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Du stellst dir vor...

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04.08.19 15:05
Fertiggestellt

Du stellst dir vor, jemand dem du nah stehst könnte etwas schlimmes passieren.

Du stellst dir vor, wie du die Nachricht erhieltest.

Du stellst dir vor, was du in dieser Situation tätest.

Du stellst dir vor, dass du alles ganz genau planen würdest.

Du stellst dir vor, ganz strukturiert und kontrolliert zu handeln.

 

Du stellst dir vor, wie andere darauf reagierten.

Du stellst dir vor, wie deine Familie reagierte.

Du stellst dir vor, was sie alles täten.

Du stellst dir vor, wie sie dir versuchen zu helfen.

Du stellst dir vor, wie gefasst du alles aufnähmest.

 

Du stellst dir vor, wie du dich fragen würdest, ob du wirklich alles getan hast.

Du stellst dir vor, wie du dich fragen würdest, ob du etwas anders hättest machen sollen.

Du stellst dir vor, wie du dich fragen würdest, ob du egoistisch warst.

Du stellst dir vor, wie du dich fragen würdest, ob du es verdient hast.

Du stellst dir vor, wie du dich fragen würdest, ob sie es verdient hat.

 

Du stellst dir vor, wie du dich fühltest.

Du stellst dir vor, wie du anderen leid tätest.

Du stellst dir vor, wie falsch sich dieses Mitleid anfühlen würde.

Du stellst dir vor, wie du deine Gefühle verbärgest.

Du stellst dir vor, dass du nicht das Recht hast dich schlecht zu fühlen.

 

Du stellst dir vor, wie du dein leben weiter leben müsstest.

Du stellst dir vor, alles zu versuchen, um sie nicht zu enttäuschen.

Du stellst dir vor, wie erdrückend alles sein könnte.

Du stellst dir vor, wie du darüber nachdächtest, einfach aufzugeben.

Du stellst dir vor, wie du weitermachtest, du könntest die Konsequenzen nicht ertragen.

 

Du stellst dir vor, wie du dich fragen würdest, wie lange du so leben würdest.

Du stellst dir vor, wie du dich fragen würdest, wie lange du noch auf Besserung hofftest.

Du stellst dir vor, wie du dich fragen würdest, wie lange du die Ungewissheit ertrügest.

Du stellst dir vor, wie du dich fragen würdest, wie lange du deine Gefühlen verbergen könntest.

Du stellst dir vor, wie du dich fragen würdest, wie lange es dauern würde, bis du wieder aufgeben möchtest.

 

Du stellst dir vor, wie sich alles im Kreis drehen würde…

 

Dann bekommst du die Nachricht.

Alles was du dir gedacht hast, alles zerfließt.

Du liegst im Bett, und du weinst, du weinst so viel es nur geht.

Dir entgleitet einfach alles.

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Sätze:7
Wörter:435
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Diese Story wird neben Prosagedicht auch in den Genres Trauriges und Nachdenkliches gelistet.

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