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Zwischen hier & immer

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12.02.24 16:52
12 Ab 12 Jahren
Fertiggestellt

Es war Viertel nach zehn, der Spätdienst war bereits seit einer Stunde vorüber, als es an meiner Bürotür klopfte und Julia uns die Botschaft überbrachte.
Ich habe es nie geschafft, die Vergangenheit und Gegenwart in Einklang zu bringen.
Der Tag im Januar meines letzten Dienstjahres war wohl die Quittung dafür.
Eine offene Rechnung ohne Verfallsdatum. Der Schock saß tief. Doch es war nicht die Art von Schock, die aus dem Nichts kam und einem unvermittelt in die Magengrube schlug.
Viel mehr traf mich die Gewissheit, dass der vage Albtraum zurück in die Wirklichkeit gefunden hatte. Plötzlich stand er im Raum, lächerlich klar zu erkennen.
Seit denkbar vielen Jahren war eine dunkle Sprosse in mir gewachsen.
Zu verschwommen, um sie beiläufig zu identifizieren, jedoch gerade sichtbar genug, wenn man genau hinsehen wollte. Ich sah nicht hin, so wie alle anderen nie hinsahen.
Somit blieb es ein verworrenes, unterschwelliges Gefühl im Alltag.
Lediglich in schweißgebadeten Nächten offenbarte die Sprosse ihr entstelltes Gesicht, bevor sie an ihren üblichen Platz verschwand. Tief verwurzelt auf dem Friedhof verdrängter Erinnerungen, der jetzt seine Gräber öffnete und die Geister der Vergangenheit freiließ.

Bis dahin verlief der Abend nahezu ereignislos, zumindest aus der Sicht eines Polizeibeamten in leitender Funktion. Zwei Anrufe trudelten nach 20 Uhr rein: Hausfriedensbruch auf dem Sportplatz (ein beliebter Treffpunkt bei Jugendlichen) und ein Auffahrunfall in der Mainzer Straße. Die Jungs auf Streife hatten einen ruhigen Abend. Für mich hingegen neigte sich die emotionale Irrfahrt dem Ende. Hermann fesselte ich an den Stuhl und zwang ihn, daran teilzunehmen.
Er blieb, weil er ein guter Kamerad war, und ich ignorierte seinen unausgesprochenen Wunsch, endlich nachhause zu gehen.
Hermann saß am zerschlissenen Holztisch, der beinahe die Hälfte meines Dienstraums einnahm und überflog das Gekritzel in seinem Notizblock.
Ein komischer Anblick, ihn so zu sehen. Er war ein Mann der Tat, wie er zu sagen pflegte und kein Bürohengst. Mit der Lesebrille, die er neuerdings brauchte und dem weißen Hemd sah er ungewohnt anders aus – fast verkleidet.
Ich wollte weiterhin über das Vorstellungsgespräch diskutieren. Möglicherweise suchte ich auch nur einen Grund, um länger zu bleiben.

Als Anerkennung für die jahrzehntelange Arbeit durfte ich in Absprache mit der zuständigen Administration des Landkreises meinen eigenen Nachfolger bestimmen. Zunächst freute ich mich darüber, da es mir am Herzen lag, die Polizeiwache in gute Hände zu übergeben – inzwischen war es frustrierend, die mittelmäßigen Bewerbungen zu sondieren. Vor Kurzem flatterte dann ein Brief aus Frankfurt auf meinen Schreibtisch.
Hermanns Handy trällerte „Back in Black“ und er ging ran. Offensichtlich wartete Frau Hermann Zuhause vergebens auf ihren Mann. Auch das ignorierte ich gekonnt.
Stattdessen wandte ich meinen Blick aus dem Fenster, beobachtete den schwach beleuchteten Parkplatz und lauschte den pfeifenden Windstößen. Es war ein eisiger Wind, der um die Häuser wehte und bittere Kälte schürte, obwohl das Thermometer noch über dem Gefrierpunkt verharrte.
Regen prasselte nieder und hüllte den dunklen Januarabend in einen diesigen Schleier. Der Wetterdienst prophezeite für die kommenden Tage starke Schneefälle. Im Radio warnten sie vor Glätte und Blitzeis. Nach vielen milden Wintern erinnerte mich die Vorstellung eines verschneiten Salems an meine Kindheit, als wir mit unseren Schlitten den Johanisberg hinabjagten und unförmige Schneemänner bauten, die wir anschließend mit Stöcken und Steinen attackierten.

„Ich fand ihn arrogant. Er will die Leitung übernehmen und gibt nur einsilbige Antworten?“
„Ach komm, Chef. Schlaf mal ne Nacht drüber. Du hast ihn ordentlich in die Mangel genommen.“
Ich wusste, dass Hermann mein Abschied äußerst schwerfiel, darüber mussten wir nicht sprechen. Gefühle kannten wir offiziell nicht, aber neunundzwanzig Jahre vertrauensvolle Zusammenarbeit hinterlässt eben Spuren, auch bei zwei alten Hunden wie uns.
Selbstverständlich bezog ich ihn als meinen engsten Vertrauten in den Auswahlprozess mit ein.
Er teilte die Meinung, den Posten bestenfalls an eine junge Person zu übergeben, für ein wenig frischen Schwung in dieser Einöde. Allmählich war ich von der Idee gar nicht mehr angetan.
„Kompetent, okay, aber mit dem Auftreten wird er trotzdem nicht weitkommen. Ich sag´s ja nur, Hermann. Da muss er erstmal den Stock hinten rausziehen.“
Der Mann, den ich vor einigen Stunden ins Kreuzverhör genommen hatte, hieß Brehm. Ein hochgewachsener Schlaks Mitte dreißig, verpackt in einen modischen Anzug, stets bedacht darauf, die Förmlichkeit zu wahren. Typischer Kripo-Heini aus Frankfurt, der nun mit Frau und Kind einen Neustart im ländlichen Rheinhessen plante, um die Leitung der Polizeiwache in Salem zu übernehmen. Meiner Polizeiwache.
Ich richtete das zu enge Jackett und fügte in höhnischem Tonfall hinzu: „Den großen Coup wird er hier nämlich nicht landen mit seinen Lackschuhen. Das ist nicht Miami Vice.“
Im Prinzip waren das die gleichen Worte, die ich auch an Brehm gerichtet hatte, was er mit einem unsicheren Lachen quittierte. Ein plumper Spruch, den ich offenbar so geistreich fand, dass ich ihn wiederholen musste. Der gelangweilte Blick in Hermanns Augen war einleuchtend. Wieso sollte er sich diesen Quatsch doppelt und dreifach anhören?
Die Entscheidung stand fest. Gewissermaßen stand sie bereits seit heute Nachmittag fest. Unabhängig von dem Affentanz, den ich vollführte.
Brehm würde die Stelle bekommen, sofern er sie überhaupt noch wollte.
Er passte ins Profil und die Konkurrenz war nicht der Rede wert, außerdem blieben nur noch vier Monate bis zu meinem Abschied. Höchste Zeit, die Fackelübergabe einzuleiten.
Und Brehm schien vernünftig, obendrein mit dem nötigen Grips gesegnet, um den Laden am Laufen zu halten. Doch etwas hemmte mich, es offen auszusprechen und zwang mich förmlich dazu, ihm fadenscheinige negative Aspekte anzudichten.
Ein verbitterter Griesgram, dachte ich, nicht im Stande loszulassen, wenn die Zeit gekommen ist. Wollte ich wirklich so abtreten?

„War bestens vorbereitet, was den Aufgabenbereich angeht. Der Rest wird schon. Jetzt lass mich heimgehen, du alter Streuner.“, erwiderte Hermann nüchtern. Gemächlich erhob er sich und verstaute die spärlich beschrifteten Notizen in der Aktentasche.
„Zu mir habt ihr Hinterwäldler übrigens genau dasselbe gesagt. Nach einer Woche wollt ich Keitel die Kündigung ins Maul stopfen.“
Ich musste laut lachen. „Du warst ja noch schlimmer, Hermann. Das Ding aus einer anderen Welt! Warum seid ihr Stadtmenschen so arrogant?“
Er zwinkerte und gab mir einen Klaps auf die Schulter: „Deine Frau kommt aus Köln, Country Boy.“
„Drecksack.“
Tatsächlich hätten wir damals beinahe den fähigsten Polizisten vergrault, den diese Wache je gesehen hat. Bald darauf wären wir für ihn durchs Feuer gegangen.
Der junge Hermann mit den braunen Locken und dem losen Mundwerk. Unsere wüsten Streitereien, die wir abends bei einem kühlen Bier nur noch müde belächeln konnten. Unzählige Stunden im Auto; die Mischung aus öder Routine und erschütternden menschlichen Abgründen.
Das alles schien eine Ewigkeit zurückzuliegen.
Von der gegenüberliegenden Wand strahlte die alte Bande zu mir rüber. Arm in Arm auf dem Rasen vor der Wache – dem heutigen Parkplatz. Sigi, Hermann, die Jäger-Zwillinge, Schnauze und eine junge Version meiner selbst. Eingesperrt in einen abgenutzten Rahmen, verblasst im Laufe der Jahre. Damals trat ich gerade frisch die Leitung als Kriminalhauptkommissar an, was mich furchtbar stolz machte.
In vier Monaten bleibt bloß Hermann übrig. This is the end, my only friend. Jim Morrison, der Poet meiner Jugend, endlich verstand ich ihn.

Hermann erzählte die Episode, wie er als Neuling von mir auf den damaligen Bürgermeister Rosenberg angesetzt wurde, um ihm das Mikrofon zu entreißen. Rosenberg hatte, vollgesoffen wie er war, am hiesigen Weinfest eine Schimpftirade erster Güte vom Stapel gelassen. Dem verzweifelten Hermann entkam er mehrfach mit wackligen, aber überraschend flinken Schritten, das erboste Wort stets an die Menge gerichtet, während Sigi und ich Gefahr liefen, uns bei dem Anblick totzulachen.
Wie oft haben wir schon die immergleichen Geschichten ausgepackt? An diesem kalten Januarabend überfiel mich dabei jedoch erstmals die Sehnsucht längst vergangener Tage.
Schlagartig wurde mir bewusst, was mich zu dem unwürdigen Auftritt verleitete.
Das Gerede von wegen früher sei alles besser gewesen, konnte ich nie leiden. In meinen Augen war ich nicht der Typ von vorgestern. Stattdessen suchte ich den Draht zu den jungen Kollegen und passte die Wache bestmöglich dem technischen und gesellschaftlichen Wandel an.
Um den Jahreswechsel geriet die Gemütslage auf einmal ins Schwanken. Der sympathische, väterliche Kumpel stolzierte mies gelaunt durch die Gänge, um keinen besserwisserischen, kleinlichen Ratschlag verlegen.
Der Ruhestand beendete das Versteckspiel vor dem Altern. Vergangenheit und Zukunft ließen sich nicht länger ignorieren. Irgendwann steht man in der Mitte und wird zusammengepresst wie auf dem Schrottplatz. Es tat weh, die Sache für die ich den Großteil meines Lebens opferte, an den Sunnyboy aus der Großstadt zu übergeben. Danke und auf Wiedersehen.
Aber so ist das Leben, was hatte ich erwartet? Jetzt gilt es, dies zu akzeptieren – ohne weitere Ausrutscher.
Christine ist froh, dass ich demnächst öfter Zuhause bin und die Knochen versagen ohnehin langsam den Dienst: Bandscheibenvorfall, Arthrose im Kniegelenk, etwas, das der Arzt „Hypertonie“ nennt - die Liste wird länger und beschwerlicher. Mein siebenundsechzigster Geburtstag stand im August an, und mit Christine wollte ich diesen auf Bali verbringen. Ein schöner Abgang, versuchte ich mir einzureden.

„Isch sag euch emol was...“, tönte Hermann, den schwankenden Gang des Bürgermeisters imitierend. Mit verschränkten Armen lehnte ich am Fenstersims, ein zufriedenes Grinsen breitete sich aus… als es an der Tür klopfte und unsere Kollegin Julia der Parodie ein abruptes Ende setzte. Schmunzelnd trat sie in mein Büro. „Ihr seid ja immer noch hier! Das gibt bestimmt Ärger Zuhause.“, sagte sie und wedelte spöttisch mit dem Zeigefinger. „Aber wenn das so ist, es kam eben ein Anruf rein, Chef. Von der Dienststelle in Segenbach…“
Julia berichtete gewohnt lässig. Und dann wurde es ruhig. Bleierne Stille kehrte in das kleine Büro ein.
Hermanns heiterer Gesichtsausdruck war höchster Konzentration gewichen. Ich erkannte diese Mimik sofort; die weggetretenen Augen, der zusammengebissener Kiefer – sein Verstand arbeitete auf Hochtouren.
„Bisschen früh für eine Vermisstenanzeige.“
„Ja, hab ich auch gesagt, Chef, aber die Frau ist anscheinend total aufgelöst. Sie haben gefragt, ob wir nachsehen können, sonst müssen sie extra aus Segenbach herkommen.“

Flauer Druck stieg wie ein Heliumballon in meinem Magen auf, bis er in der Kehle steckenblieb.
„Wie war die Adresse nochmal?“ Lächerlich, die naive Hoffnung, dass die Gedanken einen Streich spielten.
L429, Aussiedlerhof, merkwürdiger Anruf – eindeutiger konnte die Beschreibung nicht sein.
Die letzte Runde wurde soeben eingeläutet und ich taumelte überrascht aus der Ecke.
Alter Schwachkopf. Warum bist du nicht weggelaufen?
Der hervorstechende Gedanke, das bohrende Gefühl der Vorahnung; trügerisch, denn es war nur die halbe Wahrheit.
Da war ein unförmiges, farbloses Bild, ich wusste es, aber schob es all die Jahre beiseite, weil ich es nicht sehen wollte. Nun schoss die Sprosse aus der Erde und enthüllte in aller Deutlichkeit ihre verfaulten Blüten.
Sieh einfach nicht hin, flüsterte der erschöpfte Verstand. Leider unmöglich, ich hatte es bereits gesehen.
Die Quittung war teurer als der Wehmutsanfall des heutigen Tages. Sehr viel teurer.
Gott im Himmel, dieses Miststück…
Es schlich sich von hinten an und wartete geduldig auf den schwachen Moment. So wie immer.
Julia runzelte argwöhnisch die Stirn und fragte, ob alles in Ordnung sei.
Hermann und ich warfen uns einen Blick zu.
„Julchen, du kannst mich echt nicht leiden, stimmt´s? Gönn einem alten Mann seinen Feierabend.“, flehte Hermann.
„Sie konnte dich noch nie leiden. Angeblich bist du zu vertrottelt.“
„Waaas?“, fragte er voll groteskem Entsetzen. „Ich wusste es! Chef, setz die Abmahnung auf…“ Unglaublich, wie er den Schalter umlegen konnte, während in ihm ein Vulkan brodelte.
Bei mir wirkte es künstlich und aufgesetzt, aber nicht bei ihm, denn er strahlte diese natürliche Sicherheit aus.
Kichernd winkte Julia ab: „Quatschköpfe. Ihr könnt doch trotzdem heimgehen.“
„Wir kümmern uns drum, kannst du den Jungs in Segenbach ausrichten.“
„Okay. Soll ich zuerst Kim und Dario verständigen?“
Zögern. Kim und Dario kamen dafür nicht infrage. Die Gedanken rasten an mir vorüber und ich war zu träge, sie einzufangen.
„Nein, nein. Hermann und ich übernehmen das schnell.“
Sie musterte mich aufmerksam.
„Dann machen wir Feierabend. Ich will auch nochmal den Audi fahren.“ Du kannst es nicht, halt einfach die Klappe…
„Und sag den Segenbachern, dass sie den Kasten gerne mit der Post schicken können.“, warf Hermann ein, aber diesmal blieb Julia ernst und ich musste ihrem eindringlichen Blick ausweichen.
Sie durchschaute mich.
Ich tat geschäftig und suchte etwas auf meinem Schreibtisch, dass es nicht gab. Dann verließ Julia das Büro, um die Dienststelle in Segenbach zu informieren und der Vorhang fiel.
Natürlich wusste sie, dass etwas nicht stimmte: Kim und Dario fuhren Streife, zwei Kollegen, die in einer ruhigen Nacht wenig zu tun hatten; aber nein, nach einem bizarren Auftritt übernahmen wir das. Hermann, dessen Dienst längst beendet war - und ich, der seit Jahren vom Schreibtisch die Einsätze koordinierte. Zeitmangel und körperliche Beschwerden zähmten den Bullen zum Bürohengst.
Nur in besonderen Fällen kümmerte ich mich persönlich darum. Voriges Jahr beispielsweise, als der Junge der Schramms mit dem Motorrad die Kurve verpasste, da habe ich der Familie den traurigen Besuch abgestattet und es gibt wahrlich nichts Schlimmeres, als einer Mutter zu gestehen, dass ihr Sohn niemals wieder heimkehren wird. Bei der Festnahme des ehemaligen Gemeinderats Siefert legte ich eigenmächtig die Handschellen an. Der korrupte Drecksack hatte seine Frau halb Tod geprügelt. Die Randale im… Nur in besonderen Fällen, schoss es mir durch den Kopf.
Versunken in meiner Gedankenwelt stand ich noch immer am Fenster; kraftlos und verängstigt.
Nie habe ich mich so alt gefühlt wie in diesem Augenblick.
Hermann streifte bereits die Winterjacke über und schmetterte die Brille achtlos auf den Tisch.
Er sah mich an. Nach einer Weile nickte er.

Wortlos trotteten wir über den Parkplatz, scherrten uns nicht darum nass zu werden und setzten uns in einen der beiden Polizeiwagen. Beim Einsteigen flammte der Schmerz im unteren Rücken auf. Ich zündete den Motor des Audi A8, von denen der Staat drei Modelle spendiert hatte. Auf dem Beifahrersitz tippte Hermann eifrig auf dem Handy. Vermutlich schrieb er seiner Frau, dass es deutlich später werden würde.
Ausgiebiges Schweigen prägte die Fahrt.
Es war kein allzu weiter Weg, den wir zurücklegen mussten. Von der Polizeiwache gelangten wir schnell in den Ortskern, fuhren die menschenleere Hauptstraße entlang, an den verschlafenen Teichen des Bürgerparks vorbei und überquerten das Ortsschild.
Beinahe tröstlich, der kleine Abschnitt über die Bundesstraße. Es herrschte Verkehr und die 24-Stunden Tankstelle flimmerte in grellen Farben.
Wenige hundert Meter später erreichten wir das gelbe Schild (Thalheim 3 km).
Nach der steilen Abfahrt gab es nur noch uns, umrahmt von weiten Feldern und dem ein oder anderen verwaisten Baum am Straßenrand. Keine Autos, da wenige Leute so spät das kleine Weindorf aufsuchten, das zu Salems Nachbargemeinden zählte.
Vorsichtshalber schaltete ich in den dritten Gang. Die kurvige Landstraße war eng und an manchen Stellen nur notdürftig ausgebessert (Guten Abend, Frau Schramm…).
Die Heizung brummte unaufhörlich und wirkte dem Beschlagen der Scheibe entgegen. Feine Nebelschwaden hingen in der Luft.
Zwei Mal musste ich diese exakte Strecke in meiner gesamten Laufbahn bewältigen.
´73 oder ´74, als mein Chef Herr Keitel mich zu dem gottlosen Ort mitnahm.
Hermann war Ende der 90er mit dabei, kurz nachdem Tod seiner damaligen Frau.
Unser schlimmster Einsatz, dachte ich und versuchte den aufdringlichen Zusatz (bis heute), erfolglos zu überhören. Obwohl - war der Besuch an der Seite Keitels nicht bedeutend schlimmer? Beide Ereignisse wurden gründlich abgeschirmt. Bisher bröckelte allein die zuletzt errichtete Fassade.
Die monotonen Bewegungen des Scheibenwischers beseitigten den pausenlos trommelnden Regen. Kurze, scharfe Windstöße stemmten sich gegen den Wagen, als versuchten sie, ihn von der Straße abzudrängen.
Drei Kilometer und doch musste die Zivilisation beim Blick auf das endlos schattige Ackerland meilenweit entfernt liegen.
Dann entdeckten wir ihn, den Feldweg, irgendwo inmitten der Landstraße, kaum sichtbar in einer finsteren, verregneten Nacht. Ich setzte den Blinker und bog langsam auf den dünnen Betonstreifen ab, der von matschigen Pfützen übersät war. Steinige Erdklumpen und büschelweise Unkraut ließen das Auto permanent ruckeln.
Diese Abzweigung wurde selten genutzt, hauptsächlich von Traktoren oder Mähdreschern – und einem armen Kerl aus Segenbach, der sicherlich nicht wusste, worauf er sich einlässt.
Es gab keine Beleuchtung dort draußen, lediglich die Scheinwerfer des Audis legten flüchtige Passagen der kargen Umgebung offen. In der Ferne blitzten die roten Augen der Windräder unter dem wolkenverhangenen Nachthimmel.  
Geradeaus holperten wir im Schritttempo voran, ehe wir schließlich die Abzweigung erreichten, die zwei Möglichkeiten bot; nach links weiter ins Feld hinein, oder nach rechts zum alten verfallenen Landhaus auf das wir nun widerwillig zusteuerten. Schemenhaft ragte das Ungetüm aus der Dunkelheit empor. Ein Relikt der Vergangenheit, alleine im Nirgendwo zurückgelassen. Aussiedlerhöfe sind keine Seltenheit in der Gegend, aber in den Feldern zwischen Salem und Thalheim wurde nie ein weiterer erbaut.
Nach einem tiefen Luftzug umklammerte ich fest das Lenkrad und hoffte einfach, kein Auto sehen zu müssen, sodass wir umdrehen konnten, um Nachhause zu fahren.
Aber die Reifenspuren… Hoffentlich handelte es sich um ein Missverständnis, oder ein Scherzanruf. Kommt öfters vor, dass Leute es witzig finden, die Polizei zu verarschen.
„Da steht er“, flüsterte Hermann und zeigte auf den schmutzigen, weißen Transporter, der vor den Toren des Landhauses parkte.
Beim Anblick des Vans drohte es mich zu überkommen. Die Hände bebten und Schweißperlen benetzten die Stirn. Schnaubend ballte ich die Fäuste und wollte nur zu gerne hemmungslos gegen das Lenkrad hämmern. Schließlich erschlaffte der Zorn und wir hielten inne, ehe wir die unvermeidliche Einladung annahmen.

Prompt erfasste uns der kalte Wind und trieb uns Regen in die Gesichter. Hermann ging um den Wagen herum und holte die Taschenlampen aus dem Kofferraum. Das Herz raste noch in meiner Brust, als wir uns dem Sprinter näherten. Mit schwarzer Schrift stand auf der Fahrerseite:
Wessel macht´s! Hochwertiger Handwerkservice – Sanierung, Renovierung und Ausbau
Bismarckstraße 23
57579 Segenbach

„Segenbach“, murmelte Hermann kopfschüttelnd.
Im Transporter sahen wir nichts, außer einigen Papieren und einer Coladose.
Vor dem Tor des Landhauses blieben wir stehen.
„Mach sie aus.“
In der Dunkelheit erkannte ich nur die Konturen seines schmalen Gesichts, aber die Batterie der Taschenlampe war fortan heilig.
„Gehen wir nochmal den Sachverhalt durch.“, sagte ich und versuchte möglichst souverän zu klingen. „Herrn Wessels Ehefrau hat die Polizei in Segenbach verständigt. Angeblich bekam ihr Mann einen Anruf und sollte das Haus zur Renovierung begutachten.“
„Er ist direkt aufgebrochen, gegen etwa halb zwei. Hat wohl dringend Aufträge gesucht“, ergänzte Hermann, „und seitdem ist er nicht mehr zu erreichen.“
„Wie spät ist es?“
„Ehm… es ist kurz nach elf, Chef.“
„Hast du den Funker?“
„Im Auto.“
Ich nickte: „Denk dran, wir bleiben zusammen. Egal was passiert, keiner geht alleine irgendwohin.“
„Wahnsinn.“, sagte Hermann mit tonloser Stimme. „Ich hatte es fast vergessen.“
„Ich auch.“
„Weißt du, wie lange es schon leer steht?“
„Fünfzig Jahre, mindestens.“
„Sollen wir die Jungs dazu holen? Ist bestimmt eh ruhig.“
Der Wind verzerrte die Worte zu einem schüchternen Getuschel.  
„Nein, wir machen´s schnell – reingehen, durchleuchten und wenn wir ihn nicht finden, sind wir direkt wieder draußen, alles klar?“
„Alles klar, Chef. Und wenn wir ihn finden?“
Unweigerlich schauten wir zum Haus, als würde es uns beobachten. Düster und verlassen stand es da.
Die Bilder von damals sprangen aus ihrem Versteck wie ein Kastenteufel. Der Bursche, der Gott weiß wie in das obere Schlafzimmer gelangte, bläulich und steif mit einer Spritze in den Venen. Der Gesichtsausdruck wächsernes Entsetzen.
Die offizielle Todesursache lautete: Drogenüberdosis mittels Heroin. Fremdverschulden ausgeschlossen. Auch er stammte nicht aus der Gegend, genau wie der weiße Transporter im Schlamm (Das ist nicht Miami Vice, mein Lieber…).
Es war weniger der Anblick der Leiche, der uns über zwanzig Jahre später wie zwei alte Hosenscheißer dastehen ließ, sondern dass, was wir da drin spürten… was wir hörten… was wir… Ich hustete trocken und wischte mir den Regen aus den Augen.
„Wenn wir ihn finden, Hermann, hauen wir auch wieder ab und informieren die Kripo.“
„Wer könnte ihn angerufen haben?“
„Keine Ahnung.“
„Glaubst du wirklich da drin ist… irgendwas?“
Zum ersten Mal sprachen wir darüber. Das ausgerechnet Hermann diese Frage stellte, beunruhigte mich mehr als ich zugeben mag.
„Was soll da sein? Ich glaub nicht an sowas. Du kennst doch das Dummgeschwätz der Leute.“
„Da hast du recht, Chef. Der tote Junge damals, es ist komisch, bis heute dachte ich nie daran.“
„Geht mir ähnlich.“
„Hast du Angst, Chef?“
„Nein. Und ich bin ein Bürohengst, also mach dir nicht ins Hemd. Gehen wir rein, mir ist kalt.“
Hermann lächelte schwach. „Unser letzter großer Auftritt“, sagte er, doch das Jaulen des Windes war lauter.

Das Langzeitgedächtnis ist ein Sieb, das nach rätselhaften Kriterien die Spreu vom Weizen trennt. Familienfeste und Geburtstage an die ich gerne zurückdenken würde und sogar die Geburt meiner Tochter konnten die Kriterien des Siebs nicht hinreichend erfüllen. Womöglich werden sämtliche Erinnerungen gefiltert und abgelegt, doch nicht alle Archive sind jederzeit zugänglich.
Andere Eindrücke, bedeutsam oder willkürlich, werden dagegen regelmäßig vorgeführt, meist in völlig zusammenhanglosen Momenten. Die Sporthalle aus Grundschultagen, Christines Tanzeinlagen, der wütende Maler am Pier im Norwegenurlaub… Es gab zahlreiche derartige Impressionen und eine davon wurde soeben vom Sieb auf die große Leinwand projiziert: der Pfad aus blauen Mosaikplatten, der im Zickzack entlang zugewucherter Dornenbüsche verlief.
Manchmal sah ich ihn, einfach so, klar und deutlich, aber jetzt roch ich auch den umliegenden Wachholderduft und spürte die drückende Luftfeuchtigkeit des glühenden Sommerabends.
Die einzig lebhafte Erinnerung an den Tag vor über 50 Jahren, als Keitels Finger mich erwählte, einen Auszubildenden im ersten Lehrjahr.
Solche Eindrücke kamen reihenweise abhanden, oder wurden unbemerkt ausgetauscht, aber der Pfad blieb all die Jahre erhalten. Und dennoch stellte ich nie die Frage, wohin er eigentlich führte. Nun fiel es mir wieder ein.
Hermann knipste (endlich) die Taschenlampe an. Der einst zugewucherte Vorgarten war bloß noch ein kahler Acker und ausschließlich anhand des Eichenbaums wiederzuerkennen. Die kalten Temperaturen lichteten das verbliebene Gestrüpp. Einen Zick-Zack-Pfad aus Mosaikplatten gab es hier schon lange nicht mehr. Die Natur hatte ihn verschlungen und das Fachwerkhaus im Stil des späten 19. Jahrhunderts würde folgen. Moos bedeckte die Ziegel und Teile der Fensterläden - aber nicht die kleine Steintreppe, die uns von der Eingangstür trennte. Sie sah unverändert aus.
Hermann kramte in der Polizeijacke und reichte mir die andere Taschenlampe. Zwei Lichter flackerten in der Dunkelheit, was ein wenig beruhigender wirkte. Bewusst oder nicht, wir hatten die Schirmmützen sowie den Waffengürtel samt Walther P99 in der Wache liegengelassen.
Kein Verlust, aber mindestens erstaunlich.
Ich ging voraus, drückte den rostigen Messinggriff zögerlich nach unten und hörte sofort ein hohes Quietschen. Die massive Eichentür gewährte uns bereitwillig Einlass.
Warum ist das verfluchte Ding offen? Es war abgesperrt… Wieso wurde dieses Dreckshaus nicht längst eingestampft?
Wir traten ein.
Ich hielt die Taschenlampe vor die Brust und zuckte zusammen. Der Wind hatte die Tür ins Schloss geknallt. Es war genauso elendig kalt wie draußen und allmählich wurden die Fingerspitzen taub.
Die Lichtstrahle huschten umher, überkreuzten ihre Bahnen und legten Bruchstücke des Altbekannten frei. Ein stattlicher Raum mit hohen Decken, brüchigem Holzboden und allem Staub dieser Erde. Rechteckige Fenster an den Wänden, die auch ohne verriegelte Fensterläden vermutlich keinen Ausblick gewähren würden, da die Glasscheiben nur aus getrocknetem Schmutz bestanden. Mittig im hinteren Teil des Saals war die Treppe ins Obergeschoss; breit am Boden, schmal nach oben zulaufend, an deren Ende sich eine Brüstung befand. Ansonsten leere.
Der Luftstrom hatte den abgestandenen, säuerlichen Geruch der alten Gemäuer aufgewirbelt, der widerlich penetrant in der Nase festsaß.
„Ekelhaft. Aber sieht aus wie letztes Mal, Chef.“
„Es sah immer so aus.“
Wessel war nicht im Foyer und die Stille offenbarte es bereits.
Sicherlich würde er nicht aus irgendeiner Ecke hüpfen, um uns zu sagen, dass er eingeschlafen war, den Ausgang nicht mehr fand, oder eine Wette verloren hatte und alles bloß ein riesiges Missverständnis sei.
Langsam näherten wir uns der Treppe, leuchteten dabei vergeblich in die Ecken des Raums.
Auf einmal brüllte Hermann: „Hallo!? Herr Wessel?“
Ohne ersichtlichen Grund wollte ich ihm zu verstehen geben, dass er leise sein solle. Dabei tat er genau das Richtige: Schreien, Präsenz zeigen, die Anspannung rausnehmen. Dem Haus die gespenstische Atmosphäre entreißen. Wir waren nicht irgendwelche Zuschauer, die zufällig reinstolperten, sondern Hüter des Gesetzes, im staatlichen Auftrag vor Ort.
„Polizei! Wenn jemand hier ist, dann antworten Sie.“, schrie ich dümmlich hinterher. Die Worte hallten ins Nichts und bewirkten das genaue Gegenteil. Plötzlich erschien die Stille bedrohlich. Kleine Lichtkugeln im Kampf gegen die allumfassende Dunkelheit und ständig das Gefühl, etwas könnte im Schatten lauern.
Am Fuße der Treppe verblieben wir. War da jemand? Knackende, knarrende Geräusche gefolgt vom einsamen Pfeifen des Windes. Mach dich doch nicht verrückt.
Die Anspannung kribbelte in meinen Eingeweiden und am liebsten wäre ich umgedreht und weggefahren. Tut mir leid, wir waren drin, aber keiner da. Hatte der Mann eine Geliebte? Konten im Ausland?
„Wir müssen hochgehen, Chef.“
„Ja.“
Die ersten Stufen. Schräg empor strahlte der Lichtkegel auf das Holzgeländer der Brüstung.
Leichtes schwingen, hin und her, wie ein Pendel. Keuchend stolperte ich zwei Schritte rückwärts und landete unbeholfen auf den Füßen. Sofort blockierte der untere Rücken und ich hörte ein schmerzerfülltes Stöhnen meinem Mund entfleuchen.
„Scheiße.“
„Chef“, sagte Hermann erschrocken. „Alles gut?“
Am Treppengeländer baumelte er. Weit über dem Boden. Ein dicklicher Mann, dem der Strick das Leben aus den Knochen gerissen hatte. Die inhaltslosen Augen halb geöffnet.
Keitel, der panisch die Hand vor den Mund schlug. Keitel, der schrie, als das Seil ächzte und langsam den Halt verlor…
Verdammt, ich war nur ein 17-jähriger Bub und keinen interessierte es. Keitel sprach nie mit mir darüber; er sah weg, ebenso wie ich ein halbes Jahrhundert lang weggesehen hatte. Außer bei deinem letzten Besuch mit Hermann, erinnerst du dich…
Für einen irrwitzigen Augenblick war ich felsenfest davon überzeugt, dass ich ihn wieder dort hängen sah. Schwach schimmernd in der Finsternis. Die schlaffen Arme, der geneigte Kopf und das leichte Pendeln. Hin und her.
In einer hastigen Bewegung richtete ich die Taschenlampe auf dieselbe Stelle.
Da war nichts. Nur ein Treppengeländer – und die Wahnvorstellungen eines alten Dummkopfs. Aber fehlte nicht einer der Holzstäbe des Geländers? Ja, die Last wurde zu groß…
„Nichts passiert.“
„Was war los?“
„Bin gestolpert. Komm wir müssen hoch.“

Gekrümmt erklomm ich die Stufen. Die Rückenschmerzen ließen keine flüssige Bewegung zu.
Hermanns helfende Hand schob ich beiseite und erreichte mühsam die Brüstung, von der man das Foyer überblicken konnte.  
„Moment“, schnaufte ich. „Kurz durchatmen.“
Ein scheußliches Mauerloch bildete den Übergang zum Flur des Obergeschosses. Die Lichtstrahlen zeigten den Dreck und die tiefen Einrisse in der Wand rundherum. Generationen von Ratten mögen in den Zwischenwänden hausen.
Je länger mein Blick allerdings darauf verweilte, desto mehr enthüllte sich mir die ursprüngliche Form des Bauwerks. Es gab eine Zeit, da stellte es kein abstoßendes Loch dar, sondern einen prachtvoll geschwungenen Torbogen, der eine glückliche Familie im Obergeschoss willkommen hieß. Dann, in vielen einsamen Nächten, die schleichende Metamorphose zum grimmigen Zementschlund; bereit zuzuschnappen, wenn jemand dem ausgehungerten Maul zu nahekam.
Das Licht der Taschenlampe fiel in den beengten Korridor, der in einer Linkskrümmung zu den drei (oder waren es vier?) Schlafzimmern führte. Während meiner Verschnaufpause war Hermann etwas Einschneidendes aufgefallen.
„Wo sind seine Fußspuren?“, fragte er und richtete demonstrativ die Taschenlampe auf die Holzdielen.
Die Abdrücke unserer Schuhe waren im Staub deutlich sichtbar, ebenso auf der Treppe und im Foyer. Wenn Wessel dieses Haus betreten hatte, wo zur Hölle waren dann seine Abdrücke? Wieder verdeckt von einer Staubschicht? Niemals. Nicht in ein paar Stunden.
In mir blitzte ein Hoffnungsschimmer auf. „Stimmt. Anscheinend war er gar nicht hier drin.“
Bei den absurden Betrügereien, die wir schon erlebten, wäre es da nicht denkbar, dass er nur vorgetäuscht hatte, in das Haus zu gehen? Der Ehefrau erzählte er von einem mysteriösen Anruf, den Transporter parkte er vor einem „Gruselhaus“ – bestimmt kannte er die Geschichten, und der Komplize sammelte ihn am Straßenrand ein. Adios nervige Familie. Au revoir gescheiterte Selbstständigkeit.
Hermann blieb vor dem Mauerloch stehen und streckte den Arm nach hinten, so als wollte er mich zurückhalten. Angestrengt drehte er den Kopf zur Seite. „Was zum…?“
Erst wusste ich nicht, was er meinte, aber dann drang es auch in meine Ohren.
Leises Stimmengewirr. Fröhliches, unverständliches Gebrabbel. Johlende Männerstimmen, gefolgt vom herzhaften Lachen einer Frau.
Kaltes Entsetzen pulsierte in den Adern. Sie war es.
Ihr Lachen klang so vertraut, als hätte ich es gestern zuletzt gehört.
„Chef, jemand will uns verarschen.“ Wir lauschten erneut, aber die Geräusche waren weg.
Hermann marschierte in den Flur: „Letzte Warnung! Hier ist die Polizei. Hört auf mit den Spielchen, oder es gibt richtig Ärger.“
Die Stille schien ihn zu verhöhnen.
„Da war nichts Hermann. Wir machen uns verrückt.“
Zwecklos, es ließ sich nicht leugnen; zu deutlich war es durch die Stille gedrungen.
Kein Knacken oder Knarren und auch kein Raspeln oder Kratzen, dass von Tieren stammen konnte, die auf dem Dachboden lebten. Der Wind schied als Verdächtiger ebenfalls aus, da er zwar eine Reihe menschlicher Laute imitieren konnte, aber garantiert keine gesellige Runde. Und das Lachen…
Die Geräusche waren so betörend intensiv gewesen, so flüchtig wie die sommerliche Brise, die vorbeizog und nur gesträubtes Nackenhaar hinterließ. Eine Frequenzstörung, die kurz in das Programm eingedrungen war. (Meine Damen und Herren, bitte entschuldigen Sie die Störung, ein Frauenlachen ist eben in ein leerstehendes Haus mitten im Nirgendwo eingedrungen, aber jetzt weiter mit der Sendung.)
Außerdem kannte ich die Art von Geräuschen hier nur allzu gut und Hermann kannte sie ebenfalls. Auch wenn er darüber schwieg, so sprach der Gesichtsausdruck im Büro Bände.
Ich sah nach unten auf die Eichentür. Der Fluchtinstinkt war kaum aushaltbar.
„Hermann, ich glaube wir sollten…“ – Hermann ging weiter in den Flur, dieser stoische Hund, und ich folgte ihm widerwillig (Zusammenbleiben. Immer zusammenbleiben).

Der Geruch wurde stechender. Instinktiv hielt man die Luft an, nur um beim Einatmen einen ganzen Schwall modriger Fäulnis aufzusaugen. Jeden Schritt kommentierten die Holzdielen mit einem gequälten Krächzen. Hermann hatte die Biegung vollendet und schaute in den Gang, vor dessen Anblick es mir graute.
Ich fühlte dumpfe Betäubung. Das Gefühl einer Narkose, bevor die unzusammenhängenden Gedankenschübe vom tiefen Schlaf abgelöst werden.
Es waren vier Zimmer; zwei auf jeder Seite und alle waren geschlossen. Wobei, nein, das stimmte nicht. Die erste Tür auf der rechten Seite war nur angelehnt. Das Schlafzimmer, indem wir den jungen Rotschopf fanden, bei dem die Leichenstarre schon eingesetzt hatte.
Hermann blieb stehen. Er rief keine weiteren Drohungen, da die Antwort aus der Dunkelheit höchstens den Schubser in den Wahnsinn bedeuten konnte.
Trotzdem legte er die Hand an die Tür und schob sie langsam auf. Das gesamte Obergeschoss stöhnte, als eine Windböe vorüberzog. Zittrig leuchtete ich in die größer werdende Öffnung, dabei dachte ich an Hermanns Aussage über die fehlenden Fußabdrücke.
Auf dem Boden im Türspalt lag ein längliches Objekt.
Ich stupste ihn an: „Da unten, direkt neben dir.“
Er ging in die Hocke, suchte kurz und nahm es in die Hand. Wenige Sekunden später landete es leise klackend im Staub.
Hermann schreckte auf, als hätte er in ein Wespennest gegriffen und wirbelte herum.
Niemals zuvor, nicht mal in den schweißgebadeten Albträumen, die jetzt präsent waren, blickte ich in eine solch verzweifelte Grimasse. „Chef, das kann nicht...“ Er sprach mit hoher, veränderter Stimme. Die Lippen bewegten sich, aber die restlichen Wörter steckten fest.
„Gott im Himmel.“, stammelte er.
Und ich ging schwerfällig auf die Knie, um es auch zu sehen.
Zwischen meinen Fingern hielt ich die verrottete Injektionsspritze. Die Nadel war verbogen.
Im Hohlraum tröpfelte der letzte Rest einer trüben Flüssigkeit. Meine Kräfte erstickten endgültig im aussichtslosen Versuch rationale Gedanken zu beschwören.
Ja, ich bin überzeugt. In diesem Moment wurde eine Leitung in mir durchtrennt.
Während ich noch fassungslos kniete, hatte Hermann es gewagt, die Tür aufzustoßen und in das ehemalige Schlafzimmer vorzudringen.
Dummheit, Pflichtgefühl, Automatismen – ich denke, diese Dinge sind manchmal nicht trennscharf. Vor allem nicht hier.
Nur die Kommode stand noch im Eck, das Bettgestell war entfernt worden. Dahinter das einzige Fenster im Haus ohne Fensterläden. Das Glas war schmutzig, aber intakt und ich erkannte die Silhouette schaukelnder Äste.
Wessels toter Körper lag beinahe am selben Fleck. Hinter der Tür, bloß um 180 Grad gedreht im Gegensatz zum Jungen, dessen Spritze dort im Staub verweste, wo sie niemals hätte sein dürfen.
Ich bemerkte nicht, dass ich längst keine Taschenlampe mehr hielt. Traum und Wirklichkeit tanzten miteinander; verschmolzen zu einer blassen Rauchwolke.
Ist das der Übergang?
Hermanns fieberhafte Bewegungen über der Leiche, die alle viere von sich streckte. Er redete mit mir, mehrfach sogar, aber ich reagierte nicht. Er schrie, aber es war Keitels Schrei, der widerhallte.
Wessel trug Arbeitsklamotten, was mich belustigte. Wolltest du hier renovieren, Meister? Das ist nicht Miami Vice, hahaha…
Ruckartig zerfiel die Lähmung in tausend Einzelteile wie eine zersplitternde Eisskulptur.
Die Party war zurückkehrt. Nicht als flüsternde Brise, sondern gut verständlich im Nebenzimmer. Und sie sprachen über uns.
„Heute bleiben die beiden.“, sagte eine euphorische Männerstimme. Freudiger Beifall. Klirrende Gläser. Darauf stießen sie an.
„Endlich ist er wieder da.“, hauchte die Frau.

Ich glaube nicht, dass ich noch die Kraft hatte, wegzurennen. Keine Ahnung, ob ich überhaupt Anstalten machte, mich zu bewegen. Hermann schleifte mich einfach mit und ich packte intuitiv seine Schulter. Wir hasteten den engen Korridor entlang, zwängten uns durch den Zementschlund in Richtung Treppe. Ich könnte schwören, dass das Mauerloch nur noch halb so groß war.
In meinem Rücken steckten Dolche und ich hing auf Hermann, der mich irgendwie die Stufen nach unten schleppte. Mit einem Arm umklammerte ich ihn und mit dem anderen stützte ich mich leicht am Geländer ab. Sanft, es wartet nur darauf, dich in die Tiefe zu ziehen… Der Strick und dann kommt der Fall…
Ein Wunder, dass wir nicht stürzten und uns das Genick brachen. Die Eintrittskarte zum Fest.
Ich sah nur hektische, verzerrte Ausschnitte im dauerhaften auf und ab unserer Bewegungen. Der Saal rotierte regelrecht wie das Innere einer Waschmaschine. Ziellos flackerte Hermanns Taschenlampe umher und brannte dabei ein Bild unmittelbar durch mein Sieb.
Wessels Fußabdrücke im Staub. Der ganze Raum war voller Fußspuren.
Und da war noch etwas. Schritte. Lauter werdende Schritte, die über das Holz klackerten und bereits die Treppe erreichten. Hermann bebte vor Anstrengung und ich schluchzte in seinem Arm, bemüht, irgendwie voranzukommen. Die Gesellschaft des Hauses grölte obszöne Beleidigungen - aber nur… in meinem Kopf.
Alter Bastard. Heute verreckst du.
Dazwischen ihr hinreißendes Flüstern. Bleib… bleib bei mir…
Fast waren wir an der Eichentür, da flutete eine weitere Welle der Panik heran und schwappte den grauenvollsten Gedanken an Land: Die Tür ist abgeschlossen, auf jeden Fall. Es ist vorbei… Wir müssen uns umdrehen… Du musst hinsehen…
Aber sie war nicht abgeschlossen. Hermann riss die behäbige Tür auf und wir strauchelten in die wunderbare Kälte der Nacht.

Schnee löste den Regen ab, bedeckte die Windschutzscheibe mit feinem Pulver. Durcheinanderwirbelnde Flocken, die aus der Dunkelheit strömten. Hermanns unaufhörliches Husten. Der weiße Transporter eines verstorbenen Mannes.
Kleine Ausschnitte, die blieben.
Ich saß bei geöffneter Tür auf dem Beifahrersitz und schnappte gierig nach Luft.
Überall drückende Schmerzen, der Brustkorb gefüllt mit kratzigen Gesteinslasten.
Heftig gestikulierend bellte Hermann Anweisungen ins Handy. Ich versicherte ihm glaubhaft, so erzählte er es mir im Nachhinein, dass alles in Ordnung sei und er schloss die Wagentür. Den Schlüssel nahm er mit, aber, und das blieb Hermann ein Rätsel, er dachte nicht daran, den Wagen einfach an die Straße vorzufahren. Oder die Tür abzusperren.
Die Kripo hatte ihn gebeten, sie am Straßenrand in Empfang zu nehmen. Sie befürchteten die Einfahrt des Feldwegs im Schneetreiben zu übersehen und zaudernd gab Hermann nach, denn die Sorge war absolut berechtigt.
Zwar habe ich keinerlei Erinnerung daran, aber er redete wohl lange auf mich ein, dass ich die Wagentür unbedingt geschlossen halten solle und er gleich wieder da sei.
Dann verschwand er im dunklen Schneetreiben.
Rätselhafte Mechanismen dachte ich, aber wiederkehrende Strukturen. Der Pfad tauchte nämlich erneut in lebhafter Gestalt vor mir auf. Jeder Schritt versank tiefer in den Pfützen und spritze Matsch auf die Anzughosen. Erst im Vorgarten war der Stand wieder fest, der harte Boden schien gefroren.
Einen Zick-Zack-Pfad aus blauen Mosaikplatten gab es hier schon lange nicht mehr. (Chef, bleib im Wagen, versprich es mir.)
Süßer Duft linderte die Schmerzen und vertrieb den kalten Wind.
Sie stand oben am Fenster und sah mich an.
Ochsenauge hätte meine Großmutter dazu gesagt. Ein stilvolles Rundfester, weder rechteckig noch verbarrikadiert. Außerdem glänzend sauber, befreit von verkrusteten Dreckschichten.
Sie lächelte und mein Herz spielte den Rhythmus im falschen Takt. Ich hatte sie so vermisst. Strahlend exotische Schönheit, die irdische Augen nicht zu greifen vermochten. Wellend dunkles Haar, feine Gesichtszüge. Grenzenlos herzliche Augen.
Ich sehnte mich nach ihr und spürte die Last, die immense Last des Stricks endlich abfallen. Wogen des Glücks durchschossen Körper und Geist, füllten sie mit Energie und Tatendrang. Komplizierter Trübsinn wich unbekümmerter Heiterkeit.
„Komm hoch, bitte, komm endlich zu mir.“ – Ihre Stimme bezaubernde Musik.
Die Bewegungen geschmeidig leicht, ohne lähmende Einschränkungen. Ich war wieder siebzehn und bei ihr würde es immer so bleiben.
„Beeil dich…“
Ich nahm Anlauf und mit einem einzigen Satz schwebte ich die Steintreppe herauf.
Die Eichentür stand offen und einladende Wärme zog mich ins Foyer.
Ich hörte sie meinen Namen rufen, hörte sie alle und wollte Teil von ihnen sein - aber vor allem, wollte ich bei ihr sein.
Etwas packte mich am Arm, kalte Finger gruben sich tief in den Nacken.
Ich wurde zu Boden geschleudert und aus den wundervollsten Träumen direkt ins Verderben katapultiert.
Der Aufprall war gnadenlos hart. Immense Schmerzen tränkten die Sicht in ein explodierendes Meer aus Sternen.
„Oh…“
Nicht öffnen, lass sie geschlossen…
Aber ich musste sie öffnen, es blieb keine andere Wahl.
Und ich sah nicht die Verdammnis schweißgebadeter Nächte, sondern bloß einen kahlen Acker. Die Tür fiel ins Schloss und unerträgliche Laute dröhnten in meinen Ohren.
Bestialisches Fauchen, das zu gedämpftem Wimmern abschwoll und letztlich im Wind zerstreute.
Über mir Hermanns gütiges Gesicht.
„Komm Chef“, sagte er ruhig. „Wir verschwinden von hier.“
Er zog mich behutsam nach oben und half mir zum Polizeiwagen.
„Hermann, ich…“ Die Stimme versagte.
„Alles gut, Chef. Alles gut.“

Die Kriminalpolizei staunte wohl nicht schlecht bei dem Anblick. Zwei in die Jahre gekommene Polizisten, die einander innig umarmten und einer von beiden weinte sogar. Hemmungslos schluchzend lehnte er mit dem Kopf an der Schulter seines Partners.
Unbekannte Gesichter standen zwischen dem Polizeiauto und Wessels Transporter.
Ein Lockenkopf, der vermeintlich jüngste im Team, setzte zur Beschwerde an. Warum die Absprachen nicht eingehalten würden, der weite Weg… aber einer der Kollegen, ein glatzköpfiger Brocken mit weißem Schnauzbart, stieß ihm den Ellbogen in die Rippen.
Nach einer kurzen Untersuchung im begleitenden Rettungswagen beauftragte der Arzt Hermann, mich in die Notaufnahme zu bringen. In der Klinik wurden drei gebrochene Rippen festgestellt.
„Die Hüfte ist nur verstaucht und die Rippen werden verheilen. Was Ihren Rücken angeht, müssen wir abwarten. Glück im Unglück.“, sagte die Ärztin.
„Ja. Definitiv.“
Anschließend verrichtete das Sieb sein Werk und sortierte die Bilder rasch ins Archiv, ohne einen Schlüssel zu hinterlegen. Allerdings arbeitete es ohne die Gründlichkeit vergangener Besuche. Impressionen blieben zurück und meistens bemühte ich mich, hinzusehen, wenn sie ungefragt an die Tür klopften. Im Wissen, dass es helfen würde.
Hermann fragte mich zwei Wochen später, wie der Mann eigentlich hieß und welche Todesursache festgestellt wurde.
„Wessel. Er hatte einen Herzinfarkt. Unerkannte Vorerkrankung.“
„Stimmt ja. Ich vergesse es schon wieder.“
Aber noch auf der Heimfahrt vom Krankenhaus im verschneiten Morgengrauen sprachen wir über unseren letzten Einsatz. Und Hermann erzählte mir, dass er beim Rausstürmen „in einen Tunnel“ blickte.
„Nur für ne Sekunde. Ich muss bekloppt sein.“
Auf der anderen Seite des Tunnels war das Foyer, aber nicht jener staubverseuchte Raum, den wir in Todesangst durchquerten.
„Gemälde hingen an der Wand. Sessel und Bücherregale standen da. Chef, es war sauber und sah echt… gemütlich aus.“
Danach sprachen wir nie wieder über das Landhaus. Keiner tat es. Höchstens die Einheimischen der alten Generation. Tief in der Nacht, wenn sie ums Feuer saßen, erwähnte gelegentlich jemand den gottlosen Ort. Bei einer dieser Gelegenheiten fragte ich beiläufig, was sie darüber wussten. Einst soll eine wohlhabende Bauernfamilie, wahlweise aus Schlesien oder Siebenbürgen, das Haus errichtet haben. Ja, bestimmt hatten sie auch eine Tochter.
Was mit ihnen geschah, weiß keiner so recht - die Erinnerung fehlte.
Der schweigsame Senior neben mir murmelte, dass Dutzende Männer dort verschwanden, von denen keiner wusste.
Fraglich, ob überhaupt etwas davon stimmte. Ich unterließ weitere Nachforschungen, da die Neugier sich abrupt distanzierte. Wuchernde Dornenbüsche konnten verdammt wehtun.
Mit Brehm gebe es bisher keine Probleme, so Hermann, außer dass er ein arroganter Schleimbolzen sei. Vor lauter Gelächter schmerzten die Rippen.
Jede Woche trafen wir uns auf ein kühles Bier und quatschen über Fußball oder nervten unsere Frauen mit den alten Geschichten.
Salems Polizeiwache bleibt in besten Händen – schließlich ist Hermann an Bord.
Mir graute es jedoch vor der Gewissheit, dass er ebenfalls dem Ruhestand entgegenblickte.
Und irgendwann, in vielen Jahren, das Telefon im Revier klingeln würde. Zweifelsohne im unpassendsten Moment. Einer der Partygäste trägt dann vermutlich noch seine Arbeitsklamotten.
Musste was Dringendes erledigen. Zwischen Salem und Thalheim, meinte er.
Ich warnte Brehm nicht davor, was hätte ich sagen sollen? Die Kripo fand die Spuren zweier Polizisten und eines Familienvaters aus Segenbach. Sonst nichts. Natürlich bestätigten auch die Techniker, dass Wessel „auf keinen Fall“ den vermeintlichen Anruf erhalten habe.
Einfach ein sorgengeplagter Mann, wahrscheinlich depressiv, der sein Glück in einem verlassenen Haus suchte, weit von der Heimat entfernt. Fall geschlossen.
Auf der Wache hingegen wurde viel getuschelt. Julia war entsetzt, als sie vom Leichenfund erfuhr und vielleicht, dachte ich, ist das die beste Art, um es weiterzugeben.
Sie ahnt, dass dort etwas im Verborgenen lauert und mehr kann weder Hermann noch ich dem Nachwuchs darüber mitgeben.

Die Rente tat überraschend gut. Verrückt, der Abend im Landhaus half mir vieles zu akzeptieren. Im Rücken zwickte es manchmal, aber die Rippen verheilten und ich fühlte mich fit wie lange nicht mehr. Mit Christine unternahm ich gerne ausgiebige Spaziergänge durch die endlosen Felder Rheinhessens. Eines Tages haben Sie womöglich auch das Vergnügen. Schöne Gegend, wirklich. Genießen Sie den köstlichen Wein, bewundern Sie die Hügellandschaft und die fließenden Bäche.
Wenn Sie allerdings auf einer engen Landstraße der merkwürdige Drang überkommt, auf einen Feldweg abzubiegen, drücken Sie aufs Gaspedal. Egal, wie kurvig die Strecke wohl sein mag. Besonders nach Einbruch der Dunkelheit. Ich weiß, wovon ich rede.
Hin und wieder präsentierte das Sieb verlassene Transporter, Spuren im Staub oder gezackte Pfade voll stachliger Dornen.
Bei einer regnerischen Autofahrt etliche Nächte nach dem letzten Einsatz, zeigte es mir plötzlich die Gestalt am Fenster. Und auf einmal passierte ich das Schild (Thalheim 3 km).
Wäre jemand hinter mir gefahren; er hätte sich gewundert, warum ich mitten auf der Landstraße langsamer wurde und den Blinker setzte. So spät in einer finsteren, verregneten Nacht.

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