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Elrond Peredhel - Leben und Werk

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23.7.2017 18:27
12 Ab 12 Jahren
In Arbeit

10 Charaktere

Elrond

Auch wenn Elronds leibliche Eltern niemand geringeres als Earendil und Elwing sind, wuchs Elrond zusammen mit seinem Zwillingsbruder Elros im Ersten Zeitalter bei Maglor in Ossiriand auf. Nach dem Untergang Beleriands schloss er sich Gil-galad an und wurde dessen Herold. Seit Imaldris im Zweiten Zeitalter gegründet wurde, ist er der Herr von Bruchtal.

Ceomon

Er ist ein alter Noldo, welcher noch das Licht der zwei Bäume erblickt hatte (und dessen Name zugegebener maßen absolut unelbisch, da nicht einmal Noldosindarin ist). Er diente seit jeher treu den Feanorern, insbesondere Maglor, wofür er nach der Rebellion seines Herrn und dessen Familie von seiner eigenen Verwandschaft verstoßen wurde. Nachdem auch Maglor verloren ging, gab er seine Dienste an Elrond weiter, welchen er seit dessen Kindheit kannte.

Elros Tar-Minyatur

Elros Tar-Minyatur ist der Zwillingsbruder Elronds und der Sohn Earendils und Elwings. Die Brüder wuchsen jedoch in der Obhut ihres Adoptivvaters Maglor in Ossiriand auf. Elros entschied sich für ein Leben als Mensch und gründete das Königreich von Númenor. Sein Krönungsname bedeutet Erstherrscher.

Maglor Makalaure

Der zweite von sieben Söhnen Feanors ist Maglor. Er ist unter anderem als einer der mächtigsten Sänger Mittelerdes und als Verfasser der Noldolante bekannt. Zusammen mit seinem älteren Bruder Maedhros überlebte er als letzter der Feanorer auch den dritten Sippenmord von Arvernien, wo er Elrond und Elros adoptierte. Nachdem er seinen silmaril ins Meer warf, ist sein Schicksal unbekannt.

Maedhros Maitimo

Auch Russandol genannt. Er ist der älteste Sohn Feanors und nach dem Tod ihres Vaters der Anführer der Feanorer Er gerät in Morgoths Gefangenschaft, wird jedoch von Fingon befreit und verliert dabei seine rechte Hand. Hernach brennt sein Hass auf den Schwarzen Feind heißer denn je. Er findet am Ende des Ersten Zeitalters den Tod durch einen Sprung in eine Feuerspalte.

Ereinion Gil-galad

Ereinion Gil-galad war der letzte Hohe König der Noldor. Nach dem Untergang Beleriands war sein Reich in Lindon, das eines der letzten großen und einflussreichen Elbenreiche des Westens war. Er führte mit Elendil den Krieg des Letzten Bundes an und starb 3441 ZZ im Kampf gegen Sauron. Mit ihm endete das Geschlecht der Hohen Könige der Noldor.

Aragorn

Aragorn ist Isildurs Erbe. Aufgewachsen in Bruchtal wusste er lange nichts davon, doch seit seinem zwanzigsten Lebensjahr strebt er nach dem Thron Gondors, der rechtmäßig ihm zusteht. Zudem ging er mit Arwen, der Tochter Elronds, einen Bund ein.

Arwen Undómiel

Arwen Undómiel ist die Tochter Elronds und Celebríans und wird als Abendstern ihres Volkes bezeichnet. In ihr ist die Schönheit ihrer Vorfahrin Lúthien Tinúviel wiedergekehrt. Sie verliebte sich in den Sterblichen Aragorn und kämpfte lange Jahre darum, ihn ehelichen zu dürfen. Ihr Vater willigte schließlich ein, als Aragorn die Krone Gondors erstritt.

Elladan

Elladan ist der Sohn Elronds und Zwillingsbruder Elrohirs. Nachdem ihre Mutter Celebrían von Orks geschändet wurde, schworen sie blutige Rache und kämpfen seither seit vielen Jahren mit den Dúnedain zusammen. Sie beide waren Teil der Grauen Schar.

Elrohir

Elrohir ist der Sohn Elronds und Zwillingsbruder Elladans. Nachdem ihre Mutter Celebrían von Orks geschändet wurde, schworen sie blutige Rache und kämpfen seither seit vielen Jahren mit den Dúnedain zusammen. Sie beide waren Teil der Grauen Schar.
Dieses Werk hat auch wie Gil-galads Biografie von Elronds Hand ein Cover bekommen. Da auch dieses Hoch- und nicht Querformat hat, packe ich es hier in die Vorbemerkung. Das Cover stammt von der talentierten Ringelotta, deren Kunst man hier auf ihrer Facebook-Seite bewundern kann.

 

Vorwort

Halbelben sind ein äußerst interessanter Volksschlag: weder Mensch noch Elb, sondern beides zusammen. Mir ist die Gelegenheit gegeben worden, jene Halbelbenzwillinge von Kindheit an aufwachsen zu sehen, welche heute, nach dem Ende des Ringkrieges, zu großer Berühmtheit gelangt sind.

Vielleicht sollte ich aber erst einmal etwas zu meiner Person erwähnen, damit einiges klarer wird. Mein Name ist Ceomon und ich wurde zu jener Zeit der Wanderungen der Quendi vom See Cuiviénen nach Westen geboren. Wir gehörten zu Finwes Zug, er war unser Fürst, und Zeit meines Lebens habe ich ihn und seine Familie geehrt. Schon früh war mir klar, dass ich ihm dienen wolle, also trat ich in den Dienst seiner Familie ein. Bis heute hat sich daran nichts geändert, denn es war meine Leidenschaft und mein Lebensziel. Bald bat König Finwe mich in den persönlichen Dienst seines Enkelsohnes cundu Maglor, und ich wurde sein Kammerdiener.

Es leuchtet wohl ein und muss nicht besonders betont werden, dass man mit dieser Familie so einiges erlebt. Dennoch hielt ich stets zu meinem Dienstherren – bis zum Ende und aller Konsequenzen zum Trotz. Ebenso ist bekannt, dass Herr Maglor nach dem Sippenmord von Arvernien sich der Herren Elrond und Elros erbarmte, jener Säuglinge, die sonst zum Sterben in der Wildnis ausgesetzt worden wären, und sie lieben lernte wie seine eigenen Söhne. Selbst von seinen eigenen Leuten hatte er viel Unverständnis zu ertragen, sie kannten ihn eben nicht so wie ich.

Die Herren Elrond und Elros gehörten damit freilich zur Familie des Herrn Maglor und damit zur Familie, der ich diene. Nachdem Herr Maglor bis heute spurlos verschwand, war es mir eine Selbstverständlichkeit, mich in den Dienst der Herren Elrond und Elros zu stellen.

Mittlerweile ist mir Herr Elrond schon seit langer Zeit ein sehr guter Freund, der beste, den man sich nur wünschen kann. So ist es mir vor allem ein persönliches Anliegen, jenen Elb mit diesem Buch für die Nachwelt zu verewigen.1 Nun neigt sich das Dritte Zeitalter dieser Welt dem Ende entgegen, Herr Elrond wird schon bald mit den anderen Ringträgern diese Gestade verlassen. Was bleibt dann noch? Jetzt, wo die Macht Vilyas wie auch die Nenyas und Naryas verblasst ist, wird selbst Imladris seinen Zauber verlieren. Die Elben schwinden, das Zeitalter der Menschen ist angebrochen. Menschen sind kurzlebig und vergessen schnell, vielleicht kann ich mit diesem Buch wenigstens für eine kurze Zeit das Werk meines Herrn festhalten. Estel, ich meine, König Elessar wird seine Bedeutung kennen.


1Natürlich hat er Protest eingelegt und gesagt, ich solle das gefälligst lassen, aber so ist er nun einmal. Manchmal muss man ihn eben zu seinem Glück zwingen. Unsere Abmachung war, dass er jedes Kapitel einzeln absegnet, von Fußnoten dieser Art muss er dennoch nicht unbedingt etwas wissen.

Längst vergessene Jahre

Elrond und Elros (denn der eine ist nicht ohne den anderen zu denken) haben eine recht spezielle Kindheit genossen. Interessanter Weise besitzen sie beide keinerlei nennenswerte Erinnerungen an ihre leiblichen Eltern, tatsächlich haben sie im Laufe der Zeit eine gewisse Abneigung gegen Elwing und vor allem Earendil entwickelt. Sie selbst konnte ich daher nie zu ihrer frühesten Kindheit befragen, hauptsächlich stütze ich mich hier auf Berichte König Gil-galads, der in jener Zeit gelegentlich Arvernien besuchte.

Schon allein wegen ihrer höchst interessanten Abstammung von großen Fürsten der Edain (namentlich zu nennen sind in erster Linien Tuor und Beren), den verschiedensten Geschlechtern der Eldar und nicht zuletzt der Maiar höchstselbst2 war ihre Geburt am 26. coire des Jahres 525 des Ersten Zeitalters ein höchst freudig erwartetes Ereignis. Eigens dafür hatte Earendil eine seiner vielen Reisen auf der Suche nach Aman verschoben, um bei seiner Frau sein zu können, was in etwa damit zu vergleichen ist, Herrn Elrond von seinen geliebten Büchern zu trennen. Ja, es ist so, mein Herr, also schreibe ich es auch auf!

Elwing liebte ihre Söhne sehr3 und sie brauchte lange, um ihnen ihre Namen zu geben, Als sie es doch tat, denke ich, überkam sie ein Anflug mütterlicher Voraussicht, denn die Namen der Zwillinge beziehen sich offensichtlich auf jene Orte, an denen sie Herr Maglor später finden sollte. Heute weiß im Übrigen keiner mehr, wer von beiden um wie viele Minuten älter ist, es hat für die Zwillinge auch nie eine Rolle gespielt.

Jener 26. coire war ein Freudentag durch und durch. Es wurde gefeiert und gelacht, immerhin war dieser eine Tag ein Lichtblick in jenen dunklen Zeiten, in denen Morgoth über beinahe ganz Beleriand Macht erlangt hatte. Wahrscheinlich war es aber für Elwing die größte Freude an diesem Tag, dass Earendil versprach, nun für längere Zeit daheim zu bleiben. Selbst der Hohe König Gil-galad hatte angekündigt, sobald als möglich nach Arvernien zu segeln, um die Zwillinge auf dieser Welt zu begrüßen. Für eine kurze Zeit schien alles gut, auch wenn Morgoths Schatten immer größer und dunkler wurden.

Earendil konnte sein Versprechen, nun für eine Weile daheim zu bleiben, kein Jahr lang durchhalten. Schon bald nahm er von neuem seine Suche wieder auf und oft blieb Elwing für lange Zeit allein daheim bei ihren Söhnen. Manchmal erzählte mir Elrond, dass er bruchstückhafte und äußerst verschwommene Erinnerungen an jene Zeit hatte und eine nicht näher erkennbare Elbin sah, von der er vermutete, dass sie Elwing sei (er nannte sie nie Mutter und tut es auch heute noch nicht und wird es wohl auch nie tun). Dass Earendil dabei keinerlei Rolle spielte, sagt wohl alles. Selbst wenn es nicht zum Sippenmord gekommen wäre, wären diese Familienverhältnisse wohl eher schwierig.

Und ja, und doch liebten Earendil und Elwing ihre Söhne. Auf ihre Weise.

Natürlich weiß man nicht, wie sich all das entwickelt hätte, wären Herr Maglor und Herr Maedhros nie in Arvernien eingefallen. Ich kann nur mutmaßen und behaupten, dass Earendil auch dann seinen Söhnen nicht allzu sehr ans Herz gewachsen wäre, die Zeit wäre dafür einfach zu kurz gewesen und die Zwillinge zu jung. Ganz davon abgesehen, dass Earendil von der wenigen Zeit auch noch einen Großteil auf der Suche nach einem Weg in den Westen auf See verbrachte. Elwing hingegen gab sich wirklich Mühe, ihren Söhnen eine gute Mutter zu sein, die immer für sie da sein wollte. Ironischer Weise hatten die Zwillinge dennoch nie das Gefühl kennen gelernt, eine Mutter zu haben, als Herr Maglor sie fand, waren sie ja noch so jung.

Vielleicht mag sich der eine oder andere über meine Wortwahl wundern, doch Halbelben sind, was das Wachstum angeht, weder mit Elben noch mit Menschen zu vergleichen. Ihr Heranwachsen ist noch langsamer als selbst das der Menschen, sodass sie auch mit sechs Jahren noch Säuglinge waren, die gerade einmal krabbeln konnten und lediglich nana und ada brabbelten.

Gil-galad hielt natürlich sein Versprechen, persönlich die Zwillinge auf dieser Welt zu begrüßen, auch wenn er etwas länger dafür brauchte. Der König, der ja selbst im Exil lebte, hatte sehr viel zu organisieren und zu überschauen, sodass ein rein freundschaftlicher Besuch in Arvernien nur sehr weit hinten anstehen konnte. Dennoch schaffte er es schließlich, sich ein paar Tage frei zu nehmen. Zu dem Zeitpunkt hatte Elwing ihren Söhnen noch keine Namen gegeben. Viele Jahre später zog er Elrond immer wieder damit auf, dass er ihn schon als Säugling auf den Armen gehalten hatte, obwohl er natürlich nicht genau wissen konnte, ob dies auch wirklich stimmte. Es hätte ja genauso gut Elros sein können. Zudem sah Gil-galad die Zwillinge erst nach dem Untergang Beleriands wieder. Wie dem auch sei, dies war jedenfalls Gil-galads Lieblingsspaß, um Elrond dazu zu bringen, das zu tun, was er von ihm wollte. Ein zugegebener Maßen gemeines Druckmittel, aber so waren die beiden eben zueinander, der eine wie der andere.

Elwing hat es wohl sicher oft darüber hinweggetröstet, dass Earendil wieder einmal fort war, wenn sie bei ihren Söhnen sein konnte. Und doch warfen Ereignisse ihre Schatten voraus, die ihre Wurzeln weit in der Vergangenheit vergraben hatten. Natürlich hatten mein Herr und seine Brüder schon lange gewusst, dass Berens Silmaril in Arvernien bei Elwing war und sich wohl darauf vorbereitet, ihn wiederzuerlangen. Sie ahnten, dass Elwing ihn nicht freiwillig hergeben würde und zogen heimlich mit einem Heer aus, um den Silmaril notfalls auch mit Waffengewalt zurückzuerobern. Sie taten gut daran. Als sie Elwing eine Botschaft zukommen ließen, lehnte sie freilich ab; ihre Gründe kann ich bis heute nicht verstehen. Das Heer stand schon vor den Mauern der Stadt, die Bewohner hätten ihm niemals widerstehen können. Elwing musste gewusst haben, dass meine Herren nicht zögern würden, die Waffen gegen sie zu erheben. Und doch enthielt sie ihnen den Silmaril, der von Rechts wegen den Feanorern zustand.

Earendil war zu diesem Zeitpunkt wieder einmal auf hoher See unterwegs und auch Gil-galad erhielt zu spät Kunde von den sich in Arvernien überschlagenen Ereignissen, um noch eingreifen zu können. Von dem Sippenmord will ich hier nichts schreiben, es ist allgemein bekannt, was in jener schicksalhaften Nacht des 22. quelle des Jahres 538 in Arvernien geschah. Vielleicht war all das Schicksal? Wer weiß das schon. Ich vermute, dass Elwing in dem Moment, als ihr Haus gestürmt wurde, ihre Söhne für verloren sah und allein mit dem Silmaril floh, um schließlich verfolgt von Herrn Maedhros mitsamt ihrem Schatz in die Fluten zu springen. Vielleicht war es nur so möglich, dass sie ihrer Heimat so endgültig den Rücken zudrehen konnte, um mit dem Silmaril, der nun seit so vielen Jahrtausenden am Himmel scheint, zu Earendil zu gelangen. Man weiß es nicht, es ist nur eine Mutmaßung meinerseits.

Die Stadt wurde bis auf die Grundmauern niedergebrannt und in Schutt und Asche gelebt. Elrond und Elros wurden ergriffen und in der Wildnis ausgesetzt, damit sie dort verhungern oder von wilden Tieren getötet werden. Nach der Schlacht jedoch fand Maglor die Amme der Kinder, die sich in der Nähe der Kinder versteckt gehalten hatte, um sie bei der erstbesten Gelegenheit zu retten, und man brachte sie vor meinen Herren. Von ihr erfuhr er, wo die Zwillinge waren. Tragischer Weise war dies auch die Stunde, in der Amrod und Amras den Tod fanden, was Feanors zwei älteste Söhne sehr traf und sie endgültig am Boden zerstörte.

Herr Maglor handelte in den Augen vieler in diesem Moment widersprüchlich, als er die Zwillinge suchen ging. Seine eigenen Brüder, welche ebenso Zwillinge gewesen waren, waren soeben getötet worden, und nun wollte er die Kinder seines Feindes Earendil suchen und vor dem Tod in der Wildnis retten. Er fand sie, Elros an einem See spielend und Elrond in einer kleinen Höhle hinter dem Wasserfall, der in den See fiel. Herr Maedhros verlange zunächst, sie zu töten, doch schließlich erlaubte er es seinem Bruder, die Zwillinge auf seine eigene Verantwortung bei sich aufzunehmen.

Natürlich war ich damals zugegen, ich wich niemals von Herrn Maglors Seite. Es waren sehr bewegende Momente, denn es rührte mich sehr an, das Erbarmen meines Herren zu sehen, welches er für diese kleinen wehrlosen Kinder empfand. Er hatte schon ganz Recht, als er damals sagte, dass sie ja nichts für ihre Eltern könnten, dass sie noch völlig unbeschriebene Blätter seien. Herr Maglor kannte noch zahlreiche andere Gründer, die Zwillinge unter seine Obhut zu nehmen. Einer davon war, der Welt zu zeigen, dass sein Bruder und er ganz und gar nicht jene herzlosen Monster waren, für die sie selbst heute noch so viele halten. Hauptsächlich tat er es also auch für seinen Bruder, um sein Ansehen in der Welt wieder in ein besseres Licht zu rücken, auch wenn dieser für die Zwillinge in den ersten Jahren nichts als Hass empfinden konnte.

Viele erstaunt es, dass Maglor die Zwillinge wie seine eigenen Söhne liebte und sie ihn liebten wie ihren leiblichen Vater, der ihnen nie mehr als nur ein Name für eine völlig fremde Person war. Dies erstaunt wiederum mich, denn ist es nicht einleuchtend, dass ein Kinder immer die zu lieben lernt, die gut zu ihm selbst sind? Es müssen doch nicht die leiblichen Eltern sein. Vor allem dann nicht, wenn man diese niemals kennen gelernt hat.

So kamen also Elrond und Elros nach Ossiriand in das Herrenhaus auf dem Amon Ereb und für eine kleine Weile kehrte Friede ein in die Herzen der beiden letzten Feanorer.


2An dieser Stelle legte Herr Elrond lauthals Protest ein, warum dies immer und immer wieder betont werden müsse.

3Mein Herr zwingt mich zu erwähnen, dass sie ihn und seinen Bruder am Ende doch für einen Stein zurückließ.

Der Kampf um die Anerkennung

Natürlich hatte Herr Maglor von Beginn an nichts Anderes erwartet, als dass ihm von allen Seiten Ablehnung gegenüber seiner Entscheidung, den Zwillingen Obhut zu geben, entgegengebracht wurde. Ich erinnere mich noch, als sei es gestern gewesen, wie er damals mit den Zwillingen auf den Armen wieder in das Lager kam, ich an seiner Seite. Ein Elb aus seinem Hausvolk trat ihm in den Weg und zeigte sich besonders aufgebracht über die Kinder. Ich hatte ihn zurück auf seinen Platz verwiesen und ab da auf dem ganzen Weg zu Herrn Maglors Zelt die Hand an meinem Schwert belassen. Ja, es würde schwer werden, selbst dem Hausvolk meines Herrn zu zeigen, dass es eine gute Entscheidung war.

Es brachten damals nur wenige dasselbe Verständnis auf wie ich, die meisten verstanden Herrn Maglors Entscheidung nicht oder wollten sie nicht verstehen. Die Zwillinge waren die Söhne seines erklärten Feindes Earendil. Warum bloß holte er den Feind ins Haus? So fragte sich das Hausvolk auf dem Amon Ereb. Natürlich trauten sich nur wenige, offen gegen Herrn Maglor vorzugehen; er war immer noch ihr Fürst und Prinz und als Sohn Feanors nicht zu unterschätzen. Dennoch war die Spannung spürbar, fast zum Greifen.

Herrn Maglor war von Anfang an bewusst gewesen, dass er von den Grünelben noch weniger Akzeptanz zu erwarten hatte als von seinen eigenen Leuten. Mörder nannten sie ihn zum immer wiederholten Male und nun auch Kindsentführer, Schänder, und noch vieles mehr riefen sie ihn. Ich bewundere meinen Herren dafür, dass er all das scheinbar eiskalt an sich abblitzen ließ. Er lächelte all jene einfach nur ungerührt an und sagte ihnen nicht selten offen ins Gesicht, dass er vielleicht ein Mörder sein mochte, aber doch niemals ein Kindsentführer. Solch eine enorme Selbstsicherheit kann wohl nur einem Sohn Feanors zu Eigen sein.

Die einzige Probe seines Durchsetzungsvermögens war vielleicht sein eigener Bruder. Es war nicht zu leugnen und Herr Maedhros hatte es auch nie getan: Er hatte die Kinder von Anfang an gehasst. Es hatte Maglor vom ersten Tag an sehr viel Überredungskunst gekostet, seinen Bruder davon zu überzeugen, die Kinder auf dem Amon Ereb aufzunehmen; Herr Maedhros war noch immer das Oberhaupt ihres Hauses, da konnte Maglor insbesondere bei solch einer Entscheidung nicht über den Kopf seines Bruders hinweg entscheiden ohne seinen Zorn heraufzubeschwören.

Ich erinnere mich noch, wie Herr Maedhros in der ersten Zeit oftmals wütend durch das ganze Haus schrie, Herr Maglor solle die verdammten Bastarde endlich zum Schweigen bringen, denn wie es kleine Kinder nun einmal gern tun, schrien diese zu allen möglichen Anlässen, wenn ihnen etwas nicht passte. Meist war es Hunger oder Unwohlsein, das sie plagte, manchmal, insbesondere in den ersten Wochen, auch Kälte. Wir hatten alle keinerlei Erfahrung mit Halbelben, jeder besaß nur Halbwissen und Gerüchte über sie. So passierte es zunächst noch oft, dass Herr Maglor ihre körperlichen Fähigkeiten überschätzte, worauf sie ihr Missfallen sehr stimmkräftig kundtaten. Herr Maedhros störte sich sehr daran, und ich muss zugeben, dass ich froh war, dass sein Zorn sich in diesen Augenblicken auf seinen Bruder und nicht auf mich richtete; in seinem Zorn war Feanors Ältester noch nie zu unterschätzen gewesen.

Doch Herr Maglor und Herr Maedhros wären keine Brüder, wüssten sie nicht, wie man mit den Eigenheiten des Anderes umzugehen hatte. Für einen Außenstehenden grenzte es nicht selten an ein Wunder (selbst für mich und Rethtulu schien es manchmal so), wie die beiden so schwierigen Charaktere so locker miteinander umgehen konnten. So hielt Maglor den Wutausbrüchen seines Bruders über die Zwillinge stets mit bewundernswerter Gelassenheit stand, ganz ähnlich eines Felsens in der Brandung. Er lächelte einfach nur und sagte nichts. Und schließlich ebbte Maedhros‘ Zorn ab, brach sich wie die Wellen an den Felsen in der Brandung. Jeder andere außer Maglor hätte niemals den Mut dazu aufbringen können, doch allein so konnte man Herrn Maedhros wirkungsvoll den Wind aus den Segeln nehmen. Es hatte immerhin zum Ziel geführt: Irgendwann einmal ignorierte Herr Maedhros die Kinder so gut es eben ging. Dies war nicht schwer, denn wie alle kleinen Kinder schliefen auch diese die meiste Zeit, wenn sie nicht gerade Hunger oder sonstige Wehwehchen hatten.

Schließlich entdeckte Herr Maedhros, dass dadurch, dass Herr Maglor nun einen Großteil seiner Zeit für die Kleinen, wie er sie immer liebevoll nannte, opferte, sehr viel Arbeit liegenblieb. Herr Maedhros nahm sich dieser an und ertränkte sich förmlich in ihr. Manch einer würde in seiner Verzweiflung zum Alkohol greifen, Herr Maedhros wählte allerdings diesen Weg. Das war tatsächlich, so seltsam es klingen mag, der Wendepunkt in seiner Beziehung zu den Kleinen. Als einige Jahre später der kleine Elros mit einem Stück Kuchen zu Herrn Maglor getapst kam und voller Stolz und mit noch vollerem Mund verkündete, Herr Maedhros habe ihm und seinem Bruder den Kuchen geben, da wusste Maglor, dass die Kleinen nun endgültig einen Platz in Herrn Maedhros‘ Herzen gefunden hatten. Direkt darauf hatte der kleine Elros wütend und bockig mit dem Fuß aufstampfend geschimpft, dass Elrond ja gar nichts von seinem Stück abgegeben habe und er das furchtbar gemein fände.4

So war nun einmal Herr Maedhros‘ Art, seine Zuneigung kund zu tun: Er verteilte kleine Aufmerksamkeiten, meist von ihm mit Zuckerguss verzierte Törtchen; darin war er ein wahrer Meister, er verstand es wie kaum ein anderer, den Pinsel auf Kuchen oder eben auch Leinwand zu schwingen. Damit war Elros‘ Kuchen für Herrn Maglor das Zeichen, dass nun auch endlich Herr Maedhros die Kleinen akzeptieren konnte. Er hatte sie aufgrund der zahlreichen Verluste seiner Vergangenheit nie so lieben können wie Herr Maglor, der die Kleinen als seine Söhne, sein eigen Fleisch und Blut, ansah, so doch aber wie ein Onkel seine Neffen.

In dieser Zeit hatten sich auch die meisten anderen aus dem Hausvolk und auch unter den Sindar mit der veränderten Situation abgefunden. Die Zwillinge wurden nun allgemein akzeptiert, geschätzt und geliebt für das Kinderlachen und die Fröhlichkeit, die sie nach Ossiriand brachten. Nur noch einige wenige verachteten sie für ihre Herkunft und ihre Natur als Halbelben, und das mit einer erstaunlichen Hartnäckigkeit, will angemerkt sein. Einer dieser Elben war Felaroth. Niemand von uns konnte ihn wirklich leiden, er war ein verbitterter, zynischer Elb. Und leider der beste Heiler, der dieser Tage und in dieser Gegend zu finden war. Allein deswegen hatte ihn Herr Maedhros so lange noch im Haus geduldet, damit er sich um die Kleinen kümmern konnte, sollten diese einmal wieder krank sein, obgleich Felaroth den Kindern immer wieder nachstellte und ihnen allerlei versteckte Gemeinheiten vorwarf, die sie oftmals nicht einmal verstanden, da sie einfach noch zu jung dafür waren.

Die Kleinen ließen sich von all diesen Hürden und der langen Zeit, die es brauchte, damit sie endlich von der Großzahl akzeptiert wurden, ebenso wenig beirren wie Herr Maglor, ihr „Onkel“, wie sie ihn und Herrn Maedhros immer nannten. Herr Maglor hatte dies so gewünscht, da die Kleinen ihn vor allem zu Beginn immer wieder „Vater“ genannt hatten, und ihm das äußerst unangenehm war. Die Kinder hatten es zwar nicht verstanden, warum Herr Maglor dies so wünschte, kamen dem aber nach. Schlussendlich war er dennoch ihrer Vater, Maglor war sich dessen bewusst, ebenso wie er sich bewusst war, dass er dagegen nichts unternehmen konnte und auch insgeheim nicht wollte. Das war er nun einmal für seine Kleinen geworden: ihr Vater.


4Und das ist der Punkt, an dem Herr Elrond dieses Manuskript endgültig seinem Kamin überantworten wollte. Ich konnte es gerade noch vor den Flammen retten. Er fände es ja schon äußerst fragwürdig, wenn über seine eigenen Kindheitserlebnisse geschrieben würde (er hatte schon an einigen Stellen zuvor scharfe Kritiken und Zensuranliegen vorgebracht, die ich aber geflissentlich ignoriere), dass nun auch sein Bruder eingebunden würde, fände er ganz und gar nicht gut, so sagte er mir. Aber wie es nun einmal ist: Keiner von beiden ist ohne den anderen zu denken, also gehört auch das hier hinein, da kann Herr Elrond reden, wie er will.

Kindheitserinnerungen

Herr Maglor war bestrebt, seinen Kleinen eine möglichst unbeschwerte Kindheit zu ermöglichen. Er wusste, welche Übel in der Welt lauern konnten, und wollte nicht, dass die Kinder jemals mit ihnen in Berührung kommen mussten. Ossiriand war bereits durch die Laiquendi gut bewacht, doch nun verstärkte Herr Maglor auch die noldorischen Wachen an den Grenzen ihres eigenen Gebietes. Auf lange Zeit kam kein Ork mehr auch nur ansatzweise in die Nähe des Herrenhauses auf dem Amon Ereb.

Herr Maglor wendete sehr viel Zeit für seine Kinder auf und beschäftigte sich ausgiebig mit ihnen. Er wollte ihnen um jeden Preis ein guter Vater sein. Sie spielten oft stundenlang im Wald und unternahmen viele Ausflüge in das umliegende Land, wenn auch nur äußerst selten zu den Grünelben.

Als die Kinder alt genug waren, schnitze er ihnen zwei kleine Harfen und brachte ihnen das Musizieren bei. Schon immer hatte er ihnen fast jeden Abend Lieder zum Einschlafen vorgesungen, und so waren sie nun Feuer und Flamme, diese hohe Kunst ebenfalls zu erlernen. Herr Elrond hatte später immer behauptet, sein Bruder sei wesentlich talentierter mit der Musik als er, aber das stimmt nicht. Sie beide waren und sind wundervolle Sänger und Harfenisten.5

Die Musik war hernach immer Elronds und Elros‘ Mittel, ihre Traurigkeit zu überwinden und ihre Harfen waren und sind ihre wertvollsten Besitztümer. Während Elros kein Problem damit hatte, auch vor Freunden zu spielen, übte Elrond seine Kunst lieber ganz für sich allein aus. Selbst vor Verwandten und Freunden spielt er nur selten.

Herr Maedhros hatte nie solch eine Bindung wie sein Bruder zu den Zwillingen aufgebaut, doch auch er konnte sie schließlich in sein Herz schließen, obgleich er bedeutend länger dafür brauchte. Die beiden Halbelben liebten ihn dafür jedoch nicht minder. Ganz im Gegenteil waren sie beharrlich um ihn bemüht, dass es ihm gut ginge.

Natürlich spürten auch sie schon früh, dass es Herrn Maedhros an so manchen Tagen sehr schlecht ging, auch wenn sie noch nicht wissen konnten, dass diese Tage mit den zahlreichen Verlusten in Herrn Maedhros‘ Leben in Verbindung standen. Egal, wie finster der Herr blickte, sie ließen sich im Gegenzug zu vielen anderen von uns nicht davon abschrecken und gingen zu ihm, um ihn zu trösten und um ihn zum Lachen zu bringen. Da Herr Maedhros die Angewohnheit hatte, seinen verstümmelten Arm zu reiben, wenn er bedrückt war, schlossen die Kinder, dass er wohl Schmerzen haben müsse. Also hatten sie es sich eine Weile lang auf die Fahne geschrieben, ihm zu helfen und die alte, schon längst verheilte Wunde zu pflegen. Herr Maedhros ließ es zu, da er, wie ich glaube, durchaus gerührt war von der Zuneigung, die die Kinder ihm entgegenbrachten.

Viele ihrer später so charakteristischen Eigenschaften bildeten die Kinder schon in jungen Jahren aus. Sie beide waren bestrebt, anderen zu helfen, und dachten dabei an sich selbst nie an erster Stelle; bedurften andere ihrer Hilfe, stellten sie ihre eigenen Bedürfnisse hinten an. Nur der Bruder stand ihnen über allem. Bei Elrond war und ist dieser Wesenszug besonders stark ausgeprägt. Ging es Elros nicht gut, litt er seelisch gleich noch viel mehr mit. Dies ging so weit, dass er auf der Flucht aus Beleriand sogar bereit war, das eigene Leben zu opfern, wenn es nur Elros ermöglichen würde, die Flucht zu überstehen.

Beide waren und sind sie auch sehr bescheiden, obgleich sie beide schließlich Könige und Fürsten wurden, Elros als erster König Númenors und Elrond als Herr von Imladris. Das liegt darin begründet, dass sie in relativ einfachen, beinahe bürgerlichen Verhältnissen aufwuchsen. Die Feanorer selbst hatten schon längst all ihre Reiche und damit einen Großteil ihrer Macht verloren. Sie lebten in für ihre Ansprüche schon ärmlichen Verhältnissen. Ihr Haushalt war klein, denn ihnen fehlte es vor allem an Geld; ihre Wirtschaft lief schlecht, denn sie besaßen kaum noch Ländereien. Neben Rethtulu und mir, ihren rechten Händen, waren noch ein Koch und sein Gehilfe, eine Handvoll Bedienstete, die für die Sauberkeit und Ordnung zuständig waren, ein Haushalter und ein Bibliothekar angestellt. Darüber hinaus gab es noch Felaroth, den Heiler für die Zwillinge, der jedoch schon nach einigen Jahren von Herrn Maedhros des Hauses verwiesen und vom Waldelben Gwailin ersetzt worden war, dessen Schwester Imariel in der Küche eine Anstellung fand. So waren wir also gerade einmal gute zwanzig Leute in jenem Haus, in dem früher einmal über einhundert Elben gelebt und gearbeitet hatten. Das war wohl kaum das, was man vom Haushalt zweier mächtiger und einflussreicher Prinzen der Noldor von solchem Rang und Namen erwartete, doch es war die Realität. Ihr restliches Volk war über ganz Ossiriand verstreut und hatte sich mit den Laiquendi vermischt.

Elrond und Elros kannten es von klein auf so und nicht anders. Für sie war es immer ein beinahe zu abstrakter Gedanke, ihre Onkel seien von so hohem Rang und Namen, um ihn sich vorzustellen. Sie selbst kannten also fast ein Jahrhundert lang nichts anderes als diesen Lebensstil. Es war für sie die Normalität. Die Idee, dass andere Elben ihnen ihr Essen bereiten, ihr Zimmer richten und ihnen sonst auch in den meisten Aspekten des alltäglichen Lebens helfend unter die Arme griffen, war ihnen völlig suspekt. Die Anonymität eines großen Haushaltes oder gar eines ganzen Hofstaates war ihnen lange Zeit regelrecht zuwider, hatten sie doch im Haus auf dem Amon Ereb jeden persönlich gekannt. Und noch heute wird Elrond regelmäßig wütend, wenn Rethtulu mal wieder gegen sein Chaos ankämpft und ihm sein Essen in mundgerechte Portionen vorsetzt. Vor vielen Jahren, kurz nachdem Gil-galad ihn zum Vizekönig von Eriador und zu seinem Erben ausgerufen hatte, sagte er am Abend danach zu mir, dass er genauso gut Bauer hätte werden können und er wäre ebenso zufrieden gewesen mit seinem Leben.

Trotz ihrer nicht mehr standesgemäßen Lebensweise war sich Maglor bewusst, welches Erbe seinen Kleinen als den Söhnen Earendils und Elwings beschienen werden konnte. Vielleicht konnte er ihnen nicht die Ausbildung mit privaten Haus- und Fechtlehrern zukommen lassen, wie es vielleicht in Arvernien geschehen wäre, aber dennoch waren ihm nicht die Hände gebunden. Seine Art der Bildung, die er den Zwillingen zukommen ließ, war wesentlich subtiler.

Maglor unternahm, wie bereits angesprochen, viel mit ihnen. Oft gingen sie, wenn es das Wetter zuließ, nach draußen in die wunderschöne Natur Ossiriands, wo sie stundenlang miteinander spielten. Nachdem ich ihnen dann stets eine Erfrischung gebracht hatte, nahm Maglor sie bei der Hand, führte sie umher und nannte ihnen die Namen der Pflanzen und Tiere, denen sie begegneten. Dann sollten die Kinder sie wiederholen, und wenn sie sich vieler Namen erinnerten, sang Maglor ihnen etwas vor. Diese Belohnung hatte beinahe denselben Effekt auf die Zwillinge wie die Aussicht auf Süßigkeiten: Sie hätten alles dafür getan.

Auch der bereits angesprochene Gwailin ist ein Beispiel für Herrn Maglors Art der Erziehung. Gwailin entstammte einer kleinen Siedlung der Sindar unweit des Hauses und kannte sich mit Waldkräutern aus. An jenem Tag, an dem er den Kleinen zufällig über den Weg gelaufen war, hatte Herr Maedhros Felaroth des Hauses verwiesen, da seine Gemeinheiten den Kindern gegenüber ein nicht mehr tragbares Maß angenommen hatten. Da passte es, dass plötzlich Gwailin auftauchte und auch noch etwas gegen Elronds Zahnschmerzen tun konnte, die ihn an diesem Tag geplagt hatten; Felaroth hatte dies nicht vermocht.6

Natürlich lag es nicht im beiderseitigen Interesse, dass Gwailin dauerhaft in das Haus einzog wie die anderen Bediensteten; weder die Herren noch Gwailin wollten dies. Also legte Maglor fest, dass Gwailin kommen durfte, wenn die Kinder dies wollen, oder wenn seine Kräuterkenntnisse dies erforderten. So wurden die Zwillinge schon früh an das Befehlen gewöhnt, obgleich sie rein formal darum baten, dass Gwailin kommen könne. Ihr Lebtag hielten sie es so, sie hassten allzu herrisches und herrschaftliches Auftreten. Sie beide wurden dafür später sehr von ihren Untertanen geliebt, auch wenn es leider unter den späteren Generationen der Herren Númenors in Vergessenheit geraten ist.

Herr Elrond hätte es heutzutage lieber, wenn jeder vergessen könnte, dass er „nur“ ein halber Elb ist, und hat es im Laufe vieler Jahre auch geschafft, seine körperlichen Konditionen immer mehr den von Elben anzunähern, doch geschah dies nur unter großen Anstrengungen. Halbelben sind grundverschieden von Elben und auch von Menschen, in gewisser Weise zugleich stärker und schwächer als beide Rassen. Fakt ist jedoch, dass sie fast ebenso anfällig sind für Krankheiten wie Menschen, und Maglors Kleine kränkelten besonders gern. Es gab kaum ein Jahr, wo sie beide sich nicht bestimmt vier Erkältungen einfingen und sonst noch mindestens zwei andere Krankheiten mit nach Hause brachten. Zudem Elrond besonders dann, wenn er wieder einmal wuchs, Probleme mit seiner körperlichen Verfassung bekam. Ihm schwindelte und nicht selten wurde ihm für einige Augenblicke schwarz vor Augen.

Die allermeisten, die die Zwillinge kennen gelernt hatten, sagten, dass sie sich zum Verwechseln ähnlich waren und einer kaum vom anderen zu unterscheiden war. Rein äußerlich mag das stimmen – auch wenn sie es nie so empfunden und sich immer gewundert hatten, warum man sie immer wieder verwechselte –, doch charakterlich waren sie bei allen Gemeinsamkeiten doch auch teils sehr unterschiedlich.

Elrond hatte schon immer eine größere Opferbereitschaft für andere aufgewiesen, die nicht nur seinen Bruder einschloss, wenn diesen natürlich auch im Besonderen. Er konnte andere Geschöpfe, egal, ob Elb, Mensch oder Tier, nicht leiden sehen und sah sich stets schon beinahe dazu gezwungen, ihnen zu helfen, egal, ob er nun wirklich Hilfe anbieten konnte oder nicht. Deswegen hat er eine solch große Leidenschaft für die Heilkunde entwickelt, denn sie gab ihm die Möglichkeit, für andere da sein zu können, wenn sie seiner bedurften, und freiwillig bot er jedem seine Hilfe an. Nicht umsonst wird Imladris das letzte gastliche Haus vor der Grenze zur Wildnis genannt.

Ihre Wurzeln findet diese Leidenschaft in seiner Kindheit, wie sollte es auch anders sein? Elros‘ Katze (sie beide waren schon immer sehr tierlieb gewesen, auch wenn Elros ein Herz für Katzen hatte und Elrond Hunde über alles liebt) hatte während eines Ausfluges mit Herrn Maglor einen kleinen Vogel gerissen und spielte nach Katzenmanier mit ihm, bevor sie ihn tötete. Die beiden Kinder waren über diesen Anblick fürchterlich erschrocken, worauf Herr Maglor die Katze von dem Vogel fortgescheucht hatte und auf Elronds Bitten ihm erlaubt hatte, sich um das verletzte Tier zu kümmern. Herr Maedhros hatte ein altes Medizinbuch besessen, das Elrond einige Tage zuvor heimlich stibitzt hatte, da er unbedingt hatte hineinsehen wollen. Daher besaß er schon ein wenig Grundwissen, das er unter Herrn Maglors Anleitung auch gleich anwenden konnte. Der Vogel lebte daraufhin für eine Weile im Zimmer der Kinder und wurde von ihnen Pieps genannt, denn er zwitscherte ununterbrochen.

Bei dieser Begebenheit bemerkten wir, dass Elrond anscheinend die Gabe der Voraussicht besaß; wenige Jahre später stellten wir selbiges auch bei Elros fest. Zunächst wussten wir nicht, womit wir es zu tun hatten, doch Herr Maglor hatte schließlich einige Tage später in einem der Bücher aus der Bibliothek die Bestätigung gefunden. Er schrieb daraufhin Círdan um Rat bittend an, welcher ihm einige Ratschläge zukommen ließ, wie er damit umzugehen hatte; immerhin heißt es von Círdan, dass bei niemandem sonst diese Gabe stärker ausgeprägt sei. Diese Gabe, das will nebenbei angemerkt sein, zieht sich durch Elros‘ gesamte Erblinie und findet sich auch heute noch hin und wieder in schwacher Form bei dem einen oder anderen Dúnadan. Ich hörte von König Elessar, dass sein Vetter Halbarad diese Gabe im latenter Form auch besessen hatte, denn er habe wohl gesagt, dass hinter den Pfaden der Toten, die die Graue Schar während der Fahrt der Ringgefährten beschritten hatten, sein Tod in der Schlacht warte, wie es dann auch geschah.

Schon immer war Elros von den Zwillingen der mutigere und forschere. Elrond hielt sich immer lieber im Hintergrund und spielte seine Leistungen und Errungenschaften herunter, auch schon in jungen Jahren. Hatten sie beispielsweise wieder einmal mit Herrn Maglor das Musizieren geübt und der Herr ihn für seine guten Fortschritte gelobt, schob er stets seinen Bruder vor, dass dieser doch viel besser sei. Offen gesagt ist das durchaus eine Unart, aber sie ist ihm einfach nicht auszutreiben.7

Elros hingegen war dem durchaus nicht abgeneigt, dass man auch einmal zu ihm aufsah und man seinem Ratschlag folgte. Die Zwillinge hatten erst in ihren Jugendjahren unter den Sindar einige halbwegs gleichaltrige Spielkameraden gefunden. Elros war der Anführer dieser kleinen Bande, mit der er durch die Wälder zog und allerhand Abenteuer bestand. Elrond hielt sich bei diesen Spielen stets zurück, neidete seinem Bruder aber niemals die Rolle, die dieser dabei innehatte.

Nur bei Tieren war Elrond der eindeutig Mutigere von beiden. Elros hatte in Kindertagen einmal einen Unfall mit einem der Pferde der Herren; das Fohlen einer Stute war ihm auf den Fuß getreten, worauf er gestrauchelt war. Zusätzlich zum gebrochenen Fuß hatte er sich das Bein verdreht. Seitdem hatte er Pferden nicht mehr viel abgewinnen können und hielt sich lange Zeit fern von diesen Tieren.

Nun ist natürlich die Frage berechtigt, warum die beiden erst in ihrer Jugend andere Spielkameraden gefunden hatten. Herr Maedhros und Herr Maglor lebten sehr zurückgezogen, spätestens nach Arvernien trauten sie sich kaum noch jemand anderem als ihrem eigenen Hausvolk unter die Augen und befürchteten stets, dass man sie in aller Öffentlichkeit oder noch schlimmer vor den Augen der Kleinen als die Sippenmörder beschimpfte, die sie waren. Es war tatsächlich in jener Zeit ihre größte Furcht, dass die Kleinen unter unpassenden Umständen und zu früh davon erfuhren. Herr Maedhros hatte von seinem Bruder zwar das Versprechen verlangt, dass er eines Tages den Zwillingen die Geschichte der Feanorer erzählen würde, doch noch hielt keiner von beiden diesen Tag für gekommen.

So war ihr Verhältnis zu den in Nachbarschaft lebenden Sindar zwar von gegenseitigem Dulden geprägt doch noch lange nicht von Freundschaft. Ihre Besuche bei den Grünelben waren auf das Allernotwendigste beschränkt und noch seltener nahmen sie dabei Elrond und Elros mit. Lange Zeit war daher Gwailin ihr einziger Freund, den sie außerhalb des Hauses hatten. Aufgrund dieser Freundschaft hatte Gwailin aber mit der Zeit durchaus einen kleinen Einfluss auf die Herren gewinnen können. Zwar waren diese ihm nicht sonderlich verbunden, doch sie sahen ja, wie viel er Elrond und Elros bedeutete; sie liebten seine verrückten Geschichten, die er ihnen immer dann erzählt, wenn es ihnen schlecht ging.8

So waren die Herren also stets bestrebt, das stets Bestmöglichste für die Kleinen zu erreichen. Und dazu zählte nun einmal, dass sie auch gleichaltrige Spielkameraden hatten. Zwar waren sie sich dessen bewusst, konnten sich aber lange Zeit nicht dazu überwinden, öfters zu den Sindar zu gehen. Erst Gwailin gab den entscheidenden Anstoß.

Auch einige der größten Interessengebiete der Zwillinge unterschieden sich. Elrond mochte die größte Leidenschaft für die Heilkunst entwickelt haben, Elros hingegen hegte ein tiefes Interesse für Geschichte und insbesondere für die Menschen; vielleicht lag darin ja seine spätere Wahl begründet. Immer wollte Elros von Herrn Maedhros Geschichten von Túrin und seinen Verwandten und anderen Helden der Menschen hören und fragte auch sonst nahezu jeden nach Geschichten von diesen.


5Herr Elrond verlangt, dass ich das hier streiche, aber das werde ich lieber nicht machen. Immerhin sagt es wohl alles, dass die Herrin Celebrían sich zuerst in seine Musik und dann erst in ihn selbst verliebt hatte.

6Ich soll ergänzen, dass Felaroth ein wirklich scheußlicher Elb gewesen war, der ihm wahrscheinlich aus reiner Bosheit nicht ordentlich behandelt hatte, sodass er noch immer, auch einen Tag später, Schmerzen hatte.

7Er protestiert laut, dass dies eine Lüge sei, womit er allerdings im Unrecht ist.

8Herr Elrond sagt immer, dass selbst er keine bessere Medizin für seine Kinder gefunden hat als Gwailins Geschichten, die er auch ihnen erzählt hatte, als sie noch kleiner waren. Das schließt König Elessar natürlich mit ein, und wie ich hörte, darf sich nun auch der kleine Eldarion dieser Geschichten erfreuen.

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Kapitel:4
Sätze:218
Wörter:6.427
Zeichen:37.794

Kurzbeschreibung

Halbelben sind ein äußerst interessanter Volksschlag: weder Mensch noch Elb, sondern beides zusammen. Mir ist die Gelegenheit gegeben worden, jene Halbelbenzwillinge von Kindheit an aufwachsen zu sehen, welche heute, nach dem Ende des Ringkrieges, zu großer Berühmtheit gelangt sind. Mittlerweile ist mir Herr Elrond schon seit langer Zeit ein sehr guter Freund, der beste, den man sich nur wünschen kann. So ist es mir vor allem ein persönliches Anliegen, jenen Elb mit diesem Buch für die Nachwelt zu verewigen.

Crossover

Diese Fanfiction wird neben Der Herr der Ringe auch im Fandom Das Silmarillion gelistet.
Sie wurde außerdem mit Longfiction, Gen, canon aware, Erstes Zeitalter, Zweites Zeitalter, Drittes Zeitalter, Familie, Freundschaft und Liebe getaggt.

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