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Alamande - Die Bändiger

40
1.3.2017 17:22
12 Ab 12 Jahren
Heterosexualität
Pausiert

Autorennotiz

Diese Geschichte ist noch nicht fertig geschrieben, weshalb bisher der Prolog und die ersten beiden Kapitel gepostet werden. Neue Kapitel werden sehr unregelmäßig erscheinen, da ich sie erst überarbeiten und beta lesen lassen muss.

Aufgeregt lief Ally durch das Wohnzimmer. Haarscharf ging sie am Sofa vorbei und stolperte dabei fast über die Füße ihres Freundes.
„Ally. Bleib ruhig und setzt dich zu mir. Wenn du dich verletzt, nützt das uns auch nichts“, versuchte dieser sie zu beruhigen und seufzte innerlich.
Doch Ally hörte dies gar nicht und lief weiter durch den Raum. Julian zog sicherheitshalber seine Beine ein und legte sie auf das Sofa.
Nur seufzte er wirklich. Natürlich war sie nervös, wie konnte man es ihr verübeln! Immerhin holten die zwei in wenigen Stunden die vier neuen Alamande ab - und damit ihre Schützlinge.
Wenn das doch nur Tamara und Daniel miterleben könnten. Tammy hätte sofort gewusst, wie sie Ally hätte beruhigen können, dachte er. Naja, oder sie wäre genauso aufgekratzt und nervös gewesen und wir hätten hier zwei aufgeregte Hühner gehabt. Bei diesem Gedanken schlich sich ein kleines Lächeln auf seine Lippen und vertrieb ein wenig seine melancholische Stimmung. 
Ja, die beiden hätten gewusst, was nun zu tun gewesen wäre. Zusammen hätten die Vier die neuen Alamande ausgebildet, sich über ihre Fortschritte gefreut und mit ihnen über Missgeschicke gelacht.
Alles hätte so perfekt sein können, wären da nicht diese verdammten Dämonen gewesen!, dachte er und seufzte erneut.
Nur durch diese Dämonen wurde aus dem eingeschweißten Quartett ein einsames Duo. Sicher, Julian und Ally hatten noch einander und waren glücklich als Paar, aber ihre beiden besten Freunde fehlten einfach.
Julian ließ seinen Kopf auf die Sofalehne fallen und schloss kurz die Augen. Oft wollte er sich einfach umdrehen und mit Daniel über etwas scherzen, bis ihm wieder einfiel, dass dieser ja tot war.
Ally bemerkte, dass es Julian plötzlich schlechter ging und setzte sich neben ihn. „Du denkst wieder an sie, oder?“, flüsterte sie und strich ihm über den Arm.
Er nickte nur, öffnete seine Augen und sah sie an. „Ich hab gerade gedacht, wie es wäre, wenn die beiden jetzt noch hier wären.“
Sie seufzte. „Ach Jules, ich weiß wie es dir geht. Aber denke einfach daran: So gesehen haben wir  sie immer bei uns.“ Ally legte eine Hand auf die Stelle, wo Julians Herz war und die andere auf seinen Knöchel. „Geliebte Menschen gehen nie ganz fort. Sie sind immer in unseren Herzen und unseren Erinnerungen.“
„Ja, du hast Recht. Sie sind bei uns - in unseren Herzen“, murmelte er und zog sie in seine Arme. Er legte seinen Kopf auf ihre Schulter.
„Ich bin so froh, dich bei mir zu haben, Ally. Ich weiß nicht, was ich gemacht hätte, hätte ich dich damals nicht kennengelernt“, fügte er noch hinzu.
Sie strich ihm über den Rücken. „Ich weiß, Jules. Ich liebe dich.“
Er hob ihren Kopf ein Stück an und küsste sie. „Ich liebe dich auch, Ally“, murmelte er an ihre Lippen.

Zwei Stunden später lief Ally den Flur entlang. Das große Haus kam ihr heute so leer, so ruhig und kahl vor.
Naja…, dachte sie, das ist eigentlich kein Wunder. Immerhin kommen die Kinder, die wir hier sonst unterrichten, erst in einer Woche wieder. Sie und Julian wollten sich in der ersten Woche ganz um ihre Schützlinge kümmern.
Sie seufzte und überprüfte, ob sie alles dabei hatte. Dolche in den Stiefeln, Schwert auf dem Rücken, Honig in einem Beutel am Gürtel, gut, alles war an seinem Platz.
Seit dem Tod von Tamara und Daniel war Ally noch vorsichtiger. Man wusste ja nie, wer oder was einen angreifen könnte.
Auf einmal schlang jemand von hinten die Arme um sie.
Sie schrie vor Schreck kurz auf, löste sich schnell von der Person und schuf mit einem Rad etwas Platz zwischen ihnen. Gehockt blieb sie etwa vier Meter von der anderen Person entfernt und hatte ihre Hand an einem ihrer Dolche.
„Ally! Bleib ruhig, ich bin es doch nur!“,  ertönte da plötzlich Julians Stimme und sie blickte auf.
Als sie ihren Freund erblickte, atmete sie erleichtert auf und steckte den Dolch wieder weg. „Bei Illara, Jules! Du sollst mich doch nicht so erschrecken, ich hätte dich gerade fast aufgespießt!“
Er unterdrückte ein Lachen und antwortete: „Ich muss dich ja ganz schön erschrocken haben, wenn du schon den Namen unserer Göttin rufst.“
Sie verdrehte nur die Augen. „Jaja, du Witzbold, sehr witzig. Du weißt doch ganz genau, dass ich ziemlich schreckhaft bin. Gerade heute, wo der Schutzschild so geschwächt ist“, grummelte sie und stand wieder auf.
„Na komm schon, gehen wir los“, fügte Ally noch hinzu und ging zur Haustür.
Julian sputete sich und lief ihr hinterher.
„Bereit, Miss Hunter?“, fragte er versöhnlich, als er bei ihr ankam und bot ihr seinen Arm an.
Sie zog sich die Kapuze über den Kopf und antwortete: „Bereit. Mit dir zusammen immer.“
Auch er zog sich die Kapuze auf. „Na dann, holen wir mal unsere Schützlinge!“, mit diesen Worten öffnete er die Haustür.

Im nächsten Moment schnappte Ally erschrocken nach Luft.
Vor der Tür stand eine ältere Dame. Ihre Haare waren hellgrau, ja fast schon weiß.
Ihre Augen bereiteten Ally eine Gänsehaut auf dem ganzen Körper. Sie waren in einem gruseligen, stechenden und dunklen Grau.
Generell war alles an dieser Frau gruselig. Ihre Haut sah aus wie altes Pergament und sie selbst sah aus, als hätte sie starke Schmerzen.
Auf einmal begann sie zu sprechen und Ally wäre fast auf Julians Arme gesprungen.
„Ahhh... gut, dass ich gleich die Personen treffe, die ich gesucht habe. Dann geht das ja alles ganz schnell“, sagte sie. Ihre Stimme kratze wie Schmirgelpapier und nach diesen beiden Sätzen begann sie zu grinsen.
Die Frau entblößte eine Reihe verfaulter, schwarzer Stummel, die man kaum noch Zähne nennen konnte. Auch Julian lief es kalt den Rücken hinab.
/Jules, wir müssen los. Die vier holen! Irgendwie müssen wir die Frau los werden. Mir ist die sowieso nicht so ganz geheuer/, sprach plötzlich Ally in Julians Gedanken. Selbst in seinen Gedanken, hörte er wie ihre Stimme zittert.
/Du hast vollkommen Recht. Aber wie machen wir das?/, gab er zurück.
Bevor Ally antworten konnte, begann die Frau wieder zu sprechen: „Tztztz. Also meine Lieben, es ist unhöflich, wenn man mit seinem Besuch nicht spricht! Wollt ihr mich nicht wenigstens herein bitten?“ 
Schon beim bloßen Gedanken daran, sträubten sich bei beiden die Nackenhaare.
„Das würden wir ja sehr gerne, Miss, aber wir haben etwas zu erledigen, etwas sehr wichtiges“, antwortete Julian also ausweichend und wollte die Haustür schon wieder schließen, als die Frau erneut zu sprechen begann.
„Jaja, ich weiß, ihr müsst eure Schützlinge abholen. Die vier neuen Alamande. Die vier Kinderchen können auch noch kurz warten“, sprach sie und holte plötzlich ein Seil und einen Dolch hinter ihrem Rücken hervor.
„Was soll denn das werden? Und woher wissen sie davon…?“, Ally war völlig perplex, trotzdem zuckte ihre Hand zu ihrem Dolch. Auch Julian legte seine Hand vorsichtshalber an den Griff seines Schwertes, welches an seinem Gürtel hing. 
Gerade als Julian Ally wieder telepathisch kontaktieren wollte, griff die Frau auf einmal Ally an.
Diese konnte zum Glück noch gerade so aufweichen und entkam so dem Dolch. Sie zückte ihren Dolch und versuchte ihr Gegenüber kampfunfähig zu machen.
Doch als sie es schaffte, der Frau quer über den Arm zu schneiden, schloss sich dieser Schnitt einfach wieder. 
„Was zum…?“, murmelte sie verwirrt und versuchte weiterhin die Frau zu verletzen. Julian versuchte das Gleiche, doch es gelang ihm genauso wenig wie seiner Freundin.
Die Frau wich einfach jedem Schlag aus und verpasste dann plötzlich Ally eine Wunde am Bein.
„Scheiße!“, fluchte diese und versuchte sich genug zu konzentrieren, um sich selber zu heilen.
Es klappte halbwegs, die Wunde blutete zwar nicht mehr, tat aber immer noch höllisch weh.
„Ally, alles okay?“, hörte sie auf einmal die Stimme ihres Freundes neben sich.
Sie blickte auf. Sie hatte gar nicht bemerkt, dass sie auf dem Boden saß. Ally versuchte aufzustehen, aber ihr knickten die Beine weg und sie landete wieder auf dem Boden.
„Verdammt!“, fluchte sie erneut und rief im nächsten Moment schon erschrocken: „Jules, hinter dir!“
Julian konnte sich aber nicht rechtzeitig umdrehen oder wegducken, weshalb der Griff des Dolches ihn kraftvoll am Hinterkopf traf.
Er verdrehte die Augen und kippte bewusstlos nach vorne.
„Julian!“, rief Ally entsetzt und warf ihren Dolch in Richtung der alten Frau. Innerlich flehte sie, dass der Dolch sie genau ins Herze traf.
Doch Illara war ihr an diesem Tage anscheinend nicht wohlgesinnt, denn selbst wenn die Frau nicht ausgewichen wäre, hätte der Dolch sie um Meter verfehlt.
Illara, willst du mich heute verarschen?!, dachte sie und griff ihr Schwert, um sich und Julian wenigstens etwas zu beschützen - auch wenn dies im Sitzen ziemlich schwer werden würde.
Plötzlich begann die Frau wieder zu grinsen und veränderte sich. Ihr Körper streckte sich und verformte sich solange, bis sie plötzlich wie ein riesiger Wurm aussah. Sie hatte eine ekelhafte grau-orangene Farbe und ihr Kopf sah aus wie eine alte, verschrumpelte Halloween-Laterne.  Ihre Augen lösten bei einem fast einen Brechreiz aus, wenn man sie sah. Sie waren weiße, leblose Höhlen, die aussahen, als ob aus ihnen jeden Moment Maden kriechen würden.
„Expantia“, keuchte Ally und ihre Finger schlossen sich fester um den Griff ihres Schwertes.
„Na endlich, kleine Karau. Endlich hast du mich erkannt. Dann kann ich euch beide ja jetzt erst einmal einsperren und mich um eure kleinen Schützlinge kümmern. Keine Sorge, ihr beide seid dann nach dem Tod der vier dran“, zischte Expantia. Sie war eine Dämonin, allerdings nicht eine der Guten - aber davon gab es eh sehr wenige.
Als sie auf die beiden zukam, hob Ally ihr Schwert und versuchte der Dämonin einen ihrer widerlichen Tentakel abzutrennen. Ally kannte Expantia, sie war damals an vorderster Front dabei gewesen, als Tamara und Daniel starben.
Genau wie damals lachte die Dämonin nur zischend und kam weiter auf sie zu. „Ach kleine Karau, du weißt doch ganz genau, dass du verloren hast. Leg dein Schwert nieder und ergib dich, vielleicht lasse ich deinen kleinen Freund dann am Leben.“
Die rothaarige Ally war versucht, den Worten von Expantia Folge zu leisten, doch sie konnte sich im letzten Moment wieder zusammen reißen. Bleib stark, Ally. Sie versucht dich durch ihre Macht zu beeinflussen, ermutigte sie sich selbst in Gedanken. 
„Nein“, knurrte sie also nur und versuchte mit aller Macht ihr Schwert oben zu halten. Die schmerzende Wunde entzog ihr viel Kraft, lange würde sie dies nicht mehr durchhalten.
„Wie du willst, dann eben auf die harte Methode“, zischte die Dämonin und rammte Ally in einem unmenschlichen Tempo den Dolch in die noch halb offene Wunde am Bein.
Sie stieß einen gequälten Schrei aus, Tränen schossen in ihre Augen und rannen ihre Wangen herab. 
Hinter ihr begann die Dämonin hämisch und zischend zu lachen. „Und, gibst du nun auf?“
Trotz ihres Beines, welches unglaublich schmerzte, schüttelte Ally den Kopf.
Expantia gab einen Laut von sich, der wohl ein bedauerndes Seufzen sein sollte. Dann zog sie den Dolch aus Allys Bein und rammte ihn erneut herein.
Ally schrie erneut auf und wollte gerade vor Schmerz nach hinten kippen, als sie einen dumpfen Schlag am Hinterkopf spürte.
„Wünsch deinen kleinen Schützlingen viel Spaß beim Sterben. Bald werdet ihr alle eure liebe Tamara und den ach so guten Daniel wieder sehen“, hörte sie noch Expantias Zischen, bevor alles um sie herum schwarz wurde und sie ohnmächtig umkippte.

#Luna#

„Aber… Mom! Wir haben das seit Wochen geplant, ich kann jetzt nicht Babysitten“, sagte ich und sah meine Mutter flehend - und leicht geschockt - an.
Wieso musste sie genau heute damit kommen? Morgen oder an jedem anderen Tag dieses verdammten Jahres hätte ich ohne zu meckern ja gesagt, aber wieso musste Mom ausgerechnet HEUTE einfallen, dass sie einen wichtigen Termin bei irgendeinem ihrer Kunden hatte?
Wieso genau heute, wenn endlich das Lieblingsbuch meiner besten Freundin Tessa und mir verfilmt wurde? Wir warteten seit Monaten auf diesen Tag, hatten schon vor drei Wochen die Karten bestellt und jetzt das?!
„Nichts da! Du passt heute auf Katie auf und damit basta. Ich muss jetzt auch los, sonst reißt mir mein Kunde den Kopf ab“, erwiderte Mom und sah mich streng an. Gerade wollte sich gerade an mir vorbei in den Flur schieben, als die Stimme meiner großen Schwester Cassandra ertönte: „Lass sie ins Kino gehen, Mom, ich pass auf Kates auf.“
„Würdest du das machen?“, fragte ich sie hoffnungsvoll.
„Klar, du bist meine kleine Schwester. Für dich mach ich sowas schon mal. Und außerdem ist Katie doch immer ganz lieb“, antwortete sie und lächelte Mom und mich an.
Ich grinste begeistert und fiel Cass um den Hals. „Gott, du bist die beste große Schwester die man haben kann.“
„Dafür bezahlst du mir Getränke und Essen, wenn wir beide zusammen ins Kino gehen und den Film schauen. Und wehe du spoilerst vorher!“, flüsterte sie mir ins Ohr und löste sich ebenfalls grinsend von mir.
Anschließend nahm sie unsere kleine vierjährige Schwester auf den Arm und wuschelte ihr kurz durch die Haare - was der Kleinen natürlich gar nicht gefiel.
Mom seufzte. „Na gut, dann machen wir es eben so. Aber Luna, du bist pünktlich um sechs wieder hier, haben wir uns verstanden? Und denk bitte daran, wenn du wieder hier bist geht ihr nicht mehr aus dem Haus und öffnet keinem die Tür, okay?“
Wir nickten alle beide brav. Seit knapp einem halbem Jahr ging es jetzt schon so, dass Mom oder Dad mir verboten, am Abend aus dem Haus zu gehen.
Generell ließen sie mich in letzter Zeit nur noch selten aus dem Haus. Ich hatte zwar keinen blassen Schimmer wieso ich nicht öfter raus durfte, aber in diesem Moment freute ich mich einfach zu sehr, um weiter darüber nachzudenken.
Cassy und ich umarmten sie noch einmal, bevor sie aus dem Haus ging. Danach holte ich mir schnell meine Tasche und schmiss Portemonnaie, Handy und meinen ganzen anderen Kram hinein.
Nachdem ich mir so schnell es mir möglich war meine Schuhe und Jacke angezogen hatte, umarmte ich Cassy mitsamt Katie und drückte beiden einen Kuss auf die Wange. „Nochmal, vielen Dank, Cass. Du bist die Beste!“
Sie grinste mich an und antwortete: „Ach, das weiß ich doch. Ich erinner' dich trotzdem bei Gelegenheit nochmal dran. Und jetzt, hopp hopp, bevor ich es mir anders überlege!“ 
Ich grinste Cassy an, schulterte meine Tasche und verschwand durch die Haustür.
„Bis später, ihr zwei!“, rief ich noch, bevor sich die Tür endgültig geschlossen hatte.
Ich lief schnell um zwei Blocks zu dem Spielplatz unserer Straße und traf dort auch schon auf meine beiden besten Freunde.
„Hey Nixe!“, riefen mir Tessa und Logan, kaum dass sie mich sahen, entgegen.
Ich kannte die beiden seit wir Kleinkinder waren und schon damals waren wir unzertrennlich, laut unseren Müttern. Auch heute sind wir dies noch und ich kann mir ein Leben ohne die zwei gar nicht vorstellen.
Ich beschleunigte meine Schritte und verdrehte innerlich die Augen. Seit ich mich erinnern konnte nannten die beiden mich schon so. Jedes Mal, wenn ich sie fragte wieso, antworteten sie nur: „Das liegt an deinen himmelblauen Augen, den langen schwarzen Haaren und deiner Vorliebe fürs Wasser. So bist du eben eine Nixe für uns.“
Als ich bei ihnen angekommen war, vergaß ich leider abzubremsen und rannte voll in Tessa rein. Zusammen fielen wir in das - zum Glück weiche - Gras, welches auf dem Spielplatz wuchs.
Augenblicklich fingen beide wir an zu lachen, während Logan uns beim aufstehen half.
„Danke“, prusteten wir und hielten uns an ihm fest, um nicht umzufallen.
Nachdem wir uns wieder einigermaßen beruhigt hatten, sagte Tessa grinsend: „So, und jetzt begrüßen wir uns nochmal richtig“ und zog mich in eine Umarmung. Lächelnd erwiderte ich diese und antwortete ihr noch schnell: „Tut mir leid, falls es etwas länger gedauert hatte. Mom wollte unbedingt, dass ich auf Katie aufpasse.“
Sie winkte nur ab, während Logan mich ebenfalls umarmte.

Nach dem wir noch kurze Zeit gequatscht hatten, machten wir uns auf den Weg zur U-Bahn. Das Kino lag am anderen Ende der Stadt und so kamen wir am schnellsten - und mit dem wenigsten Kraftverbrauch - dorthin. 
Ungefähr hundert Meter vor der U-Bahn-Station erblickte ich eine etwas ältere Frau, welcher die Einkaufstaschen heruntergefallen waren.
„Leute, ich helfe der Frau da mal schnell“, informierte ich meine beiden Freunde und lief zu der Dame.
„Warten Sie, ich helfe Ihnen“, sagte ich, ging in die Hocke und packte die ganzen Sachen wieder in die Tüten. Zum Glück war nichts zerbrochen.  
„Wenn Sie möchten, könnte ich Ihnen die Sachen auch noch nach Hause bringen. Die sind doch viel zu schwer für Sie“, sagte ich dann freundlich zu ihr und lächelte.
„Oh, das wäre wirklich, wunderbar wenn du das tätest. Ich wohne gleich hier um die Ecke“, antwortete sie mir, sichtlich erleichtert, die Taschen nicht selber tragen zu müssen. Ihre Stimme kratzte ziemlich und mir lief es leicht den Rücken hinunter.
„Tessa, Logan, kommt ihr noch kurz mit?“, rief ich zu meinen Freunden und hob die Taschen hoch. Die beiden kamen sofort zu uns herüber und wir folgten der älteren Dame.

„Dürfte ich eure Namen erfahren, Kinder?“, fragte uns die Frau und lächelte. Erst jetzt fiel mir auf, dass ihre Augen in einem ungewöhnlich stechenden und dunklen Grau waren. Mir war es fast, als würden sie durch mich hindurch in meine Seele blicken.
Oh man Luna, jetzt siehst du wahrscheinlich schon Gespenster. Sie ist eine ganz normale Dame. Die wird schon nicht gleich den Kopf abreißen, dachte ich und schüttelte innerlich den Kopf über mich.
Da ich mit Tragen beschäftigt war - und sowieso in Gedanken versunken -, begann Logan uns vorzustellen: „Sicherlich, ich bin Logan, dies ist Theresa“, er zeigte auf Tessa, „und das Mädchen, welches wieder die Freundlichkeit in Person ist, heißt Luna.“
Ich streckte Logan die Zunge raus. Dieser Frechdachs!
„Und Sie sind?“, fragte Tessa höflich, aber mit einem neugierigen Unterton. Ich war währenddessen damit beschäftig, mal wieder mit Logan rumzualbern.
„Ach, nennt mich einfach Sel“, sagte die Frau. Sofort als sie ihren Namen gesagt hatte, war ich mucksmäuschenstill.
„Luna? Alles okay?“, fragte Logan mich leicht verunsichert.
Ich schüttelte kurz den Kopf, lächelte ihn beruhigend an und sagte: „Ja, alles okay.“
„So hier wären wir. Könntest du mir die Tüten noch bis in die Küche tragen, Luna?“, unterbrach uns Sel und rette mich damit vor einem Verhör von meinem besten Freund.
„Natürlich, das mache ich gerne für Sie“, antwortete ich lächelnd.
Sel ging mit mir zusammen in ihre Küche, wo ich die Taschen auf einen kleinen Tisch stellte, den sie mir gezeigt hatte.
Als wir wieder draußen waren, kramte sie kurz in ihrer Rocktasche, hielt dann ihre geschlossene Faust vor mich und sagte: „Pass gut darauf auf.“

Daraufhin ließ sie den Inhalt ihrer Hand in meine fallen.
Es waren etwa 15 - 20 gleiche Münzen mit goldener Mitte und silbernem Rand. Nur eine der Münzen war anders. Sie war kleiner und hatte statt dem silbernen Rand einen goldenen, auch die Mitte war anders, statt silbern war sie golden.
Aus irgendeinem Grund, den ich mir selber nicht erklären konnte, zogen diese Münzen mich an. Ich strich immer wieder über sie - vor allem über die kleine - und bekam nichts anderes mehr mit.
Die Münzen fühlten sich leicht in meiner Hand an, und waren - trotz der hohen Außentemperaturen - kühl.
Ich kam erst wieder in die normale Welt zurück, als Tessa mit ihrer Hand vor meinem Gesicht rumfuchtelte.
„Ähh… was?“, fragte ich perplex und blickte sie verwirrt an.
Die beiden sahen mich leicht besorgt an. „Du hast gerade geschlagene 3 Minuten diese Münzen angestarrt und nicht reagiert. Ist alles in Ordnung mit dir?“, fragte Tessa, man hörte die Sorge in ihrer Stimme.
„Ja, tut mir leid, bin heute nur leicht durch den Wind“, antwortete ich und steckte die Münzen in meine Jackentasche.
„Hast du überhaupt noch gehört, was sie gesagt hatte, nachdem sie dir die Münzen gegeben hat?“, fragte Logan mich.
Ich schüttelte den Kopf.
„Sie sagte zu dir: ‘Geh zu Gleis 14 und finde die Ziffernfolge 101Al14. Hör in dich hinein.‘ Das war echt gruselig“, erklärte er mir und erschauderte.
„Sag mal Luna, ich hab vorhin das Gefühl gehabt, dass die kleine Münze blau geschimmert hat, als du sie berührt hast. Aber sowas kann gar nicht sein, oder?“, sagte Tessa leise.
„Die Münze soll blau geschimmert haben?“, fragte ich ungläubig.
Ich holte diese Münze aus meiner Jacke und legte sie auf meine Handfläche.
„Nichts. Also nimms mir nicht übel, Tessa, aber ich glaube, du wirst verrückt“, sagte ich zu ihr und grinste meine beiden Freunde an, welche zu lachen begannen.
Ich selber hatte aber eher das Gefühl, dass ICH und nicht Tessa verrückt wurde, denn seit Logan mir das mit Gleis 14 erzählt hatte, flüsterte eine kleine Stimme in mir drin: „Du musst es bis dreizehn Uhr gefunden haben! Es ist wichtig!“.
„Kommt, lasst uns zurück zur U-Bahn gehen, sonst verpassen wir noch unseren Film“, sagte ich, damit wir wegkamen. Seit ich die Münzen in meiner Hand hatte, kam mir das Haus, in dem Sel wohnte, seltsam vor. Es war, als würde irgendetwas in meinem Inneren schreien, war aber zu leise, damit ich es verstand.
Die beiden nickten, und wir gingen wieder zurück in Richtung U-Bahn-Station.



„Luna? Du willst dieses Gleis und diese Ziffernfolge finden, oder?“, fragte mich Logan auf einmal, kurz bevor wir die Station erreicht hatten.
„Was? Wie kommst du denn darauf?“, fragte ich geschockt und gleichzeitig auch verwirrt.
„Naja, erstens, weil ich dich kenne seit ich in die Windel geschissen hab und deshalb deinen Gesichtsausdruck kenne, wenn dir etwas wichtig ist, und zweitens, weil du in den letzten 5 Minuten bestimmt schon viermal ‘Ich soll es finden, es ist wichtig‘ gemurmelt hast“, antwortete Logan mir.
„I-ich hab DAS gesagt?“, fragte ich geschockt.
„Ja, wieso fragst du so geschockt?“, fragte er mich sichtlich verwirrt.
„Naja… weil…“, ich atmete tief durch, „…in mir ist so eine kleine Stimme, die andauernd ‘Du musst es bis dreizehn Uhr gefunden haben! Es ist wichtig!‘ geflüstert hat und ich eben auch genau das denke, es IST wichtig, dass ich diese Ziffernfolge in Gleis 14 bis dreizehn Uhr finde. Mein Gefühl sagt mir das. Und ihr habt ja gehört was Sel gesagt hat, ich ‘Soll in mich hinein hören‘.“
„Ihr haltet mich jetzt für verrückt, stimmt’s?“, fügte ich traurig hinzu.
„Was?! Natürlich nicht!“ sagten beide gleichzeitig.
„Wir halten zu dir. Immer“, ergänzte Tessa und umarmte mich kurz.
„Genau, unsere Nixe lassen wir niemals im Stich“, erwiderte auch Logan und drückte mich ebenfalls.
Ich lächelte die beiden an: „Ihr seid echt die besten Freunde die man haben kann, wisst ihr das?“
Beide schauten gleichzeitig auf ihre Fingernägel und sagten: „Sicher wissen wir das.“
Daraufhin begannen wir alle drei zu lachen.
Als ich mich wieder einigermaßen beruhigt hatte, legte ich jeweils Logan und Tessa einen Arm um die Schulter.
Zusammen gingen wir das letzte Stück bis zur U-Bahn-Station.
Drinnen atmete ich erst einmal tief durch.
„Und ihr wollt mir wirklich helfen?“, fragte ich nochmal vorsichtshalber nach.
„Uns wirst du nicht los, Luna“, antwortete Tessa ernst.
„Oh man… ich müsste eigentlich mal 'ne Runde schwimmen, damit ich nicht so aufgeregt wär“, murmelte ich leise, worauf meine besten Freunde anfingen zu lachen.
„So kenn ich dich, Nixe“, sagte Logan grinsend.
„Leute, ich stör ja nur ungern, aber wir müssen uns mal sputen, es ist schon zehn nach zwölf“, rief uns Tessa ins Gedächtnis.
„Oh Fuck! Los jetzt!“, sagte ich schnell und zog beide zu den Gleisen.
„Zwölf… Dreizehn…. Ah! Vierzehn! Hier ist es ja!“, murmelte ich und zog Tessa und Logan einfach mit zu dem Gleis.
„Luna, bist du dir sicher, dass wir hier richtig sind?“, fragte Logan mich zweifelnd.
„Glaub mir, ich weiß es einfach“,  gab ich zurück und suchte schon nach der Ziffernfolge.
„Oh man… sieht das Gleis vernachlässigt aus…“ murmelte Tessa hinter mir.
„Es hat keinen Sinn, aus der Sichthöhe eines Elefanten zu suchen, versuche es mit der einer Ameise“, hörte ich auf einmal die Stimme in mir wieder, die - wie mir plötzlich auffiel - wie Sel’s Stimme klang.
Augenblicklich ließ ich mich auf die Knie fallen und suchte auf dem Boden weiter - glücklicherweise war dieses Gleis heute geschlossen.
„Luna? Was machst- Aua! Hör auf mich zu schlagen!“, beschwerte sich Logan hinter mir.
„Dann halt du die Klappe und such mit!“, antwortete Tessa nur.
„Nicht nötig“, erwiderte ich abgelenkt und strich mit meiner Hand über eine Platte im Boden, um den Staub wegzubekommen.
„101Al14“, murmelte ich leise und fuhr mit dem Finger die Zahlen und Buchstaben nach.
„Was ich dir gab, wirst du nun brauchen. Benutze die, wo deine Freundin dachte, dass sie leuchte“, sagte Sel’s Stimme.
„Kann die sich nicht deutlich ausdrücken“, murmelte ich genervt.
„Luna? Was hast du?“, fragte Tessa und hockte sich mit Logan neben mich.
Ich wiederholte die Worte von gerade eben noch einmal und verstand sie dann auch plötzlich.
„Natürlich! Die kleine Münze, bei der Tessa dachte, dass sie blau leuchtet!“, rief ich aus und kramte sie schnell aus meiner Tasche.
Ich strich nochmal kurz darüber und legte sie dann auf die Buchstaben und Zahlen.
„Deine starke Hand wird noch benötig. Lege sie auf die Münze“, ertönte wieder die Stimme.
„Leute? Was könnte mit starke Hand gemeint sein?“, fragte ich meine Freunde.
„Deine starke Hand ist deine Rechte, da du Rechtshänderin bist. Das ist damit gemeint. Meine starke Hand wäre zum Beispiel meine Linke“, erklärte mir sofort Tessa.
„Achso, danke“, sagte ich und legte meine rechte Hand so auf die Münze, dass sie die Schrift komplett verdeckte.
„Deine Freunde müssen ein Stück hinter dir stehen. Sie sollen dir nicht folgen, egal was jetzt passiert.“
„Leute, steht mal bitte auf und stellt euch mit etwas Abstand hinter mich.“ Als sie beide an ihren Plätzen standen, nahm ich kurz die Hand von der Münze und drehte mich um. „Versprecht ihr mir was?“, fragte ich sie.
Synchrones Nicken von beiden.
„Okay, also egal was jetzt passiert, erstens: Ich habe euch beide überalles lieb, vergesst das nie, ja? Und zweitens: Folgt mir bitte nicht.“
Beide schauten sich an, seufzten und umarmten mich gleichzeitig. „Wir versprechen es“, murmelten meine besten Freunde.
„Ihr seid wirklich die besten Freunde die man sich wünschen kann. Ich hab euch mega doll lieb“, sagte ich leise.
„Wir dich auch Luna“, antworteten beide, ließen mich dann los und stellten sich wieder auf ihre Plätze.
Ich atmete nochmal tief durch, drehte mich wieder um und legte meine Hand erneut auf die Münze.
Eine Minuten lang passierte nichts, doch dann löste sich plötzlich der Boden unter meiner Hand in Nichts auf und ich fiel schreiend in das erstandene Loch.

#Luna#

Ich hörte ein Rumpeln und Krächzen über mir, und wie meine Freunde meinen Namen schrien, dann schloss sich das Loch über mir und ich vernahm nur noch meinen eigenen, panischen Schrei.
Mein Kopf begann mir schon die schlimmsten Szenarien vorzuspielen, die „Beste“ dabei war ja, dass ich am Ende dieses… Tunnels auf dem Boden aufschlagen und zu Luna-Matsch werden würde.
Plötzlich landete ich auf etwas. Es schaukelte ziemlich und fühlte sich an, als würde ich in einem Netz liegen. Erleichtert seufzte ich und setzte mich vorsichtig auf - puh, doch nicht zu Matsch geworden. Ich versuchte mich, wo immer ich auch war, umzublicken, was sich als ziemlich schwierig herausstellte, da ich kaum die Hand vor Augen sah.
Vorsichtig räusperte ich mich. „Hallo? Ist da wer?“, fragte ich leise in die Dunkelheit hinein und klammerte mich an meine Tasche - zum Glück hatte ich sie nicht beim Sturz verloren.
Auf einmal nahm mir etwas meine Tasche weg und ein Windhauch fuhr meinen Körper entlang. Dann erklang eine merkwürdige, fremdartige Stimme: „Identitätsnummer 101Al14 erkannt. Herzlich willkommen im Alamande-Haus, Luna Matthews.“
Im was? Wo zum Teufel war ich hier nur gelandet? Und das wichtigste: Wie kam ich hier wieder heraus?!
Bevor ich allerdings auch nur eine der vielen Fragen stellen konnte, die mir im Kopf herum wuselten, verschwand das Netz unter mir und ich fiel wieder in dieses bodenlose Nichts.
„Ist das euer Ernst?! Was soll der ganze Scheiß hier? Verdammt, ich will doch einfach nur genauso normal sein wie meine Freunde, und nicht so ein Freak, der Stimmen in seinem Kopf hört und diesen auch noch folgt!“, schrie ich und hätte auf etwas eingeschlagen, wäre es in der Nähe gewesen.
In der Hoffnung, vielleicht etwas zu erwischen an dem ich mich festhalten könnte, streckte ich meine Finger und Arme so weit es ging von mir weg.
Plötzlich merkte ich, wie sich mein Tempo verlangsamte und alles um mich herum nass wurde. Auch begannen meine Hände zu kribbeln. Was war denn jetzt los? Verwirrt blickte ich mich um und sah, dass ich in einer bläulich leuchtenden Wasserblase war, welche mit mir langsam nach unten schwebte.
„W-Was zum…?“, murmelte ich und schloss sofort panisch den Mund, als ich sah, dass eine kleine Luftblase aus diesem kam.
Moment mal… wieso hat sich mein Mund gerade nicht sofort mit Wasser gefüllt?, dachte ich und öffnete probeweise noch einmal den Mund. Nichts - kein Wasser floss hinein und auch, als ich vorsichtig versuchte zu atmen, klappte es einwandfrei.
„Oh man, wie cool ist das den bitte?! Ich kann Unterwasser atmen!“, jubelte ich vor mich hin und reckte meine Faust nach oben.
Daraufhin platzte jedoch die Wasserblase und ich fiel in der gleichen Geschwindigkeit wieder nach unten, wie vor der Wasserblase.
„Scheiße! Das hätte ich vielleicht lieber nicht machen sollen. Und was jetzt? Könnt ihr den Trick mit dem Wasser nicht nochmal machen?“, rief ich und betrachtete dann meine Hände.
Könnte es sein… nein, das wäre selbst für mich zu krass… oder etwa nicht? Könnte es wirklich sein, dass das Wasser aus meinen Händen kam? 
Vor lauter Verwunderung vergaß ich sogar zu schreien. Plötzlich landete ich erneut auf etwas. Dieses Mal fühlte es sich an wie eine Matte, über welche ich in eine Art Rutsche kam und diese hinunterrutschte.
Jetzt vergaß ich nicht zu schreien, und als die Rutschte abrupt endete, machte ich durch den Schwung den ich hatte, eine doppelte Vorwärtsrolle.
„Aua…“, murmelte ich, rieb mir den Rücken und stand auf.
Als ich mich dann in dem riesigen Raum, in dem ich gelandet war, umsah, erschreckte ich mich ziemlich. Neben mir waren noch drei andere Personen im Raum, welche genauso verwirrt aussahen wie ich mich fühlte.
Allerdings bekam ich fast den Schreck meines Lebens, als ich den Jungen mir gegenüber genauer ansah. Ich wich instinktiv, genauso wie er, an die Wand hinter mir zurück. Das Loch aus dem ich gerollt war, musste sich mittlerweile geschlossen haben, da ich mit dem Rücken an eine glatte Wand stieß.
Auf einmal wichen auch der Junge links von mir und das Mädchen rechts an die Wände hinter ihnen zurück. Beide sahen sich mit schreckgeweiteten Augen an. Während der Junge - der übrigens dunkelbraune Haare hatte - angsterfüllt „Luft“ sagte, kam aus dem Mund des blonden Mädchens links von mir das Wort „Erde“.
Verwirrt beobachtete ich das Geschehen und etwas in mir schrie schon regelrecht danach, den Jungen gegenüber von mir erneut anzusehen. Er blickte ebenfalls wieder zu mir und ich hörte mich selber ängstlich „Feuer“ sagen. Auch der Junge starrte mich mit weit aufgerissenen Augen an und aus seinem Mund kam das Wort „Wasser“.
Selbst aus dieser Entfernung bemerkte ich, dass seine Augen in einem sehr dunklen Grün leuchteten und versank regelrecht in diesen. Ganz am Rande bekam ich mit, dass diese Person, die mir solche Angst einjagte und doch Faszination in mir auslöste, schwarze Haare besaß und mich ebenfalls wie gebannt anstarrte.
„Okay, wo sind die versteckten Kameras?“, erklang plötzlich eine leicht zitternde und dennoch genervte Stimme rechts von mir. Ich riss mich von den Augen meines Gegenübers los und blickte zu der Blondine, welche die Arme verschränkt hatte und sich prüfend im Raum umsah - dabei achtete sie strengstens darauf, nicht zu dem Jungen ihr gegenüber zu schauen.
Ich schluckte einmal hart und fragte dann an sie gewandt: „W-Was meinst du damit? Wieso sollten hier Kameras sein?“
Ihr Kopf schnellte zu mir und ihre grauen Augen funkelten mich an. „Na, was denkst du denn wieso wir hier sind? Das wird so eine dämliche Show mit versteckten Kameras sein, wo wir uns zum Affen machen und andere sich darüber amüsieren“, sie strich sich durch ihre zerzausten Haare, die aussahen, als wäre sie gerade einem Windkanal entsprungen.
Leicht eingeschüchtert versuchten meine Hände sich haltsuchend in die Wand zu krallen. Dabei begannen sie komisch zu kribbeln und plötzlich wurde es unter ihnen eiskalt. Verwirrt blickte ich hinter mich und stolperte dann mit einem Schrei zurück. Ich Tollpatsch schaffte es natürlich dabei, hinzufallen und lag deswegen mit geöffnetem Mund auf dem Boden und starrte die Wand an.
An genau dieser Wand zeichneten sich jetzt zwei Abdrücke aus Eis ab, welche genau genauso aussahen wie meine Hände. Geschockt blickte ich meine Hände an, welche aber völlig normal aussahen, helle, weiche Haut und lange Finger mit kurzen Nägeln.
„ Jetzt wird es aber langsam echt lächerlich mit diesen albernen Tricks, das kauft euch doch keiner ab!“, rief die Blondine erzürnt zur Decke.
„D-das war kein Trick“, flüsternd kamen diese Worte über meine Lippen und ich konnte es selber kaum glauben, was ich da sagte.
Plötzlich berührte mich jemand an der Schulter und ich blickte in verwirrt schauende, grasgrüne Augen. „Wie meinst du das? Und ist alles in Ordnung mit dir?“, fragte mich der braunhaarige Junge, der sich bis gerade eben noch an die Wand links von mir gedrückt hatte. Ein leichter Duft von Dahlien stieg in meine Nase, der wohl von ihm ausging.
Erneut schluckte ich den Kloß in meinen Hals herunter - das konnte doch alles nicht wahr sein.
„Ich-ich meine damit, dass das kein Trick sein kann. Meine Hände haben augenblicklich angefangen zu kribbeln und ich habe einfach das Gefühl das es irgendwie von mir kam“, erklärte ich und blickte ihn vorsichtig an.
Das blonde Mädchen begann schallend zu lachen. „I-ist das dein Ernst? Du hast das Gefühl, dass es von dir kam und deswegen kann es kein Trick gewesen sein? Genauuu… und bestimmt kam die Luftblase, in der ich durch den Schacht schwebte auch von mir selber und war kein Trick, stimmt’s?“
Der Braunhaarige neben mir lächelte mich an - auch wenn sein Lächeln ziemlich zittrig wirkte, und er sich sichtlich Mühe gab, nicht zu Blondie zu schauen. Erst jetzt viel mir auf, dass in seinen Haaren eine ganze Menge an Erde und Pflanzenresten hängten und ich sprach ihn drauf an: „Sag mal, wieso siehst du so aus, als hättest du dich aus einem Blumenbeet ausgegraben?“
Sein Lächeln wurde größer und er strich sich durch seine Haare, woraufhin ein wenig Erde herausrieselte. Anschließend rückte er seine Brille akkurat zurecht, bevor er mir endlich antwortete: „Naja, das war so, dass sich plötzlich ein Ball aus Erde und Pflanzen unter mir gebildet hatte, der mich langsam nach unten beförderte. Das war echt krass. Und ich glaube genauso wie du, dass dieser Erdball und auch das Eis von dir keine Tricks waren, irgendwie mussten wir sie… erschaffen haben.
Ich starrte ihn mit geweiteten Augen an und schaffte es auch endlich, mich aufrecht hinzusetzen.
Erneut begann Blondie hinter mir zu lachen, was mir mittlerweile richtig auf die Nerven ging.
„Wow, ihr zwei scheint ja richtig davon überzeugt zu sein, dass das von euch kam. Sagt mir, seit ihr zwei etwa Zauberer oder wie muss ich das jetzt verstehen? Zückt ihr zwei gleich eure magischen Zweige und jagt mir ‘nen Kitzelfluch auf den Hals?“, sie konnte sich kaum noch beruhigen, Lachtränen rannen ihr über die Wangen und ein Knurren entwich meiner Kehle.
Der Junge legte mir seine Hand erneut auf die Schulter. „Hey, lass sie reden, wir beide wissen was wir gesehen haben. Ich bin übrigens Alexander, aber du kannst mich Alex nennen“, sagte er zu mir und grinste erneut. Ich ignorierte das nervige Gelächter von Blondie und lächelte Alex ebenfalls an. „Okay, du hast Recht, wir wissen was wir gesehen haben. Ich bin Luna“, erwiderte ich.
„Und ich weiß ebenfalls was ich gesehen habe“, ertöne eine leise Stimme hinter mir und ich zuckte zusammen. Eine Art elektrischer Schauer jagte über meinen Rücken, als ich mich umdrehte und den schwarzhaarigen Jungen erblickte. Er ließ sich vorsichtig neben Alex auf den Boden fallen, stets darauf bedacht, mir nicht zu nah zu kommen - und das war auch gut so, da seine Anwesenheit doch etwas Angst in mir auslöste.
„Wie meinst du das? Ist dir etwa auch sowas passiert?“, fragte ihn Alex, während ich den Boden unter mir studierte.
Als der Schwarzhaarige zu sprechen begann, biss ich mir auf die Zunge und verfolgte angestrengt mit den Augen den Verlauf eines Risses auf dem Boden: „Ja, mir ist auch so etwas passiert, nur, dass es bei mir ein Feuerball war, der mich umhüllte.“
Mein Kopf schnellte nach oben. „Das kann nicht sein, wieso sitzt du dann noch hier und bist kein Häuflein Asche?“
Er zuckte nur mit den Schultern, woraufhin ich erst bemerkte, dass seine Klamotten ein wenig angekokelt waren und der leichte Geruch von verbranntem Holz wehte zu mir herüber. „Ich weiß es nicht, das einzige was ich weiß ist, dass das Feuer sich schon fast sanft um mich geschlungen hat und ich mich als Kind auch nie verbrannt habe. Wieso bist du eigentlich klitschnass?“ Er stockte kurz, bevor er diese Frage an mich richtete.
Erst jetzt bemerkte ich, dass ich von Kopf bis Fuß wirklich patschnass war. „Das… liegt vermutlich daran, dass mich eine Wasserblase umhüllt und nach unten getragen hat“, antwortete ich zögerlich.
Alex‘ Blick schrie schon fast die Frage heraus, weshalb ich nicht ertrunken bin.
„Schau mich nicht so an, Alex, ich weiß es doch selber nicht! Ich weiß nur, dass ich schon seit ich klein bin ziemlich lange die Luft anhalten kann“, leicht verzweifelt fuhr ich mir durch meine nassen Haare und seufzte tief. Ein kalter Schauer fuhr mir über den Rücken und ließ mich kurz zittern.
Der Junge mit den schwarzen Haaren - in Gedanken nannte ich schon „Feuergeist“ - bemerkte mein Zittern, zog seine angebrannte Jacke aus und gab sie mir. Ich murmelte ein leises „Danke“ und zog sie mir dann schnell über.
Erneut erklang hinter mir ein Lachen. „Ach wie niedlich! Fehlt jetzt ja nur noch, dass ihr beide gleich rumknutscht.“ Blondie stieß ein Kichern aus, woraufhin ich aufstand und mich zu ihr umdrehte. Meine Augen verengten sich zu Schlitzen und meine Hände ballten sich zu Fäusten.
„Was ist dein Problem? Haben wir dir irgendetwas getan, dass du so fies zu uns bist?“, zischte ich durch zusammengebissene Zähne.
„Ihr habt mir nichts getan, aber ich finde es einfach so lustig, wie ihr drei denkt, dass die Pflanzen, das Feuer, das Wasser und das Eis von euch kommen. Wie wollt ihr das denn angestellt haben? Hm? Sag mir das mal, Fräulein Neunmalklug“, auch ihre Hände waren zu Fäusten geballt und irgendwie fühlte es sich an, als würde eine Brise um sie herum wehen. Wütend standen wir beide uns gegenüber und blickten in die Augen des Gegenübers. Ich merkte, dass sie trotz ihren Absätzen die sie trug, etwas kleiner war als ich, was mich mit ein wenig Genugtuung erfüllte. 
„Ich weiß es doch auch nicht! Aber ich weiß, dass ich mir das nicht eingebildet habe und dass alles hier eine Erklärung haben muss! Selbst wenn diese Erklärung bedeuten sollte, dass wir irgendwelche Übermenschen sind!“, fast schrie ich sie an, konnte mich aber gerade so noch beherrschen. Stattdessen knirschte ich mit den Zähnen und ballte die Fäuste so fest, dass sich meine Fingernägel in meine Hände gruben.
Gerade als sie den Mund öffnete, um mir zu antworten, begannen meine Hände erneut zu kribbeln.
Oh nein, bitte nicht schon wieder!, betete ich stumm und atmete tief ein und aus. Plötzlich traf mich eine Art Druckwelle und schleuderte mich einen guten halben Meter nach hinten.

„Uff…“, erklang es unter mir, und ich wusste ohne hinzusehen, dass ich genau auf dem schwarzhaarigen Jungen gelandet war.
„Verdammt, ist alles in Ordnung mit dir?“, fragte ich, ignorierte das Kribbeln meiner Haut bei seiner Berührung und rollte mich von ihm herunter. Zögerlich hielt ich ihm meine Hand hin, damit er wieder in eine aufrechte Sitzposition kam und biss mir leicht auf die Unterlippe. Gleichzeitig war ich ziemlich froh, dass meine Hände aufgehört hatten zu kribbeln und ich so nicht mehr erwarten musste, dass Wasser aus ihnen kam.
Ohne auf meine Hand zu achten, rappelte er sich wieder auf und strich sich vorsichtig über die Schulter. „Ja, alles in Ordnung. Wieso bist du gerade nach hinten geflogen?“
Ich ließ meine Hand sinken und strich langsam mit einem Finger über die Naht meiner kurzen Jeans. Mein Schultern zuckten kurz hoch und zeigten ihm so, dass ich es selber nicht wusste.
Plötzlich stand Alex neben mir auf und ging zu der Stelle, wo ich gerade eben noch stand.
„Wie krass“, hörte ich ihn murmeln.
„Was ist denn, Alex?“, fragte ich vorsichtig.
„Seht euch das hier mal an. Das sind deine Fußabdrücke, Luna. Aus purem Eis!“
Ich hielt mir meinen leicht pochenden Kopf. „Das kann doch alles nicht wahr sein. Wie ist das denn möglich?“, murmelte ich.
Plötzlich kam ein Stöhnen aus der Ecke, wo Blondie stehen müsste. Vorsichtig hob ich meinen Kopf, um die Kopfschmerzen nicht zu verstärken. Ich sah, dass sie auf dem Boden lag und sich ebenfalls den Kopf hielt.
„Was ist denn mit dir passiert?“, fragte der Schwarzhaarige und ging etwas näher an sie heran.
„Keine Ahnung, mich hat irgendetwas nach hinten geschleudert und ich bin vor die Wand hier geknallt“, ihre Worte endeten wieder mit einem schmerzverzerrten Stöhnen.
„Lass mich mal deinen Kopf sehen“, sagte er bestimmt und kniete sich neben sie. Wiederwillig ließ sich Blondie auf die Untersuchung ein und verzog ein paar Mal noch das Gesicht.
Ich dagegen atmete tief durch und rieb mir langsam die Schläfen, in der Hoffnung, die Kopfschmerzen würden aufhören.
„Alles ok? Hast du dir vorhin etwa auch den Kopf gestoßen?“, ertönte plötzlich eine Stimme neben mir und ich zuckte erschrocken zurück.
„W-Was? Nein, nein, alles gut, ich habe nur ein bisschen Kopfschmerzen, mehr nicht. Das… das hört sicherlich gleich auf“, versicherte ich meinem Gegenüber, dessen dunkelgrünen Augen mich anfunkelten.
Er lächelte mich vorsichtig an, man sah ihm an, dass diese Nähe zu mir schon zu viel für ihn war - genauso wie für mich.
„Okay, um die Frage jetzt ein für alle Mal zu klären: wie heißt ihr drei überhaupt? Damit ich mal weiß, mit wem ich es hier in dieser Freakshow zu tun habe“, ertönte da auch schon wieder die liebreizende Stimme von Blondie und ich verdrehte innerlich die Augen.
Man hörte Alex deutlich schlucken, bevor er ihr zögerlich antwortete: „Ich bin Alexander, aber ihr könnt mich gerne Alex nennen, ich hasse meinen kompletten Namen.“ Vorsichtig grinste er in die Runde, woraufhin „Feuergeist“ und ich ihn anlächelten.
„Ich bin Luis“, stellte sich die Person neben mir vor und sagte nicht mehr dazu.
„Mein Name ist Luna. Wie der Mond“, diesen Zusatz konnte ich mir nicht verkneifen, da er mich an meine Eltern erinnerte, die mir liebend gerne erzählten, wie sie in einer Vollmondnacht auf meinen Namen kamen.
„Aha, Alex, Luis und Luna. Na dann, ich heiße Maja“, stellte sich auch Blondie vor und musterte uns alle komischerweise von oben bis unten.
Ich räusperte mich leise. „Naja, da das jetzt auch erledigt wäre, wie kommen wir hier wieder heraus?“

„Gar nicht, das hier ist jetzt euer zu Hause“, ertönte da eine mir bekannte Stimme und jemand trat aus dem Schatten hervor.
„Sel?!“, stießen wir vier gleichzeitig geschockt hervor.
„Moment, ihr kennt sie auch?“, fragte Maja verwirrt. Wir anderen nickten und ich antwortete: „Ja, ich habe ihr heute Mittag die Einkäufe heimgetragen, weil sie ihr heruntergefallen waren.“
„Das kann nicht sein, das habe ich heute Mittag auch gemacht“, widersprach mir Luis und ich zog verwirrt die Augenbrauen zusammen.  Anschließend fiel mir etwas ein und ich kramte in meiner Jackentasche nach den Münzen. „Hast du dann auch von ihr diese Münzen bekommen?“, fragte ich und hielt sie ihm hin.
„Hey, die habe ich heute auch von ihr bekommen!“, sagten da Maja und Alex gleichzeitig und zuckten daraufhin zusammen.
Die Kopfschmerzen schlichen sich schon wieder bei mir an, weshalb ich mir verstohlen die Schläfe rieb.
„Wann war das heute bei euch ungefähr?“, kam die Frage nach kurzem Zögern von mir. Vielleicht steigerten wir uns einfach nur in etwas herein, und wir hatten die Münzen innerhalb mehrerer Stunden bekommen.
„Naja, mittags halt, 12.00 Uhr eben“, antwortete Alex und die anderen beiden nickten zustimmend.
„Langsam wird das hier echt gruselig“, murmelte ich und rieb fester über meine Schläfe.
„Dir wird das jetzt erst gruselig? Wow, dann bist du ja echt gut. Mir ist das schon seit ich durch diesen Schacht kam echt gruselig“, zu meiner Überraschung kamen diese Worte von Maja.
„Ich dachte du glaubst das hier alles nicht und hältst es für einen riesengroßen Trick?“ Luis klang genauso skeptisch wie ich mich fühlte.
Die Blondine fuhr sich durch die Haare, ehe sie eine Antwort gab: „Naja, spätestens seit ich durch die Druckwelle oder so nach hinten geflogen bin, glaube ich diesen ganzen Kram langsam… Denn als diese Druckwelle sich aufgebraut hat,  hat mein ganzer Körper gekribbelt und ich hatte dieses starke Gefühl, dass dieser Wind von mir kam.“
Alex hob die linke Augenbraue. „Ist das dein Ernst? Uns für lächerlich halten, weil wir alle das Gefühl hatten, dass die Dinge von uns kamen und jetzt selber sagen so ein Gefühl zu haben?“
Sie ließ den Kopf ein wenig hängen.
„Ja, ich weiß, aber das lag einfach daran, dass ich am Anfang zu Fremden immer so bin. Ich möchte halt nie meine Angst und so zeigen“, murmelte sie und spielte an ihrem T-Shirt herum.
Ich seufzte tief und schüttelte kurz den Kopf. Das war doch nicht ihr Ernst…
„Und jetzt?“, kam es von Luis und er sah uns alle der Reihe nach an.
„Was meinst du?“, fragte ich ihn verwirrt.
„Naja, was machen wir jetzt? Ist ja schön und gut, dass Maja anscheinend doch nicht so zickig ist, wie am Anfang vermutet, aber mich würde halt interessieren wieso wir überhaupt hier sind“, antwortete er mir, vermied jedoch weiterhin den Augenkontakt.
„Diese Frage kann ich dir ganz leicht beantworten, Junge. Ihr werdet hier ausgebildet, dies hier ist euer neues Heim“, erneut ertönte Sels Stimme und mir lief ein kalter Schauer über den Rücken. Automatisch zog ich mir Luis‘ Jacke enger um die Schultern.
„Ausgebildet? Zu was denn?“ Maja klang ziemlich misstrauisch, während ich nach ihren Worten die Augenbrauen zusammen zog.
Als Sel kurz zu mir blickte, war mir wieder, als würde irgendwas in meinem Inneren schreien, war aber zu leise damit ich es hörte.
„Zu vollwertigen Alamande, Mädchen. Ihr werdet hier zu dem ausgebildet, was schon euer ganzes Leben in euch geschlummert hat.“
„Ala-was?“, kam es von Alex, während er sich die Brille auf der Nase hochschob.
„Alamande. Dies sind Menschen, mit besonderen Fähigkeiten. Bei euch wäre es die Elementsbeherrschung“, erklärte Sel, klang dabei allerdings als würde sie mit Kleinkindern sprechen.
„Also doch“, murmelte ich leise und fragte dann lauter: „Und… wieso haben wir so extreme Angst vor den anderen?“
Maja blickte mich mit gerunzelter Stirn an, weshalb ich sagte: „Ach komm schon, sag mir nicht, das du vorhin nicht voller Angst vor Alex zurückgewichen bist und es jetzt eigentlich auch am liebsten machen würdest.“
Kurz seufzte sie, bevor sie zustimmend nickte.
„Das ist normal, vor seinem Gegenstück hat jeder am Anfang Angst. Aber das legt sich nach einiger Zeit.“
„Wieso denn das? Ich meine, es ist doch total bescheuert, dass wir vor einer Person Angst haben und vor den anderen beiden nicht. Was soll das denn bringen?“ Alex setzte, nachdem er diese Frage gestellt hatte, seine Brille ab und begann sie nachdenklich mit seinem T-Shirt zu putzen. Währenddessen kniff er instinktiv etwas die Augen zusammen.
Sel zuckte nur mit den Schultern. „Wir wissen es selber nicht so genau. Allerdings vermuten wir, dass es daran liegt, dass sie Gegenstücke sich immer am meisten voneinander unterscheiden und sich dadurch sozusagen abstoßen. Gleichzeitig ziehen sie sich aber auch auf eine Weise an und da euer Körper damit nicht zurechtkommt, empfindet ihr diese Angst.“
„Aha“, mehr kam nicht aus Alex‘ Mund, während er seine Brille wieder aufsetzte.
„Und was machen wir jetzt?“, gedankenverloren spielte Maja mit der Münze in ihrer Hand. Plötzlich leuchtete diese in einem strahlenden Weiß. Sie runzelte die Stirn, umschloss die leuchtende Münze mit der Faust und schüttelte ihre Hände.
Zeitgleich begannen meine  eigenen Hände zu kribbeln. Auch ich schüttelte sie, aus Angst etwas einzufrieren. Als es danach aber nicht aufhörte, blickte ich hinab und bemerkte etwas Merkwürdiges.
Die Münze, die ich ebenfalls noch in der Hand hielt, leuchte tiefblau auf und meine Hände waren aus einem Netz aus Wassersträngen umhüllt.
„Was ist denn hier los?“, kam es auf einmal irritiert von Alex. Ich blickte zu ihm herüber und traute meinen Augen kaum. Aus der Erde, die an seinen Händen klebte, sprossen Ranken und weiße Rosen, welche sich alle zu Maja neigten. In der Mitte von ihnen leuchtete etwas in grellem grün - ich nahm an, dass es seine Münze war.
Zum Schluss wagte ich einen Blick mir gegenüber, während ein kleiner Windstoß mir die Haare in die Augen wehte.
Das was ich bei Luis sah, war das Beeindruckendste, was ich bei uns vier sah. Von seinen Händen stiegen regelrechte Stichflammen auf.
Wie von einer fremden Person gesteuert, streckten Maja, Alex und ich den rechten Arm mit der Handfläche nach unten in Richtung unseres Gegenübers. Luis tat dasselbe mit dem linken Arm.
Plötzlich begannen sich mein Wasser, Alex‘ Ranken, Luis‘ Feuer und der Wind von Maja auf einander zuzubewegen und wie auf Kommando ließen wir unsere Münzen fallen. Diese leuchteten wie Atomreaktor, rollten aufeinander zu und blieben dann auf der Kante, im neunzig Grad Winkel zueinander, stehen.
Alle vier Elemente schossen auf einmal zu ihrem Ursprung zurück, und hüllten jeden von uns in eine große Blase daraus ein.
Während ich also in einer Wasserblase eingeschlossen war, und mich fragte, ob der Tag noch verrückter werden konnte, begann mein ganzer Körper zu kribbeln. Dies war ziemlich unangenehm, vor allem da noch stechende Kopfschmerzen dazu kamen.
Auf einmal begann die Blase sich zusammen zu ziehen und umhüllte kurze Zeit später eng meinen Körper.
Das war das letzte was ich sah, denn anschließend gab es einen großen Knall, mir wurde schwarz vor Augen und ich spürte wie ich auf dem Boden aufschlug. 

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Kapitel:3
Sätze:631
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Kurzbeschreibung

Alamande. Personen mit besonderen Fähigkeiten. Personen, die die Gefühle anderer beeinflussen, Gedanken lesen oder ein Element kontrollieren können. Ihr denkt, so etwas gibt es nicht? Tja, dann geht es euch genauso wie der vierzehnjährigen Luna Mathews und drei anderen Jugendlichen. Doch dies änderte sich, als die vier von einer, ihnen unbekannten Frau merkwürdige Münzen bekamen und sich so ihr ganzes Leben veränderte. Denn so fanden sie Dinge über sich heraus, die sie niemals gedacht hätten, lernten neue, interessante Leute kennen und stürzten kopfüber in ein Abenteuer.