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Zuhause

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19.2.2017 19:10
Fertiggestellt

In Hogwarts wurden Feste immer besonders ausschweifend gefeiert. Es gab massenweise Essbares und Getränke und natürlich durften auch die Süßspeisen nicht fehlen, die besonders den jüngeren Schülern immer ein Lächeln ins Gesicht zauberten. Es war laut und warm in der großen Halle, wann immer eines dieser Feste stattfand und die Schüler plapperten laut untereinander.

An diesem Tag galten die Gespräche ganz klar einem Thema: Der Abreise. Die Schüler hatten ihre Prüfungen hinter sich und nun gab es das letzte Festmahl des Jahres, bevor der Hogwarts-Express sie am nächsten Morgen wieder nach London bringen würde. Am Tisch der Gryffindors, über welchem ein rot-goldenes Banner mit einem Löwen hing, saß eine kleine Truppe aus Erstklässlern.

Zwei der Jungs hatten rabenschwarze Haare, die anderen beiden eher braune. Sie alle wirkten glücklich und ausgelassen, sie hatten gerade erst ihr erstes Schuljahr hinter sich gebracht und hatten dadurch auch allen Grund zu feiern. Keiner von ihnen schien irgendwelche Sorgen zu haben.

Außer Sirius. Er schien bedrückt zu sein, was er versuchte, sich nicht anmerken zu lassen. Sein Blick war für einen kurzen Moment an die sternenbehangene Decke gehuscht, doch er wandte diesen sofort wieder ab. Wenn man wie er aus einer alten Reinblutfamilie stammte, die sehr viel auf Traditionen legte und damit auch die verbundene Namensvergebung ihrer Stammhalter, so erinnerten die Sterne Sirius nie an etwas Gutes.

Er hatte es immer gehasst, nach einem Stern benannt zu werden. Bereits in der ersten Unterrichtswoche wurde er mindestens dreimal gefragt, ob er denn nach dem Hundestern Sirius benannt worden war und ob er ebenjenen in der Nacht anbellen würde. Die Kinder fanden es lustig. Sirius fand es nervend.

"Stimmt was nicht?", fragte Remus zu seiner Linken und Sirius schüttelte schnell den Kopf. "Nein, nein, alles gut. Ich dachte gerade nur an morgen."

"Ah. Ja, ich freue mich auch schon auf zu Hause", antwortete der Junge und Sirius schluckte eine Antwort hinunter. Stattdessen nahm er einen weiteren Bissen Cremetorte.

Bis zum nächsten Morgen schaffte Sirius es den Gedanken an die Abfahrt weitestgehend zu verdrängen. Als es jedoch daran ging, die letzten Sachen zusammen zusammeln und in die Koffer zu schmeißen, konnte er nicht umhin, als daran zu denken, dass er wenigen Stunden seine wahrscheinlich ziemlich enttäuschten Eltern wiederzusehen. Walburga und Orion Black waren alles andere als begeistert gewesen, als sie erfahren hatten, dass ihr ältester Sohn nicht in das ehrenwerte Haus Slytherin gekommen war. Dass er dann auch noch in das Haus Gryffindor eingeteilt wurde, hatte ihnen wohl den Rest gegeben. Sirius konnte sich vorstellen, dass sie Ravenclaw noch gerade so akzeptiert hätten, aber mit Gryffindor war er bei ihnen wohl ganz unten durch.

Seine Familie hielt nicht viel davon, wenn man aus der Familientradition ausbrach. Schon viele Verwandte wurden aus dem Stammbaum entfernt, weil sie nicht mit den Black´schen Regeln konform gingen. Bei Sirius war es wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis seine Mutter auch sein Gesicht aus dem hiesigen Wandteppich im Anwesen der Blacks ausbrennen würde.

Beim Frühstück war er schweigsam, doch das waren viele der Schüler. Lediglich James, sein bester Freund, versuchte erneut ein Gespräch mit Lily Evans anzufangen, einem Mädchen aus ihrem Jahrgang, die jeden seiner Versuche bisher vehement abgewehrt hatte. Es gefiel ihr nicht, wie James und Sirius über ihren Freund Snape redeten - den die beiden heimlich Schniefelus nannten.

"Nein, Potter, ich gebe dir meine Adresse nicht!", keifte Evans und wandte sich dann mit wehendem Haarschopf um, wobei ihre Freundinnen sich wohl nicht ganz zwischen Kichern und Schmachten entscheiden konnten. James und Sirius waren mit die beliebtesten Erstklässler - was hauptsächlich an ihren grandiosen Streichen und ihren guten Noten lag.

"Komm schon, Evans", raunte James und fuhr sich mit der Rechten durch die rabenschwarzen Haare. "Was wär denn schon dabei?"

Doch Lily ignorierte seine Worte gekonnt und aß in aller Ruhe ihr Rührei.

"Abgewiesen, mal wieder", kommentierte Remus James´ lahmen Versuch Lilys Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.
"Das habe ich mitbekommen", murrte James und stach auf seine Würstchen ein. "Aber warte nur ab, nächstes Jahr wird alles anders."

"Oh, das befürchte ich auch", murmelte Remus leise, doch Sirius war sich sicher, dass James ihn nicht gehört hatte.

Endlich ging es zum Bahnhof. Während alle Schüler schnatterten, die Lehrer sie verabschiedeten und Hagrid ihnen vom Tor aus hinterher winkte, strahlte die Sommersonne auf ihre Köpfe. Wie durch Zauberhand waren alle Koffer und Gepäckstücke aus der Eingangshalle verschwunden und Sirius hatte das Gefühl, dass dies sicherlich Professor Dumbledores Werk war. Von Weitem konnte man bereits die scharlachrote Dampflok erkennen, die weißen Rauch ausbließ und nur darauf wartete, dass sich ihre Abteile mit Schülern füllten.

Am Bahnsteig gab es ziemlichen Trubel. Auf einmal wollte jeder als erstes einsteigen und daher gab es ein ganz schönes Gedränge an den Türen. Die Vertrauensschüler waren ziemlich damit beschäftigt dafür zu Sorgen, dass die Lok in einem Stück blieb und als endlich alle Türen wieder frei waren, waren die meisten Schüler schon im Inneren und warteten nun ungeduldig darauf, dass es endlich los ging.

"Fühlt sich komisch an. Nach Hause zu fahren, meine ich, oder?", quiekte der etwas pummelige Peter, als die vier Jungs endlich ein Abteil für sich gefunden hatten. James und Remus gaben ihm Zustimmung, Sirius hingegen konnte aus ihrem Fenster noch einen Blick auf das Schloss Hogwarts werfen, wie es auf dem Berg hoch über ihnen thronte.

"Ich fahre nicht nach Hause. Nicht wirklich."

Weißer Rauch fing nun die Lok ein und die Heimreise ging los. Sirius allerdings konnte den Tag nicht mehr abwarten, an dem es endlich wieder zurück ging.

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Kurzbeschreibung

Das erste Jahr der Rumtreiber ist vorbei und alle fahren nach Hause. Oder nicht?