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Alte Geschichten von Story.One

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04.07.26 14:20
Fertiggestellt

Autorennotiz

Hey, das hier sind Geschichten, die ich schon auf Story.One veröffentlicht habe. Da ich jetzt hierhin umgezogen bin und möchte, dass man meine Storys weiterhin lesen kann, werde ich ausgewählte Geschichten posten.
Bitte beachte das sie Teilweise schon über ein Jahr alt sind.

Mein Blick bleibt geradeaus gerichtet, die Augen entspannt, starre ich ins Leere. Die Landschaft vor meinem Fenster wird zu bunten Flecken.

Dann taucht da eine Person auf. Mit ihren rot gefärbten Haaren schreitet sie auf mich zu. Ein ansteckendes Lächeln begegnet mir. Ansonsten – Stille. Drei andere Figuren gesellen sich auch zu uns. Ein Mädchen mit blauen Strähnen in ihren schwarzen Haaren nimmt mich bei der Hand und zieht mich mit. Wir gehen auf ein Haus zu. Mit jedem Schritt wird es deutlicher. „Café Quercus“ steht in großen Buchstaben auf einer schief hängenden Tafel. Ich erkenne unser Lieblingscafé aus Eichenwald. Das Gebäude ist schon älter, aber hübsch. Die Stufen zur Terrasse sind rau und geben festen Halt. Matteo, der einzige Junge unserer kleinen Gruppe, hält uns die Tür auf. Dem Raum fehlt es auf keinen Fall an Farbe. Wir setzen uns und bestellen Getränke.

„Also, wir haben lange darüber diskutiert“, sagt Hanna, das Mädchen mit den blauen Strähnen. „Wir möchten, dass unsere Geschichte erzählt wird. In Form eines Fantasy-Romans.“ Stella nickt zustimmend, dabei fällt ihr eine blonde Strähne aus ihrer Flechtfrisur. „Ja, da waren wir uns einig.“ Das Mädchen mit dem roten Haarschopf sieht mich fragend an. Ich nicke Greta aufmunternd zu. „Es gibt nur einen Haken. Also … ähm, du wirst das Buch auch schreiben müssen.“ Ich zucke mit den Schultern. „Das kriege ich hin.“ Unsere Getränke werden vor uns abgestellt. Stille legt sich über alle, aber nicht die unangenehme Art. Es ist ein entspannter Moment, wie man ihn sich gerne im Alltag wünscht.

Greta ist die Erste, die aufsteht – was witzig ist, weil sie die Kleinste ist. Zusammen gehen wir raus. „Ich dachte, wir könnten dir noch Eichenwald zeigen, schließlich bist du eine der Mitgründer.“ Bei diesen Worten muss ich lachen, ein schönes Gefühl. So unbeschwert bin ich bei wenigen Menschen. Und so schlendert eine Gruppe von fünf Jugendlichen durch die Stadt. Vor meinem inneren Auge sehe ich sie lachend an verschiedenen Orten.

Langsam, wie ein Nebel, der sich lichtet, fokussieren sich meine Augen wieder. Ich sehe wieder die Landschaft, das Fenster. Die Realität holt mich schneller ein als gewollt. Es fühlt sich schwer im Herzen an, das wieder herzugeben, was ich vorhin gespürt habe. Zu Ehren meiner Charaktere klappe ich meinen Laptop auf und schreibe an meinem Roman weiter. In Gedanken rufe ich: „Macht euch bereit! Das Erbe der verlorenen Elemente kommt!“

Ben spritzte mir das Wasser ins Gesicht. Ich kreischte lachend und verdeckte mein Gesicht mit meinen Händen. Es konnte doch nicht wahr sein, dass er jedes Mal gewann. Ich nahm Anlauf, sprang auf meinen besten Freund, und wir beide sind lachend ins Wasser gefallen. „Mensch, Max, wo hast du das denn gelernt?“ Ben hielt sich kaum noch vor Lachen. Wir schauten uns an. Ich konnte nicht mehr ernst bleiben und prustete los. So standen wir beide im See, nass und lachend. Keiner konnte mehr atmen. Ich wischte mir eine Lachträne weg.

Nach einer Weile kriegten wir uns wieder ein. Wir lagen vor dem See in der Sonne, in der Hoffnung, dass unsere Klamotten trocknen. „Hast du irgendetwas zum Essen?“ Als wollte mein Magen meine Worte unterstreichen, knurrte er. „Nee, ich hab nichts – oder siehst du hier irgendwo einen Rucksack?“, fragte Ben mit einem Grinsen im Gesicht. Ich schüttelte belustigt den Kopf. „Na komm, lass uns zu meiner Oma gehen. Ich hab Hunger“, sagte ich. Ben nickte, stand auf und gab mir eine Hand. Ich nahm sie dankend, und er zog mich mit einem Ruck auf die Füße.

„Wer als Erster da ist!“, rief er und lief mit einer Geschwindigkeit los, bei der ich wusste, dass ich nicht mithalten konnte. Und trotzdem rannte ich. Meine Füße berührten kaum den Boden. Es fühlte sich an, wie zu fliegen. Die Bäume zogen an mir vorbei. Ich wusste, dass ein Fehltritt, ein verstauchter Knöchel, zwei Wochen Bettsitzen bedeuten würde. Ich verlangsamte mein Tempo kaum merklich und setzte jeden Fuß mit Bedacht. Ben war nicht mehr zu sehen. Mein Atem wurde schwer, und meine Lungen brannten. Dennoch wurde ich nicht langsamer – im Gegenteil, ich wurde sogar schneller. Ich lief aus den dichten Blättern des Waldes. Ich hob ruckartig meine Hand, um meine Augen vor der abrupten Sonne zu schützen.

Omas Haus kam in Sicht. Es sah aus wie ein Hexenhäuschen. Kräuter hingen aus den Fenstern, und die Bäume im Garten waren mit Lichterketten geschmückt – als würden dort kleine Feen wohnen. Das war der Ort, an dem ich den ganzen Sommer sein würde. Ein warmes Gefühl machte sich in meiner Brust breit. Sechs Wochen zusammen mit Oma und Ben, der ein paar Straßen weiter wohnte. Mit einem breiten Lächeln stieß ich die Tür auf. „Ach, Max, kommt auch mal! Weißt du, Rosalinde, Max und ich sind gleichzeitig losgerannt. Ich hatte nicht einmal einen Vorsprung!“ Ich verdrehte die Augen über Bens Aussage. „Du hast ja auch mindestens doppelt so lange Beine“, warf ich schnell hinterher.

„Na komm, Ben hat schon drei Marmeladenbrote gegessen. Gleich ist nichts mehr da“, sagte Oma Rosalinde mit einem warmherzigen Ton. Ich setzte mich und biss in das geschmierte Brot. Das Wasser lief mir im Mund zusammen. Ich habe noch nie so leckere Marmelade gegessen. Oder ich war einfach nur halb am Verhungern.

Sie saß am Küchentisch, die Hände um die Tasse gekrampft. Der Geruch von altem Kaffee stieg in ihre Nase. Ein Bild tauchte auf, bruchstückhaft, verschwommen – ein Lachen, das sie kannte, ein Raum, der fremd war. Sie konnte sich nicht erinnern, was passiert war.

Nur das Gefühl blieb. Warm und schwer wie flüssiges Blei im Brustkorb. Ein Zittern, kaum merklich. Ida nahm einen Schluck, doch der Kaffee schmeckte leer, als würde die Erinnerung selbst jeden Geschmack verschlingen. Dann hörte sie auf zu atmen.

Sie stellte die Tasse weg. Dann stand Ida auf. Der Raum war voller Erinnerungen. Sie musste hier raus. Doch sie kam nicht weit. Im Türrahmen blieb sie stehen. Immer noch zitternt.

Das ständige Ziehen in ihrer Brust wurde unerträglich, ein ständiger Begleiter. Sie wollte schreien. Weinen. Rennen. Aber Ida stand nur da, regungslos, als hätte sich ein Mantel der Taubheit über sie gelegt.

Am Anfang glaubte sie, es sei nur eine Maske. Doch das tägliche Schauspiel war Realität geworden. Das Theaterstück war tot. Sie war allein. Keine Zuschauer, vor denen sie ihre Gleichgültigkeit hätte vorspielen können. Und doch hielt sie fest – aus Angst.

Aus Angst vor der Frage „Ist alles okay?“, aus Angst vor Sorge, vor Verständnis. Hier kippt alles. Hier verliert sie die Kontrolle. Und langsam geschah es. Jede Sekunde traf härter als die vorherige. Der Raum schien sich zu drehen. Erst lief eine einzelne Träne über Idas Wange. Sie hatte nicht mehr die Kraft, sie wegzuwischen. Sie fiel auf den Boden.

Ihr gefürchteter Moment war da. Alles fühlte sich verrutscht an. Feuchte Wangen, zitternder Körper. Sie wollte Kontrolle zurückgewinnen – vergeblich. Es gab nichts mehr, wofür sie kämpfen konnte.

Sie sank auf die Knie. Es sollte ihr egal sein. Sie wollte weitermachen. Aber es ging nicht. Die Maske war bis zum letzten Moment gehalten worden, nie für sie selbst.

Der Gedanke traf sie schwerer, als er sollte.

Sofia strahlte, als ihr Kindermädchen erzählte, dass sie shoppen gehen würden. Sie wäre vor Freude fast geplatzt. Ihr Kindermädchen Margarete nahm die kleine Sofia an die Hand. Das tat sie immer und wenn Sofia fragte, wieso sagte sie es wäre eine Vorsichtsmaßnahme. Was das jetzt bedeutet, wusste sie nicht, wahrscheinlich wieder Erwachsenen-Zeugs.

Zu zweit gingen die beiden aus dem Anwesen von Sofias Eltern. Sie stiegen in das rote Auto von Margarete. Sofias Vater hatte nur schwarze Autos. Sofia konnte es kaum erwarten. Sie liebte es, aus dem Anwesen ihrer Eltern zu kommen, um etwas von der Welt zu sehen. Seit sie im Sommer endlich sechs geworden ist, darf sie das auch zusammen mit Margarete. Sie parkten das Auto und gingen zum Zentrum.

Auf dem Weg kamen die beiden an einem Kindergarten vorbei. Sofia sah, wie die Kinder lachten und spielten. Sie sah, wie die Erzieher mit den kleinen Jungs schimpften. Bei dem Anblick wurden Sofias Augen groß und sie blieb stehen.

Zwei Kinder saßen am Zaun. Es war ein Junge und ein Mädchen. Sofia zuckte zusammen, als das Mädchen zu ihr sagte: „Warum bist du nicht im Kindergarten? Bist du krank oder bringt dich deine Mutter gerade?“ Dabei schaute sie auf Margarete.

Sofia antworte verunsichert: „Das, das ist nur mein Kindermädchen. Ich gehe leider nicht in den Kindergarten. Ich muss den ganzen Tag alleine bleiben.“ Sofia schaute beschämt zu Boden. Warum konnte sie nicht auch in den Kindergarten? Das Mädchen pfiff durch die Zähne und sagte: „Nur dein Kindermädchen. Bist du reich oder so?“ Sie betonte das nur komisch. Sofia runzelte die Stirn: „Hast du kein Kindermädchen?“ Das fremde Mädchen schüttelte den Kopf.

„Sofia komm jetzt, du solltest nicht mit so Leuten reden. Was, wenn die Läuse haben?“ Margarete mochte es nicht, wenn Sofia mit Fremden sprach, deswegen gingen sie weiter. Sie sah noch ein paar Obdachlose, die ihr nie aufgefallen waren. Sofia wollte Margarete fragen, ob man den Menschen helfen konnte, sie traute sich aber nicht.

Margarete verstand Sofia sofort, gab ihr 5 Euro und flüsterte ihr ins Ohr: „Wenn du der Frau helfen willst, dann gib ihr das Geld. Sie hat nämlich keins.“ „Kein Geld?“, fragte Sofia verwundert. Margarete schüttelte den Kopf.

Sofia nahm das Geld und rannte zu der Frau rüber. Sie war fest entschlossen, etwas Gutes zu tun. Sie fand, jeder sollte Geld haben, um sich Essen zu kaufen. Sie gab der Frau das Geld und die bedankte sich. Schnell ging Sofia zu Margarete zurück.

Hanna bekam ein flaues Gefühl im Magen, als sie merkte, dass sie fliegen würde. Es wäre ihr erster Flug. Was war, wenn das Flugzeug nicht kam? Oder noch schlimmer, wenn es abstürzte? Was hatten sich ihre Eltern dabei gedacht? Klar, sie hatten einen Urlaub auf Fuerteventura geplant.

„Hanna, Jonathan, seid ihr fertig mit dem Packen?“ Ihre Mutter konnte manchmal nervtötend sein. Hanna schrie zurück: „Ja, Mama! Ich bin schon lange fertig.“ Das war zwar gelogen, aber fertig war sie ja. „Dann kommt, wir müssen uns beeilen!“, rief sie durchs ganze Haus. Hannas Hand schloss sich um den Koffer und sie ging runter ins Wohnzimmer. Dort warteten alle. „Habt ihr alles?“, fragte Hannas Mutter mit viel zu viel Enthusiasmus für ihren Geschmack. Ihr Vater sah Hanna warnend an. Hanna rollte demonstrativ mit den Augen, warf sich ihr schwarzes Haar mit den blauen Strähnen über die Schulter und ging aus dem Haus.

In der Abflughalle war es stickig und laut. Hanna spürte, wie ihr Atem schneller ging. Ich kriege doch jetzt keine Angst vor dem Fliegen. Ich bin doch nicht wie Greta. Sie presste die Lippen zusammen, zwang sich, ruhig zu wirken. Ein kleiner Junge rempelte Hanna an. Er hatte eine auffällige Narbe über seinem Auge. Neben ihm lief ein Mädchen mit

einer Sonnenbrille. Drinnen – was für komische Leute es hier doch gab. „Komm Hanna, der Flug geht gleich. Wir müssen los“, meinte ihre Mutter mit ruhiger Stimme.

Im Flugzeug saß Hanna eingequetscht zwischen ihrem kleinen Bruder Jo und ihrem Vater. Die Panik stieg in ihr auf. Was, wenn das Flugzeug nicht landete? Sie versuchte sich zu beruhigen, indem sie auf ihre Umgebung achtete. Sie fing an, die Leute zu beschreiben. Da war ein Mann mit Winterjacke. In einem Flugzeug nach Fuerteventura und das im Sommer. Dort ist es wahrscheinlich 30°. Ihr Blick fiel auf den kleinen Jungen, der sie vorhin angerempelt hat. Nach einer Weile merkte sie, wie die Panik nachließ. Mittlerweile waren sie schon hoch genug, um sich abzuschnallen.

Der Flug zog sich wie ein Kaugummi. Plötzlich kam die Durchsage, dass sie landen würden. Hanna zuckte zusammen. Sie schaffte es nicht mehr, regelmäßig zu atmen. Alles um sie herum wurde laut. Hanna schaffte es nicht, die Geräusche zuzuordnen. Sie war wie abgeschnitten von der Welt. „Hanna!“, rief ihr Vater panisch und rüttelte sie durch. „Ja?“, fragte Hanna. „Ist alles in Ordnung?“War alles in Ordnung? Hanna konnte den Gedanken nicht loswerden, dass sie alle sterben würden. Jo war schon ganz energisch: „Können wir endlich gehen? Ich will endlich nach Fuerteventura“ Waren sie etwa schon gelandet? Tatsächlich hatte Hanna die Landung verpasst. Verdutzt stieg sie auf und ging ihrer Familie nach draußen hinterher. In zwei Wochen müssten sie noch einmal fliegen, der Gedanke traf Hanna hart.

„Wie weit noch?“, fragte Zoey ihre Eltern. Es ist Samstag und ihre Familie hat sich für einen Wandertag entschieden. Zoey haste Wandern. Es war anstrengend, ihre Füße taten weh und ihre teuren Schuhe waren mit Schlamm bedeckt. Ihre beste Freundin wird wütend sein, weil ihre Eltern ihr das Handy für das Wochenende abgenommen haben und sie somit alle Flamen auf Snapchat verlieren würden. „Schatz, wir sind gerade erst losgegangen. Wir haben nicht einmal die Hälfte geschafft. In 2km kommt ein See, da können wir eine Pause machen. Die verkaufen dort auch Eis“, antwortete ihr ihre Mutter.

Später am See bekam Zoey wie versprochen ein Eis. Zoey fand etwas Aufmunterung dabei Enten zu verscheuchen. Sie schlich sich leise an, machte sich ganz groß und lief die letzten paar Meter auf die Enten zu. Dabei lachte sie wie ein kleines Kind. Nun ging die lange Wanderung weiter. Das wollte Zoey überhaupt nicht.

Mitten in der Wanderung kam Zoey auf eine Idee. Es war nur ein kleiner Gedanke. Ohne wirklich nachzudenken, blieb Zoey immer weiter zurück. Als ihre Eltern um eine Kurve bogen, sodass sie nicht mehr zu sehen waren, lief Zoey in den Wald rein. Durch die Bäume lief sie daher. Ohne Ziel. Ohne das sie wusste, wo sie war. Plötzlich hörte sie jemanden rufen: „Wohin die eile? Hier ist niemand“ Sie blieb stehen und drehte sich um. Dort sah Zoey ein Mädchen, welches sich an einem Baum angelehnt hat, während sie Zoey voller Neugierde betrachtete. „Du bist doch hier. Also jemand ist hier auf jeden Fall“, wurde das Mädchen von Zoey korrigiert. „Also wovon läufst du weg?“, fragte das Mädchen abermals. Zoey erzählte was passiert is, wie sie von ihren Eltern weggerannt ist und wie sie sich auch noch verlaufen musste.

Zoey und das fremde Mädchen, welches Klara hieß, verstanden sich gut. Klara zeigte Zoey eine Abkürzung zu deren Auto. Dort warteten die zwei auf ihre Eltern. Als sie um die Ecke kamen, waren Zoeys Eltern wütend. „Zoey, wo warst du?“, dröhnte die anklagende Stimme ihrer Mutter. Klara verabschiedete sich und meinige sie hätte noch was zu tun.

Nach einem langen Gespräch und Tränen der Eltern ging es wieder ab nach Hause. Dort bekam Zoey ihr Handy wieder damit sie erreichbar ist.

Und was lernt Zoey aus der Geschichte? Wanderungen sind gefährlich, aber man sollte sie trotzdem machen und wenn man Glück hatt, trifft man neue Freunde.

„Bella?“, rief ich, als ich ja merkte, dass mein Hund weggelaufen war. Ich hätte sie nicht freilassen sollen, aber jetzt ist es schon zu spät. „Bella!“, rief ich etwas lauter. Jetzt mache ich mir so langsam Sorgen. Es ist nicht das erste Mal, das sie wegläuft. Nur, dass sie normalerweise nicht so lange wegbleibt. Da kommen mir auch schon die Kampfhunde von diesem einen komischen Mann in den Sinn. Bella hat Angst vor größeren Hunden, da sie schon zwei-dreimal von einem gebissen wurde. Nun rief ich ihren Namen noch mal nur etwas verzweifelter.

Da steht sie schon total schmutzig vor mir, wie immer beim täglichen Waldspaziergang. Sie sah mich an, als ob ich ihr folgen sollte, Bella ging ein wenig nach vorne und schaute zurück. Mein Hund schaute mich wieder so an. Ich folgte ihr, und sie bog in den Wald ab. Wir gingen zwischen die Bäume. Plötzlich hörte ich ein komisches Geräusch. Es klang traurig und einsam. Ich verlangsamte mein Tempo ein wenig. Als das Geräusch nochmals erklang, zögerte ich. Leider muss ich zugeben, dass ich Angst habe, Angst vor dem Unwissendem. Doch meine Neugierde überkam mich.

Ich sammelte all meinen Mut zusammen, schob ein paar Zweige zurück, in der Hoffnung, dass ich auf der anderen Seite nichts Schlimmes erwarten würde. Dort begrüßten mich zwei eisblaue Augen hinter dichtem weißem Fell. Ich zog meine Jacke aus, wickelte ihn mit meiner Jacke ein. Darauf zog ich es vorsichtig an meine Brust, um es nicht zu zerquetschen. Mit dem kleinen Wesen in meinen Armen beeilte ich mich, um nach Hause zu kommen.

Zu Hause angekommen, klingel ich wie wild an meiner Haustür. Nach einem kurzen Austausch mit meiner Mutter düsen wir zum Tierarzt. Dort angekommen geht Mama rein und ich warte darauf. Ich spiele ein wenig an meinem Handy, um mir keine Zeit zum Durchdrehen zu geben. Mein Blick fällt auf das Datum, 13.03. War da nicht irgendetwas? Meine Mutter kommt raus und genau in diesem Moment fällt es mir ein. Mama sagt nur:“ Dieser Welpe braucht einen Namen.“ Ich überlege kurz und die Antwort fällt mir leichter als gedacht:“ Bella junior, und das ist die perfekte Überraschung für Amelie Geburtstag.“

Hallo, wo bist du? Hast du es? Ich warte schon ziemlich lange auf dich …

Bin in 10 Minuten da. Gab Probleme mit der alten, sie ahnt etwas. Wurde nicht erwischt

Will ich für dich hoffen, wenn du dich doch erwischen lässt … ich habe nichts damit zu tun.

Ich schaue von meinem Handy auf. Der Typ hatte echt kein Plan, wie man ein Krimineller ist. Letzte Woche haben wir ein wertvolles Kunststück geklaut, keine Ahnung wie es heißt. Auf jeden Fall ist es ein Meisterwerk aus Diamanten. Sehr teuer. Das wird für mindestens zwei oder drei Jahre reichen. Was der Typ noch nicht weiß, er kriegt nur 20 %. Er hatte eh keine Ahnung wie viel es kostet. Bei dem Preis kann man ihn leicht übers Ohr hauen. Mein Handy summt wieder ein mal.

Bin im Freizeitpark, wo bist du? Habe es dabei keiner hat mich erwischt.

Bin bei der roten Achterbahn. Bezahle Eintritt und lass die Tüte hinten beim Pinguin Mülleimer. Lass dich nicht erwischen … Verhalte dich unauffällig.

Logo bin unterwegs. Ich habe einen Plan.

NEIN! Du hältst dich an MEINEN Plan und wenn nicht, mach’ ich dir die Hölle heiß. Klar?

Ich warte nicht auf seine Antwort, weil ich weiß, dass er einen Riesen Schiss vor mir hat. Wenn ich ihm sage, ich mach’ ihm die Hölle heiß, dann tut er alles, was ich ihm sage. Er weiß, dass ich es durchziehen werde. Mir ist klar, dass nicht jeder 16-Jährige stiehlt, aber was man nicht alles tut, um auf der Straße zu überleben. Ich bin nicht so, wie die meisten Obdachlosen, die betteln und auf Geld hoffen. Ich gehe die Dinge selbst an. Früher als Taschendieb. Heute ist es das erste Mal, das ich was Größeres vorhabe. Die Polizei wird nie wissen, dass ich es war, die haben mich noch nie erwischt. Doch es kann immer passieren, nur das die erst merken, dass das Kunstwerk verschwunden ist. Der Künstler wird es erst nächste Woche wieder brauchen. Bis dahin bin ich schon über alle Berge. Das wird das Ding. Mit dem Geld kann ich alles machen. Und das Beste ist, ich habe alle Hinweise auf meinen Käufer gelegt, wo am Ende das Kunstwerk auch vielleicht gefunden wird. Wer weiß vielleicht hat er ja ein gutes Versteck.

Endlich bin ich ungestört, es ist schon eine Weile her das ich hier im Leuchtturm übernachtet habe. Meine Pflegefamilie geht mir echt auf den Keks. Ich meine, die lassen mir nie meine Freiheit.

Was heißt eigentlich Freiheit? Klar meine Sozialkunde Lehrerin redet ständig davon. Echt ätzend! Ich glaube nicht das sie es auch nur annähernd versteht.

Als ich 14 war, also vor zwei Jahren sagte mein Vater immer: „Du bist erst frei, wenn du tun kannst, was du willst, ohne das es Konsequenzen gibt.“ Aber das hieße ja, jeder könnte töten, ohne ins Gefängnis zu kommen. Es wäre viel schwieriger am Leben zu bleiben. Und wer würde dann noch in die Schule gehen um zu Lernen, oder unterrichten? Ich glaube nicht das jemand so Leben wollen würde.

Freiheit ist ein heikles Thema. Ich gehe auf den Balkon vom Leuchtturm, um die Sterne zu beobachten. Sie sind wunderschön. Die Sterne sind Frei, oder? Die Sterne haben niemanden, der ihnen grenzen setzt, also ja.

Ich wünschte irgendwie, ich könnte auch ein Stern sein. So sorgenlos und im Hier und Jetzt. Niemand könnte mir sagen, wie mein Tagesablauf morgen aussehen wird, so wie jetzt. Morgen muss ich in die Schule, danach habe ich Hausaufgaben und zu guter Letzt auch ein paar Stunden Freizeit. In der ich eingeschränkt bin! Das heißt, es ist keine Freizeit, sondern nur Zeit in der ich mir zwischen ein paar Dingen aussuchen kann, was ich machen werde.

Woran ich noch nicht gedacht habe, es gibt auch Leute, bei denen es offensichtlich ist, das sie keine Freiheit haben. Wovon meine Sozialkunde Lehrerin immer spricht. Sie hat natürlich nicht unrecht und es ist bei Leuten zum Beispiel im Krieg noch viel schlimmer als bei uns. Ich finde es schrecklich, was Menschen tun, um ihren Willen durchzusetzen. Vor allem das sie vor niemanden Halt machen.

Nur wir wissen noch nicht einmal, dass wir nicht frei sind. Ich gehe wider rein, denn ich sollte schlafen. Schließlich muss ich Morgen meinen Tagesablauf durcharbeiten.

Mist ich höre jemanden hereinkommen. Eigentlich weiß niemand das ich hier bin. „Victoria? Victoria, bist du hier?“, höre ich die Stimme meiner Stiefmutter rufen. Den Zettel unter meinem Kopfkissen hatte ich ganz vergessen. Ich habe darauf geschrieben, wo ich mich Nachts herumtreibe, falls meine Eltern merken das unter meiner Decke nur Kissen sind. Ich wollte ja schließlich nicht das meine Eltern sich Sorgen machen und die Polizei rufen. So viel zur Freiheit.

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Autor

JuliaNeufelds Profilbild JuliaNeufeld

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Statistik

Kapitel: 9
Sätze: 364
Wörter: 3.780
Zeichen: 21.349

Kurzbeschreibung

Spannende und lustige Geschichten, die zum Nachdenken anregen.

Kategorisierung

Diese Story wird neben Abenteuer auch in den Genres Action, Freundschaft und Familie gelistet.