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Die letzte Chance

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14.12.2019 16:28
6 Ab 6 Jahren
In Arbeit

Autorennotiz

Hallo, das ist meine erste FF hier, ich hoffe, sie gefällt euch. Viel Spaß beim Lesen. :-)
Kommentare sind jederzeit willkommen.

Die Geschichte ist eine kleine Erinnerung an die KFP Figur Lord Shen aus "Kung Fu Panda 2".


1. Lebendig und verurteilt

Geistesabwesend starrte Po auf das zerstörte Schiff, wo er Lord Shen das letzte Mal gesehen hatte. Feuerwerk erfüllte die Luft, gemischt mit Schießpulver und dem Geruch vom nassem Holz. Der Panda strich sich über sein feuchtes Fell. Seine Knie zitterten ein wenig. Was für ein Tag. Er hatte tatsächlich eine ganze Armee besiegt. Und seinen inneren Frieden gefunden. Doch trotz des ganzen Triumphes drückte ihn etwas unglaublich Schweres auf der Seele.
„Nimms nicht so schwer, Po“, sagte Monkey.
Po drehte sich um und blickte in die Gesichter seiner Freunde.
„Du hast das Richtige getan“, fügte Tigress hinzu und nickte ihm aufmunternd zu.
„Ja“, murmelte Po noch etwas traurig. „Ja, das habe ich, aber dennoch, ich hatte so gehofft er würde begreifen und…“
Er unterbrach sich selber und schaute wieder zurück auf das sinkende Schiffsfrack, wo immer noch über ihm Feuerwerkskörper mit lautem Krachen explodierten. Die Farben waren wunderschön, aber der Drachenkrieger wusste, dass dieses bezaubernde Schauspiel mit Traurigkeit vermischt war, für eine Kreatur, die gefangen gewesen mit Hass und überheblichem Stolz. Nachdem er ihm die Entscheidung überlassen hatte, hatte er gehofft, er würde diesmal das Richtige wählen, aber es war anders gekommen.
„Po?“
Shifus Stimme holte ihn wieder aus seinen tiefen Gedanken zurück.
Der kleine rote Panda schaute ihn mit ernsten aber auch warmen Blick an.
„Es war seine eigene Entscheidung gewesen, die du nicht ändern konntest. Du hingegen hast alles richtig gemacht. Er wählte seinen Weg und bekam das was er verdiente.“
Po nickte nach einer Weile. Sein Lehrer hatte Recht.
„Und sieh nur, Po.“ Shifu deutete hinter sich. „Du hast Gongmen gerettet. Du hast China vor einer Katastrophe bewahrt. Das ist mehr als man erwarten konnte.“
Ein kleines Lächeln glitt über das Gesicht des Drachenkriegers. „Das stimmt.“
Sein Blick wanderte zurück zu seinen Freunden, die inzwischen von mehreren Stadtleuten gefeiert wurden.
Po seufzte tief und gesellte sich zu den anderen ins Stadtzentrum. Aber was wäre passiert, wenn er Shen gepackt hätte bevor die schwere Kanone auf ihn herabgesaust wäre? Er fand darauf keine Antwort. Aber vielleicht war es doch das beste für alle. Er hatte seinen Frieden gefunden. Für immer.
Po holte tief Luft und schwang die Arme hoch.
„Yeeeaaah! Jetzt ist Party!“

Die Zeit flog dahin und Po und seine Freunde waren in der Zwischenzeit wieder zum Jade-Palast zurückgekehrt. Nach all dem hatte Po über so vieles nachzudenken. Über seine Begegnung mit Shen und auch über seine Familie.
Doch über das was sich inzwischen in Gongmen abspielte, hatte er keine Ahnung…

Stadt Gongmen

Nach dem Sieg über Shen hatten Meister Kroko und Meister Tosender Ochse wieder die Kontrolle über die Stadt und waren damit beschäftigt die Stadt von Shens Anhängern zu räumen. Ebenso die zerstörten Gebäude, die durch Shens Machenschaften zerstört wurden, mussten wiederaufgebaut werden und das abgerissen, was Shen für den Bau seiner Kanonen verwendet hatte. Auch das Einsammeln der Trümmerteile im Fluss war reinste Knochenarbeit. Nashornsoldaten patrouillierten durch die Stadt, stets ein wachsames Auge, da Shens Leute sich immer noch herumtrieben, bis auch diese das Feld räumten.
Meister Ochse und Meister Kroko hatten ihr Quartier in einem Haus neben dem zerstörten Palastturm aufgeschlagen und beide hofften inständig bald wieder zum normalen Alltag übergehen zu können. Doch bevor sie das tun konnten, unterbrach etwas ihre Hoffnung auf Frieden, als ein Wächter mit schnellen Schritten ins Haus gerannt kam.
„Meister Kroko! Meister Tosender Ochse!“, rief er. „Wir haben etwas im Hafen gefunden!“
Meister Ochse verdrehte die Augen. Er konnte sich beim besten Willen nicht vorstellen, dass die Wächter etwas gefunden haben, was ihn überrascht hätte.
Das Nashorn beugte sich vor und flüsterte den beiden etwas zu.
Meister Ochse, der jetzt doch überrascht war, und Meister Kroko standen jetzt da mit großen Augen.
„Seid ihr sicher?“, fragte Meister Ochse ungläubig.
„Ziemlich sicher“, beteuerte das Nashorn.
Die beiden Meister wechselten kurz einen Blick, dann verließen sie eilig das Haus.

Am Hafen hatten sich mehrere Leute versammelt und standen in einer Menschentraube um etwas herum. In deren Mitte standen rechts und links zwei Nashörner, ihre Speere auf dem Boden gerichtet.
Als die zwei Meister eintrafen, machten die Leute ihnen respektvoll Platz.
Irgendetwas weißes schmutziges lag auf den Holzsteg. Beide Meister erkannten die Gestalt des Ex-Herrschers. Der Körper was nass, überzogen mit leicht angesenkten Federn. Auch die Robe war teilweise zerrissen.
„Sieht tot aus“, meinte Meister Kroko.
„Er atmet noch“, entgegnete ihnen ein dünnes Schaf in violetten Mantel, bei dem es sich um den Stadt-Doktor handelte.
„Wird er überleben?“, fragte Meister Ochse düster.
„Nun, ja und nein.“
„Ja oder nein?“, fragte der Meister hartnäckig.
„Er befindet sich in einem schlechten Zustand, aber er scheint nicht sehr schwer verletzt zu sein. Mit etwas ärztlicher Behandlung, denke ich…“
„Er verdient keine ärztliche Behandlung!“, schnitt Meister Ochse ihm das Wort ab.
Er gab den zwei Nashorn-Wärtern ein Zeichen und einer von ihnen zog sein Schwert.
Auf einmal entstand ein Ruck durch den Vogelkörper. Die zwei Kung Fu Meister nahmen sofort eine kampfbereite Position ein. Die Nashörner hielten ihre Speere weiter runter und hielten mit den Spitzen den Kopf des Pfaus fest. Einige Leute wichen erschrocken zurück. Jeder fürchtete sich vor einem möglichen Angriff des Lords. Doch dieser stand nicht auf. Stattdessen bewegte der Pfau nur ein wenig seine Flügel. Seine Augenlider flackerten heftig. Schließlich schaffte er es den Kopf zu bewegen. Meister Ochse spannte seine Arme an, um einen Angriff von Shen so früh wie möglich abwehren zu können, doch der Vogel war viel zu geschwächt um sich zu erheben. Zudem hielten ihn die Nashörner immer noch mit ihren Speerspitzen am Boden fest, die sich jetzt wieder etwas enger um seinen Hals schoben. Meister Ochse entspannte etwas seine Haltung, als er sah, dass der Lord nicht für einen Kampf bereit war. Shen öffnete etwas seinen Schnabel, doch er war völlig außer Stande auch nur einen Laut von sich zu geben, nur ein heiseres kaum hörbares Krächzen. Doch er hatte noch die Kraft sich umzuschauen. Zuerst sah er Meister Tosender Ochse und Meister Kroko neben sich stehen. Anschließend wanderte sein Blick mit zittriger Bewegung weiter nach oben zu den zwei Nashörnern, einer mit einem Schwert in der Hand, welches direkt über ihn gerichtet war. Der Herrscher stöhnte mit zittriger Stimme, sehr wohl wissend in was für einer gefährlichen Lage er sich befand. Seine Augen wanderten zurück zu Meister Ochse. Dieser verschränkte die Arme und schaute mit verächtlicher Geste auf ihn herab. Shen ließ ihn nicht aus den Augen, die vor lauter Hass brannten. Er weigerte sich um Gnade zu betteln. Nach mehreren schweren Atemzügen, ließ der Lord seinen Körper auf den Boden sinken, ohne ein Zeichen von Angst, und schaute den Meister mit hämischem Blick und einem gemeinen Lächeln auf den Lippen an. Meister Ochse verengte die Augen vor Wut. Diese verfluchte Kreatur zeigte keine Spur von Reue.  
In diesem Moment schwang das Nashorn das Schwert über Shens Hals.
Plötzlich hob Meiser Ochse die Hand. „Warte.“
„Warte?“ Meister Kroko verstand nicht. „Wieso warten?“
„War das jetzt ein ja oder nein?“, frage das Nashorn irritiert.
„Werft ihn in den Kerker“, befahl der Ochse ohne weitere Erklärungen.
Die zwei Nashörner packten den Pfau an den Flügeln und zerrten ihn weg. Shen stöhnte leise, während sein ehemals stolzer Körper hängend über den Boden geschliffen wurde.

„Ich verstehe dich einfach nicht. Wieso hast du ihn verschont?“, fragte Meister Kroko, als sie ihr Hauptquartier wieder erreicht hatten.
Meister Ochse lachte. „Wer sagt denn, dass ich ihn verschonen werde?“
Meister Kroko hielt mit offenem Mund inne. „Was?“
„Hast du es etwa vergessen?“
Sein Kollege verstand immer noch nicht und sah ihn fragend an.
„Lass mich dir deinem Gedächtnis mal auf die Sprünge helfen.“
Mit diesen Worten wandte sich der Ochse zu einem Bücherregal, in dem mehrere Pergamentrollen lagen. Ohne lange zu suchen, zog er eine davon heraus und breitete sie auf den Tisch aus.
„Hier, dieses Schriftstück wurde vor 30 Jahren aufgesetzt, kurz nach Shens Verbannung.“
Meister Kroko seufzte. „Ich erinnere mich. Sein Vater schrieb es unter Tränen, seine Mutter weinte an seiner Schulter mit…“
Ein lautes Schnauben von Meister Ochse unterbrach ihn und der mächtige Kung Fu Meister fuhr mit seinen Erläuterungen fort: „Es heißt hier, dass, sollte Shen jemals zurückkommen, soll er für seine Vergehen bezüglich des Angriffs auf das Panda-Dorf bestraft werden. Seine Eltern standen vor zwei Möglichkeiten. Erstens, Verbannung, oder zweitens Gefängnis für immer. Sie entschieden sich für die Verbannung und dass er nie wieder einen Fuß in diese Stadt setzen durfte.“
Es folgte eine kurze Pause bevor er weitersprach: „Jetzt ist er zurückgekehrt. Normalerweise stünde ihm jetzt ein ewiger Gefängnisaufenthalt bevor bis zum Ende seines Lebens. Meiner Meinung nach, eine sehr milde Strafe.“
Meister Kroko rieb sich verwirrt den Kopf. So wie er seinen Freund kannte, hatte er noch mehr zu sagen. „Und?“
Meister Ochse ging nicht auf seine Frage ein, sondern holte ein weiteres Pergament, welches Bestandteil der Gesetzessammlung der Stadt Gongmen war.
„Laut dem Gesetzt der Stadt Gongmen, sind Shens Straftaten jetzt weitaus höher als früher. Mit dem Mord an Meister Donnerndes Nashorn müsste er exekutiert werden. Das würde miteinschließen: Erdrosseln, in vier Teile zerlegt werden etc.… aber…“
Seine Hand wanderte weiter über das Papier nach unten. „Mit seinem Versuch China zu erobern, sind wir berechtig die absolute Höchststrafe an ihn zu verhängen.“
Meiser Kroko wusste was er damit meinte.
„Aber…“
Meister Ochse warf ihm einen wütenden Blick zu. „Was ist denn?“
„Es würde seinen Eltern das Herz brechen.“
Meister Ochse schlug mit der Hand auf den Tisch und hämmerte hart auf das Pergament. „Es ist ein Gesetzt der Stadt Gongmen! Und wir müssen diesen Vorschriften Folge leisten!“
Meister Kroko schwieg betroffen. Dann nickte er und schaute zu einem großen Gemälde auf, auf dem Shens Eltern abgebildet waren. „Mögen sie uns unsere Entscheidung vergeben.“

2. Das letzte Mal

Po gähnte laut, als er an diesem Morgen früher als sonst aufstand. Es waren bereits mehrere Tage nach ihrer Rückkehr aus Gongmen vergangen, und er hatte die Geschichte von ihrem großen Sieg immer und immer wieder im Dorf erzählen müssen.
Müde rieb er sich übers Gesicht. Er war noch ziemlich verschlafen. Er hatte etwas in seinen Träumen gesehen. Einen Albtraum.
Während seine Freunde immer noch schliefen, schlich er sich aus dem Haus nach draußen, wo er wusste, dass Meister Shifu seine Tai-Chi Entspannungsübungen unter dem Pfirsich-Baum zu tun pflegte.
Die Sonne hatte den Horizont noch nicht überschritten, und ein leichter Nebel lag über dem Tal.
„Meister Shifu?”
Meister Shifu unterbrach seine Bewegungen nicht, hob aber seine langen Ohren etwas höher. „Oh, so früh schon auf den Beinen, Drachenkrieger?“
„Äh, ja. Und ich…“
Er rieb sich den Kopf. „Nun… uuuuund…“
Shifus Augenmuskulatur spannte sich an. „Ja, Po?“
„Ich konnte nicht gut schlafen. Ich glaube, ich… das heißt, ich weiß es nicht. Vielleicht war es, weil so vieles passiert war in der Stadt… oder es ist ein dringendes Zeichen dafür, dass ich frühstücken sollte.“
„Po, was ist los?“ fragte Shifu ruhig aber ernst.
„Äh… es war mehr ein Traum gewesen.“ Po hielt einen Moment inne. „Ein ziemlich schlechter Traum.“
„Was ist damit?“, erkundigte sich Shifu weiter, ohne seine Übungen zu unterbrechen.
Po winkte ab. „Ach, es wahr vielleicht nur einer von diesen verrückten Träumen, solche von denen mein Dad mir etwas über Nudeln erzählt hatte.“
„Po!“
Mit einem Mal ließ Shifu das Üben sein und sah den Panda etwas genervt an.
Dieser seufzte tief.
„Ich habe Shen gesehen.“
Shifu erstarrte und blinzelte heftig.
„In welchem Zusammenhang? Was hast du gesehen?“
„Äh, ist das wichtig? Stimmt etwas nicht?“
„Po, sag es.“
„Nun, äh… zuerst sah ich ihn in den unendlichen Tiefen dunklen Wassers versinken und dann, dann sprang er mich plötzlich an und streckte seinen Krallen nach mir aus, direkt in mein Gesicht. Danach bin ich aufgewacht. Ich versuchte wieder einzuschlafen… und…“
„Und?“
„Und ich habs geschafft.“ Po lächelte.
Shifus Augen verengten sich noch mehr. „Po.“
„Na schön. Danach… danach hab ich in einem dunklen Raum gestanden. Ziemlich düster. Dann sah ich dort wieder Shen. Allerdings… er hing an Ketten… mit Blut.“
Po fröstelte bei den Gedanken an seinen Traum. „Puh… wenigstens bin ich danach wieder aufgewacht und hab über Nudeln nachgedacht, aber es hat nicht funktioniert. Also bin ich aufgestanden.“
Shifu sah ihn ernst an. Er drehte sich um und entfernte sich. „Na gut.“
„War das alles?“, fragte Po überrascht. „Keine weisen Ratschläge oder so was?“
„Nein“, entgegnete Shifu und spazierte weiter den Pfad entlang.
„Aber Ihr habt doch was“, rief Po und rannte hinter dem kleinen Meister her. „Ich sehe es in Euren Augen, Meister.“ Der Panda platzierte sich vor Shifu und ging im Rückschritt vor ihm her. „Wieso wollt Ihr es mir nicht sagen?“
„Da ist nichts.“
„Aber da ist doch was.“
„Nein.“
„Aber da muss was…“
„Po! Es ist genug!“
Po hielt irritiert im Lauf inne.
„Lass uns über wichtigere Dinge reden“, kommentierte Shifu und spazierte zu dem Ort, wo man einen schönen Ausblick über das Tal hatte.
„Etwas Wichtigeres?“, fragte Po etwas besorgt.
„Po, ich weiß immer noch nicht was, aber ich fühle etwas Schlimmes kommt auf unser Tal zu“, sagte Shifu ganz in Gedanken versunken.
„Was denn?“, fragte Po neugierig.
Shifu ging an den Felsen entlang. „Ich weiß es nicht, aber aus diesem Grund müssen wir besondere Vorkehrungen treffen. Besonders da das Fest des Friedens in zwei Wochen stattfinden wird.“
„Wow“, jubelte Po.
Shifu warf ihm einen skeptischen Blick zu. „Jetzt sag nicht, du hättest noch nie gehört von…“
„Doch, doch, doch, natürlich. Jeder im Dorf kennt die Geschichte. Ich kenne sie in und auswendig. Ich musste sogar mal einen Vortrag in der Schule darüber halten. Es ist das wichtigste Fest im Dorf. Vor sehr vielen Jahren war Krieg in diesem Land. Zwei Nationen kämpften gegen einander. Ihr Höhepunkt erreichte ihr Kampf in diesem Tal. Meister Oogway hatte in der Zwischenzeit die Kunst des Kung Fu erlernt und noch bevor die beiden Nationen sich gegenseitig besiegen konnten, konnte er den Frieden zwischen ihnen wiederherstellen. Von diesem Tag an bekam das Dorf seinen Namen. Aber sollte jemand jemals diesen Frieden brechen, könnte das das Ende unseres Dorfes bedeuten.“
Shifu klatschte langsam und unbeeindruckt Beifall zu Pos Ausführungen und ging in den Jade-Palast.
„Ja, Po“, fügte er monoton hinzu. „Doch diesmal wird es etwas anders sein.“
„Wieso?“
„Jetzt, da der Drachenkrieger gekommen ist, wirst du den wichtigsten Teil übernehmen.“
„Wirklich? Wow! Was muss ich tun? Eine Parade anführen? An einem Ess-Wettbewerb teilnehmen? Oder, oder…?“
„Du wirst die zwei Herrscher der zwei Nationen in unserem Dorf willkommen heißen“, unterbrach ihn Shifu. „Sie wollen kommen, um den Drachenkrieger persönlich zu begrüßen. Und dabei darf nichts schief gehen.“
„Nur keine Sorge, Meister. Ich werde sie so herzlich begrüßen, dass sie gar nicht mehr von hier weggehen wollen.“
Damit drehte sich Po nach rechts und schaute ins Leere, als würde er zu einer unsichtbaren Person reden.
„Hi, ich bin Po… äh nein… Hallo, ich bin der Drachenkrieger, nennt mich Po… nein, nein, nein… nennt mich Drachenkrieger… äh, oder soll ich sagen: „Willkommen im Tal des Friedens“ zuerst? Ja oder nein?“
Shifu bedeckte sein Gesicht mit den Händen.
„Nein, wartet, wartet, wartet. Oder wie wäre es mit "Willkommen, ich umarme euch mit der Umarmung des Friedens"… Ahhhhrggg! Ich schaff das schon, Meister. Ich schaff das schon… Ich brauche einfach nur etwas Übung.“
„Po, sei einfach du selbst, aber höflich.“
„Oh, ja, ja. Seeeehr höflich. Denn es könnte sonst das Ende unseres Dorfes bedeuten… Wirklich? Das Ende? Meister Shifu? Das ist doch nur ein Gerücht, oder? Nein?“
Shifu hob die Hand. „Po, das Beste wäre…“
Plötzlich öffneten sich die Türen und eine Palastgans kam hereingestürmt.
„Meister Shifu! Ein Eil-Brief.“
Er überreichte Shifu eine Papierrolle und entfernte sich wieder.
Shifu öffnete das Pergament und las es sich schweigend durch. Po bemerkte, wie sich das Gesicht des Meisters mit besorgen Zügen überzog.
„Schlechte Nachrichten, Meister?“, fragte Po vorsichtig. „Irgendetwas mit Ihrer Familie? Ein Überfall? Ich bin bereit…“
„Shen hat überlebt.“
Po erstarrte.
„Was?“
„Man hat ihn in der Nähe des Hafens gefunden und…“
„Der Traum!“, rief Po und rannte hin und her. „Das war eine Vision! Wir müssen sofort alle Türen schließen! Wir müssen die Fenster blockieren!“
„Po! Er sitzt im Gefängnis.“
Sofort entspannte sich der Panda. „Puh, okay, im Gefängnis, gut… Gefängnis…“ Auf einmal kamen ihm die Bilder vom Ende seines Traumes wieder in den Sinn und seine Augen wurden weit vor Entsetzen.
Mit einer schnellen Bewegung entriss er dem Meister den Brief.
„Hey!”, schimpfte Shifu. „Es ist dir nicht erlaubt…“
„Pssst!“
Po überflog die Zeilen.
„Die Höchststrafe?“
Schnell nahm Shifu das Papier wieder an sich.
„Was werden sie mit ihm machen?“, fuhr Po mit seiner Frage fort.
„Po, es gibt Dinge, die unausgesprochen bleiben sollen. Das Konzil hat entschieden an Shen die Höchststrafe zu verhängen.“
„Äh, okaaaay. Gut, äh. Was bedeutet das?“
Shifu schieg. Er rollte die Papierrolle zusammen und entfernte sich mit langsamen Schritten, während Po ihm unaufhaltsam folgte.
„Haben die vor ihn zu töten?“
„Po, du musst wissen, es gibt Situationen, in denen man nicht mehr leben möchte.“
Po ahnte, dass es kein gutes Zeichen war. Still blieb er stehen und öffnete mit etwas Zögern wieder den Mund.
„Kann ich ihn besuchen?“
„Nein!“ Shifu wandte sich um und deutete mit dem Brief auf ihn. „Ich weiß, du bist der Drachenkrieger, aber du bist immer noch zu jung um dir solche Dinge ansehen zu müssen. Es ist ein Prozess von Schmerzen und todesnahen Qualen. Sie werden ihn so lange wie möglich am Leben halten während sie in foltern.“
Po schluckte.
„Wann soll es geschehen?“
„Po! Ich sagte, du bleibst hier!“
„Ich will doch nur wissen, wann.“
„Ich weiß es nicht. Sie schreiben nur, dass es in kürzester Zeit passieren wird. Ich vermute, dass sie ihm Zeit geben wollen seine Kräfte zu sammeln bis er stark genug ist. Es ist eine alte Regel, dass ein Gefangener in guter Verfassung zu sein hat, um die Folter lange genug zu ertragen.“
Po tippte nervös seine Fingerspitzen zusammen. „Ähm… Darf ich mit ihm reden?“
Shifu legte seine Ohren zurück. „Po, er hat deine Eltern ermordet. Wieso willst du ihn sehen?“
„Ich möchte mit ihm in aller Ruhe reden. Nur noch ein letztes Mal.“
„Du bist sein größter Feind. Ich glaube nicht, dass er dich sehen will.“
„Er war der Letzte, der meine Eltern gesehen hatte. Ich habe noch einige Fragen an ihn. Als wir das letzte Mal darüber gesprochen hatten, war es ein wenig zu... kurz. Wenigstens für ein paar Minuten.“
Shifu sah ihn skeptisch an, dann seufzte er tief.
„Po. Ich kenne deine Gutmütigkeit, die ich auch sehr wertschätze, aber wag es nicht dem Konzil von Gongmen zu widersprechen. Es ist beschlossene Sache, die nicht mehr rückgängig gemacht werden kann. Auch eine alte Regel.“
Po schwieg, dann nickte er.
„In Ordnung.“
Meister Shifu verengte die Augen. „Po. Versprich es.“
Po seufzte. „Ich verspreche es.“
„Na schön. In diesem Fall hast du meine Erlaubnis zu gehen. Aber! Das du mir ja innerhalb von zwei Wochen wieder zurückbist, noch bevor das Fest beginnt.“

3. Alleine ist nicht genug


„Wo willst du hin?“, fragte Monkey, als er Po mit einem Rucksack auf dem Rücken ihnen entgegenkommen sah.
„Oh, ich werde eine kleine Reise machen.“
„Ohne uns?“ Viper war überrascht.
Nachdem Po seinen Freunden berichtet hat, was in Gongmen passiert war, herrschte für einen Moment tiefes Schweigen.
„Wir kommen mit dir“, sagte Monkey mit fester Stimme.
„Nein“, entgegnete Po ernst. „Ich muss alleine da hin. Das ist nur eine Sache zwischen ihm und mir. Ich möchte mit ihm alleine sprechen. Ganz alleine.“
„Wir könnten doch draußen warten.“
„Tut mir leid, aber das ist eine Ein-Mann-Tour. Ich habe damals mein Dorf alleine verlassen und alleine werde ich meinem Schicksal entgegenblicken.“
Tigress wollte etwas erwidern, doch Po sah sie so entschlossen an, dass sie schließlich nickte.
„Dann geh.“
Po seufzte erleichtert. „Danke.“
Nach einer Welle des “Auf Wiedersehens”, machte Po sich auf den Weg und ließ das Dorf hinter sich.
Seine Freunde verfolgten ihn mit ihren Blicken bis er hinterm Horizont verschwunden war.

Po konnte sich nicht daran erinnern, dass der Weg nach Gongmen so lang gewesen war. Vielleicht lag es auch nur daran, dass er diesmal alleine wanderte, ohne die Gegenwart seiner Freunde, mit denen er sich immer angeregt unterhalten konnte, wobei die Zeit schnell verflogen war. Nach einem “langen” Fußmarsch, es waren gerade mal ein paar Kilometer, ließ er sich keuchend auf einen flachen Stein nieder.
„Uff, meine Güte, ist das anstrengend.“
In diesem Moment meldete sich sein Magen.
„Oh Mann, hab ich einen Hunger. Ich brauche etwas Kraftstoff.“ Er stellte den Rucksack auf den Boden ab. „Energie für den Drachenkrieger.“
Er öffnete die Tasche und holte ein Päckchen heraus. Doch plötzlich…
„Ahhh!“
Vor Schreck ließ Po das eingewickelte Lunch-Paket fallen, als eine kleine, grüne Gestalt haarscharf an ihm vorbei auf einen Stein sprang.
„Mantis!“, schimpfte Po. „Ich hab doch gesagt, dass ich alleine gehe!“
„Tut mir leid, aber wir können dich nicht einfach so alleine auf eine Mission gehen lassen.“
So langsam wurde Po wütend. „Ich schaff das alleine.“
Mantis schüttelte den Kopf. „Dann lass mich dich wenigstens nach Gongmen begleiten. Du brauchst doch bestimmt jemanden, der dir auf dem Hinweg etwas die Zeit vertreibt, oder?“
Dieser Satz ließ dem Panda seine Muskeln wieder entspannen bevor er Mantis zu einem Kampf herausforderte. Er seufzte tief. Vielleicht war das doch keine so schlechte Idee.
„Na schön. Aber denk dran…“ Er nahm seinen Rucksack. „Es ist meine persönliche Mission.“
Mantis vibrierte dankbar mit seinen Antennen. „Na super.“ Damit sprang er auf Pos Kopf.

Das Gefängnis in Gongmen war kalt und dunkel, besonders in der hintersten Ecke des Gewölbes.
Shen wagte einen tiefen Atemzug durch seine schmerzenden Lungen. Nichts mehr sehnte er herbei als zu schlafen und einen Platz zum Hinlegen. Aber hier gab man ich keine Gelegenheit. Seine metalllosen Krallen krallten sich in den harten steinigen Boden, während seine Kniee leicht zitterten. Ketten hielten ihn aufrecht und streckten seine Gliedmaßen in einer umnehmen Position aus. Weitere Eisenringe waren um seine wundgescheuerten Füße gekettet und hinderten ihn daran sich fortbewegen zu können.
Er zischte wütend. Dieser verdammte… Er zog an seinen Handfesseln.
„Mmpf!“ Diesen Versuch brach er sofort wieder ab. Es war unmöglich sich ohne starke Schmerzen davon loszureißen, denn diese Ketten waren eine Spezialanfertigung gedacht für Tiere, die nicht so einfach anzubinden waren. Die Metallringe umwickelten nicht nur den mittleren Teil seiner Flügel, sondern waren zusätzlich mit Garn versehen, die durch seine Haut unter den Federn wie Ohrringe vernäht worden waren. Würde er sich davon losreißen, könnte es seine Haut böse zerreißen.
Mühsam bewegte er den Kopf, um den ein Lederknebel um seinen Schnabel gebunden worden war. Mehrere Male hatte er versucht das Teil herunterzubekommen, jedoch ohne Erfolg. Niedergeschlagen ließ er seufzend den Kopf hängen. Er kam sich vor wie ein eingesperrter Kampfhund.
Diese Schande. Wie konnte das nur passieren? Alles hatte wunderbar funktioniert, aber dann ist alles anderes gekommen, nachdem dieser Panda aufgetaucht war.
Seit man ihn hier eingesperrt hatte, hatte er diese weiß-schwarze Kreatur mehr als eine Million Mal verflucht. Doch er musste sich eingestehen, dass jede Art Fluchen jetzt sinnlos war.
Er betrachtete seine zerrissene Robe, wo er schmutzigen Federn und darunter seine gestreckten, wunden Füße sehen konnte.
Der ehemalige Herrscher fühlte sich mehr als gedemütigt, aber er wusste, dass das erst der Anfang seines Leidens sein würde.
Er stieß ein tiefes Stöhnen aus. Er war so müde. Diese skrupellosen Nashörner waren nicht gerade sanft mit ihm umgegangen, als sie ihn hierhergeschleppt hatten. Er bekam nicht einmal Zeit sich zu erholen. Ohne Rücksicht hatten sie ihn in die hinterste Zelle verfrachtet, ohne Wasser und Essen. Ohne Wärme und Pflege. Es war ein Wunder, dass sein Herz überhaupt noch schlug.
Er hustete durch die Nase und bewegte seine Zunge in seinem blockierten Schnabel. Sein Mund war völlig ausgetrocknet. Noch nie in seinem Leben hatte er sich nach so etwas Simplen gesehnt wie einen Tropfen Wasser auf seine Lippen.
Er hob den Kopf als er Schritte im Korridor vernahm. Sofort spannte er seine Muskeln an, als eine große Gestalt die Tür zu seiner Zelle öffnete.
Im nächsten Moment betrat ein riesiges Nashorn den Raum und platzierte sich direkt neben ihn. Kurz darauf erschienen Meister Ochse und Meister Kroko.
Shen kniff seine Augen zu gefährlichen Schlitzen zusammen.
Meister Ochse nickte dem Nashorn zu und dieser entfernte den Lederknebel.
Mit Abscheu warf Shen seinen Kopf mehrere Male hin und her und bewegte angeekelt den Schnabel, sichtlich froh darüber das widerliche Teil für einen Moment los zu sein.
„Stellt es dich zufrieden mich so zu sehen?“ zischte Shen gereizt. „Fühlst du dich gegenüber mir jetzt stärker?“
Meister Ochse schnaubte. „Du weißt sehr wohl warum du hier bist.“
Insgeheim hatte Shen gehofft, dass sowas ihm nicht passieren würde, doch der Tag war gekommen.
„Ich bin sehr neugierig es zu hören.“ Er lachte heiser, doch plötzlich musste er furchtbar husten. Seine Lunge brannte mit jedem Atemzug seiner Stimme.
„Das Gesetzt von Gongmen verurteilt dich zum Tod durch Folter. Du weißt hoffentlich was du zu erwarten hast.“
Shens Gesicht wurde wie Stein, doch dann lachte er spöttisch.
„Ist das alles?“ Wieder musste er husten und verfluchte sich dafür selbst. Er konnte die Genugtuung des Meisters gerade zu spüren. Die Atmosphäre in dem Raum war mehr als abgetötet.
Doch Meister Ochse bewegte keinen Muskel. „Doch weil du ein Teil der königlichen Familie bist, ist es dir erlaubt, ein Schmerzmittel einnehmen zu dürfen. Aber wirklich nur sehr wenig.“
Der Lord schloss seine Fingerfedern ein wenig. Dann lächelte er boshaft.
„Von euch Narren brauche ich gar nichts“, antwortete er mit heiserer, frecher Stimme.
„Wie du willst“, meinte der Ochse abfällig und warf dem Nashorn einen signalisierenden Blick zu. „Check ihn durch.“
Damit ging der Wächter auf Shen zu und tastete das Gesicht und den Körper des Pfaus ab. Auf Shens Gesicht breitete sich ein Ausdruck des Ekels aus. Es war gegen seine Würde, dass ihn jemand so unverschämt behandelte als wäre er ein Sklave.
Der Pfau zuckte merklich zusammen, als das Nashorn seine Schulter berührte. Doch der Wächter schenkte seinen Schmerzen keinerlei Beachtung und warf zum Schluss noch einen Blick in Shens Mund, dann drückte er seine Augenlider runter.
Der Lord wehrte sich nicht, obwohl er sich nur zu sehr wünschte diesem Bastard ordentlich ins Gesicht schlagen zu können. Doch wollte er sich nicht der Schande aussetzen und sich wie ein Idiot vor den Kung Fu Meistern aufführen, die sich darüber nur amüsiert hätten. Nein, wenn er schon unterging dann mit Stolz und Würde. Meister Kroko sagte die ganze Zeit kein Wort, schien aber so etwas wie Mitleid für ihren Gefangenen zu empfinden.
„Nur noch zwei weitere Tage und er ist bereit“, sagte das Nashorn abschließend und ließ vom Lord ab.
Shen zischte verärgert.
Meister Ochse nickte zufrieden. „Also, bist du bereit?“
Shen verengte die Augen. Erwartete der Ochse wirklich von ihm um Gnade zu betteln? Es stand dem Ochsen deutlich ins Gesicht geschrieben, dass er Shens brutalen, kaltblütigen Mord an Meister Donnerndes Nashorn nicht vergessen hatte. Shen wich seinem Blick aus, starrte an die Wand und ignorierte ihn.
„Antworte!“
Doch der Pfau stellte sich taub und stand da wie ein bockiges Kind.
Vor Wut schrie der Meister auf und wollte sich auf ihn stürzten, doch im letzten Moment hielt ihn Meister Kroko davon ab.
„Beruhige dich. Er wird seine Strafe noch früh genug bekommen.“
Meister Ochse stieß ein lautes Schnauben aus. Wütend schwang er mit den Fäusten durch die Luft. Sein Blick blieb weiterhin auf den arroganten Pfau gerichtet. Dann wandte er sich wütend ab.
„Wir sehen uns in ein paar Tagen auf deiner Abstrafung.“
Shen schnaubte aufmüpfig. „Es wird mir ein Vergnügen sein.“
In diesem Moment wollte das Nashorn ihn wieder knebeln, doch Shen wich ihm aus.
„Wage es ja nicht!“, warne er.
Das Nashorn schnaubte und packet den Pfau am Genick. Shen wehrte sich wie verrückt.
„Hast du so große Angst vor mir, dass du mich zum Schweigen bringen willst?“
Diese Worte waren an die beiden Meister gerichtet, die sich gerade zum Gehen abgewendet hatten. Bei den Worten des Pfaues drehten sie sich um, während Shen immer noch versuchte dem Knebel zu entkommen.
„Wie niederträchtig...mpmff!“ Mit aller Kraft presste der Nashorn-Wächter ihm den Lederknebel auf den Schnabel.
Meister Ochse schnaubte. „Nur um sicher zu gehen, dass du niemanden mit deinem unsinnigen Gerede beeinflusst.“
Noch ein letztes Mal schaffte es der Lord für einen kurzen Moment wieder frei zu kommen.
„Also hast du doch Angst, dass ich mich befreien könnte, ode..“
Diesmal ließ ihm das Nashorn keine Chance mehr sich zu äußern und schnürte die Seile des Knebels an seinem Hinterkopf fest.
Der Lord durchbohrte die zwei Meister mit seinen roten müden, aber höhnisch wütenden Augen. Seine Augen waren röter als sonst. Seit Tagen hatte er nicht mehr geschlafen. Doch der Wille des Vogels war noch lange nicht gebrochen.
Die Fäuste von Meister Ochse verfestigten sich. „Nimm es ihm ab“, schnaubte er.
Das Nashorn schnaubte zurück und entfernte den Knebel wieder. Hörbar rang Shen nach Luft. Eine Welle der Erleichterung überkam ihn, als sich die Zellentür wieder schloss.
Nachdem seine Peiniger verschwunden waren, wartete er noch ein paar Minuten bis er sicher war, dass sich niemand mehr in seiner Nähe befand. Dann atmete er tief aus und ließ den Kopf hängen.
Wieso verfluchte ihn das Universum mit einem qualvolleren Tod? Er war bereit zu sterben gewesen, als die Kanone auf ihn niedergefallen war. Jetzt hatte sich sein Leidensweg ungewollt verlängert. Sachte bewegte er die Flügel. Er presste die Augen zusammen und zischte. Es gab hier keinen Weg nach draußen. Er hatte noch nicht einmal die Chance sich selber umzubringen bevor diese Bastarde ihm seinem letzten in seinem eigenen Blut getränkten Atemzug nehmen würden.
Wenigstens musste er diesen Panda nicht mehr sehen.

4. Was ist in der Nacht passiert?


Po verspürte einen Hauch der Erleichterung als er und Mantis die ersten Häuser der Stadt Gongmen im Morgenlicht erblickten. Po wollte keine Zeit verlieren und steuerte geradewegs, nach einer kleinen Pause in einem Nudelrestaurant, auf das Haus der zwei Kung-Fu Meister zu.
Diese waren recht überrascht als sie den Drachenkrieger früher als erwartet wieder vor sich sahen.
Nach einer reichlichen Begrüßung, kam Po sofort auf den Grund seines Besuches zu sprechen.
„Ich habe gehört, dass ihr Shen gefunden habt.“
Das Gesicht des Ochsen verfinsterte sich. „In der Tat, das haben wir. Ich weiß nicht wie, aber es scheint als habe er einen Pakt mit den dunklen Mächten abgeschlossen.“
Po lächelte nervös. „Äh, ja. Wie geht es ihm?“
Meister Kroko nahm sich die Freiheit zu antworten und räusperte sich. „Nun, er lebt noch, aber…“
„... nicht mehr lange“, beendete Meister Ochse seinen Satz. „Seine Zeit ist abgelaufen. Wir werden mit der Bestrafung in weniger als einer Stunde anfangen.“
Po schluckte. Der Gedanke den ehemaligen Herrscher auf diese Art und Weise zu bestrafen behagte ihn nicht. Natürlich hatte er eine Menge schlimme Dinge getan. Inklusive des Mordes an seinen Eltern. Doch als er ihn nach dem unglaublichen Sieg so auf dem zerstörten Schiff liegen gesehen hatte, brachte er es nicht über sich ihn zu töten. Er hatte ihm die Chance gegeben sein Leben zu ändern. Doch…
„Warum fragst du?“, riefen ihn die Worte des Meister Ochsen wieder zurück. „Falls du vorhast ihn eigenhändig zu foltern, dann sorry, wir haben bereits einen guten Folterer arrangiert.“
Nervös wedelte Po mit der Hand. „Nein, nein. Ich bin hierhergekommen, um mit ihm zu sprechen.”
„Du willst ihm eine Standpauke erteilen? Die Idee gefällt mir. In diesem Fall wird es mir ein Vergnügen sein dich zu ihm zu bringen.“
Mit diesen Worten nahm er den Drachenkrieger beiseite und schob ihn zum Ausgang.
„Du hast außerdem die Ehre die ganze Show live mitzuerleben.“
„Show?“ Ängstlich rieb der Panda seinen Nacken.
„Wenn du willst bekommt du einen Platz ganz vorne“, fuhr Meister Ochse fort, während sie zum Gefängnis rüber marschierten.
„Oh, das ist sehr nett… aber ich kann doch nicht…“
„Natürlich kannst du. Doch wir sollten uns beeilen. Wir starten in 55 Minuten.“
Meister Kroko seufzte und trottete hinter den beiden her. „Er kann es einfach nicht abwarten.“

Po fühlte sich ein wenig Unbehaglich nachdem er die Gefängnishalle betreten hatte. Meister Ochse ging voraus, dicht gefolgt von Po. Zuvor hatte Po Mantis darum gebeten vor dem Gefängnis draußen auf ihn zu warten.
Ein Schauer durchzog den Panda während sie immer tiefer durch die steinigen Korridore des Kerkers gingen. Ein paar Fackeln erhellten die Wände. In diesem Moment hielt der Ochse an. Po schaute an ihm vorbei nach vorne, wo ein gigantisch großes Nashorn vor einer metallenen Tür stand, die wiederum in einen weiteren Korridor führte.
Sie wechselten ein paar Worte und das Nashorn öffnete die Türe, sodass sie ihren Gang fortsetzen konnten.
„Da sind wir.“
Eine Zellentür wurde geöffnet und Meister Ochse winkte mit einer einladenden Geste hinein. „Darf ich vorstellen, der als-bald-zu-Tode verurteilte Gefangene.“
Prüfend betrachtete Po die fast völlig dunkle Zelle.
„Oh, ja. Danke.“
Er trat ein und blieb kurz nach der Türschwelle wieder stehen.
Schweigend und fassungslos starte er auf den weißen gebrochenen Vogel vor ihm.
Die Wunden des Lords waren nicht behandelt worden. Sie waren immer noch dreckig und die ehemals silberne Robe hing zerfetzt und angesenkt an ihm herunter. Sie hatten ihn nicht mal wenigstens was Sauberes zum Anziehen gegeben. Ketten streckten den Pfauenkörper an Händen und Füßen.
Shen hatte die Augen geschlossen und erweckte den Eindruck als würde er meditieren. Von Zeit zu Zeit bewegte er kaum sichtbar die Lippen.
„Hat er keine medizinische Behandlung bekommen?“, fragte Po.
„Der kann sich entspannen, wenn er tot ist“, kommentierte der Ochse und lachte.
Po seufzte mitleidig. „Oh, okay. Kann ich jetzt mit ihm allein sprechen?“
Meister Ochse schnaubte. „Aber denk dran. Wir starten pünktlich auf die Minute.“
Er schloss die Tür und Po blieb allein zurück.
Shen bewegte sich nicht. Er schien weder was zu fühlen noch was zu hören.
Vorsichtig trat der Panda näher an den Pfau heran.
„Shen?“
Shens Gesichtsmuskeln verkrampften sich und ignorierte den Panda. Stattdessen bewegte er die Lippen nur noch schneller.
„Äh… Shen?“
Po streckte seine Hand aus und berührte die rechte Schulter des Herrschers, woraufhin Shen ein lautes Knurren von sich gab.
„Grrrggghh! Könnt ihr nicht...!“
Der Satz bleib ihm im Halse stecken als er den Panda vor sich stehen sah. Mit weit aufgerissenen Augen starrte er seinen Rivalen an.
Doch dann kniff er sie zornig zusammen. „Du!“
Zögernd winkte Po mit der Hand. „Äh, hi.“
Plötzlich sprang der Pfau nach vorne. Doch im nächsten Moment stieß er einen schrillen Schmerzensschrei aus und sank verkrampf zu Boden als die Nähte seine Haut bei jeder Bewegung mehr und mehr verletzten. Doch so schnell diese Reaktion bekommen war, so schnell war sie auch wieder verschwunden. Er schaffte es seine Schmerzen zu kontrollieren und fand seine Selbstbeherrschung zurück.
„Was willst du, Panda?”, fragte er erschöpft. „Es würde mich nicht wundern, wenn du derjenige bist, der dazu auserwählt wurde an mir die Folter zu vollstrecken.“
Noch immer hallten ihm die Worte der Wahrsagerin durch den Kopf.
„Äh, nein. Ich möchte nur reden.“
„Das ist eine sehr schlechte Folter für mich.“
Er warf ihm einen abfälligen Blick zu.
„Nein, es ist nicht so wie du denkst. Ich… wenn ich könnte… Ich wünschte ich könnte das verhindern.“
„Verhindern was?”, fragte er im abfälligen Tonfall.
„Ich hab gehört was sie mit dir vorhaben.“
Für einen Moment war Shen sprachlos, dann lächelte er. „Mpmf. Und du bist jetzt gekommen um dich darüber zu amüsieren? Für einen Drachenkrieger bist du mehr als grausam.“
Po verengte die Augen. Es war sinnlos den Lord vom Gegenteil zu überzeugen. Er schluckte seinen Ärger hinunter und startete mit seiner Frage.
„Was ist in der Nacht passiert?“
Shen horchte auf und starrte ihn streng an.
„In welcher Nacht?“
„Du weißt ganz genau welche Nacht. Die Nacht von dem Tag, an dem du das Panda-Dorf angegriffen hast.“
„Da gibt es nichts mehr zu sagen.“
„Ja, wir haben schon neulich darüber gesprochen, aber ich möchte noch mehr wissen. Zum Beispiel, hast du meine Eltern getötet oder jemand von deinen Soldaten? Haben sie noch irgendetwas gesagt?“
Mit emotionslosem Blick schaute Shen ihn an. Ein grässliches Lächeln umspielte seine Lippen. „Wenn du nur deswegen gekommen bist, dann war dein Weg umsonst. Ich werde all mein Wissen mit mir ins Grab nehmen. Soweit ich überhaupt eins bekomme.“
Seine Augen sprühten vor bösartiger Schadenfreude. Und Po wusste, dass er solange Schweigen würde bis zu seinem letzten Atemzug.
Betrüb senkte er den Blick.
„Kann ich irgendetwas für dich tun?“
Shen kicherte bevor er mit heiserer, dunkler Stimme antwortete. „Bring dich selber um.“
Traurig sah der Panda ihn an. Es schmerze ihn den Pfau so verbittert zu sehen, ohne eine Zukunft im Leben. Mühsam versuchte er etwas in den Augen zu lesen, doch Shen verstand es sehr gut seine inneren Gefühle vor anderen zu verbergen.
In diesem Moment öffnete ein Nashorn die Tür mit einem breiten Grinsen.
„So, die Besuchszeit ist vorbei.“

5. Langsame Demütigung


Das Nashorn nahm die Eisenketten von der Wand ab, ließ sie aber an Shen dran. Doch der Pfau nahm es gelassen hin. Oder er hatte sich schon längst mit seinem Vermächtnis abgefunden. Anschließend nahm das Nashorn die Enden der Ketten und zerrte den Verurteilten hinter sich her.
Po folgte ihnen mit den Augen. Als der Pfau an ihm vorbeiging warf dieser ihm einen letzten schadenfrohen Blick zu, sichtlich zufrieden den Panda mit offenen Fragen einfach stehen lassen zu können. Dann ließ er sich ohne Widerstand vom Wächter abführen. Po ging ihnen hinterher und beobachtete den Pfau genau, doch dieser schien überhaupt keine Angst vor seinem schrecklichen Schicksal zu haben. Er flehte weder um Gnade oder um mehr Zeit, noch sträubte er sich oder sagte ein Wort. Er stolzierte einfach den Weg entlang, als wäre es das normalste auf der Welt.
Po jedoch konnte nicht glauben, dass der Lord nichts lieber wollte als hier herauszukommen. Doch andererseits gab es hier keine Möglichkeit zur Flucht. Nicht einmal er konnte das Kommende verhindern. Es war so wie Shifu gesagt hatte, es war beschlossene Sache.
Zusammen marschierten sie durch Korridor, immer dem Wärter folgend, wo sie anschließend durch eine dicke Eisentür in einen Seitenraum abbogen. Mit Schaudern sah Po sich im Raum um. Neben den kahlen, kalten üblichen Steinwänden hingen Ketten von der Decke und einige Instrumente aus Holz und Metall standen herum. Shen hingegen zeigte sich merklich unbeeindruckt und betrachtete alles mit neuralem Blick.
Meister Ochse und Meister Kroko standen schon in der Mitte des Raumes und unterhielten sich mit einem anderen Ochsen, der noch kräftiger und muskulöser gebaut war als Meister Ochse. Mit großen Augen betrachtete Po den gigantischen Ochsen.
„Wow, bist du nicht Wei, der dunkle Ochse von den Bergen der Angst?“
Der größere Ochse stieß ein stolzes Schnauben aus. „Ich bin von weit hergekommen nachdem mir jemand gesagt hatte, dass man einen speziellen Job für mich hier hätte.“
„Sind Sie mit ihm verwandt?“, fragte Po neugierig und deutete auf Meister Ochse.
„Um ein paar Ecken herum.“
Po war beeindruckt. „Wow. Ist mir eine Ehre Sie kennenzulernen.“
Damit verbeugte er sich ehrfürchtig.
„Also das ist dein Kandidat“, unterbrach Meister Ochse die Begrüßung und deutete mit abwertender Geste auf Shen. „Er ist ebenfalls erfreut dich zu sehen.“
Der große Ochse beschaute den stolz dastehenden Pfau. Mit schweren Schritten kam er näher und knackte mit seinen Huf-Fingern.
Shen lächelte. „Nettes Outfit. Bist du seine Großmutter?“
Und sah dabei auf Meister Ochse.
Po kicherte insgeheim.
Plötzlich schlug wie aus dem Nichts eine zentnerschwere Axt auf den Boden und verfehlte um Haaresbreite den Schnabel des Pfaus und blieb wenige Millimeter vor Shens Zehen im Steinboden stecken.
Po war so geschockt, dass er schwankend von Meister Kroko aufgefangen werden musste.
Shen hingegen bewegte keinen einzigen Muskel. Nur sein Lächeln war ihm gewichen.
„So, hast du vor mich zu zerteilen?“, fragte der Lord mit geschäftiger Stimme. „Wie fantasielos.“
Ein fieses Grinsen umspielte das Gesicht des Folter-Ochsen.
„Ich frage mich, ob du immer noch deine Witze reißt, wenn ich dir jede Feder einzeln rausreiße.“
Damit bewegte er drohend seine Finger. Shen beobachtete ihn mit mahnendem Blick.
Eine schnelle Bewegung...
„Au!“
Grinsend hielt der Ochse eine Feder in seiner Hand, die er ihm aus dem Flügel gezogen hatte.
„Mach das nicht nochmal!“, zischte Shen.
„Oh, hat das wehgetan?“, spottete der Ochse.
Der Pfau seufzte verärgert.
„Autsch!“
Wieder hatte der Ochse ihm eine Feder herausgerissen.
„Jetzt stell dir mal vor wie es sich anfühlt, wenn sich das über deinen ganzen Körper so weiterzieht. Feder für Feder.“
Shens Gesicht wurde wie Stein. Jeder im Raum wusste nun, dass der Spaß vorbei war. Sachte faltete der Pfau seine Flügel etwas zusammen. Dieser Bastard wagte ihm das zu nehmen, was sein ganzer Stolz war.
Po schluckte. „Ähm… äh… interessante Methode. Aber denken Sie nicht, dass sie etwas ein wenig zu… hart ist?“
„Halt den Mund, Panda“, fauchte Shen ihn an. „Dumme Einwände von jemanden wie dich, kann ich nicht gebrauchen. Das alles macht mir gar nichts aus.“
Der Folterer lachte. „Natürlich nicht.“
Po seufzte erleichtert.
„Das Nächste wird sogar schmerzhafter. Nur keine Sorge. Wir haben ein nettes Programm vorbereitet.“
Wieder wurde Po bleich unterm Fell. Nur Shen sagte kein Wort. Sein Körper schien wie zu Eis geworden zu sein. Nur seine Augen waren jetzt auf dem Boden gerichtet. Po beobachtete ihn mit hilflosem Blick. Noch hatte der Pfau eine kleine Chance seine Taten zu bereuen. Nur vielleicht. Doch Po ahnte, dass Shen sowas niemals tun würde. Er war stolz wie ein… ein Pfau.
„Mach doch was du willst“, waren die einzigen Worte, die der ehemalige Herrscher äußerte.
Im nächsten Moment umzingelten ihn zwei Nashörner rechts und links, während der Folterer sich selber vor Shen bedrohlich aufbäumte. Der Pfau sah zu ihm auf. Sein Gesicht zeigte weder Angst noch Emotionen. Wei griff einen Zipfel von Shens Robe und ließ sie wieder fallen.
„Zieht es ihm aus. Du wirst den Lumpen eh nicht mehr brachen.“
Nur widerwillig ließ Shen sich von den beiden Nashörnern an den Armen packen. Der Ochse Wei hingegen zog ein Messer hervor und zerschnitt die schon bereits zerfetzte Robe mehr und mehr.
Der Pfau protestierte laut als er ihm anschließend die zerschnittene Robe vom Leib riss, das Letzte was ihm noch die Würde bewahrt hatte. Doch die Wärter waren viel starker als der noch etwas geschwächte Albino und hatten keine Probleme ihn unten zu halten und dem Ochsen beim unfreiwilligen Entkleiden des Gefangenen zu verhelfen.
„Wie kannst du es wagen?!“, schrie Shen vor Wut.
Po wusste einfach nicht, ob er wegschauen sollte oder nicht. Die Federn bedeckten zwar immer noch den Pfauenkörper, aber was man mit ihm machte war schlicht eine Demütigung. Schließlich entschied sich der Panda nur einen Teil seines Gesichts mit der Hand abzudecken, um wenigstens Shens hasserfülltem Blick auszuweichen.
„DAFÜR WIRST DU STERBEN!“, schrie Shen den Ochsen an.
Doch dem imponierte die Drohung überhaupt nicht und warf die Robe einfach irgendwo in eine Ecke.
„Nett.“ Er packe den Pfau am Nacken und hob ihn etwas hoch, während die beiden Wärter immer noch den Rest des Körpers unten hielten.
„Besser du schonst deine laute Stimme. Du wirst sie später noch oft genug brauchen.“
„Ähm“, meldete sich Po schüttern zu Wort. „Also in diesem Fall werde ich jetzt wohl besser gehen. Ich hab sehr empfindliche Ohren müssen Sie wissen. Sehr empfindliche.“
Mittlerweile hatte sich Shen wieder gefasst und sich seinen Stolz zurückgerufen.
„Was solls“, meinte er mit ruhigerer aufsässiger Stimme. „Die war sowieso schon alt gewesen.“
Trotz seiner Lage schaffte er ein unheimliches Lächeln aufzusetzen und schaute dabei auf Po. „Na, genießt du es, Panda?“
Po nahm seine Hand runter und sah ihn mit traurigen Augen an. „Nein, es tut mir leid....“
Der Pfau warf den Kopf zurück und lachte. „Es tut dir leid? Warum so beschämt? Ich hoffe doch sehr, dass du es nie vergisst. Ich werde dich jagen in deinen Träumen bis du deinen letzten Atemzug auf dieser dummen verdammten Erde aushauchst.“
Po konnte nicht sagen wieso, doch er meinte Angst in der Stimme zu hören. Als ob der Pfau versuchte sich auf das vorzubereiten was als Nächstes kommen würde.
„Fein“, schaltete sich Ochse Wei wieder ein. „Nachdem wir uns etwas amüsiert haben, kommen wir jetzt zu unserem Programm.“
Mit verkrampfter Haltung ließ Shen sich von den beiden Wachen wegzerren. Dabei spannte er seine Muskeln stark an, als ob er versuche jede Art von Gefühl und Nerven seines Körpers abzutöten. Er wusste, dass er jetzt alle Kraft aufwenden musste. Dennoch war er sich nicht sicher, ob er dies lange durchstehen würde, da er immer noch ziemlich geschwächt war um eine komplette innere Stärke aufzubauen.
Er wurde ausgestreckt mit Ketten an beiden Flügeln und Füßen wie vorhin in seiner Zelle, doch diesmal etwas mehr als normal. Shen nahm einen tiefen Atemzug als der Ochse seine Gliedmaßen weit genug gestreckt hatte, dass es ihn beinahe schmerzte.
„Warum auf einmal so verkrampft?“, fragte Wei mit gespielter Verwunderung. „Du solltest dich entspannen, wenn du es genießen willst.“
Damit holte er eine lange Zange hervor.
Shen betrachtete sie flüchtig und schaute dann weg. Seine Krallen gruben sich eisern in den Steinboden, während seine Augen auf den Panda fokussiert waren. Um jeden Preis wollte er seinem Feind beweisen wie stark er war. Diese weiß-schwarze Kreatur, die sein Fluch geworden war, soll nicht in den Genuss des Triumphes kommen seinen Willen gebrochen zu haben. Auch nicht seinen Körper, der ihn von Anbeginn seiner Geburt zum Verhängnis geworden war.
Inzwischen hielt der Ochse die Zange neben Shens Kopf und klapperte damit spielerisch in der Luft herum bevor er damit zur Seite schwenkte und eine von Shens Fingerfedern packte. Ein schneller Zug…
Shen wollte nicht schreien. Er presste die Lippen zusammen als er ihm die Feder mit einem Ruck herauszog. Er war nahe daran, die ganzen Narren um ihn herum zu verfluchen, die ihm mehr und mehr seine majestätische Würde nahmen.
„Ach, keine Einwände?“, fragte der Ochse theatralisch reuevoll. „Vielleicht war das die falsche Stelle.“
Sein Blick wanderte hinter Shen, was dem Pfau nicht entging und verengte warnend die Augen.
Wag es ja nicht.
Doch der Ochse wagte es. Er trat hinter den Pfau und griff nach einer der langen rot-weißen Schwanzfedern.
„Nette Dinger. Sowas würde ich mir gern in mein Zimmer aufhängen.“
Shen knurrte, sein Blick immer noch fest geradeaus auf den Panda gerichtet.
Der Ochse kicherte kehlig während er an der langen Feder rüttelte.
„Erlaubst du mir?“
Der Lord schloss für mehrere Sekunden lang die Augen.
„Ich deute das mal als ein “Ja“.“
Er verstärkte das Ziehen und Shens Körper krampfe nur noch mehr zusammen.
Ein dumpfer unterdrückter Schrei entglitt dem Pfau als ihm einer seiner schönen Federn seinem Gefieder entrissen wurde.
Meister Ochse wurde langsam ungeduldig. Er wollte endlich Schmerzensschreie von dem Mörder hören.
„Zieh ihm alles raus!“, schrie er.
“Aber...” Doch Pos “Abers” wurden gehörig ignoriert als der Ochse Wei eine lange Feder nach der anderen herauszog. Mit jeder gezogenen Feder erkannte Po eine kleine Träne in den Augen des Pfaus.
Die Atmung des Lords wurde immer heftiger und lauter, zuckte mehrere Male zusammen, doch immer wieder bekam er sich wieder unter Kontrolle. Ignorierte jeden Schmerz und betäubte alle seine Sinne.
Po war tief beeindruckt von Shens Selbstbeherrschung. Hatte er das vorher trainiert? Doch der Pfau hatte große Mühe seine Schreie zu unterdrücken und ließ stattdessen all seinen Ärger und Wut durch den Blickkontakt an den Panda aus.
Die Blicke des Herrschers verursachten dem Panda immer mehr und mehr Schuldgefühle. Er konnte den Blick nicht mehr länger ertragen. Wenn er schon nichts tun konnte, so wollte er dem Lord wenigstens die Chance geben sich frei zu fühlen das ganze alleine durchzustehen ohne seine Gegenwart.
Und ohne ein Wort rannte der Panda nach draußen.

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Kapitel:5
Sätze:776
Wörter:8.424
Zeichen:49.007

Kurzbeschreibung

Was wäre wenn Shen die Schlacht überlebt, jedoch keine zweite Chance bekommt, sondern für seine Missetaten büßen soll? Zumindest aus Sicht der Kung Fu Meister, soll er einen qualvollen Tod sterben. Doch was ist, wenn Po eine andere Möglichkeit findet seinen ärgsten Feind mit seiner Gegenwart zu konfrontieren, die beide in ein spannungsgeladenes Erlebnis zwischen dunklem Hass und tiefster Vergebung verstrickt?