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Wünsche

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29.11.2018 8:15
12 Ab 12 Jahren
Homosexualität
Fertiggestellt

Wünsche

Die Große Halle war herrlich geschmückt. Kürbisse, in denen flackernde Flammen tanzten, Fledermäuse, die in Wolken unter der rabenschwarzen Decke flatterten und natürlich die Berge von Süßigkeiten und Kuchen auf den Tischen. Hermine griff gerade nach dem zweiten Stück Kürbiskuchen, als sich plötzlich eine Gestalt neben sie setzte.
„Hey, Luna.“ Hermine lächelte und machte ihrer Freundin rasch Platz, damit sie sich bequemer setzen konnte.
„Hallo, Hermine. Störe ich?“ Sie strich sich die langen blonden Haare hinters Ohr und ihr Blick wanderte schon interessiert über die Köstlichkeiten auf den Platten, bevor irgendjemand antworten konnte. Gerade, als Ron ein leises ‚Nein, natürlich nicht‘ aussprach, hatte sie schon nach einem Stück Kuchen gegriffen und ein großes Stück abgebissen.
„Geht es dir gut, Harry?“, fragte sie interessiert. „Du wirkst so besorgt.“
Tatsächlich war der besorgte Ausdruck auf Harrys Gesicht Hermine schon seit einigen Tagen aufgefallen, jedoch wusste sie, dass sie keine Antwort auf Fragen bekommen würde. So überraschte sie es auch nicht, als Harry mit einem schlichten ‚nein, alles bestens‘ antwortete.

„Ich mag die Halloween-Feste“, erklärte Luna nach einer kurzen Pause mit einem träumerischen Blick auf einen Kürbis. Die Flammen tanzten in ihren blauen Augen und verliehen ihr eine Lebendigkeit, die Hermine schon früh bei ihr aufgefallen war.
„Hat Hagrid da wieder nachgeholfen?“, fragte Ron mit einem Blick auf die Kürbisse. „Was meint ihr?“
„Wahrscheinlich“, antwortete Hermine und riss sich vom Anblick von Lunas Blick los. „Ich könnte mir nicht vorstellen, wie sie sonst so groß werden sollten.“
„Seht mal!“, rief plötzlich ein Junge, seiner Größe nach ein Erstklässler, vom Hufflepuff-Tisch und deutete in Richtung Decke.
Die Geister der Schule hatten sich dort oben versammelt und begannen nun mit ihrer alljährlichen Vorstellung. Hermine, die dies nun schon öfter gesehen hatte, sah nur mit halber Aufmerksamkeit zu, mehr war sie mit Luna beschäftigt, welche gebannt die Vorstellung an der Decke verfolgte. Sie schob ihren Teller Wackelpudding ein Stück zur Seite, um Platz für ihre Arme zu haben und stützte den Kopf auf die Hände. Hermine wandte den Blick wieder nach oben.
Formationsflüge, Sturzflüge, Figuren, die die durchscheinenden Gestalten mit ihren Körpern bildeten. Mittendrin natürlich der obligatorische Auftritt des Fast-kopflosen-Nicks, der gemeinsam mit einem anderen Geist seine verpatzte Enthauptung nachspielte, was Kreischen der jüngeren Schüler zur Folge hatte. Und schließlich Schlangenlinien in Gruppen quer durch die Halle, bevor sie, teils auf dem Kopf schwebend, durch die Wände verschwanden. Lautes Klatschen dröhnte durch die Halle, bis es schließlich vom allgemeinen Geplapper abgelöst wurde.

„Geister sind schon sehr interessant“, meinte Luna und schob sich einen Löffel voll Wackelpuddings in den Mund. Sie schluckte und fuhr fort: „Vater meinte, als Geist lebst du in einem Zustand des Nichts. Du bist nur ein Abdruck der Seele. Du hast kein Körpergefühl, du existierst eigentlich nicht. Aber dennoch muss da doch etwas sein. Ich wünschte, ich könnte erfahren, wie sich das anfühlt, Geist zu sein.“ Sie aß eine weitere Portion Pudding.
„Die Geistertheorie wird soweit ich weiß noch erforscht. Aber es gibt nicht viele Geister, die darüber reden wollen“, meinte Hermine. „Du willst doch nicht einmal selbst zum Geist werden, wenn du stirbst.“ Sie selbst konnte sich außerdem nicht vorstellen, warum man sein Leben als Geist verbringen wollte. „Angeblich wird in der Mysteriumsabteilung daran gearbeitet.“
„Lass die Mysteriumsabteilung aus dem Spiel“, knurrte Harry finster. Hermine schluckte. Nach all diesen Wochen war Harry immer noch empfindlich. Verständlicherweise, wie Hermine fand.
Luna jedoch ignorierte Harrys Einwand und beschäftigte sich wieder mit ihrem Pudding.

Es war kurz vor Mitternacht, als Luna plötzlich aufstand. Ihr Gesichtsausdruck war merkwürdig.
„Luna, was ist mit dir?“, fragte Hermine. „Ist dir nicht gut?“
Doch Luna antwortete nicht. Sie presste sich nur die Hand auf den Magen, schüttelte den Kopf und ging in gemessenen Schritten zum Ausgang.
„Was ist mit ihr?“, fragte Ron und biss von seinem Kürbiskuchen ab.
Hermine schüttelte langsam den Kopf. „Ich habe keine Ahnung.“ Verwirrt sah sie der jungen Frau nach, die gerade in die Eingangshalle verschwunden war. „Ich gehe ihr besser hinterher.“
Gesagt, getan. Als Hermine in die Eingangshalle kam, konnte sie Luna zunächst nicht erblicken, doch dann sah sie hinter der offenen Tür der Großen Halle einen Schuh herausragen. Dort fand sie das Mädchen, welches völlig fasziniert auf ihre Hände starrte.
„Sieh dir das an, Hermine“, flüsterte Luna. 
Als Hermine ihren Blick auf die Hände richtete, sah sie sofort, was Luna meinte. Die Fingerspitzen färbten sich silbrig und es breitete sich aus. Sehr schnell hatte es die ganze Hand erfasst und kroch aufwärts. Auch die Beine wurden durchscheinend. Als Luna Anstalten machte, sich zu erheben, wollte Hermine ihr helfen, doch ihre Hände glitten wie durch eine Schicht kaltes Wasser. Luna stand nun aufrecht und nun schien es tatsächlich so, als würde sich das Mädchen allmählich in einen Geist verwandeln. Der Körper wurde durchscheinend, und allmählich kroch es den Hals hinauf und schließlich am Kopf.
Luna begann plötzlich, sich in die Höhe zu bewegen, bis sie wenige Zentimeter über dem Boden schwebte.
„Das ist … höchst interessant“, kam es von ihr. Sie machte einen Schritt vor, verlor das Gleichgewicht und fiel, doch anstatt mit dem Gesicht auf den Boden zu knallen, wurde sie wie von Zauberhand knapp über dem Boden abgebremst. Als Luna sich aufrappelte, verkündete ohrenbetäubender Lärm aus der Halle, dass das Fest gerade zu Ende war.
„Schnell, wir müssen hier weg“, flüsterte Hermine. Doch Luna schien nicht imstande, sich vom Fleck zu bewegen. Als Hermine sie an der Hand mit sich ziehen wollte, glitt sie widerstandslos durch den Körper ihrer Freundin hindurch. So blieb ihnen nichts anderes übrig, als sich hinter der Tür zu verstecken, wo es Luna bei ihrem Sturz wieder hin befördert hatte und die bangen Minuten abzuwarten. Doch schließlich wurde es still in der Eingangshalle. Selbst das Maunzen von Mrs. Norris hatte sich in den letzten Minuten entfernt und war schließlich verstummt.

„Ok, jetzt“, flüsterte Hermine. „Wir müssen dich unbedingt in den Ravenclaw-Turm bringen, bevor uns jemand erwischt.“
Doch Luna schien ihr nicht zuzuhören. Sie betrachtete immer noch wie verzaubert ihre durchscheinenden Hände, bevor sie Hermine freudig anlächelte. 
„Hermine! Siehst du das nicht? Ich bin ein Geist, ein richtiger Geist! Oh, Vater wird begeistert sein, wenn ich von dieser Erfahrung berichte. Das wird ihn bei seinen Erfindungen so weiterbringen.“
Hermine verstand nicht, wie Luna die Sache so leichtnehmen konnte. „Du bist ein Geist, Luna, ja. Aber was, wenn du nie wieder zum Menschen wirst? Ich meine, so kannst du doch niemals ein Menschenleben führen. Du wärest gestorben, ohne dass du gestorben wärst. Dein Leben wäre zu Ende. Du …“
Doch Luna hielt einen ihrer durchscheinenden Finger vor Hermines Lippen, um ihren Redeschwall zu stoppen. Das Mädchen berührte sie nicht, doch Hermine spürte trotzdem eine Kälte auf ihren Lippen. Es verursachte ihr Gänsehaut.
„Schh, Hermine.“ Luna lächelte und obwohl ihre Augen jegliche Farbe verloren hatten und genauso silbrig waren, hatten sie genau denselben träumerischen Ausdruck, der Hermine noch jedes Mal in seinen Bann gezogen hatte. Es hatte etwas Beruhigendes. 
„Es wird alles gut werden“, flüsterte Luna leise. „Und bis es wieder rückgängig wird, lass es uns doch auskosten.“
Hermine leckte sich über die trockenen Lippen. „Woher bist du dir so sicher, dass du wieder zum Menschen wirst?“, fragte sie. 
Lunas Lächeln wurde breiter. „Ich weiß es einfach.“ Sie glitt mit ihrer Hand an Hermines Wange entlang, die Kälte verursachte Gänsehaut. Sie sahen sich in die Augen, bis Luna die Hand wegnahm.

„Also, Schritt eins. Wie komme ich wohl vom Fleck?“, fragte sie. Der Moment war vorüber.
Hermine schüttelte sich innerlich, um aus ihrer Trance zu kommen. Konzentriere dich auf das Wesentliche, schalt sie sich.
„Versuch, mal normal zu gehen“, schlug sie vor. „So, wie du normal gehen würdest.“
Luna versuchte, einen Fuß zu heben, was ihr auch gelang, doch sie verlor fast augenblicklich wieder das Gleichgewicht. Auch der nächste Versuch schlug fehl.
„Woran liegt das?“, fragte Hermine schließlich nach dem fünften Versuch, bei dem Luna ein weiteres Mal auf dem Boden gelandet war. „Wie fühlt es sich an, wenn du versuchst, zu gehen?“
Luna rappelte sich wieder auf und strich sich das Haar zurück.
„Ich fühle mich schwerelos. Und gleichzeitig spüre ich, wie mich etwas zu Boden zieht, doch gleichzeitig ist da etwas, was verhindert, dass ich den Boden berühre. Wenn ich versuche zu gehen, fühlt es sich an, als ob alles ins Wanken gerät. Wie das Gefühl, wenn man im Wasser schwebt und vornüberkippt.“
„Wasser“, murmelte Hermine nachdenklich. „Wasser … vielleicht ist das die Lösung! Versuch zu schwimmen. In der Luft schwimmen.“ Und tatsächlich, als Luna begann, mit den Armen Schwimmbewegungen zu machen, bewegte sie sich. Zentimeterweise bewegte sie sich vorwärts.
„Und jetzt noch die Beine dazu“, flüsterte das Mädchen, stieß sich ab und glitt durch die Luft, mit rudernden Armen und Beinen.
„Es ist wirklich merkwürdig“, erklärte sie träumerisch. Sie tat einen weiteren ‚Schwimmzug‘ und zog Kreise um Hermine herum. „Man glaubt, man müsste fallen, aber da ist nichts. Ich fühle mich so leicht.“
Hermine, die ihre Freundin beobachtete, musste grinsen. Lunas Schwimmbewegungen hatten nichts mit dem eleganten Gleiten der Schulgeister zu tun. Es musste noch einen anderen Trick geben, doch für ihre Zwecke würde es reichen.

Langsam ging sie neben ihrer Freundin her, welche verträumt durch die Luft schwamm und dabei leise summte. Doch als sie die Große Treppe emporstiegen, hörten sie plötzlich eine Stimme. Leises Gefluche, welches sie nur zu gut erkannten. Filch.
„Was macht der hier?“, zischte Hermine. „Ich dachte, er sei in seinem Büro.“ Wie dem auch sei, sie mussten schnell hier weg. Sie beeilten sich, die Treppe emporzuklettern und in den nächstgelegenen Ganz zu huschen. Der Korridor lag im zweiten Stock und war völlig ausgestorben. Die Rüstungen standen in ihrer ewigen Stille in der Dunkelheit, nur gleichmäßige Flecken Mondlicht, welches durch die Fenster schien, erhellte den Gang.
Hermine beeilte sich, in einer Nische in Deckung zu gehen, dicht gefolgt von Luna. Sie striff Hermine mit ihrem Arm und Hermine lief ein Schauder über den Rücken.
Sie konnten Filch im Treppenhaus hören, der leise schimpfend näherkam. Doch schließlich entfernte sich die Stimme wieder. Hermine atmete auf.
So leise sie konnte schlüpfte Hermine aus der Nische heraus.
„Wo müssen wir jetzt lang?“ Unsicher blickte sie nach rechts, wo sich der Gang in der Dunkelheit verlor. Eben dort deutete Luna jetzt hin. 
„Wenn wir dort lang gehen, müssen wir die große Treppe nicht verwenden und wir können Filch aus dem Weg gehen.“ Hermine nickte und zog den Zauberstab. 
„Lumos!“, flüsterte sie. Der Lichtpunkt durchbrach die Dunkelheit und erleuchtete den Gang vor ihnen.

Als sie beinahe das Ende des Ganges erreicht hatten, und Hermine die Hand nach der Türklinke ausstreckte, trat plötzlich eine silbrige Gestalt durch ebendiese.
„Sir Nicolas!“, rief Hermine. Ihre Stimme durchbrach die Stille, hallte im Gang wieder. Erschrocken zuckte sie zusammen und hielt sich die Hand vor den Mund.
„Hallo, Nicolas“, begrüßte Luna den Geist verträumt, als sei es das Natürlichste der Welt, mitten in der Nacht als Geist in einem dunklen Gang zu schweben, sich mit Schwimmzügen in der Luft zu halten und einen anderen Geist zu begrüßen, der gerade durch eine Tür geschwebt war, die man eben öffnen hatte wollen.
„Hallo Hermine.“ Nick wirkte nicht minder erstaunt. „Was tun Sie denn hier? Und Sie sind wer?“, fragte er Luna. „Ich glaube nicht, dass ich Sie schon einmal bei einem Geistertreffen gesehen habe. Wie sind Sie gestorben und wann?“
Hermine wollte die Fehlannahme gerade richtigstellen, doch Luna kam ihr zuvor. „Oh, das ist ein Missverständnis“, erklärte sie. „Ich bin nicht tot. Ich bin Schülerin dieser Schule, in Ravenclaw und habe mich heute Abend aus irgendwelchen Gründen in einen Geist verwandelt.“
Nick sah Luna verwundert an. Luna, die immer noch in der Luft schwebte und leichte Schwimmbewegungen machte, um das Gleichgewicht nicht zu verlieren, lächelte ihn mit abwesendem Blick an. „Können Sie mir vielleicht etwas Nachhilfe im Geistsein geben?“, fragte Sie schließlich.
Nick erwachte aus seiner Starre. Sein Blick ruhte für einige Sekunden auf Luna, ehe er nickte. 
„Natürlich. Ich werde Sie zum Ravenclaw-Turm geleiten und Ihnen unterwegs zeigen, wie sie sich besser fortbewegen können. Diese Art ist ja nicht sonderlich … elegant“, schloss er etwas lahm.
„Die Fortbewegung eines Geistes ist sehr von seinen Gedanken gesteuert“, erläuterte Nick. „Sie müssen sich selbst sehen, wie Sie sich fortbewegen, müssen spüren, wie Sie sich durch die Luft bewegen. Auf diese Art kommen Geister auch durch Wände. Man muss sich seine Bewegungen vorstellen. Die Art des Schwimmens ist vor allem am Anfang noch sehr beliebt, weil sie leicht ist, aber zum Beispiel durch Wände kommt man nicht. Das kann man nur durch die Kraft der Gedanken.“

Luna hatte interessiert und sehr aufmerksam zugehört und auch Hermine hatte wie gebannt gelauscht. Wenn das Fortbewegen als Geist so schwer war, musste es doch eine Herausforderung sein, dies so beiläufig im Schulbetrieb zu machen. Dies sagte sie auch, worauf Nick leise lachte.
„Es ist Übungssache, Hermine. Reine Übung. Mit der Zeit wird alles leichter.“
Tatsächlich gelang es Luna mit äußerster Konzentration, sich von der Stelle zu bewegen. Langsam, zentimeterweise schwebte sie aufrecht im Gang herum. Das Licht von Hermines Zauberstab reichte nicht weit, doch selbst, als Luna aus dem Lichtkegel in die Dunkelheit schwebte, glaubte Hermine, immer noch ein silbriges Schimmern zu sehen. Dann kam sie zurück, in einem schnelleren Tempo diesmal.
„Es funktioniert“, sagte sie und lächelte. Ihre Augen funkelten, als sie schließlich nach oben blickte, ihr Gesicht einen konzentrierten Ausdruck annahm und sie schließlich in die Höhe schwebte, in die Dunkelheit zwischen den Stützbogen der Decke.
Nick schien auch erfreut. „Wunderbar“, sagte er. „Dann bringe ich Sie jetzt in ihre Gemeinschaftsräume. Aber beeilen wir uns.“
Luna hielt sich nicht mit der Tür auf, sondern folgte Nick durch die Wand. Hermine tat sich ziemlich schwer, mit den beiden Geistern mitzuhalten und als sie schließlich vor einer Tür mit einem bronzenen Türklopfer ankamen, war sie völlig außer Atem.
„Luna ist jetzt in Sicherheit“, erklärte Nick. „Ich begleite auch noch Sie, Hermine.“
„Hermine, kannst du für mich noch den Klopfer betätigen?“, fragte Luna. „Ich möchte den richtigen Weg gehen, nicht durch die Wand schweben.“ Sie deutete mit dem durchsichtigen Zeigefinger auf den bronzenen Türklopfer, der die Gestalt eines Adlers hatte. Hermine nickte, erfüllte ihr den Wunsch und gleich darauf ertönte eine metallische, krächzende Stimme: „Es ist größer als Gott, größer als der Teufel. Die Armen haben es, die Reichen brauchen es, doch wenn man es isst, stirbt man.“
Luna lächelte. Ihr Lächeln zog Hermine wieder in ihren Bann. Sie kam ein Stück näher.
„Man muss eine Frage beantworten“, erklärte sie mit leiser Stimme und wandte den Blick nicht von Hermine ab. „Liegt man richtig, wird man eingelassen, tut man das nicht, muss man warten, bis jemand die richtige Antwort weiß.“
Hermine schluckte leicht. „Und, weißt du die Antwort?“, fragte sie rau.
„Ich würde sagen, es ist das Nichts“, antwortete Luna leise. Dann beugte sie sich vor. Ihre durchscheinenden Lippen streiften Hermines, welche das Gefühl hatte, man würde ihr das Gesicht mit Eiswasser übergießen.
Der Adler breitete die Flügel aus. „Vollkommen richtig“, krächzte er. Die Tür öffnete sich.

„Bis morgen, Luna“, sagte Hermine und trat einen kleinen Schritt zurück. Sie hob die Arme und wollte Luna umarmen, doch da dies nicht möglich war, begnügte sie sich mit einem Lächeln. „Schlaf gut. Und du bist dir sicher, dass das rückgängig wird?“
„Das bin ich“, kam die Antwort. „Schlaf du auch gut.“ Luna sah Hermine sanft an. „Und mach dir keine Sorgen.“ 
Hermine wandte sich um und folgte Nick den Gang hinunter. Sie hörte, wie sich die Tür schloss, das Geräusch durchbrach die Stille wie ein Gewehrschuss. Schließlich erreichte sie das Porträt der Fetten Dame, wo sie sich von Nick verabschiedete und den menschenleeren Gemeinschaftsraum betrat.
 

****


Als Hermine am nächsten Morgen die große Halle betrat, fühlte sie immer noch den eisigen Nachhall der durchsichtigen Lippen auf ihren. Sie sah als erstes in Richtung des Ravenclaw-Tisches. Und tatsächlich: Dort saß Luna, wieder ein Mensch und verspeiste in aller Ruhe ihr Frühstück. Als ob sie Hermines Blick auf sich spüren würde, hob sie plötzlich den Kopf. Ihre Blicke trafen sich und Luna lächelte. Alles war gut gegangen.

Hast du das schon gehört?“, fragte Ron Hermine, als sie sich neben Harry an den Tisch setzte und sich eine Scheibe Toast nahm.
„Was denn?“, fragte sie abwesend.
„Fred und George haben ein Elixier erfunden, welches den ersten Wunsch nach seiner Einnahme erfüllt. Soll besonders lustig sein, wenn sich die Leute unbedarft irgendwas Komisches wünschen. Aber der Wunsch hat auch nur eine gewisse Zeitspanne. Angeblich haben gestern irgendwelche Drittklässler Luna etwas davon in ihren Wackelpudding geschüttet, als sie an unserem Tisch war. Ist dir was aufgefallen?“
Hermine musste sich ziemlich zusammennehmen. War Fred und George eigentlich klar, wie gefährlich das sein konnte? Was, wenn etwas schiefging. Und außerdem würde das Gesetz diesen Trank bestimmt ähnlich behandeln wie Felix Felicis.
„Nein. Mir ist nichts aufgefallen“, sagte sie gleichmütig. „Vielleicht sollten Fred und George ihre Versuchspersonen besser auswählen, bevor noch irgendjemand Unschuldiger zu Schaden kommt, weil er nicht eingeweiht war.“
Sie verdrehte die Augen und schob sich ihr letztes Stück Toast in den Mund, ihren Blick wieder in Richtung des Ravenclaw-Tisches gerichtet.
„Aber du bist gestern auch spät ins Bett gekommen, hat Lavender erzählt“, meinte Harry. „Wo warst du so lange?“
Hermine hatte das Gefühl, nicht mehr aufhören können zu lächeln. „Ach, ich war nur unterwegs. Geheimnisse lüften und so.“
Und eine genauere Antwort würde man nicht aus ihr herausbekommen.

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„Vater meinte, als Geist lebst du in einem Zustand des Nichts. Du bist nur ein Abdruck der Seele. Du hast kein Körpergefühl, du existierst eigentlich nicht. Aber dennoch muss da doch etwas sein. Ich wünschte, ich könnte erfahren, wie sich das anfühlt, Geist zu sein.“ Lunas Wunsch sollte in Erfüllung gehen. Und wenn sich die beste Freundin in einen Geist verwandelt und du ihr helfen musst, den Ravenclaw-Turm möglichst ungesehen zu erreichen, kann das sehr nervenaufreibend werden, vor allem, wenn sich schon das Fortbewegen als Herausforderung erweist