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Der letzte Krieg

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01.05.20 13:31
12 Ab 12 Jahren
In Arbeit

1. Auf einer Reise


Mit besorgtem Blick schaute der Restaurantbesitzer aus dem Fenster in die dunkle, weiße Nacht.
„Es schneit jetzt schon seit Tagen“, murmelte er und schob die Gardienen zurück.
Das Restaurant lag irgendwo in der Province China in einem kleinen Dorf. Viele Reisende hatten die Chance genutzt dort eine Rast einlegen und Zuflucht vor dem starken, harten Winter zu suchen.
Der Besitzer, ein alter Hase, bediente mit seiner Familie die Gäste. Im Hauptsaal brannte ein großes Kaminfeuer, wo sich die meisten Leute davor versammelt hatten und unterhielten sich über gute und schlechte Zeiten. Einer von ihnen, ein alter Wolf, war der lauteste von allen und stand auf einem Tisch. Der alte Hase kam gerade mit einem Tablet Gläsern herein, als der Wolf seine Erzählung beendete: „Und so endete es. Ja, an dem Tag so verfuhr der Drachenkrieger mit seinem größten Feind und Kung Fu Gegner, und, ich betone es, derjenige der vor hatte China zu erobern mit seinen gefährlichen Feuerwaffen, machte er ihm ein Friedensangebot. Ja, ich hörte es mit meinen eigenen Ohren.“
„Und was ist dann passiert?“, fragte jemand aus der Menge.
Der alte Wolf zuckte die Achseln. „Das weiß keiner. Niemand weiß es. Einige Leute in den Kasernen sagen, dass er das Tal des Friedens verlassen hatte, wo er das letzte Mal gesehen wurde. Der Drachenkrieger hat nie mehr etwas von ihm gehört. Andere Leute meinen, dass der Lord Pläne für einen neuen Eroberungsfeldzug schmiedet. Im Gegensatz dazu, behaupten andere, dass er irgendwo in den Bergen einen Unfall erlitten hat. Und noch andere sagen, er habe irgendwo eine Stadt errichtet, und niemand weiß wie viele Soldaten sich dort versteckt halten.“
Er nahm das Glas, welches ihm der Restaurantbesitzer hinhielt und leerte es in einem Zug aus. „Aber all dies kann natürlich nur ein Gerücht sein. Ich hörte es nur durch die Gasthäuser, wo ich reinkam. Jeder erzählte ein anderes Ende. Ich habe nur erzählt, was ich von den meisten gehört habe.“
Das alte Kaninchen schaute überrascht in eine Ecke des Raumes, wo ein Schatten sich zum Ausgang bewegte. Während der Wolf zu einer neuen Geschichte ansetzte, nahm die Figur ihre dicke braune Robe, Hut, Stock und Tasche.
„Sie wollen uns schon verlassen?“, fragte er.
Die Figur zögerte. „Ich muss da raus.“
Es war eine sehr junge Frauenstimme.
„Draußen herrscht ein schrecklicher Schneesturm“, warnte der Hase. „Warten Sie bis sich der Sturm gelegt hat. Vielleicht in ein paar Tagen…“
„Nein. Ich muss jetzt gehen.“
Damit öffnete sie die Tür, wo ihr eiskalter Wind entgegenwehte. Der Hase wollte noch etwas sagen, aber die Figur sprang einfach nach draußen und schloss die Tür hinter sich.
„Das ist doch verrückt. Armes Ding.“

Die Lichter der Häuser waren hinter ihr schon verschwunden. Nur Dunkelheit und Schnee umgaben die dunkle ummantelte Gestalt. Schnellflocken tanzten wild um sie herum wie funkelnde Sterne.
Der Pfad war kaum zu erkennen, doch es konnte nicht mehr allzu weit sein.
Während sie den Weg entlang ging, dachte sie über die Geschichte nach, die sie im Restaurant gehört hatte. Diese hatte sie schon in vielen anderen Gasthäusern gehört. Es war der einzige Hinweis, dem sie nachgehen konnte. Einen anderen hatte sie nicht.
Der Drachenkrieger. Er war der Einzige, der ihr helfen konnte. Die einzige Möglichkeit ihn zu finden.
„Ich muss ihn finden“, flüsterte sie.
Ihr langer Mantel verwischten ihre Fußabdrücke im Schnee.
„Ich werde ihn finden.“
Ein Schauer der Kälte und Angst erschütterte ihren Körper.
„Wir brauchen ihn.“ Sie holte etwas aus der Tasche heraus. „Mehr als das.“
Und sie braucht dich.

2. Überfall im Schnee


„Oh, Po!“
Po knallte gegen einen Holzbalken, als er gerade aufstehen wollte. „Ja, Dad?“
„Wie oft muss ich dir noch sagen, dass du mir nicht helfen musst. Du solltest besser das Tal und China beschützen.“
„Aber, Dad“, protestierte der Panda und stellte sich auf seine Füße. Er legte das Handtuch beiseite, mit dem er zuvor den Boden gewischt hatte, und strich sich über die Hose. „Du kannst das doch nicht alles alleine machen mit deinem Bein.“
Damit deutete er auf Mr. Pings eingegipstes Bein.
„Aber, Po, ich bin doch nur auf dem Eis ausgerutscht. Es ist nicht gebrochen. Ich hab ihn mir nur verstaucht.“
„Wie auch immer. Ich werde mich solange um dich kümmern, bis deine Haushaltshilfe kommt, die du bestellt hast.“
„Bei dem Wetter?“ Mr. Ping fuchtelte wild mit den Händen. „Es liegt mehr Eis draußen als Haare auf einem Bärenfell. Es schneit schon seit vielen Tagen. Ich denke nicht, dass jemand den Weg zu unserem Dorf findet die nächsten paar Tage. Oder Wochen. Oder bis der Winter vorbei ist.“
Po rieb sich den Kopf. „Vielleicht. Aber du kannst nicht mit einem verstauchten Fuß arbeiten.“
„Aber, Po, der Nachbar hilft mir doch ab und zu aus.“
Po verengte die Augen auf eine gelangweilte Art und Weise. „Ja, und er braucht mehr Zeit den Weg zu einem Tisch zu finden mit seinen schlechten Augen.“
„Seine Brille ist kaputt gegangen.“
Mr. Ping beugte sich runter und schaute in eine Ecke. „Oh.“
„Was ist los, Dad?“
„Uns ist das Feuerholz ausgegangen. Ich muss neues besorgen.“
„Nein, Dad!“ Po packte die Gans und setzte ihn fest entschlossen auf einen Stuhl. „Das mache ich!“
„Aber Po…“
„Keine Chance. Ich bringe dir das Holz für den Ofen.“
Damit schnappte sich er einen Korb und rannte damit in den Schnee.
Mr. Ping beobachtete ihn eine Weile, bis sein Sohn verschwunden war. „Er ist ein guter Junge.“

„Oh, das ist ein großer.“
Po hob einen Ast auf, doch dieser Stecke fest.
„Oh, ko-mm scho-n!“
Er zog und zog und fiel nach hinten.
„OH, verdammter Schnee. Hey, ich brauche meine Knochen noch!“
Er sprang auf und stierte wütend auf den Ast.
„Hey! Willst du dein Hitzefeuer meinem Dad vorenthalten? Oh, komm schon! Bringen wir es hinter uns! Heah!“
Er formte einen Schneeball und warf ihn auf den Ast.
Plötzlich kam ihm eine Idee.

„Okay, perfekt.“
Er machte ein paar Schritte zurück und betrachtete sein Kunstwerk.
Damit positionierte sich Po vor die Schneefiguren, ein bisschen kleiner als er, und mit Steinen und Ästen gemachtes Gesicht verziert, und setzte eine lässige, gelangweilte Miene auf. In seiner Kindheit hatte er das sehr oft gespielt.
„Äh, hast du was gesagt? Willst du was von mir? Willst du Ärger? Wirklich? Böser Fehler. Gegen die gefährlichen Fäuste des Drachen hast du keine Chance… Whaha! Whahhahai!“
Er schlug und trat gegen die Schneemänner bis sie nur noch zerstampfter Schnee waren.
„YEah! Nichts steht gegen…“
Plötzlich drang eine laute Frauenstimme durch den verschneiten Wald.
Der Panda spitzte die Ohren. „Was?“
Der Schrei hallte erneut.
„Da ist Gefahr im Verzug.“
Hastig blickte er sich um und reckte den Hals. „Ich komme! Halte aus!“
Po rannte in die Richtung, wo er die Stimme vermutete.
„Bleibt weg von mir!“, rief die Frau.
„Oh, kleine Lady will spielen“, ertönte eine spöttische Männerstimme.
Völlig außer Puste erreichte Po den Platz und hielt für einen Moment die Luft an. Auf einer verschneiten Waldlichtung standen vier Wildkatzen mit keinen freundlichen Gesichtern. Zwei von ihnen hatten eine Figur, im langen Mantel und Strohhut, eingekreist. Die zwei anderen waren damit beschäftigt den Inhalt der Tasche auf den Boden auszuschütten und suchten nach Wertgegenständen.
„Nichts drinnen“, sagte einer von ihnen.
„Vielleicht versteckte sie es unter den Klamotten.“
Die Figur wich zurück, den Stock feste vor sich haltend. „Wagt es ja nicht! Ich habe nichts mehr bei mir.“
„Das werden wir ja sehen. Pack sie.“
Die Frau schlug mit ihrem Stock wild um sich und traf mehrere Male die Hände, war aber nicht schnell genug. Einer von ihnen sprang sie an wie ein geölter Blitz und kickte sie zu Boden. Sie fiel rückwärts nach hinten und landete im Schnee.
Po konnte nicht länger dabei zusehen. „Das reicht!“
Er nahm einen gehörigen Anlauf und startete zum Angriff. „Hey! DuAhhhhahhhaa….“
Po rutschte aus. Er stolperte mehrere Male, wobei sich sein Körper nach und nach mit Schnee bedeckte, der immer dichter und größer wurde bis er in einem großen Schneeball umhüllt den Hügel runterrollte.
Die Wildkatzen wussten nicht was sie davon halten sollten und starrte nur auf die gigantisch rollende Schneekugel.
Doch bevor sie sie erreichte, sprangen sie zur Seite und der Schneeball-Panda knallte gegen den nächsten Baum. Schnee flog durch die Luft. Po landete mit einem Bang rückwärts in einem Schneefeld.
„Oh, Wahnsinn“, murmelte er.
Doch dann erinnerte er sich an den Grund für seine dimensionale Schneeballschlacht und war sofort wieder auf den Beinen.
„Hey, Fettwanst, wie kannst du es wagen!“
Po spannte die Arme an.
„Nein, es muss heißen, wie könnt ihr es wagen! Entweder ihr verschwindet oder ihr bekommt das.“
Er hob seine geballten Fäuste
Die Katzen knurrten. „Einladung für ne Henkersmahlzeit.“
Po zögerte. Offensichtlich waren sie nicht von hier. „Ein Kampf? Na schön. Meine Fäuste hungern nach einem Gefecht. Whahai!“
Alles ging so schnell, dass niemand es im Detail hätte sehen können.
Die vier Katzen sprangen auf den Panda, doch Po wusste es sich zu verteidigen. Die meisten Schwierigkeiten bereitete er seinen Angreifern mit seinem dichten Fell. Jeder, der ihn in den Bauch oder Rücken kickte, fiel von der Schlagwucht sofort zurück.
„Jetzt zum Hauptgang.“
Po gab alles. Diese Gauner sollten es niemals mehr wagen eine hilflose Frau zu überfallen.
Die Katzen waren schnell, doch nach mehreren Schlägen ins Gesicht, wurden sie es müde, um um nichts zu kämpfen.
„Suchen wir nach einer anderen Beute.“
Damit machten sie sich aus dem Staub und verschwanden im Wald.
Po wischte sich über den Kopf. „Puh. Ich bin aus der Übung. Meine Gelenke sind wohl während der Winterpause etwas eingerostet.“
Doch in der nächsten Sekunde fiel ihm wieder ein warum er eigentlich gekämpft hatte und drehte sich schnell zu dem Überfallopfer um. Die Gestalt lag still im Schnee. Langsam und besorgt trat Po näher an sie heran. „Hey, alles in Ordnung?“
Er beugte sich runter und hob den Hut etwas hoch, der ihr Gesicht bedeckte. Braune, silberne, schwache Augen eines Vogels schauten zu ihm auf. Federfinger wurden sichtbar unter der dunklen brauen Robe. Ihr Gesicht war hellbraun und ihre Flügel schimmerten helllila.
„Ich bin okay,“ sagte die Vogelfrau. „Mir ist nur etwas kalt.“
Po berührte ihren Arm. „Ein bisschen? Du bist fast unterkühlt. Du musst dich aufwärmen.“
„Nein, ich muss weiter…“
Sie wollte sich aufrichten, doch dann…
Po erschrak und lehnte sich vor bevor sie wieder in den Schnee zurückfallen konnte.
„Hey, kannst du mich hören? Hallo? Hallo?“
Doch das Mädchen sagte kein Wort mehr. Ihre Augen waren fast geschlossen. Nein, sie konnte keinen Schritt mehr weitergehen.
„Keine Sorge. Ich bringe dich an einem warmen Ort.“
Vorsichtig hob er sie hoch und trug sie durch die verschneite Landschaft.
Während er den Weg zum Dorf zurück ging, bemerkte er zwei Dinge.
Ersten, sie war nicht schwer, und zweitens, sie war eine Pfauenhenne.

3. Ich hab dich gefunden


„Dad?“
„Oh, Po. Schon so schnell wieder zurück?“
„Dad, komm schnell!“
In der nächsten Sekunde schaute Mr. Ping um die Ecke. Er vergaß fast sein Bein, als er die Pfauenhenne in Pos Armen sah.
„Oh, wer ist das?“
„Ich hab sie draußen aufgegabelt. Sie benötigt dringend Wärme.“

„Was für ein Glück“, meinte Mr. Ping. „Die kleinen Forstbeulen werden alsbald wieder abheilen.“
„Danke für dein Hilfe, Dad.“
Po saß neben einem Bett in dem die Pfauenhenne jetzt lag. Sie war noch immer bewusstlos, aber ihre Atmung verlief gleichmäßig.
„Ich frage mich, was da draußen nur wollte. Mitten in der tiefsten Winterzeit.“
„Oh, sieh nur.“
Die Pfauenhenne bewegte ihre Gesichtsmuskeln und begann zu blinzeln.
Po beugte sich weiter vor und winkte mit der Hand. „Hi.“
Langsam bewegte sie die Augen ein wenig. „Wo bin ich? Ich war… im Schnee…“
„Tja, jetzt liegt du in einem warmen Bett.“
Sie tastete über die Decke.
„Wie fühlst du dich?“
„Ein bisschen… schwindelig.“
„Das geht vorbei“, beruhigte Mr. Ping sie und hielt ihr eine Schüssel hin. „Ich habe hier eine Suppe für Sie. Das wird Sie aufwärmen.“
Po half ihr sich aufzurichten. Wenigstens hatte sie wieder genug Kräfte gesammelt, um die Schüssel halten zu können. Mit einem dankbaren Nicken nahm sie sie an sich. „Danke.“
Sie nahm mehrere Schlucke. Der Dampf wirbelte sich unter ihren Atemzügen.
Po versuchte ein Gespräch. „Wie heißt du?“
Sie zögerte einen Moment bevor sie antwortete.
„Xia.“
„Nett dich kennen zu lernen. Ich bin Po. Und das ist mein Vater.“
Verwundert schaute sie ihn an. „Dein Vater?“
„Nun, wir sehen uns nicht ähnlich, aber immerhin…“
Er beobachtete sie. War sie so verwirrt über seinen Vater?
Sie saß schweigend im Bett, starrte in die Suppenschüssel wie im Trance und bewegte sanft die Lippen. „Einen Vater.“
„Alles okay?“
Sie zuckte zusammen. „Nein, ja… ähm.. ich weiß es nicht.“
Sie legte die Schüssel beiseite und rieb sich die Stirn mit tiefem Seufzer.
„Nun, wo wolltest du hin, was ist dein Ziel?“, fragte Po vorsichtig. „Warum bist du zu dieser Zeit durch den Schnee gegangen?“
Sie schaute auf und beäugte ihn unsicher. Dann holte sie verzweifelt Luft.
„Ich war auf dem Weg, um den Drachenkrieger zu finden. Er soll in einem Tal des Friedens leben.“
Po riss vor Überraschung die Augen auf.
„Du bist im Tal des Friedens.“
Jetzt wurden ihre Augen weit. „Bin ich das?“
„Ja, und der Drachenkrieger, nach dem du suchst, steht gerade vor dir.“
„Du? Du bist der Drachenkrieger?“
Po lächelte. „Nun, vielleicht sieht es nicht so aus, aber ich bin es, offiziell.“
Der Panda erschrak, als er Tränen in ihren Augen sah.
„Dem Himmel sei Dank, ich hab dich gefunden!“.
Po wich zurück. Die Pfauenhenne war aufgesprungen und griff nach seinem Arm.
„Jetzt wird alles wieder gut.“
Sie lehnte ihren Kopf an sein Fell, dass er ein weinig errötete. „Äh, danke, äh… brauchst du Hilfe?“
Sie lockerte ihren Griff und sah ihn flehentlich an. „Mehr von jemand anderen.“
„Einem anderen?“
„Ja, ich habe nach dir gesucht, damit weil du mir sagen kannst, wo ich ihn finden kann.“
„Wen?“
„Lord Shen.“
Po riss die Augen noch weiter auf. „Warum willst du das wissen?“
„Zeig mir nur, wo er ist. Es ist sehr wichtig!“
Ihr Griff um seinen Arm wurde enger.
Po wusste nicht was er davon halten sollte und beäugte sie neugierig. Sie war jung. Vielleicht sogar jünger als er. Doch warum wollte sie den Lord sehen? Er bewegte skeptisch den Mund. Sie war eine Pfauenhenne und er ein Pfau. Vielleicht eine Verehrerin. Shen war ja keine unbekannte Person.
„Nun, ich weiß nicht, ob er jemanden sehen möchte.“
„Ich muss ihn sehen! Jetzt sofort!“
„Jetzt sofort? Das ist nicht dein Ernst, oder? Es ist Winter. Die Straßen sind völlig verschneit. Besser du wartest bis… vielleicht nächste Woche.“
„Nein! Ich muss ihn sofort sprechen! Es geht um Leben und Tod!“
„Leben und Tod? Äh, also ist es in diesem Fall ein Notfall?“
„Ja, ist es.“
„Mmm, nun…“
Po dachte nach. „Wenn es so dringend ist.“
„Aber Po“, mischte Mr. Ping sich ein. „Weiß du denn wo er wohnt?“
„Natürlich weiß ich das.“
Mr. Ping war überrascht. „Wirklich, woher?“
„Er hat mir vor ein paar Wochen einen Brief geschrieben.“
Damit lief er in die Ecke seines Zimmers, wo er allerlei Sachen aufbewahrte, seine Spielsachen, Schüsseln und allerlei Papiere.
„Oh, da ist es.“
Er zog eine Schriftrolle heraus.
„Er schrieb, dass er eine Stadt in den Mianyang Bergen errichtet hat.“
„Im Mianyang Gebirge?“ Mr. Ping war nicht gerade begeistert. „Aber Po, das ist mehr als vier Tage weg von hier entfernt. In der Winterzeit brauchst du vielleicht sogar fünf Tage.“
„Das nehme ich in Kauf“, sagte Xia. „Ich bin schnell.“
„Warte, du willst dahingehen? Alleine?“
„Ich reise schon die ganze Zeit alleine.“
„Aber vielleicht wirst du Probleme vor seinem Haus bekommen.“
„Warum, Po?“, fragte Mr. Ping
„Er schrieb auch, dass niemand ohne Genehmigung reinkommen darf. Die Stadt ist immer noch in der Aufbauphase und er erlaubt keine Fremden. Und ich kann mir nicht erlauben, sie alleine gehen zu lassen. Vielleicht friert sie sich draußen noch zu Tode.“
Mr. Ping hielt den Atem an. „Du kannst es ihr nicht erlauben… warte, warte! Wovon redest du da? Du willst sie nicht alleine gehen lassen? Po, du wagst doch nicht etwa, oder?“
„Aber Dad, ich kann sie doch nicht ohne Begleitung weiterreisen lassen.“
„Begleitung?“ Xia sah ihn mit großen Augen an. „Heißt das, du willst mit mir mitkommen?“
„Natürlich werde ich das. Als der Drachenkrieger bin ich jederzeit bereit zu helfen.“
„Aber Po, was wird dein Lehrer dazu sagen?“
„Was soll er denn sagen?“
„Du weißt, dass er nicht über dein Vorhaben begeistert sein wird.“
„Shifu? Ach, keine Sorge. Ich überrede ihn schon.“

4. Eine Frage des Vertrauens


„Nein, Po!“
„Aber, Meister…“
„Nein, du bleibst hier!”
“Aber das ist ein Notfall! Es geht hier um Leben und Tod. Ist doch so, oder?“
Xia nickte.
Sie stand mit Po und Meister Shifu in der Palast Halle. Shifu ging hektisch auf und ab und warf ihr immer wieder einen skeptischen Blick zu. Es schmeckte ihm überhaupt nicht, dass sie eine Pfauenhenne war.
„Dein Platz ist hier“, versuchte er es erneut.
„Aber die Furiosen Fünf sind doch da. Sie sind stark genug das Tal ohne mich zu beschützen, genauso wie sie früher immer so gemacht haben.“
Shifu hielt an, seine Hände auf den Rücken verschränkt und starrte den Panda grimmig an.
„Po, komm mal her.“
Der Drachenkrieger seufzte. Er gab Xia einen entschuldigenden Wink und folgte Shifu in eine Ecke der Halle.
„Was macht dich so sicher, dass du ihr vertrauen kannst?“, zischte Meister Shifu, jedoch so leise, dass sie es nicht hören konnte.
„Ich weiß es nicht. Ich weiß es eben.“
„Das ist keine Erklärung.“
„Aber ich bin der Einzige, der sie zu der neuen Stadt bringen kann.“
„Und was macht dich so sicher, dass Shen dich wieder gehen lassen wird?“
„Aber Meister Shifu. Wir gaben uns doch das Versprechen unsere Waffen ruhen zu lassen.“
Shifu verengte die Augen. „Es ist ein leichtes für ihn ein Versprechen zu brechen. Denk darüber nach. Er ist immer noch ein Gesetzloser.“
„Meister.“ Mit flehentlichem Blick sah Po seinen Lehrer an. „Bitte, lassen Sie mich mit ihr gehen. Sonst werde ich solange keine Ruhe geben bis sie ihr Ziel erreich hat.“
„Weißt du denn, was sie dort will?“
„Nein, sie will es nicht sagen.“
„Warum willst du dann das Risiko eingehen?“
„Weil ich ihr vertraue. Ich kann nicht glauben, dass sie böse Absichten hat, und ich glaube nicht, dass Shen mich bedrohen wird. Ich werde beweisen, dass er mir vertrauen kann.“
Shifus Augen nahmen einen eisigen Ausdruck an. „Po. Gutgläubigkeit kann sehr schnell in Naivität umschlagen. So etwas ist gefährlich.“
„Selbst wenn es so ist, dann lassen Sie es mich wenigstens herausfinden.“
Shifu seufzte. Sorgenvoll senkte er den Blick. „Ich sehe, mein Einfluss ist nicht stark genug. Doch sei gewarnt. Du bist dann ganz auf dich alleine gestellt. Völlig alleine.“
„Ich weiß. Keine Sorge. Ich war schon vorher mit ihm allein zusammen. Es kann nur besser werden.“

„Po, versprich mir, dass du auch immer genug isst.“
Mr. Ping zog einen großen Rucksack hinter sich her und gab ihn an Po weiter. „Ich hab dir extra genügend eingepackt.“
„Aber Dad. Du solltest doch mit deinem Bein nicht so schwere Sachen schleppen“, sagte Po und nahm ihm den Rucksack ab. „Und nebenbei bemerkt, kommen wir unterwegs an vielen Herbergen vorbei.“
„Na und, man bekommt doch immer Hunger auf dem Weg.“
„Okay, Dad.“
Damit schulterte Po sich den Rucksack über.
Er stand vor Mr. Pings Haus und war fertig für die Reise.
Auch Meister Shifu, der allerdings immer noch nicht mit seiner Entscheidung einverstanden war. „Auch wenn ich deine Reise immer noch sehr missbillige, so wünsche ich dir dennoch viel Glück. Und komm gesund wieder zurück.“
„Alles klar, Meister. Wir sehen uns.“
„Und wir sollen wirklich nicht mit dir kommen?“
Monkey war ein bisschen enttäuscht, dass ihr Freund wieder eine Reise ohne sie unternahm.
Doch Po schüttelte den Kopf und sah seine fünf Freunde dankbar an.
„Nein, danke, aber nein. Shen hat gesagt, dass er niemand anderen in seine Stadt erlaubt. Besonders keine Kung Fu Krieger, außer mir. Ihr hab die Aufgabe euch um das Tal zu kümmern. Aber…“
Er beugte sich zu ihnen vor. „Ihr könnt mir einen Gefallen tun, indem ihr ab und zu meinem Vater etwas bei den Hausarbeiten helft, okay?“
„Was hast du gesagt, Po?“
„Nichts, Dad. Nun denn. Wir sehen uns! Bis dann.“
„Oh, Po.“
Mr. Ping gab ihm eine letzte Umarmung. „Pass gut auf dich auf und komm sicher wieder zurück.“
„Mach ich, Dad. Und versprich mir, dass du dein Bein schonst. Okay, gehen wir.“
Xia hatte draußen vor dem Tor gewartet und schenkte ihm ein dankbares Nicken.
„Du musst das nicht tun, dass weist du schon.“
„Ich weiß“, sagte Po und lächelte ihr zu. „Doch ich bring dich gerne zur Stadt. Nun denn, auf Wiedersehen! Tschüss Leute! Tschüss Meister Shifu! Tschüss Dad.“
Mr. Ping und seine Freunde winkten ihm nach. Nur Meister Shifu starrte ihm hinterher und murmelte nur einen einzigen Satz. „Viel Glück, Drachenkrieger.“

Mehrere Tage wanderten sie durch Eis und Schnee. Unterwegs legten sie Pausen in mehreren Gaststätten ein. Am vorletzten Tag erreichten sie die letzte Etappe vor den Mianyang Bergen.
„Viele Dank, dass Sie uns ein Zimmer anbieten“, sagte Po und betrat einen kleinen Raum, was der Herbergsvater, eine alter Gans, ihnen zur Verfügung stellte.
„Wir haben selten Besuch“, sagte er und zeigte ihre Betten. „Für eine Nacht könnt ihr bleiben. Gute Nacht.“
„Gute Nacht.“
Der Herbergsvater verließ sie und schloss die Tür.
Po sah aus dem Fenster, wo er die ersten Berge des Gebirges sehen konnte. „Nun, wir stehen jetzt am Rande des Mianyang Gebirges. Und morgen werden wir in der Stadt sein.“
Damit warf er sich aufs Bett und streckte seine kalten Füße. „Oh, oh. Was für ein Spaziergang. Was ist mit dir? Sind deine Füße auch so eingefroren?“
Als er keine Antwort erhielt, sah er auf. Die Pfauenhenne blickte nun ebenfalls aus dem Fenster, wo es draußen schon langsam dunkel wurde.
„Po?“
„Ja?“
„Wie ist er eigentlich?“
„Mmh?“
„Ich meine“, sie löste sich vom Fenster und ging zu ihm rüber. „Du hast mir gesagt, dass er und du, Feinde gewesen ward, vom ersten Tag an. War es nicht so?“
„Mm, ja.“
„Und jetzt?“
Po senkte den Blick. Er wusste nicht, ob es klug war ihr die ganze Wahrheit über ihn zu sagen. Und er musste zugeben, dass er selber nicht alles über den Lord wusste, der seine Familie ermordete und viele anderen Leute. Wer war sie nur? Was sollte sie wissen und was nicht?
Die Pfauenhenne knetete ihre Hände. „Du musst nicht antworten, wenn du nicht willst.“
„Doch, doch, aber, es ist eine lange Geschichte. Eine sehr lange Geschichte.“
„Ich hab Zeit.“
Der Panda war ein wenig beeindruckt. Sie wollte etwas wissen, wollte ihn aber nicht drängen. Po seufzte und beschloss zumindest nur die Hauptereignisse zu erzählen, die er wusste.
„Okay.“
Damit setzte er sich im Bett auf, während Xia auf ihrem eigenen Bett Platz nahm und ihn aufmerksam beobachtete.
Po räusperte sich. „Nun, alles begann in einer weit entfernten Stadt namens Gongmen. Doch mein richtiges Leben startete im Tal des Friedens…“
Und damit begann Po zu erzählen was alles damals passiert war. Zuerst wie er zum Drachenkrieger geworden war, und wie er erfuhr, dass sein Vater nicht sein richtiger Vater war, der Weg nach Gongmen, und was Shen vorgehabt hatte. Details zum Massaker im Panda Dorf hingegen ließ er aus. Dann darüber wie er seinen inneren Frieden gefunden hatte, wie er Shens Armee besiegt hatte, wie er Shen erneut wieder getroffen hatte und was sich danach alles im Tal des Friedens bis zum Fest des Friedestages ereignet hatte.
Xia unterbrach ihn nicht. Sie lauschte seinen Worten wie in einem tiefen Traum.
„Und das war der letzte Tag, wo ich ihn gesehen hatte“, beendete Po seine Geschichte. „Bis er mir einen Brief schickte. Er hat übrigens hinzugefügt, dass es nicht seine Idee gewesen war, sondern die der Wahrsagerin, die ihn geraten hatte mich zu informieren.“
Er sah sie an. Immer noch gefangen in seinem Bericht.
„Und das war alles.“
Wie aufs Stichwort begann die Pfauenhenne sich wieder zu bewegen, als wäre sie gerade aus einer Trance erwacht.
Sie senkte den Blick und flüsterte ein sanftes: „Danke.“
Po beobachtete wie sie sich hinlegte auf ihr Bett und an die Zimmerdecke starrte.
„Möchtest du sonst noch über etwas reden, oder wissen?“, fragte er vorsichtig.
Sie schüttelte den Kopf. „Nein, aber danke, dass du mir das erzählt hast.“
„Kein Problem“, antwortete er etwas unsicher. War es nun gut oder schlecht?
Sein Blick fiel nach draußen. Die Nacht war angebrochen.
„Nun, wir sollten schlafen. Und morgen sehen wir weiter.“
„Mm, ja, dann sehen wir weiter.“
Ihre Stimme klang schwach, doch Po wollte sie drauf nicht ansprechen.
„Okay, gute Nacht.“
„Gute Nacht.“
Und dies waren auch die letzten Worte, die sie miteinander in dieser Nacht wechselten.

„Okay, dieses Schild ist neu.“
Nachdenklich rieb sich Po übers Kinn, während er den Wegweiser beäugte.
Sie standen in der verschneiten Landschaft auf einem großen, breiten Pfad, der durch die Berge führte.
„Changkong“, las er. „Nun, entweder ist es der Name der Stadt oder von der Gegend. Wie auch immer, gehen wir weiter. Es muss gleich über diesem Hügel sein.“
Po ging voraus. Xia folgte ihm. Jetzt jedoch ein bisschen langsamer als vorher.
„Ist dir kalt?“, fragte Po.
„Nicht wirklich.“
Sie schlang ihre Robe enger um sich.
„Wir sind fast da. Ich bin sicher, dass wir einen warmen Platz bekommen werden…“
Er hielt inne. Xia sah ihn überrascht an. „Stimmt etwas nicht?“
„Äh, nein, nur ein paar…“
Er deutete nach vorne.
Am Ende des Pfades, wo der Weg steil nach oben ging, standen zwei große Figuren in dicken Schafsfellen.
„Ich glaube, wir sind näher dran als ich dachte“, murmelte Po.
Damit ging er auf die zwei vermummten Gestalten zu und winkte mit der Hand.
„Hey! Hallo! Sind wir hier richtig an der Stadt von Lord Shen? Er soll soweit ich weiß hier wohnen.“
Mit grimmigen Blicken starrten die zwei Ziegenböcke auf die fremden Reisenden herab.
„Wer will das wissen?“, frage einer von ihnen mit tiefer, verärgerter Stimme.
„Nun”, begann Po von neuem. „Wir waren in der Nähe und… oh.“
Erst jetzt fiel ihm das große Holzschild hinter den zwei Wächtern auf, wo ein großer roter Pfau mit weit geöffneten Schwingen und langen Federn abgebildet war.
„Wow, er hat sei Logo geändert. Sehr nett.“
Die zwei Ziegenböcke schnaubten verärgert und Po kam auf den Grund ihrer Anwesenheit zurück.
„Wir wollen gerne mit Lord Shen sprechen. Ist er zuhause?“
Die großen Ziegen stießen so stark die Luft aus den Nüstern, dass ihnen der Wind über ihre Köpfe wehte.
„Keine Fremden. Befehl.“
„Nun, wir, oder ich bin, kein Fremder genauer genommen. Ich bin der Drachenkrieger.“
Doch die Wachen zeigten sich unbeeindruckt von dieser Verkündung.
„Keine Fremden. Auch keine Fast-Fremden. Niemand.“
„Aber es ist sehr wichtig. Meldet uns an.“
„Der Lord erlaubt keine Besuche.“
„Hey, habt ihr denn nichts Besseres zu tun, als einen auf Smalltalk zu machen?“
Ein sehr kleines Schaf mit kleinen Hörern auf den Kopf und rot-gelben Mantel tauchte zwischen den beiden Giganten auf, aber seine Stimme hatte die von einem erwachsenen Mann. Jetzt sah auch er die beiden Reisenden.
„Wer ist das?“
„Unruhestifter“, klärte ihm einer der Riesen auf. „Sie wollen den Lord sehen.“
„Sorry, aber der Lord ist sehr beschäftigt“, gab das kleine Schaf als Antwort.
Jetzt wurde Po ungeduldig. „Wir auch. Das ist ein Notfall.“
Doch das kleine Schaf zeigte kein Interesse. „Tut mir leid, schafft sie weg.“
„HEY! So behandelt man aber nicht den Drachenkrieger!“
Plötzlich hielt das Schaf mitten im Gehen inne. „Du bist der Drachenkrieger?“
„Nun, es sieht vielleicht nicht so aus. Aber ich bin es.“
„Oh, in diesem Fall ist es was anderes. Lasst ihn durch.“
Po war etwas verwirrt. Meinte das Schaf es ernst oder sollte das nur ein Scherz sein, um sie anschließend wieder rauszuwerfen?
„Wirklich? Kein Witz?“
Das Schaf winkte mit der Hand. „Komm schon.“
„Und was ist mit ihr? Sie gehört zu mir.“
Po deutete auf Xia, die immer noch vor der bewachten „Tür“ stand und unsicher zwischen den beiden Wächtern hin und her schaute.
Das kleine Schaf strich sich übers Kinn. „Nun. Der Lord wird es entscheiden.“
Po seufzte erleichtert. „Du hast es gehört. Komm rein.“
Zuerst zögerte sie, doch dann gab sie sich einen Ruck und schritt den Weg hoch, die das kleine Schaf ging und gemeinsam erklommen sie den Hügel.
„Woher weißt du von mir?“, frage Po.
„Jeder weiß über dich Bescheid“, antwortete das Schaf.
„Aber nicht diese zwei.”
„Sie haben ihre Befehle und nehmen ihren Job sehr ernst. Jeder könnte das sagen, dass er der Drachenkrieger wäre.“
„Und warum glaubst du mir, dass ich der Drachenkrieger bin?“
„Meine Großtante hat mir berichtet, dass sie dich erwarten würde.“
„Deine Großtante?“
Po zögerte einen Moment. „Könnte es sein, dass…“
Plötzlich hielt er an. Sie hatten die Spitze des Hügels erreicht. Mit offenen Münden blickten sie nach unten.

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Kapitel:4
Sätze:621
Wörter:5.030
Zeichen:28.417

Kurzbeschreibung

Während Shen seine neue Existenz aufbaut, erscheint eine junge Pfauenhenne und offenbart ihm Dinge aus seiner Vergangenheit in der Verbannung, die der Lord nie erwartet hat und nicht glauben kann. [Fortsetzung zu "Die letzte Chance"]