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| Sätze: | 36 | |
| Wörter: | 472 | |
| Zeichen: | 2.562 |
Zärtlich streicht er ihr über das weiße Haar. Er lehnt an einem Baum, der ihnen Schatten spendet. Eine Picknickdecke liegt unter ihnen ausgebreitet auf dem Waldrand. Ihr Kopf liegt auf seinem Schoß und sie träumt vor sich hin.
Beinahe zehn Jahre sind sie nun zusammen und jeder Tag ist schöner als der vorherige. Was für eine Gnade gemeinsam zu altern. Wie viele Lieben gab es schon vor ihnen? Was zählt das schon. Nichts, nur die letzte Liebe ist das Wichtigste.
Er flüstert ihr Worte voller Zuneigung ins Ohr und sie lächelt im Schlaf. Im Traum fliegt sie mit ihm Hand in Hand über blühende Wiesen und wogende Getreidefelder. Leichtigkeit und Fröhlichkeit sind ihre Begleiter. Es ist warm und ein sanfter Windhauch treibt sie am blauen Himmel voran. Magie liegt in der Luft und die ganze Szene atmet Harmonie. Als hätte er gespürt, was sie gerade träumt, nimmt er ihre Hand und hält sie fest und er fühlt dieses unbändige Gefühl namens Liebe für sie. Es wärmt sein Herz und seine Seele. Sie hat seine Seele geheilt und er die ihre.
Liebevoll beobachtet er sie, wie entspannt und jugendlich sie doch wirkt. Sie gehen beide auf die Achtzig zu und trotzdem ist die Liebe zwischen ihnen frisch geblieben und sie scheint noch immer zu wachsen. Seine Augen strahlen spitzbübisch und seine Mundwinkel zucken leicht, so als würde er gleich in lautes Lachen ausbrechen. Er hält sich zurück, will er sie doch nicht wecken. In seinen Gedanken stellt er sich allerdings vor, wie er da nur wieder hochkommen wird und außerdem ist sein rechtes Bein eingeschlafen. Aber er nimmt das alles in Kauf für diese wunderbare Frau.
Sie bewegt sich leicht und öffnet ihre Augen. Es war kein Traum, nein, die Wirklichkeit ist noch viel besser. Sie setzt sich auf und er meint lachend zu ihr: "Gut, dass du munter bist. Mir tut schon meine Knochen weh und ich muss dringend pinkeln." Sie hilft ihm beim Aufstehen und er verzieht sich hinter einen Baum. In der Zwischenzeit schenkt sie Wasser in einen Becher ein und macht einen großen Schluck. Dann gibt sie ihm den Becher und er trinkt ihn leer.
"Was hast du geträumt? Du hast vor dich hingelächelt." "Von uns. Wir sollten zusammenpacken und uns auf den Weg machen. Wir sind ja nicht mehr die Schnellsten!"
Sie steckt die Decke in ihren alten Rucksack. Langsam, aber unendlich glücklich, gehen sie los. Hand in Hand, ihrem gemeinsamen Heim entgegen.
Wenn ich alt bin, werden meine Schritte langsamer sein. Vielleicht werde ich nicht mehr so gut hören und auch nicht mehr so gut sehen können. Aber meine Liebe wird noch immer die gleiche sein.
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Anne • Vor 17 Minuten | |
| Wunderschön! So wünscht man sich das gemeinsame Alter. LG | ||
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