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Oksanas Geheimnis vom Getreidefeld

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05.03.26 11:53
12 Ab 12 Jahren
Fertiggestellt

In einem Dorf namens Krasota lebt eine ärmere Familie. Sie hat zwei Kinder, Oksana ist zwölf Jahre alt, und ihr Bruder Pavel ist ein zehnjähriger Lausbub. Es ist sieben Uhr morgens und Oksanas Wecker klingelt. „Kinder, beeilt euch, wir dürfen nicht verspätet in der Kirche sein. Pastor Max Hirte ist heute in der Kirchgemeinde zu Gast“, ruft Mutter Olena aus der Küche. Der kleine Pavel fängt an zu jammern: „Aber Mama, ich fühle mich nicht wohl, müssen wir wirklich jeden Sonntag in den Gottesdienst gehen? Ich habe Kopfschmerzen und Schüttelfrost.“Vater Timur ist verunsichert, als Pavel laut stöhnt und nicht aufstehen will. Er entschliesst sich, den Arzt zu alarmieren. Unterdessen sitzen die Mutter und ihre Tochter in der Kirche und hören sich die Gastpredigt an.

Doktor Lindenbaum untersucht den kleinen Pavel. Er schaut ihn an und fragt: „Pavel, simulierst du etwa?“ Und zum Vater sagt er: „Dein Junge ist kerngesund, ihm fehlt nichts. Ich lasse aber sicherheitshalber ein Schmerzmittel hier.“ Als der Arzt das Haus verlassen hat, schaut der Vater seinen Sohn streng an. „Junge, was fällt dir ein? Weshalb möchtest du nie in die Kirche gehen?“ ​​​​​​ Pavel antwortet verzweifelt, dass ihn Jimmy Brown aus seiner Klasse auslacht, weil er jeden Sonntag zur Kirche gehen muss. Vater Timur verspricht seinem Sohn, mit Lehrer Hesse zu sprechen und den nervigen Jungen zu melden. Pavel bekommt aber doch noch eine Strafe, weil er krank gespielt hat, und es seinetwegen eine teure Arztrechnung geben wird. Als seine Schwester mit der Mutter nach Hause kommen, erzählt der Vater, was geschehen ist. Oksana fängt an laut zu lachen: „Brüderlein, was hast du angestellt?“ Papa unterbricht: „Mein Mädchen, so etwas ist nicht zum Lachen.“ Pavel wird auf sein Zimmer geschickt, zur Strafe darf er am nächsten Tag nicht mit Oskar angeln gehen. Seine Eltern werden mit ihrem Sohn über Gott und den Gottesdienst sprechen.

Am Montagmorgen schläft Oksana im Schulunterricht ein. Die Banknachbarin ruft: „Frau Stumpf, schauen sie mal zu Oksana rüber, die ist schon wieder eingeschlafen.“ Verärgert steht die Lehrerin auf, weckt ihre faule Schülerin und zerrt sie am Handgelenk vor die Zimmertüre. Die Kinder fangen an zu grinsen, und im Raum wird es immer lauter. „Ruhe, so etwas ist nicht witzig. Wer wieder anfängt zu grinsen wird bestraft“, ruft Frau Stumpf wütend. Als endlich Ruhe eingekehrt ist, klingelt die Schulglocke, es ist Schulschluss. Doch wo ist Oksana? Die Lehrerin runzelt die Stirn, sie hat das Mädchen vergessen ins Schulzimmer zurückzurufen. Sie ist ausser sich vor Sorge und hofft, dass Oksana nach Hause gegangen ist, denn im Schulhaus fehlt jede Spur von ihr.

Zu Hause erwarten die Eltern ihre Tochter. Es dämmert bereits, und sie werden immer ungeduldiger. Ein Telefonanruf in die Schule ist erfolglos. Verzweifelt geht Timur mit seinem Fahrrad die Tochter suchen. Erfolglos. Schliesslich ruft die Mutter die Polizei an und meldet Oksana als vermisst.

Am Tag darauf hat die Polizei Oksana immer noch nicht gefunden. Pavel weint um seine Schwester. Die Mutter tröstet ihren Sohn, wird aber unterbrochen durch das Klingeln an der Haustüre. Es ist die Lehrerin, Jolanda Stumpf. Sie hat Tränen in den Augen, weil sie Schuldgefühle hat. Sie erzählt, dass sie etwas zu streng mit Oksana gewesen sei. Das Mädchen schlafe im Unterricht oft ein. Den Mitschülern erzähle sie von einem magischen Getreidefeld und werde deshalb ausgelacht. „Ich mache mir Sorgen um Oksana, sie lebt in einer Fantasiewelt.“

Kaum hat die Lehrerin das Haus verlassen, klingelt es wieder an der Tür, es ist Officer Billy Krumm. Er teilt mit, dass er Oksana gefunden und ins Krankenhaus gebracht habe. Er muss leider auch berichten, dass sie bewusstlos sei, er habe sie im Fischbach gefunden. Einerseits sind die Eltern und Pavel erleichtert, dass Oksana gefunden wurde, andererseits machen sie sich Sorgen um ihren Zustand. Unverzüglich brechen die Eltern auf und machen sich auf den Weg ins Krankenhaus.

Eine Krankenschwester führt sie in Oksanas Zimmer. Oksana öffnet ihre Augen und schaut suchend umher. Als sie die Mutter erblickt, murmelt sie: „Oh Mama du bist hier? Wo bin ich?“ Die Eltern erklären was geschehen ist. Oksana geht es schon bald besser.

Etwas später kommt die Ärztin herbei. Sie berichtet: „Oksana hat Glück, dass sie den Sturz in den Fischbach überlebt hat. Wahrscheinlich ist sie mit dem Fahrrad von der Strasse abgekommen. Die Kleine hat Halluzinationen, sie fabulierte von einem Getreidefeld in Zimmerwiese. Aber im Nachbardorf gibt es meines Wissens kein Getreidefeld.“ Mutter Olena ist geschockt und hat Tränen in den Augen. Die Ärztin rät, Oksana bei einem Psychiater anzumelden, ausserdem müsse sie für ein paar Wochen in der Schule pausieren. Oksana fängt an zu lächeln, als sie das hört. Sie jubelt: „Juchhu, ich muss nicht mehr zur Schule gehen!“ „Darüber sprechen wir noch, sobald du wieder zu Hause bist“, sagt die Mutter.

 

Eine Woche später, als die ganze Familie am Tisch sitzt, fragt Oksana scheu: „Mama, darf ich jetzt immer zu Hause bleiben, und muss ich nie mehr zur Schule gehen?“ Olena runzelt die Stirn und schweigt für einen Moment. Der kleine Pavel mischt sich ein: „Papa, wenn meine Schwester zu Hause bleiben darf, möchte ich aber auch nicht zur Schule gehen.“ Der Vater erklärt seinem Sohn, dass Oksana zu Hause bleibt, weil die Ärztin ihr ein Zeugnis ausgestellt hat.

Pavel ist enttäuscht, er wird nervös und stopft seine Hausaufgaben ungeordnet in den Schulranzen, dann steigt er auf sein Fahrrad, auf geht's zur Schule. Unterwegs hält ihn sein Mitschüler Jimmy auf und stösst ihn um. Pavel fällt zu Boden, direkt in eine Pfütze. Er schreit auf: „Heh, spinnst du?“ Er versucht das Blut von Armen und Händen abzuwischen. Jimmy interessiert das nicht, er lässt seinen Mitschüler am Boden sitzen. „Haha, Loser, da hast du deine Schularbeit“, grinst Jimmy. Er zerreisst Pavels Schulmaterial und macht sich davon. Pavel steigt aus dem Dreck heraus, sammelt die Papierfetzen zusammen und stösst das Fahrrad mit Tränen in den Augen zur Schule.

Als er dort ankommt, hat der Unterricht bereits angefangen, er schleicht sich ins Schulzimmer und setzt sich mit blutenden Armen an seinen Platz. Der Lehrer, Klaus Hesse, bemerkt, dass etwas nicht stimmt. Er ruft den Kleinen nach vorne und führt ihn ins Sitzungszimmer. Pavel ist traurig und muss das Weinen unterdrücken. Der Lehrer tröstet seinen Schüler. „Ach Junge, was ist passiert? Weshalb bist du traurig?“ Pavel erzählt, dass ihn Jimmy nie in Ruhe lasse, er lache ihn aus, und habe seine Aufgaben zu Papierfetzen zerrissen. Der Lehrer verspricht mit Jimmys Vater zu sprechen, denn sein Sohn habe schon zum zehnten Mal Mist gebaut. Und wenn er nicht aufhöre, fliege er von der Schule. Er reicht Pavel ein Taschentuch und sagt: „Ich werde dir helfen, ich bringe dich nach dem Unterricht nach Hause.“ Pavel schaut seinen Lehrer dankbar an und kehrt glücklich ins Schulzimmer zurück. Als der Matheunterricht zu Ende ist, und die Schulglocke klingelt, wartet draussen im Flur der Schuldirektor. Er wird mit Jimmy Brown und dessen Vater sprechen. Lehrer Hesse hat das organisiert, um dem kleinen Pavel zu helfen.

Als Pavels Eltern sehen, dass ihr Sohn vom Lehrer nach Hause gebracht wird, fragt der Vater besorgt: „Pavel, mein Junge, was ist passiert? Deine Arme sind ja blutverschmiert.“ Der Junge läuft einfach an seinem Vater vorbei und geht in sein Zimmer. Der Lehrer erzählt, weshalb der Junge so verstört ist. Er spricht über den unangenehmen Schüler Jimmy Brown und verspricht etwas zu unternehmen.

Oksanas Lehrerin, Frau Stumpf, hat angerufen. Sie macht sich Gedanken wegen Oksanas Absenzen und Fantastereien. Sie empfiehlt deshalb, das Mädchen in eine Privatschule zu überweisen, damit sie besser beobachtet werden kann. Mutter Olena ist nicht begeistert, weil diese Schulen sehr teuer sind. Ihr wird erklärt, dass sie eine finanzielle Unterstützung bekomme. Olena ist nachdenklich und weiss noch nicht, wie sie ihrer Tochter beibringen soll, dass sie nicht mehr in die Dorfschule gehen darf. Der kleine Pavel hat Mama am Telefon belauscht und fragt: „Aber von wem bekommen wir das viele Geld?“ Ach...Pavel, das ist eine Angelegenheit von uns Erwachsenen. Da bist du noch viel zu jung, um mitreden zu können. - Aber wo ist eigentlich Oksana?“

Die Eltern und Pavel schauen einander fragend an. Ja, wo ist sie? „Pavel, komm mit mir Oksana suchen, sie ist schon wieder davongelaufen“, sagt der Vater. Nach vierzig Minuten langer Suche finden Timur und Pavel die Kleine in einer Wiese sitzend. Diese befindet sich in der Nähe eines Bauernhofs. Oksana hat Tränen in den Augen und springt dem Vater in die Arme. Zu dritt kehren sie nach Hause zurück. „Oh mein Mädchen, was machst du für Sachen? Wir haben uns Sorgen gemacht“, sagt die Mutter erleichtert.

Oksana schaut weinend zu ihrer Mutter auf und fragt: „Mama, muss ich wirklich wieder zur Schule gehen? Der Junge aus Pavels Klasse, Jimmy, bedroht mich oft beim Spielen auf dem Pausenhof.“ Oksana, ich habe eine Überraschung. Du darfst die Schule wechseln und nach Zimmerwiese gehen, die Schule dort heisst Dolchbach. Aber zuerst möchte der Psychologe Leo Kohler mit dir sprechen.“ Oksana bricht nicht in Begeisterung aus, denn eigentlich geht sie gerne mit ihren Kameradinnen in die Dorfschule. Ihre Mutter tröstet sie und erzählt, dass es eine kleine Klasse sein wird, mit nur fünf Kindern, also nicht mit neunzehn wie bisher. Die Kleine fängt endlich an zu lächeln. Mama, weshalb müssen wir mit einem Psychologen sprechen?“

Olena erwidert: „Die Dolchbachlehrer möchte mehr von dir erfahren, bevor du eingegliedert wirst. Aber jetzt musst du aber schlafen gehen, wir müssen morgen früh aufstehen.“

 

Am Tag danach, als Oksana am Frühstückstisch sitzt, verrät ihre Mutter, dass am Abend noch drei Jungen zu ihnen nach Hause kommen werden wegen Pavels elftem Geburtstag. Oksana fragt ganz verlegen, ob Oskar auch eingeladen sei. Oksana, was ist mit dir los? Du bekommst ja ganz rote Wangen. Ja, meine Kleine, Oskar kommt auch zu uns.“ Oksana wird noch röter im Gesicht und fängt an von diesem Jungen zu schwärmen. Sie erzählt von Oskars wunderschönen blauen Augen und dem lockigen blonden Haar. Sie schaut verträumt in den Himmel und vergisst, dass heute ihr erster Besuch beim Schulpsychologen ist. Mutter Olena weckt sie aus ihren Träumen. Oksana, beeile dich, wir dürfen nicht zu spät in Zimmerwiese ankommen.“

Die beiden setzen sich auf das Tandem und flitzen zur Schule. Trotzdem kommen sie etwas verspätet an. Sie suchen das Zimmer des Psychologen. „Mama, hier ist das Zimmer, wir sind vorbeigegangen.“ Die Kleine klopft an die Türe, eine gestresste Stimme ruft: „Ja, wer ist da? Kommt herein!“ Herr Kunz sitzt an einem grossen Tisch, sein graues Haar ist fettig, und er trägt eine Brille wie ein Professor. Olena entschuldigt sich für die Verspätung. Zu Oksana sagt der Psychologe verärgert: „Du bist also die Neue und kommst schon verspätet zur Sitzung!“ Und so geht es weiter mit Vorwürfen und Gehässigkeit. Oksana fängt an zu weinen, weil er so unangenehm und unhöflich ist. Mutter Olena mischt sich ein: „So, das reicht, wir beenden die Sitzung. Wir suchen einen anderen Psychologen.“ Die beiden verlassen den Raum mit einem knappen „Adieu“. Oksana fängt an über ihn zu lachen: „Haha, zum Glück, müssen wir nicht mehr zu diesem Kartoffelgesicht gehen, und igitt, dieses Haar! Der bekommt ja noch Kakerlaken, wenn er sich nie sauber wäscht.“ Die Mutter wechselt das Gesprächsthema und bringt Oksana bei, dass man sich nicht über andere Leute lustig machen darf.

Die beiden kommen um 16 Uhr zu Hause an. Oksana hört Oskars Stimme und wird ganz verlegen. „Mama, Mama, er ist schon hier, ich kann seine Stimme deutlich hören.“ Oksana, reiss dich zusammen!“ Das Mädchen setzt sich scheu auf die Bank vor dem Wohnhaus, und schon sitzt Oskar neben ihr, er sagt: „Hi, schön dich zu sehen, aber wollen wir uns nicht zu Pavel an den Geburtstagstisch setzen? Er wartet schon lange auf dich.“ Über dem Esstisch hängen bunte Girlanden, und auf der Geburtstagstorte brennen elf Kerzen. Pavel sagt freudig: „Oksana, na endlich bist du hier, wie du siehst hat Mama bereits das Essen aufgetischt.“ Als alle Kinder sitzen, schmatzen Pavel und Oskar so laut, dass Oksana anfängt zu lachen. „Jungs, hört auf zu schmatzen, das ist ein Esstisch und kein Schweinetrog“, mahnt die Mutter. Vater Timur reicht Pavel ein grosses Geburtstagsgeschenk. Die Kinder schauen neugierig auf die Überraschung. Als Pavel das Geschenkpapier abreisst, öffnet er seinen Mund und staunt. Es ist ein neuer Schulranzen mit einem Raumschiffsmotiv. Das Geburtstagskind hat sich das schon seit längerer Zeit gewünscht. Es springt seinem Vater in die Arme und bedankt sich. Pavel bekommt viele Geschenke und ist sehr glücklich. Oskar sagt: „Oksana, ich weiss, du bist nicht das Geburtstagskind, aber ich habe für dich auch eine kleine Überraschung.“

Er reicht ihr eine pinke Haarschleife und erzählt, dass ihr Bruder verraten hat, welches ihre Lieblingsfarbe sei. Oksana läuft rot an und fängt verlegen an zu lächeln. Sie schaut Oskar tief in die Augen und möchte versuchen, ihm unter dem Tisch die Hand zu reichen. Oskar räuspert sich und nimmt Oksana an der Hand. Zusammen verlassen sie den Geburtstagstisch und setzen sich draussen auf die Bank. „Oksana, kannst du dich etwas zusammenreissen und aufhören mich anzuhimmeln?“, sagt er. Sie reagiert enttäuscht, weil sie dachte von ihm beachtet zu werden. Oskar erzählt, dass er eine Freundin habe. Pavel belauscht die beiden und ruft: „Oskar, wann kommst du wieder ins Haus? Du hast immer noch dein Dessert auf dem Teller.“ Oskar gibt auf Pavels Frage keine Antwort und eilt nach Hause. Pavel verlässt enttäuscht den Geburtstagstisch und geht auf sein Zimmer. Die Mutter mischt sich in die Angelegenheit ein. „Oksana, wo steckst du? Komm sofort hierher.“ Das Mädchen ist betrübt und erwidert: „Hier bin ich, was ist los? Ist es wegen Oskar?“ Olena sagt ihr, dass sie enttäuscht sei, wegen ihrem aufdringlichen Verhalten. Zwischen Mutter und Tochter gibt es eine heftige Diskussion. Dann erinnert die Mutter ihre Tochter daran, dass sie morgen fit sein müsse für ihren ersten Schultag in der Dolchbachschule. Es sei nun Zeit schlafen zu gehen.

 

Um fünf Uhr wird Oksana geweckt. Beim Frühstück gähnt sie und fragt: „Mama, darf ich Pavels alten Kuhfellthek haben? Er hat doch jetzt einen neuen Schulranzen.“ Olena schaut sie nachdenklich an. „Hm, ich weiss nicht recht, dies ist ein Schulranzen für Jungen. Werden dich die Mädchen nicht auslachen? Und was wird wohl deine Lehrerin dazu sagen?“ Oksana schaut enttäuscht ihre Mutter an. Diese hat Erbarmen, sie verspricht, dass sie den Schulranzen tragen dürfe. Zuerst müsse sie sich aber an die neue Schule gewöhnen.

Als die beiden im Schulhaus ankommen, werden sie von der Lehrerin Luna Mercedes empfangen. Sie begrüsst die beiden und stellt sich ihnen vor. Als Oksana das Schulzimmer betritt, staunt sie. Ein derart grosses Schulzimmer und nur fünf Schüler! Die Lehrerin erklärt: „Wir haben eine neue Schülerin. Sie heisst Oksana und kommt aus Krasota.“

Oksana setzt sich an den freien Platz neben Polina. Die beiden Mädchen kichern, da die vier Knaben viel jünger sind. Als die Pausenglocke klingelt, verbringen die Mädchen die Zeit miteinander. Auf einmal fängt Polina an, von einem magischen Getreidefeld zu erzählen. Oksana erschrickt. „Krass, du weisst etwas darüber? Du darfst keinesfalls etwas der Lehrerin erzählen. Ich musste deshalb zu euch in die Dolchbachschule wechseln.“

Ach mach dir keine Sorgen, unsere Lehrerin weiss schon davon. Es ist nur schade, dass sie nicht daran glaubt“, erwidert Polina. Als der Unterricht weitergeht, ist Mathe angesagt. Doch niemand hat Lust zu rechnen. Als die Lehrerin die Wandtafel putzt, schleichen sich die beiden Mädchen davon. Frau Mercedes fragt sich, ob die beiden auf die Toilette gegangen sind. Doch als sie nach Schulschluss noch nicht zurückgekehrt sind, macht sie sich grosse Sorgen.

Auf einmal klopft es an die Tür des Schulzimmers, es ist Oksanas Mutter. Sie möchte ihr Mädchen abholen. „Wo ist meine Tochter? Wir müssen noch zu Herrn Berger gehen, Oksanas Psychiater.“ Doch schon hören die beiden Frauen Oksana und Polina laut lachen. Die Mädchen tragen einen grossen Korb, darin es leckere, frisch gebackene Brote hat. Frau Mercedes ruft: „Hey ihr beiden, kommt sofort hierher. Woher habt ihr dieses Gebäck?“ Wir haben alles im magischen Getreidefeld gefunden.“ Die Lehrerin schaut die Mädchen ungläubig an. Oksana möchte ihre Mutter und Frau Mercedes davon überzeugen, dass Polina die Wahrheit sagt. Die Mutter bezweifelt, dass ihre Tochter fantasiert.

 

Auf dem Heimweg plappert Oksana ununterbrochen über dieses Erlebnis. Schliesslich verspricht Olena ihrer Tochter, zu diesem Weizenfeld zu kommen. Sie möchte sich selber davon überzeugen, was damit los ist. Oksana fängt an zu lächeln und freut sich, dass ihre Mutter sie ernst nimmt. Unterdessen sind sie beim Psychiater angekommen. Das Mädchen erzählt ihm ihr Erlebnis vom Getreidefeld. Im Zimmer wird es für einen Moment still. Dann bestätigt der Psychiater, dass es in Zimmerwiese tatsächlich ein Weizenfeld gibt, aber... Oksana unterbricht ihn: „Ja, siehst du Mama, ich habe doch die Wahrheit gesagt.“ Allerdings wird die Kleine nun belehrt, dass in diesem Weizenfeld keine Brote wachsen, sie werde von jemandem an der Nase herumgeführt. Mutter Olena verspricht ihrer Tochter, dass sie helfe herauszufinden, wer dahinter steckt.

Am Tag darauf, bevor Oksana zur Schule begleitet wird, stibitzt sie Pavels Kuhfellschulranzen. Unterwegs machen sie einen Halt bei diesem Weizenfeld. Also Oksana, wir betreten jetzt ganz vorsichtig dieses Feld, ich gehe voraus, und du kommst dicht hinter mir her“, sagt die Mutter. Hinter ihnen ist ein Geräusch zu hören. Ein Junge mit einem leeren Brotkorb rennt an ihnen vorbei, es ist Oskar. Olena beobachtet in der Ferne noch einen anderen Jungen, der Brote ins Weizenfeld legt. Heh Junge, komm sofort hierher!“, ruft sie. Oksana rennt dem Täter nach und stellt ihm das Bein. „Autsch, spinnst du!“ Der Junge bleibt stöhnend auf dem Boden liegen, sein Gesicht ist unter einer Skimütze versteckt. Olena sieht seine Augen und erkennt den Brotmagier. Entsetzt und traurig zieht sie dem Kleinen die Mütze aus und sagt: „Pavel, was hast du angestellt? Weshalb verteilst du dieses Gebäck im Getreidefeld?“ Der Junge hat Tränen in den Augen und bleibt bis am Abend wortkarg.

 

Die Mutter erzählt ihrem Mann, was geschehen ist. Pavel hat ein schlechtes Gewissen und rührt sein Abendessen nicht an. Oksana schaut ihn traurig an, sie seufzt: „Pavel, das war aber ein dummer Jungenstreich.“ Vater Timur will die Sache klären. „Komm mein Junge, wir bereinigen die ganze Sache von Vater zu Sohn.“ Die beiden bleiben fast eine ganze Stunde im Schlafzimmer. Endlich öffnet sich die Tür, und sie kommen zurück an den Esstisch. Pavel sagt: „Oskar ist der Brotmagier, und ich habe ihm heute Nachmittag ausgeholfen, weil er zu einem Date mit seiner Freundin gehen musste. Es tut mir so leid, ich habe das getan, weil Oskar mir Geld versprochen hat.“ Die Mutter ist enttäuscht, dass sich ihr Sohn auf einen solchen Deal eingelassen hat.

Noch am selben Abend klingelt Officer Krumm an der Haustür. Er möchte mit Oksana sprechen. Er entschuldigt sich bei ihr, dass er nicht an die Brote im Getreidefeld geglaubt hat. Oksana nimmt die Entschuldigung an, lässt aber immer noch den Kopf hängen, weil ausgerechnet Oskar, für den sie geschwärmt hat, der Übeltäter ist. Die Mutter sieht das traurige Gesicht ihrer Tochter und schenkt ihr Trost. Der Officer berichtet ausserdem, dass Bäcker Mehlmann Oskar beim Brotstehlen erwischt hat. Der Junge dürfte dafür eine saftige Strafe bekommen. Mutter Olena verpasst ihrem Sohn, der leider ein Mitläufer war und mit Gebäck gespielt hat, auch einen Denkzettel: Er bekommt eine Woche Hausarrest. Officer Krumm verspricht Oksana, dass er mit den Lehrern sprechen wird, damit sie wieder in die Dorfschule gehen darf. Vom verhaltensauffälligen Schüler Jimmy berichtet er, dass dieser in die Dolchbachschule versetzt wurde.

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Autor

MiriamChloes Profilbild MiriamChloe

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Kapitel: 9
Sätze: 287
Wörter: 3.440
Zeichen: 20.172

Kurzbeschreibung

Oksana hat eine ungewöhnliche Beobachtung gemacht. Doch wem sie auch davon erzählt, niemand glaubt ihr. Sie wird zu Psychologen und Psychiatern geschickt. Erfolglos. Falls es dich interessiert, welche Beobachtung Oksana gemacht hat, dann solltest du diese Geschichte lesen. Eine Geschichte für Kinder, Jugendliche aber auch Erwachsene.

Kategorisierung

Diese Story wird neben Abenteuer auch in den Genres Fantasy und Familie gelistet.