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Der Wilson - Clan

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07.08.22 14:19
16 Ab 16 Jahren
In Arbeit

7 Charaktere

Robin Wilson ( Hauptcharakter)

Drittgeborene Tochter der Fam. Wilson, leidenschaftliche Tänzerin, Schwester in der Notaufnahme, lebt für diesen Beruf, die Stillste der Geschwister

Eric Peters (Chefarzt der Chirurgie)

kommt neu ins Open Hospital, Ex von Cruz; weiß, was er will und kämpft dafür; ihm wird Respekt gezollt und ist beliebt in der Notaufnahme

Rudy Wahly (beste Freundin von Robin)

korpulente, lustige Frau, mit der man Pferde stehlen kann, verheiratet und hat eine dreijährige Tochter

Sarah Wilson

verwöhnte zweitälteste Tochter der Fam. Wilson, hält ihre Hände für alles offen und bekommt, was sie will...treibt ihre anderen Geschwister in den Wahnsinn

Justin Wilson(Jus)

jüngstes Fam.-mitglied der Wilsons, arbeitet in einem Obdachlosenheim, sagt was sie denkt und fühlt, sorgt stets für Gerechtigkeit in der Familie

Terry Wilson

der Älteste von den Vier Wilsons, Robin ist seine Lieblingsschwester, hat seine eigene Autowerkstatt und Tankstelle, ist der Friedlichste und lässt sich von seiner jüngsten Schwester und Robin immer provozieren

Cruz (Ex - Frau von Eric)

eifersüchtig, zu allen Missetaten bereit

Robin Wilson tanzt leidenschaftlich für ihr Leben gern - Momente, in denen sie abschalten, neue Kraft schöpfen, einen klaren Gedanken fassen, einen kühlen Kopf bewahren und sich vom Alltag herunter fahren kann. Bis sich eines Tages ein schwerer Unfall ereignet, der sie dazu zwingt, ihr größtes Hobby und Lebenselixier aufzugeben. Nach ihrer Genesung sucht sie sich einen Job im "Open Hospital" in der Notaufnahme. Dort trifft sie erneut auf ihre Schwester Sarah, die mit ihr einen Konkurrenzkampf unter Geschwistern austrägt. Seit sie wieder aus der Versenkung aufgetaucht ist, passieren um Robin seltsame, gefährliche Dinge und Menschen, die ihr Leben zu etwas Wertvollem machen, lassen ihr Leben und werden ihr genommen. Ob Sarah mit all dem zu tun hat? Denn sie ist so ganz anders als die anderen Wilson - Geschwister.

Auch Cruz, die Ex - Frau von Dr. Eric Peters, versucht Robin in die Knie zu zwingen, denn Cruz will Eric um alles in der Welt wieder für sich zurück gewinnen. Jedes Mittel ist ihr recht. Doch Eric hat ein Auge auf Robin geworfen. Er hatte bei ihrem Unfall beim Wettbewerb erste Hilfe geleistet und kann sie seitdem nicht vergessen. Im "Open Hospital" laufen die Beiden sich erneut über den Weg.

Kann Eric Robin für sich gewinnen oder steht Robin ihre Gefühlsachterbahn unter einem schlechten Stern? Denn der Weg, den sie gehen muss, wird steinig sein.

 

 

 

Ein Blick in ihren Spiegel sagte ihr alles. Zu sehr hatte das einschneidende Erlebnis sie geprägt. Seither verfolgte es sie bis in ihre Träume. Ihre Nächte waren seitdem unruhig, kurz gehalten und schlaflos. Sie hatte Angst abends einzuschlafen. Robin stand im Bad vor dem Spiegel. Es war schon nach Mitternacht. Sie drehte den Wasserhahn mit dem kalten Strahl auf und wusch sich das Gesicht. Mit dem schwarz - weiß gestreiften Handtuch trocknete sie sich ab und ruhte noch für ein paar Minuten etwas darin. Ihr Puls war beschleunigt und innere Wut war in ihr. Ihr Pyjama war nass geschwitzt .Schon wieder! Wie sollte es auch anders sein? Sie hatte jede Nacht den selben Traum. Jede Nacht befand sie sich in ihren Träumen beim Tanzwettbewerb für eine Solokarriere. Im Hintergrund lief der Song "Bad Time Style Back." Der wieder und wieder wie ein lästiger Ohrwurm auf sie einhämmerte . Das Klaviersolo drang ganz nah an ihr Ohr. Und bevor jedes Mal die Geige zum Einsatz kam, hörte sie sich aufschreien und stürzte zu Boden und erwachte. Bis kurz vor der Siegesernennung lief alles bestens. Ihre Schwester Sarah war mit von der Partie.

Robin hatte ihre Choreo fast beendet, als sie den roten Schal auf sich zufliegen sah...Sie bekam nur noch den Sturz mit und dann...Schmerz, Tränen, viele Schaulustige und...ER...Wie hieß er nochmal?...Robin konnte sich an den Arzt vor Ort nicht mehr erinnern. Ihre ältere Schwester Sarah manipulierte den Auftritt ihrer jüngeren Schwester. Immer wieder warf sie sich in ihren Träumen hin und her und wachte total verschwitzt auf. Dann zog sie ihren Pyjama aus und ging unter die Dusche. Sie brauchte jetzt diese Abkühlung, um wieder einen klaren Gedanken zu fassen. Sie schloss ihre Augen, kehrte an den Ort zurück, wo alles passiert war.

~~

"Miss Wilson?...Miss Wilson!...Können Sie mich hören?...Hören Sie mich?... Ich bin Dr. Peters...Ruft doch jemand einen Rettungswagen und steht nicht nur so herum! Macht bitte Platz...eine Gasse bitte!", rief seine Männerstimme in den Saal hinein. Robin lag im Tanzstudio auf dem kalten Parkettboden. Sie sah alles verschwommen, ihr Kopf tat weh und ihr rechtes Bein war gebrochen. Überall um sie herum lagen kleine Glassplitter verteilt und dieser rote Schal, der gegen ihre Beine geschleudert wurde. Sie hörte die ganzen Stimmen, die alle durcheinander redeten, um sich herum nur im Schall. Das Licht an der Decke sah aus wie ein Strahl, der sich in einzelne Lichtstreifen in alle Himmelsrichtungen auszubreiten schien. "Was ist passiert?", fragte Robin benommen.

"Bleiben Sie ganz ruhig liegen, Miss...Ihr rechtes Bein ist gebrochen, Doppelbruch wie es aussieht...Wenn ich es so sagen darf, es sieht böse aus...Sie haben eine schwere Kopfverletzung. Die müssen wir wohlmöglich nähen oder klammern...Sie dürfen sich nicht bewegen. Ich bin bei Ihnen. Alles wird gut. Sprechen Sie mit mir. Sie müssen wach bleiben....Hilfe ist gleich da!...Ich werde Sie ins Krankenhaus begleiten, dass Sie nicht allein sind!...Wenn Ihnen das Recht ist.", redete Dr. Peters auf sie ein, um sie wach zu halten. Er leistete ihr, soweit es ihm möglich war, erste Hilfe. Der Arzt blieb bei ihr und beruhigte sie, bis der Rettungswagen eingetroffen war. Somit kam sie wenigstens nicht auf den Gedanken, sich aufzurappeln, um ihrer Schwester Sarah eine ins Gesicht zu donnern.

Sie saß neben ihr und grinste sie an und fragte hinterhältig: " Wie fühlst du dich kleine Schwester? Hat es sehr weh getan?...Das sollte es auch, denn ICH hab den Job!...Ich muss zugeben, deine Choreo war klasse. Aber es kann nur eine von uns Beiden gewinnen...Und das bin ICH...Wie immer!...Bleib ruhig liegen und genieß deine Schmerzen!...", und Sarah erhob sich vom Boden und verschwand für immer.

"Kennen Sie die Frau, die Ihnen das angetan hat?", fragte der Arzt sie. Robin fand keine Worte. Sarah war der einzige Grund, warum sie an diesem Tag auf dem polierten, kalten Parkettboden lag, mit einem gebrochenen Bein. Somit hatte sich wohl ihr größter Traum in Luft aufgelöst.

Mit dem Tanzen war es jetzt vorbei!

Dank ihrer Schwester Sarah.

~~

Robin verließ die Dusche und nahm das große braune Handtuch vom Handtuch - Halter herunter und trocknete sich damit ab. Sie stand dabei vor dem Spiegel und betrachtete ihr müdes Gesicht. Sie war von schlaflosen Nächten gezeichnet. Sie war von ihren hysterischen Schreien aufgewacht - wie jede Nacht...sobald sie den Schal auf sich zu fliegen sah. Ihr überlanges rot - braunes glattes Haar lag in allen Himmelsrichtungen auf dem Kopfkissen verstreut.

Sie warf ihren durchgeschwitzten Pyjama in die Wäsche. Sie knipste das Licht im Bad aus und betrat im Handtuch eingewickelt ihr Schlafzimmer und holte aus ihrem Kleiderschrank einen frischen Pyjama, den sie sich anzog, nachdem das Handtuch auf den Fußboden lag. Danach ging sie in die Küche an den Kühlschrank, um sich Milch herauszuholen. Etwas davon schüttete sie in ein Glas und stellte den Rest Packen Milch in den Kühlschrank zurück. Mit dem Glas ging sie in ihr Schlafzimmer und stellte es auf den Nachtschrank links vom Bett. Dann legte sie sich wieder in ihr Bett, damit sie noch etwas schlafen konnte, ehe der Wecker die Nacht beendete.

Jedenfalls versuchte sie es...wie jede Nacht.

 

 

"Terry, du blockierst das Badezimmer und das schon seit einer Dreiviertelstunde, man. Was treibst du denn solange da drin?...Ist dir klar, daß hier noch andere in diesem Haus wohnen, die es benutzen wollen?", und sie klopfte erneut mit ihrer rechten Faust gegen die Badtür.

"Hey Jus! Mach nicht so einen Lärm am frühen Morgen! Steh früher auf oder frag die Nachbarn nebenan. Vielleicht haben sie ja Erbarmen mit dir.", kam es aus dem Inneren vom Badezimmer der Wilsons. "Und außerdem bist du ja wohl die Einzige in der, ach so langen, Warteschlange. Also was soll das Theater?", fügte Terry hinzu. Terry war der Älteste von vier Kindern der Wilsons - Geschwister. Er besaß eine eigene Autowerkstatt mit einer kleinen Tankstelle am Rande der Stadt. Terry liebte den Geruch von Benzin und Öl. Das Geschäft lief gut, er konnte sich nicht beklagen. Er liebte den Schmutz. Doch er hasste den Schmutz, der an seiner Schwester Sarah klebte.

Sie war die Zweitälteste der Vier. Sie war sehr verwöhnt und der Liebling von Dave und Eveline Wilson. Sie wußte, wie man einem Honig um's Maul schmierte, nur um das mit offener, ausgestreckter Hand zu bekommen, was sie wollte...Geld, ein neues Auto. Jeder Wunsch wurde ihr erfüllt. Deshalb gab es wegen ihr sehr oft Streit unter den vier Geschwistern. Denn ihr glaubten die Eltern mehr, als den anderen Drei. Sarah hatte mehr Narren - Freiheiten und konnte tun und lassen, was sie wollte...Während die anderen Drei die Regeln des Hauses einzuhalten hatten.

Die Dritte im Bunde war Robin. Ihr großer Traum war eine Solokarriere als Tänzerin. Sie trainierte überall...zu Hause, im Park, in der Schule... später im Studio von Jermaine und Jülie. Sie war großartig. Sie blühte auf, wenn sie mitten im Tanz steckte und vergaß all den Streß und Ärger. Danach war sie ein neuer Mensch - bis zum Tag des Unfalls, der ihren größten Traum für immer platzen ließ. Nach ihrer Genesung und der Physiotherapie suchte sie sich einen Job und landete schließlich im "Open Hospital".

Justin, liebevoll Jus genannt, war das jüngste Mitglied der Geschwister, süße 23, arbeitete in einem Obdachlosenheim. Sie war die reinste Nervensäge. Sie konnte ihre Geschwister auf die Palme bringen, vor allem ihren großen Bruder Terry. Sie zog ihn auf, wo sie nur konnte und er fiel immer darauf herein. Wenn man bedenkt, dass jeden Morgen im Hause Wilson eine Schlacht statt fand, wenn es um das Badezimmer ging.

Leider verlor Terry immer wieder die Schlacht...Jeden Morgen.

Justin keifte immer noch vor der Tür. Ein Spalt wurde geöffnet und zwei braune Augen lugten hervor. Jus wurde langsam wütend und schob die Tür mit aller Kraft auf und baute sich vor ihrem großen Bruder auf. Der war nur mit einem Handtuch um die Hüften bekleidet. Er hatte noch etwas Rasierschaum auf dem Oberkörper und in der rechten Hand lag der Rasierer.

"Hey, das ist meiner!", schnauzte Jus ihn total genervt an. "Kauf dir einen Eigenen. Und komm mir ja nicht mit der Ausrede, er liegt in der Werkstatt...Oder er liegt bei irgendeinem Betthäschen von dir...Das kannst du knicken. Das kauft dir doch keiner ab, man!"

Sie ging auf ihn zu und nahm ihm den Rasierer weg und schob ihn aus dem Badezimmer hinaus. "Was soll das, Justin?", fragte Terry seine jüngste Schwester.

"Entschuldige mal Bruderherz! Aber das hier ist nun mal leider das einzige Bad im Haus und ich bin gerade ein Notfall!", und sie schlug ihm die Tür vor der Nase zu. Terry hielt sich das Handtuch unterhalb der Gürtellinie fest und rief in Richtung Badezimmer: "Ich bin noch nicht fertig, man! So kann ich nicht zur Arbeit!"

"Dann nimm eine Pinzette und vollende dein Kunstwerk im Flur vor dem Garderobenspiegel!", kam es aus dem Bad. Justin legte ihm eine kleine Pinzette vor die Tür. "Soll das'n Witz sein, Jus?" Terry hob sie auf und stellte sich vor dem Spiegel in der Garderobe. Er besah seinen halbfertig rasierten Oberkörper und wischte mit dem rechten Zeigefinger durch den Schaum und zog an einem Haar. "Autsch!", zischte er und miexte: "Sag mal, hat dich der Blitz getroffen oder was?...Du bist doch verrückt! Das tut ja schon mit den bloßen Fingern weh. Was soll das denn erst mit der Pinzette werden?", nörgelte er vor sich hin. Dann brüllte er laut, dass Jus ihn hören konnte:

"Du weißt schon, dass das höllisch weh tut?...Wie haltet ihr das denn mit Heißwachs aus?" Da ging die Haustür auf und Robin trat ein. Sie schloß die Haustür und drehte sich zu Terry. Sie blieb abrupt vor ihm stehen und beäugte ihren Bruder von oben nach unten. Er stützte seinen rechten Arm auf der Kommode ab, mit der anderen Hand hielt er das Handtuch fest und fragte Robin verlegen: "Du bist schon hier?...Ehm ...Wieso bist du nicht auf Arbeit, Rob?", und er grinste verlegen.

"Oh...Ehm, ich hab...Ich hab meinen Job gekündigt und bin jetzt obdachlos. Ich hab gerade meine Wohnung in die Luft gesprengt. Hast du nicht den lauten Knall gehört?...Nein?...Dann muß ich mich wohl das nächste Mal mehr anstrengen!", und sie ging an Terry vorbei. Sie fasste nach dem Handtuch und zog ein wenig daran.

"Hey!", brüllte Terry durch den Flur und hielt das Handtuch fest, damit es Robin ihm nicht ganz vom Körper ziehen konnte.

"Hab dich nicht so, Bruderherz! Ich hab schon andere nackt gesehen.", gab ihm seine jüngere Schwester Robin zu verstehen und sie betrat die Küche und ließ ihn halb nackt im Flur stehen.

Terry sah ihr nach und sah dann in den Spiegel. "Okay, das reicht jetzt! Was zuviel ist, ist zuviel!" Er zog das Handtuch höher, wischte den Schaum damit ab und polterte die Eichenholz - Treppe hinauf in sein Zimmer. "Weiber!...Typisch Schwestern! Ich frag mich, wieso davon hier so viel im Haus herum rennen." Dort zog er sich für die Arbeit an, nahm seine Motorrad - Schlüssel und fuhr in seine Werkstatt.

 

 

"Ich bin wieder zu Hause ihr Lieben!", kam es von der Haustür der Wilson - Villa.

"Oh nein!...Nicht das am frühen Morgen!...Erst Terry halb nackt vor dem Spiegel und jetzt der Zerstörer!...Ich muß los, Mum...Bis später!", und Robin zog sich ihre Jacke über.

"Wird es nicht Zeit, das Kriegsbeil zu begraben?", fragte ihre Mutter ihr hinterher. Robin hielt sich am Türrahmen fest.

"Auf keinen Fall! Lieber heirate ich einen alten Greis, als ihr zu verzeihen. Sie hat mein Leben ruiniert....", gab Robin zur Antwort. "Ist ja schon seltsam, dass ich heute zum Frühstück erscheinen durfte.", nuschelte Robin vor sich hin und wurde etwas lauter:

"Sie hat mir das genommen, was mich am meisten glücklich gemacht hat....Wir sehen uns heute Abend, Jus." Justin nickte und Robin verließ das Haus durch den Vordereingang.

Was ist denn heute Abend?", fragte Sarah, als sie sich an den Tisch gesetzt hatte.

Justin biss von ihrem belegten Brötchen mit Käse ab und sprach zu Sarah mit vollem Mund: "Das kann dir doch egal sein!"

Sie kaute schnell aus, spülte den Rest mit Kaffee herunter, schnappte ihre Sachen und Schlüssel und verabschiedete sich, um auf Arbeit zu fahren.

Robin war zum Krankenhaus gefahren und zog sich im Aufenthaltsraum an ihrem Spind um.

Ihre Schritte lenkten sie zur Notaufnahme. Das war ihr neuer Job, seit eineinhalb Jahren...nach ihrem schweren Tanzunfall, vielen Therapien, die sie heute immer noch in Anspruch nahm. Wochenlang trug sie einen Gips an ihrem Bein. Der jeden Tag und jede Nacht gejuckt und sie bald wahnsinnig gemacht hatte.

Es war heute ihr freier Tag, doch sie wollte arbeiten. Das war jetzt für sie die einzige Ablenkung.

"Hay Rudy!"

Eine etwas korpulente Frau mit großem, frechem Mundwerk sah sie an.

"Tag Schätzchen! Hast du nicht heute deinen freien Tag?"

Robin setzte sich an den Computer und öffnete das Aktenverzeichnis.

"Nein Rudy!...Hab's mir anders überlegt. Der Zerstörer ist zurück. Also geh ich lieber arbeiten, als mir den Arsch hoch jagen zu lassen."

"Und wie fühlst du dich?"

Robin schlug die erste Klemm - Mappe auf und begann auf der Tastatur herum zu hämmern.

"Als ob ich jemanden umbringen möchte."

"Okay, zuerst hole ich uns Kaffee vom "Coffee - Shop" um die Ecke. Wird ein langer Tag heute, ist verdammt viel los."

"Okay Rudy...Ich danke dir vielmals!", und Rudy schlüpfte in ihre lange Wollstrickjacke. An der Doppeltür drehte Rudy sich nochmal zu ihrer Freundin um.

"Schön, daß du da bist, Wilson!", sagte Rudy zu ihr und ließ Robin allein.

Rudy war Robins beste Freundin, verheiratet mit George Wahly und hatte eine dreijährige Tochter. Robin kannte Rudy, seit sie hier angefangen hatte. Doch bisher gab es noch keine Gelegenheit, den Rest der Familie Wahly kennenzulernen.

Das Hospital war zur Zeit unterbesetzt und jede Hand wurde gebraucht.

Rudy, Robin und Rusty verbrachten im Moment mehr Zeit auf Arbeit als daheim.

Rudy hatte Rob in allem eingearbeitet und herum geführt und mit jedem bekannt gemacht, als sie her kam. So lernte sie zu begreifen und zu verstehen und ging in ihrem neuen Job voll auf.

Anderen Menschen zu helfen, ob obdachlos, verletzt oder krank oder sogar in der Not, war für Robin ein Privileg.

Am gleichen Abend:

Robin saß mit ihrer Schwester Justin, Rudy und ihrem männlichen Begleiter Rusty im "Coffee - Shop" und tranken ihr Feierabend - Bier.

Rusty war ein guter Kollege von Rudy und Rob und obendrein stand er auf Männer.

Robin krempelte ihre Ärmel bis zum Ellenbogen und bestellte für alle die erste Runde.

"Wie war dein freier Tag heute, Rob?", wollte ihre kleine Schwester wissen, die etwas später zu dieser Abendrunde hinzu kam.

"Oh, naja,...Der war gar nicht so übel.

Lass mich mal überlegen....Wir hatten Brechfälle, einige Schußwunden, gebrochene Gelenke.....!"

"Moment!...Du warst arbeiten?", unterbrach Justin Robin.

"Jaap!...Was sollte ich denn sonst anstellen?...Dem Zerstörer das Gesicht polieren und mich strafbar machen?...Oh nein, ich geh dann lieber arbeiten. Ich ertrage ihre Visage nicht.", und Robin nahm einen großen Schluck von ihrem gemischten Bier mit Cola.

"Wieso ist Sarah schon wieder zu Hause? Sie war doch erst vorigen Monat da. Braucht sie schon wieder Geld oder ein neues Auto?"

"Vielleicht braucht sie einen neuen Liebhaber, den sie ausnehmen kann. Ob Mami und Daddy das bewerkstelligen können, wage ich strikt zu bezweifeln."

Robin legte die Bestellkarte hin und sagte beiläufig:

"Ehrlich gesagt, ist mir das sowas von Scheiß egal...Prost Mädels! Die nächste Runde geht auf mich!"

Rusty sah in die Frauenrunde und hob sein Glas an und flüsterte: "Prost Rusty!"

 

 

Zwei Tage nach diesem feucht - fröhlichen Abend saß Robin in der Frühschicht. Es war Sechs Uhr morgens. Sie betreute gerade eine Mutter mit ihrer fünjährigen kleinen Tochter...Klara. Sie waren auf dem Weg in den Kindergarten und die Kleine war mit dem Fahrrad vorne weg gefahren. Sie wollte einem Mann mit seinem Hund ausweichen, denn der Hund kläffte sie an und zog an Herrchens Leine und wollte ins Hinterrad hinein beißen. Das Mädchen wurde unruhig, bekam Angst auf ihrem Fahrrad und fuhr gegen einen Baumstamm und stürzte.

Die Kleine hatte sich wahrscheinlich den Fuß gebrochen, denn ein richtiges Auftreten bereitete ihr höllische Schmerzen. "Okay Klara! Du bleibst kurz mit deiner Mum hier sitzen. Der Doktor wird gleich hier sein, okay...?"

Klara nickte. Robin hockte sich zu ihr und wuschelte ihr den Kopf. "Du bist sehr tapfer, Klara!..Misses O'Malley, es geht gleich weiter. Sie werden mit Klara gleich aufgerufen. Ich warte dann hinten in der Radiologie auf Sie, um das Bein von Klara röntgen zu lassen. Dann wissen wir mehr nach der Auswertung. Ich hole ihrer Tochter noch schnell einen Rollstuhl."

"Danke Schwester Wilson!"

"Keine Ursache Misses O`Malley! Dafür sind wir doch da."

"Schwester!...Schwester!" Robin drehte sich zu der rufenden Stimme um.

"Mister Warren!...Beruhigen Sie sich! Kommen Sie! Setzen Sie sich!"

Mister Warren lebte in einem Obdachlosenheim. Robin fand ihn eines Abends nach ihrer Spätschicht angeschossen auf der Straße. Justin sorgte dafür, dass er eine Bleibe bekam und brachte ihn dort unter. Sie arbeitete dort und kümmerte sich um Menschen, die kein Dach über dem Kopf hatten.

Seitdem besuchte Mister Warren Miss Wilson in der Notaufnahme. Das war seine Dankbarkeit dafür, dass sie ihm das Leben gerettet hatte. Manchmal brachte er ihr Blumen aus dem Park mit, wenn er dort spazieren ging und sie pflückte. Robin kümmerte sich hin und wieder um seine Verletzungen, die er sich irgendwo zugezogen hatte.

"Was ist passiert, Mister Warren?...Oh mein Gott!...Sie bluten ja!", und Warren fiel vom Stuhl. Robin fing ihn auf. Warren war schwer und Robin rief durch die Notaufnahme: "Ich brauche hier Hilfe!...Rudy, sofort einen OP bereitstellen!", rief Robin. Sie zog Warren den Mantel aus und sah eine tiefe, stark blutende Messerstichwunde im Rücken. "Oh mein Gott! Warren!", flüsterte sie.

Rudy und Rusty kamen mit einem Bett und legten ihn vorsichtig auf die Seite. Dann ging es in den OP. Robin griff zum Telefon und rief im Obdachlosenheim an und schilderte Justin die Lage. Sie traf eine Stunde später ein, um nach Mister Warren zu sehen. Sie blieb solange bei ihm, bis er endlich eingeschlafen war. Er hatte die Operation gut überstanden. Doch ein paar Tage würde er schon noch im "Open Hospital" bleiben müssen. Robin hatte Justin und Mister Warren allein im Zimmer gelassen und kehrte zur Notaufnahme zurück.

"Geht es Mister Warren gut?"

"Ja Rudy, er hat nochmal Glück gehabt. Es ist ein Wunder, dass er es bis hierher geschafft hat mit dieser tiefen Wunde. Wer zum Teufel macht so was? Und das auch noch am heller lichten Tage?", und eine männliche Stimme halte durch die Notaufnahme.

Rudy und Robin hoben ihre Köpfe. "Rusty!", kam es gleichzeitig aus ihren Mündern.

"Ich geh dann mal das Patienten - Zimmer Eins fertig machen, Rudy!" "Okay, ich mach dann mal die Zwei soweit startklar!", und die Beiden stoben auseinander.

Rusty klopfte bei Rob im Zimmer Eins an der offen stehenden Tür an, die gerade das Bett mit Desinfektion einsprühte.

"Stör ich Rob?", fragte er sie.

Sie hielt kurz in ihrer Arbeit inne und sah zur Tür. "Was gibt es denn so Wichtiges, Rusty?"

"Darf ich vorstellen?...Das ist Doktor Eric Peters!...Der neue Chef der Notaufnahme und Chirurgie!"

Rob nickte kurz.

"Willkommen Doktor Peters!"

"Ich freue mich auf unsere Zusammenarbeit, Miss..." Der Doktor hielt kurz inne in seinem Satz und nahm Robin in Augenschein. Sie kam ihm so bekannt vor. Aber woher?

Rusty bekam es nicht mit und stellte ihm Schwester Robin Wilson vor.

"Kennen wir uns?", begann Peters ein Gespräch mit Robin.

"Ehm...Nein!...Ich glaube nicht, Doktor Peters!", und sie schlängelte sich an den beiden Männern vorbei in die Notaufnahme. Rusty führte seine Runde weiter in der Notaufnahme, bis es Robin langsam reichte. Rudy sah es ihr an.

"Hormone!...Eindeutig!... Genau sein Beuteschema!", interpretierte Rudy.

Robin sah sie an und lächelte. "Ich glaube, der Doktor hat auch ein Wörtchen mit zu reden.", und Robin sah sich das Gekreische von Rusty noch etwas an. "Der Kerl ist süß, Rob! Sieh dir seinen Hintern an!", und Rudy tat mit ihrer rechten Hand, als würde sie gern mal in diesen Hintern kneifen.

Robin schlug Rudy eins auf die Schulter. "Untersteh dich! Du bist glücklich verheiratet und hast eine wundervolle Tochter. Dein Mann liebt dich abgöttisch, also lass das!"

"Ja Rob, die ich beide kaum sehe...Erinnere mich nur daran!... Also wenn nicht bald noch ein paar Leute eingestellt werden, kann ich gleich mein Zelt hier aufschlagen. Den Weg nach Hause kann ich mir dann sparen....

Ja nicht darüber nachdenken. Da wird mir jetzt schon ganz schlecht!"

Robin schloß ihr Medizin - Lexikon und sah sich etwas in der Notaufnahme um.

"Es ist heute ziemlich ruhig hier...Die Nachtschicht scheint wohl alles in den Griff gekriegt zu haben. Naja, ist ja auch erst halb sieben. Zeit für die Vampirblutbahn in der Eins.", scherzte Rob.

Plötzlich kam Rusty mit hoch - rotem Kopf aufgeregt und total aus dem Häuschen zu den Beiden. Rudy sah über seine Schultern. "Wo ist der Doktor geblieben? Hast du ihn etwa schon vernascht und vergessen ihn los zubinden?"

"Oh mein Gott! Der Mann ist soooo...heiß!... Er wurde aus Baltimore hierher versetzt und ist frisch von Cruz, seiner Ex - Frau geschieden...Also Mädels!...Haltet euch ran oder ich nehme ihn!", sabberte Rusty daher. Robin ging in das Wartezimmer und nahm sich eine Zeitung aus dem Ständer und rollte sie als ein Sprachrohr zusammen.

Danach stellte sie sich auf einen der Stühle im Wartebereich, nahm das gerollte Sprachrohr an ihren Mund und gab folgende Meldung:

"ACHTUNG, ACHTUNG!

Eine wichtige Durchsage an alle sich hier Befindlichen! Der Nächste, der das Krankenhaus verlässt, kann den Postboten abwimmeln. Wir brauchen für heute keine Klatsch - und Tratsch - Presse mehr!"

Sie stieg vom Stuhl herunter, entrollte die Zeitung wieder und legte sie zurück auf den Tisch. Sie glättete die Zeitung und steckte ihre Hände zufrieden gestellt in die weißen Kitteltaschen und ging auf Rusty zu.

"Okay Klatschbase! Wie wäre es, wenn du dich auch so aufopferungsvoll um die Patienten kümmern würdest, wie um den neuesten Klatsch und Tratsch?!", und sie ließ Rusty geschockt mit offenem Mund stehen.

"Was guckst du so?", fragte Rudy.

"Was hat sie denn für ein Problemchen?", kam es über Rustys Lippen.

Rudy legte den Kugelschreiber beiseite und schob ihm ein Anmeldeformular über den Tisch. "Keine Ahnung!...Wohlmöglich...DICH!...Es ist jetzt Sieben Uhr, Rusty Mc Allister!...An die Arbeit!", und Rudy nahm den Hörer vom Telefon ab.

 

 

Nach der Visite betrat Robin das Patienten - Zimmer von der kleinen Angela Hopkins.

"Guten Morgen Angela! Wie geht es dir heute?", fragte sie das kleine Mädchen, als sie das Fenster für frische Luft geöffnet hatte. Angela wurde mit Schmerzen in der Leistengegend eingeliefert, Verdacht auf Blinddarm, der ihr noch am selben Tag entfernt wurde.

"Ich darf heute nach Hause. Rufst du meine Eltern an?"

"Warte hier einen Moment. Ich hole das Telefon. Dann kannst du es ihnen selbst sagen. Sie werden sich darüber sehr freuen, dass du endlich nach Hause darfst. Deine Freunde werden schon auf dich warten." Robin holte das Telefon und wählte die Nummer an. Während sie das tat, holte sie die Reisetasche aus dem Schrank und stellte sie auf das Bett. "Wenn das erledigt ist, helfe ich dir beim Packen."

Als alles fertig war, verließ Robin das Patienten - Zimmer von Angela. Draussen auf dem Flur kollidierte sie mit Dr. Peters, der sie auffing, bevor sie stürzte.

"Entschuldigung Miss...Ehm...Ich hab Sie nicht heraus kommen sehen...Meine Schuld! Tut mir leid!...Sind Sie verletzt?", und er hielt sie immer noch in seinen Armen fest.

"Guten Morgen Mister...ehm...", und Robin sah auf sein Namensschild und las:

"Peters!"

"Guten Morgen Miss...ehm...", und er tat dasselbe und las ihren Namen "Wilson!" laut vor.

Robin befreite sich aus ihrem Gefängnis und ließ ihn einfach so stehen.

"Miss Wilson!...Sind wir uns schon einmal begegnet? Ich kenne Ihr Gesicht.", rief er ihr hinterher.

Sie blieb stehen und schüttelte mit ihren Kopf ein "Nein!"

"Wirklich nicht?...Ich könnte schwören, dass wir uns schon begegnet sind.", sprach er weiter. "Wenn Sie es sagen, Dr. Peters!", und Robin ließ ihn links liegen.

"Was war denn das gerade eben?", fragte Rudy neugierig. Robin legte Angelas Akte neben den Computer.

"Keine Ahnung! Er scheint ein sehr besorgter Mann zu sein mit ein paar Gedächtnislücken."

"Mhm...In wie fern darf das gedeutet werden?"

"Ein Blick auf die weibliche Berg - und Talbahn und der Glockenturm macht sich bemerkbar!", faselte Robin, während sie Angelas Akte in den Computer eingab.

"Autsch!...Das muß ganz schön weh tun, wenn man einen Stau in der Hose hat, was?...Was hat Rusty vorhin gesagt, zwecks Scheidung von seiner Cruz?...Wie lange war das nochmal her?", witzelte Rudy.

"Er hat keinen Zeitraum genannt!"

"Oooh, um so schlimmer steht es um ihn!", scherzte Rudy über Dr. Peters.

"Dem armen Doktor muß Abhilfe geschafft werden...aber sowas von schnell!", lachte Rudy herzhaft auf.

"Lass das ja nicht deinen Ehemann hören, diese Sache mit dem Glockenturm. Im Null - Komma - Nichts hast du deine Scheidungspapiere vor deiner Nase liegen, noch ehe du:

TUT MIR LEID, SCHATZ! ABER ICH WAR HEUTE GANZ HEISS AUF SEX - sagen kannst!"

Rudy lachte kurz ironisch auf. "Wenn ich den Sex im Moment nur hätte, der mir zusteht. Seit wir hier Überstunden schieben, hab ich meinen geheirateten Glockenturm nicht mehr gesehen, geschweige noch genießen können....Oh man und mein Spielzeug..."

Robin hielt sich die Ohren zu. "Oh Gott, Rudy! Das hab ich jetzt nicht gehört! Das ist ja echt widerlich!"

Und die zwei Frauen lachten über die Äußerungen des heimlichen Verlangens.

 

 

Der nächste Tag:

Gegen Fünf Uhr morgens wurden die großen Doppeltüren heftig aufgestossen. Ein schwer verletzter Mann wurde Blut überströmt herein gebracht. Robin rannte auf den Patienten zu und ließ sich die Akte geben. Rudy sagte im OP Bescheid und kam ebenfalls zu dem Verletzten in Nische Eins herüber und ließ sich die Akte über ihn von Robin reichen, blätterte darin vor und zurück. "Oh nein!", flüsterte sie. "Es gibt eine Menge Arbeit, Mister Maurice!", und Rudy brachte ihn in den OP.

Nach besagten zwei Stunden tauchte Rudy wieder auf. Sie war erschöpft und ihr Gesichtsausdruck war sehr nachdenklich.

Robin sah von den Schreibarbeiten auf. "Wie geht's ihm?" Rudy setzte sich. "Er ist stabil und liegt im Aufwachraum."

"Wieder ein Leben heute gerettet...Hier ist frischer Kaffee, nimm einen Schluck...Du siehst schlimm und mitgenommen aus...Seine Angehörigen müßten auch gleich da sein. Ich hab sie angerufen."

"Danke Robin!"

Rudy nahm einen Schluck und begann plötzlich vor sich hin zu wettern.

"Weißt du, wie sehr ich gerade meinen Job hasse? Jeden Tag kommen hier Schwerverletzte an, übel zugerichtete Menschen, geschlagene, mißhandelte Frauen und Kinder, alte Menschen, Teenager, ausgesetzte, halb erfrorene Säuglinge, schwerkranke, Obdachlose. Alles flicken wir wieder zusammen, so gut es geht. Und für was?...Dieser Mann war jetzt schon das fünfte Mal im Abstand von drei Monaten im OP aufgrund seiner Selbstzerstörung.

Überstunden hab ich, die ich gern gegen etwas Zeit mit meiner Familie eintauschen würde...Und ER versucht sich umzubringen, damit er bei seiner geliebten, verstorbenen Frau sein kann. HERRGOTT! In was für einer Welt leben wir eigentlich?"

Robin hockte sich zu ihr und nahm ihre Hände in ihre."Wovon redest du da eigentlich? Was ist im OP passiert? Warum denkst du auf einmal, dass dein Job nichts mehr wert ist?"

Rudy schaute mit ausgestrecktem linken Arm in Richtung Aufwachraum. "Er wollte sich umbringen! Er wollte verbluten! Er wollte unsere Hilfe nicht! Er hat mich angefleht ihn gehen zu lassen...Er wollte nur zu seiner geliebten Frau!"

"Indem er sich das Leben nimmt? Wie viel Mut muß wohl dazu gehören, um sich selbst auszulöschen?...", begann Robin über die Selbstzerstörung zu spotten.

"Er hatte den Mut sein Leben zu beenden und er wurde gerettet...Wieder!", warf Rudy ein.

"Wie oft wird er es wohl noch versuchen, bis er sein Ziel erreicht hat? Wieso wartet er nicht einfach darauf, bis seine Zeit heran ist, bis Gevatter Tod an seine Tür klopft und ihn mit sich nimmt?...", sprach Rudy sehr mitgenommen von den letzten, bewegten Stunden im OP.

Robin erhob sich und holte tief Luft. Dann gestand sie. "Kann ich dir sagen, Rudy! Weil er vor diesem natürlichen Tod viel mehr Angst hat...Weil er nicht weiß, welche Art des Todes ihn ereilt und wann es passiert...

Was für ein Feigling muß das sein?...", und Robin nahm ihre Freundin in ihre Arme.

 

 

Kurz vor der Ablöse zur Mittagspause:

Robin und Rudy zogen sich ihre Jacken und ihre Strassenschuhe an und wollten zum Mittagessen in den "Coffee - Shop" gegenüber gehen. Doktor Peters lehnte sich über die Notaufnahme und fragte Schwester Rob: "Darf ich Sie zum Mittagessen einladen?" Robin sah ihn an. "Wieso sollten Sie das tun?", fragte sie ihn. "Für meine Rempelei heut morgen vor Angelas Zimmer....Sagen wir...als Entschuldigung!"

Robin räusperte sich höflich.

"Mister Peters!...Ich meine Doktor Peters...Ich bin schon verabredet...Aber ich denke, wenn ich in aller Namen der Schwestern zu Ihnen spreche. Es sind genug von denen hier, die liebend gern mit Ihnen dinieren würden, um Ihr Interesse zu erwecken...Sie entschuldigen mich!", und Robin schlängelte sich an ihm vorbei.

Rudy hatte an der Tür auf sie gewartet und hakte sich bei ihr unter ihren rechten Arm. Beim Hinaus gehen auf die Strasse sprach sie zu Rob:

"Lass mich raten!...Der einsame Glockenturm wollte die Nonne für sein einsames, geschiedenes, verstaubtes Kloster gewinnen?"

"Für sein stillgelegtes, verstaubtes, mit Efeu und Spinnen überwuchertes Kloster, wolltest du wohl sagen?

Dafür muss er sich wohl jemand anderen suchen! Er sollte eigentlich wissen, dass man unter Kollegen nichts anfängt."

"So,...so? Und warum denke ich, dass er dich anbaggert?"

"Weil er schnurrt wie ein Kater?", und die Beiden betraten den "Coffee - Shop".

Rudy sah Robin an und meinte: "Ich kann mich überhaupt nicht daran erinnern, wann ich das letzte Mal angeschnurrt wurde.", und sie kicherten darüber wie kleine Schulmädchen.

Am Abend saßen die vier Wilson - Geschwister auf der Terrasse von Terrys Appartment und spielten eine Runde Karten bei Chips und Weißwein.

Sarah verlor am laufenden Band. Terry versuchte in die Karten der Anderen zu schauen. Robin teilte aus und Justin begann mit der nächsten Spielrunde.

Terry knurrte nebenbei über ein Auto, das er heute in die Werkstatt bekommen hatte, aber den Fehler nicht fand, der das Auto außer Gefecht gesetzt hatte.

Robin lehnte sich in ihrem Sessel zurück und sortierte ihre Karten auf der Hand.

"Knurre nicht Bruderherz! Morgen ist auch noch ein Tag. Vielleicht hast du ja morgen mehr Glück!...Hast du dir den Anlasser schon angesehen?...Sei froh, dein Laden läuft großartig...", sprach sie nebenbei auf ihre Karten konzentriert und legte aus.

"Wäre möglich, dass es daran liegt!....Gut kleine Schwester, dein Tag lief heute genau so unausstehlig wie meiner...Lass hören!", bat Terry Robin.

"Erzähl schon, Robin!", flehte Sarah sie an.

Justin riss ihr die Karten aus den Händen und blickte sie an.

"Als ob dich das interessiert...Und auch noch zu blöd, die Karten auf der Hand zu sortieren...Da, die kann weg!"

"Wir haben einen neuen Chef für die Chirurgie und Notaufnahme... Er nervt und steht einem ständig ...im Weg...Rusty sabbert ihn an...Er steht voll auf ihn.", und Robin legte eine Pik 8 auf den Kartenhaufen auf dem Tisch.

"Man könnte meinen, du hättest auch etwas für ihn übrig...Gib's zu Rob!...Ist es nicht so?", beteuerte Sarah und legte ein Herz Ass vor Robins Augen. Rob stand auf und legte ihre Karten auf dem Tisch aus: "Rommé", und nahm ihre Jacke zur Hand. "Wenigstens muss ich mich nicht hochschlafen, um auf der Karriere - Leiter zu steigen. Oder noch besser: Ich muss andere nicht manipulieren, um zu gewinnen...Oder Sarah?..Ich muss los!..Wir sehen uns morgen Jus!", und Robin fuhr heim.

Terry sah in die Runde. "Neues Spiel?"

 

 

Robin fuhr ihre Auffahrt hoch zur Garage. Es hatte zu regnen begonnen. Auch der Himmel schien einen Sch...Tag gehabt zu haben, sonst würde er nicht weinen.

Sie schloß ihr Auto mit der Fernbedienung und rannte mit der Jacke über dem Kopf an ihre Haustür. Da lag ein Blumenstrauß.

Sie bückte sich, um ihn aufzuheben. Ihre Augen sahen um sich. Ganz oben drauf steckte eine Karte, die sie heraus nahm und las:

"Gehen Sie mit mir morgen Abend aus!...BITTE!

Eric"

"Ist er taub oder was?...Was war an meinem - NEIN - nicht zu verstehen, Mister Eric Peters!?", fluchte sie vor sich hin und ging mit dem Strauß zur Tonne, um ihn hinein zu werfen. Genau so erging es der Karte, die sie vorher in tausend Stücke zerriss. Und die landete in der Papiertonne.

Mitten in der Nacht schreckte sie auf aus ihrem Schlaf. Dieses Mal war es kein Albtraum.

Hatte die Hausklingel geläutet?...Oder war es im Traum passiert?...DA!...Da war es schon wieder. Robin sah auf den Wecker:

00:30 Uhr.

Sie stand auf, warf sich ihren schwarzen Kimono über und betrat den Flur in der ersten Etage. Sie machte das Licht an und ging die Treppen runter.

Da läutete es abermals.

Robin öffnete und sah durch den Spalt. "Oh nein! Nicht Sie!"

So schnell sie geöffnet hatte, um so schneller warf sie die Eingangstür wieder ins Schloß, ging in Richtung Schlafzimmer und löschte das Licht im Flur auf dem Weg dorthin.

Doch das Geläute hörte nicht auf.

Robin erhellte erneut das Haus und öffnete die Tür.

"Guten Abend Miss Wilson!..Schön, dass Sie es sich doch anders überlegen!", ertönte eine Männerstimme. Sie gehörte Eric Peters.

"Sie sind immer noch da? Verschwinden Sie, aber schnell, sonst rufe ich die Polizei!", und Robin schloß die Tür vor seiner Nase zu.

Eric klopfte dieses Mal an und verzichtete auf's Klingeln.

"Mein Audi steht vorn mitten auf der Kreuzung, ist einfach so liegen geblieben. Ich kann ihn nicht mehr starten. Es regnet wie aus Eimern hier draußen."

"Verschwinden Sie!", rief Rob von drinnen hinter der Tür.

Ihr war es völlig egal, dass sein Auto den Geist aufgegeben hatte. Und für den Regen war sie auch nicht verantwortlich. Außerdem wohnten hier mehrere Leute in der Straße, nicht nur sie. Bei denen hätte er genau so klingeln können.

Wo hatte er eigentlich ihre Adresse her?

"Miss Wilson, ich komme gerade von einer Versammlung. Es ist schon spät..."

"Dann rufen Sie sich ein Taxi!", fiel sie ihm ins Wort. Der Kerl ging ihr gehörig auf die Nerven. Wie wurde sie ihn nur los?

"Könnten...könnten Sie mich nicht herein bitten und eine Tasse Tee zum Aufwärmen anbieten?", bat Eric, der langsam vor der Tür zu frieren begann.

"Das wäre ja noch schöner! Vielleicht wollen Sie noch eine heiße Dusche nehmen, ihr Revier markieren und mich aus meinem Schlafzimmer werfen?"

Eric sah verdutzt auf die weiße Kunststofftür.

"Markieren?...Raus werfen?", wiederholte er. "...Wo haben Sie denn den Blödsinn aufgeschnappt?"

"Von dem Mann, den ich umgebracht, in kleine Stücke geschnitten und in Gläser eingekocht hab. Ein Teil ist im Garten verbuddelt und der Rest auf dem Markt verkauft. Ist das Antwort genug?"

Mit jeder Antwort, die Robin von sich gab, wich er immer mehr von der Tür zurück.

"Miss Wilson! Sagen Sie mir, dass das ein Scherz war!"

"Sie sind noch nicht geflohen?", fragte sie ihn.

"Nein! Sollte ich denn?"

Er trat wieder etwas näher an die Tür und legte sein rechtes Ohr an.

"Miss Wilson... Ich hab keine Absichten. Ich möchte nur aus dem Regen raus, trockene Sachen, ein Bett zum Schlafen...Ehm...ich korrigiere...eine Couch würde es auch tun."

"Wie wäre es im Keller?", schlug Rob für seine Wunschliste vor.

"Nicht im Keller. Da ist es kalt und da streunern Mäuse herum!"

"Oh, sagen Sie es doch gleich, dass Sie die Gesellschaft von der etwas größeren Variante - Ratten - vorziehen. Die befinden sich allerdings in der Kanalisation. Vor der Ausfahrt ist ein Gulli - Deckel. Nehmen Sie die Abkürzung...Gute Nacht!"

"Okay, okay!...Ein Sessel tut es auch." "Würde ich ja gern, aber ich besitze keinen Sessel....Wenn Sie jetzt bitte gehen würden! Es hat aufgehört zu regnen... Ich bin müde und möchte meine Ruhe."

"Dann gebe ich Ihnen morgen frei, Robin."

Sie wurde langsam sauer. Was bildete er sich ein? Taucht hier mitten in der Nacht auf und klingelt sie aus dem Bett, textet sie an der Haustür zu, stellt noch Ansprüche und Äußerungen, von wegen - Frei geben.

"Und Sie wollen das einfach so entscheiden?...Mitten in der Nacht?"

"Ich bin der Boss!"

"Ah ja! Und Sie glauben, dass das so einfach geht?...Natürlich geht das! Wieso denn nicht?...Irgendwann wird es mir dann vorgehalten!...Vergessen Sie's, Doktor Peters!", kam es von ihr stinksauer hinter der Tür.

"Das Taxi ist gleich da und holt Sie ab und bringt Sie hoffentlich nach Hause! Mein Bruder holt ihr Auto morgen früh in seine Werkstatt...Legen Sie die Schlüssel unter die Fußmatte....Gute Nacht!", und Robin ließ ihn stehen.

 

 

Robin betrat am nächsten Morgen total übermüdet und gerädert die Notaufnahme. Rudy sah vom Telefonieren zu ihr auf, als sie durch die große Doppeltür eintrat. Rudy legte sofort auf und eilte auf sie zu. Sie berührte sie vom Haar bis ins Gesicht, auf ihre Schultern.

"Oh mein Gott! Wie siehst du denn aus? Hattest du eine Begegnung mit einem unwiderstehlichen Glockenturm?...Kenn ich ihn?" Robin sah Rudy wütend an.

"Dein Ernst jetzt?", antwortete Rob zornig.

Rudy machte große Augen.

"Okay Kleines! Er war Scheiße! Lass es nicht an mir aus!...Komm, geh dich erstmal umziehen. Deine Schicht fängt gleich an. Wir können später darüber reden.", und Robin nickte zustimmend.

In diesem Moment kam Rusty mit einem Bett und einem Patienten darin um die Ecke. Er blieb vor den Beiden stehen. "Hab ich was verpasst, Mädels?", und sein Blick fiel auf seine Kollegin Rob...

"Oh mein Gott! Was ist denn mit dir passiert? Du bist ja völlig durcheinander, Kindchen!" Robin hörte Rustys Stimme hinter ihrem Rücken und das gab ihr den Rest ihrer noch nicht mal begonnenen Schicht.

Robin sah sich in der Notaufnahme um und rief mit lauter Stimme: "Hat hier irgend jemand zufällig eine Knarre bei sich? Stimmen hinter meinem Rücken zu hören, ist ungesund!"

"Vor allem an so einem scheiß Tag wie heute...aber so was von ungesund!", gab Rudy zu verstehen.

Einige Patienten schauten erschrocken drein, andere widerrum standen auf und verließen das "Open Hospital", um später nochmal wieder zu kommen, falls sich die Lage beruhigt haben sollte.

Rudy gab Rob ihren Kaffeebecher. Sie hoffte nur, dass nicht Sarah oder ihr Ex Matt dahinter steckten.

Sie stellte keine weiteren Fragen...Vorerst.

Am späten Nachmittag war noch immer kein Wort von Rob gefallen, was das Auftreten von heut morgen erklären würde.

Zwischen dem Wechsel Telefon und Patientenschrank bemerkte Robin nicht, dass Doktor Peters anwesend war. Er hatte es sich allerdings bequem gemacht und stützte seine Ellenbogen an der Notaufnahme ab. Er beobachtete Robin bei ihrer Arbeit. Sie war sehr vertieft und merkte nicht, dass er sie beobachtete.

Das Einzige, was sie in ihrer Arbeit inne halten ließ, war ein Geruch eines Parfüms, das sie kannte. Es trug ihre Schwester Sarah stets auf.

Sarah wollte ihr von hinten auf die Schulter klopfen. Doch Rudy versuchte sie aufzuhalten.

"Ich würde das an Ihrer Stelle lassen, Blondie. Nehmen Sie die Vorderfront. Hinter dem Rücken mag sie keine Sprechstunden oder Annäherungen. Es ist heut morgen schon deswegen fast einer erschossen worden...Das ist kein Scherz!", fügte Rudy noch hinzu.

Sarah zuckte zusammen und stand neben Doktor Peters. Sie beäugte ihn und machte ihm schöne Augen. Der Versuch ihn anzuflirten schlug wohl fehl. Denn seine Augen verfolgten jeder Bewegung, die Robin ausführte.

Robin drehte sich zu ihrer Schwester um und knallte die Akten mit Absicht vor ihre Nase.

"Was willst du?...Fass dich kurz, ich hab zu tun!", bellte Robin sie an, ohne von ihrer Arbeit aufzusehen.

"Naja...Ich wollte dich fragen, ob wir nicht das Kriegsbeil begraben können, solange ich da bin."

"Das Beil kann bleiben, wo es ist...an der Oberfläche. Ich hab genug zu tun. Ich werde keine Zeit haben, um nach Hause zu kommen. Außerdem hab ich meine eigenen vier Wände...Leider wird die Nachtruhe dort von unerwünschten Personen gestört, die sich aufdrängeln und sich dabei aufführen, als wären sie unwiderstehlig und charmant und entgegenkommend oder spielen sich auf, nur weil sie der Boss sind!", und Robin sah Peters genervt und sauer an. Dann giftete sie weiter.

"Dann können sie einem mal EINFACH so frei geben...Sonst noch irgend etwas?...Da ist die Tür. Du findest sicherlich allein hinaus. Die anderen blonden Patienten haben es auch inzwischen gelernt...", antwortete Robin wütend. "Was denn gelernt?", fragte Sarah.

Rudy warf Robin einen fragenden Blick zu und antwortete für sie. "Wie man fliegt, Schätzchen!", und Rudy ging zum nächsten Patienten im Wartebereich.

Robin stellte Sarah die Frage: "Hast du verstanden?...Ich glaube, sie war sehr deutlich!"

"Ja, ja, sicher doch!...Der Chirurg hier soll sich vorher noch mein Knie ansehen!" Rob sah über die Notaufnahme auf Sarahs Knie.

"Keine Sorge! Damit ist alles in bester Ordnung!...Geh jetzt!"

Sarah sah Robin an und meinte sarkastisch: "Wir sprechen uns noch, Wilson!", und sie nahm ihre Jacke und ihre pinke Umhängetasche und stolzierte in ihren pinken High Heels aus dem Krankenhaus hinaus.

 

 

Nach dem Cappu begannen die letzten zwei Stunden Schicht für Rudy und Robin.

Rusty stand ganz entspannt an der Notaufnahme. Sein linker Ellenbogen war auf der Anmeldung und sein Kopf ruhte auf der dazu passenden Hand und schmachtete in Richtung Büro "Peters".

Rudy verkleinerte sich auf seine Größe und schaute in die Richtung, die Rusty angepeilt hatte.

"Wo sehen wir denn hin? Ist hier irgendwo ein Kino?", fragte Rudy ihn und gab ihm einen leichten Schubs, dass er mit dem Ellenbogen von der Anmeldung rutschte...

Mit einem Kopfnicken in Richtung Chef - Büro wies er Rudy seine schmachtende, sabbernde Richtung an.

"Hast du einen Vollknall, Mc Allister? Würdest du wohl schleunigst deine Augen von der Privatsphäre unseres Chefs abwenden?...Hat dir das deine Mama nicht beigebracht?"

"Warum sollte ich das tun, Darling?", entgegnete Rusty.

Robin kam mit einer Tasse Kaffee aus der kleinen Küche vom Aufenthaltsraum zurück und fragte Rudy: "Genau...Wieso sollte er das tun? Verdammte Sch....ist der Kaffee heiß!", fluchte Robin vor sich hin.

Rudy machte ihre beste Freundin auf die Szene aufmerksam, die sich gerade vor dem Büro von Doktor Eric Peters abspielte.

Robin ließ ihre Tasse aus der Hand rutschen und sie zerschellte auf dem Steinfußboden, als sie die Fummelaktion ihrer Schwester Sarah an Doktor Peters erblickte. "Das dachte ich mir schon!"; flüsterte Rudy leise. Über Robs Lippen kam nur:

"MISTSTÜCK!"

Rudy stand neben Rob und verschränkte ihre Arme vor ihrer Brust und nuschelte. "Was hast du da gerade gesagt?...Entschuldige mal, ich hab da was nicht mitgekriegt!"

Rudy folgte Robins Augen, die auf ihrer Schwester Sarah und dem Chirurgen ruhten. Ihre Augen weiteten sich genau so, als sie verstand, wieso Rusty schmachtete und Robin das Geschirr zerbrach und den guten, heißen Kaffee verschüttete. Sarah hatte Hand an dem Chirurgen angelegt und tat es sehr offensichtlich.

"Oookaaaay...", ließ Rudy vom Stapel, als sie nach den Akten gegriffen hatte.

"...Was sind wir gewillt, dagegen zu unternehmen?"

"Wie viele Optionen haben wir denn?...Ich bin dabei!", jauchzte Rusty.

"Wie wäre es, wenn wir den Helikopter starten und die Blondine aus nächster Höhe hinaus werfen?", schlug Rudy vor.

"Ich starte schon mal den Krankenwagen in der Garage. Dann kann Rudy sie davor stoßen!..Ich hab Höhenangst. Also fällt der Heli für mich schon mal weg.", kam es von Rusty in den Startlöchern.

"Ein Skalpell tut es auch...ein sauberer, glatter Schnitt...Rusty, du kannst dann die Sauerei aufwischen!" "Ist ja wieder mal typisch, danke Rudy! Muß es denn gleich so blutig werden?"

Robin holte tief Luft und stemmte ihre Arme in ihre Hüften und blies den Beiden den Marsch.

"Okay, das reicht jetzt!...Rudy, trink starken Kaffee und zwei Stück Zucker rein. Dann wirst du wieder die Alte und lammfromm!...Rusty, Schluß jetzt, das reicht, genug gejammert!"

Rudy lächelte auf Robins Reaktion.

"Lass hören Wilson! Was ist dein Vorschlag?", versuchte Rudy sie aus der Reserve zu locken.

Robin schmunzelte. Rusty grinste bis über beide Ohren und schaute zu Rudy.

"Sie hat auch etwas auf Lager...Komm schon Schwester!...Raus damit!", forderte Mc Allister Robin auf und wartete gespannt auf ihre böse Absicht.

"Ich bin für Einweisung in die Psychiatrie, Zwangsjacke und Singleknast und ein ausgepolstertes Zimmer! Am besten wäre für sie die Isolation!...Ihr versteht?", antwortete Rob.

Rusty lachte und rieb sich seine Hände. "Siehst du?...Sie ist genau so böse wie wir!", und er schlug mit Robin die Handinnenflächen aufeinander.

"Yeah! Gib fünf Schwester!", kam es voll abgedreht von Rusty.

Rudy verzog das Gesicht.

"Ich hätte jetzt lieber eine Runde Sex im Fahrstuhl. Dagegen hab ich jetzt nichts einzuwenden. Da bin ich manchmal auch böse...grrrr!"

Rob fiel ihr ins Wort.

"Wie war das, Rudy?...Du hast Sex und ich sitze auf dem Trockenen?...Du blöde Krankenschwester!...Hast du nichts anderes im Kopf als Sex, Wahly?"

Rudy flehte sie kläglich an.

"Schick mich heim, hänge mir ein Vergehen an, suspendiere mich! Ich bin sowas von auf Sex - Entzug!...Das ist wie eine Rasur ohne..."

"Dann steck dir etwas von deinem Spielzeug in deine Arbeitstasche. Du hast Pausen. Dann kannst du etwas Sinnvolles tun....Herrgott nochmal!

Hör endlich auf, mir mit deinem Entzug in den Ohren zu liegen!", wetterte Rob ihre Freundin an.

Rusty schnappte nach Luft und wollte etwas dazu sagen.

Dann platzte er vor Rudy.

"Du ...du hast Spielzeug? Das...das ist voll abgefahren, Wahly!"

"Ich hab es von meinen Freundinnen geschenkt bekommen...voriges Jahr...zum Geburtstag!"

"Das hätte ich jetzt auch gesagt, Rudy Wahly, um dich aus einer misslichen Lage heraus zureden.", konterte Rusty.

Robin dachte sich gerade verhört zu haben. Sie stützte ihre Arme auf die Anmeldung und klang sehr genervt.

"Mir reicht's mit euch Beiden, der eine schwul und voll durchgeknallt und sabbert wie ein Hund...und du, Rudy, voll die Sexsklavin!...Ich kündige!...Ihr seid doch voll neben der Spur, man!", und Robin machte sich über ihre Scherben her.

Über ihrem Kopf war eine männliche Stimme zu hören.

"Gibt es da unten ein Problem? Kann ich Ihnen vielleicht helfen, Miss Wilson?"

Rudy lachte laut auf und antwortete für Robin.

"Wenn Sie klug sind, Mister Peters, beenden Sie diese Liaison, noch ehe sie richtig begonnen hat. Diese Frau ist Ihr Verderb!...Dann haben Sie ein richtig großes Problem!"

Doktor Peters rückte sich an der Notaufnahme zurecht, nahm die nächste Patientenakte zur Hand und fügte noch hinzu:

"Mein Problem...meine Liaison...mein Verderb!...Hab ich noch etwas vergessen?...Ach ja, wenn Sie nicht suspendiert werden wollen, vergessen Sie den Sex im Fahrstuhl! Krümmen Sie dem Fahrstuhl ein Stromkabel, Rudy, verspreche ich Ihnen, dass Sie gekündigt werden. Dann haben Sie jede Menge Zeit für Sex...mit oder ohne Fahrstuhl! Und vergessen Sie ihr Spielzeug nicht!", und er drehte sich zu den Patienten im Wartezimmer um, um den Nächsten aufzurufen.

Rudy ließ die Antwort von Peters kalt und machte sich über die Karteien her.

"Du kannst mich dahin küssen, wo die Sonne nicht hin scheint, Süßer!...Grrr!"

Aus dem Patientenzimmer kam es: "Das hab ich gehört, Rudy Wahly!" Sie sah auf und fluchte. "Was....Er hat mich geduzt!"

Robin hatte ihr Unglück beseitigt und warf die Scherben in den Mülleimer.

Rudy kam auf Robin zu.

"Deine Schwester also...ein MISTSTÜCK!"

"Willkommen in meiner Familie!...Kaffee?"

 

 

Kurz vor Feierabend verließ Sarah das Büro von Doktor Peters. Rudy bekam ihren Abgang mit wie sie ihn anflippte und ihm einen Kußmund zu warf und ihre lange, blonde Mähne nach hinten warf. Eric lächelte Sarah an und als er Rudys Blick im Nacken spürte, schaute er sehr ernst drein und verzog sich in sein Büro zurück.

Rudy ging mit Robin nach dem Feierabend in den "Coffee-Shop" auf ein kleines Bierchen und einen kleinen Snack.

Als die Beiden sich an das große Fenster mit Kino - Ausblick gesetzt hatten, bestellte Rudy. "Die Runde geht heute auf mich, Rob...Hast du mitbekommen, daß deine Schwester den Peters den ganzen Nachmittag blockiert hat? Er hat seinen Pager - Alarm ignoriert.

Sie war wohl den ganzen Nachmittag bei ihm. Was werden die da drin solange gemacht haben?...Die haben mit Sicherheit kein Schach gespielt....Vielleicht Strip - Poker?..."

Robin sah ihre Freundin an.

"Du denkst doch nicht jetzt allen Ernstes darüber nach, Wahly?...Und außerdem, was war das vorhin?"

"Was meinst du?...Meine Ungehorsamkeit oder meine große Klappe? Wir brauchen mehr Belegschaft, sieht er das denn nicht? Ich brauch endlich mal ne Pause... Wir alle brauchen die!...Einer muß doch den Rand aufmachen. Und Rusty kannst du voll und ganz vergessen. Er fängt an zu singen wie eine Nachtigall, wenn er seine Meinung geigt und sabbert sich das Hemd voll.

Alles läuft auf den Fußboden, dass man hinterher nachwischen muß!"

"Mag sein, dass es so ist. Doch das gibt dir noch lange nicht das Recht ihm gegenüber das letzte Wort zu haben, geschweige ihm zu widersprechen. Er ist dein Vorgesetzter, nicht dein Ehemann! So kannst du nicht mit Doktor Peters reden, nur, weil du Sex im Fahrstuhl brauchst!"

Rudy spießte ein Stück Braten mit ihrer Gabel auf.

"Erzähl du mir was über Sex. Denn du sitzt auf dem Trocknen und ich nicht...."

" Sagtest du nicht vorhin etwas von Sexentzug? Was denn nun? Soll ich mir jetzt die richtige Antwort aussuchen? Tor A oder Tor B? Was wäre der Preis? Eine Kiste mit Sex - Spielzeug, dass ich nicht mehr auf dem Trocknen sitze in Tor C ? Oder steht in Tor B der Mann, der es faustdick hinter den Ohren hat?

Wahly, du bist manchmal unausstehlich und total durchgeknallt!"

"Und was befindet sich in Tor A?...Erzähl mir lieber, was es mit deiner Schwester Sarah auf sich hat. Wieso hasst du sie?", bat Rudy.

Robin sah aus dem Fenster. Und in Gedanken spürte sie erneut die Wucht des gefüllten Schals, den ihr Sarah ans Bein schlug. Sie zuckte zusammen.

"Robin?...Alles in Ordnung?"

Nach dem Abend fuhr Robin mit einem mulmigen Gefühl im Magen zum Tanzstudio. Sie parkte ein und löschte die Scheinwerfer ihres Autos. Das Studio war schon dunkel. Sie ließ die Scheibe herunter und starrte einfach nur auf das Logo des Studios über der Eingangstür. Wieder hatte sie die Bilder vor Augen, die an diesem Tag passiert waren.

Sie sah Sarahs grimmiges Gesicht vor sich, als die Jury die Entscheidung verlauten ließ, noch während Robin ihre Choreo vortanzte. Da war er wieder...der Schmerz.

Robin drehte den Schlüssel im Zündschloß, startete ihr Auto und fuhr vom Parkplatz.

Der nächste Morgen:

Sarah stand an der Notaufnahme und wartete auf ihre Schwester Rob.

Rudy beäugte sie die ganze Zeit skeptisch, bis sie genug gesehen hatte und trat auf Sarah zu. "Suchst du was Bestimmtes?",

fragte sie sie. "Ich will zu meiner Schwester. Ist sie da?"

Rudy sah um sich herum. "Siehst du sie hier vielleicht irgendwo?...Es wäre besser, wenn du das Krankenhaus verläßt. Die Tür steht offen. Du findest sicherlich allein hinaus!", und Rudy ging ans Telefon.

Als sie aufgelegt hatte, fragte Sarah sie: "War das für mich?" Rudy beugte sich zu ihr herüber. "Ich wüßte nicht, was dich das angeht, Wilson!...Wir haben Patienten, die auf mich warten.

Also nimm deinen IQ und geh!...Ich hab zu tun!...UND DU AUCH!", giftete Rudy Sarah an.

"Ja, ich hab einen Job! Ich bin Tänzerin. Die Beste!"

"Die Beste von was? Sich Knoten in die Füße zu machen ist kein Job!

Da muß man nicht die Beste sein. Die Besten stehen an jeder Ecke der Strasse, wenn du verstehst, was ich meine."

Eine Stimme im Hintergrund war zu hören.

"Du weißt nicht im Geringsten, was es heißt hart zu arbeiten. Geschweige, dass du das Wort - Arbeiten - schreiben oder buchstabieren kannst!" Sarah drehte sich zu ihrer Schwester um, die im grünen OP - Kittel hinter ihr stand.

"Okay, okay! Ich bin schon weg!"

Doch bevor sie sich an Rob vorbei manövrierte, flüsterte sie ihr ins Ohr:

"Nimm deine bissige Bulldoge an die Leine. Das Tierheim ist gleich um die Ecke. Ein Käfig wird für sie sicher noch frei sein.", und sie sah zu, dass sie sich entfernte.

 

Robin warf Rudy einen fragenden Blick zu. "Was hast du dieses Mal angestellt, Rudy Wahly?"

"Nichts!...Gar nichts! Ich bin unschuldig!...Kannst du meinen Nachnamen nochmal aussprechen? Ich höre ihn zur Zeit so selten...Ich weiß schon gar nicht mehr, wie er geschrieben wird!", bettelte sie Wilson an.

Robin bewarf sie mit der grünen Kluft, die sie ausgezogen hatte.

"Das reicht jetzt Rudy! Schluß damit!...Hör auf dich selbst zu bemitleiden und versuch wieder klar zu denken...Wir haben zu tun!"

"Wenn du meinst!"

"Sie hat Recht!", entgegnete Robin.

"Wer?"

"Sarah!"

"Wieso?....Womit denn?"

"Du bist eine bissige, unausstehliche Bulldogge! Du gehörst ins Tierheim!...Eindeutig!"

Rudy lachte laut auf und bekam sich nicht wieder ein."Bulldogge!...", wiederholte Wahly. "Wenn ich sie das nächste Mal erwische, werde ich ihr zeigen, wer von uns Beiden ins Tierheim gehört!", zischte Rudy durch ihre Zähne.

Robins Blick hätte Rudy auf der Stelle töten müssen und dann schrie sie ganz laut in der Notaufnahme herum:

"WAHLY!"

Rudy lächelte über das ganze Gesicht. "Na siehst du? Geht doch! War doch ganz leicht!", antwortete Rudy auf den Brüller und folgte grinsend und zufrieden ihrer Freundin in den endgültigen Arbeitstag.

 

 

Endlich konnte Robin zum Parkplatz. Sie hatte endlich Feierabend und wollte nur noch nach Hause fahren. Es war ein langer Tag und ihre Schwester Sarah lief ihr viel öfter über dem Weg, als ihr lieb war.

Kaum schloß sie ihr Auto auf, da vibrierte ihr Pager in der Handtasche. Sie holte ihn heraus und hörte schon die Sirene des Rettungswagens, der auf den Hintereingang des Hospitals zufuhr.

Sie schloß ihr Auto ab und rannte auf den Rettungswagen mit Blaulicht zu. Sie nahm dem Beifahrer die Patientenakte ab. "Wen haben wir hier?", fragte sie einen der Beiden Sanitäter beim Hineinschieben des Patienten. Der größere Sanitäter von ihnen zuckte ahnungslos mit den Schulter. Der zweite Sani, der Beifahrer, sagte:

"Unbekanntes Brandopfer...", und er legte mit seinem Bericht los.

"Kommen noch mehr von ihnen oder ist er das einzige Opfer?", fragte Robin den Sani.

"Er war der Einzige vor Ort!...Es ist nichts mehr übrig geblieben. Nichts steht mehr. Alles ist abgebrannt. Armer Kerl!...Seine Familie wird ihn nicht mehr erkennen. Er hat ganz schön was abgekriegt!"

Robin überflog kurz sein verunglücktes Gesicht und sprach zu dem Verletzen:

"Wir kriegen Sie wieder hin! Doktor Peters ist ein glänzender Chirurg."

Sie stürmte mit dem Patienten auf der Trage und dem Rettungsdienst durch die große Doppeltür. Rudy sah auf die Uhr und dann zu Robin. "Wolltest du nicht gerade Feierabend machen? Wie ich sehe, kannst du dich auch nicht trennen."

Robin sah Rudy mit ängstlichem Blick an. "Was ist los? Wilson...sag schon!"

Sie gab Rudy die Akte mit den Worten: "Wenn du jetzt Witze machst, Wahly, ist das ein schlechter Zeitpunkt!" Rudy verstand immer noch nicht.

"Was ... Was ist denn los? Wieso sitzt du nicht in deinem Auto und bist auf dem Weg nach Hause?"

Robin zeigte auf den Patienten. "Deswegen!" Rudy schob Rob beiseite und sah sich den Patienten und die Verletzungen an.

Er war schwer verletzt, überall starke Versengungen und Brandwunden. Die Haut hing teilweise nur noch in Fetzen an ihm und das rohe Fleisch war zu erkennen.

"Sechzig Prozent seines Körpers sind hinüber, sein Gesicht verunstaltet, das linke Auge ist...Wie heißt der Mann?", fragte Rudy den Rettungsdienst.

"Wir haben keine Ahnung! Er hat ganz schön was abbekommen von der Explosion!"

Rob blickte erschrocken auf Rudy und auf den Rettungsdienst. "Was...Was für eine Explosion?", stotterte sie.

Der Fernseher im Wartezimmer wurde eingeschalten und Rudy ließ die Nachrichten über den Bildschirm laufen.

Robin schweifte mit ihren Augen dorthin. Während sie die Nachrichten verfolgte, versuchte der Patient sie zu berühren und wollte etwas zu ihr sagen.

"Das ...Das ...Das ist....", und Robin verschlug es die Sprache. Sie erkannte die Werkstatt mit der Tankstelle. Alles brannte lichterloh. Die Feuerwehr war vor Ort und gab ihr Bestes, um das Feuer unter Kontrolle zu bekommen und zu löschen.

Sie spürte den Ruck an ihrer Jacke und sie starrte auf den Schwerverletzten.

"Oh mein Gott!...Nein!..." Sie hörte fast auf zu atmen.

"TERRY!", rief sie entsetzt laut und hielt sich ihren Mund mit beiden Händen zu.

"Terry!...Was...?"

Rudy reagierte sofort und gab laut und deutlich Anweisungen.

Terry war der schwerverletzte Patient, ihr großer Bruder. Robin war in Trance gefallen. Sie sah nur noch verschwommen, wie Hektik um sie herum ausbrach und wie Rudy Anordnungen in den Raum warf. Rob wurde von einer Seite auf die Andere geschoben. Sie merkte nicht einmal, wie Doktor Peters an sie heran getreten war, seine Arme um sie legte und sie an sich zog, um sie fest zuhalten und zu beruhigen.

Rudy ging zur Tafel und strich die OP eines Patienten weg, der gerade in den Aufwachraum geschoben wurde und schrieb Terry Wilson in die OP - Tabelle.

Sie ordnete ein Telefonat mit der Familie Wilson an, denn Robin war nicht in der Lage dazu. Sie stand unter Schock in der Notaufnahme. Alles drehte sich um sie herum und kam nur noch im Schall bei ihr an.

Es dauerte nicht lange und das schwarze Schaf der Familie war aufgetaucht. Sie war nervös und verängstigt. Ihre Tränen verwischten ihr ganzes Make - up. Sie stotterte vor sich hin und wollte wissen, wie es Terry ging.

"Wieso sollte dich das interessieren? Es sei denn, du hast deine Finger mit im Spiel!", fuhr Justin sie an, die kurz nach Sarah mit ihren Eltern eingetroffen war. Sarah hob ihren Kopf und blieb in ihrem Eiltempo stehen.

"Ich...ich war...ich war ...bei Terry...in der Werkstatt...", fuchtelte sie nervös mit ihren Armen und Händen herum. "...Und weiter?", forderte Justin sie auf.

"Ich wollte ihn besuchen. Doch er hatte meine Rufe nicht gehört...Ich stand in der Nähe der Tankstelle und hab..."

"...Hast was?...Rede!", klang ihre Mutter verängstigt, die auf Sarah zugegangen war und ihr durch das blonde, lange Haar strich.

"Ich hab... ich hab mir eine Zigarette angezündet und geraucht. Dann hab ich...hab ich den Glimmstängel weggeworfen. Er fiel in eine flüssige Lache und dann...dann..."

Robin war auf sie zu geeilt und fuhr sie an: "Was dann?....Was hast du dann getan?"

Sarah ging zwei Schritte zurück. "Dann...dann hat es laut geknallt und da war plötzlich Feuer überall. Alles fing an zu brennen und ich hörte nur noch Schreie...Terry...Es war Terry!"

Robin vergaß sich und stürmte auf Sarah zu. "Sag mal, spinnst du? Es steht überall dran, dass auf dem gesamten Gelände Rauchverbot herrscht! Bist du so blond oder tust du nur so? Hat man dir nicht das Lesen beigebracht? Oder bereitet es dir Freude und Spaß, andere zu zerstören oder zu manipulieren?

Was muß noch alles passieren, ehe du begreifst, dass der Mittelpunkt nicht das Wichtigste im Universum ist!...

Terry liegt im OP! Es steht nicht mal Fifty - Fifty...

Zigarette - Sprit - Öl - PENG!!!

Hast du sie nicht mehr alle?...Was steckt hinter deinen gottverdammten Absichten?"

Robin war regelrecht in die Luft gegangen, als sie Sarah zur Rede stellte.

Rudy kam herbei geeilt und hielt Robin zurück, noch ehe sie auf Sarah einschlagen konnte.

"Rudy...Lass mich looos!...Loslassen sag ich!" Rudy sah Rob ins Gesicht. "Beruhige dich...Scht...Scht...Alles wird wieder gut!...Setz dich!..."

Robin verneinte und versuchte an Sarah heran zu kommen, um sie zu verprügeln. Doch Rudy versuchte mit aller Kraft sie aufzuhalten. Robin war so wütend und voller Hass erfüllt. Sie zischte durch ihre Zähne und mit Tränen in ihren Augen: "Schaff sie mir aus den Augen, Rudy, sonst vergesse ich mich!"

Dann richtete sie ihre Worte an Sarah. "Und dir sage ich eines, Sarah Wilson: Sollte Terry es nicht überleben, bringe ich dich ins Gefängnis und da sollst du schmoren für das, was du ihm und uns angetan hast! Du sollst dafür büßen, dass du immer mit allem durchkommst und dann fein raus bist, Menschen behandelst, als würdest du über ihnen stehen!...Du ekelst mich an!...

LASS MICH LOS, RUDY! ICH MUSS HIER WEG!...LASS MICH GEHEN!",

brachte Robin hysterisch heraus und verließ fluchtartig das Hospital. Sie rannte auf den Parkplatz und startete ihr Auto und fuhr blind durch die Gegend. Denn im Moment konnte sie nichts für ihren Bruder tun, außer Abwarten und Beten.

 

 

Terry war ihr einziger Bruder. Er brachte sie dazu, dass sie sich im Tanzstudio angemeldet hatte. Denn sie tanzte nur in ihrem Zimmer oder im Garten. Er hatte sie damals ermutigt, ihr Talent nicht zu Hause zu vergeuden, sondern es auszuleben. Er hatte sie sogar überredet, an diesem Tanzwettbewerb teilzunehmen, der ihr Leben veränderte.

Ihre Fahrt führte sie letztendlich zum Tanzstudio. Sie stieg aus und lehnte sich an die Motorhaube an. Heute war es noch geöffnet. Es brannte drinnen noch Licht.

Alte Erinnerungen wurden in ihr wach. Sie sah sich mit ihrem Bruder hinein gehen. Er zog sie an der Hand die Treppen rauf. Sie war damals stur wie ein Esel und hatte sich dagegen gewehrt, mit ihm hinein zu gehen.

Der Regen fiel. Also lenkte sie ihre Schritte zur Tür und öffnete sie. Für einen Moment verharrte sie zögernd, ehe sie die Tür ganz öffnete und eintrat.

Seit dem Unfall war sie nicht mehr hier gewesen, um zu trainieren. Ihre Verletzung hatte sie davon abgehalten.

"Hallo Wilson!...Ich hab mich schon gefragt, wann du aus dem Regen heraus willst." Es war Jermaine, der auf sie zu kam. Er und seine Frau Jülie waren die Besitzer des Studios.

"Willkommen daheim! Wir vermissen dich hier...Dein Spind ist immer noch frei für dich.", und Jermaine zog sie an der Hand in den Tanzsaal. Rob ließ seine Hand los und blieb im Türrahmen stehen. Sie hatte Angst, den Saal zu betreten. Jermaine betrat die Mitte und wiegte sich zu seiner summenden Melodie hin und her und drehte sich im Kreis.

Robin beobachtete ihn und versuchte einen Schritt in den Saal hinein. "Komm Wilson!...Es ist wundervoll!...Kannst du die Musik hören? Spürst du es?", und er tanzte weiter.

Robin gab sich Mühe, einen Fuß auf's Parkett zu setzen, aber sie brachte es nicht fertig.

"Mit wem redest du da, Liebling?" Eine kleine Lilliputanerin betrat den Saal, neugierig, mit wem ihr Mann redete.

Jülie...

Sie sah Robin zwei Schritte vom Türrahmen entfernt stehen und strahlte über das ganze Gesicht.

"Du meine Güte, Wilson, wie schön dich zu sehen!", und Robin kniete sich zu ihr herunter und schloß sie in ihre Arme.

"Lass dich anschauen, mein Kind...Geht es dir gut? Du siehst traurig aus...Und du hast geweint...Was macht die Verletzung?......Entschuldige, das war unhöflich von mir....Möchtest du Kaffee? Ich koche uns schnell welchen.", und weg war sie. Jermaine war ihr gefolgt.

Robin versuchte erneut ihr Glück, den Saal zu betreten. Langsam, Schritt für Schritt. An der großen freien, rechten Wand hing immer noch ihr übergroßes Poster - Wilson im Ballettoutfit. Es wurde ganz am Anfang aufgenommen. Sie lächelte und strich darüber hinweg.

Ihre Bilder waren wieder da - der rote Schal gefüllt mit Glasscherben, den Sarah ihr mit voller Wucht gegen ihr rechtes Bein geschlagen hatte.

Sie spürte den Sturz und den Aufprall auf das Parkett und hörte den entsetzten Aufschrei der Zuschauer, als sie zusammenbrach. Sie konnte die Stimme von Jermaine hören. Er wetterte und Jülie hatte Sarah hinterher gerufen. Jermaine lief um Robin herum und verscheuchte die neugierigen Menschen, die um sie herum standen und tuschelten.

Ihr liefen die Tränen über ihr Gesicht.

 

 

Bis tief in die Nacht hinein dauerte die OP von Terry. Es hatte ihn ganz schön erwischt. Ob er überleben würde, würden die nächsten Tage zeigen. Man legte ihn ins künstliche Koma, damit er seine starken Schmerzen im wachen Zustand nicht ertragen mußte.

Rudy und Justin versuchten die ganze Zeit über Robin zu erreichen. Es ging nur die Mailbox an.

"Wo steckst du verdammt nochmal, Wilson?", knurrte Rudy vor sich hin. Sie warf einen Blick zu Justin, die vergeblich hoffnungslos verneinte.

Ihr Blick fiel immer auf die Doppeleingangstür, in der Hoffnung, dass ihre Schwester endlich wieder auftauchen würde.

Sarah saß bei ihren Eltern und entschuldigte sich tausendmal für ihr Handeln. Doch ihre Eltern hatten keinen Kopf dafür.

Justin reichte es und platzte. "Wieviel Schaden willst du noch anrichten, bis du hast, was du willst? Ich weiß zwar nicht, wonach du strebst, aber das Opfer war dieses Mal zu hoch gepokert. Ich denke, es war genug für dein ganzes Leben.

Soll ich aufzählen?

Du hast uns unsere Kerle ausgespannt und nicht nur einmal...Das war das Lächerlichste, was du je getan hast. So ein Verschleiß an Frau. Hattest du es so nötig, Sarah? Dabei ist dir jeder Kerl hinterher gelaufen. Du mußtest uns nicht bestehlen. Von Neid kann da keine Rede sein...Mehr oder weniger wolltest du dir doch beweisen, wie gut du es drauf hast...Das war der größte Spaß deines Lebens, deine Schwestern zu schikanieren, ihnen das Leben zur Hölle zu machen...Du sprengst die Werkstatt unseres Bruders mit einer einzigen Zigarette!...Er hat hart für seinen Traum gearbeitet...Du schleuderst das Geld zum Fenster raus und wenn du was brauchst, rennst du deinen Eltern das Haus ein...Und sie geben dir, was du verlangst.

Zerschrotest du dein Auto, das dir Mum und Dad gerade gekauft haben, fährst du eine Woche damit und einfach so aus heiterem Himmel...PUFF!...Kaputt...Verschrottet...Mum und Dad kaufen dir ja ein Neues, als wären sie Millionäre, weil sie im Keller eine Geld - Drucker - Maschine stehen haben? Du kommst und hälst die Hand auf und zack, Geld abgeknöpft...."

Justins Vater Dave wollte sie unterbrechen, doch sie ließ alles von ihrer Seele. "Ich bin noch nicht fertig mit ihr! Ich hab lange genug die Augen davor verschlossen...Irgendwann ist auch mein Maß voll...Wie oft wurden wir bestraft für ihre Dummheiten und sie kam jedesmal davon. Jedesmal, wenn wir für ihre Vergehen beschimpft und bestraft wurden, hat sie uns ausgelacht...Ihr habt uns nie geglaubt, wir waren ja Lügner in euren Augen...Doch sie bekam immer Recht. Doch jetzt ist damit Schluß!...Heirate einen alten Greis, Sarah Wilson. Er lebt nicht mehr lange. Dann hast du Angestellte, die du manipulieren kannst, eine Garage voller Autos, die du nach und nach zu Klump fahren kannst, eine Villa wird dir gehören, allein und die kannst du nach Herzenslust in die Luft jagen und besitzt jede Menge Kohle auf dem Konto, das du mit vollen Händen ausgeben kannst!..Bis nichts mehr davon übrig geblieben ist...Geh arbeiten, verdiene deinen Unterhalt auf ehrliche Art und Weise! Dann haben unsere Eltern und wir Ruhe vor dir, Miststück!"

Ihre Mutter war auf Justin zugegangen. "Kind, was ist denn in dich gefahren? So haben wir dich noch nie reden hören!" Justin sah ihre Mutter tränenverschmiert an. "Es gibt so Vieles, was ihr nicht über sie wisst! Terry, Rob und ich haben jahrelang unseren Rand gehalten. Aber jetzt ist Schluß!"

Sarah stellte sich vor ihre Mutter und Justin und keifte: "Pah, es gibt nichts, was ihr über mich wißt! Was du dich hier so aufspielst und sowas nennt sich meine Schwester! Ihr drei seid doch nur neidisch auf mich, weil Mum und Dad mich euch vorziehen!", und Sarah lachte laut auf.

Justin schob ihre Mutter Eveline zu ihren Vater auf die Lounge und trat auf Sarah zu.

"Wer bist DU, verdammt nochmal?!...Weil wir gerade über ehrliche Arbeit reden. Was hast du unseren Eltern über den Wettbewerb erzählt?", flötetete Justin Sarah an. "Ich weiß nicht, was du meinst!", spottete Sarah.

Robin war aufgetaucht und beobachtete das ganze Theater von der großen Doppeltür aus.

Sie war völlig durchnäßt.

"Los! Sag es ihnen!", forderte Justin ihre Schwester Sarah auf.

"Wovon redest du?", hakte ihr Vater nach. "Was soll sie uns sagen?...Justin?...Sarah?...Worum geht es hier?", und er sah seine beiden Töchter fragend an.

"Der Wettbewerb...Robin war der Favorit der Jury, nicht Sarah...Du hast nur den Job gekriegt, weil du mit dem Jury - Mitglied Sanders geschlafen hast...Du hast Rob ihren Auftritt ruiniert, weil du es nicht ertragen hast, dass sie als Siegerin gewählt wurde. Robin war dir im Tanzen schon immer weit voraus. Du wußtest von Anfang an, dass du nicht mit ihr mithalten konntest, geschweige noch eine Chance hattest zu gewinnen...Wie hast du den Job gekriegt, Sarah? Was hat sie euch Beiden erzählt?", fragte Justin ihre Eltern.

Dave und Eveline standen neben Justin. Sie waren aufgebracht, denn so hatten sie ihre Tochter noch nie erlebt. Was zur Hölle war zwischen ihren Kindern vorgefallen, dass sich solch eine Wut und Hass aufgestaut hatte? Hatten sie wirklich Sarah allen dreien vorgezogen?...Doch Justin übertönte die Gedanken ihrer Eltern, denn was jetzt ans Tageslicht kam, damit hätten Dave und Eveline nicht gerechnet.

"Sarah?...Was ist hier los?...Wovon redet deine Schwester?...Was will sie uns sagen?...Du sagtest uns doch, dass du gewonnen hättest." , kam ihre Mutter zuerst zu Wort.

Sarah ging ein paar Schritte zurück. "Das ist doch Schnee von gestern. Wen interessiert es denn heute noch? Ich bin die - BESTE - Tänzerin! Sie haben mich genommen! Nur das ist wichtig für mich!"

"Anscheinend nicht für deine Schwestern, Sarah Wilson!...Also, ich frage dich zum letzten Mal:

WAS IST VORGEFALLEN ZWISCHEN DIR UND DEINER SCHWESTER ROBIN?",

wollte Dave wissen. Er war jetzt nicht mehr der liebevolle Vater. Er kam sich gerade vor, als würde er sich bei einer Gerichtsverhandlung befinden. Waren er und seine Frau wirklich all die Jahre nur auf ein Kind der Familie eingeschossen?

"Sarah?", kam es von ihrer Mutter besorgt.

"Die Jury...die Jury...Ich wurde...wurde... disqualifiziert."

Eveline mußte sich setzen und hielt sich an der Lounge - Lehne fest und sah auf zu ihrer Tochter. "Was???...Sarah!!!...Du hast uns erzählt, dass Rob dir deine Choreo gestohlen hätte. Deswegen flog sie aus dem Wettbewerb."

Justin bekam große, entsetzte Augen...ebenso Robin, die immer noch an der Doppeltür stand.

"Sie hat WAS?", polterte Justin heraus.

In der Zwischenzeit waren Rudy und Rusty heran getreten und versuchten die Familie zu beruhigen, denn das hier war ein Krankenhaus und kein Gerichtssaal.

"Sarah!...Ich will Antworten!", forderte Dave von seiner Ältesten.

Justin wurde so wütend, beinahe hysterisch und fauchte ihre älteste Schwester an.

"Sie konnte die Choreographie überhaupt nicht von dir gestohlen haben...Jermaine, Terry und ich haben sie im Studio trainiert. DU hast nicht einen Fuß dafür krumm gemacht,...nicht EINEN!!! Matthew hatte alles heimlich gefilmt...Ja Sarah, wir haben ihn und seine Kamera erwischt. Danach hatte Rob mit ihm Schluß gemacht.

DU HAST IHRE CHOREO GEKLAUT!!!

...Damit es aber so aussah, dass Robin die Schuldige war, hast du ihren Auftritt manipuliert!"

"DU LÜGST!", konterte Sarah.

"NEIN!", kam es von der Eingangstür. Alle drehten sich zu der Stimme um. Robin kam auf ihre Familie zu.

Sie holte einen roten Schal aus ihrer Jackentasche hervor und hielt ihn Sarah vor die Nase.

"Was ist das?...Was hat das zu bedeuten, Sarah?", hinterfragte Eveline.

 

 

Dave und Eveline waren entsetzt über die Worte, die sie gerade eben aus dem Mund ihrer Tochter Justin vernahmen.

"Sag, dass das nicht wahr ist, Sarah!...Sag mir, dass es gelogen ist, was Justin uns erzählt.", forderte Dave Sarah auf.

"Dieses Mal ist es keine Lüge! Dieses Mal ist es die Wahrheit!", entgegnete Justin.

"Was ist das für ein Schal?", entgegnete Eveline.

Sarah verhielt sich still.

Dave fuhr durch seine lockigen Haare und lief hin und her. "Ich glaub, ich bin im Irrenhaus!...Was soll die Geschichte mit dem Schal?...Könnte mir bitten endlich jemand..."

"...Glas...In dem Schal waren Glassplitter eingebunden...", antwortete Sarah.

"Ich hab...ich hab...ich hab ihn..."

"Du hast WAS damit gemacht? Rede und lass dir nicht alles aus der Nase ziehen!", forschte Justin ihre Schwester an.

Justin nahm Rob den Schal aus ihren Händen und wirbelte damit in der Luft herum. Als sie genug Schwung hatte, holte sie zum Schlag aus. Sarah sprang zur Seite.

"Schade!...Daneben!...Nochmal Glück gehabt, Sarah!", zog Justin Sarah auf.

"Soll das etwa heißen, du...du hast den Schal gegen ihr Bein geschleudert? Du hast ihr das angetan?...Du hast gesagt, sie wurde von einem Autofahrer angefahren!", stockte Dave.

Sarah verstummte gänzlich. Eveline und Dave sahen ihre Tochter schwer enttäuscht an.

"Ist das wahr?"

Sarah wollte gehen, doch Eveline hielt sie zurück.

"Antworte deinem Vater!", bat sie.

Sarah blieb ruhig und gelassen.

"Wir haben Robin sehr hart dafür bestraft - für DEINE Lügen!...", begann Dave und lief um Sarah herum. "...Ich schäme mich als Vater, meine eigene Tochter so verurteilt zu haben! Ich hab sie sogar aus ihrem Zuhause geworfen, weil ich dir mehr Glauben geschenkt hab als ihr!...Also...

Ist das wahr, was hier gerade gesagt wurde?...ANTWORTE MIR!", brüllte Dave Sarah an.

Sarah lachte auf und nickte und lachte und lachte und verließ das Krankenhaus.

Rusty verfolgte sie mit seinen Augen, bis die Doppeltür ins Schloß gefallen war. Dann flüsterte er: "In die Psychiatrie mit ihr. Ja, da gehört sie hin!" Rudy eckte ihn an und flüsterte ihm ins Ohr: "Klappe Mc Allister!"

Dann stürzte sich Rusty auf Robin, die wie benommen zwischen allen stand. "Kindchen, wie siehst du denn aus? Du bist ja total durchnässt. Du mußt ganz dringend aus den nassen Klamotten raus...Aber hoppla!"

Eveline nahm ihre Tochter in ihre Arme und hielt sie fest. "Schatz, wo bist du gewesen?" Rob entfloh ihrer Umarmung und ließ ihre Mutter einfach stehen.

Rudy wickelte ihr eine große, warme Decke um und schob sie ins Bad, zog sie aus und stellte sie unter die Dusche im Schwesternbadezimmer.

"Du hast uns einen großen Schrecken eingejagt, weißt du das?"

Rudy duschte sie und trocknete sie ab und verhalf ihr in trockene, warme Sachen.

"Rudy...Terry...Wo ist Terry...Rudy...", fragte sie immer noch benommen.

"Trink und iß erstmal was. Du holst dir ja noch den Tod, Mädel!", ermahnte Rusty sie, als sie mit Rudy im Schwesternzimmer aufgetaucht war.

Dave gab ihr einen Kuß auf die Stirn. "Wir reden zu Hause darüber, Rob!"

Rob sah ihren Vater an. "Es gibt nichts zu Hause zu bereden! Schon vergessen? Ihr habt mich hinaus geworfen! Ich hab meine eigenen vier Wände, wo es ruhig und friedlich ist. Wo man geschätzt und geliebt wird...Auch, wenn ihr jetzt die Wahrheit kennt, ändert das nicht meine Meinung über euch...Ich möchte, dass ihr jetzt geht...Ich muß mich ausruhen."

Robin setzte sich auf die Couch und brach in Tränen aus.

Rusty setzte sich zu ihr und nahm sie in seine Arme und wiegte sie hin und her wie einen Säugling.

Wahly rubbelte an Rob herum, um sie aufzuwärmen und deckte sie zu.

Rusty schlug ihr auf die Finger. "Wahly, es ist gut jetzt. Du machst sie ja noch kaputt, wenn du weiter so an ihr herumziehst."

"Ich mach sie schon nicht kaputt. Ich wärme sie nur auf. Sie war lange genug da draußen im Regen!...Wir müssen uns um sie kümmern. Wir sind ihre Freunde. Sie hat nur noch uns und ihre Schwester Jus!"

"Redet nicht so über mich, als wäre ich nicht im Raum! Okay?...Ich möchte zu Terry!", bat Robin ihre beiden Kollegen.

"Du solltest etwas schlafen. Danach kannst du zu ihm. Du brauchst genau so Ruhe, wie er auch!", redete Jus auf sie ein.

Da ging die Tür auf.

Sarah trat ein. "Was willst du hier?", ging Justin sie an. "Ich will mit euch reden."

Rudy erhob sich und ging auf sie zu. "Auf keinen Fall wird hier noch irgend etwas geredet. Du solltest lieber zur Polizei gehen und dich stellen! Da kannst du dann reden, wenn du so ein hohes Redebedürfnis hast!...Du solltest jetzt gehen!...JETZT!"

Sarah holte tief Luft und wollte noch etwas sagen, doch Justin nickte zur Tür.

"Ich komme später wieder!"

"Wohl kaum Sarah!", zischte Rudy sie an.

Robin hatte keine halbe Stunde in Anwesenheit von Rudy auf der Couch im Schwesterzimmer geschlafen, Rusty und Justin waren gegangen, als Doktor Peters eintrat und sich vor die Couch kniete.

Er sah Robin an und strich ihr eine Strähne aus ihrem Gesicht. "Wie geht es ihr, Rudy?" Rudy holte sich einen Stuhl heran und beobachtete ihre Freundin im Schlaf. "Ich würde sagen, sie hat heute ganz schön was durch gemacht. Wie kann man in so einer Familie aufrecht stehen und überleben, in der ein Terrorist zu Hause ist?"

"Sie haben eines vergessen, Wahly...Sie ist immer stark geblieben!" Rudy nickte, denn Peters hatte recht.

"Sobald sie aufgewacht ist, sagen Sie ihr, dass sie für eine Woche frei hat. Sie soll sich erstmal ausruhen und erholen." "Geht klar Doktor! Ich richte es ihr aus."

An der Tür drehte er sich nochmal zu Rudy um. "Ehm...Rudy...Danke, dass Sie für sie da sind! Sie kann sich sehr glücklich schätzen, dass sie solche Freunde um sich hat wie Sie und Rusty!"

Rudy lächelte und der Boss verließ das Zimmer.

Robin hatte lange geschlafen. Für andere hatte die Spätschicht bereits begonnen.

"Wie fühlst du dich Wilson?...Lass uns einen Kaffee trinken und was essen gehen. Ich hab einen Bärenhunger. Du solltest dir auch etwas genehmigen....Terry geht es soweit gut und ich soll dir ausrichten, dass du eine Woche frei hast, um dich zu erholen und auszuruhen.", und die Zwei hatten das Krankenhaus verlassen.

 

.

 

 

Robin besuchte ihren Bruder jeden Tag im Krankenhaus. Und wenn sie nur an seinem Bett saß und ihm aus Jules Verne vorlas oder ihm von ihrem freien Tag erzählte. Sie bürstete ihm seine braunen Haare, wusch ihn, rasierte ihn, verschnitt ihm die Nägel und mit Justin wechselte sie seine Kleidung und die Bettwäsche. Robin verbrachte im Moment mehr Zeit im Hospitel als in ihren eigenen vier Wänden.

Justin wählte im Obdachlosenheim einige Bewohner aus, die sie in einem gemieteten Bus mit zu Terrys Appartment nahm, um sich dort um den großen Garten zu kümmern. Sie machte ein Projekt daraus, damit die Bewohner Verantwortung für Eigentum lernten.

Terry war nicht allein in dieser schweren Zeit. Nur seine Eltern hielten es nicht für angebracht, ihn auf der Station zu besuchen.

Als die freie Woche herum war, stand Rudy im Zimmer von Terry, am Türrahmen mit verschränkten Armen gelehnt. Rob schloß gerade das Fenster.

"Schläfst du auch mal?", fragte Rudy. "Du mußt dich ausruhen...Wie lange bist du schon auf den Beinen?" Robin schaute zu Rudy. "Keine Zeit dafür, wir haben zu arbeiten. Unsere Patienten warten auf uns...Wie war dein zweitägiger Urlaub?", wollte Robin von ihr wissen und löschte das Licht in Terrys Kranken - Zimmer.

Beide Frauen liefen den Flur entlang. "Meine innere Göttin hatte das volle Programm.", und Rudy hakte sich bei Rob unter die Arme.

Robin lächelte leicht. "Das ist jetzt nicht fair... Also, wieviel Putz ist bei eurem Nachbarn von der Decke gefallen?"

Rudy wackelte mit ihren Hüften und sie lachten herzhaft um die Wette.

"Oh nein...Mc Allister im Anmarsch!", brodelte Rudy. Rusty begann eben seine Schicht und lief auf die Beiden mit offenen Armen drauf zu. Er redete ununterbrochen von einem neuen Tanzclub und von einem neuen Lover, der ihm dort über dem Weg gelaufen war. Rudy stoppte ihn mitten im Gespräch: "Okay, okay Mc Allister!...Der Telefondienst gehört heute Nacht dir...Beruhige dich wieder, sonst fliegen deine Arme noch davon!", gab Rudy ihm zu verstehen.

In ihrer Nachtschicht - Pause betrat Rob das Zimmer von ihrem Bruder. Doch er war nicht allein.

"Was machen Sie denn hier?...Sie sollten doch schon lange zu Hause sein.", gab sie Doktor Peters zu verstehen und strich ihrem Bruder sanft über seine linke Wange. "Ich bin der Chefarzt der Chirurgie und Notaufnahme, schon vergessen? Ich kümmere mich um das Wohlergehen unserer Patienten!" Sie stimmte ihm zu und betrachtete ihren Bruder im Schlaf. "Er sieht so friedlich aus." Sie nahm die Krankenakte vom Fußende und kontrollierte seine Werte und schrieb die Uhrzeit dahinter. Sie nahm seine linke Hand in ihre und gab ihm einen Kuß auf die Stirn. "Weißt du, Rusty schwärmt von diesem neuen Club und von seinem neuen Freund. Sobald du wieder gesund bist, werden wir dorthin gehen und feiern. Sie spielen die beste Musik und das Lichtspiel soll eine Augenweide sein....Ich weiß gar nicht mehr, wann wir alle zusammen das letzte Mal tanzen waren...Ich kann mich kaum daran erinnern...seit...seit...", und Rob verstummte.

Peters stellte sich auf die andere Seite des Patienten hin und beobachtete die Monitore.

"Ich weiß jetzt, woher ich dein Gesicht kenne...", begann er. Sie sah auf zu ihm. "Du warst Diejenige mit dem gebrochenen Bein im Tanzstudio. Ich war damals Ersthelfer und hab dich betreut, bis der Krankenwagen eingetroffen war. Ich bin mitgefahren und hab dich mit hierher gebracht."

Robin setzte sich in Bewegung und sah nach, ob ihr Bruder warme Füße hatte und mummelte ihn richtig warm ein. Sie hielt sich an seinen Füßen fest und begann zu weinen.

Eric ging auf sie zu und zog sie an sich, um sie zu trösten und strich ihr dabei über ihren Schopf, ihr langes Haar entlang bis er ihr Kinn zu sich anhob.

"Es wird alles wieder gut, Robin!", flüsterte er an ihrem rechten Ohr. Sie sah ihm in seine grau - blauen Augen und fuhr ihm unbewußt durch sein recht kurz, leicht ergrautes Haar.

In einem Impuls heraus beugte er sich zu ihr herab und drückte ihr seine Lippen auf ihre.

Sie schob ihn von sich und glättete ihre Kleidung.

"Wir sind Kollegen. Wir sollten das hier nicht tun!....Meine Pause ist zu Ende...Ich muß wieder an die Arbeit!" Sie sah auf ihren Bruder und flüsterte ihm zu: "Ich komme nachher wieder."

Robin ordnete sich und verließ eilig das Zimmer.

"Ich kann doch solange hier bleiben und auf ihn acht geben, bis du wieder kommst. Ist dir das recht?", rief er ihr durch die noch offene Tür hinterher.

Er blieb zurück und sein Blick haftete auf der Tür, die kurz darauf ins Schloß gefallen war.

 

 

Robin holte noch ein paar Sachen von Terry aus ihrem Elternhaus ab. Sie öffnete den Kofferraum ihres Autos und packte die großen Taschen hinein, um sie in sein Appartment zu bringen. Ihr Vater hielt sie auf, ehe sie fuhr und nahm sie in seine Arme.

"Es...es tut uns wirklich sehr leid, was da passiert ist. Wir wußten nicht, dass Sarah uns belogen und dir so übel mitgespielt hat. Wir haben dich ihretwegen hinaus geworfen und dich von uns getrennt."

Rob löste sich von ihrem Vater. "Stop...Stop Dad!...Das ist kein Thema mehr für mich...", und sie knallte die Kofferraumklappe zu. "...Es ist vorbei...Es war Zeit zu gehen!...Einer von uns mußte ja den Anfang machen...Findest du nicht?

Was Sarah betrifft: Sie ist nicht meine Schwester. Das war sie nie für mich gewesen!...", und sie öffnete die Tür zur Fahrerseite. "...Ihr...Ihr habt nur getan, was Eltern in solchen Momenten für richtig halten...Einer mußte für ihre Lügen und Spielchen bestraft werden. Und das war nun mal ich. Weil ich in euren Augen das schwarze Schaf der Familie war...Nicht sie!", und Rob stieg in ihr Auto und fuhr los.

Dave ging zurück auf die Terrasse zu seiner Frau Eveline und Justin. Eve griff nach seiner linken Hand und fragte ihn: "Und?...Wird sie uns jemals verzeihen?"

Er setzte sich zu ihr an den Tisch und nahm ihre Hände in seine und rieb sie. "Sie wird noch etwas Zeit brauchen, um uns zu verzeihen. Wir haben ein großes Unrecht an ihr getan."

Justin mischte sich ein. "Und da wundert ihr euch? Nach Robs Meinung wurde ja auch nie gefragt. Sarah hatte gesprochen und damit habt ihr euch zufrieden gegeben. Nie wurde etwas hinterfragt. Es gab immer nur eine Meinung...Sarah ihre!

Dass euch Beiden das nie aufgefallen ist, wie sie euch wie eine Spinne ins Netz gelockt hat....Die ganze Zeit über...Wir haben mal alle unter einem Dach gelebt und ihr wollt mir jetzt erzählen, dass ihr von nichts mitgekriegt habt?

Robin hat das Tanzen aufgegeben, seit diesem Unfall. Das war das Einzige, was sie glücklich gemacht hat. Und ihr drei habt ihr das genommen. Habt ihr mal gefragt, wie es ihr seitdem geht?...Ach ja, ging ja nicht...Ihr habt ja von nichts mitbekommen...Für euch zählt nur Sarah und sonst niemand!...WIESO?", und Justin verließ den Tisch.

"Wir waren mal eine Familie! Das ist schon viel zu lange her...Wieso ist sie so anders als wir?", hinterfragte Justin, ehe sie auf ihr Zimmer ging und ihre Sachen packte.

Rusty kam aufgeregt Robin entgegen. Sie war noch nicht mal richtig aus ihrem Auto ausgestiegen, als Mc Allister sie fast umrannte. "Na endlich Darling! Jetzt hört der Telefonterror vielleicht auf."

"Wovon sprichst du?", fragte Rob ihn, der sie am Ärmel geschnappt hatte und in die Notaufnahme zerrte.

"Sarah versucht dich den ganzen Tag zu erreichen."

"Wenn sie wieder anruft, sag ihr, sollte es Terry nicht schaffen, werd ich ihr das Leben zur Hölle machen...Hast du verstanden Mc Allister?", und sie ließ ihn mit entsetztem Gesicht stehen.

 

 

Terry schlief friedlich, als sie sein Zimmer betrat. Sie kippte sein Fenster an und schaute hinaus auf den Parkplatz. Dann sah sie nach seinen Werten und setzte sich zu ihm. "Happy Birthday großer Bruder!", und sie gab ihm einen Kuß auf die Stirn.

"Wir vermissen dich so sehr. Werd wieder gesund, ja?" Sie deckte ihn bis zur Hüfte zu.

"Kannst du dich noch an deine erste Freundin erinnern? Wie hieß sie doch gleich?...Lucinda Milton?...Oh mein Gott, sie war grauenvoll. Doch du warst total in sie vernarrt...Es hat lange gedauert, bis du über sie hinweg warst...Wie alt warst du da?...Sechzehn?...Sie war um einiges älter als du..."

Draussen im Flur wurde es etwas laut. Robin sah zur Tür.

"Jedes Wochenende warst du mit Großvater an deinem Moped beschäftigt. Ihr habt daran gebastelt, stundenlang. Und bei deiner ersten Probefahrt hast du es gleich kaputt gemacht.

Wir haben viel Mist gebaut...uns in die Hecken in der Schule geschubst bis unsere Sachen zerrissen waren. Oh mein Gott! Das gab höllischen Ärger zu Hause..."

Robin zog den Sessel näher ans Bett heran und kuschelte sich hinein. "Könntest du mich bitte in einer Stunde aufwecken, Terry? Meine Schicht fängt dann an." Sie gähnte und schloß ihre Augen. "Danke großer Bruder!", und sie war eingeschlafen

Auf der Uhr war es vier Uhr morgens. Doktor Eric Peters kam ins Krankenzimmer von Terry herein. Robin hatte ihren Kopf auf den Bettrand gelegt und schlief tief und fest.

Er betrachtete sie und stand in seinen Gedanken wieder vor ihrer verschlossenen Haustür, als der Wolkenbruch ihn in der Nacht überraschte. Er konnte sich an jedes Wort erinnern, das sie ihm entgegen geworfen hatte. Sie war abweisend zu ihm und wütend. Und das mit gutem Recht. Natürlich hätte er sich ein Taxi rufen können, doch er wollte sie sehen.

Seit er ihr bei diesem Tanzunfall begegnet war, hatte er sie immer vor seinen Augen. Und dann traf er sie hier im "Open Hospitel". Er rempelte sie einfach so an und hielt sie fest.

Mit ihrer Schwester Sarah wollte er sie eifersüchtig machen. Doch das ging nach hinten los. Rudy hatte ihn gewarnt. Er schmunzelte vor sich hin und hatte ihre Worte im Ohr.

Er hockte sich zu Rob und versuchte sie vorsichtig aufzuwecken. "Miss Wilson!...Es wird Zeit."

Sie schlief tief und fest. Er lehnte sie an die Sessellehne und deckte sie mit einer Wolldecke zu.

Dann beugte er sich zu ihr und drückte ihr einen Kuß auf die Stirn. Dann schlich er sich leise aus dem Krankenzimmer.

In der Notaufnahme suchte er Rudy auf. Er fand sie im Patientenzimmer Eins.

"Misses Wahly, könnte ich Sie einen Moment sprechen?" Rudy ließ alles stehen und liegen und folgte ihm ins Schwesterzimmer. "Was gibt es denn?"

"Können Sie mir sagen, wann Schwester Wilson das letzte Mal richtig geschlafen und gegessen hat?"

Rudy sah ihn erstaunt an und ein kleines Lächeln huschte ihr übers Gesicht. Sie dachte, er wolle sie auf den Arm nehmen und verneinte. "Wo steckt sie eigentlich?", wollte sie wissen.

"Lassen Sie sie schlafen. Sie ist bei Terry!", und er verließ das Schwesterzimmer. Rudy folgte ihm mit ihrem Blick, bis er in seinem Büro verschwunden war.

 

 

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MrsHEKenways Profilbild
MrsHEKenway Am 30.06.2022 um 15:02 Uhr
Hallo liebe Nicole,

schön geschriebene Geschichte. Freu mich auf weitere Kapitel! <3

LG MrsHEKenway
NicoleSemilch29s Profilbild
NicoleSemilch29 (Autor)Am 30.06.2022 um 18:10 Uhr
Hallo liebe MrsHEKenway, vielen lieben Dank für die großartige Bewertung und deine lieben Worte...Weitere, spannende Kapitel werden folgen.

LG Nicole (Colles Home)

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NicoleSemilch29s Profilbild NicoleSemilch29

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Diese Story wird neben Liebe auch in den Genres Drama, Freundschaft, Humor und Familie gelistet.