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Detroit Evolution - Break Room Orders

5
06.06.20 01:15
12 Ab 12 Jahren
Homosexualität
Asexualität
Fertiggestellt

Autorennotiz

Eine wichtige Info vorab: Dieser Oneshot basiert auf dem brillanten DBH-Fanfilm "Detroit Evolution" von Octopunk Media. Der Film ist auf Youtube verfügbar und ich empfehle dringend, ihn sich zu Gemüte zu führen, bevor ihr diesen Oneshot lest, damit ihr den korrekten Kontext habt und die kleinen und großen Andeutungen versteht, die sich darin finden.
Darüber hinaus kann ich euch den Film auch abseits dieser Geschichte nur ans Herz legen. Neben sehr hochwertigen technischen Aspekten (Musik, Kostüme, Setpieces, Schnitt, Shotkomposition, etc...) und hochtalentierten Schauspielern, quillt der Film über vor Herz und Passion und ich kann jedem DBH-/Reed900-Fan nur dringendst raten, sich den Film zu Gemüte zu führen und den Machern etwas Liebe in Form von Likes und Kommentaren dazulassen. Sie haben etwas Außerordentliches für uns Fans erschaffen und ich wünsche ihnen allen Erfolg, der ihnen dafür zusteht.

Als Nines gerade seine Jacke anzog und die leere Kaffeetasse von Gavins Schreibtisch nahm, stellte er überrascht fest, dass in der Kaffeeküche der Station noch Licht brannte. Irritiert ging er hinüber. Es war fast Mitternacht und außer einigen dösenden Officers und Androiden an der Rezeption befand sich niemand mehr im Gebäude.

Nines konnte hören, wie jemand im Mitarbeiterkühlschrank wühlte. Als er den Pausenraum betrat, lehnte er sich kurz zur Seite, um an der geöffneten Kühlschranktür vorbei blicken zu können. Dann sagte er: „Guten Abend, Captain.“

Fowler zuckte zusammen und hätte sich beinah den Kopf an der Kühlschrankdecke geschlagen. In der Hand hielt er eine offene Packung Mini-Donuts, die Hank früher am Tag im Kühlschrank eingelagert hatte. „Scheiße, Nines, schleich' dich nicht so an mich ran! Ich krieg noch einen Herzinfarkt!“

„Verzeihung“, entschuldigte Nines sich und trat an die Spüle. Er ließ das Wasser kurz laufen, bis es heiß genug war um die getrockneten Kaffeespuren lösen zu können, dann füllte er die Tasse um sie einzuweichen. „Schauen Sie im Gemüsefach nach. Hank hat dort eine Zimtschnecke versteckt.“

Fowler starrte ihn kurz mit skeptischer Miene an, dann zog er das Gemüsefach auf und wühlte sich durch Karotten und Avocados. Als er wieder hervorkam, hielt er triumphierend eine Zimtschnecke in der Hand. „Ha, ich wusste es. Weiß Connor von Hanks Sünden?“, fragte er und fuchtelte mit dem Gebäckstück herum.

„Er hat Hank das Gemüsefach empfohlen. Dort sucht niemand nach Süßigkeiten“, schmunzelte Nines und griff sich die Seife. Mit schnellen Handgriffen wusch er die Kaffeetasse aus und stellte sie auf das Abtropfgitter.

„Hätte ich mir denken können... und warum machst du Reeds Abwasch, wenn ich fragen darf?“ Fowler ließ sich schwerfällig auf einen der Plastikstühle sinken und biss herzhaft in die Zimtschnecke.

„Ich habe ihm gesagt, dass er nach Hause fahren und sich ausruhen soll. Wir waren ohnehin fast fertig und die letzten Berichte konnte ich allein zu Ende schreiben.“

„Und das hat er akzeptiert?“

„Nach dem vierten Überredungsversuch, ja.“

Fowler betrachtete ihn nach dieser Antwort mit einem Blick, den Nines nicht so recht deuten konnte. Der Captain hatte die außergewöhnliche Begabung, praktisch immer verärgert auszusehen, selbst, wenn er es nicht war. Was es Nines erschwerte, seine wahren Launen in seinem Gesicht ablesen zu können.

Schließlich schnaubte Fowler, biss erneut in die Zimtschnecke und sagte mit vollem Mund: „Setz' dich. Nimm dir n'Glas Thirium oder so.“

Nines' LED zirkelte einmal gelb, ehe sie wieder zu blau wechselte. „Meine Thiriumreserven sind voll“, widersprach er unsicher. „Die Vorräte sollten für den Notfall aufgehoben werden, falls ein Android verletzt...“

„Nun setz dich schon hin. Ist ein Befehl“, unterbrach Fowler ihn brüsk und stieß mit dem Fuß gegen einen freien Stuhl. Nines zögerte noch kurz, dann ließ er sich neben Fowler an den Tisch sinken.

Fowler schwieg noch eine Weile, dann legte er die Zimtschnecke beiseite und zog seine Tasse heran.

Als er nach einem tiefen Schluck Kaffee immer noch nichts sagte, fragte Nines höflich: „Wenn mir die Frage gestattet ist... warum sind Sie noch so spät hier? Ich dachte, Sie hatten heute schon längst Feierabend.“

Fowler murmelte etwas in seine Tasse, so undeutlich, dass Nines es nicht verstand, dann antwortete er: „Hab noch Papierkram zu erledigen. Hank und Connor wurden vom LAPD gebeten, sie bei einer Untersuchung zu unterstützen und ich muss die entsprechenden Befehle aufsetzen.“

Dann trommelte er mit den Fingern ungeduldig auf der Tischplatte herum. Nines ließ eine Situationsanalyse laufen, um herauszufinden, warum Fowler ihn aufgefordert hatte, sich hinzusetzen. Doch er kam zu keinem Ergebnis – es gab keinen Grund, der ihm bekannt wäre, warum sein Captain mit ihm persönlich sprechen wollen sollte.

Dann sagte Fowler: „Ich hab übrigens 'ne Beschwerde bekommen. Über dich und Reed. Anscheinend fühlen sich Kollegen von euren... unprofessionellen Zuneigungsbekundungen während der Dienstzeit belästigt.“

Sofort sprang Nines' LED auf rot und er versuchte sich daran zu erinnern, wann er und Gavin im Dienst Zuneigungsbekundungen ausgetauscht hatten. Sie hatten sich stillschweigend darauf geeinigt, Privatsphäre und Arbeit strikt zu trennen und sich nicht zu küssen, während sie in der Station waren. Allerdings kam es vor, dass sie einander oberflächlich berührten. Ein gerichteter Kragen, eine Hand auf der Schulter, wenn sie gemeinsam über eine Fallakte gebeugt dastanden oder sich berührende Ellbogen, wenn sie nebeneinander im Pausenraum standen. Eigentlich nichts, das eine Beschwerde rechtfertigen würde. Eigentlich...

„Captain, sollte mein oder Gavins Verhalten das Arbeitsklima unter den Kollegen beeinträchtigen, möchte ich mich aufrichtig dafür entschuldigen“, stellte Nines sofort klar. „Wenn sich jemand gestört fühlt, werden wir...“

„Ich habe ihm gesagt...“, unterbrach Fowler ihn erneut. Er ging gar nicht auf Nines Versuche einer Entschuldigung ein. „...wenn ihm das Arbeitsklima hier nicht zusagt, soll er mir den Antrag auf Versetzung auf den Schreibtisch legen. Macht sich natürlich nicht gut in seinem Lebenslauf, aber vielleicht geht es auf anderen Stationen ja professioneller zu.“

Er hob den Blick und sah Nines an, dessen LED in verwirrten gelb blinkte. „Captain, ich verstehe nicht...“

„Ich mache den Job lange genug, um angebrachte Beschwerden von neidischen Stänkereien unterscheiden zu können. Mir ist scheißegal, was du und Gavin in eurer Freizeit treibt, solange eure Arbeit nicht darunter leidet. Und da das bisher nicht der Fall ist, sehe ich keinen Handlungsbedarf."

Nines schloss verblüfft den Mund, seine LED drehte sich wieder auf blau. „Das ist... sehr freundlich von Ihnen“, antwortete er diplomatisch.

Fowler schnaubte und trank wieder von seinem Kaffee. Dabei schien sein Blick Nines beinah zu durchbohren. Als er abgesetzt hatte, zupfte er ein Stück von der Zimtschnecke ab und sagte leiser: „Du tust ihm gut, Nines. Das wäre mir auch ein Dutzend Beschwerden wert.“

Nines sah überrascht zu ihm auf. In einer Ecke seiner HUD öffnete sich eine kleine Warnung, dass dieses Gespräch den Bereich der Professionalität zu verlassen drohte. Eigentlich sollte er wohl darauf hinweisen, dass derlei Kommentare unangebracht waren. Jedoch hielt ihn irgendetwas davon ab. Schweigend sah er Fowler an, mit dem unbestimmten Gefühl, dass der Captain noch nicht fertig war.

Fowler hatte sich das Stück Zimtschnecke in den Mund gestopft und mit Kaffee nachgespült, dann fuhr er fort: „Cops müssen abgehärtet sein, wenn sie diesen Job machen wollen, aber Gavin hatte schon immer Probleme, sich Grenzen zu setzen.“

Fowler senkte den Blick und starrte in den Rest seines Kaffees. „Hat Gavin dir je erzählt, wie er im DPD gelandet ist?“, fragte er, ohne aufzusehen.

Nines nickte und bestätigte: „Hat er.“

Fowler stieß ein winziges Schnauben aus. „Keine Ahnung, was damals in mich gefahren ist. Kids von der Straße aufzulesen war Hanks Ding. Ich hab ihn immer gewarnt, dass er sich damit Ärger einhandeln könnte. Was glaubst du, wie er mich ausgelacht hat, als ich ihm gestanden hab, dass ich seine Hilfe brauchte, einen Streuner ins DPD zu schleusen.“

Nines überlegte, ob es klug war, etwas dazu zu sagen. Dann fragte er: „Bereuen Sie es etwa?“

Fowlers Blick fuhr hoch, diesmal definitiv verärgert. „Stell keine so blöden Fragen“, schnauzte er Nines an. „Ich bin verdammt stolz auf den Burschen. Er ist ein guter Detective und wenn er lernt, besser auf sich acht zu geben, kann er es bis zum Lieutenant bringen, wenn er das will. Er ist ein sturer Hund und er raubt mir manchmal den letzten Nerv, aber ich habe es nie bereut. Ein Becher Kaffee ist ein guter Preis für einen Cop wie ihn.“

Er verstummte, als er das Lächeln auf Nines' Lippen sah. „Ah, du listiges Stück Plastik“, fluchte er leise. „Wolltest nur, dass ich es laut ausspreche, hm?“

„Möglicherweise“, blieb ihm Nines eine eindeutige Antwort schuldig. Dann fügte er hinzu: „Er ist Ihnen dankbar. Viel mehr, als Sie es sich vorstellen können. Auch, wenn er das nicht immer zeigt.“

Er zögerte mit seinen nächsten Worten, unsicher, wie Fowler sie aufnehmen würde. Dann sprach er sie trotzdem aus: „Und ich bin Ihnen ebenfalls dankbar, Captain. Ich weiß nicht, wie ich es in Worte fassen kann, aber... danke. Dafür, dass Sie nicht weggesehen haben.“

Fowler starrte ihn an und wirkte etwas peinlich berührt. Dann schüttelte er leicht den Kopf und seine Mundwinkel zuckten. „Wenn du eine Gehaltserhöhung willst, kannst du es auch einfach sagen. Scheiße...“

Er stürzte den Rest des Kaffees hinunter und erhob sich. Nines blieb sitzen und beobachtete ihn dabei, unsicher ob seine Worte womöglich zu gewagt gewesen waren. Fowler spülte seine Tasse aus und stellte sie beiseite. Dann seufzte er und murmelte: „Ich sollte wieder an die Arbeit gehen. Die verdammten Befehle schreiben sich nicht von selbst und ich will irgendwann auch noch mal nach Hause.“

Er machte Anstalten, den Pausenraum zu verlassen, blieb dann jedoch noch einmal stehen und legte Nines eine Hand auf die Schulter. Seine Finger drückten leicht zu und er sagte leise: „Ich danke dir. Tu mir den Gefallen und hab für mich ein Auge auf ihn, ja? Er glaubt immer noch, dass er mir irgendwas beweisen müsste... er kann jemandem brauchen, der ihn hin und wieder auf andere Gedanken bringt.“

Nines LED blinkte bei diesen Worten auf, doch Fowler bemerkte es nicht, oder er ignorierte es. Er nahm die Hand von Nines' Schulter und setzte mit etwas festerer Stimme nach: „Und lass dir von ihm nicht auf der Nase 'rumtanzen! Wenn irgendwer etwas Gegenwind verdient hat, ist es Reed. Und jetzt mach, dass du nach Hause kommst. Du hast sowieso schon viel zu viele Überstunden angesammelt.“

Damit ließ er Nines sitzen und begab sich zurück in sein Büro.

Nines sah ihm nach, seine LED blinkte nachdenklich.

Er hatte Captain Fowler immer als Vorgesetzten zu schätzen gewusst. Er war ein Mann, der klare Regeln setzte und gute Arbeit belohnte. Er hatte genauso wenig gewusst, wie man mit Androiden umgehen sollte, wie alle anderen auch, doch er hatte Nines nie das Gefühl gegeben, dass er seine Fähigkeiten nicht zu schätzen wusste. Doch über den beruflichen Aspekt hinaus hatte es nie allzu viel Freundlichkeit zwischen ihnen gegeben.

Umso tiefer traf nun die Erkenntnis, dass ihn und Fowler etwas verband, das außer ihnen beiden wohl kaum jemand je verstehen könnte.

Ein kleines Lächeln stahl sich auf seine Lippen. „Zu Befehl, Captain“, murmelte er in die Stille des leeren Pausenraums. Dann erhob er sich, löschte die Lichter und machte sich auf den Weg zum Ausgang. Im Vorbeigehen nickte er Fowler durch die Glasfassade seines Büros zu und Fowler nickte knapp zurück.

Dann verließ Nines die Station und begab sich auf den Heimweg.

Er hatte Gavin gesagt, er solle nicht auf ihn warten, doch natürlich hatte er nicht auf Nines gehört. Als Nines die Wohnung betrat, konnte er den Fernseher hören und im Wohnzimmer fand er Gavin auf der Couch liegend vor. Er war wohl weggedöst, doch als Nines eintrat, öffnete er blinzelnd die Augen.

„Hey“, murmelte er mit schlaftrunkener Stimme und streckte sich. Dann sah er sich um und versuchte sein Smartphone vom Couchtisch zu angeln. „Wie spät ist es? Hast länger gebraucht, als ich dachte.“

„Es ist halb zwei Uhr früh. Warum bist du nicht im Bett?“, antwortete Nines ihm, während er seine Jacke auszog und an die Haken neben der Tür hängte.

Gavin setzte sich gähnend auf und fuhr sich mit den Händen durchs Gesicht. Dann nahm er sein Tablet vom Tisch. „Ich bin nochmal die Akte von dem Typen vom Tatort durchgegangen. Ich hab gedacht, ich hätte vielleicht was übersehen. Dabei ist mir aufgefallen...“

Drei schnelle Schritte, dann beugte sich Nines über die Couch und presste seine Lippen auf Gavins.

Gavin verschluckte sich fast vor Überraschung und starrte Nines irritiert an. „Was machst du denn, Blechbüchse?“

„Dich auf andere Gedanken bringen“, murmelte Nines gegen Gavins Lippen und küsste ihn erneut. Diesmal kam ihm Gavin entgegen und zufrieden bemerkte Nines, wie sich die Hand, die eben noch das Tablet gehalten hatte, stattdessen in seinen Nacken legte.

Mission erfüllt. Für jetzt.

„Lass uns schlafen gehen, Gavin“, flüsterte Nines und ergriff Gavins Arm, um ihn daran auf die Beine zu ziehen. „Du kannst mir morgen früh zeigen, was du gefunden hast.“

Gavin legte den Kopf schief und betrachtete ihn skeptisch. „Ist alles in Ordnung, Nines? Du wirkst so... zufrieden?“

Nines schenkte ihm ein schiefes Grinsen. „Ich habe mich auf der Station ein wenig mit Captain Fowler unterhalten. Wir haben uns gemeinsam über deine schlechte Angewohnheit beschwert, dein Schmutzgeschirr immer in der Station verteilt stehen zu lassen. Das hat meinen Arbeitsspeicher entlastet.“

„Ha ha, sehr witzig. Arschloch“, antwortete Gavin und rollte mit den Augen. Dann gähnte er noch einmal und trat an Nines vorbei zur Schlafzimmertür. „Ich hab deine Klamotten aus dem Trockner geholt. Hängen im Bad, falls du dich umziehen willst.“

Nines lächelte. „Danke. Ich komme gleich nach.“

Gavin nickte und begab sich zu Bett. Nines beeilte sich, sich seiner Alltagskleidung zu entledigen und sich ein schlichtes Shirt und ein Paar Shorts überzuziehen. Dann folgte er Gavin ins Schlafzimmer und ließ sich neben ihn ins Bett sinken, wie er es immer tat.

Gavin rückte so nahe heran, wie es eben ging, bevor er zugeben müsste, dass er kuschelte. Dann schloss er die Augen und grummelte: „Nacht, Blechbüchse.“

Nines schmunzelte und flüsterte zurück: „Gute Nacht, Gavin.“

Er wartete wie immer, bis Gavin eingeschlafen war, um Anzeichen von Albträumen frühzeitig erkennen zu können, erst dann schloss er selbst die Augen. Bevor er sich in seine Stasis begab, erstellte er ein neues Missionsziel mit dem Vermerk 'auf unbestimmte Dauer' und speicherte es in dem Ordner für aktive Befehle ab.

>>Mission:
„Tu mir den Gefallen und hab für mich ein Auge auf ihn, ja?“

Noch nie hatte er sich so sehr darauf gefreut, einen Befehl ausführen zu können.
 

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Kurzbeschreibung

Nines und Captain Fowler hatten sich nie sonderlich viel zu sagen. Bis jetzt. | Fanfiction zu Detroit Evolution. Bitte Autorennotiz lesen.

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Diese Fanfiction wurde mit Romanze und Freundschaft getaggt.