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Doki Doki

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4.11.2018 1:48
12 Ab 12 Jahren
Heterosexualität
In Arbeit

"Hey!"
Eine laute, raue Stimme erfüllte den gesamten Schulflur. 
Verwundert horchte er auf und sah sich um. Ein Aufstand in der Schule war selten, wer konnte das sein?
Als er sich umdrehte sah er ein Mädchen. Er kannte sie nicht wirklich, doch sie war in seiner Stufe.
Mit bösem Blick stapfte sie ausgerechnet auf ihn zu.
"Du!", schrie sie weiter. Verwirrt schreckte er auf. Sie meinte wirklich ihn. Fragend blickte er ihr ins düstere Gesicht.
"Ja genau, ich mein dich!" 
Sie schritt immer weiter auf ihn zu, bis sie ihm ganz nah war und ihm mit dem Finger ins Gesicht deuten konnte. Leicht ging sie auf ihre Zehenspitzen, doch für Augenhöhe war sie noch immer viel zu klein.
"Ich hab keine Ahnung wie du heißt, aber ich muss mit dir reden." 
"Ace", raunte er und sah skeptisch auf sie herunter.
"Reiju", antwortete sie jetzt etwas ruhiger. Sie ließ ihre Fersen wieder zu Boden sinken und löste ihre geballten Fäuste.
"Reiju. Ein harter Name für ein so zartes Mädchen wie dich."
Schlagartig verdunkelte sich ihr Blick wieder. 
Vielleicht hätte er das nicht sagen sollen. 
Ein weitaus härterer Faustschlag, als er je vermutet hätte, traf seinen Oberarm.
"Dein kleiner Bruder hat meinen geschlagen!"
Sie schien ihre Rage wieder voll gefunden zu haben. 
"Und deshalb haust du jetzt mich?", fragte er und trat zur Sicherheit einen Schritt zurück. Ihr Blick war so düster, irgendwie schüchterte es ihn schon ein.
"Bringt euch zu Hause, denn niemand Manieren bei?!" Sie erhob wieder ihren Finger und bohrte ihn in seine Brust.
Überfordert zog er die Augenbrauen hoch. Was hatte er nur getan um das hier zu verdienen.
Doch dann musste er lächeln. Er hob seine Arme und verschränkte sie hinter seinem Kopf.
"Sorry, aber Ruffy tut nun mal was er will."
Jetzt klang er selbstbewusst, ihr in die Augen zu blicken traute er sich trotzdem nicht. Reiju hatte sich wieder auf ihre Zehenspitzen erhoben und ballte ihre Fäuste.
Tief atmete er ein und hielt den Atem an. Sein Oberarm pochte noch immer.
Kurz starrte sie ihn weiter an.
Dann drehte sie sich einfach um und verschwand den Flur runter aus dem sie gekommen war.

Reiju seufzte. Sie hatte sich mal wieder in ihren Gedanken verloren, doch Keitas lauter Aufschrei brachte sie in die Realität zurück.
"Vergesst nicht die Party heute Abend!", rief er und streckte seinen Arm zwischen die gedankenverlorenen Gesichter. 
"Das ist keine Party, Keita", raunte Junko und starre auf ihr Handy.
"Ich weiß", er zog seinen Arm zurück und schmollte. "Lasst mir die Vorstellung okay?" "Du guckst definitiv zu viele amerikanische Serien", antwortete Reiju nur und nahm einen Schluck von ihrem Getränk. 
Die Sonne strahlte heute so hell, als wäre es schon Sommer. Es war als wollte die gesamte Erde, dass das Turnier ihrer Stufe heute Abend unbedingt stattfinden konnte.
Yuta hatte sich auch genug reingehängt. Die letzte Woche der Ferien hatte er allen in den Ohren gehangen, dass sie unbedingt kommen sollten. Der Zusammenhalt der Stufe müsse unbedingt gestärkt werden.
"Ich weiß du hast keine Lust drauf", begann Suru plötzlich und stieß sie sanft in die Seite.
"Aber es wird lustig. Nur noch zwei Jahre auf dieser Schule. Ich glaube wir sollten sie genießen."
Reiju verzog das Gesicht. "Müssen wir gehen?", fragte sie nochmal nach. Es war nicht so, dass sie nicht gern etwas unternahm. Nur nicht so gern unter so vielen.
"Wir werden gehen!", rief Keita wieder und erhob sich von seinem Stuhl. Seine Faust auf dem Tisch ließ alle Gläser springen. 
"Ja wir gehen. Jetzt setz dich wieder." Junko griff ihn am Arm und zog ihn zurück auf seinen Platz. "Wir sind immer noch in einem öffentlichen Café."
"Sorry, aber Reiju muss überzeugt werden", antwortete Keita schnell und blickte sie an.
Reiju wusste, wenn sie seinen Blick jetzt entgegnen würde, würde sie sofort ja sagen. So war es schon immer gewesen. Ausschlagen konnte sie den dreien noch nie etwas.
"Okay..."
"Yahs!"
Suru lachte. "Richtige Entscheidung, Reiju."

"Da vorne ist es", sagte Suru und ging voran. Das Turnier sollte auf einer großen Wiese in der Nähe der Schule stattfinden. Aus der Ferne konnte Reiju schon ein paar Menschen erblicken.
Es war angenehm warm. Viel wärmer als sie erwartet hatte, was ihre Stimmung etwas hob.
Junko ging stumm neben ihr. Von der anderen Seite ließ sie sich von Keitas Worten berieseln.
"Ich hab gehört die wollen Fußball spielen. Yuta hat tatsächlich vier Teams zusammen bekommen. Das wird der Wahnsinn. Und zu unserem Glück ist es trotz Abendsonne noch so warm."
"Warum spielst du eigentlich nicht mit?", fragte Junko. "Weil du nicht mitspielst um mich herauszufordern." Sie lachte und blickte ihn über Reiju hinweg an. "Nur um dich nicht vor der ganzen Stufe zum weinen zu bringen."
"Hör mal -" 
Reiju schaltete ab. Keita stürzte sich auf Junko und nahm sie in den Schwitzkasten. 
Die Leute in der Schule waren immer verwirrt gewesen von solcher Art an Aktionen, aber unter ihnen vier verflossen die japanischen Standards ins Nichts.
Als sie ankamen, waren schon recht viele da. Yuta stand mitten auf der Wiese und lachte laut. Er schien entspannt. Alles war wohl nach Plan verlaufen.
"Hier trinkt!" Hanami, ein Mädchen aus ihrer Parallelklasse, drückte ihr und Suru einen Becher in die Hand. Reiju ließ ihren Blick auf den Inhalt sinken. Cola.
Gedanklich teilte sie alle noch immer in Klassen ein, dabei würden sie in ein paar Tagen alle neu durchgemischt werden.
Es machte Reiju nervös, seit sie es wusste. Das letzte Jahr waren sie alle vier in einer Klasse  gewesen. Es hatte sich wie Schicksal angefühlt, doch diesmal hatte sie ein schlechtes Gefühl.
"Nehmt euch auch was zu Essen. Die Zuschauerplätze sind da hinten", erklärte Hanami weiter, doch Reiju hörte nicht mehr zu. Sie verlor sich viel zu schnell in ihren Gedanken. 
Immer wieder aufs neue schätzte sie, dass Suru für sie alle vier so aufmerksam war.
Keita stürzte sich auf das Buffet und bediente sich großzügig, während Junko versuchte ihn an seiner Kapuze wegzuzerren. Reiju ging weiter still neben Suru her. Er hatte gerade ein Gespräch mit Hanami angefangen. "Ja ich helfe Yuta. Wir haben die ganze Organisation zusammen gemacht." Sie lachte und strich sich durchs Haar. Es war blond. Vor den Ferien war es das noch nicht gewesen.
"Hey Reiju!", erhob sie plötzlich ihre Stimme. "Hm?", machte Reiju verwirrt und sah endlich von Hanamis Haaren ab. "Wie immer nicht ganz da", sie lachte wieder. "Wie deine Ferien so waren, hab ich nur gefragt." "Oh. Gut danke. Und deine?" Sie nickte. "Meine auch." 
"Du hast deine Haare gefärbt", sprach Reiju dann aus. Sofort kassierte sie einen Seitenschlag von Suru. "He", raunte er leise. Hanami stockte in ihrem Gesichtsausdruck.
Beschämt fasste sie sich in ihre Haarlängen. "Ja..." "Steht dir", antwortete Suru schnell und Reiju nickte, weil sie wusste, dass er es von ihr verlangen würde. Sofort strahlte Hanami wieder. "Danke." 
"Alles klar Leute! Wir beginnen gleich", rief Yuta und löste die unangenehme Stille.
"Kommt." Suru fasste Keita und Junko am Arm und ging zu den Zuschauerplätzen. Er wusste, dass Reiju ihm ohnehin folgen würde, also zog er an ihr vorbei, um die anderen zwei unter Kontrolle zu bekommen. Sie folgte ihm langsamen Schrittes.
Der Himmel färbte sich langsam rot. Es war wirklich schön.
"Ist das nicht der Typ den du vor den Ferien so vorgeführt hast?" 
Keita war urplötzlich neben ihr aufgetaucht und sprach ihr direkt ins Ohr. Aufgeschreckt zuckte sie zusammen. "Keita...", fluchte sie, aber sah dann auf. 
Ace rannte in kurzer Hose und Shirt über das abgesteckte Feld. Er schien in Team eins zu sein.
Reiju nickte. "Das hab ich ja völlig vergessen..." Aufmunternd schlug Keita ihr auf den Rücken. "Er sicher auch", sagte er, doch sein Lachen strahlte mehr als nur Sarkasmus aus.
"Kommt ihr? Es beginnt", rief Junko plötzlich und die beiden nickten.
Der Abend verging, es wurde dunkler und die Finalisten wurden bestimmt.
Die Zuschauer und die Spieler hatten sich inzwischen so durchgemischt, dass nun jeder saß wo er wollte. Reiju und ihre Freunde waren als einzige noch da, wo sie am Anfang gesessen hatten. Etwas Abseits vom Spielfeld, aber mit einem guten Blick auf alles.
"Hey, Yuta ist im Finale", jubelte Keita. "Das hat er sich verdient." Junko nickte und betrachtete die zwei Teams. 
"Ist das nich-" "Ja", Reiju unterbrach sie sofort. Junko hatte auf Ace gedeutet und ihr Grinsen gefiel ihr nicht. "Ace und sein bester Freund Izaya sind also auch im Finale", erklärte Suru, schenkte Reiju, zu ihren Glück, aber keinen Blick.
"Wusstet ihr, dass Ace und seine Brüder ganz alleine wohnen?", fragte er plötzlich.
Er hatte die Beine angezogen und stützte sein Kinn auf die Knie. 
"Was wieso das denn?", fragte Keita sofort und sah ihn verwundert an. Auch Junko und Reiju ließen ihren Blick jetzt von den Finalvorbereitungen ab und blickten zu ihm rüber. 
"Okay, vielleicht hab ich vor kurzem ein paar Infos aufgeschnappt", begann er dann und hob sein Kinn. "Es hat sich herausgestellt, dass meine Schwester in der Uni echt gut mit Ace großem Bruder befreundet ist." "Wah echt?", machte Junko. Was war in letzter Zeit nur los mit den Verbindungen um Ace.
Suru nickte. "Sie hat mir bisschen was erzählt. Aber ihr müsst das bloß für euch behalten! Ich will es Ace nicht unangenehm machen." Er blickte jeden kurz an, obwohl er eigentlich wusste, dass er ihnen vertrauen konnte.
Die Erde war durch die fehlende Sonne eiskalt geworden. Es war inzwischen richtig dunkel.
Nur ein paar Lampen beleuchteten das Spielfeld. 
"Ace Vater ist vor circa einem Jahr gestorben. Was mit seiner Mutter ist weiß ich gar nicht.
Seitdem wohnen die drei allein in ihrem Haus."
"Das ist ja richtig traurig." Keita klang bedrückt. Sein Blick fiel wieder aufs Spielfeld, wo das Finale gerade angepfiffen wurde. Junko nickte. "Wow, bei Ace hätte ich das niemals erwartet. Er wirkt irgendwie immer so... ausgeglichen" Suru seufzte "Mich hats auch gewundert..."
Die Worte ihrer Freunde verschwammen für Reiju ins Undeutbare. Sie sah rüber zu Ace. 
Er hatte seine langen schwarzen Haare zu einem Zopf gebunden und anscheinend ein neues Shirt angezogen. Dennoch war es völlig durchgeschwitzt. Er rannte, doch lachte dabei. Es klang so ausgelassen. 
"Hey Reiju, alles gut?", fragte Junko nach einer Weile. Sie war, selbst für sie, ziemlich lang weggedöst gewesen und hatte leer aufs Feld gestarrt. Als sie jetzt zu sich kam zog sie sich ihre Kapuze weit über die Augen. "Mir... mir ist da gerade nur was eingefallen", hauchte sie.
Jeder sah sie an und wartete darauf, dass sie weiter sprach.
Sie seufzte. "Als ich ihn vor den Ferien zur Rede gestellt hab, hab ich ihn gefragt ob ihnen zu Hause keiner Manieren beibringt..." Sie vergrub ihr Gesicht in ihren Händen und stöhnte leise. "Jetzt fühl' ich mich unglaublich schlecht." 
Kurz wurde es still, als Reiju in der Position verharrte.
"Du konntest es doch nicht wissen", beruhigte Suru sie. "Ihr kennt euch überhaupt nicht", begann dann auch Junko und streckte ihren Arm nach ihr aus. "Ace hat es sich sicher nicht zu Herzen genommen." Reiju zögerte. Mit Schmollmund sah sie wieder hoch und nahm ihre Hand entgegen. Junko drückte sie und deutete aufs Spielfeld. "Ace scheint es doch gut zu gehen oder." Keita lächelte und lehnte sich zu ihr rüber. "Mach dir keinen Kopf. Sieh doch! Seine Mannschaft gewinnt!"

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Yukis Profilbild
Yuki Am 23.04.2019 um 11:21 Uhr
Hey, geht sie noch weiter? Bis auf kleine Anmerkungen, gefällt mir, deine Story.

Autor

nagaytos Profilbild nagayto

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Kapitel:2
Sätze:212
Wörter:1.967
Zeichen:11.204

Kurzbeschreibung

Zwei Menschen lernen sich über eine Reihe an Zufällen immer besser kennen und versuchen ihre, als auch die Probleme ihrer Freunde mit ihrem Leben zu vereinbaren. Insgesamt ist es vielleicht eine kleine Parodie oder aber auch eine Hommage an das Manga Genre Shoujo. Der Titel aber ist es in jedem Fall.

Kategorisierung

Diese Story wird neben Liebe auch in den Genres Drama und Alltag gelistet.

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