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Swapped Bodies (Dramione)

1.700
07.02.17 14:34
16 Ab 16 Jahren
Heterosexualität
Fertiggestellt

Hermine saß im Zaubertrankunterricht und schaute zu Professor Slughorn. Er erklärte gerade die Besonderheiten des Vielsafttrankes. Einen Trank, den sie schon im zweiten Schuljahr gebraut hatte. Eigentlich wurde er im Unterricht gar nicht erklärt, allerdings hatte es eine Veränderung des Lehrplans gegeben. Es wurde entschieden, dass der Vielsafttrank doch an die Schüler weitergegeben werden sollte. Und doch hatte Hermine ihn schon gebraut und das damals in einem Badezimmer. Für sie stellte es keine große Herausforderung dar.
Sie wusste genau, dass die nächsten Stunden, an denen sie diesen Trank brauen würden, für sie kein Problem werden würden. Wahrscheinlich musste sie nur einmal auf die Zutatenliste schauen und hatte alles wieder im Kopf.
Und genau das störte Hermine. Sie wollte wieder einmal eine Herausforderung haben. Ein Ziel, für das sie büffeln könnte. Die ersten Wochen des siebten Schuljahres waren aber nicht so informativ, wie sie es sich vorgestellt hatte. Es war fast nur Wiederholung von dem, was sie schon wusste.

Professor Slughorn wies jetzt alle an, die entsprechende Seite im Buch aufzuschlagen. Auch Hermine machte dies und überflog die Liste, die auf der Seite abgebildet war.
»Miss Granger, da ich weiß, dass sie schon mit dem Vielsafttrank vertraut sind, habe ich eine kleine extra Aufgabe für sie rausgesucht.«
Überrascht schaute Hermine hoch, der Professor stand vor ihrem Tisch und hielt ihr einen Zettel hin.
»Ich bin sicher, sie werden keine Probleme haben den Trank zu modifizieren. Zuerst müssen sie den Vielsafttrank perfekt brauen, danach werden sie ihn so modifizieren, dass sie für einige Zeit wirklich den Körper einer Person einnehmen können. Das steht eigentlich nicht auf dem Lehrplan, aber bei ihrem Talent habe ich keine Angst, dass sie etwas falsch machen werden. Und da es eine extra Aufgabe ist, werden sie natürlich auch eine zusätzliche Note bekommen. Ich gehe fest davon aus, dass es sich dabei um die beste Note handeln wird«, sagte der Professor zu ihr und lächelte sie an.
Hermine nahm den Zettel entgegen und strahlte. Das war genau das, was sie vermisst hatte.
»Danke Professor, ich werde mein Bestes geben«, antwortete sie ihm.

Da der Vielsafttrank einige bestimmte zeitliche Abstände beim Brauen brauchte, sowie verschiedene Mondphasen, arbeitete die Klasse fast einen Monat an dem Trank.
Zufrieden schaute Hermine in ihren Kessel, als sie die für den Vielsafttrank typische dunkle, träge blubbernde Masse entdeckte.
Jetzt konnte der für sie spannende Teil kommen.
Begeistert machte sich Hermine daran, den Trank zu verfeinern. Jede Zutat, die sie dem Trank beifügte, ließ den trägen Schleim in der Farbe und Konsistenz verändern. Er schien immer appetitlicher zu werden.
Sorgsam folgte Hermine der Anleitung, wie sie den Trank umrühren sollte. Sie checkte mehrmals, ob die Temperatur exakt war und schließlich fügte sie die letzte Zutat hinzu.
Sofort wandelte sich die schleimige Brühe in eine glatte Flüssigkeit, die eine leicht rötliche Nuance hatte.
Hermine verglich ihr Ergebnis mit dem, welches auf dem Papier beschrieben wurde und lächelte. Der Trank war ihr perfekt gelungen.
Als es an diesem Tag zum Stundenende klingelte, hatten die meisten anderen auch ihren Vielsafttrank gemeistert.
»Wirklich ausgezeichnet Miss Granger, wie nicht anders zu erwarten. Hätten sie vielleicht lust, den Trank auszuprobieren?«
Professor Slughorn hatte sich über ihren Kessel gebeugt und starrte begeistert auf die Flüssigkeit.
»Soll ich ihnen verraten, dass nur wirklich wenige es geschafft haben, diesen Trank so zu meistern. Ihn zu besitzen ist verboten, deswegen werden wir ihn gleich vernichten. Aber wollen wir ihn vorher einmal ausprobieren?«
Hermine starrte ihren Professor entgeistert an. Er hatte ihr nicht gesagt, dass der Trank verboten war und als sie in der Bibliothek nach ihm gesucht hatte, hatte sie ihn nicht gefunden.
Da ging ihr ein Licht auf, sie hatte nicht in der verbotenen Abteilung gesucht. Wenn der Trank verboten war, würde sich sein Rezept auch nur in der verbotenen Abteilung befinden.
»Nein danke Professor, wenn der Besitz wirklich verboten ist, sollten wir ihn sofort vernichten«, sagte Hermine und holte ihren Zauberstab aus ihrer Tasche.
»Was ist denn verboten?«
Hermine drehte sich um und schaute auf Malfoy und Zabini, die jeweils ihre Phiolen mit ihren gebrauten Vielsafttränken in der Hand hatten. Selbst von hier aus konnte sie sehen, dass beide Tränke nicht perfekt waren. Wer wusste schon, was die beiden falsch gemacht hatten. Für sie war es einfach unverständlich, dass man nicht einfach der Anleitung folgen konnte.
»Mister Zabini, hätten sie Interesse daran, diesen Trank auszuprobieren, Miss Granger hat ihn perfektioniert.«
Hermine wirbelte wieder herum und konnte gerade noch sehen, wie Professor Slughorn sich eine Phiole von dem Trank abfüllte.
»Professor, was machen sie denn? Warum haben sie mich diesen Trank brauen lassen?«
Langsam wurde Hermine wütend, mittlerweile war ihr klar, dass er sie ausgenutzt hatte. Wahrscheinlich hatte er es selbst nicht geschafft diesen Trank zu brauen. Dann schoben sich Malfoy und Zabini an ihr vorbei, um ihren Trank zu inspizieren. Sie wurde nach hinten verdrängt und hatte keine Sicht mehr auf ihren Kessel.
Hermine knurrte innerlich und verfluchte Harry und Ron, dass sie sich nicht entschlossen hatten, das siebte Schuljahr zu wiederholen. Ein Blick durch das Klassenzimmer zeigte ihr, dass sie die Letzten waren, alle anderen hatten es schon verlassen.
Da der Professor nicht antwortete, reichte es Hermine jetzt endgültig. Sie war immerhin eine Hexe und hatte einen Zauberstab, sie konnte sich durchsetzen!
Aus einem Impuls heraus schubste sie Malfoy zur Seite, der total überrascht seine Phiole fallen ließ. Geschockt konnte Hermine nur beobachten, wie ihr Trank die Phiole von Malfoy schluckte. Völlig verdattert, da sie nicht damit gerechnet hatte, Malfoy wirklich aus dem Weg zu räumen, starrte sie den Trank an.
»In Deckung!«, schrie dann Slughorn und Hermine schaffte es gerade noch, ihre Arme vor ihr Gesicht zu halten, als sie schon von einem Schwall Flüssigkeit bedeckt wurde. Durch die Wucht des Aufpralls riss es sie zu Boden. Keuchend atmete sie aus und spürte, wie die Flüssigkeit auf ihrer Haut brannte.
Das hatte sie nicht vorgehabt. Sie wollte Malfoy nur beiseiteschieben, damit sie an den Trank kommen konnte, um ihn dann verschwinden zu lassen. Warum hatte dieser Trottel seine Phiole fallen lassen?
Weiter konnte sie nicht denken. Die ätzende Flüssigkeit brannte sich in ihre Haut und löste starke Schmerzen aus. Für einen Moment war es so unerträglich, dass sie schrie.
Dann verschwand das Ätzende und Hermine konnte wieder normal atmen.
Benommen öffnete sie ihre Augen und schaute in sturmgraue, die sie besorgt musterten.
»Ist alles in Ordnung?«, fragte Draco Malfoy sie und Hermine bildete sich ein, dass er einen besorgten Unterton in seiner Stimme hatte. Offensichtlich hatte er die Flüssigkeit von ihr entfernt.
»Ja es geht schon«, antwortete sie nur geschockt und erschrak sich dann nur noch mehr. Das war nicht ihre Stimme, die sie da hörte. Fassungslos hob sie ihre rechte Hand, um sie anzuschauen. Es war nicht ihre Hand, es war eine Hand, deren Hautfarbe einige Nuancen dunkler war als ihre.
Perplex ließ Hermine ihren Blick durch den Raum wandern und blieb an einer Gestalt hängen, um die sich der Professor zu kümmern schien.
Es war ihr Körper.
Hermine keuchte und rappelte sich so schnell auf die Beine, dass sie strauchelte und Malfoy sie gerade noch festhalten konnte. Panisch schaute sie an sich herunter und wollte nicht wahr haben, was sie da sah.
Das Slytherin-Abzeichen befand sich auf ihrer Brust.
Eine Brust, die nicht weiblich war.
Die Brust von Blaise Zabini.

»Was ist hier gerade passiert?«
Hermine konnte ihre eigene Stimme hören, dabei hatte sie gar nicht gesprochen. Und sie klang auch leicht anders, als sie es gewöhnt war. Da Malfoy sie immer noch stützte und sie verwirrt ansah, machte sie sich von ihm los und schritt auf ihren Körper zu.
Blaise Zabini, der sich wohl in ihren Körper befinden musste, starrte sie ziemlich dämlich an. Hermine starrte ihr Gesicht an und fragte sich, ob sie jemals so einen Gesichtsausdruck gemacht hatte.
»Alles in Ordnung Miss Granger?«, hörte sie dann die Stimme von Professor Slughorn.
»Mir geht es gut«, antwortete Hermine sofort. Allerdings mit der Stimme von Zabini in seinem Körper.
Sofort konnte sie alle Blicke auf sich spüren. Sie sah, wie sich ihr Körper von dem Boden aufrappelte.
»Sie sind Miss Granger?«, fragte Slughorn jetzt wieder und Hermine schaute zu ihm.
»Es scheint, als hätten wir Körper getauscht«, antwortete Hermine mit der Stimme von Zabini. Sie wagte es einen Blick auf Malfoy zu werfen, der ziemlich perplex aussah.
»Das ist wirklich komisch«, hörte Hermine wieder ihre eigene Stimme und sah, wie sich Zabini in ihrem Körper an die Brüste fasste.
»Hey«, schrie sie sofort, überwand den Abstand zu ihrem Körper und riss die Hände von ihren Brüsten.
»Fass mich nicht an«, zischte sie und es klang erstaunlicherweise sogar bedrohlich. Ihre eigenen braunen Augen starrten sie an und Hermine ließ perplex wieder die Hände los. Das hier gefiel ihr absolut nicht.
»Professor, bringen sie das wieder in Ordnung!«, meinte sie und drehte sich wütend zu ihrem Zaubertrankprofessor um, der ziemlich überfordert wirkte.
»Nun, normalerweise wirkt der Trank ähnlich wie der normale Vielsafttrank, er lässt die Körper der getauschten ungefähr eine Stunde lang tauschen. Allerdings wurde durch den Unfall nochmal Vielsafttrank hinzugefügt und er schien nicht perfekt gewesen zu sein. Deswegen lässt sich nicht sagen, wie lange dieser Körpertausch anhalten wird. Und normalerweise trinken die Personen auch nur eine kleine Menge. Sie beide haben eine größere Menge auf die Haut bekommen, das Ganze macht es praktisch unmöglich zu sagen, wie lange die Wirkung anhält«, murmelte der Professor und fing an in einem Zaubertrankbuch zu blättern.
»Aber was machen wir denn jetzt? Wir können die beiden ja wohl nicht einfach so ihrem Schicksal überlassen«, mischte sich jetzt Malfoy ein. Er wollte nur seinem Freund helfen, das war ihr klar. Trotzdem überraschte sein Einsatz sie.
»Nun, wir werden einfach abwarten. Sollten sie sich im Laufe des Tages nicht wieder zurückgetauscht haben, werden sie morgen nach dem Frühstück zu mir kommen. Bis dahin werde ich von ihnen verlangen, dass sie niemanden hiervon erzählen. Das hier wird diesen Raum nicht verlassen. Nur wir vier wissen davon, verstanden?«
Hermine starrte den Professor an. Zum ersten Mal schien er eine gewisse Autorität auszustrahlen. Offensichtlich ging es hierbei um seine Anstellung. Wenn sie erzählen würde, dass er sie einen verbotenen Trank hatte brauen lassen, würde er wohl gefeuert werden. Aber auch für sie würde es nicht so gute Konsequenzen haben. Schließlich war sie mit an dem Unfall verantwortlich, der dieses Desaster ausgelöst hatte. Und sie war so gutgläubig gewesen, nicht weiter nachzuforschen, was der Professor ihr genau aufgetragen hatte.
»Gut«, sagte sie deswegen und nickte noch bestätigend. Malfoys Blick lag kurz auf ihr. Er schien wohl noch nicht ganz verinnerlicht zu haben, dass sie eigentlich Hermine war und nicht sein bester Freund.
Zabini stimmte in ihrer Stimme auch zu und so sagte Malfoy als Letztes die Vereinbarung zu.
»Wenn wir allerdings morgen noch nicht zurückgetauscht haben, möchte ich die Schulleitung informieren«, sagte Hermine dann und Slughorn schaute leicht beängstigt zu ihr.
»Alles zu seiner Zeit Miss Granger. Ich würde vorschlagen sie und Mister Zabini sollten jetzt einige Informationen austauschen. Für sie ist es natürlich einfacher, da Mister Malfoy ihnen helfen kann, nicht aufzufallen. Aber Mister Zabini muss wissen, wie er sich ihren Freunden gegenüber verhalten muss, welches Bett sie im Gemeinschaftsraum haben und so weiter.«
»Zum Glück haben wir heute schon alle Unterrichtsstunden hinter uns«, brummte Hermine und wandte sich an ihren Körper. Es war einfach komisch sich selber zu sehen, wenn man in einem anderen Körper festhing. Sie konnte fühlen, dass Zabini mehr Muskeln hatte als sie. Sie spürte ihre Haare nicht an ihren Schultern und etwas fühlte sich in der unteren Region komisch an. Aber darüber wollte Hermine gar nicht genau nachdenken. Sie hoffte einfach, so schnell wie möglich wieder ihre Körper zu wechseln. Mit diesem Körper wollte sie nicht auf die Toilette gehen und sie wollte auch nicht, dass Zabini die Chance bekommen würde, ihren Körper genauer zu erkunden, wenn sie nicht da war, um das zu verhindern.
»Bleiben sie noch so lange, bis sie alles geklärt haben, ich muss jetzt leider los, habe noch einen Termin«, meinte Professor Slughorn dann und war ziemlich schnell verschwunden.
»Ist das sein ernst?«, hörte Hermine dann wieder ihre eigene verzerrte Stimme. Sie starrte aber weiterhin dem Professor hinterher, bis dieser verschwunden war. Offensichtlich war er mit der Situation überfordert. Und auch Hermine fühlte sich nicht wohl in ihrer Haut, es war ja nicht einmal ihre Haut.
Unwohl schaute sie zu ihrem Körper.
»Nun ja, das ist schon ... irgendwie witzig«, gluckste Malfoy mehr, als das er wirklich redete. Wütend starrte Hermine zu dem Slytherin. Zabini schien über diese Bemerkung auch nicht wirklich glücklich zu sein. Er schlug Malfoy in ihrem Körper gegen die Schulter und brummte etwas Unverständliches vor sich hin. Hermine musste bei diesem Anblick auch schmunzeln. Sich selbst dabei zu beobachten, wie sie Malfoy schlug, hatte doch etwas Befriedigendes.
»Also, wie machen wir das jetzt. Offensichtlich ist Professor Slughorn total mit der Situation überfordert. Aber ich würde vorschlagen, wir halten uns zumindest bis morgen an seinen Vorschlag nicht zur Schulleitung zu gehen«, sagte Hermine und versuchte wieder ernst zu denken. Sie mussten die Situation irgendwie unter Kontrolle bekommen. Sie wollte sich gar nicht vorstellen, was Zabini alles in ihrem Leben anrichten könnte.
»Na schön. Für den Anfang bin ich einverstanden, aber falls sich morgen nichts gebessert hat, werde ich definitiv zur Schulleitung gehen! Dann ist es mir egal, ob Slughorn seinen Job verliert oder nicht. Außerdem ist in zwei Tagen auch das erste Quidditch Spiel der Saison.«
Blaise stimmte ihr zu und nickte auch noch. Er hatte die Arme vor ihrer Brust verschränkt und eine Haltung angenommen, die ganz und gar nicht weiblich ausschaute. Seine Beine standen viel zu weit auseinander und er beugte sich aus irgendeinem Grund leicht nach hinten.
»Deine Haltung, wenn du so stehst, wird jeder merken, dass ich nicht ich bin«, meinte Hermine und runzelte ihre Stirn. Hatte sie auch eine falsche Haltung für diesen größeren Körper? Sie versuchte ihren Rücken durchzustrecken, wie Zabini es offensichtlich gerade in ihrem Körper tat.
»Deine Haltung ist auch nicht wirklich männlich. Aber dabei kann ich dir helfen. Du solltest lieber Blaise einen Crashkurs zu deinem Leben geben. Zumindest wenn du nicht willst, dass er dich total blamiert«, mischte sich jetzt wieder Malfoy ein. Skeptisch schaute Hermine zu ihm. Sie wollte nicht so viel Zeit mit ihm verbringen. Die ersten Wochen im Schuljahr hatte sie es geschafft ihm aus dem Weg zu gehen. Sie hatten nicht ein Wort miteinander gewechselt. Zwar hatte sie sich am Anfang des Schuljahres gewundert, warum er die siebte Klasse wiederholte, aber er war freigesprochen worden und hatte somit das Recht wie jeder andere dazu. Nur sie wollte mit ihm eben nicht so viel zutun haben. Aber in dem Körper von Blaise Zabini musste sie wohl gezwungenermaßen sehr viel Zeit mit ihm verbringen.

»Also gut meinst du, du schaffst es einigermaßen wie ich zu wirken?«, fragte Hermine, nachdem sie Zabini fast eine Stunde versucht hatte, soviel wie möglich über ihr Leben zu erzählen. Welches Bett sie im Schlafsaal hatte, welchen Platz sie normalerweise in der großen Halle besetzte, über was sie mit Ginny redete, generell, mit wem sie redete und wen sie normalerweise eher aus dem Weg ging. Zwar hatte Zabini aufmerksam zugehört aber trotzdem wollte sie ihn nicht aus dem Klassenraum gehen lassen. Sie hatte ein sehr starkes Gefühl, dass alles schief gehen würde, wenn sie den Raum verlassen würden.
Aber sie konnten auch nicht die ganze Zeit hier bleiben.
»Sag einfach dir geht es nicht gut, wenn Ginny eine Veränderung merkt, und geh in die Bibliothek, dort werde ich eigentlich in Ruhe gelassen«, sagte Hermine noch zum Abschluss und konnte ihr eigenes Gesicht leicht verzweifelt nicken sehen.
Malfoy, der sich nicht eingemischt hatte, als sie Zabini alles erzählt hatte, schob sich jetzt in ihr Blickfeld.
»So langsam wird es Zeit für das Abendessen und dieses Schuljahr haben wir noch nicht eines ausgelassen. Deswegen sollten wir auch jetzt gehen, denn sonst wäre es sehr auffällig«, sagte er und öffnete die Tür. Es erstaunte Hermine, dass er die ganze Zeit geblieben war und sich offensichtlich Sorgen um seinen Freund machte. Obwohl das ja eigentlich normal war unter Freunden. Trotzdem hatte sie irgendwie erwartet, dass er sie im Stich lassen würde. Aber offensichtlich dachte sie zu schlecht von ihm.
»Komm Granger, wir gehen langsam Richtung große Halle und ich gebe dir eine schnelle Einweisung, wie du dich verhalten solltest«, sagte Malfoy jetzt zu ihr und Hermine verzog ihren Mund. Sie hatte jetzt fast eine Stunde auf Zabini eingeredet und hatte selber keine Ahnung, wie sie sich verhalten sollte. Sie müsste sich voll und ganz auf Malfoys Anweisungen verlassen. Etwas, was ihr nicht gefiel.
»Dieser Gesichtsausdruck zum Beispiel. Ich habe ihn an Blaise noch nie gesehen, also solltest du ihn besser sein lassen«, meinte Malfoy und sie hörte ihre eigene Stimme lachen. Zabini schien wohl immer noch über Malfoys Witze zu lachen, auch wenn sie nicht witzig sind. Es war ja noch nicht mal ein richtiger Witz.
»Hör auf zu lachen, ich lache nicht bei sowas Unwitzigem«, murrte sie ihn an und er hob abwehrend die Hände ihres Körpers.
»Ich verschwinde dann jetzt, wünscht mir Glück«, meinte er und quetschte sich an Malfoy vorbei aus der Tür. Irritiert starrte Hermine ihrem Körper hinterher. Sie war sich sicher, dass sie noch nie so einen engen Körperkontakt zu Malfoy gehabt hatte, Zabini allerdings hatte sie fast schon extra eng an dem Körper des Slytherins vorbeigepresst.
»Was sollte das gerade?«, fauchte sie ihn an, auch wenn er eigentlich nichts dafürkonnte.
»Beruhig dich doch mal«, sagte Malfoy und seufzte tief. Er drückte seinen Zeigefinger und Daumen an seine Nase und schloss die Augen. Hermine konnte ihn tief ein und ausatmen hören.
»Also, Blaise ist immer gut gelaunt und lacht über jeden Schwachsinn. Er ist eigentlich nie ernst. Wenn du es also schon nicht schaffst zu lachen, dann sei einfach leise, damit es wenigstens nicht auffällt. Versuche niemanden zu maßregeln, denn das macht er auch nicht. Sei ... sei einfach nicht so verklemmt«, fing er an zu erklären und Hermines Laune rutschte bei seinem letzten Satz in den Keller. Warum zum Teufel sollte sie verklemmt sein?
»Nein, kommentier das jetzt einfach nicht«, wehrte Malfoy sofort ihren anstehenden Konter ab. Schnaubend wandte Hermine den Blick ab und überlegte doch einfach zur Schulleitung zu gehen. Wenn die ersten Sekunden alleine mit Malfoy schon so schrecklich waren, wollte sie sich nicht vorstellen, einen ganzen Tag mit ihm zu verbringen. Allerdings könnte die Schulleitung ihr wahrscheinlich auch nicht sofort helfen und sie würden sie auch nicht in diesem Körper in ihren Schlafsaal lassen. Sie würde nicht einmal die Treppe hinaufgehen können, da sie ja jetzt den Körper eines Jungen hatte.
»Kommst du jetzt?«, kam es wieder von Malfoy und Hermine musste sich zusammenreißen ihn nicht anzuschreien. Er konnte ja nichts für ihre Situation. Na gut, er hätte den Trank einfach festhalten können ... aber sie hatte ihn ja auch zur Seite geschubst.
Nachdenklich folgte Hermine dem Slytherin, als er den Zaubertrankklassenraum verließ.
»Wenn du mich anredest, mach das mit Draco. Blaise nennt mich nie bei meinem Nachnamen. Du verstehst dich gut mit Pansy und Daphne. Mit Theo hast du ein nicht so tolles Verhältnis. Ansonsten respektieren dich die Gleichaltrigen und die jüngeren finden dich, so weit ich weiß, alle cool und lustig.«
Hermine hörte Draco aufmerksam zu, während sie zur großen Halle liefen. Es war komisch in diesem Körper zu laufen. Die Beine waren länger und ihre Koordination stimmte nicht ganz. Als Malfoy plötzlich stehen blieb, wäre sie fast in ihn gelaufen.
»Versuch dein Gewicht mehr nach hinten zu verlagern und die Beine noch etwas auseinander.«
Malfoy fasste ihr an den Rücken und korrigierte ihre Haltung. Versteinert ließ sie es über sich ergehen. Obwohl er ja eigentlich nicht ihren Körper berührte, war ihr diese Berührung verdammt unangenehm.
»Ja, das sollte gehen. Rede einfach nicht soviel und wenn du angesprochen wirst, dann versuche so oft wie möglich zu lachen«, trichterte Malfoy ihr noch einmal ein und lief dann weiter. Die restlichen Meter zur großen Halle begutachtete Malfoy ihren Gang und Hermine fühlte sich nur noch unwohler in ihrer Haut. Aber Malfoy schien wohl zufrieden mit ihrer Haltung zu sein.
Als sie die große Halle betraten, wollte sie instinktiv in die Richtung des Gryffindor Tisches laufen. Malfoy dirigierte sie aber geschickt an den Tisch, der am wenigsten besetzt war. Viele der Slytherins hatten das Angebot abgelehnt das siebte Schuljahr zu wiederholen und das neue Schuljahr hatte nicht viele neue Schüler bekommen.
Sie folgte Malfoy zu dem Tisch und ließ sich rechts von ihm nieder. Offensichtlich war das Zabini´s üblicher Platz. Von hier aus konnte sie den Gryffindor Tisch genau sehen und ihr Lockenkopf fiel ihr schnell ins Blick. Zabini hatte es geschafft, alleine den Platz zu finden, den sie bevorzugte. Fürs Erste beruhigt, widmete sich Hermine dem Abendessen und staunte nicht schlecht, als Malfoy ihr einen Teller hinschob. Sie wollte eigentlich nach einem Rosinenbrötchen greifen.
»Blaise hasst Rosinen«, murmelte Malfoy ihr zu. Sofort glitt Hermines Blick wieder zu ihrem gewohnten Tisch. Sie hatte Zabini gar nicht gesagt, was sie gerne aß und was nicht. Stirnrunzelnd starrte sie auf das Weißbrötchen, welches Malfoy ihr gegeben hatte. Immerhin hatte sie keine Allergie, wegen der sie sich Sorgen machen musste.
»Offensichtlich haben wir Glück und Pansy und Daphne lassen heute das Abendessen ausfallen«, sagte Malfoy irgendwann und Hermine schaute wieder zu ihm. Die Plätze bei ihnen im Umkreis waren leer. Sie konnte sich denken, dass das an Malfoys schlechten Ruf lag. Sie hatte zwar noch nie wirklich darauf geachtet, aber sie wusste, dass er mittlerweile nicht mehr so beliebt war, wie vorher. Immerhin war er ein Todesser, auch wenn er freigesprochen wurde. Und in der Öffentlichkeit wollte man offiziell nichts mit einem Todesser zutun haben.
Als sie das Abendessen beendet hatten, kam etwas, vor dem sich Hermine gefürchtet hatte. Ihre Blase drückte gewaltig. Oder eher die von Zabini.
Mit großen Augen starrte sie Malfoy an und brachte ein: »Ich muss mal« raus.
Malfoy starrte sie sofort an und verfluchte sie wahrscheinlich gerade innerlich.
»Na schön, dann lass uns gehen«, murmelte er und stand auf.

Hermine hatte sich immer noch nicht an ihren jetzigen Körper gewöhnt. Sie hatte immer das Gefühl, er wäre ein Fremdkörper. Und genauso merkwürdig kam es ihr vor, dass Malfoy ihr freiwillig die ganze Zeit half.
Sie hatte erwartet, dass er sich lustig machen würde, wenn sie ihm sagen würde, dass sie auf Toilette musste. Aber nein, er hatte sich nicht lustig gemacht. Und auch jetzt, als sie auf den Weg zu den Toiletten im Erdgeschoss machten, wirkte er ganz normal. Er hatte nicht einen sarkastischen Spruch gerissen oder sie sonst irgendwie beleidigt.
Als sie schließlich vor der Herrentoilette stehen blieben, wollte Hermine am liebsten gleich wieder verschwinden. Allerdings drückte ihre Blase so sehr, dass sie es nicht weiter hinauszögern könnte.
Malfoy hielt ihr die Tür auf und Hermine betrat zögernd den Raum. Sie war das erste Mal auf einer Herrentoilette. Was ja auch nicht verwunderlich war, schließlich ist sie eine Frau.
Als die Pissuars in ihr Blickfeld kamen, wandte sie ihren Blick sofort ab. Peinlich berührt ging sie in die erste abschließbare Kabine. Zögernd hob sie den Klodeckel hoch.
»Brauchst du Hilfe?«, schallte es durch die Tür und Hermine konnte den belustigten Unterton in seiner Stimme hören. Offensichtlich waren sie jetzt alleine.
»Nein es geht schon«, presste Hermine heraus. Sie schloss ihre Augen und öffnete den Reißverschluss von Zabini´s Hose. Sie konnte spüren, wie sie rot anlief, als sie sich auf die Klobrille setzte.
Immer noch mit geschlossenen Augen konnte sie endlich die Blase entspannen. Hermine seufzte schon fast vor Erleichterung, als sie sich erleichterte. Dann kam aber der Punkt, an dem sie fertig war.
Diesmal blieb Hermine nichts anderes übrig, als ihre Augen zu öffnen. Und es war wie ein Unfall. Auch wenn sie eigentlich nicht hinsehen wollte, konnte sie nicht anders.
»Wie lange brauchst du noch Granger? Du willst Blaise doch nichts weggucken?«
Hermine zuckte zusammen und beeilte sich, sich wieder anzuziehen. Als sie die Spülung betätigte, atmete sie einmal tief durch. Ihr Gesicht fühlte sich sehr heiß an, aber dank dem dunklen Teint von Zabini, würde man die Röte auf der Haut nicht sehen.
Als sie die Tür öffnete, konnte sie Malfoy sehen, wie er sich lässig an eines der Waschbecken gelehnt hatte.
»Komm lass uns endlich in den Gemeinschaftsraum. Mit etwas Glück können wir schnell in den Schlafsaal und müssen uns nicht mehr verstellen. Du hast sowas von Glück, dass Blaise und ich uns einen teilen und sonst niemand bei uns schläft«, sagte Malfoy, während Hermine sich ihre Hände wusch, und versuchte ganz normal zu wirken. Sie war allerdings sehr nervös. Sie wollte nicht alleine mit Malfoy in einem Schlafsaal schlafen, auch wenn sie in dem Körper seines besten Freundes war. Irgendwie kam es ihr nicht richtig vor.
Als sie zu Malfoy schaute, beobachtete dieser jede ihrer Bewegungen.
»Jeder der Blaise kennt, wird sofort merken, dass etwas nicht stimmt, wenn du so bedrückt durch die Gegend läufst. Versuch doch wenigstens etwas positiv zu denken. Immerhin ist heute Freitag, und wenn ihr morgen wieder die Körper tauschen könnt, wirst du nicht eine Unterrichtsstunde versäumen.«
Auch wenn Hermine das Gefühl hatte, er würde sie aufmuntern wollen, erreichte er nur das Gegenteil. Er hatte recht, heute ist Freitag aber was, wenn sie nicht vor Montag wieder ihre Körper tauschen könnten? Dann würde alles ziemlich kompliziert werden. Am Samstagabend wollte sie sich eigentlich mit Harry und Ron in Hogsmeade treffen, etwas was sie wohl noch absagen müsste. Und da sie nicht einmal ihre Handschrift hatte, musste sie Zabini bitten, in ihrem Namen einen Brief an die beiden zu schreiben.
»Granger jetzt lächel doch mal! Blaise ist eine absolute Frohnatur«, knurrte Malfoy sie jetzt an und kam näher zu ihr. Sie musste nicht zu ihm aufschauen, da sie jetzt in diesem Körper genauso groß, wie der blonde Slytherin war. Trotzdem konnte sie dem Ganzen nichts Gutes abgewinnen.
Sie konnte sehen, dass Malfoy gerade wieder zum Sprechen ansetzen wollte, als sich die Tür öffnete und zwei Hufflepuff Schüler die Toilette betraten. Malfoy warf ihr nur noch einen Blick zu, der sie dazu veranlasste ihre Haltung so anzupassen, wie er es ihr gezeigt hatte. Dann verließ er wieder das Bad und Hermine beeilte sich ihm zu folgen.
Sie wusste, dass der Slytherin Gemeinschaftsraum im Kerker war. Allerdings hatte sie ihn noch nie betreten. Im zweiten Schuljahr war es ihr nicht möglich gewesen, da sie versehentlich Katzenhaare dem Vielsafttrank hinzugefügt hatte. Damals war es ihr vorgekommen, wie der schlimmste Unfall, der ihr hätte passieren können. Wie sehr sie sich geirrt hatte.
Schweigend folgte sie Malfoy und versuchte nicht ganz so bedröppelt auszusehen. Sie gingen immer weiter, bis Hermine die Orientierung verloren hatte. So tief in den Kerkern war sie noch nie gewesen. Noch etwas, was ihr nicht gefiel. Sie war wirklich komplett abhängig von Malfoy, ohne ihn würde sie die große Halle nicht finden. Und wenn sie einen Ortungszauber verwenden würde, wäre es mehr als auffällig.
»Also mach dich bereit, versuch einfach immer ein kleines Lächeln auf den Lippen zu haben und folge mir«, murmelte Malfoy ihr noch einmal zu. Offensichtlich hatten sie den Eingang des Gemeinschaftsraums erreicht, ohne dass sie es gemerkt hatte.
Malfoy murmelte ein Passwort, so leise das sie es nicht hörte und dann öffnete sich die Steinmauer. Bewundernd beobachtete Hermine, wie die Steine sich zur Seite schoben und den Durchgang öffneten. Als sie hindurchgingen, landeten sie in einem langgezogenen Raum mit rohen Steinwänden. Grünliche Kugellampen erfüllten den Raum in einem grünen Licht. Ein offener Kamin brannte fast so wie in ihrem Gemeinschaftsraum und hohe Lehnstühle verteilten sich im ganzen Raum.
Als Hermine auffiel, dass sie den Raum fast schon angaffte, schüttelte sie schnell ihren Kopf und setzte ein gezwungenes Lächeln auf. Malfoy hatte sich noch nicht weit von ihr entfernt, also beeilte sie sich jetzt zu ihm aufzuschließen.
Malfoy ging zu einer Ansammlung von den Lehnstühlen, indem sich die Slytherin Schüler aus seinem Jahrgang angesammelt hatten. Viele waren es nicht mehr, doch Hermine kannte nicht alle mit Namen. Aber sie würde niemals auf die Idee kommen, sie in Zabini´s Körper anzusprechen.
»Alles in Ordnung Blaise?«
Überrascht schaute Hermine zu der Person, die ihr die Frage gestellt hatte. Sie hatte eigentlich gehofft nicht so schnell aufzufallen.
»Ihm geht es heute nicht gut.« Malfoy antwortete für sie und Hermine schaute das Mädchen, welches sie angesprochen hatte, an. Sie kannte sie vom Sehen, konnte sich aber nicht an ihren Namen erinnern. Trotzdem lächelte sie ihr beruhigend zu. Allerdings wurde der Gesichtsausdruck des Mädchens nur noch skeptischer.
»Mir geht es wirklich nicht so gut, ich denke, ich werde mich schon aufs Ohr hauen. Vielleicht ist es morgen schon wieder besser«, murmelte sie und hoffte die richtige Tonlage zu treffen. Das Mädchen nickte und Malfoy kam auf ihr zu.
»Ich begleite ihn mal lieber«, sagte er in die Runde und ging dann langsam vor. Hermine lächelte einmal gezwungen in die Runde und war dann sehr froh Malfoy folgen zu können. Eins stand fest, die Anwesenheit von ihm war ihr dann doch lieber, als die von mehreren Slytherins, die nicht wussten, dass sie eigentlich Hermine Granger ist.

»Wer war das Mädchen, das mich angesprochen hat?«, fragte Hermine, als sie den Schlafsaal betreten hatte. Sie ließ ihren Blick nur einmal durch den Raum gleiten und stellte fest, dass es ihrem Schlafsaal sehr ähnelte. Nur dominierte hier die Farbe grün anstatt Rot.
»Das war Daphne Greengras. Sie hat wohl ein Auge auf Blaise geworfen. Vielleicht solltest du versuchen ihr aus dem Weg zu gehen. Ich weiß nicht, ob Blaise Interesse an ihr hat«, antwortete ihr Malfoy, während er durch den Schlafsaal ging.
»Das ist übrigens das Bett von Blaise«, meinte er und deutete auf das linke Himmelbett. Hermine blieb aber unsicher an der Tür stehen. Es kam ihr vor, als würde sie in die Privatsphäre einer anderen Person eindringen.
»Und warum teilst du dir den Schlafsaal nur mit Zabini? Goyle und Nott wiederholen das Schuljahr doch auch.«
»Es gab genügend Schlafsäle, also haben wir uns auf zwei aufgeteilt. Vielleicht ist dir schon aufgefallen, dass es dieses Jahr nicht so viele Slytherin Schüler gibt«, antwortete Malfoy auf ihre Frage. Und seine Antwort leuchtete ihr ein. Schließlich war ihr wirklich schon aufgefallen, dass der Slytherin Tisch in der großen Halle nicht komplett gefüllt war.
»Ich hoffe, dass ich morgen einfach wieder in meinem Körper aufwache«, murmelte sie dann, während sie sich vorsichtig in das Zimmer wagte.
»Oh ja, es ist wirklich komisch. Ganz zu schweigen davon, dass wenn ihr bis Sonntag nicht wieder zurückgetauscht habt, ich mir einen Grund überlegen muss, warum mein bester Jäger nicht spielt.«
»Quidditch ist natürlich wieder das wichtigste«, grummelte Hermine, als sie das Bett von Zabini erreicht hatte. Sie zog den Vorhang zur Seite und konnte die erwartete dunkelgrüne Bettwäsche erkennen. Das Bett war ordentlich gemacht, was Hermine beruhigte.
»Wieso hast du eigentlich den Trank gebraut? War dir nicht klar, dass Slughorn Hintergedanken hatte?«, fragte Malfoy irgendwann. Hermine, die nicht erwartete hatte, dass er eine Konversation führen wollte, schaute ihn überrascht an.
»Ich wollte einfach wieder eine Herausforderung haben. Den Vielsafttrank finde ich nun wirklich nicht schwer, ich habe ihn schon im zweiten Schuljahr gebraut. Ich verstehe sowieso nicht, wieso er jetzt in den Lehrplan aufgenommen wurde«, antwortete Hermine und setzte sich auf das Bett, sodass sie Malfoy ansehen konnte. Dieser hatte seinen Schulumhang ordentlich aufgehangen und sich ebenfalls auf sein Bett gesetzt.
»Ich glaube, das muss ich nicht verstehen. Reicht es nicht, dass du die Beste bist? Brauchst du denn immer neue Herausforderungen?«
»Im Nachhinein hätte ich es nicht machen sollen, aber Slughorn hat mir auch noch eine extra Note versprochen und damit meinen Ehrgeiz geweckt.«
Malfoy nickte nachdenklich. Dann herrschte plötzlich eine unangenehme Stille. Hermine rutschte etwas auf dem Bett und starrte an die Decke. Es gab kein Fenster in diesem Zimmer, da es ja unter dem See lag. Deswegen war die Decke, ähnlich wie die in der großen Halle, verzaubert und zeigte den blauen Himmel von draußen.
»Was machst du denn normalerweise an einem Freitagabend?«
»Ich mache alle Hausaufgaben, damit ich die am Samstag und Sonntag nichts mehr machen muss und, wenn noch Zeit bleibt, lese ich.«
»Das klingt nach einer typischen Granger Antwort«, lachte Malfoy und Hermine grinste vorsichtig. Sie konnte nicht genau sagen, ob seine Aussage beleidigend war oder nicht. Es schien ein schlecht verpacktes Kompliment zu sein.
»Wenn du noch länger in Blaise Körper bleiben solltest, wirst du bestimmt Bibliotheksentzugserscheinungen bekommen.«
»Das ist wirklich nicht witzig«, brummte Hermine, als Malfoy schon wieder lachte. Sie wusste gar nicht, was so lustig sein sollte, aber sie hatte Malfoy noch nie so lachen gesehen.
»Entschuldigung«, gluckste er und Hermine blinzelte überrascht. Sie hatte noch nie gehört, dass er sich wegen irgendetwas entschuldigt hatte.
»Es ist total komisch, ich denke die ganze Zeit, du bist Blaise, ich meine, du siehst aus wie er und hast auch die gleiche Stimme. Es ist einfach verwirrend.«
Hermine schaute ihn an und überlegte, ob er einfach nur so handelte, weil er dachte, dass sein bester Freund neben ihm sitzt und nicht seine ehemalige Feindin. Vielleicht verhielt er sich im Geheimen immer so?
»Wie gesagt, ich hoffe, dass ich morgen wieder in meinem Körper aufwache. Ich will mir wirklich nicht vorstellen, was Zabini gerade macht. Ich hoffe, er verhält sich nicht total untypisch für mich«, sagte Hermine und wusste eigentlich nicht wieso. Es wunderte sie eh schon, dass Malfoy so langen Smalltalk mit ihr betrieb.
»Ist es nicht auf ein wenig aufregend? Ich meine, wer kommt schon dazu das andere Geschlecht einmal so zu fühlen. Ich bin sicher, dass Blaise nach dieser Sache seine Affären noch mehr beglücken kann.«
Während Malfoy sprach, beugte er sich ein wenig nach vorne und grinste sie keck an. Wenn Hermine in ihrem eigenen Körper gewesen wäre, wäre sie jetzt hundertprozentig rot angelaufen. Sie wandte ihren Blick von ihm ab und starrte stattdessen auf die Vorhänge des Himmelbetts, in dem sie heute Nacht schlafen würde.
»Immer noch so prüde Granger?«, fragte Malfoy dann und Hermine konnte den allzu bekannten belustigten Unterton aus seiner Stimme heraushören.
»Es ist ja super, das du meine Situation anscheinend lustig findest, aber diese Sticheleien könntest du dir wirklich sparen. Du weist nicht, wozu ich fähig bin, Malfoy«, knurrte sie beleidigt. Sie wusste nicht, wieso, aber sie hatte, ihn gerade eindeutig bedroht. Vielleicht lag es an dem Testosteron? Malfoy zog überrascht eine Augenbraue nach oben.
»Ich würde jetzt gerne schlafen gehen, je eher ich einschlafe, desto besser. Vielleicht muss ich dich dann nicht mehr ertragen«, meinte Hermine und merkte er danach, wie verletzend ihr Worte waren.
»Jetzt wirst du aber gemein. Ich habe dir doch wirklich nichts getan, im Gegenteil, ich habe sogar versucht dir zu helfen«, erwiderte Malfoy und sie konnte sehen, wie er seine Arme vor dem Oberkörper verschränkte.
»Du hast deine dämliche Phiole fallen lassen!«, schrie sie ihn schon fast an und stand von dem Bett auf.
»Du hast mich geschubst!«, sagte Malfoy zischend und er erhob sich auch von seinem Bett.
»Du hättest ja nicht hinfallen brauchen!«, kam es schnippisch aus ihr heraus. Es war, als hätte sie die Kontrolle über den Körper von Zabini verloren. Sie wollte sich einfach streiten, um Frust abzubauen.
»Ach jetzt bin ich schuld? Geh einfach ins Bett Granger«, brummte Malfoy und drehte sich seufzend von ihr weg.
Hermine musste ihre nächste Antwort herunterschlucken.Ihre Hände waren zu Fäusten geballt und für einen kurzen Moment faszinierte sie der Gedanke Malfoy in das Gesicht zu schlagen.
»Da ist das Bad, ich bin sicher, Blaise wird es nicht stören, wenn du seine Sachen benutzt, schließlich ist es ja immer noch sein Speichel«, meinte Malfoy dann und grinste sie süffisant an. Hermine stolzierte an ihm vorbei, ohne ihn weiter zu beachten.
Sie entschied sich für eine kurze Katzenwäsche. Ein Bedürfnis dazu in diesem Körper zu duschen hatte sie absolut nicht. Und wenn sie wie erhofft morgen in ihrem Körper aufwachen würde, könnte Zabini es einfach morgen früh selber machen.
In dem Badezimmer waren zwei Kommoden zu finden. Überprüfend öffnete Hermine die erste Schublade der rechten Kommode und fand viele verschiedene Haargele.
»Malfoy welche Kommode gehört denn Zabini?«, schrie sie in Richtung Tür, während sie eine Tube des Haargels hochhob. Eigentlich konnten die nur Malfoy gehören.
»Die Linke!«
Als Hermine Malfoys Stimme vernahm, stellte sie die Tube zurück und schloss die Schublade. Sofort huschte ihr Blick zurück zu Tür. Sie hatte das Badezimmer abgeschlossen. Bedacht schlossen sich die Finger von Zabini´s Körper um die zweite Schublade und öffneten sie ohne eine Spur des schlechten Gewissens. Hermine wusste nicht einmal genau, wieso sie es machte. Sie war wahrscheinlich einfach nur neugierig.
In der Schublade fand Hermine einige Aftershaves und Salben. Vorsichtig nahm sie das erstbeste Aftershave heraus und roch daran.
»Hm gar nicht mal schlecht«, murmelte sie und stellte die Flasche wieder zurück. Malfoy besaß auf jeden Fall mehr Aftershaves als sie Parfüm. Und wahrscheinlich war auch jedes Einzelnes so teuer wie all ihre zusammen.
Sie schloss die Schublade und öffnete die Letzte. Hier lagerte er Handtücher, sowie jede menge Ersatztuben von Shampoo und Zahnpaste. Leicht enttäuscht schloss sie die Schublade wieder und wand sich dann der Kommode von Zabini zu.
Seine Schubladen waren lange nicht so ordentlich eingerichtet wie die von Malfoy, trotzdem fand sie die Zahnpaste und Zahnbürste recht schnell.
Und während sie sich, die Zähne von Zabini mit einer Pfefferminz Zahnpaste putzte, fragte sie sich, warum die Kommode von Malfoy sie interessiert hatte, die Kommode von Zabini ihr aber mehr oder weniger egal war.
Sie wusste immer noch keine Antwort, als sie den Mund ausspülte und sich etwas kaltes Wasser ins Gesicht klatschte.
»Es ist ja auch egal«, brummte sie und hatte sich immer noch nicht an den tiefen Klang von Zabini´s Stimme gewöhnt. Seufzend trocknete sie sich ab und fragte sich dann, ob Zabini einen Schlafanzug zum Schlafen trug. Malfoy hatte nichts dergleichen erwähnt.
Kurz glitt ihr Blick zu der Toilette, aber sie entschied sich sofort dagegen, jetzt noch einmal auf Toilette zu gehen. Einmal reichte ihr dieses Erlebnis.
Als sie das Badezimmer verließ, saß Malfoy auf seinem Bett und las. Überrascht blieb sie in der Tür stehen.
»Granger, es ist wirklich nichts Ungewöhnliches, wenn auch andere Personen mal ein Buch lesen. Du bist nicht die einzige Person, die das kann«, kommentierte Malfoy ihr Verhalten. Und wiedereinmal wäre Hermine rot angelaufen, wenn sie in ihrer eigenen Haut gesteckt hätte.
»Was trägt Zabini zum Schlafen? Hat er Pyjamas?«, fragte sie ihn und ging gar nicht mehr auf seinen Kommentar ein.
»Normalerweise nackt aber manchmal auch in seiner Boxershorts«, antwortete Malfoy ziemlich trocken und Hermine nickte nur irritiert. Warum zum Teufel sollte man auch freiwillig nackt schlafen? Harry und Ron hatten doch auch Pyjamas. Unwohl blieb Hermine an der Tür stehen. Malfoy hatte sich schon wieder auf sein Buch konzentriert. Mit steifen Schritten ging sie auf Zabini´s Bett zu. Sie würde einfach in seiner Boxershorts und dem T-Shirt, welches er unter seinem Hemd trug schlafen. Eigentlich eine gute Lösung, denn so musste sie sich nicht komplett umziehen.
Während sie vorsichtig Zabini´s Kleidung ablegte, fragte sie sich, ob Malfoy auch nackt schlafen würde. Sofort schoss ihr Blick zu dem Slytherin, der gelangweilt in seinem Buch weiterblätterte.
»Es ist noch nicht einmal 21 Uhr. Willst du wirklich jetzt schon schlafen gehen?«, fragte er, als ob er ihren Blick zu spüren schien. Sie nickte, als er zu ihr schaute.
»Na schön«, grummelte er und Hermine schaute wieder auf das Hemd von Zabini. Sie hatte es jetzt komplett aufgeknöpft und legte er feinsäuberlich auf den kleinen Hocker neben Zabini´s Bett.
»Dann ... gute Nacht«, sagte sie, als sie sich auf das Bett legte.
»Gute Nacht«, erwiderte Malfoy leise, während sie die Vorhänge verschloss.
Sie deckte den Körper von Zabini ordentlich zu und versuchte sich dann in eine angenehme Schlafposition zu bringen. Als sie den Kopf auf das Kopfkissen legte, fühlte sie sich unwohl, einfach, weil es nicht ihre gewohnte Umgebung war. Sie konnte Malfoy hören, wie er eine Seite weiterblätterte.
Als sie ihre Augen schließlich schloss, betete sie dafür wieder in ihrem eigenen Körper aufzuwachen.

Hermine hatte einen wirklich schrecklichen Traum. Er hatte sich so echt angefühlt, dass sie wirklich glaubte, er wäre real. Müde rekelte sie sich unter ihrer Bettdecke und spürte langsam, dass etwas nicht stimmte. Ihr Körper fühlte sich einfach nicht richtig an. Benommen öffnete sie ihre Augen und hätte heulen können, als sie den grünen Vorhang sah. Sie hatte nicht geträumt.
Stöhnend zwang sie sich in eine sitzende Position.
Mit einem deprimierten Blick starrte sie den Vorhang an. Offensichtlich würde sich ihr Problem nicht so einfach von selbst lösen. Es wäre auch zu schön gewesen.
Benommen zwang sie den Körper von Zabini dazu aufzustehen. Als sie den verhassten Vorhang zur Seite zog, konnte sie den zugezogenen von Malfoys Bett sehen.
»Malfoy!«, schrie sie einmal und erschreckte sich mal wieder vor der dunklen Stimme von Zabini, die jetzt auch noch besonders rau klang.
»Malfoy wach auf! Wir müssen zu Professor Slughorn!«, brüllte sie noch einmal aber bekam wieder keine Reaktion.
Genervt sprang sie aus dem Bett und zog an dem Vorhang von Malfoy. Wie erwartet öffnete er sich und gab Hermine den Blick auf den schlafenden Slytherin preis.
Hermine blinzelte und konnte den Blick nicht mehr abwenden.
Er lag mit dem Gesicht zur ihr, die Augen friedlich geschlossen. Seine Decke ging nur bis knapp über seinen Bauchnabel und präsentierte Hermine den perfekten Blick auf seinen nackten Oberkörper.
Ohne es bewusst zu wollen, ließ Hermine ihren Blick einmal komplett über Malfoys Gestalt wandern, und als sie wieder bei seinem Gesicht ankam, erschrak sie sich, da er mittlerweile seine Augen geöffnet hatte und sie belustig anschaute.
»Für einen Moment dachte ich wirklich, du wärst Blaise und würdest mich nur verarschen. Aber dein Blick hat dich verraten, Blaise würde mich niemals so lüstern anschauen«, brummte Malfoy und setzte sich langsam auf.
»Ich habe dich nicht lüstern angeschaut!«, widersprach Hermine sofort, spürte allerdings, wie ihr Gesicht sich deutlich erhitzte.
»Was möchtest du Granger? Schon vor dem Frühstück diskutieren? Ich bin ein kleiner Morgenmuffel, also lass mich wenigstens einen Kaffee trinken, bevor wir uns ernsthaft unterhalten«, murmelte Malfoy und gähnte einmal demonstrativ.
»Wir müssen zu Slughorn, falls es dir noch nicht aufgefallen ist, aber ich bin immer noch in dem Körper deines Freundes!«
Malfoy hob abwehrend die Hände.
»Schon gut, schon gut, hat Slughorn nicht sogar selber gesagt, dass wir ihn nach dem Frühstück treffen sollen, falls ihr nicht wieder zurückgetauscht habt?«, fragte Malfoy.
»Ja stimmt«, musste Hermine zugeben und Malfoy lächelte sie gequält an.
»Also zieh dir was Vernünftiges an und danach kannst du mich noch einmal wecken«, meinte er und legte sie wieder hin.
Hermine starrte ihn irritiert an, als er ihr den Rücken zudrehte und sich wieder in die Decken kuschelte. Sie brummte einmal unzufrieden, entschied dann aber, dass er recht hatte. Sie konnte nicht nur in Boxershorts und T-Shirt bekleidet in die große Halle.
Aber da heute Samstag war, konnte alle Schüler ihre Alltagskleidung tragen und Hermine hatte keine Ahnung, was Zabini normalerweise trug.
Nachdenklich wühlte sie sich durch den Kleiderschrank von ihm und entschied sich schließlich für ein schwarzes schlichtes Shirt und einer schwarzen Stoffhose.
Sie ließ ihren Blick wieder zu Malfoy wandern, der sich nicht mehr bewegt hatte.
Schließlich stampfte sie an seinem Bett vorbei in das Badezimmer.
Mehr schlecht als recht brachte sie es über sich, sich umzuziehen und die Morgentoilette zu erledigen. Beim Zähneputzen konnte sie wenigstens ihre Augen schließen und sich vorstellen, dass alles ganz normal ist.
Als sie aus dem Badezimmer trat, lag Malfoy immer noch in seinem Bett.
»Komm schon Malfoy, ich will endlich zu Slughorn«, sagte sie und trat an sein Bett. Sie zog an seiner Bettdecke, als er sie nur müde anblinzelte.
»Schon gut, du hast gewonnen. Hoffentlich habe ich schnell meinen verschlafenen Blaise wieder. Nicht dass ich noch zum Frühaufsteher mutiere«, murmelte er, während er sich aus dem Bett hievte.
Hermine wandte ihren Blick extra ab, damit er nicht wieder einen dummen Kommentar bringen konnte.
Sie setzte sich auf das Bett von Zabini und hörte schließlich das Rauschen der Dusche. Genervt, weil Malfoy auch noch duschen musste, obwohl sie endlich mit Slughorn sprechen wollte, starrte sie an die Tür des Badezimmers. Sie selbst hatte wieder auf das Duschen verzichtet und würde es erst tun, wenn es unbedingt nötig war. Die Toilettengänge fand sie schon viel zu schlimm.
Es dauerte noch eine Weile, bis Malfoy wieder aus dem Bad kam. Seine Haare waren immer noch feucht und er trug nur ein Handtuch um seine Hüften.
»Granger schau mich ja niemals außerhalb dieses Raumes so an. Wer weiß, was für Gerüchte das auslösen würde.«
Erst jetzt bemerkte Hermine, dass sie ihn wirklich anstarrte, und wandte ihren Blick ab. Sie versuchte seinen Kommentar nicht zu beachten und tippelte ungeduldig mit einem Fuß auf den Boden.
»Na endlich«, seufzte sie, als Malfoy fertig angezogen, in seinem typischen schwarzen Hemd und seiner Anzugshose, vor ihr stand. Er zog eine Augenbraue nach oben.
»So lange habe ich nun auch wieder nicht gebraucht«, meinte er und klang dabei leicht beleidigt.
»Lass uns einfach endlich gehen«, sagte Hermine nur, weil sie keinen Streit auslösen wollte.
»Es kann sein, dass Daphne und Pansy schon wach sind. Wie gesagt, Blaise und ich schlafen normalerweise ziemlich lange, also müssen wir es überspielen, falls sie uns darauf ansprechen.«
Hermine nickte nur und öffnete die Tür des Schlafsaales. Sie spürte sofort, dass Malfoy ihr folgte und schließlich die Tür hinter ihnen schloss, nachdem sie durchgegangen waren.
Wie von Malfoy erwartet, saßen wirklich Daphne und Pansy im Gemeinschaftsraum. Sie hatten einige Pergamente und Bücher auf einem der Tische ausgebreitet und schienen Hausaufgaben zu machen.
»Hey«, begrüßte Malfoy die beiden und Hermine schloss sich der knappen Begrüßung an.
»Was ist denn mit euch beiden los? Normalerweise schlaft ihr doch immer bis in die Puppen«, kam es von Pansy, die verwundert zu ihnen schaute.
»Ich bin gestern einfach zu früh ins Bett gegangen«, antwortete Hermine und versuchte sich wieder daran ein Dauerlächeln auf das Gesicht von Zabini zu zaubern. Sie wusste nicht, wie er das machte. Daphnes Blick verriet ihr auch, dass sie sich nicht wirklich gut anstellte.
»Geht es dir denn besser Blaise?«, fragte sie und Hermine konnte spüren, wie sie den Körper von Blaise musterte.
»Naja, ich bin noch nicht wirklich fit, aber ich habe hunger, deswegen wollten wir jetzt auch frühstücken gehen«, sagte sie schnell und versuchte wieder ihr Bestes, indem sie Daphne anlächelte.
»Dann guten Hunger, wir haben schon gegessen, weil wir dachten, dass ihr wir immer lange schlafen würdet.«
»Kein Problem, sonst frühstücken wir ja auch immer alleine«, meinte Malfoy und schob Hermine an den beiden vorbei.
Auf den Weg zur großen Halle konnte Hermine wieder nichts anderes tun, als sich auf Malfoy zu verlassen. Sie versuchte sich den Weg so gut es ging einzuprägen, hoffte aber gleichzeitig ihn nicht mehr gehen zu müssen.
»Schauspielerin solltest du nicht werden«, sagte Malfoy, als Hermine sich endlich wieder orientieren konnte.
»Hatte ich auch nicht vor«, erwiderte Hermine pikiert.
Hermine ließ Malfoy vor ihr die große Halle betreten, damit sie ihm einfach folgen konnte. Sie setzten sich an einen ähnlichen Platz wie am Vortag und wieder war um sie herum jede Menge Plätze frei.
»Slughorn frühstückt auch noch, also können wir uns Zeit lassen«, meinte Malfoy, während er sich ein Brötchen nahm. Hermine nickte und nahm sich ebenfalls ein Brötchen. Als sie ihren Blick zu Slughorn gleiten ließ, schaute dieser nicht einmal in ihre Richtung.
Sie schnaubte und biss in das Brötchen.
Es vergingen einige zähe Minuten, in denen Hermine an ihrem Brötchen geknabbert hatte und ein wenig Kaffee getrunken hatte, als ihr Köper die große Halle betrat.
Fast hätte sie den Kaffee wieder ausgespuckt.
»Was zum Teufel«, brachte sie heraus und konnte dabei Malfoy neben sich lachen hören.
»Was hat er mit mir gemacht?«, flüsterte sie atemlos, während sie ihren Körper anstarrte. Blaise hatte sich für Alltagskleidung entschieden, die nicht von ihr sein konnte. Ein kurzer roter Rock, der billig an ihrem Körper wirkte, hatte er mit einer schwarzen Bluse kombiniert, die einen viel zu großen Ausschnitt hatte. Und dann konnte sie selbst aus der Entfernung sehen, dass ihr Gesicht geschminkt war.
Hermine schluckte schmerzhaft. Sie konnte wahrscheinlich nicht einmal alle Produkte benennen, die sich gerade in ihrem Gesicht befanden.
»Ich würde sagen, er hat das Beste aus dir herausgeholt«, lachte Malfoy neben ihr und meinte es offensichtlich ironisch. Ihr Blick glitt zu ihm.
»Malfoy«, zischte sie ihn anklagend an und seine graublauen Augen erwiderten ihren Blick.
»Draco, du musst mich in dem Körper Draco nennen«, flüsterte er zurück und schaute schließlich wieder weg. Hermine blinzelte ein paar Mal und ließ ihren Blick dann wieder zu ihrem eigenen Körper wandern.
»Wie kommt er auf die Idee so etwas zu machen? Er müsste doch eigentlich wissen, dass ich niemals so rumlaufen würde«, meinte sie verständnislos und leicht besorgt.
»Es ist doch auch nicht weiter tragisch. Eigentlich sieht es sogar ganz gut aus«, sagte Malfoy, den Blick auf ihren Körper gerichtet, welcher am Gryffindor Tisch saß. Verblüfft schaute sie ihn wieder an.
Hatte er ihr gerade ein Kompliment gemacht?
»Slughorn steht auf, komm, das ist unsere Chance ihn unauffällig abzufangen, sodass Blaise es vielleicht auch sieht«, meinte Malfoy und stand auf, Hermine machte es ihm nach.
Noch einmal ließ sie ihren Blick zu Zabini in ihrem Körper wandern und fragte sich jetzt, wie es ihm gestern noch ergangen war. Auf jeden Fall würde sie sich ihn vorknöpfen, wenn sie sich gleich bei Slughorn im Büro treffen würden.

»Nun, offensichtlich hat sich das Problem nicht von selbst erledigt. Zu schade, zu schade«, sagte Professor Slughorn und wirkte äußert nervös.
Malfoy und Hermine hatten ihn in der großen Halle abgefangen und befanden sich jetzt in seinem Büro. Die beiden hofften darauf, dass Zabini die Aktion mitbekommen hatte und ihnen unauffällig hierher folgen würde. Obwohl Hermine mittlerweile bezweifelte, dass Zabini sich unauffällig verhalten konnte.
»Professor, wir müssen etwas machen! Ich will nicht noch länger in diesem Körper leben müssen!«, sagte sie und fasste sich dabei theatralisch an die Brust, wo sich das Slytherin Abzeichen befand.
»Miss Granger, ich verspreche ihnen, ich werde mein Bestes geben, um sie wieder zurücktauschen zu lassen«, versprach Professor Slughorn und Hermine nickte trotzdem unzufrieden.
»Nichtsdestotrotz ist es an der Zeit, zur Schulleiterin zu gehen. Ich will nicht, das meine Noten darunter leiden, dass Zabini in meiner Haut steckt. Wer weiß, ob wir bis Montag wieder zurückgetauscht haben.«
»Natürlich Miss Granger, natürlich. Lasst uns nur noch auf Mister Zabini warten, dann können wir alle zum Büro der Schulleiterin«, meinte Professor Slughorn versöhnlich und Hermine nickte, froh darüber, dass er so einsichtig war.
»Setzen sie sich doch solange«, meinte Professor Slughorn und deutete auf zwei Stühle vor seinem Schreibtisch. Widerwillig ließ sich Hermine auf einen der Stühle sinken und wenig später, saß Malfoy neben ihr.
Es dauerte noch gut zehn Minuten, bis Zabini den Raum in Hermines Körper betrat. Sichtlich außer Atem hielt er sich seine Seite und atmete schwer.
»Wirklich Granger, dein Körper hat eine scheiß Kondition. Ich kann nicht mal drei Minuten rennen«, sagte er abgehackt und schloss die Tür hinter sich. Hermine brummte nur und musterte ihren Körper von nahem.
Der Rock, den Zabini angezogen hatte, wirkte aus der Nähe nicht mehr ganz so billig, aber trotzdem war es absolut nicht ihr Stil. Die Bluse dazu war wirklich viel zu weit ausgeschnitten.
»Zabini, was ist passiert?«, fragte Hermine ruhig aber doch klang es bedrohlich.
»Wie was ist passiert? Ich musste deine lästigen Freundinnen abhängen«, meinte er und seufzte theatralisch.
»Nein, ich meine, wieso hast du dich so angezogen und was zum Teufel hast du mit meinem Gesicht gemacht«, knurrte Hermine. Zwar sah ihr geschminktes Gesicht nicht wirklich schlecht aus, trotzdem war es einfach nicht ihre Art.
»Ja das war absolut grauenhaft. Ich habe vergessen, welcher Kleiderschrank dir gehört und bin dann versehentlich an den von Ginny gegangen. Und als Ausrede habe ich halt gesagt, ich würde mich gerne etwas anders stylen. Das hat sie dann als Freifahrtsschein gesehen und ich hatte sie fast zwei Stunden am Hals. Es war wirklich nicht schön, glaub mir. Besonders, weil sie mittlerweile wohl etwas ahnt. Ich habe dann gesagt, dass ich ein Auge auf einen Jungen geworfen habe und das hat sie mir wohl abgekauft.«
Zabini ratterte das alles hinunter und lachte dann auf. Hermine starrte ihn an. Ginny hatte sie wirklich schon mehrmals gefragt, ob sie sich nicht etwas anders stylen wollte, allerdings hatte Hermine dies immer abgelehnt. Aussehen war ihr nicht wichtig und das wusste Ginny auch. Dass sie ein Auge auf einen Jungen geworfen hatte, klang auch absolut nicht nach ihr. Kein Wunder, dass Ginny wohl etwas zu merken schien. Aber eigentlich war es auch gemein, dass sie ihre beste Freundin nicht einweihen durfte. Malfoy wusste ja auch bescheid.
Sie seufzte und nickte Zabini zu. Sie war sich sicher, dass er nichts für die Situation konnte, auch wenn sie ihm gesagt hatte, welcher Kleiderschrank ihrer war.
»Lasst uns zur Schulleiterin gehen«, sagte Hermine an Professor Slughorn gewandt, der sofort nickte.
»Sieht es nicht komisch aus, wenn wir alle zusammen zur Schulleiterin laufen? Nicht dass irgendwelche Gerüchte in die Welt gesetzt werden«, merkte Malfoy an und Hermine musste ihm recht geben. Wenn sie schon extra getrennt zum Büro von Professor Slughorn liefen, dann mussten sie auch getrennt zur Schulleiterin.
»In Ordnung. Miss Granger, Mister Malfoy, sie folgen uns in ein paar Minuten. Sie kennen ja den Weg. Wir werden vor dem Eingang auf sie warten«, meinte Professor Slughorn und verließ sein Büro.
»Bis später«, meinte Zabini und folgte dem Professor schnell.
Hermine schaute so lange an die Tür, bis ihr die Stille unangenehm wurde. Als sie zu Malfoy schaute, beobachtete dieser sie.
»Ich glaube, der Rücktausch wird länger dauern, als dir lieb ist«, sagte er und Hermine verzog ihr Gesicht.
»Man sollte immer positiv denken. Ich will hören, was Professor McGonagall sagt und vielleicht können wir auch das Portrait von Snape um Hilfe bitten«, meinte Hermine und schaute nachdenklich auf ihre Füße. Malfoy sagte nichts mehr dazu, und als sie ihm einen kurzen Blick zuwarf, war ihr klar, dass er dachte, es würde nichts bringen.
Sie schnaubte und stand von dem Stuhl auf.
»Lass uns gehen, jetzt sollte es wohl nicht mehr auffallen«, sagte sie, während sie die Tür öffnete.

Schweigend gingen sie nebeneinander her. Hermine hatte ihre Hände tief in den Hosentaschen von Zabini vergraben und versuchte sich nicht allzu viele Gedanken zu machen.
Malfoy neben ihr blieb ruhig, allerdings war die Stille nicht unangenehm. Hermine war vielmehr damit beschäftigt, daran zu glauben, dass Professor McGonagall ihnen helfen könnte, als dass sie ein Gespräch mit Malfoy hätte anfangen wollen.
Als sie endlich in den Gang einbogen, der Schulleiterbüro führte, standen Zabini und Professor Slughorn schon wie erwartet vor dem Wasserspeier.
Es dauerte nicht lange, bis sich alle im Büro der Schulleiterin versammelt hatten.
Professor McGonagall schaute die vier Personen vor ihr verwundert an.
»Nun Horace, du meintest, es gibt ein Problem«, fragte sie und der Zaubertranklehrer nickte.
Hermine konnte sehen, wie Professor McGonagall ihre Blicke über sie gleiten ließ. Dabei schaute sie ihren eigenen Körper besorgt an. Wahrscheinlich fragte sie sich gerade, was sie mit dem Problem zutun hatte.
Der Professor fing an zu erklären, was passiert war. Hermine achtete darauf, dass er die Wahrheit sagte, was er wirklich tat.
Als er geendet hatte, schaute Professor McGonagall sie an.
»Stimmt das alles?«, fragte sie, sichtlich überrumplet. Wahrscheinlich hatte es in Hogwarts noch nie einen Unfall dieser Art gegeben.
Aber Hermine nickte ihrer Professorin und Freundin zu.
»Horace, wie konnten sie Miss Granger nur den Trank brauen lassen?«, wandte sich die Schulleiterin wieder an Professor Slughorn. Dieser druckste etwas herum, traute sich allerdings nicht, ihr in die Augen zu sehen.
McGonagall seufzte und massierte sich ihre Schläfen.
»Nun gut, mir ist nicht bekannt, dass es so einen Vorfall schon einmal in Hogwarts gegeben hat. Und ganz ehrlich, mir liegt viel daran, dass keiner davon erfährt. Es wäre schrecklich für den Ruf der Schule, wenn in dem ersten Jahr, nach dem Krieg so ein Unfall passieren konnte. Horace, sie müssen das wieder in Ordnung bringen. Bis dahin sollten sie beide versuchen, sich so unauffällig wie möglich zu verhalten«, fing die Schulleiterin an. Sie stand von ihrem Stuhl auf und wandte sich an die Porträts der alten Schulleiter.
»Severus haben sie schon einmal etwas über so einen Vorfall gehört?«, fragte sie Professor Snape, der in seinem Rahmen die Unterhaltung verfolgt hatte.
»Nein, allerdings kenne ich den Trank sehr gut. Ich werde Horace so weit, wie es mir möglich ist, unterstützen.«
Professor McGonagall nickte dankbar und wandte sich dann wieder ihnen zu.
»Professor, was ist, wenn es länger dauert? Ich meine, wegen dem Unterricht. Ich möchte nicht, dass meine Noten darunter leiden, dass Zabini in meinem Körper ist«, meinte Hermine und trat einen Schritt nach vorne.
»Ich werde alle Lehrkräfte informieren. Es wird kein Problem sein, ihre Noten auseinanderzuhalten.«
»Ist es nicht auffällig, wenn Hermine Granger plötzlich viel schlechter in den Fächern ist, Blaise Zabini dafür aber viel besser?«, fragte Malfoy.
»Ich werde weiterhin behaupten, dass ich mich verliebt habe. Bisher hat das ganz gut geklappt«, meinte Zabini und Hermine schaute ihn sofort wütend an.
»Nein, das wirst du nicht tun. Professor McGonagall, ich würde gerne noch Ginny einweihen, sie könnte Zabini helfen, dass er sich nicht ganz so auffällig verhält«, wandte sich Hermine wieder an die Schulleiterin.
»Ja, das können sie machen. Allerdings sollte es nicht noch jemand erfahren. Und Mister Malfoy, die Lehrkräfte werden es schon schaffen, dass es nicht so auffällig sein wird. Ich werde sie veranlassen sehr viele Partnerarbeiten durchzuführen. Dann sollte es dass für heute gewesen sein. Horace kümmern sie sich um den Trank, finden sie heraus, wie sich das Ganze rückgängig machen lässt, danach werden wie über die Konsequenzen ihrer Taten reden«, beendete die Schulleiterin das Gespräch.
»Danke Professor«, verabschiedete Hermine sich und verließ zusammen mit den anderen das Büro. Sie hatte sich mehr von dem Treffen erhofft, auch wenn sie wusste, dass die Schulleiterin keine Wunder verbringen konnte. Immerhin fühlte sie sich jetzt nicht mehr ganz so alleine.
»Lasst uns zu Ginny gehen«, meinte sie, als sie mit den beiden Slytherins in dem Gang vor den Wasserspeiern stand. Professor Slughorn hatte sich schnell von ihnen verabschiedet. Hermine konnte nur hoffen, dass Snape ihm wirklich helfen könnte.
»Ja, geht am besten in die Bibliothek, ich werde Ginny dahin locken«, meinte Zabini und wandte sich von ihnen ab.
Hermine starrte ihrem eigenen Körper hinterher, bis sie Zabini nicht mehr sehen konnte. »Sieht wohl so aus, als müsstest du auf Zabini beim Quidditch Spiel verzichten«, meinte Hermine, als sie nur schweigend dastanden. Sie wollten Zabini einen Vorsprung geben, damit es nicht zu auffällig wäre.
Malfoy schaute sie an, mit einem teuflischen Grinsen auf seinem Gesicht.
»Kannst du fliegen?«, fragte er und Hermine schaute panisch zu ihm.
»Vergiss es, du bekommst mich nicht auf einen Besen, da könntest du lieber das Spiel sofort aufgeben«, gab sie panisch von sich und Malfoy lachte.
»Ja, ich muss mir aber trotzdem etwas ausdenken, warum mein bester Jäger nicht spielt. Heute Abend ist das letzte Training vor dem Spiel. Vielleicht solltest du einfach mitgehen und uns deine Flugkünste zeigen. Wenn sie wirklich so schlecht sind, wie ich mir denke, dann hätte ich einen Grund.«
Hermine verzog ihr Gesicht.
»Können wir nicht einfach weiterhin behaupten, Zabini ginge es nicht gut?«, fragte sie, während sie langsam Richtung Bibliothek gingen.
»Du kennst Blaise schlecht. Er würde sich selbst mit 40 Grad Fieber auf den Besen schwingen und mitspielen.«
»Na schön. Dann werde ich dir später eine glänzende Vorstellung liefern«, brummte Hermine.
Plötzlich blieb sie stehen, als sie daran dachte, was sie eigentlich dieses Wochenende vorhatte. Heute Abend. Harry und Ron. Hogsmeade.
»Oh Gott, Zabini muss sofort Harry und Ron schreiben, dass ich mich heute Abend nicht mit ihnen treffen kann«, quietschte sie hysterisch auf und vergrub ihre Hände in den festen Haaren von Zabini. Es würde ein absolutes Chaos geben, wenn die beiden hier auflaufen würden.
Malfoy schaute sie ruhig an.
»Keine Sorge, wenn wir es ihm gleich in der Bibliothek sagen, wird der Brief die beiden noch rechtzeitig erreichen«, sagte er dann und konnte sie tatsächlich beruhigen. Sie ließ ihre Hände aus den Haaren von Zabini sinken.
»Komm, lass uns einfach in die Bibliothek gehen und auf Blaise und Weasley warten«, sagte er und Hermine folgte ihm, als er vorging.
Sie schaute ihn aus dem Augenwinkel weiterhin an und konnte nicht bestreiten, dass sie sich in seiner Nähe nicht ganz unwohl fühlte. Dass er es schaffte, sie zu beruhigen.
Sie schwieg und hoffte nur, dass er auch recht haben würde.

Blaise Zabini starrte Ginny Weasley versteinert an.
Er hatte einen Fehler begangen. Einen gewaltigen Fehler.
»Hermine, was ist denn los? Wieso gehst du an meinen Kleiderschrank?«, fragte die rothaarige Gryffindor ihn und in seinem Hirn ratterte es. Er befand sich zwar in Grangers Körper, schien aber nicht ihr Gehirn bekommen zu haben. Zumindest hatte er sich nicht alles merken können, was der Bücherwurm ihm über ihr Leben erklärt hatte.
Unsicher schluckte er.
»Ich wollte dich fragen, ob ich mir etwas von dir ausleihen darf. Ich weiß nicht, ich habe einfach das Bedürfnis, mich etwas anders zu stylen«, fing er an und beobachtete mit schrecken, wie sich das Gesicht von Ginny mehr und mehr erhellte.
»Endlich hast du es eingesehen«, sagte sie und schnappte sich seinen Arm.
»Komm, ich werde dir bei deinem Umstyling helfen!«, quietschte sie freudig und zog ihn ins Badezimmer. Verdattert konnte Blaise nicht anders, als ihr nachzugeben und ihr zu folgen.
»Ich wusste ja, dass du irgendwann zustimmen würdest!«
Und damit fing seine Folterung an. Ginny Weasley schien schon darauf gewartet zu haben, dass sie Granger ein Makeover unterziehen konnte. Zumindest war sie für Blaise´s Geschmack viel zu gut für die Situation vorbereitet. Sie schleppte Unmengen an Make-up an. Verschiedene Haarprodukte und Glätteisen. Und die ganze Zeit hatte sie ein breites Lächeln im Gesicht.
Unsicher ließ sich Blaise auf einen hergezauberten Stuhl sinken, als sie ihn dazu aufforderte. Er wusste, dass würde Granger ganz und gar nicht gefallen aber er wusste nicht, wie er mit Ginny umgehen sollte. Laut Granger war es ihre beste Freundin und sie würde es wahrscheinlich sehr schnell merken, wenn er sie anlügen würde. Dass sie bisher noch nichts gemerkt hatte, glich einem Wunder.
Gestern hatte er sich, solange es ging, in der Bibliothek verkrochen und sich, da er sich gelangweilt hatte, wirklich einige Bücher durchgelesen. Als er Ginny im Schlafsaal getroffen hatte, meinte er, er wäre müde und sie hatte ihm geglaubt. Und jetzt, am nächsten Morgen war er wirklich sofort ins erste Fettnäpfchen getreten. Hätte er nicht einfach länger schlafen können? Aber nein, Granger stellte sich selbst an einem Samstag den Wecker und war eine absolute Frühaufsteherin. Dann konnte er es in ihrem Körper nicht anders machen. Zumindest, wenn er nicht auffallen wollte.
»Wie kommt es denn, dass du dich plötzlich umentschieden hast?«
Ginny riss ihn mit der Frage aus seinen Gedanken.
»Ich ähm ich habe da ein Auge auf einen Jungen geworfen«, antwortete Blaise sofort, ohne weiter darüber nachzudenken. Erst als Ginny ihn begeistert anschaute, wurde ihm klar, dass er gerade einen Fehler begangen hatte.
»Wirklich, wer?«, fragte sie sofort begeistert nach.
»Das möchte ich noch nicht sagen, es ist noch nichts Festes«, meinte er und wich ihrem Blick aus. Granger würde ihn umbringen.
»Dann sag mir es einfach, wenn du dich so weit fühlst. Aber eins sage ich dir Hermine, du siehst wahnsinnig gut aus, du bist intelligent, du bist hilfsbereit und immer total höflich. Du brauchst dich nicht wegen einem Jungen zu verstellen«, meinte die Gryffindor und fing an das Gesicht von Granger mit etwas zu bearbeiten, was Blaise nicht kannte.
»Danke Ginny«, murmelte er und erwiderte ihr Lächeln. Sie war schon süß.
»Aber spann mich ja nicht so lange auf die Folter. Mich interessiert es total, wer dich, nach meinem Bruder, wieder interessiert.«
Blaise schluckte und fühlte sich langsam in die Ecke gedrängt. Er wusste nicht, wie Granger zu Ron Weasley stand, deswegen sah er sich gezwungen die Unterhaltung in eine andere Richtung zu lenken.
»Ich weiß nicht, was würdest du sagen, wenn es Draco Malfoy wäre?«, meinte er.
»Du hast ein Auge auf Malfoy geworfen?«, fragte Ginny ihn sofort und somit hatte er erfolgreich das Gespräch in eine andere Richtung gelenkt. Auch wenn es nicht wirklich viel besser war.
»Nein, das war nur ein Beispiel«, brummte er aber Ginny strahlte ihn jetzt an.
»Glaub mir Hermine, Malfoy wird Augen machen, wenn er dich später sieht«, sagte sie und machte einfach weiter. Blaise blinzelte irritiert. Offensichtlich hätte die Gryffindor kein Problem damit, wenn Granger Draco daten würde.
»Dich würde es nicht stören, wenn ich etwas mit Draco Malfoy anfangen würde?«, fragte er vorsichtig. Jetzt war er wirklich neugierig.
»Solange du glücklich bist, ist es mir egal. Und ich denke, der Krieg hat selbst einen Draco Malfoy verändert. Am Ende hat er sich doch für die richtige Seite entschieden.«
»Ja, du hast recht«, murmelte Blaise. Draco war wirklich erwachsen geworden und hatte seine Vorurteile überwunden, genau wie er.
Dann schwiegen sie und Blaise war froh darüber. So hatte er wenigstens keine Chance alles auffliegen zu lassen. Er schloss seine Augen, als Ginny das Gesicht weiter bearbeitete.
Es dauerte noch eine Weile, bis Ginny befand, das sie fertig war.
»Jetzt brauchen wir nur noch das richtige Outfit«, meinte sie. Gerade als Blaise in den Spiegel schauen wollte, zog Ginny ihn wieder aus dem Badezimmer.
»Du darfst dich erst danach im Spiegel anschauen.«
Blaise ließ sich wieder einmal ohne Gegenwehr mitziehen und schließlich standen sie wieder da, wo sie gestartet hatten. Vor dem Kleiderschrank von Ginny Weasley.
Diese öffnete den Schrank und fing an zu suchen. Blaise verlagerte sein Gewicht auf das andere Bein und musste sich anstrengen nicht zu offensichtlich auf den Hintern der Hexe zu starren, die ihn diesem gerade wie auf dem Präsentierteller präsentierte.
»Der ist perfekt«, meinte sie schließlich und drehte sich mit einem roten Rock wieder in die Richtung von Blaise. Er nahm den roten Rock an und schließlich die schwarze Bluse, die Ginny ihm auch noch in die Hand drückte.
»Komm zieh dich um, danach mache ich dir noch deine Haare.«
Erwartungsvoll schaute Ginny ihn an und ihm ging schließlich ein Licht auf. Offensichtlich war es für die beiden kein Problem sich voreinander umzuziehen. Blaise räusperte sich und fing an die Knöpfe des Pyjamas von Granger zu öffnen. Es war für ihn in diesem Körper noch immer verdammt ungewohnt. Aber auch zugleich verdammt aufregend. Wenn sie nur für kurze Zeit die Körper tauschten, wäre es für ihn ein Abenteuer. Wenn es allerdings für immer sein sollte, würde seine Welt zusammenbrechen. Denn er war gerne ein Mann.
»Möchtest du keinen BH anziehen?«, fragte Ginny ihn, als er sich gerade die schwarze Bluse überstreife, möglichst ohne den nackten Oberkörper von Granger zu beachten.
»Äh«, machte er und starrte auf dann doch auf die nackten Brüste von Granger. Gestern hatte er das unbequeme Teil sehr einfach aufbekommen, schließlich hatte er dies schon oft getan. Einen angezogen hatte er allerdings noch nie. Und vor Ginny wollte er sich nicht ungeschickt anstellen. Denn das würde definitiv auffallen.
»Nein, ich verzichte heute darauf«, meinte er deswegen und knöpfte schnell die letzten Knöpfe zu. Er konnte den misstrauischen Blick von Ginny auf sich spüren.
»Dann zieh dir doch wenigstens ein T-Shirt drunter, sonst gewährst du noch irgendjemanden ungewollt Einblick«, sagte sie und warf ihm ein schwarzes T-Shirt zu. Blaise fing es gekonnt auf und konnte schon wieder einen überraschten Ausdruck auf ihrem Gesicht sehen.
»Seit wann kannst du so gut fangen?«, fragte sie perplex und Blaise zuckte mit den Schultern.
»Glück«, meinte er und lachte leicht nervös.
»Komm ins Bad, wenn du fertig bist«, sagte Ginny dann und Blaise war erleichtert, als sie ihn alleine ließ. Er seufzte einmal laut auf und fing dann wieder an die Bluse zu öffnen.
Es war eine Schande, das er ausgerechnet mit Granger den Körper hatte tauschen müssen. Bei allen anderen Frauen hätte er keine Skrupel gehabt, sich zu berühren. Nachdenklich drehte Blaise sich so, dass er in einen der Spiegel vom Kleiderschrank schauen konnte.
»Warum muss es ausgerechnet die Frau sein, in die Draco verliebt ist?«, murmelte er sich leise zu, während er den Oberkörper von Granger musterte.
Auch wenn Draco es ihm gegenüber noch nicht zugegeben hatte, so war Blaise es doch klar. Die Blicke, die er ihr immer zugeworfen hatte, sprachen schon Bände. Blaise seufzte abermals, als er daran dachte, wie Draco gestern extra lange gebraucht hatte, um seinen Zaubertrank abzufüllen, nur um sie noch länger zu beobachten können. Wahrscheinlich war Draco sein Verhalten selber nicht einmal klar. Was diese Dinge betraf, stand er teilweise auf dem Schlauch. Aber Blaise war sich absolut sicher, das Draco sich zumindest in Granger verkuckt hatte. Um das zu überprüfen, hatte er sich gestern, in Grangers Körper, extra nah an Draco gerieben, als er gestern das Klassenzimmer verlassen hatte. Blaise grinste, er konnte Dracos Schnappatmung immer noch hören.
»Hoffentlich machst du jetzt etwas aus deiner Chance«, flüsterte er und wandte sich von dem Spiegel ab. So schnell es ging, zog er sich um und ging anschließend wieder ins Badezimmer.
»Das sieht doch schon gut aus, Malfoy wird Augen machen«, begrüßte Ginny ihn und Blaise fing gar nicht erst an zu widersprechen. Denn ja, Draco würde definitiv Augen machen.
Blaise Zabini musste noch eine Weile ertragen, wie Ginny Weasley an den Haaren von Hermine Granger werkelte. Mehrmals zog sie unangenehm an der Kopfhaut und brachte Blaise dazu schmerzhaft zu knurren.
Als sie ihn schließlich in den Spiegel schauen ließ, musste Blaise lächeln. Eben im Schlafsaal hatte er gar nicht auf das Gesicht von Granger geachtet. Doch jetzt konnte er sehen, dass sie wirklich schön ist. Auch wenn die Korkenzieherlocken, die Ginny aus Granger Haaren gemacht hatte, unnatürlich wirkten.
Er stand auf und betrachtete die gesamte Gestalt im Spiegel.
»Gefällt es dir?«, fragte Ginny neben ihm.
»Ja, aber es fehlt noch etwas«, antwortete er und holte den Zauberstab von Granger heraus. Schnell hatte er den Ausschnitt der Bluse vergrößert.
»Hermine«, meinte Ginny entsetzt aber er lächelte sie an.
»Du willst dich echt an Malfoy ranschmeißen was? Dann komm, lass uns frühstücken gehen«, murmelte sie und schüttelte ihren Kopf. Offensichtlich kam sie mit der Veränderung von Granger nicht klar.
Blaise starrte noch einmal in den Spiegel und grinste schließlich breit. Das würde Draco definitiv gefallen.

In der großen Halle ließ Blaise sofort seinen Blick zum Slytherin Tisch gleiten und konnte tatsächlich Draco und Granger dort sitzen sehen. Er grinste hämisch, als er sich vorstellte, wie Granger seinen Längschläferfreund so früh aus den Federn geworfen hatte.
»Also Malfoy starrt dich an und Zabini auch. Zabini sieht wirklich ziemlich perplex aus«, meinte Ginny und lachte. Blaise stieg sofort in das Lachen mit ein. Und ob Granger perplex war. Er hoffte nur, dass sie ihm dieses Umstyling nicht übel nehmen würde.
Als Draco seinen Blick erwiderte, musste er sich zusammenreißen, um ihm nicht einen Handkuss zu geben. Das hätte wahrscheinlich doch nur für Verwirrung gesorgt. Trotzdem kicherte er bei dem Gedanken.
»Ich glaube, sie ist wirklich verknallt.«
Blaise schaute zu Ginny, die das gerade zu Neville Longbottom geflüstert hatte. Das Grinsen auf seinem Gesicht wurde nur noch breiter. Er hatte eine Idee, wie er Draco etwas unter die Arme greifen konnte.

Nervös trommelte Hermine mit irhren Fingern auf den Tisch und starrte auf das Buch, welches vor ihr lang. Malfoy hatte es ihr gegeben, damit sie sich beruhigen konnte, aber die Zeilen verschwammen vor ihren Augen. In dem Körper von Blaise Zabini konnte sie sich einfach nicht so gut konzentrieren, wie in ihrem eigenen.
»Wie lange brauchen die denn noch«, brummte sie verärgert, als sie einen Blick zur Uhr warf. Es war schon gut eine halbe Stunde vergangen, in der sie auf Zabini und Ginny warteten. Und mit jeder Minute, die verstrich, wurde Hermine nur noch nervöser. In ihrem Kopf malte sie sich schon verschiedene Katastrophen aus, wenn Harry und Ron ihren Körper treffen würden. Sehr wahrscheinlich würden sie nicht lange brauchen, um zu verstehen, dass etwas nicht mit ihr stimmte. Immerhin waren es ihre besten Freunde. Hermine seufzte und musste unweigerlich an Ron denken. Sie hatten sich während der großen Schlacht geküsst. In dem Moment kam es Hermine wirklich richtig vor. Allerdings hatte sie auch geglaubt, dass sie vielleicht sterben würden. Nach der gewonnenen Schlacht hatten sie und Ron es wirklich versucht, aber Hermine hatte schnell festgestellt, dass er doch nur ein sehr guter Freund war, dass sie ihre Gefühle falsch gedeutet hatte. Er war einige Zeit wirklich nachtragend gewesen, doch war es mittlerweile fast wie früher und das wollte sich Hermine nicht durch diesen dummen Unfall kaputtmachen.
»Jetzt beruhig dich doch mal«, meinte Malfoy und riss Hermine aus ihren Gedanken.
Sie schaute sofort zu ihm, der sie tadelnd anblickte.
Wäre nicht genau in dem Moment ihr Körper durch die Tür der Bibliothek gekommen, hätte sie wahrscheinlich wieder einen Streit mit ihm angefangen. So konnte sie allerdings Zabini mit bösen Blicken durchbohren, der eine verwirrte Ginny in ihre Richtung lenkte.
Zu ihrem Glück war die Bibliothek am Wochenende nicht gut besucht und niemand konnte diese merkwürdige Zusammenkunft von Gryffindors und Slytherins beobachten.
»Es ist also wirklich Malfoy?«, konnte Hermine Ginny flüstern hören. Sofort fragte sie sich, was Zabini ihr erzählt hatte, damit sie hierher kommen würde. Normalerweise betrat ihre Freundin die Bibliothek, am Wochenende, auch nur äußert ungern.
»Komm lass uns zu ihnen gehen und bitte versprich mir, dass du uns bis zum Ende zuhörst«, vernahm Hermine ihre eigene Stimme. Sie beobachtete Ginny dabei, wie sie einen skeptischen Blick zu ihnen warf und an ihr hängenblieb. Sofort versuchte Hermine die Gesichtszüge von Zabini zu neutralisieren, Ginny wollte sie nun wirklich nicht mit ihren Blicken töten.
»Meinst du, das ist eine gute Idee? Zabini sieht ziemlich sauer aus«, flüsterte Ginny wieder.
»Ihr braucht nicht zu flüstern, wir verstehen euch hier hinten trotzdem!«, rief Malfoy den beiden zu und Hermine konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen.
»Also, du und Hermine? Ich hätte nicht gedacht, dass du so schlau bist, um zu erkennen, wie toll sie ist«, sagte Ginny zu Malfoy, während sie die kurze Entfernung zu ihnen überbrückte. Irritiert blinzelte Hermine sie an. Was zum Teufel hatte Zabini ihr erzählt?
»Äh was?«, brachte Malfoy, ganz untypisch für ihn, heraus.
»Ach komm, jetzt brauchst du es auch nicht mehr abstreiten. Hermine bist du da angewachsen?«
Ginny drehte sich wieder um und winkte Zabini in ihrem Körper zu ihnen. Hermine nutzte dies, um einen Blick zu Malfoy zu werfen. Er sah wenigsten genauso perplex aus, wie sie sich fühlte. Sie sollten Ginny jetzt endgültig die Wahrheit sagen und diesen Schmarrn beenden.
»Ginny, wir müssen dir etwas sagen«, begann sie und konnte schnell den Blick ihrer Freundin einfangen. Sie schaute sie verwirrt an, dachte sie doch, sie wäre Blaise Zabini.
»Du bist also der Freund von Hermine? Nicht Malfoy? Sie meinte ja nur, dass sie mir ihren neuen Freund in der Bibliothek verstellen will«, murmelte Ginny nachdenklich und Hermine warf ihrem Körper sofort einen bösen Blick zu. Zabini schaute ertappt zu Boden.
»Nein, vergiss den ganzen Quatsch. Wir müssen dir etwas wirklich Wichtiges sagen und ich weiß, es klingt ziemlich komisch. Also ich bin Hermine, Blaise Zabini und ich haben unsere Körper getauscht.«
Hermine hatte es einfach schnell hinter sich bringen wollen, und schaute Ginny nun erwartungsvoll an. Diese schien immer noch nicht zu wissen, was eigentlich abging.
»Dir ist sicherlich aufgefallen, dass ich mich seit der letzten Zaubertrankstunde anders verhalten habe. Das liegt daran, dass wir dank Slughorn und einen Unfall unsere Körper getauscht haben. Ginny, niemand darf etwas davon wissen, aber Professor McGonagall hat zugestimmt, dass wir dich einweihen dürfen, damit du Zabini hilfst, dass er mich nicht total in den Dreck zieht.«
»Hey! Ich habe mir wirklich große Mühe gegeben!«, beschwerte sich Zabini sofort und Hermine verdrehte ihre Augen. Dann schaute sie wieder zu ihrer Freundin, die zwischen Zabini und ihr hin und her schauten.
»Das kann ich irgendwie nicht ganz glauben«, murmelte sie perplex.
»Stell mir irgendeine Frage, die nur Hermine beantworten könnte«, meinte sie sofort und fand es mehr als merkwürdig von sich selbst in der dritten Person zu reden.
Ginny schaute sie einen Moment nachdenklich an.
»Wann haben du und Ron euch das erste Mal geküsst?«, fragte sie dann.
»Während der Schlacht in der Kammer des Schreckens«, antwortete sie sofort. Das wussten wirklich nur sehr wenige und ganz bestimmt kein Slytherin, weswegen Ginny ihr zu glauben schien.
Während sie erleichtert lächelte, spürte sie Malfoys Blick auf sich. Sie schaute zu ihm und konnte einen komischen Gesichtsausdruck betrachten. Es dauerte einen Moment, bis sie glaubte, ihn gedeutet zu haben und dann hatte er sich schon wieder von ihr abgewandt. Verwirrt blinzelte sie, war er wirklich eifersüchtig?
»Das ist ja wirklich abgefahren«, murmelte Ginny und kam jetzt näher zu Hermine. Sie setzte sich auf die andere Seite neben Hermine und schaute wieder zu ihrem eigentlichem Körper.
»Aber jetzt wird mir einiges klar. Es hätte mir wirklich schon eher auffallen sollen, aber ich dachte wirklich, du hättest dich verliebt«, sagte sie dann und lachte. Hermine konnte nicht anders, als in das Lachen mit einzusteigen. Es war wirklich befreiend, dass ihre beste Freundin nun auch bescheid wusste, auch wenn es nichts an dem eigentlichen Problem löste.
Dann fielen ihr wieder Harry und Ron ein.
»Zabini, du musst sofort Harry und Ron schreiben. Die beiden wollten sich eigentlich heute noch mit mir in Hogsmeade treffen«, meinte sie zu ihm.
Malfoy kramte Pergament und Feder aus seiner Tasche aus und legte es auf den Tisch.
»Komm Blaise, schreib einfach das, was sie diktiert. Ich habe wirklich keine Lust, die beiden Volltrottel zu sehen«, sagte er.
Hermine kommentierte seine Beleidigung gegenüber Harry und Ron nicht. Auch wenn sie wieder dieses Gefühl verspürte ihn zu schlagen.
Stattdessen diktierte sie Zabini den kurzen Brief, welchen er gleich zur Eulerei bringen würde. Ginny entschied sich, mit ihm zu gehen. Sie wollte ihm, so gut es ging helfen, damit er nicht auffiel. Etwas was Hermine mehr als nur beruhigte.
Während sie beobachtete, wie Zabini und Ginny die Bibliothek wieder verließen, hatte sie das erste Mal das Gefühl, dass alles ohne große Probleme wieder normal werden könnte.
»Also, wir sollten in den Gemeinschaftsraum. In gut einer Stunde haben wir Quidditch Training. Ich freue mich auf deine, wie hast du es genannt? Glänzende Vorstellung?«
Malfoy musste immer alles kaputtmachen.

Hermine wurde zunehmend nervöser, als sie sich mit Malfoy zusammen auf den Weg zum Quidditch Feld machte. Im Gemeinschaftsraum hatte sie wieder den gutgelaunten Zabini spielen müssen, was ihr, ihrer Meinung nach, auch einigermaßen gelungen war. Trotzdem hatte sie das Gefühl, dass besonders Daphne Greengrass zu ahnen schien, dass etwas nicht stimmte. Ihre Blicke schüchterten sie einfach ein und sie wusste einfach nicht, wie sie sich verhalten musste, um Zabini normal wirken zu lassen.
Deswegen war Hermine froh, dass Malfoy angeordnet hatte, dass dem Quidditch Team heute beim Training nicht zugeschaut werden dürfte. So würde sie sich wenigsten nur vor den anderen Teammitgliedern blamieren. Denn eins war ihr klar, sie würde sich blamieren oder eher Zabini.
Als sie dann bei den Umkleiden ankamen, verzogen sich Hermines Mundwinkel nach unten. Sie hatte nicht wirklich lust, dem Slytherin Quidditch Team beim Umziehen zuzuschauen.
»Blaise´s Spind ist rechts neben meinem«, murmelte Malfoy ihr zu, als sie zögernd stehen blieb.
Malfoy schien ihr Zögern nicht weiter zu beachten und betrat selbstsicher die Umkleide. Hermine stolperte hinterher. Da sich bereits einige der Jungs umzogen, senkte Hermine ihren Blick und versuchte möglichst schnell den Schrank neben Malfoy zu erreichen.
Sie hörte das Gemurmel der anderen, während sie mechanisch den Körper von Zabini umzog. Auch wenn sie nicht genau daran dachte, was sie gerade machte, tat sein Körper die Handgriffe, die er wahrscheinlich schon Hunderte Male getan hatte, fast automatisch.
Hermine drehte sich erst von dem Spind weg, als sie hörte, dass die anderen Jungs den Raum verlassen hatten. Sie selbst knöpfte nur noch den Quidditch Umhang zu und drehte sich schließlich zu Malfoy, der sie schon in kompletter Montur beobachtete.
»Das sah erstaunlich routiniert aus«, meinte dieser.
»Ich habe versucht nicht so viel nachzudenken, offensichtlich konnte sich der Körper noch an die meisten Handgriffe erinnern«, sagte Hermine und zuckte mit den Schultern. Dann hielt Malfoy ihr einen Besen hin, den Hermine mit kurzem Zögern annahm.
»Okay«, sagte Malfoy gedehnt und drehte sich dann von ihr weg.
»Komm, je eher du es hinter dir hast, desto besser. Versuch einfach nicht so hoch zu fliegen und immer in meiner Nähe zu bleiben, ich werde auf dich aufpassen. Und vielleicht hast du ja Glück und Blaise´s Körper kann sich auch noch an das Steuern eines Besens erinnern.«
Dann verschwand er aus der Tür und Hermine beeilte sich, mal wieder, ihm zu folgen.
Auf dem Spielfeld stellte sie sich zu den anderen Teammitgliedern, die alle zu Malfoy schauten. Er erteilte den verschiedenen Mannschaftsteilen Übungen zu.
»Wie ihr wisst, startet morgen das erste Quidditch Spiel der Saison gegen Hufflepuff. Deswegen erwarte ich von euch allen, heute besonders viel Ehrgeiz beim Training. Auf das wir diese Luschen fertigmachen!«
Den letzten Teil brüllte er schon fast und die anderen stiegen jubelnd mit ein, weswegen Hermine sich beeilte, auch zu jubeln. Auch wenn sie es verfrüht fand und irgendwie überflüssig, immerhin hatten sie noch nicht gewonnen.
Als der Jubel ausklang, atmete Hermine noch einmal tief durch und drehte sich dann zu Vaisey und Urquhart um. Die beiden waren, wie Zabini, Jäger im Quidditch Team. Sie kannte nur ihre Nachnamen und das auch nur dank Harry und Ron.
Gerade als Hermine sie ansprechen wollte, schwangen sie sich auf ihre Besen und stiegen in die Luft. Sie knirschte mit den Zähnen. Ein kurzer Blick zu Malfoy verriet ihr, dass er sie ganz genau im Auge hatte, während er mit seinen Treibern sprach.
Also biss Hermine ihre Zähne zusammen und schwang sich mit einem Bein über den Besenstil. Sie wusste nicht, wann sie das letzte Mal auf einem Besen gesessen hatte, geschweige denn damit geflogen war. Wahrscheinlich war es wirklich in der ersten Klasse gewesen, als es noch ein Pflichtprogramm in Hogwarts gewesen war. Theoretisch wusste sie, wie man fliegen sollte, doch bisher hatte es praktisch bei ihr einfach nicht funktioniert.
Doch als sie sich jetzt vorsichtig von Boden abstieß, spannte sie der Körper von Zabini augenblicklich an und lehnte sich nach vorne. Wie von selbst, nahm sie Tempo auf, obwohl sie es nicht gewollt hatte. Als sie dann panisch an dem Besenstil zog, schaffte sie es, ihn anzuhalten und genau neben den anderen Jägern zu stoppen. Elegant schwebte sie in der Luft und starrte verblüfft auf die Erde, welche einige Meter unter ihr lag. Ganz bestimmt wäre dieses Manöver in ihrem eigenen Körper schiefgegangen.
»Was ist denn los mit dir Blaise? Du siehst aus, als hättest du einen Geist gesehen«, meinte Vaisey und lachte laut auf.
»Hast du endlich eingesehen, dass ich der bessere Jäger von uns beiden bin«, meinte er dann und grinste ihn breit an.
»Das glaubte ich kaum«, erwiderte Hermine schnell und lachte, etwas, was Zabini in dieser Situation wohl auch gemacht hätte.
»Ich schau mal, wo Draco mit dem Quaffel bleibt«, brummte Vaisey dann verstimmt und flog wieder Richtung Boden.
»Alles in Ordnung Blaise? Ich habe eben Gerüchte gehört, die ich nicht glauben möchte.« Urquhart schaute sie an und Hermine hatte das Gefühl, der grobschlächtige Slytherin Schüler wusste etwas, was er nicht wissen sollte. Dabei hatte sie ihn heute das erste Mal in Zabini´s Körper getroffen.
»Was für Gerüchte?«, fragte sie deshalb vorsichtig nach.
»Total verrückte Gerüchte. Angeblich sollst du mehr als nur Freundschaft für Draco empfinden. Dieser soll aber angeblich eine geheime Beziehung mit Schlammblut Granger führen. Also wirklich verrückt. Aber wie sagt man, an jedem Gerücht ist irgendetwas dran.« Er flog näher zu ihr und Hermine umklammerte den Besenstil fester, um nicht den Halt zu verlieren.
»Wie kommen die denn auf so einen Schwachsinn?«, fragte Hermine und versuchte, über das gesagt zu lachen. Allerdings war ihr absolut nicht zum Lachen zumute. Sie fühlte sich hier oben auf dem Besen einfach schutzlos und der undurchschaubare Blick von Urquhart verstärkte das unschöne Gefühl nur noch mehr.
»Du wirfst Draco also nicht ständig Blicke zu? Ich habe doch eben noch, mit eigenen Augen beobachten können, wie du ihn angesehen hast, bevor du losgeflogen bist. Deine ganze Haltung hat sich verändert. Etwas ist anders an dir Blaise, du hast eben in der Umkleide nicht einmal hochgeschaut. Und weißt du, was ich deswegen vermute?«
Er stoppte nach dieser Frage und Hermine schluckte nervös.
»Ich vermute, dass du dich in deinen besten Freund verliebt hast und du dadurch gemerkt hast, dass du homosexuell bist.«
Hermine blinzelte ein paar Mal und biss sich dann auf die Unterlippe.
»Ich bin nicht homosexuell«, presste sie dann heraus, auch wenn sie wusste, dass es nicht wirklich überzeugend klang.
Urquhart grinste sie dann plötzlich an und klopfte ihr sanft auf die Schulter. Trotzdem hatte sie mühe, das Gleichgewicht auf dem Besen zu halten.
»Ich weiß, das Outing ist wirklich nicht einfach. Deswegen habe ich mich hier an der Schule auch noch nicht geoutet. Vielleicht solltest du, wie ich, erst einmal bei deiner Familie anfangen. Je nachdem wie sie reagieren, kannst du nach und nach deinen Freunden davon erzählen. Du wirst dich mit jeder Person, der du es erzählst, besser fühlen. Glaub mir, ich weiß, wovon ich rede. Und solange du es noch keinem erzählen möchtest, ist dein Geheimnis bei mir auch sicher. Aber eins sag ich dir, Draco ist absolut hetero, obwohl eigentlich habe ich das bei dir vor ein paar Tagen auch noch gedacht. Aber ich erkenne es, wenn jemand sich verliebt. Und bei euch hat sich die Stimmung eindeutig verändert. Okay, ich sollte jetzt besser aufhören so viel zu reden. Also, wenn du Hilfe brauchst, kannst du immer zu mir kommen.«
Fassungslos schaute Hermine zu dem Slytherin, der sie freundlich anlächelte und sich schließlich von ihr wegdrehte und Vaisey entgegenflog. Sie hatte ihn total falsch eingeschätzt.
Am liebsten hätte Hermine ihre Hände stöhnend in ihren Haaren vergraben, aber da sie sich lieber am Besenstil festhalten wollte, unterdrückte sie diesen Impuls. Sie hatte es geschafft, dass Blaise als schwul dastand. Das würde ihm bestimmt nicht gefallen. Ganz und gar nicht. Allerdings hatte Urquhart versprochen es für sich zu behalten. Und sehr wahrscheinlich würde Zabini ihn davon überzeugen können, dass er hetero ist, wenn sie wieder ihre Körper getauscht hatten.
Hermine seufzte einmal und starrte dann zu Malfoy, der nicht weit von ihr, ebenfalls in der Luft schwebte, und den Treibern immer noch Anweisungen zubrüllte. Sie sollte jetzt eigentlich mit den anderen beiden Jägern dein Hüter herausfordern. Zumindest, wenn sie Zabini nicht noch mehr blamieren wollte.
Während sie sich vorsichtig in die Richtung lehnte, in denen sich die beiden befanden, fragte sie sich, woher Urquhart das Gerücht gehört hatte, dass sie und Malfoy eine heimliche Beziehung führen würden. Nachdenklich starrte sie den bulligen Typen an und beschloss ihn, bei nächster Gelegenheit danach zu fragen. Sie hatte wirklich kein Interesse daran, dass sich dieses Gerücht im Schloss verbreiten würde.
Der Quaffel flog genau auf sie zu und Hermine ließ reflexartig den Besenstil los, um den Ball zu fangen. Perplex darüber, dass es ihr tatsächlich gelang und sie zudem noch das Gleichgewicht auf dem Besen halten konnte, starrte sie zu Urquhart, der ihr den Quaffel zugeworfen hatte.
»Komm schon Blaise, bist du angewachsen? Zeig mir gefälligst, dass du ein würdiger Jäger bist!«, schrie Vaisey ihr dann zu und Hermine lehnte sich nach vorne. Sie klemmte den Quaffel unter ihrem Arm, wie sie es oft bei Ginny beobachten konnte und flog schließlich los. Eine Hand hatte sie zum Halt um den Besenstil gelegt und je weniger sie darüber nachdachte, desto besser flog sie. Kurz vor den Ringen passte sie den Ball an Vaisey und flog noch höher. Immer wieder passten sich die Jäger den Quaffel zu, bis Hermine schließlich auf einen der Ringe warf. Allerdings wurde der Wurf von dem Hüter gefangen.

Je mehr sie flog, desto mehr verließ sie sich auf die Reflexe, von Zabini´s Körper einließ, desto sicherer fühlte sie sich auf dem Besen. Einige Male hatte sie zu sehr darüber nachgedacht, was sie gerade macht und hatte Probleme sich auf dem Besen zu halten. Nicht nur einmal hatte sie geglaubt, gleich auf den Boden zu fallen und Zabini´s Knochen zu zertrümmern. Aber immer, wenn sie panisch wurde, konnten die Reflexe des Körpers, indem sie sich befand, sie retten. Deswegen versuchte Hermine nicht an die Gefahr zu denken, in der sie sich gerade befand. Sie versuchte sich darauf zu konzentrieren, den Quaffel zu fangen und mit den anderen beiden Jägern zusammenzuspielen. Und erstaunlicherweise lief es viel besser, als sie es erwartet hatte. Sie fühlte sich zwar immer noch unwohl so hoch in der Luft, doch wusste sie, dass es eine Kopfsache war, die sie unterdrücken konnte.

Verblüfft landete sie schließlich am Ende des Trainings auf dem Rasen und konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. Sie spürte regelrecht das Adrenalin in ihren Adern und fühlte sich deswegen sehr gut. Jetzt konnte sie die Jungs doch etwas mehr verstehen. Auch wenn Quidditch deswegen nicht sofort zu ihrer Lieblingsbeschäftigung werden würde. In ihrem eigenen Körper würde sie trotzdem nicht freiwillig auf einen Besen steigen.
»Es ist etwas komisch das zu sagen, aber eigentlich hast du dich nicht schlecht angestellt. Wenn du dir bis morgen nicht ein Bein brichst, oder etwas in der Art, habe ich keinen Grund, dich nicht spielen zu lassen«, meinte Malfoy leise zu ihr, als sie an seiner Seite die Umkleide betrat.
Hermine nickte nur geistesabwesend. Denn jetzt stand ihr etwas bevor, was sie bisher vermeiden konnte. Sie musste duschen, in der Gemeinschaftsdusche der Umkleide.



»Da musst du jetzt durch«, meinte Malfoy zu ihr, als er die Umkleide betrat.
Hermine folgte ihm zögernd. Sie ließ sich beim Umziehen so viel Zeit, wie sie konnte, ohne dass es auffallen würde. Unwohl schälte sie sich aus dem Quidditch Umhang und ließ ihn auf die Bank vor ihr fallen. Aus dem Augenwinkel konnte sie sehen, wie sich Malfoy ebenfalls entkleidete.
Sie spürte, wie ihr Herz schnell schlug, und versuchte zwanghaft nicht in seine Richtung zu schauen. Die anderen Teammitglieder verschwanden in der Dusche und schließlich waren nur noch Malfoy und Hermine als Nachzügler vor ihren Spinden.
»Wirklich entspann dich mal. Blaise ist nie so angespannt, wenn wir nach dem Training duschen. Und so schlimm muss der Anblick von sechs gutgebauten Slytherins nun auch wieder nicht sein. Also reiß dich zusammen«, zischte Malfoy ihr zu, als er sich splitterfasernackt sein Handtuch schnappte und in Richtung Badezimmer lief.
Hermine war geschockt. Nicht wirklich von seinem Anblick, sondern eher davon, dass er keine Skrupel hatte, sich nackt vor ihr zu zeigen. Leider hatte sie nicht die Chance gehabt, sich seinen Körper genauer anzuschauen. Hermine schüttelte ihren Kopf und versuchte alle Gedanken an Malfoy auszublenden. Es war in dieser Situation doch mehr als unpassend. Allgemein wollte sie eigentlich nicht so an ihn denken. Sie seufzte und war sich sicher, dass dieser Körpertausch für immer in ihrem Gedächtnis bleiben wird. Hoffentlich könnte sie irgendwann mal ihren Enkeln belustigt davon erzählen.
Mechanisch legte sie die letzten Kleidungsstücke von Zabini ab und fühlte sich mal wieder sehr unwohl in der Haut des Slytherins.
Schließlich konnte sie es nicht mehr weiter hinauszögern und schnappte sich noch Zabini´s Handtuch, sowie sein Duschgel, welches sich in seinem Spind befand.
Als sie die Tür zu den Duschen öffnete, kam ihr heißer Wasserdampf entgegen. Zum Glück stellte sie fest, dass einige schon fertig waren und ihr mit einem Handtuch um die Hüfte gewickelt entgegenkamen.
Hermine bemühte sich, nicht auf die nackte Haut, die sich ihr präsentierte, zu starren. Sie hing das Handtuch an einem dafür vorgesehenen Harken auf und fokussierte sich auf die Dusche in der rechten Ecke. Ihre Hände zitterten, als sie das Duschzeug auf der Ablage stellte.
Abermals verfluchte sie sich dafür, dass sie in diese beschissene Situation gekommen war. Was bei Merlin hatte sie verbrochen, um so etwas zu verdienen? Sie fühlte sich so verdammt unwohl und beobachtet, dass sie sich nicht traute, sich von der Wand wegzudrehen. Vorsichtig drehte sie an dem Hahn, bis schließlich warmes Wasser über ihren Rücken prasselte. Sie schloss ihre Augen und versuchte einen Moment einfach das Gefühl der Wärme und des lockerns ihrer verspannten Muskeln zu genießen.
Als sie das Zuknallen der Tür hörte, zuckte Hermine erschrocken zusammen. Verspannt griff sie nach dem Duschgel von Zabini und gab sich etwas der zähflüssigen Masse in die Handfläche. Der Geruch schreckte sie ab. Es roch einfach nach einem Mann. Normalerweise leibte sie fruchtige oder blumige Düfte, doch bei Zabini war alles herb ohne große Abwechslung.
Hermine versuchte wieder einmal nicht so viel über ihre Handlung nachzudenken, als sie Zabini´s Körper wusch. Schließlich griff sie sich das Shampoo von Zabini und verzog bei dem Geruch wieder ihre Nase. Sie brauchte viel weniger Shampoo und war viel schneller fertig als sonst.
Hermine wollte schließlich nicht länger unter der Dusche verweilen und genoss nur noch einen kurzen Moment das warme Wasser. Dann stellte sie den Brausekopf aus und schnappte sich schließlich ihr Handtuch.
Als sie sich wieder zu dem Raum drehte, blieb ihr Blick an Malfoy hängen, der als Einziger noch mit ihr im Raum war. Er stand mit dem Rücken zu ihr und spülte sich gerade sein Shampoo aus den Haaren. Hermine beobachtete genau, wie das Wasser an ihm herabfloss. Schließlich blieb ihr Blick an seinem wohlgeformten Hintern hängen und Hermine spürte, wie ihre Wangen heiß wurden. In diesem Moment drehte sich Malfoy um und Hermine zuckte erschrocken zurück.
»Da ist schon wieder dieser lüsterne Blick Granger.«
Malfoy strotze nur so vor Selbstbewusstsein und Hermine war die Situation gerade mehr als peinlich. Sie trocknete sich nur behelfmäßig ab und flüchtete dann aus der Dusche, ohne dem Slytherin noch einen Blick zukommen zu lassen.
Die Umkleide war schon verlassen, was Hermine dazu veranlasste einmal tief durchzuatmen. Das Bild würde sie wahrscheinlich nie wieder aus ihrem Kopf bekommen.
Fahrig wühlte sie schließlich in den Sachen von Zabini und fand schließlich saubere Kleidung.
Als Malfoy aus der Dusche kam, hatte sie sich schon komplett angezogen, Zabini´s Haare getrocknet und wollte aus der Umkleide verschwinden.
»Bleib hier, Blaise und ich gehen eigentlich immer zusammen wieder zurück«, stoppte Malfoy sie sofort in ihrem Tun.
Hermine ergab sich, mit einem Seufzer, ihrem Schicksal und setzte sich auf eine Bank mit dem Rücken zu Malfoy. Eigentlich wäre sie, in diesem Moment, gerne für sich alleine. Sie wusste nicht, wann sie das letzte Mal Zeit für sich hatte. Die ständige Anwesenheit von Malfoy bekam ihr auf jeden Fall nicht.
Da sie schwiegen, konnte Hermine hören, wie Malfoy sich fertigmachte. Etwas, was ihrer Fantasie nicht wirklich guttat.
»Urquhart hat mit mir gesprochen«, brach Hermine die Stille.
»Und was hat er gesagt?«, fragte Malfoy und klang dabei eher desinteressiert.
»Es gehen anscheinend Gerüchte in Hogwarts herum. Malfoy, die glauben, dass wir eine heimliche Beziehung führen. Also du und ich und nicht Zabini und du. Und dann gibt es noch das Gerücht, dass Zabini mehr als nur Freundschaft für dich empfindet.«
Sie hörte Malfoy lachen und warf einen Blick über ihre Schulter. Er schaute zu ihr, immer noch mit einem breiten Lächeln auf den Lippen.
»Es gibt doch immer bescheuerte Gerüchte in Hogwarts. Lass sie doch reden, es ist doch nichts dabei«, winkte er schließlich ab. Da er sich dabei sein Hemd zuknöpfte, drehte sich Hermine ganz zu ihm.
»Urquhart ist davon überzeugt, dass Zabini schwul ist. Ich denke nicht, dass ihm das gefallen wird«, meinte sie unsicher.
»Ach so eng wird Blaise das nicht sehen. Er wird bei dir sicher auch noch einiges anstellen, also reg dich nicht unnötig auf. Außerdem wird er ihm schnell wieder beweisen können, dass er hetero ist, wenn ihr wieder zurückgetauscht habt.«
Verblüfft schaute Hermine ihn an und nickte schließlich, obwohl sie sich bewusst war, dass er nicht zu ihr schaute. Er hatte recht, wahrscheinlich würde Zabini sie auch noch einige Mal schlecht dastehen lassen. Sie müssten sich wohl, wenn sie ihre Körper zurückgetauscht hatte, darauf konzentrieren alles wieder auszulöffeln, was der jeweils andere ihnen eingebrockt hatte.
»Aber wie kommen die auf die Idee, dass wir beide eine geheime Beziehung führen?«, fragte sie Malfoy dann.
»Keine Ahnung, das würde mich allerdings auch interessieren«, antwortete Hermine und zuckte mit ihren Schultern.
Sie beobachtete, wie Malfoy seine Haare mit einem Zauber trocknete und sie dann nur etwas durchwuschelte ohne sie, wie sonst, zu gelen. Hermine gefiel diese Frisur um einiges besser.
»Granger, dieser Blick«, kam es fast schon beiläufig von Malfoy und Hermine schnaubte auf.
»Also, was machen wir jetzt? Also, was machen Zabini und du normalerweise nach dem Training?«, fragte Hermine.
»Normalerweise trinken wir noch ein Butterbier im Gemeinschaftsraum. Ganz entspannt, immerhin ist morgen das Spiel. Meinst du, du hältst es durch, das Spiel zu fliegen? Du weißt ja, dass es ziemlich lange gehen kann.«
»Ich hoffe es. Eben lief es erstaunlich gut, aber ich glaube, es liegt nur an den Reflexen, die noch in diesem Körper sind. In meinem eigenen Körper kann ich auf jeden Fall nicht so mit einem Besen umgehen«, sagte sie und stand abermals von der Bank auf.
»Dann werde ich mich umsomehr bemühen den Schnatz schnell zu fangen«, meinte Malfoy locker und Hermine nickte nachdenklich. Immerhin spielten sie nicht gegen Gryffindor.

Die beiden liefen eine Weile schweigend zurück zum Schloss. Als sie die Eingangshallen durchquerten, konnte Hermine Ginny und ihren eigenen Körper erkennen. Perplex verengte sie ihre Augen. Ginny zog ihren Körper geradezu rabiat hinter sich her, während Zabini vor Schmerz zu stöhnen schien.
Was zum Teufel passierte da gerade, fragte sie sich, und ging mit Malfoy an ihrer Seite zu den beiden, die sie offensichtlich gesucht hatten.
 

»Lieber Harry, Lieber Ron,

leider muss ich unser Treffen für heute absagen. Ich bin krank geworden. Keine Sorge, ich wurde schon von Madame Pomfrey mit Medizin versorgt und Ginny kümmert sich um mich. Macht euch einen schönen Tag, auch ohne mich. Ich melde mich, wenn ich wieder gesund bin, wegen einem neuen Termin,

Eure Hermine«


Blaise wickelte die kurze Nachricht um den Fuß der Eule, die sofort auf ihn zugeflogen war, als er die Eulerei betreten hatte. Da Ginny neben ihm nichts dazu sagte, ging er davon aus, dass es sich um Grangers Eule handelte.
Die beiden schauten der Eule hinterher, bis sie nicht mehr zu sehen war.
»Und was jetzt?«, fragte Blaise schließlich.
»Lass uns in den Gemeinschaftsraum und dort etwas lesen. Oder vielleicht sollten wir doch in den Schlafsaal, damit uns die anderen nicht sehen.«
»Wie viel ließt Granger eigentlich?«, fragte er stöhnend, als sie die Treppen wieder runterstiegen. Ginny lachte und grinste ihn schließlich an.
»Sehr viel, also gewöhn dich lieber schnell daran, falls du noch länger in ihrem Körper bleiben musst.«
Schweigend liefen sie zurück in die Gryffindor Räume und zogen sich in den Schlafsaal zurück, den sie sich noch mit Parvati und Lavender teilten. Von denen war im Moment nichts zu sehen, weswegen Blaise sich auf Grangers Bett warf und laut seufzte. Ihm quälten seit ein paar Minuten seltsame Schmerzen im Unterleib, die er sich nicht erklären konnte.
»Alles in Ordnung?«, fragte Ginny und schaute ihn skeptisch an. Blaise rekelte sich auf dem Bett, bis er eine halbwegs bequeme Position gefunden hatte.
»Ich habe komische Schmerzen«, brummte er und rieb sich über den Bauch.
»Oh«, hörte Blaise Ginny sagen und er starrte sie mitleidserregend an.
»Geh mal lieber auf die Toilette, ich denke, Hermine hat ihre Periode bekommen.«
»Was?«, fragte Blaise verwirrt und setzte sich schwerfällig auf.
»Die Menstruation? Du weißt schon, wie nennen die Kerle es, rote Woche? Erdbeerwoche?«
Langsam machte es klick bei Blaise und er zog ein langes Gesicht.
»Nicht dein ernst«, murmelte er und stöhnte laut auf.
Ginny lachte und Blaise schaute sie böse an.
»Dein Gesicht gerade, das war einfach zum Schießen komisch«, meinte sie und lachte so lange, bis sie kaum noch Luft bekam und rot anlief.
Normalerweise hätte sich Blaise spätestens jetzt mit dem Lachen angeschlossen, aber er hatte wirklich Schmerzen. Deswegen grinste er nur leicht, während Ginny schon anfing rot anzulaufen und versuchte normal zu atmen, allerdings immer wieder lachen musste.
»Also, wie mache ich das jetzt?«, fragte Blaise und kam sich ziemlich dämlich vor.

Eine Weile erklärte Ginny ihm ziemlich viel, bis er verstand, wie die Frauen sich bei diesem bestimmten Problem Abhilfe verschafften. Zum Schluss schwirrten im seinem Kopf nur noch die Wörter Tampons, Binden, Slipeinlagen, wobei Granger anscheinend Tampons bevorzugte.
Blaise hielt ein Tampon hoch und fragte sich, warum noch kein Zauber für dieses Problem erfunden wurde. Ginny erklärte ihm, dass der Tampon magisch verstärkt sei und er ihn so nur einmal am Tag wechseln bräuchte. Trotzdem behagte es ihm nicht, als er schließlich mit dem Ding »bewaffnet« ins Badezimmer ging. Die Schmerzen hatten etwas nachgelassen, waren aber trotzdem noch spürbar.
Er schüttelte sich vor Ekel, als er das verkrustete Blut in Grangers Unterhose sah und beschloss, dass er sich nie wieder über die Menstruation einer Frau lustig machen würde.

Als er das Badezimmer wieder verließ, hielt Ginny ihm einen Brief entgegen.
»Harry und Ron haben schon geantwortet«, meinte sie und setzte sich neben ihn, als er sich auf Grangers Bett niederließ.
Gespannt entrollte Blaise das Pergament.


»Liebe Hermine,

wir hoffen es ist nichts Ernstes und du wirst schnell wieder gesund! Aber wenn Madame Pomfrey und Ginny sich um dich kümmern, kann ja eigentlich nichts schief gehen. Richtig ihr bitte liebe Grüße von uns aus.
Ron und ich werden trotzdem nach Hogsmeade gehen und dir morgen nach dem Quidditch Spiel (hoffentlich verliert Slytherin) noch einen Krankenbesuch abstatten. (Wag es ja nicht dem zu widersprechen, wir werden auf jeden Fall kommen!).
Bis morgen,

Harry und Ron«



Blaise starrte den Brief an und fing schließlich schallend an zu lachen. Ginny riss ihm das Pergament aus der Hand und überflog den Brief. Ihr Gesichtsausdruck sprach Bände.
»Das war eigentlich zu erwarten. Besonders, wenn die beiden auch noch die Genehmigung haben, sich alle Quidditch Spiele ansehen zu dürfen, so ein Mist«, murmelte sie und fluchte schließlich laut.
»Wir müssen sofort zu Hermine und beraten, was wir jetzt machen sollen!«, schrie sie dann und zog Blaise vom Bett hoch. Sofort breitete sich ein stechender Schmerz in seinem Unterleib aus, der ihn aufstöhnen ließ.
»Ich sterbe«, jammerte er und wollte sich aus Ginnys Griff befreien.
»Männer, wegen jeder Kleinigkeit am Rumjammern! Reiß Dich gefälligst zusammen! Ich habe Hermine noch nie so wegen ihrer Tage rumstöhnen sehen! Obwohl, vielleicht kannst du dich so morgen gut krank stellen. Ja egal, komm wir müssen Hermine finden!«

Unbarmherzig zog Ginny Blaise aus dem Schlafsaal und schließlich auch aus dem Gemeinschaftsraum. Da Blaise sich nicht wohl fühlte und er sich nur träge vorwärtsbewegte, ließ sie seine Hand nicht los, sondern zog ihn einfach immer weiter.
»Jetzt beruhig dich doch mal, es bestimmt eh noch Training«, maulte Blaise rum und verzog sein Gesicht, er konnte regelrecht spüren, wie sich Grangers Unterleib zusammenzog.
»Training? Hermine ist da gerade irgendwo mit einem Besen?«, kam es panisch von der Gryffindor und Blaise schaute sie verwirrt an.
»Ja«, antwortete er gedehnt und war froh um die kurze Pause, da Ginny stehen geblieben war.
»Du kennst Hermine nicht! Sie kann absolut nicht fliegen! Oh Gott, hoffentlich ist nichts passiert«, sagte sie panisch und zog ihn anschließend wieder erbarmungslos hinter sich her.
»Wir müssen sie unbedingt abpassen, bevor sie wieder in den Slytherin Gemeinschaftsraum gehen«, beschloss Ginny und Blaise grummelte nur vor sich hin.
Sie stolperten die Treppen hinunter und schließlich konnte Blaise sehen, wie sein Körper neben Draco Hogwarts betrat. Er konnte das siegreiche Grinsen auf Dracos Gesicht deuten und sein Körper schien eher aus dem Wind zu sein.
»Da sind sie!«, schrie Ginny und zog ihn ruckartig weiter, was ihn nur noch einmal schmerzhaft aufstöhnen ließ.
Die beiden kamen zu ihnen und Blaise konnte den besorgten Blick auf seinem eigenen Gesicht sehen.
»Was ist passiert?«, fragte Granger sofort.
»Du hast deine Tage bekommen und Blaise scheint das wohl nicht so gut verkraften zu können«, erklärte Ginny ihr und Blaise schnaubte auf.
»Nicht verkraften können? Es ist die reinste Hölle«, grummelte er, wurde von den anderen aber nicht weiter beachtet.
»Ich schwöre auf Merlin, dass ich mich nie wieder über die Stimmungsschwankungen einer Frau lustig machen werde«, flüsterte Blaise Draco zu, der ihn nur angrinste, aber nichts dazu sagte.
»Sei froh, dass du nicht in dieser Situation bist«, grummelte er ihn an.
»Wir müssen irgendwohin gehen, wo wir reden können, ohne so viel Aufmerksamkeit auf uns zu ziehen«, meinte Ginny, während sie mit dem Brief von den anderen beiden des goldenen Trios vor Hermines Nase wedelte.
»Okay, lass uns in eines der unbenutzten Klassenzimmer gehen«, stimmte Granger ihr zu und Blaise musste sich abermals bewegen.

Hermine überflog den Brief, den Ginny ihr hingehalten hatte, und seufzte tief. Harry und Ron würden morgen also kommen und Hermine wusste, dass sie es ihnen nicht mehr ausreden könnte.
Sie setzte sich auf einen der Tische in dem unbenutzten Klassenzimmer und schaute zu ihrem Körper. Zabini sah man immer noch die Schmerzen an, die er offensichtlich hatte.
»Meinst du, du kannst dich so gut verstellen?«, fragte sie ihn. Er zuckte mit den Schultern.
»Ich kann ja versuchen, mich schlafend zu stellen? Dann schminkt mich Ginny noch mit irgendwelchem Zeug etwas blasser und fertig.«
Hermine runzelte ihre Stirn und nickte schließlich.
»Ich hoffe, sie bleiben dann nicht zu lange«, meinte sie erschöpft. Ginny nahm ihre Hand und Hermine lächelte ihr dankbar zu.
»Alles wird gut Hermine. Ich passe auf, dass er sich benimmt, und ich werde Harry und Ron schnell wieder aus dem Schlafsaal scheuchen«, versprach sie.
»Danke«, erwiderte Hermine erleichtert. Sie wusste ja, dass sie in ihrem jetzigen Körper, bei dieser Situation nichts ausrichten könnte. Umso dankbarer war sie, dass Ginny sie so unterstützte.
»Aber, du bist wirklich auf einem Besen geflogen? Und du willst morgen beim Quidditch Spiel spielen?«, fragte Ginny dann aufgeregt.
»Naja, wollen ist übertrieben. Aber ja, ich bin geflogen und das sogar einigermaßen gut. Obwohl ich meistens auf die Reflexe von Zabini vertraut habe. Ansonsten wäre ich wahrscheinlich nicht wieder heil auf die Erde gekommen.«
»Du konntest meine Reflexe benutzen?«, fragte Zabini plötzlich interessiert. Hermine schaute wieder zu ihm. Sie hatte durch die kurze Unterhaltung mit Ginny die beiden Slytherins schon fast ausgeblendet. Umso komischer war es, ihren Körper neben Malfoy auf dem Tisch sitzen zu sehen.
»Ja, ich habe einfach versucht, nicht so sehr darüber nachzudenken, was ich in der Situation mache und es hat funktioniert«, antwortete sie ihm.
»Das ist ja genial. Aber bei mir hat das bisher noch nicht funktioniert. Wenn ich etwas lese, habe ich es genauso schnell wieder vergessen, wie in meinem Körper«, grummelte Zabini den letzten Satz.
»Nun das hat ja wohl einen offensichtlichen Grund. Granger verlässt sich in dem Moment auf deinen Körper, aber du kannst nicht Grangers Grips benutzen, der befindet sich ja im Moment in deinem Körper«, stellte Malfoy fest. Hermine runzelte ihre Stirn und befand, dass Malfoy recht hatte. Sie wusste zwar nicht genau, wie der Tausch funktioniert hatte, aber sie konnte genauso denken wie in ihrem eigenen Körper. Nur der Körper dazu war anders.
»Das klingt interessant. Vielleicht sollten wir aufpassen, dass Hermine nicht mit ihrem super Grips und einem jetzt kräftigen und starken Körper die Weltherrschaft an sich reißt«, meinte Ginny und lachte. Hermine wusste, dass sie es nicht ernst meinte und schmunzelte.
Schließlich erzählte sie Ginny und Zabini, was sie von dem Slytherin Jäger für Gerüchte gehört hatte.
»Ich soll schwul sein?«, fragte Zabini entsetzt, als Hermine geendet hatte. Sie nickte vorsichtig und hatte mühe ihn weiterhin anzuschauen, ihr war es peinlich ihn in so eine Situation gebracht zu haben. Dann fing er plötzlich an zu lachen. Irritiert schaute sie ihn an. Offensichtlich hatte er auch in ihrem Körper nicht seinen Humor verloren. Er schien es ihr überhaupt nicht übel zu nehmen.
»Also an dem Gerücht, das du heimlich mit Malfoy zusammen sein solltest, bin glaube ich schuld und eigentlich Zabini auch ein wenig«, murmelte Ginny dann etwas verlegen.
»Wirklich, was habe ich gemacht?«, fragte der Slytherin verwirrt.
»Nun ja, als ich noch nicht wusste, dass ihr eure Körper getauscht habt, dachte ich, dass du in Malfoy verliebt bist. Einfach weil Zabini so oft von ihm gesprochen hat. Und vielleicht habe ich es ein paar anderen Gryffindors erzählt? Und als wir uns in der Bibliothek getroffen haben, habe ich beim Herausgehen gesehen, wie uns zwei Ravenclaws beobachtet haben. Und am Anfang habe ich dort ja doch ziemlich viel über eure eigentlich nicht existierende Beziehung geredet.« Ginny beendete ihren Vortrag und lächelte Hermine entschuldigend an.
»Ist schon gut, du kannst ja nichts dafür«, meinte Hermine sofort, auch wenn ihr die Gerüchte nicht gefielen.
»So schlimm ist es doch auch nicht. Wenn wir denen kein neues Futter geben, ist das in einigen Wochen wieder vergessen«, sagte Malfoy und schaute zu ihr.
»Aber eben haben uns auch einige beobachtet, wie wir vor der großen Halle waren und wie wir zu viert hierher gegangen sind. Das dürfte die Gerüchte doch verstärkt haben«, gab Zabini zu bedenken.
»Okay dann müssen wir uns ein paar Regeln überlegen. Wir werden uns nicht mehr zu viert irgendwo öffentlich treffen. Wenn jemand mit dem anderen sprechen muss, schickt er eine Eule und wir werden uns als fixen Treffpunkt das Klo von der maulenden Myrte ausmachen«, beschloss Hermine und die anderen nickten bestätigend.
Damit löste sich die kleine Versammlung wieder auf und Hermine machte sich mit Malfoy auf dem Weg zum Slytherin Gemeinschaftsraum. Auch wenn sie nur kurz mit Ginny hatte sprechen können, fühlte sich Hermine besser. Sie hatte ihr noch viel Glück für das Quidditch Spiel gewünscht und Hermine hatte das Gefühl, dass sie dies auch brauchen würde.
Im Gemeinschaftsraum angekommen, bekam Hermine wie bereits von Malfoy angekündigt ein Butterbier. Sie hatten sich zu den anderen aus der Mannschaft gesetzt und Hermine fühlte sich neben Urquhart und Malfoy wohler als bei den Slytherin Mädchen, die sie immer noch nicht einschätzen konnte und nicht wusste, wie sie sich bei ihnen verhalten sollte.
Ein lockeres Gespräch, was sich hauptsächlich um das Ereignis am nächsten Tag ging, gefiel ihr dann schon besser. Und es dauerte nicht mehr lange, dann zog sie sich in den Schlafsaal zurück. Malfoy würde später nachkommen und Hermine war froh darüber, ein paar Minuten für sich zu haben.
Sie machte sich bettfertig und mümmelte sich mit einem Buch, welches sie auf Malfoys Nachttischschränkchen gefunden hatte, auf dem Himmelbett ein, bis sie es gemütlich fand. Hermine hatte erwartet, dass das Buch ein Schulbuch oder vielleicht noch eines über Quidditch sei, umso überraschter war sie, als sie erkannte, dass es sich um einen magischen Kriminalroman handelte. Obwohl sich die Handlung spannend gestaltete, konnte Hermine nur die ersten zehn Seiten lesen, bis die Müdigkeit sie übermannte und sie ihre Augen schloss.

Sie war in dem Badezimmer der Quidditch Umkleiden. Verwirrt schaute sie sich um und erkannte, dass sie in ihrem eigenen Körper war und das nackt.
»Da ist schon wieder dieser lüsterne Blick Granger.«
Erschrocken drehte sie sich in die Richtung, aus der sie die Stimme hörte. Eben hatte Malfoy dort noch nicht gestanden. Doch jetzt hatte sie ein verdammtes Déjà-vu, da sie ihn vor einigen Stunden erst genau in dieser Situation gesehen hatte.
Er lächelte sie anzüglich an und Hermines Knie wurden verräterisch weich. Der heiße Wasserdampf schien ihr Gehirn zu benebeln, denn sie schritt, ohne lange darüber nachzudenken, auf Malfoy zu und schlang ihre Arme um seinen Nacken. Dieser schien ihre plötzliche Nähe nicht zu stören. Im Gegenteil, er grinste nur noch breiter und platzierte seine Hände um ihre Taille.
Hermine ließ ihre Hände von seinem Nacken durch seine Haare wandern. Schaum von seinem Shampoo klebte an ihrer Hand, als sie damit über seine Brust fuhr. Fasziniert beobachtete sie, wie seine Muskeln unter ihrer Berührung zuckten.
Und dann stellte sie sich auf ihre Zehnspitzen, um ihn zu küssen. Er kam ihr entgegen und ihre Lippen prallten leiderschaftlich aufeinander. Wie von selbst schlang sie seine Arme um ihn und störte sich nicht daran, dass er sie ganz dicht an ihn zog.
»Wer hätte gedacht, dass das Schlammblut Mauerblümchen so leidenschaftlich sein kann?«


Erschrocken fuhr Hermine aus ihrem Schlaf hoch und hörte ihr eigenes Herz laut schlagen. Es dauerte einen Moment, bis ihr klar wurde, dass sie sich noch immer in Blaise Zabini´s Körper befand. Und das sie von seinem besten Freund geträumt hatte.
Erst dann bemerkte sie ein merkwürdiges Ziehen in der unteren Region von Zabini´s Körper. Verwirrt schaute sie unter die Decke.
»Malfoy! Malfoy was ist das!«, schrie sie sofort panisch.
Von Angst ergriffen starrte Hermine auf die Hose von Zabini, die sich in der Mitte deutlich ausbeulte. Sie versuchte so schnell aus dem Bett zu kommen, dass sie sich im Vorhang verhedderte und unsanft auf den Boden knallte.
Malfoy hatte sich, wahrscheinlich wegen dem Quidditch Spiel, schon früher aus seinem Bett gequält und lachte sie jetzt aus.
»Wenn du beim Quidditch auch so gut bist, dann Hals und Bein Bruch. Obwohl, ich wäre sehr wütend, wenn du meinen besten Freund umbringen würdest. Aber, dann würde Blaise ja eigentlich noch in deinem Körper stecken?«
»Hör auf zu labern und sag mir, was das ist und wie ich es wegbekomme!«, fuhr sie ihn an, nachdem sie sich umständlich aufgerappelt hatte. Malfoy ließ seinen Blick nur einmal kurz abschätzend in ihre Schrittrichtung wandern und schaute sie dann mit einer erhobenen Augenbraue an.
»Das nennt man eine Morgenlatte Granger«, schnarrte er dann und konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. Unsicher schaute Hermine ihn an, sie wusste nicht, was sie machen sollte.
»Also entweder du holst dir einen runter oder holst du dann im Prinzip Blaise einen runter? Naja egal, entweder du bekommst einen Orgasmus oder du denkst an etwas sehr Ekliges, was dich abturnt«, meinte Malfoy und Hermine versuchte sofort an etwas Ekliges zu denken. Es schlich sich das Bild von Ron in ihre Gedanken, wie er viel zu schnell sein Essen runterwürgte und mit offenem Mund sprach, gefolgt von einer riesigen Schlange, die ihr Lieblingsbuch auffraß.
»Aber ewig wird das nicht funktionieren, irgendwann kommt es zum Samenstau und du wirst feuchte Träume bekommen«, sagte Malfoy und kicherte, offensichtlich schadenfroh.
Hermine atmete aber erleichtert aus, als sie spürte, wie das Ziehen nachließ.
»Komm lass uns fertig werden, damit wir noch etwas frühstücken können, bevor das Spiel losgeht.«
Und sofort löste sich Hermines Erleichterung wieder auf. Plötzlich verstand sie, warum Harry und Ron immer so nervös vor den Spielen waren. Sie fühlte sich gerade, als würde sie ihre persönliche Schlachtbank betreten.

Hermine umklammerte den Besen in ihrer Hand und starrte stur geradeaus. Sie standen kurz vor dem Quidditchfeld und warteten nur darauf, dass Madam Hooch das Team Slytherin aufrufen würde.
Das Frühstück hatte Hermine nur würgend hinuntergebracht und das halbe Käsebrot lag schwer in ihrem Magen. Allgemein hatte Hermine sich durch den Tag gekämpft und sie wäre mehr als froh, wenn das Spiel nicht allzu lange dauern würde. Beim Umziehen hatte sie es mittlerweile perfektioniert, nicht zu den anderen zu schauen. Sie wollte nicht, dass sich die Situation von heute Morgen wiederholen würde. Wenn sie nur daran dachte, war es ihr so peinlich, besonders, weil Malfoy jetzt genau wusste, dass sie keinerlei Erfahrung mit dem anderen Geschlecht hatte. Aber andererseits war sie auch froh, dass es ihr nicht gestern unter der Dusche passiert ist.
»Slytherin!«
Hermine zuckte zusammen, als die Mannschaft, in der sie dank Zabini jetzt war, aufgerufen wurde.
»Also, gebt euer Bestes und fault nicht zu doll«, meinte Malfoy nur einmal kurz über seine Schulter hinweg, während er sich auf seinen Besen schwang und losflog. Die anderen machten es ihm nach und auch Hermine beeiltet sich loszufliegen.
Wenn sie nicht darüber nachdachte, was alles passieren könnte, dann klappte es auch einigermaßen mit ihren Flugkünsten. Sie lenkte den Besen zwischen ihre Teamkameraden in der Luft, die darauf warteten, dass die Bälle freigegeben wurden.
Die Spieler von Hufflepuff hatten sich ihnen gegenüber aufgebaut und Hermine schluckte nervös, als sie die Treiber sah. Sie hatte nicht geübt, wie sie den Klatschern ausweichen musste.
»Auf ein faires Spiel!«, schrie Madam Hooch, pfiff einmal laut und ließ die Bälle aus dem Koffer und somit hatte Hermine keine Zeit mehr darüber nachzudenken, wie sie den Klatschern ausweichen sollte. Wie von selbst lenkte sie ihren Besen auf den Quaffel zu. Aber Vaisey kam vor ihr an den Quaffel und flog los. Hermine folgte ihm, zog rechts an ihm vorbei, wich instinktiv einem der gegnerischen Treibern aus und fing den Quaffel, als Vaisey ihn ihr zuspielte. Sie warf den Ball auf den rechten Torring und dadurch erzielte sie tatsächlich einen Treffer.
Und ab diesem Moment gab es für Hermine nur noch, Quaffel fangen, Quaffel passen, Quaffel durch einen der Torringe werfen und anderen Spielern, sowie den Klatschern ausweichen. Es war eigentlich ganz leicht und je mehr sich Hermine auf das Spiel konzentrierte, desto einfacher viel ihr das Fliegen.
Immer wieder suchte sie auch nach Malfoy, der immer wo anders nach dem Schnatz suchte. Aber so, wie Hermine es bisher mittbekommen hatte, wurde der Schnatz noch nicht gesichtet. Die Kommentare von Luna konnte sie meistens nicht hören, da entweder der Flugwind zu laut war oder sie sich schlicht und einfach nicht darauf konzentrieren konnte.

Als sie über die Tribüne der Hufflepuff Fans flog, geriet sie ins Stocken, da sie Harry, Ron und Ginny ausmachen konnte. Ihre Freunde sahen nicht glücklich darüber aus, dass Slytherin, trotz ihr als Klotz am Bein, mit fünfzig Punkten führte. Nur Ginny lächelte breit und winkte ihr zu. Hermine unterdrückte den Impuls ihr zurückzuwinken und wollte gerade drehen, als sie eine Bewegung in ihrem Augenwinkel erkannte.
Einer der beiden Klatscher flog genau auf sie zu und war keine zwei Meter mehr von ihr entfernt. Sie starrte ihn überrascht und ängstlich an und Zabini´s Reflexe brauchten zu lange, um sich durch ihre Angst zu kämpfen und zu reagieren. Gerade schaffte sie es den Besen zur Seite zu lenken, als der Klatscher die Borsten des Rennbesens traf und Hermine durch die Wucht des Aufpralls von dem Besen geschleudert wurde.
Sie kreischte auf, schaffte es aber nicht mehr, sich an dem Besen festzuhalten. Während sie fiel, schloss sie schon mit ihrem Leben ab.
»GRANGER!«, hörte sie noch eine Stimme schreien, ehe ihr schwarz vor Augen wurde.
*

»Hast du gehört, was Draco geschrien hat? Es hat sich ziemlich nach Granger angehört.«
»Ich habe es nicht richtig verstanden, es hätte auch Ganzer oder so etwas in der Art sein können. Draco weißt du noch, was du geschrien hast?«
»Nein, hört endlich auf zu spekulieren, am besten ihr verschwindet jetzt. Ihr habt Madame Pomfrey doch gehört, Blaise braucht Ruhe.«
»Alles klar, nimm es dir nicht so zu herzen, dann haben wir das erste Spiel halt verloren, immerhin ist ihm nichts Ernstes passiert, auch wenn er sich das ganze Spiel irgendwie komisch benommen hat.«
»Jetzt haut schon ab«, knurrte Draco regelrecht.

Hermine war während dieser Unterhaltung wach geworden, wollte sich aber nicht bemerkbar machen. Ihr ganzer Körper schmerzte, besonders ihre rechte Seite.
Als sie hörte, dass die Tür zugemacht wurde, öffnete Hermine zögernd ihre Augen.
Draco saß neben ihrem Bett und starrte auf seine Hände. Er hatte immer noch seine Quidditch Kleidung an und wirkte ziemlich mitgenommen.
»Hey«, murmelte Hermine und sofort glitten seine Augen zu ihr. Er sah nicht nur mitgenommen aus, er sah richtig fertig aus.
»Alles in Ordnung?«, fragte sie ihn vorsichtig und Malfoy lachte kurz gereizt auf.
»Alles in Ordnung? Du fragst mich, ob alles in Ordnung ist? Merlin Granger, schau doch mal, wo du liegst! Es hat nicht viel gefehlt, hätte McGonagall nur etwas später gehandelt, wäre mehr passiert als die Knochenbrüche, die du hast. Ist dir das überhaupt klar!« Er fuhr richtig aus seiner Haut, stand sogar auf. Als sie ihn erschrocken ansah, setzte er sich mit einem langen Seufzer wieder hin.
»Es war leichtsinnig von mir dich spielen zu lassen. Ich hätte doch einen anderen Jäger nachnominieren sollen«, murmelte er und Hermine wurde klar, dass er sich Vorwürfe machte.
»Es ist doch alles gut gegangen«, meinte sie, während sie nach seiner Hand griff. Ihre linke Körperhälfte hatte wohl nicht so viel abbekommen, weswegen sie auch keine Schmerzen hatte, als sie nach seiner Hand griff. Fast schon routiniert schlang sie die Finger um seine Hand und er schaute sie irritiert an.
»Also habt ihr wegen mir verloren?«, fragte Hermine, nachdem er seine Hand nicht aus ihrer löste. Ob es sich wohl nur für sie so intim anfühlte? Vielleicht nahm das Schmerzmittel, was Madame Pomfrey ihr mit Sicherheit gegeben hatte, sie etwas mit.
»Nein, wegen mir. Ich war durch deinen Sturz abgelenkt und kurz danach hat der Sucher von Hufflepuff den Schnatz gefangen.«
»Du hast meinen Namen geschrien«, fing sie an und Malfoy löste seine Hand aus ihrer.
»Ja, es könnte sein, dass einige es gehört haben. Dein Sturz sah aber auch ziemlich gefährlich aus. Ich habe versucht dich noch zu fangen, aber ich war zu langsam. ... Ich sollte jetzt gehen.«
Malfoy sprang regelrecht von dem Stuhl auf.
»Schlaf gut, heute Nacht musst du auf jeden Fall noch hier verbringen«, meinte er, ehe er durch die Tür verschwand, ohne ihr auch nur die Möglichkeit einer Antwort zu geben. Hermine starrte ihm lange hinterher, bis sie wieder schläfrig wurde und sie in einen tröstenden schmerzlosen Schlaf glitt.

Blaise lag in Hermines Bett und bemühte sich, sich so wenig wie möglich zu bewegen. Er spielte die kranke Hermine und genau in diesem Moment, saßen Potter, Weasley und Ginny neben seinem Bett. Krampfhaft hielt er seine Augen geschlossen und lauschte ihrem Gespräch, da er einfach nichts anderes machen konnte.
»Ich finde es ja gut, dass Hufflepuff gewonnen hat, aber es war wirklich unfair. Hätten sie Zabini nicht so erwischt, dann hätte Malfoy sehr wahrscheinlich den Schnatz gefangen. Er war das ganze Spiel über viel Konzentrierter.«
Blaise musste zwanghaft sein Kichern unterdrücken. Wenn Draco hören würde, dass Potter ihn lobte. Wahrscheinlich würde Potter diese Worte in der Anwesenheit von Draco nicht über seine Lippen bekommen. Aber gleichzeitig fragte er sich auch, was Hermine mit seinem Körper angestellt hatte. Die Drei waren gerade erst vom Spiel gekommen und Blaise hatte davon nichts mitbekommen, da er nicht das Risiko eingehen wollte, den beiden anderen des goldenen Trios zu begegnen.
»Es geschieht ihnen recht. Zabini hatte heute wohl keinen guten Tag.« Weasley schien nicht glücklich und Blaise spürte, dass er am nächsten an dem Bett saß.
»Ja, Zabini hat sich wirklich komisch verhalten. Aber noch komischer fand ich es, dass du ihm kurz vor seinem Sturz angelächelt hast.« Potter knurrte die letzten Worte fast und Blaise schloss, dass er sie an Ginny gerichtet hatte.
»Ich habe ihn nicht angelächelt!«, verteidigte sich diese.
»Wie auch immer. Das Merkwürdigste ist und bleibt, dass Malfoy eindeutig »Granger« geschrien hat, als Zabini gefallen ist.« Das kam wieder von Weasley und Blaise konnte dabei nur zu deutlich seinen Blick auf seinem Gesicht spüren.
»Ja, das war wirklich merkwürdig. Wie er ihm hinterhergeflogen ist. Ich glaube, ich habe Malfoy noch nie so besorgt gesehen. Aber warum er dabei ausgerechnet Hermines Namen geschrien hat ...«
»Vielleicht ist es ja eine Art Schimpfwort bei den Slytherins? Ich glaube einfach, wir sollten dem nicht so viel Bedeutung zusprechen. Wenn ihr wollt, könnt ihr ihn doch einfach selbst danach fragen. Ich bin sicher, er ist im Moment im Krankenflügel bei Blaise.«
»Bei Blaise? Seit wann nennst du ihn beim Vornamen?«, fragte Potter und klang dabei ziemlich misstrauisch.
»Harry komm schon, wir haben das Kriegsbeil begraben und ich verstehe mich gut mit den Slytherins, kein Grund eifersüchtig zu werden.« Ginny klang ziemlich überzeugend und Blaise hätte sie in diesem Moment gerne gesehen. Es verging ein Moment der Stille, bis er das Schmatzgeräusch eines Kusses hören konnte.
»Oh bitte, müsst ihr hier rummachen? Schaut mal, selbst Hermine hat ihr Gesicht angewidert verzogen«, meinte Weasley und Blaise beeilte sich, seine Gesichtszüge wieder zu entspannen.
»Das bildest du dir ein Ron«, sagte Potter leicht verärgert. Dann hörte Blaise Bewegungen. Er konnte nicht sagen, wer es war, aber er war sich noch immer ziemlich sicher, dass Weasley ihn mit Blicken durchbohrte. Die Tür wurde geöffnet und geschlossen und Blaise war sich sehr sicher, dass Ginny mit Potter den Raum verlassen hatte. Warum zum Teufel ließ sie ihn alleine mit dem Wiesel?
Blaise fühlte sich zunehmend unwohl, wissend, dass Weasley keine zehn Zentimeter neben ihm saß.
»Ach Hermine. Warum musst du ausgerechnet jetzt krank sein«, sagte er und stöhnte anschließend frustriert auf.
»Eigentlich habe ich beschlossen, dir heute etwas zu beichten. Aber, wenn du jetzt schläfst, werde ich es wohl als Generalprobe versuchen. Ich weiß, du hast damals nach unserem Kuss in der Kammer des Schreckens gesagt, dass es ein Unfall war. Dass du nur freundschaftliche Gefühle für mich hast. Aber Hermine ich liebe dich und ich will mit dir zusammen sein. Ich will mit dir eine Familie gründen und bitte, gib mir eine Chance dir zu beweisen, dass ich dich glücklich machen kann.«
Blaise spannte sich unwillkürlich an. Was macht Weasley, fragte er sich, während er versuchte, seine Bewegungen zu hören. Er hielt sogar den Atem an, um keine Geräusche zu machen. Dann spürte Blaise völlig unvorbereitet einen heißen Atem auf seiner Haut.
Gerade als er seine Augen aufriss, berührten feuchte, glitschige Lippen seine. Ron Weasley wagte es wirklich, ihn zu küssen! Da Blaise seine Augen geöffnet hatte, konnte er auf die geschlossenen Lider von Weasley sehen und ihm wurde schlecht, verdammt schlecht.
Ohne lange darüber nachzudenken, schubste er Weasley von sich, drehte sich zum Rand des Bettes und kotzte ihm buchstäblich vor die Füße.
»Hermine!«, schrie Weasley überrascht, während Blaise ihn innerlich verfluchte. Er würgte weiterhin seinen Mageninhalt aus und Weasley hielt ihm die Haare nach hinten.
Als der Würgereflex endlich aufhörte, lehnte sich Blaise erschöpft in die Kissen. Weasley machte sauber und der üble Geruch verschwand schnell.
»Hast du ... hast du gehört, was ich dir gesagt habe?«, fragte Weasley dann und nahm seine Hand. Blaise unterdrückte den Impuls ihm seine Hand zu entziehen und dachte scharf nach. Er wusste nicht, was Hermine von ihm dachte. Allerdings passte es ihm gar nicht in seinen Plan, wenn Weasley auch noch mitmischen würde. Er wollte doch, dass Draco sich seine Gefühle für Hermine eingestehen würde und vor allem auch zugeben würde. Und da Hermine mittlerweile schon gemerkt haben müsste, dass Draco kein schlechter Kerl ist, stand einer Beziehung zwischen den beiden eigentlich nichts mehr im Weg. Außer Weasley.
Blaise blinzelte ihn extra schwach an und wischte sich über den Mund. Weasley verstand sofort und zauberte eine Schüssel mit Wasser und ein Handtuch herbei. Während Blaise sich den Mund auswusch, dachte er weiter nach. Egal was er jetzt sagen würde, irgendwann würde Granger es erfahren. Er konnte Weasley also nicht komplett vor den Kopf stoßen.
Langsam trocknete er sich ab und schaute dann zu dem ehemaligen Gryffindor, der ihn erwartungsvoll anschaute.
»Ron ... ich bin im Moment wirklich nicht in der Lage, ernste Gespräche zu führen. Vielleicht können wir es verschieben? Ich werde mich bei dir melden«, sagte er absichtlich sehr leise und lächelte ihn entschuldigend an. Sofort huschte ein Hauch von Enttäuschung über Weasley´s Gesichtsausdruck.
»Ja klar ... ich verstehe«, raunte er und stand auf.
»Ich denke, du solltest wohl wieder versuchen zu schlafen. Gute Besserung.« Er drückte ihr einen Kuss auf die Stirn und drehte sich dann um.
Blaise starrte ihm hinterher, bis er die Tür hinter sich schloss. Erleichtert atmete er aus, als er wieder alleine war. Das Schlimmste hatte er jetzt wohl überstanden.

Hermine wurde wach, da sie ein Gewicht auf sich spürte. Benommen öffnete sie ihre Augen und schaute direkt in ein paar Grüne. Verwirrt wollte sie zurückzucken, aber sie hatte keinen Platz, um auszuweichen.
»Keine Angst Blaise«, hörte sie dann die Stimme von der Person und Hermine ging auf, dass Daphne Greengrass gerade auf ihr saß. Weiter konnte sie aber nicht denken, da Daphne in diesem Moment ihre Lippen auf ihre drückte. Erschrocken holte Hermine Luft und Daphne nutzte diesen Gelegenheit, um ihre Zunge in Hermines Mund zu schieben. Verwirrt über diesen plötzlichen Überfall konnte Hermine sich einfach nicht bewegen. Und als sie sich gerade dazu durchringen wollte, den Kuss zu erwidern, da sie sich sicher war, das Blaise es gemacht hätte, löste Daphne sich von ihr.
Immer noch durcheinander atmete Hermine schneller als normalerweise und starrte zu der Slytherin, die noch immer auf ihrem Schoß saß. Daphne strich einmal über ihre Wange und lächelte dann traurig.
»Entschuldigung für den Überfall, ich musste einfach wissen, ob du schwul bist oder nicht. Es ist einfach enttäuschend, dass die besten Männer schwul oder vergeben sind«, sagte sie und schüttelte leicht ihren Kopf. Dann stand sie auf und setzte sich schließlich auf den Stuhl, der neben Hermines Bett stand.
»Du glaubst, ich bin schwul?«, fragte Hermine vorsichtig nach. Sie setzte sich auf und stellte erleichtert fest, dass sie keine Schmerzen mehr in der Seite hatte. Madame Pomfrey hatte mal wieder Wunder bewirkt.
»Eindeutig, kein Mann, der auf Frauen steht, würde so auf einen Kuss reagieren«, antwortete Daphne und Hermine starrte sie hilflos an. Sollte sie ihr die Wahrheit sagen? Bestimmt würde sie ihren Freundinnen hiervon erzählen. Andererseits hatte sie von Professor McGonagall die Anweisung niemanden davon zu erzählen. Und Zabini hatte sich bisher auch nicht viel um die Gerüchte seiner Sexualität gemacht.
»Ich habe noch halb geschlafen«, versuchte Hermine sich zu rechtfertigen aber Daphne winkte ab.
»Darum ging es ja auch. Aber es ist schon in Ordnung Blaise, ich kann verstehen, dass du Draco heiß findest, ich meine, er ist auch eine Zuckerschnitte. Und wie verzweifelt er ausgesehen hat, als du gestürzt bist. Ich bin mir ziemlich sicher, dass er auch etwas für dich empfindet. Vielleicht solltet ihr es einfach nicht mehr verheimlichen? Es wäre für alle besser.« Hermine schluckte und wollte gerade antworten, als Daphne weitersprach.
»Ach, ich soll die sagen, dass du mit Draco zu McGonagall gehen sollst, sobald du wieder auf den Beinen bist. Das Frühstück ist schon vorbei, Draco sollte auch gleich hierhin kommen. Und viel Glück bei dem Projekt, wie der Zufall es wollte, bist du auch noch mit Draco in einer Gruppe gelandet. Wenn das kein Zeichen ist.« Damit verschwand Daphne, ohne sich noch einmal umzudrehen. Immer noch verwirrt blinzelte Hermine ihr hinterher. Was für ein Projekt meinte sie? Dann seufzte sie frustriert und stand vorsichtig auf. Madame Pomfrey kam und untersuchte sie kurz, mit dem Ergebnis, dass sie wieder normal am Unterricht teilnehmen könnte.
»Aber versuchen sie sich noch etwas zu schonen«, sagte sie, als sie Hermine gerade Blaise Schuhe anzog. Hermine nickte bestätigend und verließ den Krankenflügel. Gerade als sie sich fragte, wo sie Malfoy treffen sollte, bog dieser in den Gang ein, in dem sie stand. Anscheinend hatte er sie abholen wollen.
»Hey, geht es dir besser?«, fragte er und kam schnell zu ihr.
»Ja, ich soll mich nur noch etwas schonen«, bestätigte Hermine seine Vermutung und Malfoy nickte. Er zeigte keine Anzeichen mehr dieser Zerrissenheit, die er gestern noch ausgestrahlt hatte.
»McGonagall hat beim Frühstück eine Ankündigung gemacht, die auch uns betrifft. Wir müssen jetzt auch zu ihr, sie wird es dir bestimmt noch einmal erklären.«
»Okay«, meinte Hermine und schaute ihn stirnrunzelnd an. Warum erzählte er es ihr nicht einfach? Aber wahrscheinlich betraf es das Projekt, welches Daphne erwähnt hatte.
»Dann lass uns gehen«, sagte Malfoy und drehte sich schwungvoll um. Mit großen Schritten ging er voran und Hermine hatte mühe im zu folgen.
»Malfoy, ich muss mich schonen, schon vergessen?«
Sofort verlangsamte er seine Schritte und murmelte ein: »Sorry.«
Eine Weile liefen sie schweigend nebeneinander her. Dann schaute Hermine zu ihm und merkte, dass sein Blick angestrengt nach vorne ausgerichtet war. Irgendetwas schien ihn immer noch zu beschäftigen. Kurz überlegte sie, ob sie ihm von Daphnes Aktion erzählen sollte, entschied sich dann aber dagegen, sie würde es in Anwesenheit von Zabini machen, dann müsste sie es nur einmal erzählen.
»Und was ist gestern noch passiert? Ich meine waren die anderen Slytherins sauer wegen der Niederlage?«, fragte sie.
»Die Party hat nicht stattgefunden aber sie sind lange nicht so nachtragend, wie früher einmal. Solange wir gegen Gryffindor gewinnen, ist alles gut«, sagte er, ohne sie auch nur einmal anzuschauen. Hermine verkniff sich ihren Kommentar, dass Slytherin gegen Gryffindor auch nicht gewinnen würde. Hauptsache sie würde zu diesem Zeitpunkt wieder in ihrem richtigen Körper sein.
Dann erreichten sie endlich den Wasserspeier, der sie durchließ, nachdem Malfoy das Passwort sagte. Als Hermine die Wendeltreppe hochging, fragte sie sich, was Professor McGonagall ihnen erzählen würde. Vielleicht war der Gegentrank ja schon fertig?
Plötzlich hatte sie eine große Erwartung über dieses Gespräch und freute sich, als sie sah, dass Ginny schon mit Zabini im Büro war.
»Guten Morgen Miss Granger. Nun, da wir alle versammelt sind, muss ich euch etwas Wichtiges berichten. Professor Slughorn hat herausgefunden, dass es ungefähr einen Monat dauern würde, den Gegentrank zu brauen. Eben genauso lange, wie es braucht, um den normalen Vielsafttrank zu brauen. Allerdings hat er mit der Hilfe von Professors Snapes Portrait errechnet, dass der Rücktausch in spätestens sieben Tagen stattfinden wird. Also bleibt uns in dieser Situation nichts anderes übrig als zu warten«, erklärte die Schulleiterin und Hermine seufzte erleichtert auf. Da sie schon zwei Tage geschafft hatte, war ein Ende in Sicht. Keine Ungewissheit mehr. Ganz bestimmt würde sie beim Quidditch Spiel von Gryffindor gegen Slytherin wieder in ihrem Köper sein.
»Da wir nicht wissen, was ganz genau bei dem Rücktausch passiert oder wann er stattfinden wird, haben wir uns eine Projektwoche ausgedacht. Miss Granger, sie sind die Einzige, die davon noch nicht gehört haben. Die restlichen aus dem siebten Schuljahr wurden bereits davon unterrichtet. Eine Woche lange werden jeweils zwei Jungen und zwei Mädchen in ihren eigens dafür geschaffenen Räumen wohnen und sich mit verschiedenen Aufgaben von verschiedenen Fächern beschäftigen. Dies erledigt zudem auch noch das Notenproblem, welches sie angesprochen hatten. Die anderen Gruppen wurden ausgelost und offiziell soll dies auch dazu dienen, die Häuserfeindlichkeit zu lindern.«
»Wir werden alle vier zusammenwohnen? Also auch nicht in die Bibliothek gehen oder in die große Halle?«, fragte Hermine nach. Wenn es so sein sollte, kam es ihr schon fast so vor, als würde man sie einsperren.
»Natürlich können sie die Räumlichkeiten verlassen, aber ich rate ihnen dringend es nicht zu tun. Wie gesagt, wir wissen nicht, wann sie wieder zurücktauschen, es könnte in den nächsten Minuten passieren oder erst in zwei Tagen, deswegen sollten sie vorsichtig sein. Aber einsperren wollen wir sie natürlich auch nicht.«
Hermine starrte die Schulleiterin einen Moment an. Je mehr sie über das Projekt nachdachte, desto besser gefiel es ihr. Sie würden sich nicht mehr verstellen müssen und es gäbe auch keine Möglichkeiten mehr, sich gegenseitig zu blamieren.
»Was passiert eigentlich, wenn wir früher zurücktauschen? Das Projekt geht auf jeden Fall bis Freitag?«, fragte Zabini dann und Hermine zuckte bei dem Klang ihrer eigenen Stimme zusammen. Sie sehnte sich so sehr danach, endlich wieder in ihrem Körper zu sein.
»Natürlich, da das Projekt für alle Siebtklässler gilt, wird es bis Freitag laufen, auch wenn sie in den nächsten Minuten zurücktauschen«, antwortete Professor McGonagall ihm.
»Danke Professor, ich glaube, es ist eine gute Lösung«, sagte Hermine und lächelte sie an.
»Und ich kann ihnen noch mitteilen, dass Professor Slughorn nur noch dieses Jahr zu Ende unterrichtet. Für das nächste Jahr werde ich mir einen neuen Zaubertrankprofessor suchen.«

Sie hatten noch das Passwort, für ihre Räume sowie eine Zimmernummer bekommen und machten sich jetzt auf den Weg in den zweiten Stock.
»Das kann doch eigentlich ganz cool werden oder nicht? Ich meine die paar Aufgaben, die wir bekommen werden, ist doch nichts für unseren schlauen Bücherwurm und wir haben eine ganze Woche lang keinen einzigen Lehrer«, verkündete Zabini, während er fröhlich grinsend die Führung übernahm.
Es dauerte nicht lange, bis sie die Tür erreichten, auf der eine goldene 21 zu sehen war. Zabini sagte laut und deutlich das Passwort »Körpertausch« und die Tür schwang mit einem leichten Knirschen auf.
Gespannt darauf, wie ihr neues Zimmer für die fünf Tage aussehen würde, trat Hermine als Zweites ein und sah einen Gemeinschaftsraum, der dem Gryffindor Raum ähnelte. Nur die Farben waren neutral gehalten in braun und grau Tönen. Ein großes Sofa, auf dem vier Personen mehr als ausreichend Platz hatte, zierte einen Großteil der rechten Seite des Raumes. Links befand sich ein Arbeitstisch, mit vier grauen Stühlen, sowie ein Bücherregal, in denen verschiedene Bücher standen, die ihnen bestimmt bei ihren Aufgaben helfen sollten. Dann gab es noch zwei Türen, die nebeneinanderlagen. Hinter jeder dieser Türen befanden sich ein Schlafzimmer mit zwei Betten sowie ein angrenzendes Badezimmer. Ihre Koffer hatten die Hauselfen schon in die Zimmer gebracht und offensichtlich sollte Hermine es sich wieder mit Malfoy teilen, da Zabini´s Sachen sich in dem Zimmer mit Malfoy´s Sachen befanden. Einen Moment wollte Hermine dagegen protestieren aber, nachdem sie darüber nachgedacht hatte, wollte sie Zabini nicht bei Malfoy schlafen lassen, nicht in ihrem Körper. Wer weiß, was die beiden machen würden.

»Nun, ich denke, hier können wir es die paar Tage aushalten«, befand Zabini, nachdem sie die Räume erkundet hatten.
Auf dem Tisch waren verschiedene Mappen aufgetaucht, die sie bis Freitag abgearbeitet haben sollten. Hermine wollte sich gerade die Oberste anschauen, auf der dick »Verwandlung« geschrieben war, als Ginny ihrer Hand nahm und sie zu dem Sofa zog.
»Lass uns erst einmal ankommen Hermine. Wir haben noch genug Zeit für die Aufgaben. Erzähl erst einmal, was gestern passiert ist. Ich habe fast einen Herzinfarkt bekommen, als ich gesehen habe, wie du gefallen bist«, meinte Ginny zu ihr, gerade, als die beiden Jungs, sich sichtlich gelangweilt neben sie setzten.
»Naja, ich habe einen Moment nicht aufgepasst, und als ich den Klatscher gesehen habe, wollten Zabini´s Reflexe nicht so schnell reagieren, wie sonst. Den Rest hast du ja gesehen«, antwortete Hermine ihr und dann wandte sie sich an Zabini.
»Daphne hat mich heute geweckt. Sie hat mich geküsst ... also eigentlich dich ... und jetzt ist sie der festen Überzeugung, dass du doch schwul bist.« Zabini blinzelte sie überrascht an.
»Das ist schade. Ich hatte vor unserem Tausch angefangen ein wenig mit ihr zu flirten. Aber egal, daraus wäre eh nichts Ernstes geworden. Ähm dann sollte ich dir vielleicht auch sagen, dass Weasley mich oder eher dich geküsst hat.«
Geschockt schaute Hermine zu ihrem eigenen Körper, der anscheinend peinlich berührt wegschaute.
»Was?«, fragte sie perplex nach. Sie hatten Ron doch erklärt, dass sie nur freundschaftliche Gefühle für ihn hatte und er hatte einer reinen Freundschaft ohne Hintergedanken zugestimmt, da er sie nicht als Freundin verlieren wollte.
»Was ist passiert?«, fragte sie genauer nach, nachdem Zabini nichts weiter sagte.
»Nun ja, ich habe mich schlafendgestellt, weil wir ja behauptet hatten, dass du krank bist. Er hat dann irgendwas gefaselt von wegen, dass er dich liebt und eine Familie mit dir gründen will, dass er noch eine Chance von dir will und dann hat er dich geküsst. Wirklich Granger, er ist ein schrecklicher Küsser. Seine Lippen waren viel zu feucht und naja, ich habe ihn von mir weggestoßen und musste ... kotzen.«
Zabini schaute sie mit großen unschuldigen Rehaugen an und Hermine starrte nur mit offenem Mund zurück. Eine Weile herrschte ein unangenehmes Schweigen. Alle warteten auf eine Reaktion von Hermine.
»Wie hat er reagiert?«, fragte Hermine leise und wandte den Blick von ihrem Körper ab. Ron konnte manchmal aufbrausend wie ein Vulkan sein.
»Ganz ruhig. Ich habe ihm gesagt, dass ich zu keinem ernsten Gespräch in der Lage bin und dann hat er sich verzogen.«
Hermine nickte und seufzte. Anscheinend musste sie einiges klarstellen, wenn sie wieder in ihrem richtigen Körper war.
»Du hast doch nichts mit dem Wiesel?«, fragte Malfoy dann und Hermine schaute zu ihm. Er war bemüht keine Emotionen zu zeigen, aber Hermine spürte wieder den leisen Anflug von Eifersucht, wie damals in der Bibliothek.
»Nein, wir sind nur Freunde. Zumindest von meiner Sicht aus«, antwortete sie ihm und sofort konnte sie den Hauch einer Erleichterung über sein Gesicht huschen sehen.
»Gut, wenn das jetzt geklärt ist, lasst uns etwas Spaß haben!«, verkündete Zabini, stellte sich auf das Sofa und klatschte in seine Hände.
»Was haltet ihr von Wahrheit oder Pflicht?« Zabini schien Feuer und Flamme zu sein, sie zu dem Spiel zu überreden und plötzlich fragte Hermine sich, ob es wirklich so eine gute Lösung war.

»Angst Granger?«, fragte Malfoy, mit einem schiefen Lächeln, nachdem sie gesagt hatte, dass sie nicht das Spiel Wahrheit oder Pflicht spielen wolle.
»Oh wirklich? Das zieht vielleicht bei Harry, aber ich lasse mich nicht durch so etwas provozieren«, brummte sie und doch wusste sie, dass sie schon verloren hatte. Ginny war ebenso begeistert wie die beiden Slytherins es zu spielen und sie wollte dann doch nicht als Spielverderberin dastehen. Viel zu lange hatte sie schon diesen Ruf.
»Also gut«, stimmte sie also schließlich zu und bekam als Antwort ein Jubeln der anderen drei. Auch wenn es unterschiedlich stark ausfiel.
»Aber zuerst erledigen wir eine der Aufgaben!«, stellte sie eine Bedingung und sofort ging das Jubeln in ein kollektives Stöhnen über.
»Ihr wollt es doch nicht auf den letzten Drücker machen oder?«, fragte sie und erstaunlicherweise stimmte Malfoy ihr als Erster zu.

Tatsächlich verbrachten sie fast zwei Stunden mit der Aufgabe zu dem Fach Verwandlung und die Teamarbeit klappte wesentlich besser, als Hermine es sich vorgestellt hatte.
»So dass reicht jetzt! Lass uns endlich etwas Spaß haben«, meinte Zabini und gleichzeitig schob er alle Pergamentrollen von sich.
Jetzt konnte Hermines es nicht weiter aufschieben, sie hatten einiges geschafft und auch ihr war nach einer kurzen Pause. Die Jungs trugen den Tisch zu Seite, sodass sich die vier Schüler auf den weichen, braunen Teppich setzen konnten. Warum sie sich nicht einfach auf das Sofa setzten, wagte Hermine nicht zu fragen. Sie hatte eben die Anweisungen mehr oder weniger erteilt und jetzt überlies sie es Zabini, der wieder Feuer und Flamme erschien. Von irgendwoher hatte er eine leere Glasflasche Kürbissaft ergattert, die er jetzt stolz in der Mitte ihres Sitzkreises legte. Hermine saß im Schneidersitz neben Ginny und Zabini und dadurch gegenüber von Malfoy.
»Also fangen wir an!«, lachte Zabini und drehte die Flasche, die sich auf dem Teppich etwas schwer tat. Sie stoppte und zeigte auf Ginny. Sofort starrte Zabini mit einem breiten Grinsen zu der rothaarigen Gryffindor.
»Wahrheit oder Pflicht?«, fragte er sie und grinste so hinterhältig, dass Hermine sich selbst gar nicht mehr, in den Gesichtszügen, erkannte.
»Wahrheit«, meinte Ginny sofort.
»Warum erzählst du uns denn nicht, wie dein Sexleben mit Potter ist? Kann er deine Erwartungen erfüllen?«, fragte Zabini und Hermine schaute ihn verwundert an. Warum interessierte er sich für Ginny´s Sexleben? Ginny musste sich auch überwinden zu antworten, das konnte Hermine ihr ansehen.
»Nun, er erfüllt meine Erwartungen durchaus. Und er hat ein erstaunliches Stehvermögen, falls dich das interessiert«, antwortete Ginny dann etwas bissig und drehte die Flasche schwungvoll. Zabini schien mit der Antwort nicht zufrieden, bekam aber keine Möglichkeit weiter nachzuhaken, da die Flasche bei ihm stoppte.
»Also Blaise, Wahrheit oder Pflicht?«, fragte Ginny und auf einmal war sie diejenige, die Dominanz ausstrahlte.
»Pflicht«, presste Zabini heraus und schaute Ginny erwartungsvoll an.
»Zieh dein Oberteil aus.«
»Was? Nein! Ginny, er ist in meinem Körper!«, schritt Hermine schnell ein, als Zabini schulterzuckend begann die Bluse, die er trug, zu öffnen.
»Stimmt, Hermine dann musst du dein Oberteil ausziehen. Dann kommt es irgendwie aufs Gleiche hinaus.«
Perplex schaute Hermine zu Ginny. Meinte sie das gerade ernst?
»Komm schon Granger, wir bilden mehr oder weniger ein Team«, sagte Zabini und er lachte mal wieder. Schließlich gab Hermine nach und schälte sich aus Zabini´s Hemd.
»Zufrieden?«, brummte sie und warf das Hemd nach Ginny, die es kichernd auffing. Wenigstens war es in dem Raum nicht sonderlich kalt, sodass es sich auch oberkörperfrei aushalten ließ.
»Allerdings«, lachte diese als Antwort und musterte Zabini´s Oberkörper etwas zu genau für Hermines Geschmack.
»Komm mach weiter«, sagte Hermine, damit die Aufmerksamkeit nicht mehr auf ihr lag. Zabini machte sofort, was sie gesagt hatte, und drehte die Flasche ein zweites Mal. Sie stoppte und zeigte eindeutig auf Hermine.
»Allerliebste Körpertauschpartnerin, Wahrheit oder Pflicht?«, fragte Zabini und hatte schon wieder einen hinterhältigen Gesichtsausdruck. Hermine dachte scharf nach, sie hatte keine Lust dank Zabini etwas über ihr nicht vorhandenes Liebesleben zu sagen. Und sie war sich ziemlich sicher, dass er so etwas Ähnliches fragen würde wie bei Ginny eben.
»Pflicht«, sagte sie also und Zabini grinste siegessicher. Unsicher schaute Hermine ihn an, vielleicht hätte sie doch lieber Wahrheit nehmen sollen? Wie sehr sie dieses Spiel doch hasste.
»Nun, dann küss Draco, auf den Mund mit Zunge«, verkündete Zabini und Hermine starrte ihn geschockt an.
»Du weißt schon, dass ich gerade in deinem Körper bin?«, fragte sie dann vorsichtig nach. Sie warf einen kurzen Blick zu Malfoy, der sein Gesicht verzogen hatte.
»Richtig, du musst ihn jetzt küssen, und wenn wir zurückgetauscht haben, musst du ihn noch einmal küssen.«
»Ach komm schon Blaise, ich habe keine Lust deinen Körper zu küssen. Das wäre nicht richtig und sehr komisch«, mischte sich Malfoy jetzt ein und Hermine war sehr froh, dass er in diesem Punkt auf ihrer Seite stand. Zabini verzog aber eine Miene, wie ein trotziges Kind und verschränkte seine Arme vor der Brust.
»Nein, sie hat Pflicht genommen und ich habe ihr die Aufgabe gegeben und ich bleibe dabei.«
Hermine schnaubte und schaute dann zu Malfoy, der auch nicht viel glücklich erschien.
»Bringen wir es hinter uns«, murmelte sie dann und stand auf, um zu ihm zu gehen.
»Setz dich auf seinen Schoß«, befahl Zabini ihr und Hermine fror in ihrer Bewegung ein, nur um sich zu ihrem eigenen Körper zu drehen.
»Das hast du eben nicht erwähnt«, zischte sie ihn an und setzte sich schließlich neben Malfoy. Nervös schaute sie zu ihm auf und er schaute unwohl zurück. Er wollte offensichtlich den Körper seines besten Freundes nicht küssen und sie konnte es ihm nicht verübeln. Das Zabini so leichtfertig dabei war, konnte sie hingegen nicht verstehen.
»Schließ deine Augen und stell dir einfach jemand anderes vor«, flüsterte sie zu Malfoy und er kam auch sofort ihrem Ratschlag nach.
Dann beugte Hermine sich immer näher zu Malfoy und spürte dabei, wie ihr Herz anfing schneller zu schlagen. Mit einem letzten giftigen Blick zu Zabini presste sie ihre Lippen, oder eher Zabini´s Lippen auf Malfoy´s. Die erste Reaktion von ihm war ein Zurückzucken, doch Hermine griff, ohne lange darüber nachzudenken in sein Haar und zog ihn näher zu sich. Auch wenn Hermines spürte, dass etwas nicht richtig war, empfand sie den Kuss als angenehm, und als sie dann auch noch vorsichtig ihre Zunge in Einsatz brachte, genoss sie ihn sogar, besonders da Malfoy ernsthaft mitmachte.
Als sie sich von ihm löste, spürte sie, wie warm ihre Wangen waren und irgendwie war es ihr verdammt peinlich. Malfoy hatte seine Augen immer noch geschlossen, wahrscheinlich wollte er sich seine Vorstellung nicht kaputtmachen. Schnell stolperte sie deswegen zu ihrem vorherigen Platz und atmete tief durch. Aus irgendeinem Grund konnte sie nur daran denken, wie weich sich sein Haar angefühlt hatte.
»Das war irgendwie komisch anzuschauen«, meinte Zabini und schaute sie leicht verwirrt an.
»Dein Ernst? Du wolltest es doch«, sagte Hermine und verschränkte ihre Arme vor der Brust.
»Trotzdem, wahrscheinlich werde ich dieses Bild nie mehr aus meinem Kopf bekommen. Aber egal, vergiss nicht, sobald wir wieder unsere Körper getauscht haben, steht der zweite Kuss an.« Zabini hatte erst einen leicht angeekelten Ausdruck, der sich dann in ein schelmisches Grinsen wandelte.
»Aller klar«, brummte Hermine und schaute zu Malfoy, der mittlerweile wieder seine Augen geöffnet hatte und genauso emotionslos, wie die meiste Zeit wirkte.
»Du bist dran Hermine«, sagte Ginny dann und zeigte auf die Flasche. Hermine brummte, sie hatte dieses Spiel eigentlich schon satt. Besonders, weil sie es hasste, sich eine Aufgabe auszudenken.
Trotzdem drehte sie die Flasche. Träge bewegte sie sich und stoppte schließlich, als sie auf Malfoy zeigte.
»Wahrheit«, meinte dieser, bevor Hermine ihn fragen konnte. Sofort überlegte Hermine, was sie ihn fragen sollte. Am liebsten würde sie wissen, wie ihm der Kuss gefallen hatte, aber das traute sie sich nicht zu fragen.
»An wen hast du während des Kusses gedacht?«, fragte sie schließlich und schaute Malfoy erwartungsvoll an.
»Die Wahrheit Draco«, erinnerte Zabini ihn sofort, der für Hermines Geschmack eine viel zu gute Laune hatte.
»An dich«, antwortete Malfoy dann und schaute sie aus seinen sturmgrauen Augen ernst an.

 

An dich. Noch immer hingen diese Worte in Hermines Erinnerung nach. Sie hatten sie überrascht, da sie absolut nicht damit gerechnet hatte und doch hatte sie es in einer gewissen Weise gefreut. Doch gleich danach war er aufgestanden und hatte die kleine Wohnung von ihnen regelrecht fluchtartig verlassen.
»So ist er immer, wenn er nicht mit seinen Gefühlen klarkommt, er flüchtet erst einmal. Keine Angst heute Abend ist er wieder da«, hatte Zabini geantwortet und Hermine damit nur noch mehr verwirrt. Empfand Malfoy wirklich etwas für sie? Sie wusste es nicht und er schien sich dem auch nicht klar zu sein. Und eigentlich sollte es Hermine auch egal sein. Sobald die Woche vorüber war, würde sie doch genauso wenig Kontakt zu ihm haben, wie vor dem Körpertausch. Und doch verwirrt Hermine die ganze Situation, sie konnte nicht einmal ihre eigenen Gefühle richtig einordnen.
»Möchtest du reden?«, fragte Ginny sie. Zabini hatte sie alleine gelassen und Hermine hatte sich nachdenklich auf das Sofa zurückgezogen.
»Ach Ginny. Ich weiß einfach nicht, was ich fühlen soll. Es ist alles so verwirrend«, meinte Hermine und schaute ihre Freundin verzweifelt an.
»Vielleicht solltest du es erst einmal nicht genauer definieren. Warte, bis ihr wieder eure Körper zurückgetauscht habt, und versuche dann deine Gefühle zu sortieren. Vielleicht klappt es dann einfacher«, schlug Ginny ihr vor und Hermine nickte nachdenklich. Wahrscheinlich würde ihr das wirklich helfen.

Hermine verkroch sich den restlichen Abend in der Aufgabe von dem Fach Zaubertränke und war mehr als froh einen Aufsatz zur Ablenkung schreiben zu können. In Zabini´s Körper zu schreiben war zwar lange nicht so einfach wie in ihrem Eigenem, aber trotzdem kam sie gut voran.
Als sie die Schreibfeder ablegte, war es schon spät und sie war müde. Malfoy war immer noch nicht wieder aufgetaucht aber sie würde auch nicht mehr auf ihn warten.
Ginny war schon vor gut einer Stunde ins Bett gegangen und hatte ihr gesagt, sie sollte nicht mehr so lange machen. Es wäre nicht das Richtige, sich in Arbeit zu stürzen, um Ablenkung zu suchen. Aber Hermine sah es als das Richtige an, immerhin bekam sie so noch etwas Produktives zustande.
Sie ging in das Zimmer von ihr und Draco und machte sich bettfertig. Mittlerweile hatte sie sich schon fast daran gewöhnt, auch wenn es immer noch komisch war.
Als sie gerade unter die Decke schlüpfte, betrat Malfoy das Zimmer. Sofort setzte sie sich wieder auf und schaute zu ihm.
»Alles in Ordnung?«, fragte sie ihn und sein Blick glitt zu ihr.
»Ja ... ich hatte nur ein komisches Gespräch mit Lovegood. Vielleicht sollten wir uns mal unterhalten, wenn du wieder in deinem richtigen Körper bist.«
Damit verschwand er im Badezimmer und ließ Hermine mal wieder ziemlich verwirrt zurück. Worüber hatte er sich mit Luna unterhalten und warum wollte er das erst bereden, wenn sie wieder in ihrem eigentlichen Körper war? Nachdenklich legte Hermine sich wieder hin und beschloss, es erst einmal zu verdrängen und erst wieder daran zu denken, wenn sie wieder sie selbst war. Es hatte doch keinen Sinn, sich jetzt den Kopf darüber zu zerbrechen.

Der nächste Morgen kam und Hermine war immer noch in dem Körper von Blaise Zabini gefangen. Etwas verstimmt, weil sie mal wieder gehofft hatte, über Nacht den Körper zu tauschen, stand sie auf. Malfoy´s Bett war schon leer und auch im Badezimmer war er nicht zu sehen.
Nachdem Hermine frisch geduscht und angezogen das Badezimmer verließ und in den Gemeinschaftsraum ging, fand sie die anderen drei dort wieder.
»Wir frühstücken alle hier oder? Ich meine, wenn Hermine und ich nicht die Räume verlassen sollen«, fragte Zabini, als hätten sie alle auf Hermine gewartet.
»Klar«, meinte Ginny sofort und als hätten die Hauselfen es gehört, tauchte das übliche Angebot des Frühstücks auf dem Tisch auf. Hermine setzte sich auf den Stuhl, auf dem sie auch gestern schon gesessen hatte, und beobachtete derweil die anderen. Zabini war schon am frühen Morgen so gut gelaunt, dass Hermine sich fragte, wie Malfoy ihn ertragen konnte. Allgemein waren er und Zabini sehr verschieden. Während Zabini seine Gefühle offen auf der Zunge liegen hatte, war es bei Malfoy meistens schwer zu erkennen, was er gerade fühlte oder welche Laune er hatte.
Als graue Augen ihren Blick erwiderten, zuckte Hermine erschrocken zurück und wandte schnell den Blick ab. Sie hatte gar nicht mitbekommen, dass sie ihn regelrecht angestarrt hatte.
Ohne sich etwas anmerken zu lassen, wollte sie nach einem der Brötchen greifen, doch plötzlich verschwamm ihr Blick und mehrere schwarze Punkte tanzten vor ihren Augen. Verwirrt blinzelte sie einige Male, aber ihre Sicht klärte sich nicht. Sie konnte die Stimme von Ginny hören, verstand aber gleichzeitig nicht, was sie sagte. Und dann wurde alles schwarz.

Hermine fühlte sich, als wären alle ihr Knochen gebrochen, als sie aufwachte. Ihr Kopf schmerzte höllisch und sie brauchte einige Sekunden, bis sie ihre Augen öffnen konnte. Erleichtert stellte sie fest, dass sie wieder normal sehen konnte. Und doch fühlte sich etwas ungewohnt an.
Es dauerte etwas, bis sie begriff, dass sie jetzt auf der anderen Seite des Tisches saß.
»Was ist gerade passiert? Alles in Ordnung Hermine?«, fragte Ginny. Hermine schaute zu ihr und konnte sehen, dass sie mit Zabini sprach. Mit seinem Körper!
»Ich bin hier Ginny«, meinte sie und konnte sich ein breites Grinsen nicht verkneifen. Sie hatten wirklich schon wieder zurückgetauscht.
»Beim Frühstück zurücktauschen, das ist doch klasse!«, schrie Zabini regelrecht und sprang von seinem Stuhl auf. Hermine kicherte, denn diesmal konnte sie seine gute Laune verstehen, denn auch sie hatte den Drang die ganze Welt zu umarmen. Aber erst einmal musste Ginny herhalten, die kreischend ihre Umarmung erwiderte.
»Merlin sei dank. Zum Glück ging das, dann ja doch schneller als erwartet«, meinte Ginny und Hermine konnte immer noch nichts anderes als breit zu grinsen.
»Dann können die letzten Tage doch recht entspannt werden«, lachte Zabini und kam auf die beiden Frauen zu.
»Du weißt, was jetzt ansteht Hermine?«, fragte er immer noch grinsend und zwinkerte in die Richtung, in der Malfoy immer noch auf seinem Stuhl saß. Malfoy konnte man mal wieder nicht seine Emotionen ansehen.
»Muss das unbedingt jetzt sein?«, fragte Hermine ausweichend. Irgendetwas sagte ihr, dass sie jetzt nicht den zweiten Teil ihrer Pflichtaufgabe erledigen wollte.
»Okay, dann heute Abend acht Uhr«, meinte Zabini bestimmend und Hermine konnte nicht anders als zu nicken. Vorsichtig, da sie sich erst wieder an ihren eigenen Körper gewöhnen musste, ließ sie sich wieder auf dem Stuhl nieder. Irgendetwas fühlte sich anders an.
»Warum trage ich keinen BH?«, fragte Hermine Zabini, als sie das Gefühl einordnen konnte.
»Ich habe es nicht hinbekommen den anzuziehen und ehrlich, deine Brüste hängen doch nicht Hermine, lass es doch einfach«, sagte er und zwinkerte ihr zu. Hermine konnte regelrecht spüren, wie ihre Wangen warm wurden. Es war komisch zu wissen, dass der junge Mann ihn nackt gesehen hatte und sie in den Augenblicken nicht dabei gewesen war.
Das Frühstück verlief ruhig weiter. Hermine genoss es ihr Rosinenbrötchen zu essen und wieder das Gefühl ihrer Locken auf ihren Schultern spüren zu können. Allen in allem, fühlte sie sich wieder verdammt wohl.
Gesättigt und immer noch gut gelaunt beobachtete Hermine, wie die Reste von Frühstück durch Zauberhand verschwanden. Dann stand sie auf und wollte aus Gewohnheit in das Zimmer von nun Zabini und Malfoy gehen.
»Oh Schätzchen, ich denke, wir haben jetzt Zimmer getauscht. Es sei denn, du willst Draco in deinem richtigen Körper etwas näher kommen?«
Zabini flüsterte den letzten Satz, sodass nur sie ihn verstehen konnte, und zwinkerte ihr zu. Dann verschwand er in eben diesem Zimmer und Hermine schnaubte frustriert auf. Er machte ihr eindeutig zu viele Andeutungen.
Schwungvoll drehte sie sich um, um ihr jetzt neues Zimmer zu gehen und stieß fast gegen Malfoy.
»Können wir jetzt reden?«, fragte er ruhig und Hermine erinnerte sich sofort an ihr kurzes Gespräch von gestern Abend. Es brannte sie doch zu erfahren, was er ihr erzählen wollte.
»Klar«, antwortete sie deswegen und wartete gespannt auf seine Antwort.

Malfoy hatte ihr vorgeschlagen die Räume zu verlassen und an einen Ort zu gehen, wo sie nicht gestört werden würden. Schnell hatte er ein verlassenes Klassenzimmer vorgeschlagen und Hermine hatte zugestimmt.
Den Weg zu dem Raum hatte sie genossen, einfach, weil sie sich wieder in ihrem richtigen Körper bewegen konnte. Ihre Haltung war plötzlich wieder natürlich und auch über die Länge ihrer Schritte, brauchte sie nicht mehr nachzudenken.
In dem Klassenzimmer angekommen, setzte sich Hermine auf einen der Tische und schaute Malfoy abwartend an. Wenn sie es nicht besser wissen würde, würde sie glauben, dass er nervös sei. Den ganzen Weg über hatte er geschwiegen und Hermine wollte endlich wissen, was er von ihr wollte.
»Und warum wolltest du mit mir sprechen?«, fragte sie schließlich, nachdem mehrere stille Sekunden verstrichen waren.
»Ich weiß nicht, wie ich anfangen soll ...« Malfoy fuhr sich durch seine Haare und setzte sich schließlich auf den Tisch gegenüber von Hermine. Abwartend schaute sie ihn an und wartete diesmal, bis er weitererzählte.
»Ich habe Gefühle für dich entwickelt. Erst wollte ich es mir nicht eingestehen, aber seit gestern, das Gespräch mit Lovegood war ziemlich aufschlussreich ... aber ich kann es mir nicht erlauben mich in dich zu verlieben.«
Seine Worte waren so leise und gleichzeitig so schmerzvoll, dass Hermine ihn nur anstarren konnte. Er schaute nicht zu ihr, sondern auf seine Hände und schien sich seine nächsten Worten mit bedacht zu überlegen. Dass er ihr gerade offenbart hatte, dass er Gefühle für sie hegte, begann Hermine nur langsam zu begreifen. Sie schluckte und wartete nervös auf seine Erklärung, warum er es sich nicht erlauben könnte.
»Meine Eltern sind im Moment auf der Suche nach einer reinblütigen Braut für mich und wahrscheinlich werde ich mich noch dieses Jahr verloben. Deshalb muss ich dich bitten, dass du mir aus dem Weg gehst. Ich darf keine Gefühle für dich haben.«
Malfoy schaute ihr auch bei diesen Worten nicht in die Augen und Hermines kurzzeitiges Hochgefühl, sank rapide ab. Natürlich würde er irgendeine reinblütige Hexe heiraten. Also waren all ihre Gedanken, über ihre Gefühle umsonst. Es würde nie etwas zwischen ihnen passieren. Selbst jetzt, wo sie wusste, dass er romantische Gefühle für sie hatte, war es egal. Trotzdem konnte sie nicht begreifen, wie er sich seine Zukunft einfach so vorschreiben ließ.
»Und du lässt einfach deine Eltern darüber entscheiden, wen du heiratest?«, fragte sie schließlich, weil sie einfach nicht glauben konnte, dass er eine Zwangsheirat zustimmen könnte. Auch wenn sie eigentlich wusste, dass es bei den reinblütigen Familien keine Seltenheit war.
»Ich habe keine andere Wahl Granger. Ich bin der einzige Erbe der Familie Malfoy und Black, ich muss den Familienstammbau fortführen.«
Hermine wusste nicht, ob sie es sich einbildete oder nicht, aber irgendwie schwamm eine Andeutung mit, dass wenn sie reinblütig wäre, dieses Gespräch gerade nicht stattfinden müsste.
»Gut, wenn das so ist, dann gehe ich dir aus dem Weg, wenn es dich glücklich macht. Es ist ja auch nicht so, als würde es mir interessieren für wen du Gefühle hast und für wen nicht«, sagte sie schließlich schnippisch und Malfoy schaute sie endlich wieder richtig an. Diesmal konnte sie seine Emotionen nur zu gut erkennen. Schmerz und trauer dominierten in seinem Gesichtsausdruck und doch drehte Hermine sich um und verließ das Klassenzimmer fast schon fluchtartig. Auch wenn sie es eigentlich nicht wollte, nahm sie das Gespräch mehr mit, als sie jemals gedacht hätte. Malfoy hatte gestern wirklich die Wahrheit gesagt und jetzt stieß er sie so vor den Kopf, dass es sie verletzte. In den letzten Tagen hatte sie seine Anwesenheit als angenehm empfunden und vielleicht hatte sie sich wirklich etwas in ihn verguckt, aber offensichtlich kam etwas Ernstes von seiner Seite aus nicht in Frage.
Immer noch durch den Wind trugen Hermines Füße sie in die Bibliothek, die recht leer war, da gerade eigentlich Unterricht stattfand beziehungsweise die Siebtklässler an ihren Aufgaben arbeiten sollten.
Hermine setzte sich an einen der Tische und schloss nachdenklich ihre Augen. Wäre die Projektwoche nicht, könnte sie Malfoy wirklich sehr einfach aus dem Weg gehen. Doch so lief sie in Gefahr, in den verbleibenden vier Tagen sich komplett in den Idioten zu verlieben. Besonders, da Zabini es anscheinend darauf ausgelegt hatte, sie zu verkuppeln. Ob er davon wusste, dass Malfoy sich bald verloben würde, verloben müsste?
Lange hing Hermine ihren Gedanken nach und entschied sich erst am späten Nachmittag wieder zurück den gemeinsamen Räumen zu gehen.

»Hermine, was ist denn mit dir passiert?«, fragte Ginny bestürzt, als Hermine die Tür geöffnet hatte. Die rothaarige Gryffindor saß zusammen mit Zabini am Tisch und sie schienen an den Aufgaben zu arbeiten. Doch jetzt schauten sie beide an, als könnten sie nicht glauben, was sie da sahen.
»Hast du geweint?«, fragte Ginny vorsichtig nach, während sie aufstand. Verwirrt tastete Hermine an ihren Wangen und stellte tatsächlich fest, dass sie feucht waren. Warum zum Teufel, ging ihr dieser Slytherin nur so nahe?
Ginny zog sie in eine Umarmung und Zabini schien zu ahnen, dass er fehl am Platz war, weswegen er die kleine Wohnung schnell verließ.
»Es ist alles gut«, murmelte Ginny ihr beruhigend zu und strich ihr sanft über den Rücken. Sofort hatte Hermine den Drang dazu, richtig loszuheulen, obwohl sie doch eigentlich dachte, dass Malfoy ihr mehr oder weniger egal war.
Einige Minuten schluchzte sie in den Armen ihrer Freundin, bis sie sich vorsichtig löste. Mit einigen wackligen Schritten ging sie zum Sofa und ließ sich darauf fallen. Ginny folgte ihr sofort.
»Möchtest du darüber reden?«, fragte sie und hielt ihr ein Taschentuch hin. Hermine nahm es dankend an und erzählte ihr schließlich von dem Gespräch mit Malfoy.
»Das ist echt eine miese Lage für ihn und natürlich auch für dich. Aber bist du sicher, dass du dich nicht in ihn verliebt hast?«, fragte Ginny, nachdem sie der ganzen Geschichte gelauscht hatte.
»Ich weiß es nicht, ich mag ihn auf jeden Fall sehr gerne«, antwortete Hermine ehrlich, denn sie wusste es wirklich nicht.
»Naja, immerhin hat er gesagt, dass er sich in nächster Zeit verloben wird. Stell dir mal vor, er hätte es nicht gemacht und du hättest dich richtig in ihn verliebt. Dann wäre es richtig schlimm geworden. So hat er dich wohl vor den schlimmsten Liebeskummer bewahrt. Wer weiß, vielleicht könnt ihr sogar noch Freunde werden?«
Ginny lächelte ihr aufmunternd zu, aber Hermine glaubte nicht daran, dass sie mit Malfoy befreundet sein könnte.
»Es steht noch dieser Kuss an«, murmelte Hermine und ihr wurde schlecht, wenn sie daran dachte.
»Danach wirst du auf jeden Fall wissen, was für Gefühle du genau für ihn hast. Oder wir bitten Blaise einfach das Ganze zu vergessen. Er ist bestimmt gerade bei Malfoy, wahrscheinlich sieht er ein, dass es jetzt keinen Zweck mehr hat, euch zu verkuppeln.«
»Hm«, gab Hermine nur von sich. Sie wollte sich einfach nur noch in ihr Bett verkriechen und nie wieder an Malfoy denken.

Als Hermine Granger tränenüberströmt den Gemeinschaftsraum ihrer kleinen geteilten Wohnung betrat, wusste Blaise sofort das etwas nicht stimmte. Nachdem er die braunhaarige Gryffindor und auch seinen besten Freund nicht auffinden konnte, hatte er eigentlich geglaubt, die beiden wären sich endlich näher gekommen. Aber offensichtlich schafften sie es nicht ohne ihn.
Ginny hatte sie in eine tröstende Umarmung gezogen und Blaise wollte unbedingt wissen, was Draco gemacht hatte. Denn es musste mit ihm zusammenhängen, dass Hermine so neben der Spur war. Ohne etwas zu sagen, hatte er sich aus dem Raum geschlichen und war jetzt auf der Suche nach dem blonden Slytherin. Er musste an mehreren Orten suchen, zu denen Draco sich gerne zurückzog, eher er ihn im Badezimmer der maulenden Myrte vorfand.
»Hier hast du dich also verkrochen. Sag, was ist passiert?«
Blaise trat näher zu Draco, der sich an eines der Waschbecken gelehnt hatte, und war geschockt, als er seinen besten Freund sah. Draco war immer bemüht, seine Emotionen nicht offen zu zeigen, aber jetzt gerade konnte man nur zu gut erkennen, wie schlecht es ihm ging.
»Draco?«, fragte er vorsichtig nach und sein bester Freund fixierte ihn mit seinem Blick.
»Ich habe ihr gesagt, dass sie sich von mir fernhalten soll«, meinte er und stieß sich von dem Waschbecken ab. Trotzdem wirkte Dracos Haltung nicht so stolz wie normalerweise.
»Ich dachte die ganze Zeit, dass du Gefühle für sie hast«, sagte Blaise, weil er ihn immer noch nicht verstand. Hatte Hermine ihn eben zurückgewiesen? Aber warum sollte sie dann weinen?
»Das habe ich ja auch, das ist doch das Schlimme!«
»Dann verstehe ich nicht, wieso sie eben weinend in unsere Wohnung gekommen ist!«
»Sie hat geweint?«, fragte er verblüfft.
»Draco sag mir endlich, was passiert ist!«, knurrte Blaise ihn an, er wollte endlich Antworten.
»Meine Eltern haben mir am Sonntag einen Brief geschrieben und mich daran erinnert, dass sie auf Brautsuche sind. Sie wollen, dass ich mich noch dieses Jahr verlobe.« Dracos Stimme klang monoton und regelrecht kraftlos. Blaise schluckte.
»Du hast ihnen hoffentlich geschrieben, dass du dir deine Braut selbst suchen willst?«
»Blaise du weißt ganz genau, wie meine Eltern sind, besonders wie mein Vater ist. Wenn meine Wahl reinblütig wäre, würden sie vielleicht zustimmen aber niemals würden sie Granger als Schwiegertochter akzeptieren.«
»Dann scheiß auf deine Eltern, was du willst, ist doch viel wichtiger! Mit der Zeit werden sie es schon begreifen und sie akzeptieren«, schrie Blaise seinen besten Freund schon fast an.
»Nein ... das würden sie nicht.«
»Du willst kampflos aufgeben Draco? Willst du nicht für dein Glück kämpfen? Verdammt, sie hat doch offensichtlich auch Gefühle für dich!«
»Das macht es ja nur noch schlimmer. Eigentlich habe ich gedacht, dass sie unerreichbar für mich ist, dass es nur eine kleine Schwärmerei ist, aber es ist mehr, viel mehr«, sagte Draco und seufzte.
»Dann kämpfe verdammt nochmal! Sei kein Feigling!«, brüllte Blaise ihn schon fast an und zog ihn an seinem Kragen hoch, um seine Aussage zu verdeutlichen. Draco lächelte entschuldigend.
»Ich bin offensichtlich ein Feigling. Meine Familie ist mir wichtig Blaise, ich möchte nicht, von ihr verstoßen werden, ich will kein Brandfleck im Stammbaum werden.«
»Na schön, wenn du dann mit irgendeiner Tussi unglücklich werden willst, gut. Sag dann nicht, ich hätte dich nicht gewarnt. Sei um acht wieder in der Wohnung, ein Kuss gönnt dir das Schicksal scheinbar.«
Mit diesen Worten ließ Blaise Draco alleine. Er war der Meinung, dass er jetzt erst einmal selber nachdenken sollte. Als ob er sich nicht gegen eine Zwangsheirat wehren könnte. Blaise hatte seiner Mutter auch deutlich gemacht, dass er sich seine Braut selbst aussuchen würde. Und ihm war es dabei sowas von egal, welchen Blutstatus sie haben würde. Blaise blieb mitten im Gehen stehen und seufzte. Er war so ein Heuchler. Draco gegenüber meinte er, er solle für seine Liebe kämpfen und er selbst tat nicht mit Ginny Weasley, in die er sich doch ein wenig verguckt hatte. Nur dummerweise war sie in einer festen Beziehung mit Potter und damit schien wohl sein Glück genauso kaputt zu sein, wie das von Draco.
»Verfluchte Scheiße«, brummte er und setzte seinen Weg fort. Er wollte noch nicht zurück in die Wohnung, da er die beiden Frauen jetzt nicht sehen wollte. Gleichzeitig wusste er aber auch nicht, wohin er gehen sollte. Deswegen ließ er sich einfach von seinen Füßen treiben und genoss es dabei, endlich wieder in seinen Körper zu sein.
Irgendwie war er ins Erdgeschoss gekommen und entschied sich jetzt spontan nach draußen zu gehen.
Kalter Wind empfing ihn und Blaise vergrub seine Hände tief in seinen Umhangtaschen.
Den Weg zum See hatte er schneller als gedacht hinter sich gelassen aber es hatte ihm nicht geholfen, einen klaren Gedanken zu fassen. Stattdessen fiel ihm auf, dass sie McGonagall gar nicht bescheid gegeben hatten, dass sie wieder ihre Körper zurückgetauscht hatten. Das sollten sie dringend nachholen.
Blaise setzte sich nachdenklich auf den Boden und starrte auf das schwarze Wasser. Dabei war es ihm egal, wie kalt der Untergrund war. Es war dunkel geworden und der Mond spiegelte sich an der Wasseroberfläche wieder.
»Ihr Slytherins seit im Moment reichlich grüblerisch nicht wahr?«, hörte Blaise eine sanfte Stimme hinter sich. Er drehte sich um und konnte Luna Lovegood entdecken, die ihn leicht verträumt anschaute.
»Oder suchst du auch etwas? Ich habe meinen Schal verlegt, du hast doch nicht zufällig einen Ravenclaw Schal gefunden?«, fragte sie weiter und setzte sich spontan neben ihn. Blaise war sich nicht sicher, ob er überhaupt schon einmal ein Wort mit ihr gewechselt hatte und doch freute er sich über ihre Anwesenheit. Eine Person, die nichts mit dem ganzen Chaos zutun hatte, war eine schöne Abwechslung.
»Accio Luna Lovegoods Schal«, sagte Blaise den Zauber, mit seinem Zauberstab in der Hand und wenig später flog der blaue Stofffetzen auf sie zu.
»Oh, vielen Dank«, meinte Luna und nahm ihn von Blaise an.
»Du hast gestern mit Draco geredet oder?«, fragte Blaise und sie lächelte ihn an.
»Oh ja, er war ziemlich durcheinander und ich habe ihm nur ein paar Fragen gestellt. Danach schien er sich zumindest über seine Gefühle im Klaren gewesen sein. Es waren ziemlich viele Nargel um ihn herum, wahrscheinlich verwirren sie ihn nur noch mehr«, erklärte Luna und Blaise konnte nicht anders als aufzulachen. Er hatte noch nie von Zauberwesen namens »Nargel« gehört, aber er hatte schon gehört, dass Luna anders war. Und das gefiel ihm gerade sehr gut.
Das Gespräch mit Luna war lustig und brachte ihn auf andere Gedanken.
»Ich muss dir leider sagen, dass ich wieder zurückgehen werde, mir ist doch etwas kalt«, sagte Luna irgendwann und zog den Schal enger an sich. Blaise stand sofort auf und hielt ihr eine Hand entgegen. Auch ihm war jetzt deutlich kälter, aber er hatte dieses zufällige Treffen nicht unterbrechen wollen.
»Es war schön sich mit dir zu unterhalten«, meinte Luna, als sie sich auf den Weg zurück ins Schloss machten.
»Ja, das war es wirklich, vielleicht können wir es demnächst noch einmal wiederholen?« Als Luna ihm lächelnd zunickte, hatte Blaise Ginny schon vollkommen vergessen.

Nachdem er sich von Luna verabschiedet hatte, hatte er erst gemerkt, dass es schon kurz vor acht Uhr war. Er hatte fast eine Stunde mit ihr draußen am See gesessen, aber jetzt musst er schnellstens zurück zur Wohnung. Immerhin hatte er heute Morgen den Zeitpunkt acht Uhr ausgewählt, um Hermine ihre Pflicht Aufgabe erfüllen zu lassen.
Deswegen beeilte er sich zurück zur Wohnung zu kommen. Hektisch lief er die Treppen hoch und bog in den Gang ein, in dem die Räume seiner Gruppe lagen. Endlich an der Tür mit der goldenen 21 sagte er atemlos das Passwort und trat schließlich um Punkt acht Uhr ein.

 

Um halb acht waren beide Slytherin Jungs noch nicht wieder zurück in die Wohnung gekehrt und Hermine hoffte schon, dass sie nicht vor acht zurückkommen würden. Hermine hatte sich wirklich in ihr Bett verzogen, allerdings hatte sie es nicht lange ausgehalten. Sie, Hermine Granger würde sich nicht von einem Jungen die Laune verderben lassen. Ron damals im sechsten Schuljahr würde die Ausnahme bleiben, zudem war zwischen ihr und Malfoy ja eigentlich nichts passiert. Nichts, was ein solches Gefühl in Hermine auslösen sollte.
Entschlossen hatte sie das Schlafzimmer von ihr und Ginny verlassen und sich wieder an die Aufgaben gesetzt. Sie würde sich nicht durch einen Jungen davon abbringen lassen, gute Leistungen in der Schule zu bringen.
Um kurz vor acht kam tatsächlich Malfoy zurück. Hermine warf ihm nur einen kurzen Blick zu und schaute dann wieder auf ihr Pergament. Er sah erschöpft aus, aber Hermine dachte nicht weiter darüber nach. Er war ja schließlich selber schuld und er wollte doch, dass sie sich von ihm fernhält. Ohne es zu merken, umklammerte sie ihre Feder so fest, dass sie fast durchgebrochen wäre.
Als Hermine einen nächsten Blick auf ihre Uhr warf, wurde es gerade acht Uhr und pünktlich auf die Sekunde trat Zabini ein. Sofort schaute die Gryffindor den Slytherin missmutig an. Er würde darauf bestehen, dass sie Malfoy küssen musste, das wusste Hermine instinktiv, so gut kannte sie ihn mittlerweile. Zabini atmete schwer, als hätte er die letzten Meter gelaufen, aber trotzdem hatte er einen glücklichen Gesichtsausdruck, aber wann hatte er das auch nicht.
»Also, seit ihr soweit?«, fragte der dunkelhäutige Slytherin und zeigte mit der einen Hand auf Hermine und mit der anderen auf Malfoy, der mindestens genauso missgelaunt schaute, wie Hermine sich fühlte.
Aber Hermine würde sich nicht durch eine lächerliche Pflicht Aufgabe kleinkriegen lassen. Sie hatte an der Seite von Harry Potter gekämpft, da konnte sie auch einen kleinen Kuss mit Malfoy teilen und es überleben, ganz egal, wie sie sich dabei fühlte.
Sie stand auf und ging zu Zabini. Malfoy blieb auf seinem Platz sitzen und Ginny lächelte sie aufmunternd an.
Hermine schluckte noch einmal und ging dann auf Malfoy zu, da dieser immer noch keine Anstalten machte, zu ihr zu kommen. Genau genommen sollte sie ihn ja auch küssen, also würde sie die Initiative ergreifen. Ohne ihm ins Gesicht zu schauen, setzte sich Hermine seitlich auf seinen Schoß, warf noch einen letzten grimmigen Blick zu Zabini und küsste ihn dann.
Diesmal zuckte Malfoy nicht zurück, aber Hermine vergrub trotzdem eine Hand in seinen Haaren. Auch unter ihren Fingern fühlten sie sich allzu sanft an. Aber der Kuss war ganz anders, als in Zabini´s Körper. Ihre eigenen Lippen passten viel besser auf die von Malfoy und harmonierten leidenschaftlich, als er den Kuss erwiderte.
Nichts fühlte sich mehr falsch an. Im Gegenteil, es fühlte sich absolut richtig an. Und anders als in Zabini´s Körper spürte sie eine Welle der Erregung, die sich durch ihren Körper bahnte. Als sie sanft mit ihrer Zunge an seiner Unterlippe leckte um, um Einlass zu bitten, konnte sie regelrecht spüren, wie in ihrem Magen die Schmetterlinge tanzten und sich ihr Unterleib verkrampfte. Ihre Zungen trafen sich und Hermine krallte sich in seinen Haaren fest, um ein Stöhnen zu unterdrücken. Der Kuss war eindeutig zu viel für ihre Nerven.
Sofort löste sie sich von ihm und schaute Draco aus der kurzen Entfernung in die Augen. Seine Pupillen waren so stark geweitet, dass sie fast gar nichts von der schönen Farbe seiner Iris sehen konnte. Und in diesem Moment wurde Hermine klar, dass sie sich wirklich in ihn verliebt hatte. Ihr Herz hämmerte so schnell in ihrer Brust, dass er es eigentlich spüren musste. Sie trauten sich nicht, von seinem Schoß aufzustehen, da sie Angst hatte, ihre Knie würden versagen. Gleichzeitig lagen seine Arme noch in genau der Position, die sie während des Kusses hatten, an ihrer Taille, wo sie einen leichten Druck ausübten, als wollte er, dass sie genau da blieb, wo sie war.
Hermine wusste nicht, wie lange sie sich so in die Augen starrten, aber es kam ihr wesentlich länger vor, als der eigentliche Kuss.
»Das war echt heiß«, kommentierte Zabini schließlich und riss Hermine damit aus ihren Gedanken. Endlich traute sie sich, von Malfoy´s Schoß aufzustehen, was sie sofort machte. Sie traute ihrem eigenen Körper nicht, weswegen sie so viel Platz wie möglich zwischen ihm und ihr brachte. Als sie sich neben Ginny auf den Stuhl setzte, auf dem sie auch einige Minuten zuvor gesessen hatte, war sie sich immer noch sicher, dass sie sich in Draco Malfoy verliebt hatte. Das war alles, was in dem Moment, durch ihrem Kopf kreiste. Vorsichtig lenkte sie ihren Blick zu dem blonden Slytherin, der sie auch anschaute. Und sie war sich sicher, dass er sich auch in sie verliebt hatte. Nicht nur durch seine vorherigen Worte, sondern auch durch seine Handlung und seinen Blick. Eine kurze Weile hatte Hermine wieder Augenkontakt mit ihm, eher er kurz den Kopf schüttelte und hektisch in seinem Zimmer verschwand.
Benommen ließ Hermine ihren Blick auf die Unterlagen vor sich wandern und dachte über ihre jetzige Situation nach.
Warum musste ihr Liebesleben immer so kompliziert sein? Warum musste sie sich ausgerechnet in einen Mann verlieben, der wusste, dass er sich bald verloben würde. Leicht verzweifelt biss sich Hermine auf ihre Unterlippe. Sie war tatsächlich an einem Punkt angekommen, an dem sie nicht wusste, was sie machen sollte. Sollte sie wirklich um ihn kämpfen, wenn sie wusste, dass es keinen Sinn hatte?
Irgendwann hatte Hermine wieder nach ihrer Feder gegriffen. Aber anstatt an der Aufgabe weiter zu arbeiten, kritzelte sie verschiedene Formen an der Seite eines Pergamentes, welches ihr als Schmierzettel gedient hatte.
»Ach Granger, du solltest dich vielleicht auch bei Weasley melden, ich meine, ich habe ihm gesagt, dass du dich meldest, wenn es dir wieder besser geht«, sagte Zabini plötzlich und Hermine schaute angesäuert in seine Richtung. Ganz bestimmt hatte sie jetzt keine Lust, sich mit Ron auseinander zu setzten, er würde auch noch etwas länger auf einen Brief warten können. Erst einmal wollte sie ... ja, was wollte sie denn? Hermine seufzte und bei dem Gedanken an den Kuss, den sie vor wenigen Sekunden mit Malfoy geteilt hatte. Und doch hatte sie in ihrem Innern bereits eine Entscheidung getroffen, sie würde um ihn kämpfen, ganz egal wie schlecht die Chancen standen.
Sie war eine Gryffindor, sie würde nicht kampflos aufgeben. Sie wollte ihn und er sie eindeutig genauso sehr. Und seine Eltern müsste man irgendwie davon überzeugen können, dass Draco nicht jetzt heiraten sollte.
Grimmig blickte Hermine zu der Tür, hinter der er verschwunden war. Sie würde ihn dazu bringen, dass er gegen seine Eltern rebellieren würde. Wenn er erst einmal erkennen würde, dass es zwischen ihnen funktionieren könnte, dass es gut funktionieren würde, dann würde er doch nicht eine andere Frau bevorzugen?
Lange ließ sich Hermine diese Gedanken durch ihren Kopf gehen und sie kam immer wieder zu dem gleichen Ergebnis, sie würde um eine Beziehung kämpfen. Ob sie dabei überhaupt eine Change hatte, war ihr egal.

 

Kapitel 21 ❥ Mit den Waffen einer Frau

Hermine Granger wusste, dass sie um ihn kämpfen wollte. Leider wusste sie nicht, wie sie es anstellen sollte oder gegen wen sie eigentlich kämpfen musste.
Deswegen beschloss sie zu anfangs, Dracos Bitte nachzugehen. Sie würde sich von ihm fernhalten, soweit es der Raum ihrer Projektwohnung zuließ. Gleichzeitig würde sie ihm aber immer wieder Blicke zuwerfen. Immerhin konnte sie versuchen, ihn aus der Ferne zu beeinflussen.
Immer wenn sie wusste, dass er sie anschaute, fuhr sie sich beton gedankenverloren durch die Haare und befeuchtete ihre Lippen. Diese Art des Flirtens war Hermine nicht gewohnt, aber sie wusste, dass sie Draco damit aus der Fassung brachte. In seinem Blick konnte sie immer wieder seinen inneren Kampf erkennen und doch schien bisher noch sein Pflichtgefühl zu gewinnen.
Wenn sie ihn erst einmal dazu gebracht hätte dieses zu vergessen, dann könnte sie ihn auch dazu bringen, gegen seine Eltern zu rebellieren, da war sie sich sicher.
Hermine war einfach entschlossen, mit allen Mitteln zu kämpfen. Allerdings konnte sie Draco nicht mehr alleine irgendwo antreffen. Immer waren entweder andere Schüler oder Zabini dabei. In der Projektwohnung begegnete er ihr grundsätzlich immer in Anwesenheit von Zabini, der wohl resigniert hatte in seinem Plan, sie zu verkuppeln. Leider bekam sie auch keine Möglichkeit Zabini darauf anzusprechen.

Am Donnerstag hatte sich immer noch nicht viel an der Situation geändert. Da jetzt meist eine angespannte Stille in der Wohnung herrschte, kamen sie mit den Aufgaben gut voran und würden sehr wahrscheinlich noch heute mit allen fertigwerden.
Hermine hatte gemerkt, dass auch Zabini nicht mehr so gut gelaunt war, wie zu anfangs und er oft nachdenkliche Blicke in die Richtung von Ginny warf. Offensichtlich war nicht nur ihr Liebesleben kompliziert.
Einige Minuten später legte Hermine ihre Schreibfeder zur Seite. Sie hatte den letzten Aufsatz, den sie sich zugeteilt hatte, beendet und auch die anderen schienen langsam fertig zu werden.
»Nun, offensichtlich haben wir die Projektwoche geschafft«, meinte Zabini, nachdem auch er seine Schreibfeder abgelegt hatte. Hermine nickte und schaute zu Ginny, die auch gerade fertig geworden war.
»Gut geben wir unsere Ergebnisse ab und beenden diese Woche«, sagte Malfoy und Hermine schaute sofort zu ihm. Sie biss sich betont unschuldig auf ihre Unterlippe, weswegen er sofort den Blick abgewendete. Nachdenklich starrte Hermine den blonden Slytherin an, der jetzt aufgestanden war und die Pergamente sortierte. Vielleicht war es an der Zeit stärkere Geschütze aufzuziehen.

Professor McGonagall nahm ihre Arbeiten freudig entgegen und betonte noch einmal, dass sie sich freute, dass es keine weiteren Probleme gegeben hatte. Zumindest aus ihrer Sicht. Hermine starrte Malfoy den ganzen Rückweg über an und konnte ihm dabei ansehen, wie unangenehm es ihm war. Trotzdem konnte sie ihren Blick nicht abwenden. Sie hatte das Gefühl, das wenn sie nicht bald handeln würde, sie ihn wirklich verlieren könnte.
Und dann trennte sich ihr Weg. Die Slytherins gingen zurück in den Kerker und Hermine folgte Ginny schweigend zu den Gryffindor Räumen.
»Alles in Ordnung?«, fragte diese irgendwann.
»Ja, ich bin nur am Überlegen, was ich machen soll«, murmelte Hermine und schaute dabei auf den Boden. Sie selbst war sich genau bewusst, wie besessen sie von Malfoy war und ihre beste Freundin musste nicht noch darauf rumreiten.
»Aber was ist eigentlich mit dir und Blaise passiert? Ich habe irgendwie das Gefühl, das er sich dir gegenüber anders verhält.« Hermine schaute zu ihrer Freundin, die mit den Schultern zuckte.
»Ich hatte das Gefühl, das er mit mir flirtet, aber das hat sich plötzlich schlagartig geändert. Wobei das ja auch nicht schlimm ist, ich meine, ich bin ja mit Harry glücklich, wenn er mich nach irgendetwas gefragt hätte, hätte ich nein gesagt«, antwortete Ginny und Hermine nickte nachdenklich.
»Ich glaube, diese Körpertauschsache hat ihn doch mehr mitgenommen, als er sich anmerken lässt«, ergänzte Ginny dann noch und auch dem konnte Hermine nur zustimmen. Vielleicht lag ihre Faszination für Malfoy auch noch an dem Körpertausch?
»Aber hast du jetzt entschieden, was du wegen Malfoy machst? Ich meine, rational gedacht wäre es richtig, sich von ihm fernzuhalten, immerhin wird er sich bald verloben. Nur habe ich irgendwie das Gefühl, dass du dich bei dieser Angelegenheit ausnahmsweise nicht auf deinen Verstand verlassen wirst.«
Den letzten Satz flüsterte Ginny wissend und Hermine schaute sie scheu an. Sie wusste, dass er vernünftiger sein würde, dass zu machen, was er von ihr wollte. Aber sie wollte sich nicht von ihm fernhalten.
»Ich werde stärkere Geschütze auffahren, als einfach nur zu flirten«, gab Hermine schließlich zu.
»Und an was hast du dabei gedacht?«, fragte Ginny nach, während sie vor dem Portrait der fetten Dame angekommen waren. Hermine nannte das aktuelle Passwort und das Gemälde schwang zur Seite, um ihnen Einlass zu gewähren.
»Da bin ich mir noch nicht sicher. Hast du irgendwelche Tipps für mich?«, fragte Hermine sofort nach. Immerhin hatte Ginny weitaus mehr Erfahrung mit festen Freunden als Hermine. Ginny lächelte sie verschwörerisch an.
»Etwas, was auf jeden Fall hilft, ist Eifersucht. Einfach aber sehr wirksam.«
Eifersucht. Hermine ließ sich das Wort auf der Zunge zergehen und war nach kurzem Überlegen begeistert. Sie würde Malfoy eifersüchtig machen und ihn damit zwingen, sein Pflichtgefühl abzulegen. Er würde durch seine Emotionen handeln und dadurch erkennen, dass er es schaffen könnte, sich von seiner Familie zu lösen.
Aber wie sollte sie ihn eifersüchtig machen? Er musste doch nach ihrem Kuss eindeutig wissen, dass sie auch Gefühle für ihn hatte. Und auch wusste er, dass es untypisch für sie wäre, sich dem nächstbesten Typen an den Hals zu werfen. Nein, es musste jemand sein, mit dem sie eine Vergangenheit hatte, von der Draco wusste. Jemand, auf den er schon öfter eifersüchtig gewesen war.
Offensichtlich würde sie sich doch eher bei Ron melden als gedacht. Den faden Beigeschmack, dass sie ihren Freund dabei ausnutzen würde, versuchte Hermine zu unterdrücken, als sie in ihrem Schlafsaal angekommen sofort nach Feder und Pergament griff.
»Hermine?«, fragte Ginny irritiert, die ihr gefolgt war.
»Ich werde ihn eifersüchtig machen«, sagte sie, während sie einen Brief an Ron schrieb, sich für etwas entschuldigte, was eigentlich nicht sie gemacht hatte und um ein Treffen am Samstag bat.
»Du willst doch nicht meinen Bruder benutzen, um Malfoy eifersüchtig zu machen?«, fragte Ginny verzweifelt aber Hermine nickte entschlossen.
»Hermine, das ist nicht richtig. Wenn du nur mit seinen Gefühlen spielst ... Das verdient er nicht«, redete Ginny auf sie ein und Hermine senkte ihren Blick auf ihr Geschriebenes.
»Ich weiß«, murmelte sie, plötzlich unentschlossen.
»Okay, ich werde ihm diesen Brief trotzdem schicken und mich mit ihm treffen. Dann werde ich das Ganze, was passiert ist mit ihm klären und entweder habe ich dabei Glück und Draco sieht mich mit Ron und wird eifersüchtig oder ich habe Pech. So würde ich Ron keine Hoffnungen machen«, beschloss Hermine und auch Ginny stimmte diesen Vorschlag zu.

 

Kapitel 22 ❥ Rückzugsorte

Am Freitagmorgen hatte Hermine sich in die Bibliothek zurückgezogen. Sie genoss die vertraute Umgebung und den Geruch der Bücher. Eine Weile ging sie nur durch die verschiedenen Regale und berührte die Buchrücken mit ihren Fingerspitzen. Dann griff sie wahllos nach einem der Bücher und setzte sich an ihrem Lieblingstisch etwas abseits. Als sie die erste Seite aufschlug, verschwammen die Buchstaben vor ihrem Auge. Sie konnte sich einfach nicht konzentrieren. Gewissensbisse plagten sie. Es war nicht richtig darauf zu hoffen, Ron benutzen zu können, um Draco eifersüchtig zu machen. Und doch hoffte sie darauf, dass Draco sie mit Ron zusammen sehen würde.
Ein klärendes Gespräch mit Ron musste sie so oder so führen ... und wenn sie so noch etwas erreichen könnte, um Draco für sich zu gewinnen, was sprach dagegen? Hermine biss sich auf ihre Unterlippe und klappte das Buch wieder zu. Als sie es frustriert von sich schob, hörte sie plötzlich Stimmen.
»Ich habe gestern Blaise Zabini mit Luna Lovegood zusammen gesehen.«
Interessiert schaute Hermine auf und versuchte die Mädchenstimme zu orten. Was hatte Zabini denn mit Luna zutun?
»Was Zabini mit Loony? Ich dachte, der ist schwul?«
Bei diesem Kommentar breitete sich ein kleines Lächeln auf Hermines Gesicht aus. Es kam ihr wie eine Ewigkeit vor, seit sie dieses Gerücht ausgelöst hatte.
»Offensichtlich doch nicht. Angeblich soll er auch versucht haben, etwas mit Ginny Weasley anzufangen.«
»Als ob wirklich? Wer hat das denn gesagt? Ich meine, Zabini ist echt gutaussehend, aber der Auserwählte ist immer noch die bessere Partie.«
»Ja, das scheint sich Weasley auch gedacht zu haben.«
Hermine fragte sich, wie sich solche Gerüchte nur so schnell in Hogwarts verbreiten konnten. Vor allem, weil sie teilweise ziemlich an den Haaren herbeigezogen waren. Entschlossen stand sie auf und ging in die Richtung, aus der sie die beiden Mädchen gehört hatten.
Mit vor der Brust verschränkten Armen trat sie auf die beiden zu und erntete erschrockene Blicke. Es waren zwei Ravenclaws, wahrscheinlich nicht einmal im sechsten Schuljahr.
»Ihr solltet weniger über dämliche Gerüchte spekulieren und lieber lernen!«, sagte sie ernst und schaute erst der einen, dann der anderen in die Augen, bis sie beide peinlich berührt den Blick abwanden.
»Und nur zu Info, nichts davon ist wahr«, ergänzte sie noch, ehe sie sich umdrehte und die Bibliothek verließ, ohne noch einmal zurückzublicken.

Das kurzzeitige Hochgefühl, den beiden ihre Meinung zu sagen, verebbte schnell wieder. Hermine hatte Ablenkung gesucht, sie aber nicht wirklich gefunden. Und jetzt fingen ihre Gedanken wieder an, sich um Draco zu drehen. Frustriert über ihr eigenes Verhalten, wollte sie gerade die Treppe nach unten zur Eingangshalle nehmen, als sie einen hellblonden Haarschopf sah. Sofort gefror sie in ihren Bewegungen, ehe sie Draco richtig sehen konnte. Sie stand oben an der Treppe und konnte beobachten, wie Draco auf das Eingangstor zuging. Er hatte seine Hände in seinen Taschen vergraben und seinen Blick gesenkt. Ohne weiter darüber nachzudenken, folgte Hermine ihm und versuchte so wenig Geräusche zu machen wie möglich.
Es wäre endlich eine Chance ihn einmal alleine anzutreffen. Hermine beeilte sich, ebenfalls durch das Portal zu gehen und es dauerte etwas, bis sie Draco wieder entdeckt hatte. Offensichtlich war er auf dem Weg zum verbotenen Wald.
Eine Weile folgte Hermine ihm, bis sie sich sicher war, dass keine andere Person in der Nähe war.
»Draco«, sagte sie dann, um auf sich aufmerksam zu machen. Draco drehte sich anscheinend erschrocken um und griff sogar nach seinem Zauberstab. Wahrscheinlich noch ein Reflex aus dem Krieg. Als er Hermine erkannte, ließ er den Stab sinken. Aber Hermine konnte mal wieder nicht seinen Gesichtsausdruck deuten.
»Was machst du hier?«, fragte er und klang dabei ein wenig anklagend.
»Ich möchte mit dir reden«, sagte Hermine und ging auf ihn zu. Es trennten sie nur noch wenige Meter und Hermine war froh, dass er nicht von ihr abrückte. Er sagte nicht, wahrscheinlich wartete er darauf, dass sie etwas sagen würde. Hermine schaute ihn an, und als sie das erste Mal seit Tagen in seine sturmgrauen Augen schauen konnte, wusste sie nicht, was sie ihm sagen könnte.
»Also willst du reden oder nicht?«, fragte Draco nach einer Weile. Er drehte sich von ihr weg und lief weiter in Richtung des Waldes.
»Was willst du im Wald?«, fragte Hermine, während sie ihm schnell folgte.
»Ich will einfach mal alleine sein und Blaise kennt meine anderen Rückzugsorte«, meinte Draco und klang dabei anklagend in ihre Richtung.
Erst als sie die ersten Ausläufer des Waldes erreichten, wurde Draco langsamer. Schließlich lehnte er sich lässig an einen der Bäume und schaute sie mit vor der Brust verschränken Arme an. Er wirkte dabei so lässig, dass Hermine wusste, dass er nur eine Maske aufgesetzt hatte. Wahrscheinlich brodelte es gerade in seinem Inneren.
»Was für Gefühle hast du für mich?«
»Was?«, fragte er irritiert nach, seine Maske blieb allerdings eindrucksvoll erhalten.
»Du hast gesagt, dass du Gefühle für mich entwickelt hast. Was für Gefühle?«, fragte sie nach. Sie musste einfach wissen, ob sie seine Maske einreißen könnte.
»Bist du wirklich so blind Granger?«, knurrte er und Hermine konnte nicht anders als sich vorzustellen, wie er sie beim Vornamen nennen würde. Sie näherte sich ihm und er schaute sie dabei skeptisch an.
»Sprich es einfach aus. Oder hast du Angst davor?«, stichelte sie weiter und wenigstens konnte sie erkennen, dass Draco unsicher wurde.
»Ich -«, fing er an und suchte irritiert ihren Blick. Sie stand jetzt nur wenige Zentimeter von ihm entfernt und konnte ihr Herz schnell schlagen hören. Draco schluckte, redete aber nicht weiter.
»Du?«, meinte sie leise und unterbrach den Blickkontakt dabei nicht. Gerade als sie dachte, sie hätte etwas erreicht, wandte Draco seinen Kopf ruckartig zur Seite und starrte auf den Boden.
»Ich weiß mittlerweile, wer meine Braut werden wird«, flüsterte er fast und Hermines Herz setzte einen Schlag lang aus.
»Wer?«, fragte sie leise und war froh darüber, dass ihre Stimme nicht brach. Draco schaute wieder auf, mied es aber, ihr direkt in die Augen zu schauen.
»Astoria Greengrass«, flüsterte er und Hermine nickte leicht. Sie kannte sie nicht, wusste aber, dass es die jüngere Schwester von Daphne Greengrass war. Reinblütig und offenbar gut genug aus der Sicht seiner Eltern.
»Und du akzeptierst es wirklich einfach so?«, fragte Hermine verzweifelt. Sie legte eine Hand auf Dracos Schulter und krallte sich regelrecht an ihm fest. Sie wollte ihn nicht verlieren.
»Wenn ich mich weigere, werde ich von meiner Familie verstoßen Hermine. Ich habe mich schon vor langer Zeit damit abgefunden, irgendwann eine arrangierte Ehe einzugehen«, sagte er ruhig und Hermine konnte ihn irgendwie verstehen. Sie würde es auch nicht wollen, von ihrer Familie verstoßen zu werden und doch tat es weh. Furchtbar weh.
»Hast du wenigstens versucht, mit deinen Eltern zu reden?«, fragte sie immer noch mit einem verzweifelten Unterton und Draco seufzte.
»Es hat keinen Sinn«, beteuerte Draco und Hermine wurde wieder wütend. Wie konnte er aufgeben, ohne es überhaupt versucht zu haben?
»Du ... Idiot!«, schrie sie ihn an und hämmerte mit beiden Händen gegen seine Brust. Sie kam sich einfach so hilflos vor, wie sollte sie denn um ihn kämpfen, wenn er nicht einmal daran dachte, seine Situation zu ändern. Draco umgriff ihre Handgelenke und hielt sie fest. Vorsichtig hob sie ihren Blick und konnte wieder in seine sturmgrauen Augen sehen. Sofort spürte Hermine eine gewisse Spannung zwischen ihnen, und ehe sie darüber nachdenken konnte, beugte sie sich nach vorne, schloss ihre Augen und küsste ihn.
Sanft lagen ihre Lippen auf seinen und Hermine traute sich nicht, sie zu bewegen. Draco schien erstarrt zu sein, hielt allerdings immer noch ihre Handgelenke fest umschlossen. Vorsichtig öffnete sie ihre Augen und konnte auf die geschlossenen Lider von Draco schauen. Mal wieder schien er einen innerlichen Kampf zu führen und Hermine wollte ihn dazu bringen, nachzugeben.
Sie löste ihre rechte Hand aus seinem Griff, was erstaunlich einfach ging, und schlang ihren Arm um seinen Nacken, um den Kuss zu intensivieren. Gleichzeitig fing sie an ihre Lippen auf seinen zu bewegen und es schien, als würde ein Knoten bei Draco platzen.
Plötzlich zog er sie an sich und erwiderte den Kuss so intensiv, dass Hermine ein Aufstöhnen unterdrücken musste. Er drehte sich von dem Baumstamm weg, um sie dagegenzudrücken. Hermine hatte nicht mehr die Oberhand in dem Kuss, aber es war ihr egal. Viel zu gerne gab sie sich Draco hin und genoss seine Lippen auf ihren. Als sie spürte, wie eine Hand durch die Öffnung ihres Umhanges glitt und sich an ihrer Bluse zu schaffen machte, glaubte sie, sie hätte gewonnen.
Doch dann, von einer Sekunde auf der anderen, löste sich Draco von ihr. Ein paar Sekunden atmete er schwer und schaute ihr genau in die Augen, dann stieß er sich von dem Baumstamm ab und brachte Abstand zwischen sie.
»Das ist falsch. Hermine ich bin verlobt«, sagte er eindringlich, drehte sich um und rannte regelrecht zurück zum Schloss.
Hermine lehnte mit halb geöffneter Bluse schweratmend an dem Baumstamm und bemerkte erst jetzt, dass er ihren Vornamen gesagt hatte, und das gleich zweimal.

 

Kapitel 23 ☛ Ein ungeplanter Ausflug

Blaise Zabini hatte ein Problem. Er wusste nicht, was mit ihm los war. Einerseits fand er Ginny Weasley sehr anziehend und stand schon einmal kurz davor, sie einfach zu küssen aber andererseits beherrschte auch Luna Lovegood seine Gedanken. Mehrmals hatte er sie in den letzten Tagen getroffen und ihre ungewöhnliche Art hatte ihn schnell verzaubert. Und doch wusste er nicht, ob Luna nicht mehr eine Ablenkung von Ginny war, immerhin wusste er, dass sie in einer festen Beziehung war und damit unerreichbar.
Frustriert schnaubte er und beobachtete, wie Draco den Gemeinschaftsraum verließ. Er hatte gerade einen neuen Brief von seinen Eltern bekommen und wusste jetzt vielleicht schon, welche Frau er heiraten müsste. Wieder einmal war er mehr als froh, dass er sich seine Braut selbst aussuchen durfte. Ob es wirklich Ginny oder Luna werden würde, stand dabei noch in den Sternen. In den nächsten Jahren hatte er auf jeden Fall keinen Drang dazu zu heiraten.
Gelangweilt streckte er sich auf dem Sofa, auf dem er lag, und überlegte, was er machen sollte. Da sie mit den Aufgaben früher als erwartet fertig geworden waren, hatten sie jetzt einen Tag eher Wochenende und niemand anderes war im Moment im Gemeinschaftsraum. Immerhin fand in diesem Augenblick eigentlich Unterricht statt.
Er wusste, dass Draco gerade seine Ruhe haben wollte, aber er sehnte sich einfach nach Gesellschaft. Vielleicht würde er Hermine in der Bibliothek treffen? Schwerfällig setzte er sich auf und machte sich dann langsam in die Richtung des besagten Ortes. Er hatte nach dem Körpertausch nicht mehr alleine mit ihr geredet und vielleicht sollten sie sich noch etwas austauschen.

In der Bibliothek angekommen, fand er nur die Bibliothekarin vor, mit der er allerdings nicht reden wollte. Enttäuscht Hermine nicht gefunden zu haben, drehte er sich wieder um und sah, wie Ginny in diesem Moment durch die Eingangstür trat.
»Hey«, sagte er sofort und grinste sie breit an.
»Hey, hast du Hermine gesehen?«, fragte Ginny und Blaise schüttelte seinen Kopf.
»Nein, ich habe auch gedacht, sie hier zu finden.«
»Wirklich, warum hast du sie gesucht?«, fragte sie überrascht nach und schaute ihn fragend an.
»Mir ist langweilig, ich wollte nur etwas Gesellschaft«, antwortete er ehrlich und Ginny lächelte ihn leicht an.
»Da geht es mir ähnlich, sie hat mir eigentlich gesagt, dass sie in die Bibliothek wollte. Vielleicht können wir etwas zusammen machen?«
Ihr Angebot freute Blaise sehr und sie entschieden spontan, nach Hogsmeade zu gehen. Immerhin waren sie beide volljährig und konnten somit jederzeit die kleine Stadt besuchen. Auf ein schönes Butterbier in ihrer Gesellschaft hatte er wirklich lust.
»Was hältst du davon, wenn wir den Geheimgang nehmen?«, fragte Ginny, gerade als sie losgehen wollten.
»Den Geheimgang?«, fragte Blaise verwirrt. Er kannte keinen Geheimgang, der nach Hogsmeade führte.
»Kennst du nicht den Geheimgang zum Honigtopf? Er ist bei dieser Statue der buckeligen Hexe«, erklärte Ginny und Blaise nickte verblüfft. Ginny führte sie zielstrebig zu der Statue, und nachdem sie den Zauberspruch: »Dissendium« gesagt hatte, öffnete sich der Buckel der Statue und sie konnten hindurchklettern.
»Wow«, meinte Blaise erstaunt, als er den Geheimgang betrat.
»Harry hat diesen Gang im dritten Schuljahr entdeckt, als er nach Hogsmeade wollte, aber keine Erlaubnis von seiner Familie bekommen hatte«, erklärte Ginny, während sie sich durch den Gang schlängelten. Genau nach so einem Abenteuer hatte Blaise sich gesehnt, auch wenn der Ton, in dem Ginny über Potter redete, für seinen Geschmack etwas zu liebevoll klang.
Sie landeten in einem Keller, der zum Honigtopf gehörte. Unauffällig stahlen sich die beiden hinaus in den Verkaufsraum und von dort aus nach draußen.
»Das war echt cool!«, meinte Blaise und lachte Ginny breit an. Diese hatte auch ein Grinsen aufgesetzt, was sie in Blaise´s Augen nur noch schöner als normalerweise aussehen ließ.
»Also, was wollen wir machen?«, fragte die Rothaarige und drehte sich fragend im Kreis.
»Ins Drei Besen?«, fragte Blaise sofort, gegen ein Butterbier hätte er jetzt nichts. Zusammen setzte sie den kurzen Weg zum Gasthaus zurück.

Als sie sich wenig später mit zwei Butterbier an einen der Tische setzten, kam Blaise dieses Treffen wie ein Date vor. Wie oft hatte er schon mit einer Schülerin hier gesessen und geflirtet. Und auch deswegen kam es ihm richtig vor, Ginny ein schelmisches Grinsen zu schenken.
»Und wie ist es wieder in seinem eigenen Körper zu sein?«, fragte diese, nachdem sie einen Schluck ihres Getränkes genommen hatte.
»Einfach nur gut. Am besten ist, dass ich wieder normal mit meinen Freunden umgehen kann. Es war zwar auch stellenweise echt lustig, aber zum Glück haben wir dann doch schnell wieder zurückgetauscht«, erklärte er ehrlich und konnte nicht aufhören zu lächeln. Ohne diesen Unfall hätte er nie so einen engen Kontakt zu der Gryffindor vor ihm bekommen und das wäre definitiv schade gewesen, auch wenn sich nichts zwischen ihnen entwickeln würde.
Eine Weile unterhielten sie sich über belanglose Dinge und Blaise fühlte sich einfach nur wohl. Das erste Glas war geleert und sofort hatten sie sich ein Zweites bestellt.
Nach dem zweiten Getränk verließen sie das Gasthaus und machten einen Abstecher zur heulenden Hütte. Blaise hatte nie wirklich einen Bezug zu dieser Hütte aber er genoss es gerade auf einer Bank mit dem Blick zu ihr zu sitzen. Nicht nur wegen der Nachmittagssonne, die angenehm warm war, sondern auch wegen Ginny, die neben ihm saß. Genießerisch schloss er seine Augen und die Stille, die sich zwischen sie legte, war alles andere als unangenehm.
»Warst du schon einmal in der Hütte?«, fragte Ginny irgendwann und Blaise schaute sie an.
»Nein, du?«
Ginny schüttelte den Kopf und Blaise warf wieder einen Blick zu der Hütte. Es reizte ihn auch nicht wirklich die Hütte zu betreten, besonders da er wusste, dass es nicht in ihr spukte. Schnell schaute er wieder zu Ginny, die noch verträumt in die Richtung des Gebäudes schaute.
Vorsichtig rutschte er etwas in ihre Richtung, sodass sich ihre Oberschenkel leicht berührten. Ihr Blick traf seinen und Blaise konnte nicht anders als sich in ihre Richtung zu lehnen.
Einen Moment glaubte er wirklich, dass sie einen Kuss zulassen würde, doch im letzten Moment drehte sie ihr Gesicht zur Seite, sodass seine Lippen nur ihre Wange trafen. Betrübt verweilte er einen Moment in dieser Position, eher er seine Lippen von ihr löste und wieder etwas von ihr weg rutschte.
»Blaise, ich mag dich wirklich ... aber nur als Freund. Mehr ist da wirklich nicht und wird da auch nie sein. Ich bin mit Harry absolut glücklich«, hörte er Ginny sagen und ihm war sein Verhalten schon peinlich.
Entmutigt nickte er und strich Ginny Weasley nun endgültig von seiner imaginieren Liste der möglichen Freundinnen.

 

Kapitel 24 ❥ Erste Erfolge?

»Und wie war dein Tag?«, fragte Ginny, als sie den Gemeinschaftsraum der Gryffindors betrat und zu Hermine ging, die auf einem Sofa vor dem Kamin saß.
»Nicht so toll«, erwiderte Hermine ehrlich und schaute zu ihrer rothaarigen Freundin, die sich neben sie auf das Sofa fallen ließ.
»Was ist denn passiert?, fragte Ginny sofort nach und Hermine seufzte allein beim dem Gedanken.
»Ich habe Draco zufällig gesehen und bin ihm gefolgt, um alleine und in Ruhe mit ihm sprechen zu können. Naja das hat funktioniert, aber er hat mir gesagt, dass er nun weiß, wer seine Braut wird. Astoria Greengrass vorzeige Slytherin und Reinblut. Er hat nicht einmal versucht mit seinen Eltern zu reden Ginny ... und als ich ihn geküsst habe, hat er ihn erst erwidert aber dann gesagt, dass er es nicht kann. Ginny, ich glaube, ich habe ihn endgültig verloren.«
Ginny hatte ihr aufmerksam zugehört und schaute sie jetzt mitfühlend an.
»Das tut mir leid Hermine. Vielleicht ist es wirklich besser, wenn du ihn loslässt. Wenn er nicht einmal versucht mit seinen Eltern zu reden, dann hat er dich nicht verdient. Aber das er deinen Kuss erwidert hat, zeigt ja eigentlich, dass er nachgibt. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, was ich an deiner Stelle machen würde.«
Hermine starrte gedankenverloren in das prasselnde Feuer, sie war einfach hin und hergerissen.
»Wie war denn dein Tag?«, fragte sie, um auf andere Gedanken zu kommen.
»Oh naja ich war mit Blaise unterwegs. Er hat versucht mich zu küssen.«
»Was?«, fragte Hermine überrascht und schaute schnell wieder zu Ginny.
»Ich dachte, er hat aufgehört mit dir zu flirten«, ergänzte sie.
»Das habe ich auch gedacht aber er hat es doch versucht. Ich konnte noch gerade so mein Gesicht wegdrehen. Danach habe ich ihm erklärt, dass ich ihn nur als normalen Freund mag und das da nicht mehr ist. Er hat es glaube ich verstanden«, erklärte Ginny und Hermine nickte verstehend. Irgendwie tat Blaise ihr leid, denn er war in einer ähnlichen Situation wie sie. Nur dass Ginny Harry wirklich liebte. Und Draco Gefühle für sie hatte und nicht für seine Verlobte. Seine Verlobte. Hermines Magen zog sie schmerzvoll zusammen. Er war nun richtig verlobt, seine Eltern waren nicht mehr nur auf der Suche nach einer Braut, sondern hatten sie gefunden. Und damit ist Draco nun endgültig zu einem vergebenen Mann geworden. Wie sollte sie weiter um ihn kämpfen, wenn alles so zum Scheitern verurteilt aussah?
»Und weißt du jetzt, was du morgen machst?«, fragte Ginny irgendwann und riss Hermine aus ihren trostlosen Gedanken. Ihr war klar, dass sie das Treffen mit Ron meinte und ihren eigentlichen Plan, Draco eifersüchtig zu machen.
»Ich werde mit Ron sprechen, entweder sieht Draco das oder nicht. Ich weiß sowieso nicht, ob ich überhaupt noch etwas bei ihm ausrichten kann ...«

Der Samstagmorgen brach an und Hermine war schon beim Aufstehen nervös. In ein paar Stunden würde sie sich mit Ron treffen und sie wusste einfach nicht, in welche Richtung sich dieses Gespräch entwickeln würde. Und sie wusste auch nicht mehr, ob sie Draco nun überhaupt noch eifersüchtig machen wollte. Immerhin schien er null um seine eigene Freiheit in der Wahl seiner Partnerin kämpfen zu wollen.
Beim Frühstück war sie noch immer unentschlossen. Sie wusste noch nicht einmal, was sie mit Ron bereden sollte. Auf jeden Fall musste sie diesen Kuss ansprechen, den er nicht ihr gegeben hatte, sondern Blaise. Vielleicht sollte sie ihm auch von der Körpertausch Sache erzählen ...
»Was ist mit mir passiert Ginny? Warum lasse ich mein Leben so sehr von Jungs beeinflussen?«, fragte sie verzweifelt und ließ ihren Löffel wieder zurück in das Müsli fallen. Ihr war so schlecht, dass sie keinen Bissen hinunterbekommen hatte.
»Du bist halt verliebt Hermine«, meinte Ginny, als würde das alles erklären, aber das half Hermine auch nicht viel weiter.

Auf dem Weg zum kleinen Ort neben Hogwarts hatte Hermine immer noch Bauchschmerzen vor Nervosität. Ron wartet auf sie draußen vor dem »Drei Besen« und grinste sie breit an, als er sie sah.
»Hey Hermine schön dich wieder gesund zu sehen«, begrüßte er sie und zog sie in eine freundliche Umarmung. Sofort verschwanden Hermines Bauchschmerzen. Ron war immer noch einer ihrer besten Freunde, etwas was sie offensichtlich verdrängt hatte. Sie fühlte sich wohl in seiner Gegenwart.
»Ich freue mich auch dich zu sehen«, meinte sie, als sie sich aus seiner Umarmung löste. Und das tat sie wirklich.
Er hielt ihr die Tür des Gasthauses auf und Hermine fragte sich, seit wann er so ein Gentleman war. Offensichtlich wollte er sie beeindrucken, denn er holte die Getränke, während sie sich schon an einen der Tische setzen sollte. Einige Hogwartsschüler waren in dem kleinen Gasthaus aber dennoch war ein Tisch etwas abseits frei, den Hermine ansteuerte. Es dauerte nicht lange, bis Ron mit zwei Bechern Butterbier folgte und sich ihr gegenüber hinsetzte.
»Es tut mir leid wie ich mich letzte Woche verhalten habe Hermine. Ich möchte dich wirklich nicht bedrängen«, begann Ron und Hermine schaute ihm aufmerksam in die Augen.
»Ist schon in Ordnung«, meinte Hermine. Immerhin war sie letzte Woche nicht in ihrem Körper.
»Ich müsste dir auch etwas erzählen«, sprach sie weiter, denn sie hatte sich dafür entschieden, ihm von dem Körpertausch zu erzählen.
»Was denn?«, fragte Ron interessiert nach.
»Letzte Woche war ich nicht ich -«
»Oh ich weiß schon, du warst krank, da steht man schon mal neben sich«, fiel Ron ihr ins Wort und Hermine blinzelte ihn an.
»Nein, das meinte ich nicht. Weißt du, es gab einen Unfall in Zaubertränke und ich habe dadurch meinen Körper mit Blaise Zabini getauscht«, lies Hermine die Bombe platzen und Ron schaute sie nun total entsetzt an.
»Wie jetzt, dann warst nicht du da im Bett, sondern Zabini?«, fragte er nicht minder entsetzt nach.
»Ja.«
»Dann habe ich Blaise Zabini geküsst?«, fragte er weiter und seine Stimme war unglaublich dünn. Schließlich lief sein Gesicht erst rot an, wurde dann aber sehr schnell schrecklich blass.
»Ich habe Zabini geküsst, einen Slytherin ...«
Ron ließ seinen Blick zur Seite gleiten und starrte mit einem Blick auf den Boden, den Hermine nicht deuten konnte. Sie wartete etwas, bis sie ihre Hand auf seine legte, die auf dem Tisch neben seinem Krug Butterbier stand.
»Es ist doch nicht so schlimm, du wusstest doch nichts davon und genau genommen hast du meinen Körper geküsst, nur war ich in dem Moment nicht in ihm.«
Ron schaute sie wieder an und nickte schließlich nachdenklich. Dann drehte er seine Hand unter ihrer, sodass er sie sanft streicheln konnte. Hermine wollte ihre Hand wegen dieser intimen Berührungen sofort wegziehen, konnte es aber nicht, da sie Ron nicht wütend machen wollte. Erst einmal sollte er die Körpertausch Sache verdaut haben. Etwas, was er für ihren Geschmack viel zu gut verkraftet hatte. Eigentlich hatte sie mit einem, kleinem emotionalem Ausbruch von ihm gerechnet.
»Geht es dir denn gut? Du hast doch dann viel Kontakt zu den anderen Slytherins gehabt? Ich schwöre dir, wenn Malfoy dir irgendetwas getan hat ... Moment, dann warst du in Zabini’s Körper, als er beim Quidditch Spiel vom Besen gefallen ist? «, fragte Ron nach, nachdem er wohl die gesamten Folgen des Körpertausches begriffen hatte.
Hermine setzte gerade zu einer Erwiderung ein, als sie sah, wie Draco das Drei Besen betrat. Sofort verschnellerte sich ihr Herzschlag und sie wurde wieder nervös.
»Hermine?«, fragte Ron nach und sie schaute wieder zu dem ehemaligen Gryffindor.
»Mir geht es gut Ron. Die Slytherins haben mir nichts getan, im Gegenteil, ich glaube sogar, dass wir teilweise Freunde geworden sind«, meinte Hermine. Und teilweise auch etwas mehr als Freunde.
Dann schaute sie schnell wieder zu dem Ort, an dem Draco stand. Er schaute zu ihnen, den Blick auf den Tisch fixiert und es dauerte etwas, bis Hermine begriff, dass sie Rons Hand noch immer hielt. Ehe sie etwas an diesem Umstand ändern konnte, starrten Dracos sturmgrauen Augen sie kurzeitig wütend an, ehe er sich umdrehte und das Gasthaus wieder verließ.
Sie hatte es geschafft, er war unübersehbar eifersüchtig. Es stellte sich nur noch die Frage, ob es wirklich von Vorteil wäre.

Kapitel 25 ❥ Ausbruch der Gefühle


Das restliche Treffen mit Ron fand ohne weitere Unterbrechungen statt. Sie hatte ihm ausführlich erklärt, wie es zu dem Unfall gekommen war und was anschließend alles passiert geschah. Einige Details ließ sie weg, wie zum Beispiel das Umziehen nach dem Quidditch Training.

Und Ron verkraftete all diese Sachen so gut, dass Hermine sich fragte, was mit ihrem Freund passiert war. Er bemühte sich um sie, das wusste Hermine und es gefiel ihr. Offensichtlich wollte Ron um sie kämpfen, ganz im Gegenteil zu einem gewissen Slytherin.

Als sie sich von Ron verabschiedete, hatte sie ihn nicht auf das angesprochen, was sie wusste, dass er zu ihrem Körper gesagt hatte. Dass er eine zweite Chance haben wollte und das er sie liebte. Sie brachte es einfach nicht übers Herz, ihm zu sagen, dass sie sich in Draco verliebt hatte. Und gleichzeitig wollte sie ihm auch nicht weh tun, auch wenn sie wusste, dass es nur noch schlimmer werden würde, wenn sie ihn jetzt im Glauben ließe, dass er eine Chance hatte, sie zurückzugewinnen.


Während sie zurück zu den Gryffindorräumen ging, dachte Hermine immer noch darüber nach, ob sie richtig gehandelt hatte. Es kam ihr im Nachhinein nicht richtig vor, Ron so an der Angel hängen zu lassen aber andererseits gefiel ihr es, wie er sich um sie bemühte.

Plötzlich griff jemand an ihr Handgelenk und zog sie in eine dunkle Ecke des Korridors, den sie gerade entlang gelaufen war. Panisch versuchte Hermine sich zu befreien, bis sie bemerkte, dass es Draco war, der sie gerade gegen die Wand pinnte. Sofort stoppte sie in ihrem Tun und schaute den Slytherin fragend an. Anscheinend war ihr Plan, ihn eifersüchtig zu machen nicht schlecht gewesen. Immerhin hatte er das erste Mal überhaupt von sich aus ihre Nähe gesucht, auch wenn er gerade nicht sehr freundlich aussah.

»Granger«, knurrte er sie schon fast an und Hermine konnte nicht anders, als daran zu denken, wie sexy er ihren Namen ausgesprochen hatte, auch wenn es wieder nur ihr Nachname war.

»Ja?«, fragte sie mit einer dünnen Stimme nach, nachdem Draco sie einfach weiter mit seinem kalten Blick fixiert hatte. Vielleicht war der Plan doch nicht so gut gewesen? Seine Stimmungsschwankungen machten ihr einfach zu schaffen.

»Was sollte das eben?«, fragte er energisch nach und wich dabei keinen Zentimeter von ihr. Hermine konnte sein Aftershave riechen und wurde davon regelrecht benebelt.

»Ich weiß nicht, was du meinst«, brachte sie trotzdem relativ selbstsicher heraus und schaute Draco trotzig in die Augen. Oder würde sie ihn doch endlich dazubekommen, zu kämpfen? Denn wenn er es nicht langsam einsehen würde, dann wüsste sie nicht, was sie noch machen sollte.

»Als ob du nicht weißt, was ich meine. Ich meine, wirklich? Du willst mich eifersüchtig machen? Hermine das funktioniert nicht!«

»Oh, so wie du reagierst, scheinst du sehr wohl eifersüchtig zu sein!«, konterte Hermine und reckte ihm selbstbewusst ihren Kopf entgegen. Draco wich sofort auf einen Sicherheitsabstand zurück, was Hermine einen Stich versetzte.

»Vielleicht bin ich eifersüchtig, gut, aber das ändert nichts an der Situation. Wann verstehst du es endlich? Ich bin verlobt! Und ich werde mich nicht entloben, sondern sie heiraten.«

Diese Aussage machte Hermine so wütend. Sie konnte spüren, wie ihr Gesicht heiß wurde und dieses Mal lag es nicht an ihren romantischen Gefühlen, sondern an den Zorn, den sie gegen den Slytherin ihr gegenüber verspürte. Wieso zum Teufel nahm er sein Schicksal so einfach hin?

Hermine wollte ihn anschreien, ihn zum Kämpfen bewegen, aber sie konnte sich nicht die richtigen Worte zurechtlegen.

»Es ist ein magischer Vertrag, verstehst du? Ich bin daran gebunden, habe meine Verpflichtungen. Und Granger, ich bitte dich, gib dich nicht mit solchen Verlieren wie Weasley ab, dass hast du nicht verdient«, sagte Draco dann ziemlich ruhig und entfernte sich etwas von ihr. Seine Hände rutschten von ihren Schultern und Hermine wurde nur noch fassungsloser. Dabei ignorierte sie einfach, dass, was er über den Vertrag gesagt hatte.

»Verlierer? Ron soll ein Verlierer sein? Was bist du dann? Er kämpft wenigstens um mich! Weißt du was, ich weiß genau, was du bist! Du bist und bliebst ein elendiger Feigling, ein Muttersöhnchen, der alles macht, was seine Eltern ihm vorleben!«

Während Hermine ihn anschrie, sammelten sich Tränen in ihren Augen und flossen ihre Wangen hinunter. Sie konnte nicht sagen, ob sie der Trauer oder der Wut entsprangen. Draco schaute sie bei ihren Worten so emotionslos an, dass sie nur noch mehr Tränen produzierte. Sie fragte sich, ob er wirklich ehrliche Gefühle für sie hatte, denn so, wie er gerade handelte, glaubte sie es nicht. Und jetzt machte er noch nicht einmal Anstalten sich zu verteidigen. Er akzeptierte ihre Aussage einfach, als würde er sie auch als richtig empfinden.

»Weißt du was Draco Malfoy? Du bist für mich gestorben!«

Damit schubste sie Draco von sich und rannte den Gang entlang, um endlich die Gryffindorräume zu erreichen. Immer noch völlig verheult sagte sie der fetten Dame das Passwort und verzog sich dann so schnell es ging in ihren Schlafsaal. Sie schmiss sich auf das Bett und drückte ihr Gesicht in ihr Kopfkissen.

Irgendwann versiegten ihre Tränen, doch ihre Gedanken kreisten noch immer um Draco. Sie wusste einfach nicht, was sie machen sollte. Natürlich war er nicht für sie gestorben, sie war nur so unendlich wütend auf ihn, dass sie ihn am liebsten so lange schlagen wollte, bis er endlich mit seinen Eltern reden würde. Selbst einen magischen Vertrag müsste man doch auflösen können.

Hermine setzte sich wieder auf und wusch sich die Tränenüberreste von ihren Wangen. Sie würde erst einmal gar nichts mehr machen. Wenn sie sich von ihm fernhalten würde, so wie er es wollte, würde er vielleicht merken, wie es ist, wenn sie sich nicht mehr um ihn bemühen würde.

Kapitel 26 ❥ Entscheidungen

Hermine hatte sich lange an ihren letzten Beschluss gehalten. Von sich aus hatte sie nicht mehr Dracos Nähe gesucht. Auch wenn Ginny ihr oft sagte, dass sie unglücklich wirkte, denn das war sie, hielt sie es durch.
Natürlich hatte sie ihn ab und zu in ihren gemeinsamen Unterrichtsstunden angeschaut, davon konnte sie sich nicht abhalten, aber er hatte nie auf ihre Blicke reagiert. Im Gegenteil, er war nun offiziell mit der Greengrass verlobt.
Hermine konnte sich ein paar giftige Blicke in die Richtung der Slytherin nicht verkneifen, und seitdem sie wusste, dass sie Dracos Verlobte war, schien Hermine ihr auch noch besonders oft über den Weg zu laufen.

»Hermine bist du fertig?«, riss Ginny sie mit ihrer Frage aus ihren Gedanken.
»Äh fast«, stammelte Hermine und schaute sich wieder richtig im Spiegel an. Sie hatte ihre sonst recht widerspenstigen Haare zu einer anmutigen Hochsteckfrisur gesteckt und sich leicht geschminkt, sodass sie selbst damit zufrieden war. Mit der dünnen Eyeliner Linie wirkten ihre Augen dunkler als normalerweise und kamen somit mehr zum Vorschein, was ihr gefiel.
Dazu trug sie ein dunkelblaues langes Ballkleid, was ihre weiblichen Rundungen perfekt umspielte.
»Du siehst einfach nur großartig aus«, stellte Ginny fest und Hermine lächelte ihre beste Freundin an. Auch sie hatte sich schick gemacht. Ihre roten Haare waren wie Hermines nach oben gesteckt und das dünkelgrüne Kleid stand ihr ebenso perfekt.
»Ich kann nicht glauben, dass heute schon der Abschlussball ist«, meinte Hermine, während sie aufstand und ihr Kleid glattstrich.
Sie war nervös. Zum einen würde sie heute vielleicht Draco das letzte Mal sehen, zum anderen, weil sie Ron gefragt hatte, ob er ihre Begleitung sein wolle. Er hatte sich in den letzten Monaten wirklich um sie bemüht und Hermine war sich nicht mehr sicher, was sie fühlen sollte. Irgendwie gefiel ihr die Sicherheit, die Ron bei seinen Gefühlen ausstrahlte, bei Draco wusste sie schließlich nicht, woran sie war. Obwohl, sie wusste eigentlich ziemlich deutlich, dass nichts zwischen ihnen passieren würde und doch hatte sie bis jetzt gehofft.
Sie hatte einmal ein langes Gespräch mit Blaise gehabt und der hatte ihr verraten, dass Draco wirklich nicht vorhatte, mit seinen Eltern zu reden. Hermine konnte es absolut nicht verstehen, aber was sollte sie dagegen machen? Wenn sie mit seinen Eltern reden würde, hätte es eh keinen Nutzen. Zumal sie auch nichts über den Vertrag wusste.
»Jetzt komm schon, oder willst du Ron warten lassen?«
Ginny riss sie abermals aus ihren Gedanken und Hermine nickte schnell. Sie hatte sich für Ballerinas entschieden, da sie in hochhakigen Schuhen nicht lange laufen konnte und unter dem Kleid sowieso niemand die Schuhe sehen würde.
Trotzdem war Hermine wackelig auf den Beinen. Sie konnte einfach nicht begreifen, dass dies ihr Abschlussball war. Es kam ihr wie gestern vor, das siebte Schuljahr angetreten zu haben und nun war es schon vorbei.
Als Hermine die Treppe zur großen Halle hinunterging, konnte sie einige Jungs vor der Halle warten sehen, so war es schließlich Tradition bei den großen Bällen.

Sofort suchte Hermine nach Ron, dem sie extra gesagt hatte, dass er sich eine dunkelblaue Krawatte anziehen sollte. Aber ihr Blick traf erst auf einen gewissen Jemanden mit hellblonden Haaren. In seinem schwarzen Anzug wirkte er so blass, dass es auf Hermine kränklich wirkte.
Durch den Anblick von Draco geriet Hermine ins Stolpern und wäre fast gefallen, wenn Ginny nicht im letzten Moment nach ihrem Arm gegriffen hätte.
»Hermine, du musst endlich mit ihm abschließen. Es sieht wohl wirklich so aus, als würde er die Hochzeit akzeptieren«, flüsterte die rothaarige ihr zu. Sie konnten sehen, wie Astoria Greengrass aus Richtung des Kerkers kam und sich glücklich lächelnd bei Draco einharkte. Hermine schluckte, offensichtlich hatte die Greengrass nichts gegen die Hochzeit.
»Hermine, du siehst wunderschön aus«, begrüßte Ron sie, als sie sich endlich dazu aufgerafft hatte, zu ihm zu gehen. Seine Worte schmeichelten ihr und sie lächelte ihn an. Ron sah so glücklich aus, dass Hermine sich gleich besser fühlte. In seiner Gegenwart konnte sie das Dilemma mit Draco wenigstens etwas vergessen.
Als sie an Rons Hand den Ballsaal betrat, bestaunte sie die Dekoration. Innerhalb weniger Stunden hatten die Schulsprecher und einige Helfer die große Halle in einen traditionalen Ballsaal verwandelt. Die Haustische waren verschwunden, dafür gab es eine riesige Theke und Stehtische auf der linken Seite und eine sehr große Tanzfläche, die bezaubernd geschmückt war. Die Decke zeigte einen romantischen Sternenhimmel, den es eigentlich im Moment nicht gab. Kronleuchter hingen in großer Anzahl in der Luft und gaben dem Raum ein besonderes Licht.
»Wow«, meinte Ginny, als sie wie Hermine die Dekoration staunend betrachtete. Die Jungs schienen nicht ganz so überwältigt.
»Da haben die Schulsprecher sich ordentlich ins Zeug gelegt«, sagte eine bekannte Stimme hinter Hermine und sie drehte sich freudig um.
»Blaise«, begrüßte sie den Slytherin, der sie freundlich angrinste. Erst dann sah sie die Begleitung von Blaise.
»Luna«, stieß sie überrascht aus und die Ravenclaw lächelte sie so unbekümmert wie immer an.
»Es freut mich dich zu sehen«, antwortete diese und schmiegte sich dabei etwas an Blaise, der stolz lächelte.
»Seid ihr endlich zusammen? Ihr habt ja echt eine Ewigkeit gebracht!«, stieß Ginny dann aus und zog Luna in eine enge Umarmung.
»Nur zur Information, dass es so lange gedauert hat, lag nicht an mir«, bemerkte Blaise an und Hermine lachte leise.
Ron und Harry, die sich das Treiben bis jetzt nur schweigend angeschaut hatten, lachten nun auch mehr oder weniger und begrüßten Blaise in den Kreis ihrer Freunde. Es war auch einfach schwer Blaise nicht zu mögen.
»Lasst die Party beginnen!«, schrie der Slytherin dann und zog seine Freundin mit sich auf die Tanzfläche.
»Möchtest du auch tanzen?«, fragte Ron sofort und Hermine nickte. Sie hatte eigentlich nicht damit gerechnet, dass er sie auffordern würde, immerhin tanzte er nicht gerne.

Aber mit Ron zu tanzen war gelinde gesagt eine Katastrophe. Mehrmals trat er ihr auf die Füße und war viel zu verspannt, weil er sich zu sehr darauf konzentrierte ihr nicht auf die Füße zu treten. Trotzdem tanzte sie einige Lieder mit ihm und es wurde langsam aber sicher besser. Bei einem ruhigen Lied hatte sie ihren Kopf an Rons Schulter angelehnt und erkannte Draco in ihrem Blickfeld. Er tanzte mit seiner Verlobten, ebenso engumschlossen wie sie mit Ron. Hermine schluckte und war froh, als Draco wieder aus ihrem Blickfeld verschwand, wie gerne würde sie jetzt mit ihm anstatt mit Ron tanzen.
Schnell schob Hermine diesen Gedanken wieder weg und versuchte sich auf das hier und jetzt zu konzentrieren. Sie hatte keine Zukunft mit Draco Malfoy. Dafür hatte sie eine Zukunft mit Ron Weasley, der sie ehrlich liebte, von dem sie wusste, dass er sie nie verletzen würde. Was brauchte sie denn noch?
Das Lied endete und ein schnelleres fing an zu spielen, doch Ron wollte sich nicht dem neuen Tempo anpassen. Schließlich blieb er ganz stehen und Hermine beugte sich zurück, um ihn ansehen zu können.
»Ich hätte niemals gedacht, dass mir tanzen so viel Spaß machen würde«, sagte er leise und Hermine konnte sehen, wie er rot im Gesicht wurde. Sie grinste ihn leicht an und drückte seine Hand, die sie trotz des Tanzunterbruches noch hielt.
»Ich liebe dich Hermine«, sagte er dann und es klang erstaunlich fest.
»Ich weiß«, murmelte Hermine so leise das er es nicht hören konnte und küsste ihn vorsichtig auf die Lippen.

 

Kapitel 27 ❥ Zukunftsperspektiven

Dass ausgerechnet Blaise und Luna aus ihrem Freundeskreis als Erstes heiraten würden, hätte Hermine nicht erwartet. Es war noch nicht mal ein Jahr vergangen, seitdem sie ihren Abschluss gemacht hatten. Soweit sie wusste, hatte noch nicht einmal Draco seine Astoria geheiratet.
Immer wenn Hermine an den blondhaarigen Slytherin denken musste, schmerzte es. Doch mit der Zeit war es weniger geworden. Das letzte Mal hatte sie ihm beim Tanzen gesehen, kurz bevor sie wieder mit Ron zusammengekommen war. In all den Monaten hatte sie gelernt, dass ihre Liebe zu Draco leidenschaftlich war, aber dafür keine Zukunft hatte. Die zu Ron entwickelte sich langsam, war aber dafür beständig und gut. Sie wusste genau, dass er immer für sie da sein würde, für sie kämpfen würde und deswegen mochte sie ihn so sehr.
Hermine atmete tief durch und betrachtete sich im Spiegel. Sie hatte nicht mehr viel Zeit, bis sich der Portschlüssel aktivieren würde und bisher hatte sie noch nichts geschafft. Viel zu sehr brachte es sie aus dem Konzept, dass sie wusste, dass sie ihn heute wiedertreffen würde.
Als sie schließlich in ihrem blaugrauen Cocktailkleid die Treppe runterging, saß Ron auf dem Sofa ihrer Wohnung und schaute Fernsehen. Er trug seinen dunkelblauen Anzug mit einer schwarzen dünnen Krawatte, die Hermine ihm gekauft hatte.
»Wir können los«, sagte sie zu ihrem Freund, der sich sofort aufsetzte.
»Klar«, meinte er und apparierte. Hermine tat es ihm sofort nach und fand sich wenig später im ehemaligen Hauptquartier des Ordens des Phönix wieder. Auch Ginny und Harry waren zu der Hochzeit eingeladen und sie hatten den Portschlüssel von Blaise bekommen.
»Da seit ihr ja endlich«, meinte Ginny. Im Gegensatz zu Hermine und Ron waren Ginny und Harry schon zusammengezogen in das Haus, welches er von Sirius geerbt hatte. Hermine hingegen hatte sich eine eigene Wohnung gekauft und war noch nicht bereit diese Freiheit aufzugeben.
Der Portschlüssel stellte sich als leere Zigarettenschachtel heraus, die geradeso von vier Personen gleichzeitig gehalten werden konnte. Schnell aber unbequem reisten sie damit an den Ort der Hochzeit, den Blaise und Luna bisher geheim gehalten hatten.
Sie landeten auf dem Dach eines kleinen Gebäudes, welches vor Blicken geschützt war, der Zauberbann schimmerte für sie sichtbar in der Luft. Staunend trat Hermine näher an den Rand des Daches.
»Venedig«, murmelte sie, als sie sah, wie eine Gondel durch einen Kanal fuhr.
»Wie schön«, seufzte Ginny, die sich neben Hermine gestellt hatte.
Immer mehr Gäste trafen ein und offensichtlich hatten die meisten nicht gewusst, dass die Hochzeit in Venedig stattfinden würde. Gerade als Hermine zurück zu Ron ging, um mit ihm den vorgesehenen Weg von Dach hinunterzugehen, tauchte Draco auf.
Sofort versteifte Hermine sich und starrte ihn an. Er hatte sich seit ihrem letzten Treffen kein bisschen verändert. Mal wieder trug er einen schwarzen Anzug, wirkte dieses Mal aber nicht so kränklich blass darin, wie bei ihrem Abschlussball. Astoria Greengrass, die an seiner Seite aufgetaucht war, wirkte so schön und anmutig, wie Hermine sie in Erinnerung hatte.
»Potter, Weasleys, Granger«, sagte Draco in ihre Richtung und klang dabei ziemlich emotionslos. Hermine biss sich auf ihre Unterlippe und griff nach Rons Hand. Sie konnte ihn nicht begrüßten, weil sie genau wusste, dass ihre Stimme brechen würde. Die anderen begrüßten ihn mehr oder weniger freundlich und schließlich setzten sie sich in Bewegung, um das Dach zu verlassen. Hermine starrte dabei stur auf den Boden, um ja nicht einen Blick auf den ehemaligen Slytherin werfen zu können.
Kaum waren sie in einem romantisch geschmückten Vorraum angekommen, hatte sich Hermine ein Glas Sekt von Empfang genommen. Für die schönen Rosen, die um das Treppengelender gebunden waren, hatte sie jetzt keinen Blick übrig.
»Ist alles in Ordnung?«, fragte Ron und Hermine wusste somit, dass sie sich mehr als untypisch verhielt, denn normalerweise merkte Ron ihre Stimmungsschwankungen nicht so früh.
»Hm«, brummte sie nur und trank einen tiefen Schluck von dem Sekt. Ron schaute sie noch kurz fragend an, ehe er sich von ihr abwandte und mit einem der anderen Gäste ein Gespräch anfing.
Dann öffneten sich die Türen endlich und Hermine war mehr als froh, als sie in den Zeremonienraum konnten. Der Saal war angeordnet wie eine Kirche, nur dass es keine Kirche war. Immerhin war dies eine Zaubererhochzeit und es glaubte von ihnen niemand an Gott. Trotzdem erinnerten Hermine die vielen Bänke und der Altar an eine Kirche. Ein Zauber führte sie zu ihren Plätzen und Hermine schluckte, als sie merkte, dass Blaise sich mal wieder einen Streich erlaubt hatte. Sie saß neben Ron und Draco. Äußerlich versuchte sie ruhig zu bleiben, innerlich verfluchte sie Blaise. Ihr wäre es lieber gewesen, wenn Draco am anderen Ende des Raumes gesessen hätte. Alles nur nicht direkt neben ihr.
Als sie sich setzte, griff Ron nach ihrer Hand und drückte ihr einen Kuss auf ihren Handrücken. Diese kleinen Gesten hatte er sich angewöhnt und Hermine mochte sie, auch wenn der Kuss sie in diesem Moment nicht beruhigen konnte.
Draco setzte sich an ihre linke Seite und Hermine starrte stur noch vorne, wo Blaise schon an dem Altar stand. Sie konnte einfach nicht begreifen, dass Draco noch immer so eine starke Wirkung auf sie hatte.
Als sie kurz in seine Richtung schaute, merkte sie, dass er sie anschaute.
»Warum bist du eigentlich nicht bei Blaise? Bist du nicht sein Trauzeuge?«, fragte sie ihn, einfach, weil sie seine Stimme hören wollte und es das Erste war, was ihr einfiel ihn zu fragen.
»Oh nein, die beiden haben sich für eine etwas andere Zeremonie entschieden, auf jeden Fall meinte Blaise, dass sie dafür keine Trauzeugen brauchen. Der Zauber übernimmt dann den Job der Zeugen«, erzählte Draco sofort, doch Hermine achtete nicht wirklich darauf, was er sagte.
»Das ist interessant«, murmelte sie und konnte schließlich wieder ihren Blick von ihm lösen. Eine unangenehme Stille lag zwischen ihnen und Hermine lehnte sich, so weit sie konnte in die Richtung von Ron, der mit Harry über irgendein Quidditch Spiel redete. Auch wenn Hermine jetzt, dank dem Körpertausch, mehr über Quidditch wusste, hatte sie keine Lust, sich irgendwie an dem Gespräch zu beteiligen.
»Und was machst du? Also ich meine, wie läuft dein berufliches Leben? Oder hast du dich dazu entschieden studieren zu gehen?«, fragte Draco sie und Hermine schaute wieder zu ihm. Er lächelte sie freundlich an und schien wirklich etwas Smalltalk halten zu wollen. Seine Verlobte schien sich nicht dafür zu interessieren, da sie gerade selbst in ein Gespräch vertieft war.
»Ich habe im Ministerium angefangen, in der Abteilung Zauberkatastrophen«, antwortete Hermine schließlich.
»Und was machst du beruflich?«, ergänzte sie, da es sie durchaus interessierte.
»Ich bin der neue Zaubertrankprofessor, also noch in der Ausbildung. Slughorn bleibt jetzt noch ein weiteres Schuljahr, um mich anzulernen.«
»Wirklich?«, fragte Hermine überrascht nach. Sie wusste zwar, dass er wirklich gut in Zaubertränke gewesen war, aber einen Professorenjob hätte sie ihm doch nicht zugetraut.
»Ja. Minerva hat es mir kurz vor unserem Abschluss angeboten, und da ich ansonsten nur die Geschäfte meines Vaters übernommen hätte, habe ich mich dafür entschieden.«
Hermine nickte und gleichzeitig erfüllte Musik den Raum.
Blaise, der bis dahin nervös hin und hergetrampelt war, drehte sich nun zum Eingang der Halle um, wo gerade Luna hineinkam. Sie trug ein atemberaubendes schulterloses Brautkleid. Der Brustraum war eng geschnitten und nach unten wurde es immer weiter. Viele Stickereien, die in verschiedenen Pastellfarben leuchteten, ließen dieses Kleid wirklich magisch aussehen.
Luna schritt langsam auf ihren Bräutigam zu und wirkte einfach nur glücklich. Sofort musste auch Hermine lächeln und etwas der Angespanntheit wich von ihr. Besonders, weil sie jetzt wusste, dass sie doch ganz normal mit Draco reden konnte.
Trotzdem zog sich die Zeremonie für Hermines Geschmack etwas in die Länge. Aber wahrscheinlich lag es wirklich nur daran, dass sie zwischen Ron und Draco saß. Zwischen den beiden Männern, für die sie Gefühle hegte.
Hermine war dementsprechend froh, als sie die Bänke verlassen konnten. Es ging nach draußen und die ganze Hochzeitgesellschaft würde über mehrere Gondeln zur nächsten Location gebracht werden.
Zufälligerweise landete Hermine wieder mit Draco in einer Gondel und sie konnte nur ahnen, dass Blaise dahintersteckte, denn sowohl Ron, als auch Astoria waren auf einer anderen Gondel.
»Ich glaube, er möchte, dass wir uns aussprechen«, sagte Draco zu ihr und Hermine seufzte. Zwar waren noch jede Menge anderer Gäste auf der Gondel, es kam ihr aber trotzdem schrecklich intim vor.
»Es scheint wohl so. Allerdings gibt es nichts zum Aussprechen«, meinte sie und zuckte mit ihren Schultern. Sie konnte ihn nicht anschauen, sondern betrachtete lieber das Wasser.
»Hermine, ich ... es tut mir leid, wenn ich dich irgendwie verletzt habe. Ich wünsche mir nur, dass du glücklich bist, wenn du meinst, dass das mit Weasley der Fall ist, dann ist es halt so.«
»Warum? Warum hast du nicht einmal versucht mit deinen Eltern darüber geredet?«, fragte Hermine leise.
»Meine Eltern haben mir schon früh gesagt, dass sie mir eine Braut aussuchen werden. Du weißt nicht, wie oft sie mir gesagt haben, dass es das Wichtigste ist, das Blut rein zu halten, dass ich unbedingt ein Reinblut heiraten muss. Vielleicht hätte ich mit ihnen geredet, wenn ich mich nicht in dich verliebt hätte. Also in irgendein anderes Reinblut. Es tut mir leid Hermine, aber meine Eltern, besonders mein Vater, hegen eine tiefe Abneigung gegen dich. Er hätte dich niemals als meine feste Freundin oder gar als seine Schwiegertochter akzeptiert. Dessen war ich mir bewusst und deswegen wollte ich nicht den Zorn meines Vaters auf dich lenken. Ich bin mir nicht sicher, was er gemacht hätte, wenn er gewusst hätte, dass ich Gefühle für dich habe.«
Hermine hatte Draco während seiner kleinen Rede angeschaut und sie konnte seine Trauer regelrecht spüren. Es schmerzte sie, ihn so zu sehen. Teilweise wollte er sie durch seine Handlung beschützen.
»Genau das hättest du mir auch damals sagen können«, flüsterte sie und schluckte. Wenn sie es damals gehört hätte, wäre ihr ihre Sicherheit sehr wahrscheinlich egal gewesen.
»Nein. So wie ich dich kenne, hättest du weiter auf deiner Meinung bestanden«, meinte Draco und wie Recht er doch hatte.
»Wir hätten zusammen abhauen können ... wir können immer noch zusammen weggehen. Niemand wird uns finden können«, sagte Hermine und schaute den Blonden leicht hoffnungsvoll an. Es war erschreckend, dass sie für ihn immer noch alles stehen und liegen lassen würde.
»Nein das können wir nicht Hermine. Wir haben beide Verpflichtungen und glaub mir, meine Eltern würden mich überall finden.« Und schon wieder hatte er Recht.
»Lass uns versuchen Freunde zu sein«, meinte Draco dann und Hermine schaute ihn unsicher an.
»Ich weiß nicht, ob ich dass kann«, erwiderte sie ehrlich. Könnte sie mit einem Mann nur befreundet sein, wenn sie mehr Gefühle für ihn hegte, als für den Mann mit dem sie eine Beziehung hatte.
»Du könntest es zumindest versuchen«, entgegnete Draco und schließlich nickte Hermine, auch wenn sie immer noch nicht absolut sicher war.
Die Gondel hielt und schwankte leicht im Wasser, als die Hochzeitsgäste ausstiegen.
Ron erwartete sie schon, als sie wieder festen Boden unter den Füßen hatte.
»Du warst auf einmal weg? Alles in Ordnung?«, fragte er verwirrt, während er ihre Hand nahm.
»Es ist alles gut«, erwiderte sie nur und sie hatte wirklich das Gefühl, das es so war. Es könnte alles gut werden. Die Zukunft mit Ron könnte gut werden. Vorsichtig blickte sie zu Draco, sie könnten gute Freunde werden.
Das wunderschöne Anwesen, in dem sie jetzt feiern und essen würde, verstärkte dieses Glücksgefühl von Hermine nur noch.
Und als sie wenig später den Brautstrauß von Luna fing, ging ihr erster Blick in Richtung Ron, der sie breitgrinsend anschaute.
Sie freute sich auf die Zukunft mit ihm.

Epilog

Hermine Weasley-Granger hielt ihre Tochter das erste Mal in den Armen. Das kleine rosafarbene Geschöpf schrie laut, aber es störte Hermine nicht. Wahrscheinlich müsste sie sich in nächster Zeit noch öfter dieses Geräusch von ihrer Tochter anhören.
»Ruhen sie sich aus Misses Weasley-Granger«, meinte die Heilerin, während sie Rose vorsichtig ihrer Mutter abnahm und sie in eine Decke wickelte.
»Wo ist mein Mann?«, fragte Hermine, die wirklich ziemlich erschöpft war. Eigentlich hatte sie gedacht sofort einzuschlafen, nachdem sie Rose das erste Mal halten würde. Doch Ron war während der Geburt ohnmächtig geworden und jetzt machte sie sich sorgen um ihn.
»Es geht ihm gut keine Sorge. Wenn sie wieder aufwachen, ist ihre Familie bei ihnen«, meinte die Heilerin und Hermine vertraute ihr so weit, dass ihre Augen müde zufielen und sie sofort einschlief.

Als sie das nächste Mal aufwachte, fühlte Hermine sich wie gerädert.
»Hey Schatz«, begrüßte Ron sie sofort und drückte ihr einen Kuss auf die Haare.
»Den Stärkungstrank sollst du trinken«, meinte er und hielt ihr eine Phiole hin.
»Danke«, murmelte Hermine und kippte die Flüssigkeit auf Ex. Sofort fühlte sie sich etwas besser. Ihr Blick glitt zu Ron, der Rose auf den Arm hatte. Sie war gewaschen worden und trug jetzt einen kleinen rosafarbenen Strampler, mit vielen Rosen darauf. Sofort grinste Hermine breit.
»Gib sie mir«, forderte sie Ron auf und streckte ihre Arme nach ihrer Tochter aus.
»Sie ist wunderschön«, flüsterte Ron und Hermine konnte ihm nur recht geben.
Gerade als Hermine Rose in ihre Arme nahm, öffneten sich ihre blauen Augen und sie lachte Hermine an.
Hermine spürte, wie ihre Augen feucht wurden vor Freude. Dies war die beste Magie der Welt.
Hermine liebte Rose seit dem ersten Augenblick, und wenn sie jetzt in die Augen ihrer Tochter schaute, bereute sie nichts.

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Kapitel:29
Sätze:2.984
Wörter:41.559
Zeichen:244.899

Kurzbeschreibung

Im siebten Schuljahr stellt der Unterrichtsstoff für Hermine teilweise keine Herausforderung mehr da. Professor Slughorn gibt ihr daraufhin eine extra Aufgabe, die nicht ganz ohne Hintergedanken war. Als sie es schließlich schafft, muss Hermine mit entsetzten ansehen, was der Professor wirklich vorhatte. In ihrem Versuch, alles zu retten, macht sie allerdings alles schlimmer und schließlich passiert das Unmögliche. Sie und Blaise Zabini tauschen ihre Körper. Gefangen in dem Körper des besten Freundes von Draco Malfoy muss sich Hermine mit allen möglichen Problemen herumschlagen. Allen voran, den Rücktausch zu organisieren, der sich als sehr schwierig herausstellt als zunächst gedacht.