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| Wörter: | 579 | |
| Zeichen: | 3.257 |
Ich stehe auf meinem Balkon im ersten Stock eines sechs-Familien-Hauses. Ich stütze mich gegen das Geländer und lasse den Blick schweifen. Ich sehe Bäume und Sträucher in unterschiedlichen Grüntönen. Es duftet ausnahmsweise Mal nicht nach kiffen, denn der Nachbar unter mir ist nicht Zuhause. Es riecht nach frisch gewaschener Wäsche. Auf dem Balkon der Nachbarin steht ein Wäscheständer.
Ich drehe mich um und setzte mich auf einen der beiden Stühle. Ich lausche dem Wind, der sanft durch die Baumkronen weht und mit den jungen Blättern eine leise Melodie spielt, die mich erdet. Aus allen Ecken ertönt Vogelgezwitscher. Raben, Finken, Spatzen, Amseln und viele weitere Arten gibt es hier. Alle zwitschern auf ihre Art und Weise. Mal lauter, mal leiser. Sie fügen sich perfekt harmonisch in die Natur ein. Im Gegensatz zu den Fahrzeugen, die ich hinten auf der Landstraße wahrnehme. Autos und Motorräder die, sobald hier auch nur annähernd gutes Wetter herrscht in Massen her strömen, um die Umgebung zu genießen. Vielleicht auch nur um den Kick zu suchen, den die Landschaft hier bietet. Unterschiedliche Höhenmeter auf wenigen Kilometern und die scharfen Kurven sind für Motorradfahrer oft ein Grund hierher zu kommen.
In den Gärten der umliegenden Einfamilienhäuser höre ich spielende Kinder und Erwachsene, die sich unterhalten. Ab und an lachen sie laut auf. Sie wirken ausgelassen. Fast so, als hätten sie keine Sorgen.
Der Himmel ist leicht gräulich gemischt mit einem zarten hellblau dass, je weiter ich nach oben schaue, immer heller wird. Die Sonne schafft es heute jedoch nur schwer durchzubrechen und Wärme zu spenden. Immerhin ist es trocken. Es könnte, jetzt Mitte Mai, wärmer sein. Aber aus irgendeinem für mich unerklärlichen Grund, will das Wetter, genau wie meine Stimmung, nicht warm werden.
Ich hatte mir das Ganze anders vorgestellt. Als ich vor einem guten dreiviertel Jahr beschloss mein Haus zu verkaufen um Abstand zwischen mich und meine Familie zu bekommen. Dass der Winter hier so hart werden und der Frühling sich so lange hinauszögern würde, hatte ich nicht erwartet.
Ich schaue mich auf meinem Balkon um. Nicht besonders einladend. In der linken Ecke stehen zwei große schwarze Müllsäcke. In einem sind Gartenabfälle. Eine große Pflanze aus meinem Garten, die den Umzug trotz regelmäßigem gießen, nicht überlebt hat.
Ich habe es noch nicht geschafft die Müllbeutel runter zu bringen und zu entsorgen. Mir fehlt einfach die Motivation.
Der Stuhl auf dem ich sitze ist unbequem und hart. Das dünne Holz des Bistro-Sets von Ikea frisst sich durch meine dicke graue Jogginghose in mein Fleisch. Meine große Gartencouch mit den gemütlichen dunkelgrauen Sitzkissen, hätte hier leider keinen Platz mehr gefunden. Ich hatte sie letzten Sommer verkauft. Da wusste ich noch nicht , dass ich bald umziehen würde.
Damals kam mir ein Umzug in die Eifel noch so weit entfernt vor, wie die Distanz zwischen Erde und Mond.
Jetzt kommt es mir so weit entfernt vor, je wieder ein eigenes Haus zu besitzen. Damals wusste ich nicht zu schätzen, was ich hatte. Heute vermisse ich es. Was ich wohl hier gerade alles nicht zu schätzen weiß? Wird es je einen Ort geben, der gut genug für mich ist? Der mich glücklich macht? Der sich nach - Zuhause - anfühlt?
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