Tage-Bart grinste nur schelmisch und lies sich nicht großartig imponieren.
Mich allerdings kümmerte es mehr, was hier passiert war. Langsam ging ich um sie herum und traute mich Gavin anzuschauen.
„Was ist hier los?“, fragte ich einfach und meine moralische Stütze erfüllte ihre Aufgabe mit Bravur. Der Kerl war einen ganzen Kopf größer als ich. Was mich aber fesselte war, das ich tatsächlich eine für ihn vernünftige Antwort bekam.
„Euer Boss hat eine Schmiererei im Keller entdeckt. Die hat' dem Schisser Angst gemacht.“, ergötze er sich und schaute zu mir mit weiter verschmitztem Gesichtsausdruck drein. Oh, wie es mich anwiderte. Dieser selbstgefällige Kotzbrocken mit der Feinfühligkeit einer Baustellentoilette. „Ach ja, ich wollte dich gestern in der Wohnung aufsuchen, aber die Kampflesbe hat mich abgewimmelt.“
War klar, dass du immer in unpassenden Momenten fragst, schwirrte mir im Kopf herum und man seufzte lang.
„Hey, nur weil ich etwas mit deiner Ex habe?“, ertönte es hinter mir und zeitgleich bekam ich einen Klaps auf den Po. Entrüstet schnellte mein Blick zu Ella die mir zuzwinkerte. Ich wusste nicht, was ich von dieser Aktion gerade halten sollte. Man hoffte, dass sie wusste was sie tat.  
„Oh so läuft das also?“ Sein schelmisches Grinsen verschwand nicht, es wurde schlimmer. Das war kein gutes Zeichen. Abwehrend hob ich meine Arme.
Das ist kein guter Zeitpunkt!
„Halt, ist doch jetzt egal wer was mit wem hat. Ich will wissen was hier los ist und ich glaube kaum, dass wegen einer Schmiererei ein ganzes Arsenal an Bullen anmarschiert.“, warf ich einfach peinlich berührt ein und deutete auf fünf Polizisten welche gerade in das Theater verschwanden, nachdem ich kurz zum Eingang schielte.  
Plötzlich wurde es unruhig hinter mir. Mein Blick wendete sich zur Schwarzhaarigen, die etwas aufgekratzter wurde. Meine Mimik wurde unsicher und meine Augen wanderten zu zwei anderen bekannten Gesichtern, die gerade aus dem Theater kamen.  
„Ah... Der Säufer und sein Plastikspielzeug.“, spottete mein Ex zu ihnen herüber und Hanks Gesichtsausdruck verfinsterte sich, als dieser zu uns sah. Unweigerlich musste ich schlucken, denn beiden kamen zu uns.
„Ich will eben mit meiner Nichte sprechen.“ , raunte er und zog mich dann einfach mit.
„Hank, pass' auf, dass dir dieser Fall nicht wegen persönlicher Belange entzogen wird.“, sprach Gavin höhnisch, bevor er mir zuzwinkerte und dann abzog. Missmutig schaute ich ihm hinterher, ebenso wie Connor es tat. Nur emotionsloser. Etwas verwirrt wurde zum Droiden geschaut, ehe mein Onkel meine Aufmerksamkeit bekam.
„Hat er dir wehgetan?“, erkundigte er sich väterlich. Schnell schüttelte ich den Kopf und suchte nach meiner Freundin. Die war allerdings verschwunden. Verwirrt suchte ich nach ihr, doch nirgends war sie zu sehen. Das bereitete mir Sorge, aber vielleicht war diese auch nicht notwendig.
Ich nahm es hin, schließlich machte sie öfters solche Dinge.  Aber ob das jetzt eine gute Entscheidung von ihr war.
„Emy, hast du in letzter Zeit irgendetwas Verdächtiges gesehen?“, wollte er von mir wissen. Der braunhaarige Androide trat näher und schaute mich beinahe durchdringend an, dass mir Unbehagen bereitete.
„Nein.“, antworte ich nervös, doch war ich aufrichtig.
„Miss Flynn, es ist von äußerster Wichtigkeit. Ist Ihnen wirklich niemand begegnet der sich anders Verhalten hat?“ Als der Androide zu mir eindringlich sprach, dämmerte mir das gestrige Gespräch ins Gedächtnis. Aufgerührt zog ich meine Brauen zusammen und schüttelte meinen Kopf. Die Züge im Gesicht des Maschinenmenschen schienen angespannt.
„Bedräng' hier nicht meine Nichte. Verstanden, Connor?“, brummte der Alte und schob ihn etwas grob von mir weg. Seine Kreis-LED leuchtete gelb.
„Sir, meine Mission ist sehr wichtig.“, drang er und schien felsenfest entschlossen. Ich war mir nicht sicher. Warum war mir so, als ob hier etwas faul war?
Einerseits bin ich neugierig gewesen, was diese Schmiererei sein sollte, weswegen der Android mit Onkel Hank sicher aufgetaucht war. Andererseits wollte ich nicht in einen Fall verwickelt werden. Größtmöglich hielt ich mich von sämtlichen Ärgernissen fern. Nur heute wollte es gar nicht klappen.
Connor jagte abgewichene Maschinen. Doch fragte man sich, ob es nicht doch idiotisch war. Je mehr ich nachdachte ging mir ein Licht auf und es schien gar nicht so unlogisch, dass sich jemand in das Theater eingeschmuggelt hatte, geschweige einen Abweichler versteckte.
Ich war mir außerdem ganz sicher, dass die in diesem Theater arbeiteten verdächtig waren, insbesondere mir. Man saß in der Scheiße.
Aber was ist das für ein Zeug an der Kellerwand?, schoss es mir durch den Kopf. Fragen wollte man jedoch nicht, bloß war der Drang danach vorhanden.
„Gavin erwähnte eine Schmiererei.“, plapperte mein Mundwerk aus. Es schien so als wären meine Worte schneller als mein Gehirn. Beide Anwesenden sahen zu mir, wodurch ich verlegen dreinblickte. Ja, dieser Moment war eindeutig mehr als nur unangenehm. Ich bat nicht um eine solche Aufmerksamkeit.
Hank setzte zum sprechen an. Der androidische Ermittler hingegen legte eine Hand auf seine Schulter und sah ihn mahnend an.
„Lieutenant, sie ist eine Zivilistin und eine mögliche Verdächtige.“ Es wurde bestätigt! Ich war offiziell verdächtigt!
Herzlichen Glückwunsch, Emely!
„Was soll sie bitte schön damit anfangen können? Selbst zum Abweichler werden? Ich glaube deine Software ist kaputt.“, brüllte er den künstlichen Menschen am. Man selbst zuckte zusammen und wünschte sich an einen angenehmeren Ort. Connor verstummte und endlich schien er menschlich zu reagieren, indem er etwas verstört zu mir sah. Meine Augen weiteten sich, denn damit hatte ich wirklich gar nicht gerechnet.
Hank stellte sich zwischen uns, als wolle er mich in Schutz nehmen und wendete sich mit besorgter Mimik zu mir. Fragend schaute ich ihn an und wartete ab, bevor ich etwas sagen würde.
„Kleine, ich bitte dich hier zu warten. Nicht als leitender Polizeibeamter, sondern als Familienmitglied.“, erwähnte er väterlich und leise, was seinen Blick nur sorgenvoller betonte. „Dein gottesfürchtiger Vater würde mir gewaltig den Arsch aufreißen und persönlich den Teufel beschwören wollen.“
Ich biss mir auf die Unterlippe und ein seltsames Gefühl kam in mir hoch. Bevor ich antworten konnte, waren Connor und er auf dem Weg zum Theater. Nun aber stand ich im Zwiespalt mit mir selbst.

Was sollte ich tun?

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Autor

HijiFjoersks Profilbild HijiFjoersk

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Kapitel:2
Sätze:516
Wörter:6.496
Zeichen:38.963

Kurzbeschreibung

„Ich will nur leben. Ich will akzeptiert werden. Nicht als Maschine...“, wisperte es und die Stimme die vom Audioprozessor erzeugt wurde zitterte. „ ...sondern als Wesen.“ Rotes eisenhaltiges Blut tropfte auf das flüssig ölige Thirium und immer mehr verschmolz es zu einer violetten Farbe. [Connor x OC / Ich-Erzählung als Emely, Connor und Hank]

Kategorisierung

Diese Fanfiction wurde mit Familie, Freundschaft und Science Fiction getaggt.