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Heri randaron ar ardaron - Herrin der Zeiten und Welten

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24.05.20 19:07
16 Ab 16 Jahren
In Arbeit

12 Charaktere

Earenis

Die Hauptprotagonistin des Textes, halb Ork und halb Noldo. Sie verbrachte ihre Kindheit abgesondert vom Rest der Welt in der Wildnis. Als ihre Mutter starb, als Earenis gerade einmal alt genug war, um auf eigenen Beinen zu stehen, musste sie sich mit Sölderdiensten über Wasser halten. Sie ist raubeinig und daran gewöhnt, dass jeder sie als Ausgestoßene mit Misstrauen bedenkt. Ihr einziger Gefährte ist ihr Wolfshund Mistaroa.

Aragorn

Aragorn ist Isildurs Erbe. Aufgewachsen in Bruchtal wusste er lange nichts davon, doch seit seinem zwanzigsten Lebensjahr strebt er nach dem Thron Gondors, der rechtmäßig ihm zusteht. Zudem ging er mit Arwen, der Tochter Elronds, einen Bund ein.

Eldarion Telcontar

Eldarion, Sohn der Eldar, ist der Erstgeborene König Elessars und Königin Arwens und damit Erbe des Hauses Telcontar. Nach Aragorns Tod im Jahre 120V.Z. besteigt er den Thron Gondors. Er hat noch mehrere namentlich nicht bekannte Schwestern.

Elladan

Elladan ist der Sohn Elronds und Zwillingsbruder Elrohirs. Nachdem ihre Mutter Celebrían von Orks geschändet wurde, schworen sie blutige Rache und kämpfen seither seit vielen Jahren mit den Dúnedain zusammen. Sie beide waren Teil der Grauen Schar.

Elrohir

Elrohir ist der Sohn Elronds und Zwillingsbruder Elladans. Nachdem ihre Mutter Celebrían von Orks geschändet wurde, schworen sie blutige Rache und kämpfen seither seit vielen Jahren mit den Dúnedain zusammen. Sie beide waren Teil der Grauen Schar.

Gimli

Gimli ist der Sohn Glóins. Er begleitet den Ringträger als der Stellvertreter der Zwerge. Als einziger der Gefährten trägt er Rüstung, ein leichtes Kettenhemd. Zusätzlich ist er mit einer Axt bewaffnet.

Legolas

Legolas ist der Sohn des Waldelbenkönigs Thranduil. Seine Heimat ist der Düsterwald, ein riesiges Waldgebiet östlich der Nebelberge. Als Waldelb versteht er hervorragend mit dem Bogen umzugehen. Sein Name bedeutet Grünblatt.

Faramir

Faramir ist der jüngere Sohn Denethors und Boromirs Bruder. Während des Ringkrieges war er Hauptmann der Waldläufer von Ithiliën und trat nach Boromirs und Denethors Tod dessen Erbe als Truchsess von Gondor an. Er heiratete Éowyn von Rohan und regierte mit ihr als Prinz von Ithiliën und Herr des Emyn Arnen.

Geralt von Riva

Geralt von Riva ist ein Hexer der Wolfsschule und wurde in Kaer Morhen ausgebildet. Auch bekannt als Weißer Wolf zieht er als einsamer Vagabund durch die Lande und verdient sein Geld damit, Monster zu erschlagen. Dabei muss er jedoch immer wieder feststellen, dass die Monster sich auch in Menschengestalt verbergen.

Cirilla Fiona Elen Riannon

Auch bekannt als das Löwenjunge von Cintra, Zireael oder einfach kurz Ciri. Sie ist die Enkelin der Königin Calanthe von Cintra, ihre Eltern sind der Ritter Duny vom Erlenwad und Prinzessin Pavetta von Cintra. Als das Überraschungskind des Hexers Geralt kreuzen sich ihre Wege immer wieder und nach der Eroberung Cintras gelangt sie schließlich nach Kaer Morhen, wo sich ihr elfisches Erbe offenbart.

Avallac'h

Auch bekannt als Crevan Espane aep Caomhan Macha. Er ist ein mächtiger Aen Saeveherne und besitzt die Fähigkeit, zwischen den Welten der Aen Elle und der Aen Seidhe hin und her zu reisen. Ursprünglich sollte er Lara Dorren heiraten, daraus wurde jedoch nichts. Seitdem erforscht er jedoch das Ältere Blut und hat daher ein großes Interesse an Ciri.

Eredin Bréacc Glas

Eredin ist Anführer und König der Wilden Jagd und ein mächtiger Krieger der Aen Elle. Er ermordete König Auberon Muircetach, um dessen Platz einzunehmen und auf seine Weise der Auslöschung seiner Welt zu begegnen: Indem er die Welt der Aen Seidhe und der Menschen erobert.
Prolog: Was uns genommen wurde

Die Erinnerung hatte sich in ihr Gedächtnis gebrannt wie das Mal eines glühenden Eisens. Die kläglichen Schreie ihrer Kinder. Das Schwert, das über ihrem Nacken erhoben ist, bereit zum tödlichen Schlag. Und dann ihr Bild im Stahl, der vor ihr im Boden steckt. Die empörten Rufe der Herren des Westens. Die Tränen in seinen Augen, als er ihr einen letzten, zutiefst verletzten Blick zuwirft, bevor er sich abwendet.

Er hatte sie leben lassen, sie nicht abgeschlachtet wie ihre Kinder. Warum? Sie wusste es nicht und es war ihr auch egal. Jetzt brannte die Rache heiß in ihr wie die Feuer Mordors.

Vielleicht war es ja ihre Strafe, sie mit diesem Schmerz leben zu lassen, in steter Erinnerung, was ihr genommen worden war. Ihr Leben, ihre Liebe. Das erste Mal in ihrem langen und traurigen Leben hatte sie sich wirklich akzeptiert gefühlt, hatte Liebe, Geborgenheit und Sicherheit verspüren dürfen. Und mit einigen wenigen Schwertstreichen war ihr alles genommen worden.

Nun war sie mehr denn je eine Ausgestoßene. Jeder kannte die Geschichte der Halbork, die zusammen mit ihresgleichen an der Spitze einer Armee von Orks und Drachen die Herren des Westens zu Fall hatte bringen wollen. Nun, eigentlich hatte sie nur Akzeptanz gesucht, jemanden, der sie einfach so nahm, wie sie nun mal war. Wollte das nicht jeder? Warum wurde sie dann so bedroht, dass sie keine andere Wahl hatte, als sich dagegen zu wehren?

Allein und ausgestoßen irrte sie für Jahre durch die Wildnis. Keine neue Erfahrung für sie, wäre da nicht der konstante Schmerz in ihr über das, was sie für kurze Zeit besessen hatte und das ihr so grausam entrissen worden war. Selten hatte ihr Weg sie dabei in die Nähe der Zivilisation geführt. Jeder würde sie anhand ihrer einzigartigen Erscheinung erkennen und sie mit Fackeln und Mistgabeln vertreiben. Wenn sie nicht ohnehin gleich auf ein Rad geflochten werden würde. Auch wenn er sie leben gelassen hatte, weil das ihre größte Strafe sein würde, wie er sagte, bemerkte sie zumindest in den ersten Monaten und Jahren danach, dass sie verfolgt wurde. Doch sie war eine erfahrene Frau der Wildnis, und nicht einmal die Dúnedain konnten ihre Spur lange genug verfolgen, um sie zu fangen. Immer wieder schlüpfte sie ihnen durch die Finger.

Und ganz unmerklich führte sie ihr Weg in die Dürre Heide weit im wilden Norden Mittelerdes. Hin zu den alten Brutstätten der Drachen. Was sie hier zu finden hoffte, wusste sie zunächst nicht. Vielleicht ein Echo dessen, was ihr genommen worden war, einen rauen Stein, der das Loch in ihr nur mehr schlecht als recht würde füllen konnte.

Was sie tatsächlich fand, überstieg ihre kühnsten Hoffnungen: ein Drachenei, ganz schwarz, die roten Einsprengsel waren durch den Zahn der Zeit kaum noch zu erkennen.

Ein einziges nur inmitten eines schon vor langer Zeit zerstörten Nestes. Sie konnte ihr Glück kaum fassen. Sollte es vielleicht möglich sein? In ihrer Zeit in Angband hatte sie viel über die Drachen gelernt. Das Ei in ihren Händen wirkte wie tot, nur noch ein kalter Stein, der einstmals Leben beherbergt hatte. Aber vielleicht trog der Schein ja.

Sie verbot es sich zu hoffen. Trotzdem kam sie nicht umhin, genau das zu tun, ganz unweigerlich und ohne, dass sie etwas dagegen tun konnte. Während die Jahre verstrichen, schlich sie sich zurück nach Angmar, sammelte das wenige, was nicht von den Herren des Westens vernichtet worden war, und brütete über ihre Zukunft.

Und ihre Hoffnungen wurden nicht enttäuscht. Mornáro wurde geboren und ihre Zeit war gekommen. Jetzt musste sie nur noch warten, bis sie mit Feuer und Blut über den Westen herfallen konnte.

Mornáro - Schwarzes Feuer, Qu.
Eine kleine sprachliche Anmerkung zum Titel: Ich entschied mich für die Vokabel randa, was Zeitalter bedeutet und 100 Valische Jahre bezeichnet, um zu unterstreichen, dass alle Zeiten gemeint sind, nicht nur eine bestimmte oder gar ein bestimmter Zeitpunkt.
Der Text ist in vielerlei Hinsicht ein klein wenig besonders. Ich weiß nicht, ob er zu meinen besseren Texten zählt oder überhaupt nur gut ist, aber ich habe ihn geschrieben, und allein das zählt. Denn die ganze Zeit wollte mir meine Depression einreden, dass ich nicht schreiben kann und den Scheiß gleich ganz lassen soll. Dabei habe ich ihr sogar einen Ehrenplatz in diesem Text verpasst, sie soll sich mal nicht so haben! (Beachtet daher bitte unbedingt die CN in der A/N ... bestes Deutsch hier :D) Ich habe sie dann jedes Mal angeplautzt, dass ich wesentlich mehr Ahnung vom Schreiben habe als sie, und den Text dann einfach geschrieben, obwohl sie mir ständig die Hände binden wollte. Was dabei herauskam, könnt ihr hier lesen. Ich bin gespannt, was ihr davon haltet.
Für die Ewigkeit
CN: Depression, Alkoholmissbrauch

»Ich gebe dir meine Tochter in deine Obhut. Liebe sie, wie Eru seine Kinder liebt. Möge Varda meine Zeugin sein«, sprach Legolas die rituellen Worte und legte Lothmiws Hand in die Brandirs. Verdammt, er hatte eindeutig schon zu viel getrunken, seine Zunge war schwer.

Der Junge wirkte, als würden jeden Augenblick seine Knie unter ihm nachgeben, als sein Vater Mablung nun dasselbe für ihn wiederholte.

»Ich gebe dir meinen Sohn in deine Obhut. Liebe ihn, wie Eru seine Kinder liebt. Möge Manwë mein Zeuge sein«, sagte nun auch Mablung.

Lothmiw strahlte wie tausend Sterne, als sie nun ihren silbernen Verlobungsring abnahm, den sie vor drei Jahren von Brandir erhalten hatte, und reichte ihm nun den Ring zurück, während sie ihren erhielt. Diese Ringe würden aufgehoben und in hohen Ehren gehalten. Dann tauschten sie schmale Ringe aus Gold und steckten sie dem jeweils anderen an den Finger.

»Möge Eru Zeuge unserer Liebe sein«, sprachen Braut und Bräutigam im Chor und beschlossen damit eine lange Zeremonie, an deren Ende nun die eigentliche Vermählung stand.

Vor drei Jahren hatten Lothmiw und Brandir ihre Verlobung vollzogen und dabei silberne Ringe ausgetauscht. Nun, am Neujahrstag, wie die Menschen in Gondor nun zählten, hatten sie ihre Hochzeit abgehalten. Lothmiw hatte die Symbolik dieses Tages gefallen, daher hatten sie ihn gewählt. Legolas hatte sich bei der ganzen Angelegenheit zurückgehalten. Dieser Tag gehörte ganz seiner Adoptivtochter und heute sollte sie strahlen. Und Brandir war als Schwiegersohn und damit auch Erbe mehr als akzeptabel.

Als die beiden ihre goldenen Ringe getauscht hatten, die nun ihren Ehebund symbolisierten, hielt sie nichts mehr und sie fielen einander um den Hals und tauschten innige Küsse.

All diese Riten und Feiern, die am heutigen Tage vollzogen worden waren, waren symbolischer Bedeutung und eher ein Zeichen der Liebe der Eltern, die sie ihren Kindern entgegen brachten. Die tatsächliche Eheschließung war erst mit dem Akt körperlicher Vereinigung vollzogen. Trotzdem war der Moment, in dem die Ringe getauscht wurden für viele der Höhepunkt einer jeden Hochzeit, da sie ein Zeichen der Vereinigung zweier Seelen zu einer waren.

Alle Gäste der Feier und Vertreter beider Häuser, die an diesem Tag vereinigt worden waren, brachen in lauten Jubel und Hochrufe aus, während das junge Glück nur Augen füreinander hatte. Auch Legolas klatschte und schloss sich der allgemeinen Fröhlichkeit an, während er innerlich damit zu kämpfen hatte, seine Gedanken beisammen zu halten und ihm eigentlich ganz und gar nicht nach Lachen und Fröhlichkeit war. Nein, das lag auf keinen Fall nur daran, dass er bereits ein wenig über den Durst getrunken hatte. Zum Glück bedeutete der Ringtausch auch, dass die Feierlichkeiten für diesen Tag ihr Ende fanden.

Vielleicht hatte er sich bis jetzt auch so sehr zurückgehalten und Lothmiw machen lassen, weil er nicht an Hochzeit und Liebe denken wollte, ging es ihm durch den Kopf. Vielleicht weil er immer noch an die Ereignisse von vor zwanzig Jahren dachte. An … sie.

Und schon wieder war da der Reflex, nach der nächstbesten Weinkaraffe zu greifen. Nein! Er sollte dringend eine Ablenkung suchen, sonst konnte das hier noch böse enden. Er wollte Lothmiw nicht ihren schönsten Tag im Leben verderben. Er fühlte sich schon schuldig genug, dass er sich nicht in dem Maße freuen konnte, wie es angemessen wäre. Er sollte es nicht noch schlimmer machen, als ohnehin schon.

Man gratulierte ihm zur Eheschließung seiner Adoptivtochter. Er schüttelte Hände und zwang sich zu einem Lächeln. Lothmiws Hochzeit war wahrscheinlich die letzte unter elbischem Adel in Mittelerde, das musste gebührend gefeiert werden. Ein Lächeln des Brautvaters war das Mindeste!

Die Gäste machten den frisch Vermählten ihre Aufwartung. Geschenke und Glückwünsche wurden getauscht. Legolas schnappte auf, dass schon über mögliche Namen der zukünftigen Kinder gerätselt wurde. Er trug seine Maske und sperrte alle Emotionen tief in sich weg. Jetzt war kein Raum für sie. Jetzt musste er seine Rolle spielen.

Er war froh, wenn das alles hier vorbei war und er sich endlich in seine Gemächer zurückziehen konnte. Morgen würde noch einmal ein anstrengender Tag werden. Elben ließen keine Sterblichen auf ihre Hochzeitsfeiern, die hielten sie ganz unter sich ab. Doch da seine Leute nun einmal gern feierten und auch gern ihre Nachbarn in Ithiliën dazu einluden, waren in den nächsten Tagen weitere Festivitäten angesetzt, zu denen auch die Menschen aus Faramirs Fürstentum eingeladen waren. Morgen wollte er mit Faramir auf die Jagd gehen, erinnerte er sich, und Gimli wollte ebenfalls erscheinen.

Innerlich seufzte er und wünschte sich nur noch in sein Bett. Ruhe würde ihm jetzt guttun. Einfach nichts tun und den Kopf frei bekommen. Einfach an nichts zu denken, war dieser Tage schon eine herausragende Leistung für ihn.

»Vater, du siehst müde aus.«

Er schreckte auf und zwang sich schon reflexartig zu einem Lächeln. Darin war er gut geworden. Lothmiw sah besorgt zu ihm auf. Brandir stand nicht weit weg von ihr und wirkte in seiner Gegenwart noch immer etwas befangen.

»Ach, es ist nichts«, winkte Legolas ab. Auch diese Worte kamen ihm mittlerweile so leicht von den Lippen, dass er glauben mochte, dass sie wahr waren. Lothmiw schien sie ihm jedoch nicht abzunehmen, also setzte er hinzu: »Mach dir um mich keine Gedanken. Das ist dein Tag, und deiner allein. Genieße ihn.« Dieses Mal war das Lächeln echter.

Er versuchte daran festzuhalten, um ja nicht zuzulassen, dass Lothmiw auch nur das kleinste bisschen seiner negativen Stimmung zu spüren bekam. Ihre Hochzeit sollte perfekt sein, alles musste stimmen! Es war überhaupt eine Schande, dass er jetzt schon leicht über den Durst getrunken hatte. Es wäre besser, wenn er gar nicht hier wäre …

Irgendwann war auch diese Tortur beendet, und er konnte auf seine Gemächer flüchten und die Farce fallen lassen. Endlich! Endlich nicht mehr stark sein und gegen die Wucht all der unterdrückten Emotionen ankämpfen müssen! Mit einem energischen Winken, schickte er alle Diener davon und schloss sich in seinem Schlafzimmer ein. So schnell wollte er mit niemandem etwas zu tun haben. Einfach nur all das vergessen. All den Schmerz, die Trauer, die Wut.

Was war er nur für ein schrecklicher Vater? Er hatte als König versagt, nun versagte er auch als Vater. Wie konnte er sich nicht einmal am Hochzeitstag seiner Tochter hinten an stellen und sich für sie freuen, statt wie schon seit zwanzig Jahren in Schmerz und Selbstmitleid zu vergehen. Zwanzig Jahre! Für Menschen beinahe schon eine Ewigkeit. Für jeden anderen Elben hätte diese Zeitspanne kaum etwas bedeutet, doch zwanzig Jahre der Seelenqual hatten ihre Spuren an ihm hinterlassen.

Er spürte, wie die Emotionsflut ihn zu überwältigen drohte. Mit einem gequälten Schluchzen stürzte er zu der Weinkaraffe, die an seinem Bett stand, füllte einen Kelch und leerte ihn in einem Zug. Dann goss er erneut nach.

Als er seinen Hofstaat vor einigen Jahren nach Ithiliën in die kleine Siedlung, die er bereits zu errichten begonnen hatte, verlegt hatte, hatte er gehofft, dass das südlichere Wetter und die Seeluft sich positiv auf ihn auswirken würden. Für eine kleine Zeit war es besser geworden und er hatte die Gärten Gondors wieder zum Erblühen gebracht. Doch nichts war für die Ewigkeit geschaffen, und sein Glück schien vor zwanzig Jahren beendet worden zu sein, als die Frau, die er geliebt hatte und die er nie hätte lieben dürfen, ihn an den Feind verriet.

Nun ertrank er in Selbsthass, Trauer, Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit, und um all das zu vergessen, trank er zu viel und konnte seine Emotionen doch nicht im Wein ertränken. Ja, das war er nun, Legolas Grünblatt, Ringgefährte, letzter König der Waldelben in Mittelerde. Zerbrochen.

Der Beginn dieses Kapitels ist eine möglichst detailgetreue Wiedergabe einer elbischen Hochzeit. Mehr zu dem Thema findet ihr in den Laws an Customs among the Eldar in Morgoth's Ring in der History of Middle-Earth Part 10. Die genauen Worte sind dort nicht gegeben, jedoch die Valar, die angerufen werden. Dieser Teil ist also nicht ausgedacht.
Familienbande

Eldarion blickte über Minas Tirith hinweg. Hinter ihm spielten seine Schwestern Ancalimë und Aiwe im Schatten des Weißen Baums, während seine Mutter mit seiner ältesten Schwester Gilraen am Brunnen im Burghof saß und gemeinsam ein Gewand bestickte. In der Stadt herrschte heute geschäftiges Treiben. Es war der Neujahrstag und das war in Gondor seit nunmehr zwanzig Jahren ein riesiges Spektakel, für das eine Menge Vorbereitungen getroffen werden wollten.

Aiwe quietschte vergnügt hinter ihm und klatschte in ihre Hände. Das Mädchen war erst fünf Jahre alt und das Nesthäkchen ihrer Familie. Seine Schwestern waren ganz vernarrt in sie. Er drehte sich um und hielt nach dem Grund ihrer Freude Ausschau. Da sah er, wie Meister Samweis mit seiner Frau Rose und seiner ältesten Tochter Elanor den Burghof betrat. Aiwe stürmte auf Elanor, die Ehrenmaid Arwens, zu. Die Hobbits hatten es dem Mädchen angetan und Elanor war eine willige Spielgefährtin, die mit dem kleinen Mädchen auf Augenhöhe war. Für Aiwe etwas ganz Besonderes.

Sogleich wurde Elanor von dem kleinen Mädchen in Beschlag genommen, und egal, was sie mit ihrer Familie hier gesucht hatte, es wurde erfolgreich vereitelt. Niemand schien jedoch daran Anstoß zu nehmen. Meister Samweis war seit einigen Wochen zu Gast bei ihnen in Minas Tirith, ihn eilte ohnehin nichts.

In dem Moment vernahm er, wie von den Mauern der Stadt die Fanfaren ertönten. Ein wenig erstaunt wandte er sich auf und blickte über den Pelennor. Seine scharfen Augen erblickten eine Reitergruppe, die soeben auf das Stadttor zuhielt. Er erkannte das Banner Bruchtals, das über ihnen wehte. Onkel Elladan und Onkel Elrohir!

Mittlerweile waren auch seine älteren Schwestern und seine Mutter zu ihm getreten. Mutter lächelte wissend.

»Du hast von ihrem Besuch gewusst!«, stellte er gespielt entrüstet fest.

»Natürlich«, sagte sie. »Der König muss über hohe Gäste in seiner Stadt unterrichtet werden und so wusste auch ich davon. Aber für euch sollte es eine Überraschung werden, dass meine Brüder zu Besuch kommen.«

»Die Überraschung ist dir mit Sicherheit gelungen«, stellte Gilraen fest.

»Gibt es einen Grund, warum sie uns besuchen, Mutter?«, fragte Eldarion.

»Muss man einen Grund haben, um seine Familie zu besuchen?«, erwiderte sie. »Vielleicht wollen sie es sich ja auch am Strand von Belfalas gut gehen lassen? Bei ihnen weiß man nie, was sie jetzt wieder aushecken.«

Eldarion war im Grunde egal, weshalb seine Onkel zu Besuch kamen. Er hatte zwar jüngst erst sein zwanzigstes Lebensjahr gezählt, aber dennoch ergriff ihn noch immer kindliche Freude, wenn er Elladan und Elrohir sehen konnte. Aiwe würde das alles sicher sehr aufregend finden, war es immerhin das erste Mal, dass sie ihre Onkel kennen lernen durfte.

Keine Stunde später hatten sie sich alle im Thronsaal zusammengefunden. Vater hatte sogar darauf verzichtet, Onkel Elladan und Onkel Elrohir von seinem Thron aus zu begrüßen und war ihnen stattdessen entgegen gekommen, um sie fest in den Arm zu schließen. Sie waren Familie, da verzichtete selbst sein sonst so überkorrekter Vater auf Formalitäten. Nur die kleine Aiwe drückte sich ein wenig verwirrt an Mutters Beine.

Elladan und Elrohir strahlten, als sie ihre nunmehr dritte Nichte zum ersten Mal sahen. »Na, wen haben wir da?« Elrohir zauberte aus seinem Gewand eine kleine Puppe.

»Früher habt ihr euch immer über mich lustig gemacht, wenn ich die Kleider für meine Puppen selbst bestickt hatte, und jetzt das!«, scherzte Mutter. »Die habt ihr doch wohl nicht selbst genäht, so schief, wie die Nähte aussehen?«

Elladan warf ihr einen pikierten Blick zu. »Wir haben gehört, in Ithiliën wird eine Hochzeit gefeiert, und bei Legolas heißt das, dass es immer nur den besten Wein gibt. Würdige es doch bitte, dass wir uns gegen den Wein und für euch entschieden haben – schweren Herzens, versteht sich«, frotzelte er.

Indessen versuchte Elrohir mit der Puppe Aiwes Aufmerksamkeit zu erregen. »Schau einmal, kleiner Vogel, die ist für dich«, lockte er sie. »Möchtest du deine neue Freundin kennen lernen?«

Das lockte Aiwe in der Tat aus der Reserve. »Elanor ist meine Freundin!«, verkündete sie stur.

»Ahh!«, machte Elrohir. »Da kam Vater durch.«

Vater lachte. »Sie hat in der Tat ein paar Züge von ihm. Mindestens den Sturkopf!« Dann wandte er sich Aiwe zu. »Nur zu«, ermutigte er sie. »Das sind Mamas Brüder. Du darfst zu ihnen gehen und ihnen die Haare verknoten.«

»Wehe!«, riefen Elladan und Elrohir wie aus einem Mund.

Aiwe hatte sich mittlerweile hinter Mutter hervor getraut und besah sich die Halbelbenzwillinge kritisch. »Warum seid ihr zweimal da?«

Es dauerte einen Moment, doch dann brachen alle Anwesenden in schallendes Gelächter aus.

»Weil Familie besuchen dann doppelt so viel Spaß macht!«, erklärte Elladan.

»Und kleine Neffen verziehen noch mehr!«, fügte Elrohir grinsend an.

»Das stimmt gar nicht!«, entrüstete sich nun Eldarion.

»Das verspricht ein ganz großer Spaß zu werden«, seufzte Vater, aber Eldarion sah ihm an, dass er sich freute, seine Ziehbrüder zu Besuch zu wissen. »Hat euer Besuch noch einen tieferen Grund, außer meine Kinder zu verderben?«

»Wir sind absolut sicher, dass unser kleiner Eldarion eines Tages würdig in deine Fußstapfen treten wird, Estel«, sagte Elladan.

»Vorher verpassen wir ihm nur noch einen kleinen Schliff«, fügte Elrohir an.

»Darüber hinaus wollten wir euch einmal wieder besuchen. War schon eine kleine Weile her seit dem letzten Mal.«

»Und vielleicht wollen wir auch ein klein wenig Wein bei Legolas schnorren gehen. Immer alles in den Norden liefern zu lassen, wird teuer. Vater fände es sicher nicht toll, wenn wir sein Erbe auf diese Weise verprassen.«

»Aber seid Thranduil in den Westen ging und Großvater keine sonderlich großen Neigungen zeigt, unser neuer Lieferant zu werden, müssen wir uns ja irgendwie über Wasser halten – sozusagen. Wasser und Wein, ihr versteht?«

Mutter seufzte.

Eldarion mochte seine Onkel, wirklich. Aber manchmal waren sie anstrengend, und er fragte sich, wer von ihnen wirklich der Erwachsenere war.

»So oder so«, schloss Vater. »Ich freue mich, dass ihr hier seid, meine Brüder, und dass wir gemeinsam mit euch das Neujahrsfest begehen können. Fühlt euch in meinem Haus wie daheim!«

»Darauf kannst du dich verlassen!«, sagte Elladan.

»Vater hatte damals die glorreiche Idee, diesen Drachenschädel in der Feuerhalle aufhängen zu lassen«, sagte Elrohir.

»Jetzt starrt der uns immer an und erinnert uns daran, dass nicht nur wiederum sein Vater damals Ancalagon höchstselbst erschlug, sondern er sich jetzt auch Drachentöter nennen darf.«

»Als wolle er sagen, dass wir jetzt dran sind.«

»Außerdem ist dieses Ding ein schrecklicher Staubfänger.«

Die beiden Brüder seufzten theatralisch. Mutter kommentierte ihre Litanei mit ihrem wunderschönen Lachen.

Ja, das würden einige aufregende Wochen, war sich Eldarion sicher.

Die Wilde Jagd

Am Morgen nach der Hochzeit traf sich die Jagdgesellschaft vor Legolas‘ Waldpalast. Legolas saß bereits auf seinem weißen Hengst, als Faramir, mit einigen Waldläufern zu Fuß und zu Pferde eintraf. Legolas‘ Pferd war ein Geschenk der Herrin Éowyn gewesen für ihre gute Nachbarschaft in Ithiliën. Das Tier entstammte bestem rohirrischen Geblüt, ein wahrlich königliches Tier. Er hatte den Hengst Galathil genannt, Silberglanz.

Er trieb Galathil an, um die Neuankömmlinge zu begrüßen. Als sie sich gegenüber standen, deutete Faramir eine Verbeugung an.

»Euer Majestät«, begrüßte er ihn. »Ich freue mich, Teil Eurer Jagdgesellschaft sein zu dürfen.«

»Die Freude ist ganz meinerseits, Truchsess«, erwiderte Legolas und meinte es auch. Heute war ein besserer Tag als der vergangene. »Ich sehe, Ihr habt einige tüchtige Jagdgesellen mitgebracht. Es wird sicher ein Vergnügen, mit Euren Waldläufern unsere Beute für das Festmahl heute Abend zu stellen.«

Auch Legolas‘ Leute hatten sich mittlerweile versammelt. Die Hunde bellten aufgeregt und waren begierig, dass die Jagd endlich losginge. Legolas selbst nahm seinen Bogen mit und hatte Galathil ein leichtes Geschirr umgebunden, an das er einige Wurfspeere befestigt hatte. Ansonsten ritt er wie üblich nach waldelbischer Art ohne Sattel oder Zaumzeug.

Brandir gesellte sich zu ihnen, ebenfalls beritten.

»Ah, da ist ja der glückliche Bräutigam!«, begrüßte Faramir ihn. »Ich gratuliere Euch zu Eurer Eheschließung und freue mich, dass wir Teil der Feierlichkeiten sein dürfen.«

»Wir lassen eben keine Gelegenheit zum Feiern aus«, scherzte Brandir. »Dafür ist der Wein des Königs zu gut!«

»Eines Tages wird der Wein in deiner Verantwortung liegen, denk daran!«, ging Legolas darauf ein.

»Ich hörte etwas von Wein!«, poltere es da hinter ihnen.

Legolas wendete Galathil und sah Gimli und seine Frau Freya auf sie zu kommen. Ein breites Lächeln stahl sich unwillkürlich auf sein Gesicht. »Gimli, mein Freund!«, rief er aus, während er von seinem Pferd sprang und dem Zwerg entgegen kam. »Ich hätte so früh gar nicht mit euch gerechnet. Wir wollten soeben zur Jagd aufbrechen. Wenn du uns begleiten möchtest, kann ich dir ein Pony anbieten.«

Gimli schnaubte und winkte ab. »Ach, Blödsinn. Ich vertraue auf meine guten alten Beine. Du weißt doch, wir Zwerge sind zäh und ausdauernd.«

Legolas wandte sich an Freya. »Es wäre mir eine große Freude, wenn ich Gimli für eine vergnügliche Jagd entführen dürfte und Ihr mir die Erlaubnis dafür gebt«, bat er.

Die Zwergin machte einen höflichen Knicks. »Wenn Ihr mich so freundlich darum bittet, kann Ich Euch nur schlecht diese Bitte verwehren, mein König«, erwiderte sie.

»Wunderbar!«, rief Legolas aus und winkte einige Diener herbei. »Geleitet Dame Freya in ihre Gemächer und bereitet alles zu ihrer und Gimlis Zufriedenheit.«

Damit waren nun alle beisammen und die Jagdgesellschaft konnte endlich aufbrechen. Die Hörner wurden geblasen und die Hunde waren kaum noch zu halten. Legolas stieg wieder auf Galathil und führte die Jagdgesellschaft an. Ja, heute war definitiv ein guter Tag. Er konnte sich ganz auf etwas konzentrieren, das ihm Spaß bereitete, und konnte es auch noch genießen. Dazu war auch Gimli früher gekommen als erwartet und hatte sich ihrer Gesellschaft angeschlossen.

Galathil sprang leichtfüßig durch den Wald, nur von leichtem Schenkeldruck und leisen Pfiffen gelenkt. Es war immer wieder eine helle Freude, auf diesem Tier zu reiten. Die Hunde fanden schnell eine Fährte, der sie folgen konnten. Nachdem sie allen Dreck Mordors entfernt hatten, hatte sich der Wald unter der fürsorglichen Hand der Dúnedain des Südens und schließlich auch der Waldelben, die mit Legolas hierher gezogen waren, rasch wieder erholt und erblühte nun in altem Glanz. Die Natur erstrahlte vor Leben.

Gimli hatte sich zu Fuß zu Legolas und Brandir gesellt. »Wie ich nun gelernt habe, bleibt ihr Elben ja lieber unter euch mit euren Hochzeiten«, sagte er. »Aber erzählt doch einmal, wie war es gestern?«

»Oh, es war ganz wunderbar!«, schwärmte Brandir. »Ich bin so dankbar, dass König Legolas mir erlaubte, um die Hand seiner Tochter anzuhalten.«

Legolas schmunzelte und ließ seinen neu gewonnenen Schwiegersohn frei von der vergangenen Feier schwärmen. Ihm wäre niemals im Traum eingefallen, Brandirs Werben zu untersagen. Lothmiw war mit ihm glücklich und Brandir war ein vernünftiger, bodenständiger Elb. Was konnte er mehr für seine Tochter erhoffen? Und allein das zählte. Auch er war froh, Brandir nun zu seiner Familie zählen zu können. Er war gespannt darauf, was sein eigener Vater dazu sagen würde. Thranduil hatte Mittelerde vor einigen Jahren verlassen, doch Legolas war sich sicher, dass es auch für ihn nicht mehr lange dauern würde, bis er in den Westen segeln würde. In den Westen …

Seine Gedanken schweiften ab hin zu fernen Gestaden. Hier in Ithiliën war er ihnen näher als jemals zuvor, doch das nahe Meer brachte ihm noch immer nicht die erhoffte Seelenruhe.

»Mein König!«, schreckte ihn auf einmal einer der Jäger aus seinen Gedanken. »Es scheint, als hätten die Hunde etwas gefunden«, fuhr der Elb fort. »Aber … Ich weiß nicht, wie ich es beschreiben soll. Es ist, als sei dort vorn ein Stück Winter mitten im Wald aufgetaucht.«

Legolas runzelte die Stirn. »Das kann nicht sein. Es ist Frühjahr und die Temperaturen sind seit Wochen mild. Winter hat sich nicht einmal in den schattigsten Senken gehalten.«

»Wir sollten uns das einmal ansehen«, schlug Faramir vor, der nun ebenfalls zu ihm geritten kam. Man sah ihm die vergangenen zwanzig Jahre allmählich an, doch noch immer war er stark und flink und schien von den Jahren kaum beeinträchtigt worden zu sein.

Legolas nickte und sie machten sich auf den Weg, den ihnen der Kundschafter wies. Was sie fanden, ließ sich tatsächlich als ein übrig gebliebenes Stück Winter beschreiben. Mitten im Wald fand sich ein Stückchen Natur, das vollkommen von Raureif und Eis bedeckt war. Je näher sie ihm kamen, desto deutlicher fielen die Temperaturen. Der Atem stand ihnen vor ihren Gesichtern.

»Wenn ich mich so umsehe, scheinen alle Anwesenden genauso ratlos zu sein wie ich«, kommentierte Gimli.

Legolas erwiderte nichts darauf. Stattdessen stieg er von Galathil und beugte sich herab, um das Phänomen aus nächster Nähe zu untersuchen. Er wusste nicht genau, was er sich davon erhoffte. Vielleicht einfach, dass er es dann besser begreifen könne, was er hier sah.

»So etwas habe ich in meinem ganzen Leben noch nie gesehen, geschweige denn davon gehört«, murmelte Faramir. »Das ist kein Ort, wo es um diese Jahreszeit so kalt hätten sein dürfen.«

Brandir war inzwischen ebenfalls vom Pferd gestiegen und fing an, den Bereich nach Spuren abzusuchen. Legolas wies die Hundeführer an, dass sie ihre Tiere die Umgebung absuchen lassen sollten. Er wusste nicht, was sie hätten finden sollen. Dieses Phänomen gab ihm Rätsel auf. Vielleicht hätte sein Vater etwas dazu gewusst, aber er bezweifelte es.

»Das alles erscheint mir höchst sonderbar«, bemerkte er. »Wir sind uns, denke ich, einig, dass das nicht natürlichen Ursprungs sein kann. Vielleicht findet sich in König Elessars Bibliothek eine Antwort darauf, und wenn das nicht weiter hilft, können wir immer noch eine Nachricht an Elladan und Elrohir in Bruchtal schicken. Vielleicht findet sich in dem, was Herr Elrond ihnen aus seiner Bibliothek hinterlassen hat, eine Antwort.«

Plötzlich schlugen die Hunde an und begannen wie wild zu kläffen. Ein lautes Fauchen drang aus dem nahen Wald. Dann ging alles sehr schnell.

Zireael, Gwynbleidd, Crevan Espane aep Caomhan Macha

Ein schauderhaftes Geheul drang aus dem Wald. Nur Augenblicke später brach ein grässliches Ungeheuer aus dem Unterholz. Geschrei erhob sich unter den Jägern, als die Kreatur wie ein Wirbelwind durch ihre Reihen fegte. Legolas konnte noch nicht einmal seine Befehle rufen, als der Kreatur auch schon zwei Reiter folgten, eine junge Frau auf einem wilden Rappen und ein alter Mann mit schneeweißem Haar. Beide schwangen Schwerter und waren ganz offensichtlich hinter der Kreatur her.

Jene war von der Gruppe der Jäger aufgehalten worden, welche schnell reagiert hatten, auch ohne dass Legolas sie groß befehlen musste. Zur einen Seite die Jäger und zur anderen die beiden Reiter war die Kreatur nun in der Falle und sah ihr einziges Heil im Angriff. Die größere Gefahr offenbar in ihren Verfolgern sehend wandte sie sich den Reitern zu, brüllte sie herausfordernd an und sprang ihnen entgegen. Die Frau jedoch war bereits aus dem Sattel gestiegen, das Schwert hoch über ihrem Kopf erhoben, sprang vom Rücken ihres Rappen und stieß ihr Schwert mit einem Urschrei herab und genau durch den Schädel der Bestie.

»Ha«!, rief sie aus.

»Ciri! Du sollst doch nicht …!«, rief ihr Begleiter, unterbrach sich jedoch.

Erst da bemerkte Legolas den dritten Neuankömmling im Bunde, ein hochgewachsener, schlanker Mann mit aschgrauem Haar und schönen, aber doch irgendwie grausamen Zügen. Als er die beiden Reiter und die tote Kreatur erblickte, schien er erleichtert zu sein. Erst da richtete sich seine Aufmerksamkeit auf die Jägergruppe, in die sie gestolpert waren.

»Wie es aussieht, habe ich mich für die Mithilfe bei der Beseitigung dieses kleines Problems zu bedanken«, bemerkte er lakonisch. »Mit wem haben wir die Ehre?«

Legolas, noch immer etwas überrumpelt, tauschte einen raschen Blick mit Faramir. Dann traten sie beide vor.

»Ihr befindet Euch in der Gegenwart von König Legolas von den Waldelben, und ich bin Faramir, Truchsess König Elessar Telcontars«, stellte Faramir vor.

Nun waren auch die beiden Reiter zu ihnen getreten. »Avallac‘h, bist du sicher, dass wir hier auf Eredins Spur sind?«, wandte sich die junge Frau an den grauhaarigen Mann, welcher anscheinend Avallac'h genannt wurde. Legolas war vom Klang dieser Namen irritiert, sie kamen ihm fremd vor.

»Der Hund der Wilden Jagd sollte dies hinreichend beweisen«, erwiderte Avallac‘h. »Aber du vergisst deine Manieren, Zireael, und du ebenso, Gwynbleidd. Ich entschuldige mich für meine Begleiter.« Letzteres war erneut an Faramir und Legolas gewandt. »Man nennt mich Crevan Espane aep Caomhan Macha und dies sind Zireael und Geralt von Riva.«

»Ich weiß Eure freundlichen Manieren zu schätzen, Crevan …«, sagte nun Legolas, unterbrach sich jedoch. Was war das nur für ein sonderbarer Name?

»Nennt ihn einfach Avallac‘h«, warf jener Geralt ein, verschränkte die Arme vor der Brust und warf Avallac‘h einen missbilligenden Blick zu.

Diese Augen! Erst jetzt bemerkte, dass der weißhaarige Mann nicht nur weitaus jünger wirkte, als seine Haarfarbe vermuten ließ, sondern auch noch Augen wie eine Katze hatte. Was waren das nur für seltsame Fremde?

»Nun, dann eben Avallac‘h«, fuhr er fort. »Ich muss Euch informieren, dass Ihr Euch hier innerhalb meiner Grenzen befindet und hier mein Gesetz gilt. Ich weiß weder, wer Ihr oder Eure Begleiter seid, noch, was Ihr hier sucht oder was dieses Ding da ist, das die junge Dame dort erschlug. Ich bitte Euch daher in aller Freundschaft um eine rasche Antwort.«

»Ah, ich fürchte, damit kann ich nicht dienen, zumindest nicht mit einer raschen Antwort«, bedauerte Avallac‘h. »Ich verstehe Eure Bedenken, daher sei zumindest an dieser Stelle beteuert, dass wir nur in besten Absichten gekommen sind. Wir folgten einer Spur, die uns hierher führte, und nun, da Ihr und Eure Leute so freundlich wart, den Hund der Wilden Jagd für uns aufzuhalten und zu stellen, bestätigt sich, dass wir der richtigen Fährte gefolgt sind. Weshalb, das ist eine längere Geschichte und lässt sich besser in Ruhe, statt bei einer flüchtigen Begegnung im Wald klären.«

»Ich bin immer noch nicht überzeugt, dass wir auf der richtigen Fährte sind, Avallac‘h«, mischte sich erneut Zireael ein. »Ja, das hier ist ein toter Hund der Jagd, und ja, das deutet wohl darauf hin, dass die Jagd selbst nicht weit sein kann. Aber schauen wir dem Offensichtlichen ins Auge: Nichts hier kommt mir bekannt vor. Du hast mich die Geschichte der Aen Elle, deines Volkes, gelehrt, und da tauchte nie ein König Legolas oder ein Fürst Faramir oder ein König Elessar Telcontar vor. Das hier ist nicht Tir ná Lia und Ge‘el oder Eredin finden wir hier auch nicht.«

»Wilde Jagd, Hunde und sonstige Namen, die auch mir nichts sagen. Ich glaube, das führt so zu nichts«, sagte Faramir. »Wir sollten das wirklich in Ruhe besprechen. Und wenn Gondor irgendeine Gefahr droht, dann muss König Elessar in Minas Tirith davon unterrichtet werden. Ist denn dies der Fall, Avallac‘h?«

»Nun, das hängt davon ab, was Eredin hier will«, sagte dieser ausweichend. »Deswegen sind wir hier: um genau das herauszufinden.«

»Ich hatte mich schon auf den Hirschbraten gefreut heute Abend«, meldete sich Gimli erstmals zu Wort. »Das ändert jedoch alles. Mir schwirrt zwar der Kopf von all diesen fremden Namen, aber ich finde, wir sollten uns dennoch anhören, was sie zu sagen haben, auch wenn mir das alles sehr verdächtig vorkommt.«

»Durchaus verdächtig«, sagte Brandir. »Ich traue diesen Fremden nicht und halte es nicht für eine gute Idee, sie leichtfertig in unser Haus zu lassen.«

»Wenn es jedoch stimmt, was sie andeuten, muss König Elessar davon unterrichtet werden, damit er die nötigen Maßnahmen ergreifen kann.«

Legolas seufzte innerlich. Er stand zwischen den Fronten und musste die Entscheidung treffen. Wie er das hasste! Das hatte ihm gerade noch gefehlt. Er war froh gewesen, dass sein Tag so gut begonnen hatte, und nun war alles dahin. Widerwillig knirschte er mit den Zähnen.

»Das ist hier alles zu durcheinander und wirr und führt zu nichts«, sagte er. »Zu viele Fragen, deren Antworten nur noch mehr Fragen hervorrufen. Betrachtet Euch vorerst als meine Gäste, bis alles zu aller Zufriedenheit geklärt ist, doch Ihr steht unter Beobachtung meiner Leute.«

»Selbstverständlich«, sagte Avallac‘h nur und deutete eine leichte Verbeugung an.

Autorennotiz

CN: Depression, Angst, PTBS, detaillierte Schilderung depressiver Gedankenmuster, Alkoholmissbrauch; ich werde es bei den entsprechenden Kapiteln jeweils noch einmal extra anführen
Dies ist der dritte und letzte Teil der Reihe, welcher unmittelbar an die ersten anknüpft. Kenntnis der anderen Teile sind also vorausgesetzt. Außerdem ist das dieses Mal ein ausgewachsenes Crossover mit dem Geralt/Witcher-Fandom. Ich werde mich sowohl des Kanons der Spiele als auch der Bücher bedienen, auch wenn ich ein paar Dinge betreffend Emiel Regis in Blood and Wine schweren Herzens außen vor lasse, weil mir das im DLC doch etwas sehr weit hergeholt erschien.
Eine kleine Spielerei gibt es hier. Darin könnt ihr abstimmen, wer euer Lieblingscharakter ist: strawpoll.de/cc9esy3
Für die Fanfiction (all ihre Teile) werden übrigens noch ein oder zwei Betaleser gesucht: storyhub.de/forum/schreibwerkstatt/betaleserb%C3%B6rse/betagesuch-suche-betaleser-fr-2-fanfictions-beide-ca-200k-ab-12-ab16-fandom-tesiv-oblivion--hdr

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Autor

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Statistik

Kapitel:5
Sätze:375
Wörter:5.734
Zeichen:33.513

Kurzbeschreibung

Zwanzig Jahre ist es nun her, seit die Herren des Westens den letzten Emporkömmling Saurons niederwarfen und die tragische Geschichte der Halbork Earenis beendeten. Seitdem lassen diese Ereignisse Legolas nicht mehr los und tiefe Schuldgefühle plagen ihn wegen dem, was er Earenis angetan hatte. Währenddessen versucht der junge Königssohn Eldarion aus dem Schatten seines Vaters Aragorn zu treten und flügge zu werden. So wirklich will ihm das jedoch nicht gelingen. Da tauchen in Ithiliën drei sonderbare Fremde aus einer anderen Welt auf und gleichzeitig erfährt Aragorn, dass völlig überraschend Dol Amroth von einem unbekannten Feind erobert wurde. Die Vergangenheit holt sie alle schneller ein, als ihnen lieb ist. (Teil 3 von 3)

Multicrossover

Diese Fanfiction wird neben Der Herr der Ringe auch in den Fandoms Geralt-Saga - The Witcher und The Witcher gelistet.
Sie wurde außerdem mit Longfiction, Post Herr der Ringe, Post Ringkrieg, canon aware, Abenteuer, Action, Dark Character, Depressionen, Psychische Krankheit(en) und Trauma getaggt.