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Die Kinder Gottes

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1.5.2018 21:54
12 Ab 12 Jahren
In Arbeit

3 Charaktere

Phineas

Ein Sohn von Engel und Mensch. Auch er hat das Blut von Engeln in sich und eine schwer kontrollierbare telekinesische Kraft, die aber lediglich eine kleine Kostprobe der Macht aller Götter ist. Von der Menschheit gejagt, lebt er als normaler Mensch, doch die Götter quälen ihn mit einer Bluterkrankung.

Lucia

Phineas' jüngere Schwester. Die Götter bestraften sie mit einer Querschnittslähmung halsabwärts. Doch ihre Heilkräfte kann sie immer noch frei benutzen - nur nicht an sich selbst.

Großvater Nosk

Der Großvater von Phineas und Lucia. Nur ein normaler alter Mann. Er versteckt seine Enkel unter seiner Obhut und gefährdet damit sich selbst.

"Mist..." Das war das Einzige, was Phineas sich noch dachte, bevor er langsam und unauffällig vom Tatort davon schlich. "Da ist er! Tötet ihn!!", brüllte einer der vielen Passanten in der Fußgängerzone und deutete auf den flüchtigen Blonden. "Mist!!" Schon schaltete er ein paar Gänge höher und sprintete regelrecht über die nassen Pflastersteine. Der starke Regen machte den Boden rutschig und seine Flucht um einiges schwerer. Sein grauer Pullover und seine Jeans waren schon mit Wasser vollgesaugt und die blonden Haare wurde zu einem matschigen braun.

Hinter ihm auf dem Marktplatz war eine einzige Verwüstung, wie nach einer Explosion. Einige verletzte Menschen lagen stöhnend auf dem Boden und wurden von Ersthelfern so gut wie möglich versorgt, Auto- und Schaufensterscheiben waren in einem großen Umkreis zerbrochen und einige, genauer gesagt zwei Personen verfolgten schreiend den vermeintlichen Verursacher dieser Katastrophe.

"Heyy!! Dich stinkenden Engel werden wir noch kriegen und abmurksen! Bleib' stehen!!" Mit seinen fünfzehn Jahren hätte er die beiden Verfolger ohne Probleme abgeschüttelt, doch dank seiner Krankheit wurde ihm schon nach wenigen Sekunden schwindlig und sein Aten wurde unregelmäßig und schwach. Sein Tempo verringerte sich bis zum langsamen Schritttempo. "Verdammte Bluterkrankung... verdammte Polycy-...dings!" Phineas verfluchte seinen Körper.

"Haben wir dich!!" Eines der beiden wütenden Personen, die Phineas hinterher liefen, war offensichtlich ein Obdachloser. Zerrupfte Kleidung und eine leere Bierflasche in der Hand, mit dem der alte dreckige Mann gerade den 15-Jährigen erschlagen wollte. Er wich einen Schritt zurück. "Nicht in Panik geraten...", flüsterte Phineas und atmete schnell und kurz. "Lass dich zusammenschlagen. Wehr dich nicht. Schütze dich nicht." Leider brachte das nichts, denn der menschliche Schutzinstinkt ließ den am Boden knienden die Hände schützend nach oben werfen. "Was ist j-...?!"

Es geschah noch mal das Identische wie eben vor wenigen Sekunden. Um Phineas herum begannen die Regentropfen immer langsamer zu fallen, bis sie seelenruhig in der Luft schwebten. Auch die beiden Verfolger und weitere Schaulustige verloren ihren Kontakt zum Boden. Kurz darauf schrillen die Alarmanlagen der unmittelbar um Phineas stehenden Autos los und begannen ebenfalls wie große Helium Luftballons still und leise zu schweben. "Hey! Du Monster! Du Hexer! Mörder!! Lass uns sofort runter!!"

"Mist!!" Auch wenn er locker lassen wollte, aber diese telekinesische Macke konnte er kein bisschen kontrollieren. Sie war lediglich ein Schutzinstinkt. "..." Er musste sich beruhigen, doch es war genau der Gegenteil der Fall. Phineas' Hände zitterten. So fingen auch die Wassertropfen immer unkontrollierter zu beben an und auch die Fenster der knapp ein Meter über dem Boden wackelnden Autos explodierten quasi fasst, weil sich das Blech der Vehikel wie Papier zusammen knäulte. Alles wie durch Geisterhand.

Hinter Phineas fingen einige Personen schmerzerfüllt das Schreien an. Er kannte das Szenario. Sein Großvater hat ihn schon so oft davor gewarnt und trotzdem geschieht ihm das regelmäßig. Er kauerte sich auf den nassen Boden und versteckte sein Gesicht, damit er das gerade Geschehende nicht mit ansehen muss. Phineas' telekinesische Kraft droht die Mitmenschen zu zerbrechen und zu zerquetschen. Die Schreie wurden lauter und ihre Körper krachten und zerrten.

"Aufhören!!!", brüllte Phineas, gefolgt vom Lärm der herunterfallenden Autos und Menschen. Auch der Regen begann wieder wie üblig auf den steinernden Boden zu fallen. Er atmete trotz Seitenstechen ganz langsam durch und stellte sich wieder auf zwei Beine. "Ganz ruhig..." Die lauten Alarmanlagen der vielen zerdrückten Autos pfeiften immer noch. Von den Menschen im gerade stattgefundenen Wirkungsbereich war nichts mehr zu hören. Egal ob ohnmächtig oder tot - Phineas nahm seine Beine in die Hand und flüchtete erneut. Zum Glück diesmal ohne gejagt zu werden. Bis nach Hause waren es noch einige Wohnblöcke und seine Krankheit zwang ihm mal wieder keuchend und in Schritttempo weiterzugehen. Der starke Regen machte die Situation nicht angenehmer.

"Phineas!" Ohne Begrüßung stürzte sich schon sein Großvater auf ihn, als er endlich triefend nass zu Hause ankam und im Flur stand. "Wo hast du dich wieder herumgetrieben?! Ich warne dich! Wehe dir, du hast wieder..." Der Alte hütete seine laute, grobe Stimme und betrachtete seinen keuchenden Enkel. "Geh ins Bad, dusch dich, nimm deine Tabletten. Wir.. Ich... Wir müssen dringend reden." Ohne Widerworte befolgte Phineas den Befehl seines Vormundes und verschwand ohne einem Mucks ins Bad im Obergeschoss. Hinter ihm entstand eine Wasserspur auf dem alten Holzboden.

Oberkörperfrei betrachtete Phineas sich selber im Badezimmerspiegel. Blonde, ordentlich geschnittene und gekämmte Haare, grüne Augen und ein ausgemagerter Körper mit zwei großen vertikalen Narben auf dem Rücken, wo Engel normalerweise prachtvolle Flügel hätten. Seine Bluterkrankung, unter Fachkreisen bekannt als "Polycythaemia vera", ließ seinen Körper überdurchschnittlich viele rote Blutkörperchen bilden. Das dadurch verdickte Blut staut sich in den Blutgefäßen und macht in Form von Kopfschmerzen, Müdigkeit, Benommenheit und Kurzatmigkeit Phineas' Leben zur Hölle. Normalerweise ist das eine typische Rentner Krankheit. Doch er bekam sie schon vor zehn Jahren als fünfjähriges Kind. Er wusste, warum er so ist, wie er nun mal ist. Seine Mutter war ein Halbengel.

Damals, vor vielen tausenden Jahren, herrschte ein gigantischer Krieg auf der Welt. Die Menschen wurden hungrig nach mehr von Allem. Die Götter machten daraufhin einen großen Fehler. Sie sendeten vier Engel auf die Erde. Einer Sage nach, konnten diese mit der gewaltigen Macht des Himmels den Krieg binnen Sekunden beenden. Die Aufgabe war erledigt, doch die vier Engel verliebten sich schneller in menschliche Wesen, als es den Göttern lieb war. Es entstanden Familien mit Halbengel als Kindern. Die Allmächtigen im Himmel tobten aus Zorn, doch sie hatten in der von ihnen erschaffenen materiellen Welt keinen großen Einfluss. Sie konnten aber die Halbengel mit materiellen Unglück und Flüchen belasten. Zum Beispiel mit schweren Krankheiten. Daher auch Phineas' nicht zu erklärende Bluterkrankung, die ihm sämtliche Ausdauer, Kraft und Lebenslust beraubte. Der Halbengel konnte sein Spiegelbild nicht mehr ertragen und zog sich ein frischgewaschenes, weiß-grün gestreiftes T-Shirt an, das er eben aus dem Trockner zupfte.

"Großvater...?" Mit leisen Schritten schlich der Halbengel ins Wohnzimmer ans Esstisch zu seiner kleinen Familie. "Tut mir Leid. Ich habe Riesenmist gebaut." Der Großvater war wie immer seelenruhig und blieb auf seinem alten dunkelblauem Sessel sitzen. Trotzdem fehlten ihm die Worte, um seine Situation zu beschreiben. "Ich will nur, dass es deiner Schwester und dir gut geht. Die Welt dort draußen ist gefährlich. Halbengel wie ihr zwei seid vogelfrei und habt in der Menschenwelt weniger Würde als Dreck. Sogar die Götter über uns versuchen mit allen Mitteln, die Halbengel langsam und qualvoll aus der materiellen Welt auszuradieren. Phineas..."

Der Großvater pausierte kurz und begann die junge erwachsene Frau neben ihm mit mundgerecht geschnittenem Schweinefleisch zu füttern. Wie gelähmt saß sie in einem mit Kissen erhöhtem alten Sessel. "Schau dir deine große Schwester an. Die Götter ließen sie als kleines Baby eine Treppe herunterstürzen und nun ist sie halsabwärts gelähmt. Doch die Menschheit gönnt ein armes hilfloses Kind nicht mal ein behindertengerechtes Haus. Halbengel bekommen keine Schulbildung, keine Arbeit, keine Rente. Die ganze Welt will euch nicht. Und warum? Weil Leute wie du, Phineas, ständig draußen herumlaufen und mit ihrer unkontrollierbaren Macht andere Mitmenschen verletzen und sogar töten! Die Menschheit hat Angst vor der gewaltigen Kraft der Engel und schlachtet euch allesamt aus! Deshalb..."

Die Stimme des Großvater baute sich unbeabsichtigt auf und wurde immer lauter. Er räusperte und legte sich wieder. Er legte seine Hände auf die Schultern seines Enkels. "... werde ich euch beschützen und wie normale Menschen großziehen, wie es eure Eltern so wollten. Lucia? Phineas? Euer Leben ist viel wertvoller, als ihr es euch je erträumt habt. Auch wenn ihr es anders seht. Ich werde es leider nicht mehr erleben, doch ihr werdet es ganz bestimmt noch erleben! Der Tag, wenn Engel, Halbengel und Menschen wieder friedlich auf der Erde zusammenleben können..."

Großvater Nosk war kein Halbengel. Phineas' und Lucias Vater auch nicht. Doch er liebte und heirate ein Halbengel. Und so begann der ganze Fluch. Der Vater verlor die Nerven, als das zweite Kind auch behindert wurde und ließ sich scheiden. Die Mutter wurde von der Stadtwache ermordet, als Phineas 9 und Lucia 14 waren. Seitdem leben sie bei dem Großvater, der sie und ihr Geheimnis viele Jahre gepflegt und gehütet hat. Er versteckte seine Enkelkinder vor der Menschheit, brachte ihnen das bei, was normale Kinder in der Schule lernten, kümmerte sich rund um die Uhr um die querschnittsgelähmte Lucia und lehrte Phineas, seine Fähigkeiten so gut wie möglich zu verbergen und sich als Mensch getarnt in die Zivilisation einzugliedern.

Der 15-Jährige war sich sicher. Er wollte in der Menschenwelt was wert sein und arbeiten. Er wollte in der Welt der Menschen viel erreichen. Er wollte sich seinen Platz in der Welt erkämpfen. Und er wollte Rache. Für alle geopferten göttlichen Wesen, die die Menschheit auf dem Gewissen hat.

Autorennotiz

Na, sie mal einer an! Ribo fängt einfach eine neue Geschichte an, weil er keinen Bock auf die erste Geschichte hat. ;:D War nur eine kleine Idee, als ich dieses Kapitel vor einigen Wochen anfing. Doch unter meiner Haube wuchsen die letzten Tage wieder hunderte Pläne! >:3

Kurzfassung, was demnächst noch alles passieren soll, um eure Neugierde ein bisschen aufrecht zu erhalten. Opi Nosk wird entführt, weil es durchgesickert ist, dass er Halbengel versteckt hält. Daraufhin beginnt Phineas' Reise, seine Fähigkeit zu kontrollieren und das System gegen übernatürliches zu Fall zu bringen.

Ich bedanke mich schon mal für jedes einzelne Kommentar! Wie gefällt euch die Idee allgemein? Ist das ein gutes Fundament für ein Roman? Könnt ihr euch vorstellen, diese Geschichte aktiv zu verfolgen?

Ich hoffe auch, ich präsentiere die Halbengel/Nephilima korrekt. Wer sich mit Fabelwesen auskennt und bemerkt, dass ich was falsch beschreibe - sagen! :D

Liebe Grüße,

Ribo

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suedeheads Profilbild
suedehead Am 27.12.2018 um 20:40 Uhr
"Die Allmächtigen im Himmel tobten aus (<- richtiger: vor) Zorn, doch sie hatten in der von ihnen erschaffenen materiellen Welt keinen großen Einfluss."
Der Satz widerspricht sich selbst: Die Allmächtigen, die keinen großen Einfluss haben.. Warum eigentlich nicht?

Egal... die ganze Konstellation erinnert mich ganz stark an die Monstress-Comics, weshalb ich die Idee jetzt nicht super innovativ finden kann.

Geschrieben ist es solide, aber die Spiegelszene... musste die wirklich sein? Das ist nun wirklich inzwischen total ausgelutscht.

Komisch finde ich, dass diese Leute immer noch "Halbengel" genannt werden, obwohl dieses "Engelsblut" über die Generation doch total verwässert sein müsste. Inzwischen müsste fast jeder ein Quäntchen davon inne haben - ich meine, offensichtlich blieben die Engelsblütigen ja nicht wirklich unter sich, sondern haben sich immer weiter mit Menschen vermischt.

Noch ein Tipp: Übertreib es nicht mit Synonymen. Du musst Phineas nicht ständig als "der Halbengel" bezeichnen, nur um zu bekräftigen, worüber du vorher schwadroniert hast...
Schwadronieren btw... Wieso genau hält der Großvater es für notwendig, seinem Enkeln noch mal alles zu erklären, was er längst weiß - oder dachtest du das ist ein geschickter Kniff, dem Leser einen Happen Infodump unterzujubeln? Also zumindest ich hätte eine einfache, erzählte Erklärung hier sinnvoller gefunden.

Grüße
suedehead
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Autor

ribotastics Profilbild ribotastic

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Sätze:154
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Kurzbeschreibung

Einer alten Sage nach entsandten vor tausenden Jahren die Götter vier Engel auf die Erde, um dort für Frieden und Ordnung zu sorgen. Sie lebten unter den Menschen, gründeten Familien und zeugten Halbengel, die tief in ihren Seelen einen Bruchteil der Macht aller Götter trugen. In der modernen Gegenwart gelten diese Nephilima als Gefahr und werden systematisch ausgemerzt - vom Staat, von den Mitmenschen und selbst von den Göttern.

Kategorisierung

Diese Story wird neben Fantasy auch in den Genres Action und Vermischtes gelistet.