Storys > Geschichten > Science Fiction > Lost in Time

Lost in Time

16.06.26 09:56
18 Ab 18 Jahren
Workaholic

So, Hallo Storyhub,
Hier ist also das angekündigte neue Projekt das für mich so super untypisch ist und tatsächlich hab ich dieses Mal gar nicht so viel im Vorfeld dazu zu sagen. Ich hoffe eben einfach nur irgendwer mag´s am Ende auch. Und ja, erst so im zweiten Kapitel am Ende passiert auch irgendetwas Relevantes. Davor stellt es ein wenig die 3 Hauptpersonen in der Geschichte vor. Ich behalte mir außerdem vor die Altersbeschränkung noch etwas nach oben oder unten zu korrigieren, wenn ich mir selbst sicherer bin was hier alles drinnen vor kommen wird und was nicht. Ansonsten gibt´s auch wirklich nicht so viel zu schreiben und zu sagen. Damit wünsche ich in jedem Fall nochmal viel Spaß beim Lesen und hoffe dass auch ihr alle gespannt seit was denn so heftig und so absurd beim Besuch eines Metal Festivals alles schief gehen kann. XD

Ob Julian sich das tatsächlich angetan hätte, wenn er gewusst hätte wie viel harte Vorbereitungsarbeit auf ihn zukommen würde? Naja, höchstwahrscheinlich schon. Schon seit frühester Jugend hatte er davon geträumt ein Metal-Festival zu besuchen, aber damals kämpfte seine Familie mit starken finanziellen Problemen, die sein Vater verursacht hatte, und ein solcher Festival-Besuch wäre niemals möglich gewesen. Und auch jetzt bedeutete ein solcher Festival-Besuch eine nicht unerhebliche finanzielle Belastung für Julian, der diese nur stemmen konnte, weil er sein gesamtes Leben lang sehr enthaltsam gelebt hatte. Nur so war es möglich dass er sowohl die Karte für das Festival als auch die Miete für den kleinen Transporter bezahlen konnte, mit dem er dorthin fahren wollte. Deshalb und weil er das unwahrscheinliche Glück hatte dass seine beiden besten Freundinnen, Sandra und Kim sich ein wenig daran beteiligten, da sie selbst in die Gegend fahren wollten um dort einige Verwandte zu besuchen. Julian hatte jedoch nicht damit gerechnet dass die vorläufige Einrichtung des Transporters so viel Kraft und Energie kosten würde. Eine große Matratze musste hinein getragen werden, dazu eine kleine Autobatterie und noch viele weitere Gegenstände, die man auf einer solchen Reise besser bei sich hatte, darunter auch sein Fahrrad, einige Gefäße mit Wasser, Getränke und Essen. Letztere zumindest dann wenn man nicht vor hatte die überteuerten Festival-Preise auf dem Gelände zu bezahlen. Es hatte sehr lange gedauert, aber einen Tag nachdem das Fahrzeug von der Auto-Vermietung abgeholt worden war, war es nun endlich soweit und Julian würde sein erstes Metal-Festival besuchen gehen. Zu aller erst würde er allerdings noch den Super Mark aufsuchen und dort seine Essens- und Getränkereserven für die Reise auffüllen. Und nicht zuletzt wollte er nicht ohne wenigstens ein paar Dosen Bier dort erscheinen. Er trank zwar selbst seit länger als einem Jahrzehnt keinen Alkohol mehr, aber er wusste dass es die anderen Festival-Besucher taten und wollte nicht ohne die Option jemand anderem ein Bier anzubieten dort erscheinen. Man wusste ja nie was sich an Kontaktmöglichkeiten mit anderen Menschen dort ergeben könnte. Mit unerwartet sicherer Hand steuerte Julian den Transporter durch die engen Straßen des Dorfes in dem er lebte und selbst auf dem Supermarkt-Parkplatz kam er unerwartet gut mit dem vergleichsweise recht großen und vor allem breiten Vehikel zurecht. Anscheinend half es ihm, dass er mit seinen Eltern schon als kleines Kind in einem großen Camper mitgefahren war und er dort seinem Vater zusehen konnte, wie dieser ein solch übergroßes Vehikel steuerte. Zumindest dachte Julian sich das als er ausstieg und sich in den Supermarkt begab um seine Einkäufe zu tätigen. Das Gefühl das er dabei hatte war mehr als eigenartig. Er konnte nicht genau sagen ob er sich auf die Reise und das Festival freute oder ob er wahnsinnige Angst davor hatte. Er war eigentlich eher ein Nerd, der viele Video Spiele spielte und das Haus so wenig verließ wie er konnte. Er hatte auch bis auf die beiden Damen, die er mit in die Gegend nehmen wollte niemanden und selbst die sah er tatsächlich recht selten, nicht zuletzt deshalb weil beide eigentlich in festen Händen waren und sich daher mehr mit ihren festen Freunden abgaben als mit ihm. Aber das war in Ordnung für Julian, er hatte seine Video Spiele und brauchte keine anderen Menschen… zumindest wenn man von denen auf dem Metal-Festival absah. Mittlerweile hatte Julian alle seine gewünschten Einkäufe zusammen und ging ziemlich schwer beladen zur Kasse. Vielleicht hätte er sich doch lieber vorne einen Einkaufswagen zu Hilfe nehmen sollen, aber er hielt es ursprünglich nicht für notwendig. Immerhin war er ein Brocken von fast zwei Metern Größe und besuchte seit fast zwei Jahren regelmäßig ein Fitness-Studio. Er sollte wohl mit ein paar schweren Einkäufen zurecht kommen, dachte er sich während er alle Einkäufe auf das Kassen-Förder-Band legte und sich in die recht kurze Warteschlange einreihte.
„Hi“, sprach ihn die Kassiererin in einer unglaublich freundlichen Art und Weise an, als er an der Reihe war. Versuchte die Dame etwa gerade mit ihm zu flirten? So freundlich hatte sie doch die Leute vor ihm auch nicht angesprochen... Julian konnte fühlen wie er innerlich anspannte und bereits jetzt Schwierigkeiten mit seiner Wortwahl bekam. Eine Sache mit der Julian einfach nicht umgehen konnte waren leider nun einmal Frauen. Bis auf Sandra und Kim, die er schon so lange kannte, dass sie 3 sich wahrscheinlich am ehesten wie Geschwister anfühlten, konnte er überhaupt nicht mit Frauen umgehen oder reden und von flirten ganz zu schweigen. Er wusste einfach nicht wie.
„Hallo“, antwortete er daher ziemlich nüchtern, denn höchst wahrscheinlich hatte er sich ohnehin mit dem anflirten geirrt. Welche Frau hätte schon Interesse an einem hässlichen Nerd wie ihm?
„Das ist aber ein interessanter Großeinkauf… Geht es auf eine Reise?“, sprach die Dame an der Kasse weiter, während sie mit großer Routine die Waren einscannte.
„Ein Festival… Mein Erstes…“, antwortete Julian und fühlte wie er immer unsicherer wurde.
„Ui… Das klingt aber wirklich spannend… Das macht dann 137,67€“, kommentierte die Frau an der Kasse und sah ihn in Erwartung der Bezahlung an.
„Ja, wollte ich schon immer mal machen und jetzt habe ich die Chance dazu“, antwortete Julian, während er der Frau 140€ in die Hand gab.
„So und 2,33€ zurück… Einen schönen Tag noch und viel Spaß auf dem Festival wünsche ich“, sagte die Dame noch und reichte Julian die besagten 2,33€.
„Danke, werde ich hoffentlich haben… Ihnen auch noch einen schönen Tag…“, antwortete Julian während er die 2,33€ annahm und die letzten Einkäufe irgendwie auf seine Arme packte. Dann verließ er nach seinem eigenen Gefühl fluchtartig den Super Markt und begab sich so schnell er konnte zu seinem Vehikel. Situationen wie diese verängstigten ihn sehr. Nicht nur dass er sich unsicher war weshalb die Dame ihn in ein kurzes Gespräch verwickelt hatte, er hatte auch massive Angst wegen dem was er war abgelehnt zu werden. Ein Problem, dass er schon hatte seitdem er ein kleines Kind war. Leute und besonders andere Kinder lehnten ihn aus Gründen sie er nicht verstehen konnte einfach ab und zurück blieb nun im Erwachsenenalter diese massive Angst davor. Hatte er sich richtig verhalten in dieser Situation oder hätte er sich anders verhalten müssen? Nun ja, es hatte nun nicht den geringsten Sinn weiter darüber nachzudenken und so verstaute Julian seine Einkäufe so schnell es ihm möglich war und machte sich dann wieder auf den Weg, zunächst zu Sandra, dann zu Kim um die beiden abzuholen. Das lag gottseidank auf dem Weg zu seinem Festival, so dass der Umweg recht gering ausfallen würde. Da ihn seine Gedanken wegen der Situation im Super Markt jedoch nicht in Ruhe lassen wollten, entschied Julian sich schnell für ein wenig passende Stimmung zu sorgen und schaffte es irgendwie sein Smartphone mit der Anlage des Mietfahrzeugs zu verbinden um dann ein wenig Metal laufen zu lassen. Nach einer längeren Nachdenkphase entschied er sich für die Band Extermination Dismemberment. Ziemlich harter Stoff und nur für solche Leute wie ihn tatsächlich überhaupt geeignet. Das würde er sich auch nur so lange anhören, wie er alleine Unterwegs wäre. Spätestens wenn er Sandra mit ihm Fahrzeug hatte würde er etwas leichter zu verdauendes anschalten oder gleich ganz auf Hintergrundmusik verzichten.

Es ging alles relativ schnell und einfach von sich als Julian an Sandras Wohnort ankommen sollte. Eine Nachricht auf dem Smartphone und fünf Minuten später sollte sie mit einem fertig gepackten Koffer und einem Rucksack aus dem Haus kommen. Sandra war mit 1,64m relativ klein, aber recht breit gebaut. Ihre Kleidung bestand aus recht weiten Hosen und einem T-Shirt das so weit wirkte als wäre es ein paar Größen zu groß für sie. Wenn man es nicht besser wusste, dann hätten ihr großer Hintern und ihre ziemlich hohe Oberweite sie in Kombination mit der weiten Kleidung ein wenig übergewichtig wirken lassen, was sie in Wirklichkeit aber ganz und gar nicht war. Ihre schwarzen langen Haare hatte sie zudem hinten zusammen gebunden, wo sie ihr ein wenig bis über die Schultern reichten. Sie war gewiss nicht unattraktiv für Männer und auch für Julian nicht, aber er hatte ohnehin keine Chance bei ihr, zumal das wahrscheinlich ohnehin nicht angebracht gewesen wäre, nach der langen Zeit die sie sich nun kannten. Schnell hatte sie ihren Koffer hinten zu Julians Festival-Ausstattung in den Laderaum des Transporters gestellt und setzte sich dann auf einen der beiden Beifahrerplätze auf der Sitzbank neben Julian.
„Hi Julian“, grüßte sie ihn freundlich, aber anders als es die Kassiererin im Supermarkt, so dass es Julians Ängste nicht ganz so schlimm triggerte als es diese Situation getan hatte.
„Servus. Bereit für die Reise?“, fragte Julian sie dann ungewöhnlich selbstsicher für seine Zwecke und Sandra nickte das ganze ab.
„Ich kann´s kaum noch abwarten. Ich hab meinen Vater schon seit Jahren nicht mehr gesehen“, kommentierte sie dann, während Julian sich entschieden hatte noch ein wenig musikalische Untermalung einzuschalten. Dieses Mal aber Memphis May Fire. Eine Band die er auch sehr liebte, die er aber für wesentlich geeigneter hielt in Situationen in denen er mit Damen zusammen war, auch wenn es sich um Sandra handelte.
„Wie ist der eigentlich so?“, fragte er dann und startete das Fahrzeug.
„Naja… Ich sag´s mal so… Es gibt einen guten Grund weshalb er und meine Mutter sich zerstritten haben und er gegangen ist“, antwortete Sandra etwas bedrückt.
„Ich dachte das wäre wegen seiner Affäre gewesen…“, kommentierte Julian etwas verwirrt, während er das Fahrzeug auf die Hauptstraße zurück steuerte.
„Naja, das ist leider nur ein Teil davon, glaube ich. Meine Mutter hat auch immer behauptet er hätte sie geschlagen. Er selbst behauptet dass er das nie hätte und sie hätte sich das selbst zugefügt. Ich weiß nicht was da wahr ist. Zu mir jedenfalls war er soweit ich mich erinnern kann immer lieb“, erklärte Sandra weiter. „Was ist eigentlich mit dir? Bist du schon aufgeregt? Ist immerhin dein erstes Metal-Festival“, fragte sie ihn dann.
„Naja, ich hab schon unglaublich Angst vor dem was da auf mich zukommen könnte. Aber ich komme schon klar. Ich hab ja in letzter Zeit ein paar Konzerte besucht und schätze mal dass das so ähnlich ablaufen wird… Nur mit mehr Bands und noch mehr Leuten“, antwortete Julian nüchtern und versuchte sich auf die Straße anstelle seiner Ängste zu konzentrieren.
„Wo fahren wir denn hin? Ich dachte wir fahren direkt rauf zum Festival“, warf Sandra dann irritiert ein, als Julian unerwartet abbog.
„Naja… Kim wollte auch mit. Sie hat dort in der Gegend wohl auch ein paar alte Bekannte die sie besuchen gehen wollte… Also hat sie zumindest mal behauptet…“, antwortete Julian und wurde immer unsicherer dabei, da er Sandra ein gewisses Missfallen im Gesicht ansehen konnte. Hatte er etwa einen Fehler gemacht als er Kim ebenfalls mit in die Sache involviert hatte?
„Verstehe…“, antwortete Sandra dann auch noch in einem hörbar enttäuschten Tonfall und verunsicherte Julian offensichtlich noch weiter. Aber es war längstens zu spät sich darüber allzu viele Gedanken zu machen. Er hatte sie nun beide in seine Reise involviert und jetzt, so knapp vor dem Start der Aktion, war es nicht mehr möglich einen Rückzieher bei einer von beiden zu machen. Beide zählen auf ihn.

Kim hatte sich dazu entschieden lieber zwei Koffer und einen Rucksack zu packen und verstaute beide Koffer ebenfalls zuerst im Laderaum, bevor sie dann zuerst einmal kurz auf die Fahrerseite zu Julian kam und ihn einmal zur Begrüßung durch die offene Seitenscheibe umarmte ungeachtet dessen, dass Julian das eigentlich gar nicht so recht war. Er wünschte eigentlich keinen Körperkontakt zu Frauen, zumindest nicht wenn er sich auf diese Art beschränkte und nicht noch viel weiter reichte. Zumal Kim wirklich eine wirkliche Schönheit geworden war seit er sie im Grundschulalter kennen gelernt hatte. Julian schätzte sie auf 1,72m und entsprechend ihrer Größe war sie eher lang und schmal gebaut, was auf ihn jedoch ganz besonders anziehend wirkte und das obwohl sie einen  kleineren Hintern und wesentlich kleinere Brüste hatte als Sandra. Ihre weit über schulterlangen blonden Haare, die sie ebenfalls zusammen gebunden hatte und ihre meistens immer froh wirkende Art taten ihr Übriges dazu. Aber Julian musste sich zusammen reißen, denn die Gedanken die ihm gerade durch den Kopf gingen waren definitiv nicht angebracht, besonders nicht bei einer so langen Bekanntschaft wie er sie mit diesen beiden hatte.
„Hi Julian. Hi Sandra“, grüßte Kim die beiden als sie den Platz auf der Sitzbank ganz rechts einnahm und die Fahrzeugtür schloss.
„Hi Kim. Du auch hier?“, grüßte Sandra immer noch ein wenig irritiert zurück.
„Ja, als ich gehört hab, dass Julian auf dieses Festival da im Nord-Osten fährt, musste ich einfach mit. Du kennst doch noch Sarah und Julia oder? Die leben jetzt beide da oben in der Nähe und ich glaube eine bessere Gelegenheit die beiden mal wieder zu besuchen, werde ich wohl kaum kriegen. Außerdem ist es wirklich eine tolle Gegend da. Vielleicht kann ich mir die ja ein wenig ansehen und ein paar tolle Fotos machen, wenn ich schon mal dort bin“, erklärte sich Kim, während Julian das Fahrzeug wieder startete und sich auf den Weg zum Festival machte. Auf Musikuntermalung verzichtete er dabei lieber.
„Sarah und Julia? Das ist ja ewig her. Wissen die beiden denn überhaupt noch wer du bist?“, warf nun Sandra ein und Julian konnte fühlen wie Kim dieser Einwand missfiel.
„Na klar wissen die das noch. Ich hab regelmäßig mit denen geschrieben nachdem sie weg gezogen sind“, antwortete Kim trotz ihrem Missfallen unglaublich froh und freundlich.
„Na dann…“, kommentierte nun Sandra unter einem gewissen Missfallen. Julian konnte fühlen wie sich die Situation zwischen den beiden Damen immer stärker anspannte und das sollte ihm stark missfallen. Außerdem ging ihm immer noch diese Situation mit der Kassiererin im Supermarkt nach und da momentan keine Musik spielte die ihn ablenken konnte, war es ihm auch nicht möglich sich seinen eigenen sich um sich selbst drehenden Gedankengängen zu entziehen.
„Aber sag mal Julian… Du hast dich ja wirklich heftigst vorbereitet. Bist du sicher dass das alles notwendig war?“, warf nun Kim ein und spielte auf die Sachen im Laderaum an.
„Naja, ich brauche eben ein gutes Bett, wenn das alles nicht in einen kompletten Vollhorror ausarten soll und wenn ich kein Fahrrad dabei hab weiß ich nicht wie ich vom Festival in die Stadt kommen soll, wenn ich Nachschub beim Essen und den Getränken brauche. Einen Kühlschrank hab ich ja jetzt nicht mit eingepackt“, erklärte sich Julian, während er auf die Autobahn abbiegen sollte.
„Verunsichere ihn doch nicht so… Ich hab zwar keine Festivalerfahrung aber ein wenig mit Camping und ich kann dir sagen… Besser ein paar Dinge zu viel als zu wenig eingepackt. Wenn du etwas brauchst, dass du dann nicht dabei hast, hast du ein größeres Problem wie andersrum“, verteidigte Sandra ihren langjährigen guten Freund schnell.
„Da hast du wohl einen Punkt“, stelle Kim fest. „Oh, die Musikanlage ist ja noch an… Wieso läuft denn nichts?“, warf sie dann ein und schockierte Julian mit der Aussage ein wenig.
„Ähm…“, antwortete er schnell, während er verzweifelt nach einer Ausrede dafür suchte. „Ich wollte deine Nachbarschaft nicht stören“, fügte er dann schnell noch hinzu.
„Naja, jetzt sind wir auf der Autobahn, da kannst du keinen stören“, erklärte Kim ihm schnell.
„Ja, genau. Mach mal etwas Musik an. Es dauert bestimmt noch eine Weile bis wir dort ankommen wo die Umgebung auch wirklich interessant für uns wird“, drängte Sandra ihn nun förmlich
„Danke… Passt schon. Im Moment ist mir gar nicht nach Musik zumute. Davon bekomme ich auf dem Festival sicherlich mehr als genug“, antwortete Julian verzweifelt und beide Frauen sahen sich kurz an, bevor Kim kurz mit den Schultern zuckte und Sandra den Kopf schüttelte.
„Ganz wie du willst“, kommentierte Kim dann die Situation und begann sich der Landschaft zu zuwenden, während Julian sich weiterhin versuchte auf die Straße und die Strecke zu konzentrieren.

Sicher und erstaunlich routiniert, selbst nach seinem eigenen Verständnis, steuerte Julian das Gefährt über die Autobahn. Dafür dass er so ein großes Vehikel noch nie selbst gesteuert hatte, kam er wirklich gut damit zurecht. Eine seiner Befürchtungen bevor er aufgebrochen war. Selbst an die ungewöhnliche Breite des Fahrzeugs hatte Julian sich recht schnell gewöhnt und bereits nach einer Stunde Fahrt steuerte er den Transporter so entspannt als ob er in seinem Leben noch nie etwas anderes gefahren hatte. Mittlerweile, nach drei Stunden Fahrzeit hatten sie auch längst die bekannte Umgebung verlassen und immer wieder nahm die Landschaft Formen an, die man nur als wunderschön bezeichnen konnte. Julian bekam regelmäßig Probleme seine Aufmerksamkeit auf der Straße zu halten und sich nicht in alle Richtungen umzusehen. Die Tatsache, dass die Sonne schien, keine einzige Wolke am sich besonders blau anfühlenden Himmel war und es mindestens 30 Grad warm war, sollte sicherlich ihr Übriges dazu beitragen. Regelmäßig hingen auch beide Damen aus genau diesem Grund an der Seitenscheibe und betrachteten beeindruckt die Umgebung. Kim nahm sich sogar regelmäßig ihr Smartphone zur Hand und machte viele Fotos. Julian wusste gar nicht so genau wovon und besonders weshalb gleich so viele. Und obwohl ihn die Umgebung regelmäßig ablenkte und eigentlich die Fahrt selbst den größten Teil seiner Konzentration in Beschlag nahm, so konnte er nicht verhindern dass seine Gedanken immer wieder um die Sache mit den beiden Damen und um die Geschichte im Supermarkt kreisten. ARG! Was hatte denn dieser Bullshit genau jetzt in seinen Gedanken verloren? Auch ein schnelles Kopfschütteln schien ihm hier nicht weiter zu helfen. Aber irgendwie musste er diese Gedanken los werden. Dies sollte eine Zeit des Feierns und der Freude für ihn werden, da hatte so etwas nichts in seinem Gehirn verloren.
„Julian… Stimmt etwas nicht?“, sprach ihn plötzlich Kim an und schockierte ihn, so dass er kurzzeitig überhaupt nicht wusste, wie er überhaupt reagieren sollte.
„Ähm… Nein, alles gut…“, antwortete er nach einer ungewöhnlich langen Zeit völlig unsicher.
„Das klingt aber jetzt gerade ganz und gar nicht so“, kommentierte Sandra.
„Genau… Und auch sonst bist du selbst für deine Zwecke ungewöhnlich still… Also was stimmt mit dir nicht? Immerhin willst du gleich auf´n Metal-Festival, da solltest du gute Laune mitbringen“, sprach nun Kim wieder und Julian seufzte kurz.
„Naja… Ich…“, sagte er und geriet dann ins Stocken, da er nicht wusste was er jetzt genau sagen sollte. „Ich hatte ein kurzes Gespräch mit dieser einen Kassiererin im Supermarkt und sie war ganz besonders nett zu mir und ich wusste damit irgendwie nicht umzugehen…“ sprach er dann weiter unsicher und sackte in sich zusammen während er sprach.
„Uhhhhh…“, rief Kim direkt aus. „Unser Julian wurde an der Kasse angeflirtet“, kommentierte sie dann auf ihre besonders frohe Art.
„Sie hat mich nicht angeflirtet. Sie hat nur nach meinen Einkäufen gefragt und ich hab ihr gesagt was ich vor habe. Mehr ist nicht passiert“, unterbrach Julian sie lieber schnell.
„Oh doch, das hat sie“, mischte sich nun auch noch Sandra ein, die jedoch nicht so positiv darüber wirkte wie Kim es tat, so als ob es ihr missfiel dass eine andere Frau einen Flirtversuch bei ihm gestartet hatte.
„Hast du sie wenigstens nach ihrer Nummer gefragt?“, warf nun Kim ein.
„Nein… Sie hat anders als ihr beiden das jetzt behauptet ja auch gar nicht mit mir geflirtet“, antwortete Julian.
„Wir wissen alle drei, dass du das gar nicht wirklich unterscheiden könntest“, kommentierte Sandra und Julian sackte weiter in sich zusammen, da sie absolut recht hatte.
„Julian… Du solltest wirklich mal dein Selbstwertgefühl in den Griff bekommen. Du bist nicht mehr das hässliche, fette, kleine Kind, dass du warst als wir uns zum ersten Mal getroffen haben“, warf nun Kim weiter ein.
„Ja, aber ich bekomme außer Zocken und meiner Gitarre nichts auf die Reihe“, antwortete Julian und bemerkte selbst wie er immer kleinlauter wurde.
„Und du hast gerade erst 50 KG verloren. Guck dir doch die ganzen anderen übergewichtigen Typen an, die das gerne schaffen würden, aber es nicht hinbekommen“, meldete sich Sandra zu Wort.
„Danke, aber du weißt genau weshalb ich das tatsächlich geschafft habe“, antwortete Julian.
„Ich bin mir nicht sicher welche Rolle das dabei spielt“, kommentierte nun Kim und Julian wollte gerade eine Antwort geben als sich sein Navigationssystem auf dem Handy zu Wort meldete.
„In einem Kilometer… Nehmen sie die Ausfahrt“, sprach es.
„Oh… Jetzt schon? Ich dachte es wäre noch weiter“, kommentierte schnell Julian und versuchte absichtlich das Thema zu wechseln. Er war nicht wirklich daran interessiert dieses Gespräch fort zu setzen oder sich an seinen Selbstmordversuch zu erinnern, bei dem er einfach das Essen verweigert hatte, nachdem er auf einen klassischen Internet-Troll herein gefallen war, der ihm vorgespielt hatte eine hübsche Frau zu sein, die an ihm interessiert wäre. Und so konzentrierte er sich lieber darauf nicht die Abzweigung zu verpassen, welche ihn auf den nächsten Autobahnabschnitt bringen sollte. Von dort an waren es noch zwei weitere Stunden Fahrt bis zum Ziel und dann wäre das Thema ohnehin für ihn erledigt.

Die Reise sollte weiterhin wie geplant verlaufen, sowohl was die Dauer als auch den Ablauf anging. Bevor Julian jedoch das Festival selbst besuchen konnte, musste er noch seine beiden Begleiterinnen zu deren Unterkunft bringen. Gottseidank hatten sie beide sie selbe Unterkunft gebucht. Ein unerwarteter aber sehr glücklicher Zufall. Nicht so sehr nach Plan verlief jedoch die Tatsache, dass Kim ihn dazu überredet hatte am nächsten Tag noch einmal mit dem Vehikel bei den beiden zu erscheinen und sie beide zu ihren ersten Zielorten, Sandra zur Wohnung ihres Vaters und Kim zu einer ihrer beiden Freundinnen, zu fahren. Julian hoffe lediglich dass sein kurzzeitiges Verschwinden nicht später zu Problemen mit der Platzvergabe auf dem Festival führen würde, aber auch hier galt wieder dass er das alles zunächst hinten an stellen musste. Jetzt musste er zu aller erst einmal überhaupt dort ankommen und seinen ersten Tag dort lebend überstehen. Allerdings schon als er das Festival-Gelände, scheinbar ein kleiner Sport- und Freizeitflugplatz für besser gestellte Privat-Piloten, von weitem sehen sollte verbesserte sich seine innere Stimmung erheblich. Er hatte es also endlich geschafft und war dort angekommen. Entspannt steuerte er sein Vehikel zum ersten Kontrollpunkt, wo ihn die Platzzuweiser bereits erwarteten.
„Servus. Zum ersten Mal hier?“ fragte der Mann im extra aufgebauten kleinen Kontrollhäuschen.
„Ja, generell zum ersten Mal auf nem Festival würde ich sagen“, antwortete Julian und kratzte sich verlegen am Hinterkopf.
„Ach so, das erklärt natürlich deine leichte Anspannung. Aber alles ist gut. Du bist ja jetzt angekommen, alles andere werden wir schon irgendwie hinbekommen“, kommentierte der Mann im Häuschen. „OK, dann machen wir mal den Anfang indem du mir dein Ticket zeigst“, sagte er anschließend und Julian reichte ihm dieses direkt. „OK, cool. Dann halte jetzt mal deinen Arm raus, damit ich dir dein Bändchen anlegen kann“, kommentierte er dann und Julian tat wozu er angewiesen worden war. Keine Sekunde später hatte er ein graues Stoffband mit einem Skelett-Muster an seinem rechten Arm und Julian konnte nicht vermeiden, dass er das Design unglaublich cool fand. „OK, das war´s dann schon. Jetzt fährst du als nächstes durch bis zum Bereich 5. Dann nach links und da sollten eigentlich genügend Flächen frei sein. Such dir einfach eine aus“, erklärte sich der Mann weiter.
„Ich hätte da noch eine kleine Frage“, meldete sich Julian etwas schüchtern zu Wort. „Die Sache ist die… Ich habe vor den Platz morgen noch einmal zu verlassen. Ich habe da zwei Damen versprochen sie noch woanders hin zu bringen. Wie ist das denn dann mit meinem Platz? Ist der dann weg, wenn ich wieder komme und gibt das irgendwelche Probleme?“ sprach er weiter und merkte selbst wie er immer kleinlauter wurde.
„Ach so… Ja, gut dass du mir das sagst… Das machen wir dann ganz kurz anders… Einen Moment…“, sagte der Platzanweiser und verschwand kurz in seinem Häuschen hinter seinem Rechner. „So, ich habe dir jetzt den Platz 5-G fest zugewiesen. Den übernimmt jetzt auch keiner mehr, selbst wenn du mal kurz diese Sache erledigen gehst“, sagte er dann nachdem er wieder vor Julian erschienen war, der direkt erleichtert ausatmete und merkte wie sich sein gesamter Körper entspannte. Das würde also schon mal keine weiteren Probleme mehr geben. „Ansonsten sollte ein Dixie-Klo an deinem Stellplatz stehen. Falls nicht, es gibt in der Nähe der Bühnen auch immer eine Reihe öffentliche Klos, aber die sind oft voll und es gibt Warteschlangen. Was zu Futtern und Bier gibt´s ansonsten überall hier, oder unten in der Stadt. Und ich hoffe mal über gutes Benehmen müssen wir uns nicht großartig unterhalten, das sollte sich von selbst verstehen“, sprach der Mann weiter.
„Auf gar keinen Fall. Ihr werdet kaum merken dass ich hier bin“, kommentierte Julian ein wenig schockiert von der Aussage die Situation.
„Ganz so heftig musst du dich jetzt auch nicht zurück nehmen. Was wir hier nur nicht wollen ich so richtig übles Chaos, also Schlägereien und sowas. Und Mageninhalte bitte in den Klo und nicht übers ganze Gelände verteilen. Genauso gehört der Müll in die Mülltüten und nicht übers Gelände verteilt. Gutes Benehmen eben“, erklärte sich der Mann noch einmal und Julian nickte dieses Mal lediglich mit dem Kopf. „Ach ja… Solltest du dich irgendwie verletzen, da vorne sind die Sanis. In einem solchen Fall bitte nicht zögern, wir wollen nicht dass irgendwas noch schlimmeres draus wird“, sagte der Mann noch und Julian nickte erneut mit dem Kopf. „OK, wenn dann alles klar ist und du keine weiteren Fragen mehr hast... Viel Spaß bei uns auf dem Festival“, sagte er dann zum Abschluss.
„Danke, Mann… Werde ich mit ziemlicher Sicherheit haben“, antwortete Julian noch und setzte sein Fahrzeug in Bewegung zu dem Platz den man ihm zugewiesen hatte. Nun war er tatsächlich angekommen und würde in Kürze seinen Stellplatz haben. Julian wusste nicht genau ob er erleichtert oder völlig aufgeregt war. Es war einfach völlig überwältigend und er musste irgendwie zusehen dass er sich vielleicht für den Anfang eine leichte Übersicht verschaffen würde.

Nachdem Julian den Platz besetzt hatte, den man ihm zugeteilt hatte, sein Fahrrad ausgeladen und am Transporter angekettet hatte, nur zur Sicherheit, sich damit befasst hatte ob Gegenstände bei der Reise beschädigt worden waren, was sie nicht waren und sein Smartphone zum Laden an die mitgebrachte Autobatterie gehängt hatte, war es nun endlich soweit. Er konnte das tatsächliche Festival besuchen gehen. Zunächst einmal galt es jedoch sich den schon erwähnten Überblick zu verschaffen. Wo waren öffentliche Toiletten? Wo ging es zu den Bühnen? Wo wäre der Ausgang, wenn er mit dem Rad Einkäufe in der Stadt tätigen gehen wollte? Und was für Leute waren eigentlich noch anwesend? Konnte er vielleicht jemanden ausmachen mit dem er rein oberflächlich betrachtet gerne in Kontakt treten würde? Das alles waren Dinge die Julian durch den Kopf gingen, während er seinen ersten Spaziergang über das Festivalgelände startete. Bereits in den ersten Minuten begann eine Phase der Entspannung einzusetzen, da ihm direkt auffallen sollte dass die Leute hier auf dem Festival im Wesentlichen die selbe Kleidung trugen wie er selbst. Meist schwarze T-Shirts mit typischen Metal-Band-Motiven und Logos darauf. Und Julian konnte nicht bestreiten dass es ihm ein gewisses Vergnügen bereitete diese zu entziffern und festzustellen, dass er tatsächlich weit über 90% der Bands, von denen die Leute Shirts trugen, kannte. Bands deren Namen er noch nie gehört hatte fand er tatsächlich eher selten vor. Einer der Anwesenden sollte ihm jedoch auffallen, da er anstatt eines typischen Band-Shirts eher ein buntes T-Shirt mit fünf niedlichen kleinen Katzen tragen sollte. Eine ungewöhnliche Wahl von Kleidung auf einem Metal-Festival, aber nichts worüber Julian sich beschweren würde. Immerhin war er selbst ein großer Katzenliebhaber und hatte zu Hause selbst Kleidung mit Katzen-Motiven, er trug diese nur nicht auf dem Metal-Festival. Und trotz alles Wohlgefühls durch das optische zusammenpassen mit den Anderen konnte Julian das Gefühl nicht loswerden, dass er oft und viel von den Leuten angestarrt wurde. Zu Hause hätte er das seinem Kleidungsstil zugeschrieben, aber hier sahen alle ganz genauso aus, das musste also einen anderen Grund haben. Vielleicht einfach weil er ein fast 2m großer Brocken war. Die waren offensichtlich selbst hier auf dem Festival ziemlich selten. Es gab sie, aber sie waren selten. Zumindest war das die Erklärung die sich Julian selbst geben sollte.
„Hey Mann… Colles Shirt“, sprach ihn plötzlich im Vorbeigehen einer der anderen Festivalbesucher an. Und ja, Julian fand sein T-Shirt von der Band Benighted auch unglaublich cool und sah sich fast reflexartig an was der andere Festival-Besucher trug. Es handelte sich um ein Shirt von der Band Stillbirth und lustiger Weise auch noch um eins dass er selbst ebenfalls zuhause hatte.
„Danke Mann, deins aber auch“, antwortete Julian ihm noch schnell, bevor sie beide aneinander vorbei gingen und ihren Weg fortsetzten. Aber Julian konnte nicht bestreiten, dass dies gerade seinen Wohlfühlfaktor um mindestens 50% erhöht hatte. Wie lange war er nun eigentlich schon auf dem Gelände unterwegs? Es fühlte sich an wie eine ganze Stunde und die Sonne brannte von oben auf seinen Kopf herab. Mittlerweile musste die Temperatur auch bei über 34 Grad liegen, zumindest fühlte es sich genauso an. Langsam drückte ihn der Durst und da er für den Moment nicht genau wusste wie weit er zurück zu seinem Platz laufen musste, entschied er sich lieber schnell ein alkoholfreies Bier an einem der Trinkstände zu kaufen und zu trinken. Das war zwar mit 4,50€ den Becher nicht billig, aber es fühlte sich auch in diesem Moment an als würde er eine ausgetrocknete Pflanze bewässern. Erst jetzt merkte Julian wie kraftlos er durch die Austrocknung geworden war. Schnell nahm er sich sein Smartphone zur Hand und sah auf die Uhr und den Ablaufplan, wobei er feststellen sollte, dass die nächste Band bald ihren Auftritt beginnen sollte. Sodom, eine alte Thrash Metal-Band. Nichts was Julian sich freiwillig auflegen würde, aber er entschied sich vor Ort zu sein und den Auftritt anzusehen. Immerhin war er dafür die ganze weite Strecke überhaupt erst gefahren. Die Menge vor der Bühne stellte sich als recht klein und überschaubar heraus. Eher vergleichbar mit den Konzerten die Julian vor dem Festival schon besucht hatte. Aber sobald die Band begann zu spielen sollte sich direkt ein kleiner Moshpit bilden in dem die Leute unkontrolliert in der Gegend herum sprangen und regelmäßig absichtlich miteinander kollidierten. Und Himmel diese Musik war live wirklich richtig gut. Viel besser als Julian erwartet hatte, so dass auch er sich diesem Moshpit nicht entziehen konnte und es auch nicht wollte. Ein paar Schritte mitten in die Menge und schon sollte bereits der erste andere rechts mit ihm kollidieren, dann der nächste von links. Julian war völlig überwältigt von diesen Kräften und kämpfte extremst mit seinem Gleichgewicht. Offensichtlich hatte er die Situation etwas unterschätzt. Weshalb auch nicht? Sein letzter Moshpit war mehrere Jahre her und als er dabei mitgewirkt hatte, hatte er 50 KG mehr auf den Rippen. Nach ungefähr zehn Kollisionen konnte Julian sein Gleichgewicht einfach nicht mehr wieder finden und stürzte zu Boden. Schmerzen durchzogen besonders sein rechtes Bein, das wohl mit dem Knie zuerst aufkommen sollte. Dabei hatte Julian noch großes Glück, denn es handelte sich um einen Boden aus Erde, Sand und vertrockneter Wiese. Es hätte sich genauso gut auch um Schotter- oder Beton-Boden handeln können. Schnell reagierten die anderen Leute und zwei davon packten seine Arme um ihm wieder auf die Beine zu helfen, während zwei weitere sich um die drei platzierten um den übrigen Moshpit von ihnen fern zu halten. Julian zeigte allen schnell einen Daumen nach oben um zu zeigen, dass alles in Ordnung war, so dass die beiden die ihm auf die Beine geholfen hatten sich wieder dem Moshpit widmeten, während er sich lieber daraus zurück zog und an den Rand ging um dort kurz seine Verletzungen zu begutachten. Tatsächlich hatte sich wohl ein kleines Stück eines Astes in sein rechtes Knie gebohrt, so dass dieses nun ungewöhnlich stark blutete. Julian spürte ein leichtes Brennen, aber er hatte keine starken Schmerzen. Und was das Bluten anging dachte er sich, dass das schon irgendwann auch wieder von selbst aufhören würde. Und so entschied er sich wieder in den Moshpit zurück zu kehren und den Auftritt der Band noch zu beenden. Dieses Mal war er besser vorbereitet und wusste welche Kräfte auf ihn wirken würden, so dass es ohne weitere Zwischenfälle verlaufen sollte. Und obwohl Julian am Ende des Auftritts der Band das Gefühl hatte, er hätte gerade eine Runde Extrem-Sport gemacht und er am Ende seiner Kräfte wäre, so hatte er auch ein massives Glücksgefühl, dass er nur schwer beschreiben konnte. Nun untersuchte er jedoch lieber schnell sein Bein und stellte fest, dass es leider immer noch blutete. Vielleicht sollte er das doch lieber behandeln lassen. Offene Verletzungen waren immer gefährlich und konnten zu weitaus schlimmeren Dingen führen als dem Verlust von ein paar Millilitern Blut. Und so führte Julians nächster Weg ihn zu den Sanitätern vor Ort, welche seine Verletzung reinigten und ihm einen Verband anlegten. Das war zwar nur sehr mittelmäßig gelaufen, aber er wusste nun besser worauf es ankam, so dass der Tag ohne weitere Zwischenfälle dieser Art verlaufen sollte. Völlig fertig zog er sich in sein Mietfahrzeug zurück und fiel förmlich in sein Bett. Morgen musste er ja zu Sandra und Kim zurück. Wie gut, dass in dem Zeitraum den er dafür vorgesehen hatte, gerade keine Bands spielten die er unbedingt sehen wollte. Da er genau wusste, dass er die beiden Damen nicht im Halbschlaf zu ihren Zielen fahren konnte gab er seiner Müdigkeit einfach nach und schlief ein ohne es überhaupt selbst zu bemerken und ungeachtet der Musik, die von anderen Leuten noch bis in die späte Nacht hinein gehört wurde.

Als Julian am nächsten Morgen wieder aufwachte fühlte er sich als ob ihn ein LKW überfahren hätte. Er war zwar wach, aber geistig nicht wirklich anwesend und innerlich tat sein gesamter Körper weh. Klassische Erschöpfungsschmerzen, die man wohl auf solchen Festivals und nach mehreren solcher Moshpits bekommen konnte. Sein Knie hingegen tat nicht mehr weh. Sein Verband war allerdings auch immer noch da wo er sein sollte. Hätte er nicht mit Sandra und Kim einen festen Zeitpunkt vereinbart an dem er wieder bei ihnen erscheinen sollte, wäre er wahrscheinlich einfach erst einmal liegen geblieben und hätte versucht noch etwas mehr Schlaf zu finden oder sich in anderer Art und Weise zu erholen, bevor die nächste Band die er meinte sich ansehen zu wollen auftreten würde. Aber so musste er sich irgendwie auf die Beine quälen, da der Zeitpunkt unweigerlich näher rückte. Schnell noch die Zähne putzen und sein Fahrrad wieder einladen und dann könnte er sich auch wieder auf den Weg machen. Dass er völlig mit dem im Moshpit aufgewirbelten Staub bedeckt war, ließ er sich jetzt einmal recht wenig stören. Das würde ohnehin heute und die anderen beiden Tage noch schlimmer werden. Nachdem er sein Fahrrad eingeladen hatte entschied er sich jedoch lieber noch einen Besuch auf der Toilette zu machen. Ein klassisches Dixi-Klo dass lediglich ein paar Chemikalien im Sammelbecken hatte um den Geruch minimalst zu überdecken. Allerdings die schienen schon längst aufgebraucht zu sein, denn der Gestank war wirklich unerträglich. Offensichtlich hatten sich mehrere Personen bereits in diese Toilette übergeben und einer hatte starken Durchfall gehabt oder noch schlimmeres. Ferner war Julian sich nicht sicher ob nicht ein paar Leute daneben gepinkelt hatten, zumindest deuteten die Flecken überall in der Toilette darauf hin. Hätte Julian die Toilette nicht so dringend besuchen müssen, hätte er wahrscheinlich lieber darauf verzichtet. Zum Glück war noch ausreichend Papier darin vorhanden. Wenn dieses jetzt auch noch ausgegangen wäre, dann hätte Julian ein größeres Problem als er hätte zugeben wollen. Nachdem dies nun erledigt war, setzte er sich in sein Fahrzeug und startete langsam seine Reise zu Sandra und Kim, die er recht früh erreichen sollte. Eine Nachricht über das Smartphone später verließen beide die Unterkunft mit ihren fertig gepackten Rucksäcken.
„Hi Julian“, sprach Kim den schon vor dem Fahrzeug wartenden Julian an und stoppte dann etwas schockiert, bevor Sandra hinzu kam und eine ähnliche Reaktion zeigte.
„Himmel Julian, was ist denn mit dir passiert?“, fragte Sandra dann direkt und deutete offensichtlich auf den Verband an seinem rechten Knie.
„Ach das… Klassische Moshpit-Verletzung“, kommentierte der lediglich und kratzte sich verlegen am Hinterkopf, bevor ihm auffallen sollte, dass keine der beiden Damen mit der Antwort zufrieden war. „Ich war gestern noch bei Sodom und wurde dort einmal ordentlich umgesenst. Aber passt schon. Alles in Ordnung. Der Sani hat gesagt ist nur oberflächlich und hat mir den Verband angelegt. Tut auch schon fast nicht mehr weh“, führte er dann vorsichtig weiter aus.
„Du musst echt etwas besser aufpassen“, kommentierte Sandra dann noch.
„Das tue ich seitdem auch. Es war halt der erste Moshpit seit vielen Jahren für mich und ich hatte keine Ahnung wie heftig das werden kann, aber jetzt weiß ich´s und komme besser klar. Ich war danach noch in zwei weiteren, da ist nichts passiert. Ihr müsst euch da also keine Sorgen um mich machen. Ich passe schon auf mich auf“, antwortete Julian dann noch. „Können wir dann jetzt los? Ich muss gestehen, dass ich möglichst schnell zurück auf´s Festival will. In zwei Stunden spielen die Warkings, die würde ich schon gerne sehen“, fügte er dann eilig an.
„Na gut, das kann ich verstehen. Also los dann“, kommentierte nun Kim und ging als erste zur Beifahrertür, direkt gefolgt von Sandra und schon waren sie auf dem Weg. Bis auf eine unglaublich tolle Landschaft mit vielen Bergen und alten Bauwerken, die man sich gut von der Straße aus ansehen konnte, sollte die Fahrt auch ereignislos bleiben. Julian kämpfte jedoch mehr mit seiner Konzentration und dem Einschlafen als er selbst bereit war zu zugeben. Er hätte niemals gedacht, dass ein Festival auf diesem Level anstrengend für ihn werden würde. Hätte er nicht die letzten 2 Jahre viel im Fitness-Studio trainiert, wäre wohl vieles von alle dem weit über seine Kräfte hinaus gegangen. Und wie der Sturz der sein Knie beschädigt hatte ausgegangen wäre, wenn er noch 50 KG mehr auf die Waage gebracht hätte, darüber wollte er lieber nicht so genau nachdenken.
„Julian… Wach bleiben“, sprach ihn plötzlich Kim von der Seite an und Julian schreckte kurz auf. Tatsächlich stand er gerade kurz davor in einen Sekundenschlaf zu fallen. Eine gefährliche Situation im Straßenverkehr, die sie alle drei das Leben kosten konnte.
„Soll ich vielleicht lieber fahren?“, warf nun Sandra noch ein und Julian schüttelte schnell verneinend den Kopf.
„Nein nein, alles gut. Ich schaff das schon. Außerdem ist von euch beiden niemand als Fahrer bei der Vermietung eingetragen. Das könnte vielleicht noch ganz andere Probleme geben“, antwortete er dann noch.
„Na gut, dann…“, brachte Sandra gerade noch heraus bevor tatsächlich etwas die Straße betreten sollte. Julian konnte in seinem verschlafenen Kopf kaum erkennen was es war. Es sah humanoid aus, ging auf zwei Beinen und hatte Arme, aber es war definitiv kein Mensch. Dafür hatte es viel zu viele Tentakel auf dem Rücken und die Art wie es ging erinnerte mehr an einen Zombie als an einen Menschen. Julian blieb kaum Zeit für überhaupt eine Reaktion als er sich entschied die Bremse so fest zu treten wie er konnte. Reifen quietschten lautstark und beide Damen schrien panisch auf vor Angst, aber es war längst zu spät. Blut und Körperteile des undefinierbaren Wesens klatschten gegen die Fahrzeugfront als es dagegen krachte. Zusätzlich dazu führte die Kollision dazu dass das Fahrzeug sich unkontrolliert zur Seite drehte und Julians verzweifelter Versuch dagegen zu lenken sollte alles nur noch schlimmer machen. Als das Vehikel sich vollkommen seitlich zur eigentlich Fahrtrichtung gedreht hatte begann es sich mehrfach zu überschlagen, bevor es den Abhang auf der linken Seite hinunter stürzte und dort nacheinander gegen mehrere Bäume krachte.

Huh? Was war gerade geschehen? Wo war er? Und wieso war er überhaupt? In Julians Kopf drehte sich alles und er konnte lediglich noch völlig verschwommen sehen. Dazu kam dieses laute unerträgliche Piepsen in seinen Ohren, dass sich immer stärker in ein noch lauteres Pfeifen umwandelte. Er konnte seinen Unterkörper nicht mehr fühlen und seine linke Körperhälfte ebenfalls nicht. Und die rechte verursachte ihm Schmerzen, wie er sie noch nie in seinem Leben gefühlt hatte. Was war gerade geschehen? Nur langsam begann sich seine Sicht zu stabilisieren und zeigte ihm einen Anblick den er unter gar keinen Umständen hätte sehen wollen. Der Transporter war völlig vernichtet an einem der Bäume hängen geblieben. Das Fahrzeug wäre unmöglich noch zu retten. Praktisch alles daran war zerstört. Sämtliche Scheiben, die Lichtanlage, die Form des Vehikels, die Front, wahrscheinlich der Motor, einfach alles. Lediglich das rechte Hinterrad war noch vorhanden und die seitliche Kollision mit dem Baum hatte eine Biegung auf diese Seite darin hinterlassen. Viel schlimmer war jedoch das ganze Blut überall. War das etwa seins? Und wo waren seine beiden Begleiterinnen geblieben? Er selbst war offensichtlich während des Unfalls aus dem Fahrzeug geschleudert worden und lag nun auf der Wiese. Aber wo waren Sandra und Kim geblieben? Ein Blick nach rechts offenbarte ihm ein weiteres Bild auf dass er lieber verzichtet hätte. Dort sollte sich eine völlig blutüberströmte Sandra wieder finden der ein Arm und ein Bein fehlte. Ihr Blick zeigte lediglich Panik und Todesangst, vielleicht noch starke Schmerzen, aber sonst nichts. Ferner zeigte sie keine Regung mehr. Offensichtlich war sie bereits tot. Aber wo war Kim? Julian versuchte nach ihr zu rufen, bekam aber keinen einzigen Laut heraus. War sein Kehlkopf zertrümmert oder kämpfte er lediglich mit Entkräftung nach einem solchen Desaster? Julian konnte es nicht sagen. Alles was er wusste war, dass er unmögliche Schmerzen hatte. Irgendetwas musste er doch unternehmen um diese wieder loszuwerden. Aber da war nichts was er unternehmen konnte. Er konnte selbst seine Gliedmaßen nicht mehr fühlen. Er konnte nicht um Hilfe rufen, er konnte gar nichts. Verzweifelt begann Julian in Tränen auszubrechen, während er sich aus für ihn unerklärlichen Gründen entschied sich mit seinem rechten Arm, dem Arm den er noch fühlen konnte vorwärts zu schleppen, in Richtung des zerstörten Fahrzeugs. Nur langsam kam er voran und jede Bewegung verursachte ihm noch stärkere Schmerzen. Dort sollte er tatsächlich Kim auf der Beifahrersitzbank finden. Sie war von einer Fahrzeugstrebe mitten durch den Torso durchstoßen worden und regte sich ebenfalls überhaupt nicht mehr. Offensichtlich war sie ebenfalls schon längst tot. Panik begann sich in Julian zu regen. Er versuchte erneut zu schreien, aber er konnte es nicht. Dann der Blick zu seinem eigenen Körper oder dem was davon übrig war. Schockiert sollte Julian feststellen, dass er lediglich noch aus seinem Torso bestand. Sein Unterkörper war zusammen mit der Hüfte ausgerissen. Sein Darm hing heraus und sein linker Arm fehlte ebenfalls. Lediglich ein Stummel seines Oberarmknochens ragte noch aus der Schulter. Julian fühlte das Bedürfnis sich zu übergeben, aber das war ihm ebenfalls nicht mehr möglich. Genauso wenig wie er schreien konnte. Was sollte er nun überhaupt noch tun? Was? WAS ZUR HÖLLE??? Plötzlich konnte er Schritte hören und als er zur Seite blickte sollte er ein weiteres dieser humanoiden Wesen mit Tentakeln auf dem Rücken erblicken, dass sich langsam und vorsichtig der Unfallstelle nährte. Was zum Teufel war das für ein Drecksviech? Es hatte mit nichts Ähnlichkeit was Julian kannte und war offensichtlich nicht in diesen Wäldern heimisch. Langsam begann es sich Sandras Leichnam zu zuwenden und schien daran zu riechen, bevor es seine gewaltigen spitzen Zähne in den leblosen Körper seiner langjährigen Freundin rammte und ein Stück daraus heraus riss um es langsam und genüsslich zu verspeisen. Julian versuchte erneut zu schreien, aber er konnte nicht. Seine Kräfte begannen zu versagen, aber er konnte doch nicht zulassen dass dieses Mistvieh seine langjährige Freundin einfach auffraß. Aber alles was er tun konnte war dabei zu zusehen, wie das Wesen Stück um Stück mit seinem Gebiss aus ihrem Körper riss, während matschige, vollkommen wiederliche Kaugeräusche seine Ohren betäubten und alles andere verdrängten was Julian sonst noch hören konnte. Er konnte nichts unternehmen. Er hatte einfach völlig versagt, so wie er es immer in Ernstfällen tat. Somit konnte er auch nicht verhindern, dass ihm schwarz vor Augen wurde und er einfach mit den anderen beiden am Unfallort verstarb.

Feedback

Logge Dich ein oder registriere Dich um Storys kommentieren zu können!

Autor

TheNightrages Profilbild TheNightrage

Bewertung

Noch keine Bewertungen

Statistik

Kapitel: 3
Sätze: 436
Wörter: 7.933
Zeichen: 46.534

Kurzbeschreibung

Eigentlich wollte Julian nur sein erstes Metal-Festival besuchen gehen, doch niemals hätte er erwartet, dass so viele Dinge auf einmal schief gehen würden und das obwohl er sich perfekt vorbereitet hatte. Zusammen mit seinen beiden besten Freundinnen, welche dort in der Nähe Verwandtschaftsbesuche planen macht er sich mit seinem gemieteten Transporter dennoch auf den Weg und gerät in Schwierigkeiten, die selbst seine schrecklichsten Vorstellungen bei weitem übertreffen sollten.

Kategorisierung

Diese Story wird neben Science Fiction auch in den Genres Fantasy, Action, Horror und Mystery gelistet.