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Vaterlos

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19.5.2019 15:35
12 Ab 12 Jahren
In Arbeit

Autorennotiz

Für einen, der es gewohnt ist, seine Gedanken in lange Geschichten zu fassen, ist ein Gedicht eine ordentliche Herausforderung. Ich arbeite noch daran. So seht das hier als Vorabveröffentlichung.

Du hast gezeugt, mich, du, mein Vater,
Umschlungen mit dem Weib vereint,
Stöhnend in wollüst‘ger Begierde.
Du ließest Frau und Sohn im Stich,
Folgtest dem großen Heere,
Für Sieg, den Ruhm, die Ehre.
Du ließest Frau und Kind zurück,
Zu töten andrer Kinder Väter.
Nie hast du einen Mensch gekannt,
In diesem fernen weitem Land.
Du starbst in eines Kessels Schlacht,
Kamst nicht zu Ruhm und Ehre.
Du starbst an einem öden Ort,
An des Novembers letztem Tag.
Du starbst im Kessel von Demjansk,
Zum Ruhm der Heeresleitung.
Dem Sohn, dem blieb ein blechern Kreuz,
Zur Ehrung deiner Taten.
Dein Grab, das ist ein Ulmenwald,
Denn niemand deine Reste barg.
Strelizy heißt dein Sterbeort. Ein Weiler nur,
An dem du starbst, in einem Ulmenwald.
Die Kesselschlacht, die ist vorbei,
Dein Sohn, der blieb allein zurück.
Dein Sohn der fragt, wo ist der Sinn,
Der Sinn in deinem Tun.

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Autor

BerndMooseckers Profilbild BerndMoosecker

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Kurzbeschreibung

Das Gedicht ist ein Versuch, den ungekannten Vater zu erreichen. Vielen meiner Generation ist es so ergangen, es ist also nichts Besonders, was ich hier versuche in Reime zu fassen.

Zugehörige Readlist

Gedichte
(2 Werke)