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Im Auge des Sturms

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3.6.2019 21:23
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Im Auge des Sturms

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Silbern blutet der Schnee aus den Himmelsklüften, mordet die Welt wie er sie kennt. Nur der schale Ruin des Frühlings wird sich dahinter offenbaren, sprießende Köpfe von welkenden Totenblüten. Grau spannt der Horizont sich vor seinem Geist und das Ende der Zeitalter wird donnergrollend fallen. Er spürt es, denn trotz des Urgewitters erstickt sein Atem schon jetzt im drohenden Heeressturm.  

Heftig zieht er die schwarze Maske vom Gesicht. Entflieht dem Tosen in einen unberührten Gang, in dem nur sanfte Flocken durch den Lichtschacht blinzeln. Schwer prallt sein Körper gegen gehauenen Felsen.  

„Wisst Ihr, Herold“, Spott verworren mit zynischer Neckerei lässt ihn auffahren, „die Wand steht auch allein.“

Ereinion blickt unter seiner weisen Stirn hervor, alte Augen in einem jungen Gesicht. Seine Arme links und rechts stützen ihn über ein Kartenmeer, retten ihn vor dem Ertrinken. 
Krone, Zepter und Ring glitzern golden in den Fluten seiner Pläne. 
Furchtsam wagt es die Gewissheit, Elronds Kehle hinabzukriechen.

Ein König fürchtet sich nicht. Ein König zögert nicht. Doch im klaren Schein des Todes erlaubt Ereinion sich, nur der unwichtige Sohn von ruhmreicheren Königen zu sein. 

Ein Rucken pendelt durch seinen Körper. Der Entschluss bauscht wie ein Segel im Wind, als er nach dem kleinsten Schmuckstück greift.

„Krieg lässt geschmiedete Brüderbande zerschellen“, sein Blick ist hart, der Saphir in seiner Hand glänzt wie die Tropfen seiner unvergossenen Tränen. Des Königs Stimme senkt sich zum Murmeln: „Und strahlende Sterne erlöschen.“ 

Seine zitternden Finger verraten ihn. 
Wie eine jungfräuliche Maid entblößt Elrond die Haut unter dem schweren Stoff der Handschuhe und wartet schaudernd auf den Bund, der sein Schicksal besiegeln soll. 
Einem Gelöbnis gleich stehen sie sich gegenüber. 

Das Schmunzeln huscht über die Brauen des Königs, Sekunden verbannt es die Sorge von der Stirn. 

„Ich werde ihn dir nicht überstreifen“, mild kratzt Gil-Galads Amüsement an Elronds Stolz, dessen Hand sich ruckartig zur Fläche dreht. Dumpf pocht die Bürde auf seiner Haut, als er die Finger schließt und Furchen in sich gräbt.

Draußen surrt der Wind klingelnd am Metall der Schwerter.

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Für DeepSilence geschrieben

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Sätze:24
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Kurzbeschreibung

Eines Königs Macht wird getragen vom Herzen eines gewöhnlichen Mannes, der schicksalstreu zum Wohle aller handeln muss. Sowie jenem, der bereit ist, mit reiner Seele jenes größte Kunstwerk elbischer Schmiedekunst zu tragen. Auch im Auge des Sturms herrscht keine Ruhe.

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