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Das Weihnachtsrätsel

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28.12.19 00:33
Fertiggestellt
Liebe Augurey, ich wünsche dir mit dieser ‚Wichtelgeschichte‘ fröhliche Weihnachtstage und eine besinnliche Zeit! Viel Spaß beim Lesen :)

 

Das Weihnachtsrätsel

Sie erwachte und wusste zunächst nicht, warum. Nicht, dass es ungewöhnlich gewesen wäre. Oftmals waberten des Nachts Sorgen und schwere Gedanken durch ihren schläfrigen Kopf und zwangen sie, stundenlang in einem zwielichtigen Zustand zu verweilen. Noch während sie in sich hinein horchte und nach dem Grund für ihr unverhofftes Erwachen suchte, vernahm sie ein Geräusch. 

Unsicher setzte sie sich in ihrem weichen Bett auf und lauschte ins Dunkel. Da, erneut, ein leises knöchernes Klopfen an der schweren Eichenholztür ihres Gemachs. 

Wer mochte sie zu dieser Stunde aufsuchen? Oder war es nur ein Dumme-Jungen-Streich? Ihre Lippen kräuselten sich zu einer dünnen Linie. Mit einem Fingerzeig entzündete sich die Kerze auf ihrem Nachttisch und sie schlüpfte in ihre Pantoffeln. Das Klopfen wurde energischer. 

Mit der Laterne in der einen und dem Zauberstab in der anderen Hand näherte sie sich der Tür. Mit einem Räuspern entriegelte sie das Schloss und zog die Tür kurzerhand einen kleinen Spaltbreit auf. 

Unvermittelt wurde sie geblendet. Sie konnte nur einen dunklen Schemen hinter der grellen Lichtquelle ausmachen, bevor sie die Augen zusammenkneifen musste.

„Wer da?“, krächzte sie mit heiserer Stimme. Blinzelnd versuchte sie zu erkennen, wer da mitten in der Nacht vor ihrer Tür stand und einen mittelschweren Angriff auf ihr Sehvermögen durchführte. 

„Minerva, ich bin es“, erklärte eine altbekannte Stimme schmunzelnd. Schon wurde der Lumoszauber gedimmt. Als sich ihre Augen an die Lichtverhältnisse gewöhnt hatten, bestätigte sich ihre Vermutung: die Stimme gehörte zu niemand anderem als Albus Dumbledore. Überrascht hob Minerva eine Augenbraue. In sternenbesticktem Morgenmantel und langer, spitz zulaufenden Schlafmütze stand er vor ihr. An seinem zerzausten Bart bemerkte sie, dass er wohl auch vor kurzem erst erwacht war.

„Entschuldige die Störung zu später Stunde“, begann er, „aber es handelt sich hier um einen kleinen Notfall.“ Spätestens jetzt war sie hellwach. Albus Augen blitzten, das konnte sie selbst hier im Kerzenlicht erkennen. Doch erkannte sie auch an seinem leisen Lächeln, dass es sich um keinen allzu ernsten Notfall handeln konnte. 

„Worum geht es, Albus?“ Sie trat einen Schritt zurück, um ihn einzulassen, doch er machte keine Anstalten einzutreten. Aus einer Vorahnung heraus griff Minerva nach ihrem scharlachroten Morgenmantel und warf ihn über. Dann trat sie zu Albus in den Korridor und schloss die Tür mit einem Wisch ihres Zauberstabs. 

„Ich schätze, das weiß ich noch nicht genau. Aber hier geht etwas Seltsames vor sich. Folge mir, ich werde es dir zeigen, meine Liebe“, erklärte Albus, als sie nebeneinander den Gang hinunter liefen. Ihre Schritte hallten von den nackten Steinwänden wider. Durch ein offenes Fenster vernahm man aus der Ferne ein Käutzchen. Es war eine besonders kalte Nacht und es schneite bereits seit Tagen in dicken Flocken vom wolkenverhangenen Himmel herab. Minerva schlang den Morgenmantel fester um sich. 

Schon bald erkannte sie, welchen Weg Albus eingeschlagen hatte. Vor dem Porträt der fetten Dame machten sie schließlich Halt. Die Frau war im Bildrahmen in sich zusammengesunken und schnarchte laut. Behutsam klopfte Albus auf den Rahmen des Gemäldes. Die fette Dame schreckte mit einem erstickten Laut hoch. 

Sie rief: „Professor Dumbledore! Was führt sie zu dieser Stunde-!“ Doch Albus legte den Finger an seine Lippen und zwinkerte der Dame zu. Mürrisch gab sie nach und legte den Eingang zum Griffindorgemeinschaftsraum frei. 

 

„Wo ist das Problem?“, fragte Minerva verdutzt, als sie schließlich in der Mitte des Gemeinschaftsraumes standen. Sie sah sich noch einmal genauer um. Im Kamin prasselte ein gemütliches Feuer, die Couchecke war bis auf einige zerknautschte Kissen sauber verlassen worden und alles war pünktlich zum Fest weihnachtlich geschmückt worden. Natürlich, denn es war schließlich schon die Nacht vor dem Weihnachtsmorgen. Sogar ein prächtiger Weihnachtsbaum stand nicht weit vom Kamin entfernt. Er war so hoch gewachsen, dass die Baumkrone an der Decke abgeknickt war und der große Stern, der die Spitze zierte, auf magische Weise der Schwerkraft trotzte.

„Wo ist das Problem?“, wiederholte Albus und seine Augen schauten ungläubig hinter den halbmondförmigen Gläsern auf sie hinab. „Die Geschenke sind verschwunden!“ 

Es folgte ein Moment der Stille. Minerva’s Blick glitt von Dumbledores ernstem Gesicht zu dem leeren Fleck unter der Tanne und wieder zurück zu Albus. 

„Inwiefern ist das ein Notfall, Albus“, begann sie leicht verärgert, „Dafür bringen Sie mich um meinen kostbaren Schlaf? Es wird sicher nur ein Streich von einem der Schüler gewesen sein. Ich kann Ihnen da einige Kandidaten aus dem dritten Jahr nennen, die-“. 

„Es sind nicht nur die Geschenke im Gryffindorraum“, unterbrach sie Albus. „Auch in den anderen Gemeinschaftsräumen und in der großen Halle sind sie verschwunden.“

Minerva stutzte. „Was hat das zu bedeuten, Albus?“ 

Dumbledore kratzte sich unter seiner Schlafmütze. „Nun, meine Liebe, ich hatte gehofft, dass Sie mir dabei helfen würden, dem Mysterium auf den Grund zu gehen.“ Sie spürte seinen warmen, bittenden Blick auf ihr ruhen. 

Schließlich seufzte sie. „Ich halte es für ratsam, als erstes die Hauselfen zu befragen. Auch wenn ich nicht davon ausgehe, dass sie etwas mit dem Verschwinden zu tun haben, sind sie doch häufig auf dem neusten Stand der Geschehnisse hier in Hogwarts.“ Begeistert klatschte Dumbledore in die Hände. 

 

„Professor Albus Dumbledore, Sir, es ist schrecklich!“, japste der kleine Hauself vor ihnen atemlos. Durch den Türrahmen hinter ihm blitzen einige schüchterne Augenpaare hervor.

„Als wir heute Nacht mit dem Aufräumen anfangen wollten, waren die Geschenke schon nicht mehr da!“, jammerte er. „Wir schwören es, Professor Albus Dumbledore, Sir!“ Seine Ohren hingen beschämt herab.

„Merkwürdig ...“ Minerva blickte nachdenklich zu Albus. Doch dieser schien ganz und gar nicht besorgt zu sein. Ihre Blicke trafen sich.

„Trotz der Ernsthaftigkeit unserer Lage muss ich zugeben, Minerva, dass mir dieses Rätsel einen Heidenspaß bereitet.“ Sein Gesicht strahlte vor Begeisterung. Minerva musste angesichts der Jungenhaftigkeit ihres alten Freundes schmunzeln. „Eine schöne Weihnachtsüberraschung! Besser als jedes Zitronenbonbon.“

Verdutzt sah der Hauself zwischen den beiden hin und her. Albus beugte sich wohlwollend zu ihm hinunter.

„Es würde außerordentlich helfen, wenn ihr eure Augen und Ohren für uns offenhalten könntet?“ Der Hauself stellte pflichtbewusst seine Ohren auf und seine Brust schwoll an.

„Natürlich, Professor Dumbledore, Sir!“

In diesem Moment machte sich unter den Hauselfen Unruhe breit. Gemurmel wurde lauter und der Hauself, der mit Ihnen gesprochen hatte, tauchte für einen Moment in die Gruppe der Elfen ein. Also er wieder zu Ihnen trat, schien er unsicher. 

„Wir sind nicht sicher, ob es von Bedeutung ist, Professor Dumbledore, Sir, aber bei den Gewächshäusern scheint etwas vor sich zu gehen“, berichtete er zögerlich.

„Vielen Dank, wir werden der Spur nachgehen!“ Albus lupfte seinen Morgenmantel und rauschte bereits tatkräftig von dannen, als er sich noch einmal zu den Hauselfen umschaute. „Und passt auf euch auf, noch wissen wir nicht, ob es unser Dieb nur auf Geschenke abgesehen hat.“ Dem Hauselfen wich alle Farbe aus dem Gesicht. Albus zwinkerte ein letztes Mal und Minerva beeilte sich mit ihm Schritt zu halten.

 

Albus summte ein fröhliches Lied, als sie auf direktem Weg zu den Gewächshäusern den Gang entlang eilten. Abrupt blieb er stehen und hob die Hand. Minerva konnte sich gerade noch an der Wand festhalten, um eine Karambolage zu verhindern. 

Er deutete auf etwas, das in einiger Entfernung auf dem Boden lag. Minerva hielt den Atem an und spähte hinter Albus hervor. Ein kleines, zerrissenes Stück Geschenkpapier lag mitten auf dem Gang. Und kurz dahinter schon ein weiteres. 

Die Professoren nickten sich zu und folgten mit gezückten Zauberstäben den „Brotkrumen“. Die Tür zum Gewächshaus Zwei stand sperrangelweit offen. Vorsichtig näherten sie sich dem Eingang. Die Nacht war still, der Schnee schluckte beinahe jedes Geräusch. Nur das Knarzen ihrer Pantoffeln war zu hören. Mit einem Mal brach die Wolkendecke auf und der Mond tauchte die Winterlandschaft in ein kaltes, bläuliches Licht. 

Albus und Minerva drückten sich in den Schatten des Gewächshauses. Dann schoben sie sich ins Innere. Die Geschenkpapierfetzen auf dem Boden nahmen zu, bis die Spur in einem riesigen Haufen am Ende des länglichen Gewächshauses mündete. Albus gab Minerva ein Zeichen zu warten und schlich dann näher zum Tatort. Gespannt beobachtete Minerva, wie Albus den Bommel seiner Schlafmütze über die Schulter warf, um sich hinunter zu bücken.

Plötzlich vernahm sie ein lautes Knacken hinter sich. In einer flüssigen Bewegung fuhr sie herum, bereit einen Lähmzauber zu wirken.

„Bei der Mutter aller Alraunen!“, quiekte eine Stimme auf.

„Pomona?“ Minerva senkte ihren Stab. Vor ihr stand, die Hand auf das Herz gelegt, Pomona Sprout und schaute sie erschrocken an. Als sie sich wieder gefangen hatte, blickte sie an Minerva vorbei zu Albus und musterte ihn, wie er über dem Papierberg hockte. 

„Ich schätze, Sie sind dieser Spur durch das Schloss gefolgt?“, mutmaßte Pomona. 

„Richtig. Wissen Sie, was hier vor sich geht?“, fragte Minerva sie prompt. 

„Ich habe da so eine Vermutung ...“ Pomona trat zu Albus und schob den Haufen Geschenkpapier ein Stück zu Seite. Zum Vorschein kam ein großes, dunkles Loch, dass mitten im Kräuterbeet klaffte. 

„Allerdings habe ich noch nie einen so großen Gang gesehen. Für gewöhnlich sind sie kleiner“, merkte Pomona an. Albus nickte zustimmend. 

„Kein Wunder. Schließlich mussten dort zahlreiche Geschenke hindurch passen.“ Er hob den Zauberstab.

„Dann wollen wir mal sehen, ob wir das Kerlchen erwischen.“ Albus räusperte sich und sprach dann laut und deutlich: „Accio Geschenke!“

Zunächst passierte nichts. Doch dann hörte man ein leises, stetig anschwellendes Rappeln und Poltern. Und mit einem Mal ergoss sich ein Schwall an bunten Geschenken in allen Größen und Formen aus dem Loch und traf die drei Professoren in voller Breitseite.

Es gab ein unglaubliches Durcheinander. Minerva wusste schon bald nicht mehr, wo oben und unten war, sie hörte nur das Scheppern und Splittern und hob schützend die Arme vor ihr Gesicht. Dann legte sich der Lärm und sie kämpfte sich aus dem Haufen. Direkt neben ihr saß Pomona und versuchte fluchend ihre in Mitleidenschaft geratenen Pflanzen zu retten. Plötzlich tauchte nicht weit entfernt Albus zwischen den Geschenken auf, mit zerknautschtem Gesicht und verwuscheltem Haar. Seine Schlafmütze hatte er wohl im Eifer des Gefechtes verloren.

Doch er strahlte über das ganze Gesicht, als er ihr triumphierend ein Fellknäuel unter die Nase hielt. 

„Da haben wir unseren Dieb!“, lachte er und kitzelte das Knäuel.

Ungläubig beobachtete Minerva, wie ein Köpfchen mit kleinem Schnabel auftauchte und verärgert nach Albus Fingern schnappte. 

„Ein Niffler?“ Minerva konnte es nicht fassen. All dieses Chaos durch einen einzigen Niffler?

„Dieses Kerlchen hat uns ganz schön auf Trab gehalten, nicht wahr, meine Liebe?“, zwinkerte Albus ihr zu. 

„Was für ein Glück, dass es nicht mehrere sind!“, rief Pomena aus und lachte. 

„Aber da haben wir Weihnachten wohl gerade noch rechtzeitig gerettet!“

Albus fiel in ihr Lachen mit ein und auch Minerva musste schmunzeln.

Die ersten Sonnenstrahlen krochen über den Horizont und brachten die schneebedeckten Hügel und Wälder zum Glitzern. Und als das Morgenlicht auch die hohen Fenster im Gryffindorraum erhellte und die ersten Türen der Schlafgemächer ungestüm aufgerissen wurden, war, Geschenk um Geschenk ordentlich gestapelt, alles genau so unter dem krummen Weihnachtsbaum, wie es am Weihnachtsmorgen sein sollte.

Autorennotiz

Anmerkung:
Niffler sind meist auf glitzernde Gegenstände aus. Die Geschenke waren ganz bestimmt mit glitzerndem Geschenkpapier und -schleifen ausgestattet ;)

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Augurey Am 27.12.2019 um 13:46 Uhr
Ahaha! Das war ja mal ein lustiges Abenteuer. Vielen Dank für diesen Oneshot. Wer hätte gedacht, dass es an Weihnachten so lustig sein kann. Ich kann mir dir drei so richtig schön im Geschenkehaufen vorstellen - ein Bild für die Götter. *wischt sich die Lachtränchen weg*. Albus' Amüsement hat mir auch gut gefallen. Er ist doch manchmal ein recht komischer Kauz, über den Minerva nur den Kopf schütteln kann. Die Idee mit dem Niffler ist großartig. Ich hoffe, es ist nicht Newt Scamanders Haustier ^^. Und die Schüler ahnen nichts... Alles in allem ein echt tolles Geschenk und eine schöne Überraschung. Einziger Punkt, über den ich ein wenig zu kritteln hab. Die gute "Pomela" Sprout heißt eigentlich Pomona ;-). Eine gute Zeit dir! Mehr anzeigen
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LaylaMalfoy (Autor)Am 28.12.2019 um 0:32 Uhr
Freut mich, dass dir der Oneshot gefallen hat! :)
Mensch, das ist ja peinlich. Und ich schimpfe mich HP Fan! :D Ob ich dabei an eine Pomelia gedacht habe? *facepalm* Danke dir für die Anmerkung! Hab es verbessert :)
Alles Gute dir auch!

Autor

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Kurzbeschreibung

Zu Weihnachten stoßen zwei Professoren in Hogwarts auf ein Rätsel.

Kategorisierung

Diese Fanfiction wurde mit OneShot, Humor, Weihnachten und Wichtel- und Wunschgeschichte getaggt.