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Unseres Glückes eigener Schmied? Die Idee der Willensfreiheit in der Kritik

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12.1.2019 17:31
12 Ab 12 Jahren
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Wohl kaum ein anderes Thema ist derart in den Köpfen der Menschen verankert, wie das der Freiheit und das Streben nach derselben. Selbige stellt ein für uns alle unverzichtbares Grundbedürfnis dar, jeder Mensch will frei sein, nicht eingeschränkt oder unterdrückt werden, sei es durch seine Mitmenschen oder durch staatliche Instanzen. Wir sind der festen Überzeugung, dass Freiheit etwas ist, das nur dem Menschen als allen anderen Lebewesen erhabenes Geschöpf, zu eigen ist. Tieren, mitsamt der gesamten fühlenden Natur wird der freie Wille abgesprochen, sich frei entscheiden und frei handeln zu können, kommt nur dem Menschen zugute. Bei diesem Grundgedanken handelt es sich keineswegs um eine je nach Region oder Gesellschaft divergierende Annahme, überall auf der Welt ist man gleichermaßen von der Willensfreiheit des Menschen überzeugt (inwiefern staatliche Maßnahmen dieser Idee entsprechen, sei einmal dahingestellt). Besonders in den Vereinigten Staaten von Amerika ist das Thema Freiheit und Selbstbestimmung allgegenwärtig und stets präsent. Sicherlich lässt sich dies durch die geschichtlichen Hintergründe der Kolonialzeit erklären, die erst 1776 mit der Unterzeichnung der Unabhängigkeitserklärung ihr Ende fand. Nicht umsonst heißt es in der amerikanischen Nationalhymne "Land of the free", nicht umsonst ist die Freiheitsstatue das Symbol des Landes, nicht umsonst spiegelt sich der Freiheitsgedanke in dem Ideal des "American Dream" wider, nicht umsonst ist das Streben nach Glück und Freiheit in der amerikanischen Verfassung schriftlich festgehalten. Das Thema Freiheit ist absolut zeitlos und die Frage, ob dieses Ideal auch tatsächlich zu erreichen ist, immer aktuell. Wir fühlen uns frei, doch sind wir es wirklich? Was steckt in Wahrheit hinter Floskeln wie "Jeder ist seines Glückes eigener Schmied"? Diese Fragestellung liegt diesem Essay zugrunde und ist Anlass für eine kritische Auseinandersetzung mit jenem Thema, welches den Menschen derart beschäftigt, wie kaum ein anderes.
Freiheit scheint dem Menschen immanent zu sein, weshalb sich das Hinterfragen dieser vermeintlichen Tatsache augenscheinlich erübrigt. Es ist uns unmöglich nachzuvollziehen, dass eine Entscheidung, die ich selbst traf, zu der mich niemand zwang, womöglich doch nicht meine eigene ist. Aus diesem Grund erscheint uns der Gedanke der Unfreiheit, folglich der unserer eigenen Heteronomie, als paradox, da selbiger sich unserer empirischen Erkenntnis entzieht und dementsprechend auch nicht mit unserem Grundverständnis von der Autonomie des Menschen zu vereinbaren lässt. Somit lässt sich der Irrglaube erklären, wir wären in jedem Fall frei. Ein Gefühl und eine fixe Idee werden stets für wahr gehalten, weshalb sie auch so gefährlich sind und daher eine kritische Untersuchung erst recht lohnenswert ist. Da wir uns, wie bereits dargelegt, in diesem Zusammenhang nicht auf unsere Erfahrungen und Gefühle verlassen können, ist das Thema Freiheit nur mithilfe der Vernunft a priori anzugehen.
Hierbei ist es von essentieller Wichtigkeit, die Unterscheidung von politischer und philosophischer Freiheit vorzunehmen, da ein und derselbe Begriff nicht unweigerlich auch ein und dasselbe meint. Die Existenz von Freiheit im politischen Sinne ist unbestreitbar. Menschen, die in einem autoritären Obrigkeitsstaat leben, der keine freie Meinungsäußerung duldet, politische Gegner verfolgen und einsperren lässt und den Bürgern jedwede Möglichkeit auf ein selbstbestimmtes Leben verweigert, sind zweifelsohne erheblich weniger frei als solche, die in einem demokratischen Staat leben. Freiheit im politischen Sinne wird folglich nicht thematisiert, im Gegensatz zu der Freiheit im philosophischen Sinne. In diesem Zusammenhang ist von Handlungs-und Willensfreiheit des Individuums an sich die Rede. Handlungsfreiheit bedeutet, dass ich meinem eigenen Willen gemäß handel, Entscheidungsfreiheit, dass ich die Möglichkeit habe, mich zwischen verschiedenen Optionen frei zu entscheiden und mein Handeln dementsprechend ausrichte. Die zentrale Problematik in Bezug auf dieses Thema ist jedoch die Frage, ob dieser Wille mir überhaupt innewohnt. Geht die Entscheidung letztendlich von mir aus oder bin ich nicht doch Sklave der Umstände?
In der Natur und im Universum im Allgemeinen unterliegt alles dem Kausalitätsprinzip, folglich der Beziehung zwischen Ursache und Wirkung, einem Prinzip, welchem sowohl in der Physik als auch in der Philosophie eine elementare Bedeutung beigemessen wird. Demgemäß ist ein Ereignis oder Zustand nur das Ergebnis eines vorangegangenen Ereignisses oder Zustandes. Somit liegt eine logisch aufgebaute Kette vor, bei dem sich alle Ereignisse aufgrund ganz bestimmter Bedingungen ergeben. Mithilfe eines leicht verständlichen mathematischen Beispiels lässt sich das Kausalitätsprinzip gut erklären. Das Ergebnis einer Rechnung lautet nicht vier, weil es sich dabei um eine bewusste Entscheidung handelt, sondern weil vor dem Gleichheitszeichen beispielsweise zwei plus zwei steht. Die Ursache ist die Rechnung zwei plus zwei (oder eins plus drei, vollkommen egal), das Ergebnis, in diesem Fall mit der Wirkung gleichzusetzen, kann daher nur vier lauten, nicht etwa fünf oder sechs, weil diesem Fall andere Ursachen zugrunde liegen müssten (etwa drei plus zwei oder drei plus drei). In der Natur ist kein einziger Vorgang auszumachen, der nicht einem solchen Ursache-Wirkungs-Prinzip unterliegt. Warum sollte dies bei uns Menschen, die wir auch ein Teil der Natur sind, anders sein?
Determinierende Faktoren wirken als Ursache auf unseren Willen und beeinflussen selbigen entscheidend. Anzunehmen, man wäre trotz dieses Zustandes frei in seinem Wollen, stellt einen großen Irrtum dar. Determination, die zweifelsohne vorhanden ist, lässt sich unmöglich mit der Idee der Willensfreiheit in Einklang bringen. Die Ideen widersprechen sich schon in ihrem Kern. Entweder vollkomen frei oder vollkommen fremdgesteuert! Das Vorhandensein von determinierenden Einflüssen lässt sich nicht leugnen, weshalb der Wille als Konsequenz nicht frei sein kann. Zu solchen Faktoren gehören Charaktermerkmale, Erfahrungen, gesellschaftliche Erwartungen oder auch äußere Einflüsse wie beispielsweise eine schwere Krankheit, die die Freiheit eines Menschen ohnehin entscheidend einschränkt. All dies macht es dem Subjekt unmöglich, sich in einer bestimmten Situation anders zu verhalten, die Vorstellung der Entscheidungs-und Willensfreiheit, folglich reine Illusion. Auch wenn ich das Gefühl habe, vor der freien Wahl zu stehen, bin ich bereits zuvor durch eben genannte Faktoren derart determiniert, dass nur eine einzige Entscheidung, jene die sich als logische Konsequenz aus den Ursachen ergibt, überhaupt möglich ist und ich mich niemals in dieser ganz bestimmten Situation unter diesen ganz bestimmten (und stets einmaligen) Umständen hätte anders verhalten können. Da sich jedoch Umstände und Situationen stets ändern, sind in einer anderen Situation auch wieder andere Voraussetzungen vorhanden und die Entscheidung kann dementsprechend anders ausfallen, jedoch liegt auch dann nur eine einzige Möglichkeit der Entscheidung vor. Niemals gleicht eine Situation vollkommen exakt einer anderen, auch wenn uns dies oftmals so erscheint. Aus diesem Grund haben wir auch das Gefühl, uns jederzeit anders entscheiden zu können und dass die Entscheidung nur von uns selbst abhängt. Heute gehe ich nicht ins Kino, doch morgen kann ich mich erneut frei entscheiden, ob ich gehen möchte oder nicht (vermeintlich die gleiche Situation, doch in Wahrheit werden die Voraussetzungen morgen schon ganz anders aussehen, als heute). Wenn ich morgen dann ins Kino gehe, handelt es sich dabei ebensowenig um eine freie Entscheidung, wie noch am Vortag, als ich nicht im Kino war. Wenn ich heute nicht gehe, kann ich nicht anders, wenn ich morgen gehe, kann ich auch nicht anders. Es mag sich so anfühlen, als ob ich mich jederzeit hätte anders entscheiden können, doch bin ich doch eigentlichen durch meinen unfreien Willen zu der bestimmten Handlung gezwungen worden. Daher ist der Mensch in sich selbst determiniert, ein Gefangener seiner Selbst und macht sich somit zur unfreien Marionette des Schicksals und der äußeren Umstände, ohne überhaupt etwas dafür zu können. Denn selbst der Wille an dieser Situation etwas zu ändern (ohnehin nicht umsetzbar), wäre paradoxerweise ebenfalls determiniert. Nicht nicht zu handeln oder zu entscheiden ist unmöglich, da selbst das Verweigern einer Entscheidung eine Entscheidung darstellt und der Mensch somit Zeit seines Lebens fremdbestimmt wird.
Handelt es sich bei den determinierenden Faktoren nicht um solche, die auf mich selbst zugeschnitten sind und somit zu mir gehören müssten? Schließlich unterliegt mein Wille doch immer noch meinen individuellen Eigenschaften und Erfahrungen! Dieser Einwand ist durchaus berechtigt, doch auch wenn die Faktoren individualisiert sind, ist der Wille dadurch nicht frei, wenngleich er dennoch zu mir gehörend ist. Was ist das "Ich" überhaupt? Doch nichts anderes als die Summe all dieser determinierenden Faktoren, die letztendlich die eigene Persönlichkeit bilden.
Betrachten wir ein Beispiel: Wenn ich gerne sportlicher werden möchte, kann ich an mir arbeiten. Dies ist jedoch keine freie Entscheidung, da mein determinierter Wille mir keine andere Wahl lässt. Vielleicht habe ich den Entschluss mehr Sport zu treiben getroffen, weil ich ehrgeizig bin. Der Ehrgeiz als Charakereigenschaft macht es mir unmöglich, mich nicht sportlich zu betätigen, ich habe also keine andere Wahl. Der innere Drang treibt mich dazu, in Zukunft häufiger das Fitnessstudio aufzusuchen. Ein weiterer äußerer Einfluss könnte die Empfehlung eines Arztes sein, der mir aus gesundheitlichen Gründen rät, Sport zu treiben. Würde ich dem nachkommen, ohne dass eine Neigung mich dazu drängt, wäre ich eindeutig für jedermann ersichtlich fremdgesteuert. Doch auf den Rat des Arztes muss ich nicht hören. Ich muss nur auf die Vorgaben meines determinierten Willens hören, weil ich nicht anders zu entscheiden und zu handeln in der Lage bin. Angenommen, ich verfüge über die ungünstige Charaktereigenschaft, Autoritäten zu missachten oder habe mir in der Vergangenheit beim Sport eine schlimme Verletzung zugezogen und daher eine regelrechte Abneigung entwickelt und befolge daher nicht den Rat des Arztes. Ist dies dann eine freie Entscheidung in Anbetracht all dieser determinierenden Faktoren? Mitnichten, denn jene Einflüsse wirken alle gleichermaßen auf uns Menschen. Sich ihnen zu entziehen, läuft der menschlichen Natur zuwider.
Interessanterweise geht man auch in den Wissenschaften nicht mehr von der vollkommenen und an nichts gebundenen Willensfreiheit des Menschen aus. Die Psychoanalyse spricht Schwerverbrechern in vielen Fällen beispielsweise die Zurechnungsfähigkeit ab, weshalb sie nicht inhaftiert, sondern in einer psychiatrischen Anstalt behandelt werden. Dem zugrunde liegt die Annahme, die Kriminellen hätten aufgrund ihrer offensichtlichen geistigen Verwirrtheit nicht anders handeln können und sind daher für ihre verwerflichen Taten nicht zu verantworten. Dies stellt unter Beweis, wie sehr wir Menschen von den äußeren Umständen abhängig sind und dass wir uns alle im Grunde stark ähneln, sind wir doch alle den scheinbar willkürlichen determinierenden Faktoren hoffnungslos ausgeliefert. Aus diesem Grund sagte bereits der deutsche Dichter Georg Büchner (1813-1837) einst: "Ich verachte Niemanden, am wenigsten wegen seines Verstandes oder seiner Bildung, weil es in Niemands Gewalt liegt, kein Dummkopf oder kein Verbrecher zu werden; weil wir durch gleiche Umstände wohl Alle gleich würden, und weil die Umstände außer uns liegen".
Um die eklatanten Schwächen der Theorie von der Willensfreiheit aufzudecken, bedienen wir uns eines weiteren Beispiels: Man stelle sich vor, ich würde gerne fliegen wollen und frei wie ein Vogel durch die Lüfte schweben, um die Welt von oben zu sehen. Dieser Wunsch, dieses Bedürfnis, stellt meinen absoluten Willen dar. Gelingt es mir also meinem Willen entsprechend zu handeln und einfach davonzufliegen? Selbstverständlich nicht! Hier kann man natürlich einwenden, dass dies schließlich auch rein anatomisch nicht möglich ist und das Fliegen außerhalb des menschlichen Vermögens liegt und mit den Regeln der Physik nicht zu vereinbaren ist. Um dem entgegenzuwirken, kann man sich jedoch die Frage stellen, wer diese Grenzen des Möglichen festlegt? Der Wille jedenfalls nicht, dieser ist stark eingeschränkt und an vielerlei unveränderliche Umstände gebunden! Die Grenze kann schließlich schon längst erreicht sein und alle vermeintlich freien Entscheidungen sind nur Illusion. Wenn der freie Wille einmal versagt, ist es möglich, dass er immer versagt!
Mit dem Menschen verhält es sich so, wie mit allem in der Natur. Betrachten wir einen Baum. Er kann sich den Naturgesetzen unmöglich widersetzen. Bei einem heftigen Sturm, wird er entwurzelt und fällt zu Boden. Das Umfallen ist keine Entscheidung, sondern eine Notwendigkeit. Aufgrund des Sturms ist eine andere Konsequenz nicht denkbar, das Ursache-Wirkungs-Prinzip kommt hierbei zur Geltung. Sicherlich wird niemand einem Baum den freien Willen zusprechen, weshalb der Vergleich mit dem Menschen auf den ersten Blick etwas hinkt. Doch in der Natur unterliegt alles den gleichen Gesetzen und Prinzipien. Die Schwerkraft wirkt beispielsweise ebenso auf den Menschen wie auf einen Hund, weshalb sollten also spezifische Unterscheidungen vorgenommen werden, zumal man schließlich bei uns allen von Lebewesen, eben Angehörigen der belebten Natur spricht?
Da die Frage nach der Freiheit des Menschen beinahe schon so alt ist, wie der Mensch selbst, ist es wenig verwunderlich, dass sich die Wissenschaften bereits seit Jahrtausenden mit der Problematik auseinandersetzen und ihre ganz eigenen Schlüsse aus den gewonnenen Erkenntnissen ziehen. Das wahrscheinlich berühmteste Experiment, das sich mit eben jener Frage beschäftigt, ist das in den 1980er Jahren durchgeführte "Libet-Experiment" des US-Amerikanischen Neurophysiologen, Benjamin Libet (1916-2007). Hierbei wurden untersucht, welche neuronalen Prozesse bei der Entscheidung, eine Handlung auszuführen, eine Rolle spielen. Die Durchführung des Experiments sah folgendermaßen aus: Die Probanden mussten vierzig Mal den rechten Arm heben und zwar zu einem vollkommen frei wählbaren Zeitpunkt. Voraussetzung war, dass sie sich genau merken sollten, wann sie den Drang verspürten, die Bewegung auszuführen. Um dies zurückzuverfolgen, sollten sie sich die Position eines Punktes merken, der sich auf einem Ziffernblatt bewegte. Mithilfe eines Elektronenzephalogramms (EEG) konnte Libet das Bereitschaftspotential in Form von neuronaler Energie messen, das dann entsteht, wenn willentliche Entscheidungen bevorstehen (im motorischen Cortex des Gehirns). Das Ergebnis war nicht nur für die Wissenschaftler erstaunlich. Es konnte festgestellt werden, dass das Gehirn bereits die Bewegung der Hand vorbereitete, als der Proband noch nicht die Absicht verfolgte, die Bewegung tatsächlich auszuführen. Der Wille entstand 200 Millisekunden vor der Ausführung der Handlung, das Bereitschaftspotential jedoch bereits 350 Millisekunden vor dem Willen und somit 550 Millisekunden vor der eigentlichen Handlung.
Zweifelsohne ist das "Libet-Experiment" keineswegs als Beweis dafür anzusehen, dass der Mensch über keinen freien Willen verfügt, beziehungsweise, dass selbiger bereits zuvor determiniert und daher nicht mehr frei ist. Mit wissenschaftlichen Studien ist generell vorsichtig umzugehen, da sie sich oftmals auch gegenseitig widersprechen. Zudem kann ein derart komplexes Thema wie das der Willensfreiheit mitnichten auf eine simple Handbewegung reduziert werden. Nichtsdestotrotz zeigt das "Libet-Experiment", dass das menschliche Unterbewusstsein offenbar eine große Kontrolle auf unser Handeln ausübt und dann allgemein enorm viele Prozesse außerhalb unserer eigenen Erfahrung ablaufen. Auffällig ist auch, dass erstaunlich viele Experimente durchgeführt wurden, die zu einem ähnlichen Ergebnis wie das "Libet-Experiment" kamen. Wir sind viel näher dran, die Unfreiheit des Menschen unter Beweis zu stellen, als seine Autonomie, da Beweise für unsere Freiheit nicht zu finden sind.
Wenn man sich mit der Frage der Willensfreiheit intensiv auseinandersetzt, resultiert dies unweigerlich in einer weiterführenden Frage, die ein neues Problem offenbart und verdeutlicht, wie sehr die Vorgänge in der Natur und im Leben tatsächlich zusammenhängen. Ist das Leben vorherbestimmt?
Sucht man, wie viele Menschen es zu tun gedenken, eine Antwort auf diese Frage in den Religionen, wird man nur auf Widersprüche stoßen. Im Christentum ist von einem allmächtigen Gott die Rede, der das Leben eines jeden Menschen vorherbestimmt und diesem dennoch die Willensfreiheit geschenkt hat. Eine solche Annahme ist allerdings paradox und entbehrt jedweder logischen Grundlage. Geht man von der Freiheit des Menschen aus, geht dies damit einher, dass der Verlauf des Lebens offen ist, da er von den frei getroffenen Entscheidungen des Individuums abhängt. Ist das Leben jedoch von Gott vorherbestimmt, schließt dies die Willensfreiheit des Menschen aus, da er nicht seines Glückes eigener Schmied ist, wie man so schön sagt und folglich sein Wille determiniertsein muss. Somit führen sich religiöse Annahmen selbst ad absurdum und dürfen daher nicht als sichere Beweisführung herbeigezogen werden. Freiheit geht nämlich mit einem völlig offenen Ausgang einher, da dieser nicht vorherbestimmt ist. Wie bereits zuvor dargelegt, lassen sich Determination und Freiheit eben nicht miteinander vereinbaren.
"Der Mensch kann zwar tun, was er will, aber er kann nicht wollen, was er will", wie der deutsche Philosoph Arthur Schopenhauer (1788-1860) einst so trefflich formulierte. Da wir nicht frei, sondern determiniert sind, muss auch unser gesamtes Leben vorherbestimmt sein. Diese Erkenntnis mag ernüchternd sein und uns ungerecht vorkommen, liegt unser Erfolg, unsere Glückseligkeit, unsere Erlebnisse und was auch immer doch nicht in unserer Hand, doch wer hat schon jemals behauptet, dass es auf der Erde eine höhere Gerechtigkeit gebe? Daraus folgt jedoch ebenfalls, dass es eine höhere Macht geben muss, ein überirdisches Wesen, welches nach bestimmten Maßstäben die irdischen Vorgänge und damit einhergehend auch alle determinierenden Faktoren, die wiederum unsere Entscheidungen fällen, festlegt. Würden wir alle Faktoren, die auf einen Menschen wirken, mit absoluter Bestimmtheit kennen, so wäre es theoretisch möglich, ein Leben genaustens vorherzusagen und Entscheidungen und Handlungen in gewisser Weise mathematisch zu berechnen. Vermutlich wird uns dies jedoch niemals gelingen, da sich unerklärliche Phänomene schlichtweg unseren mit der Vernunft möglichen Erkenntnissen entziehen. Wer oder was diese höhere Macht, das personifizierte Schicksal ist, lässt sich ebenfalls unmöglich bestimmen. Womöglich handelt es sich dabei tatsächlich um eine Art Gottheit, wenngleich zweifelsohne nicht eine solche wie sie beispielsweise in der Bibel dargestellt wird. Vielleicht ist aber auch das Universum an sich diese höhere Macht. Jedenfalls endet an dieser Stelle jedwede rationale Argumentation, da der Verstand an seine Grenzen stößt und nur die Fantasie sich eventuelle Lösungen vorzustellen vermag.
Für die Theorie, dass das Universum an sich diese höhere Macht darstellt, spricht zumindest die Forschung der Astrologie, die sich mit der Deutung von Zusammenhängen zwischen astronomischen Ereignissen und irdischen Vorgängen beschäftigt. Hierbei werden in erster Linie Horoskope erstellt. Dabei handelt es sich um eine schematische Darstellung der Planetenkonstellation in den Tierkreiszeichen zu einem bestimmten Zeitpunkt als Grundlage zur Voraussage zukünftiger Ereignisse, oder im Falle des Geburtshoroskops, der Persönlichkeitsanalyse eines Menschen. Erfahrungen bestätigen, dass Übereinstimmungen tatsächlich zum Teil vorhanden sind, was den Schluss nahelegt, die Antwort auf die Fragen der Freiheit und der Determination sind wortwörtlich in den Sternen zu finden. Nichtsdestotrotz ist mit derlei Deutungen vorsichtig umzugehen, da sie nicht auf der Basis einer wissenschaftlichen Grundlage operieren und somit zumindest nicht von offizieller Gültigkeit sind. Doch hierbei verhält es sich wie mit dem "Libet-Experiment". So lange das Gegenteil nicht bewiesen werden kann, ist alles möglich!
Endgültig zu klären ist die Frage nach dem Vorhandensein der Willensfreiheit mit menschlichen Möglichkeiten nicht. Was ist also als Ergebnis dieser Auseinandersetzung festzuhalten? Unseren Alltag werden diese Theorien nicht beeinflussen. Wir gehen alle weiterhin unseren Pflichten und dem täglichen Leben nach, wie wir es gewöhnt sind. Wir werden weiterhin von Freiheit sprechen, auch wenn wir überzeugt sein mögen, dass rational betrachtet mehr Gründe gegen ihr Vorhandensein als dafür sprechen. Einzig unseren Blick auf die Dinge vermag diese ganze Debatte zu ändern. Selbt, wenn wir in Wahrheit nicht über einen freien Willen verfügen sollten, warum sollte uns diese Erkenntnis oder Vermutung unserer Lebensfreude berauben? Ist der Gedanke daran, dass eine höhere Macht, deren Existenz für uns nicht begreiflich ist, die irdischen Vorgänge und somit unser Handeln steuert, nicht vielmehr befreiend? Wir brauchen uns keine Sorgen mehr zu machen, nicht mehr angsterfüllt in die Zukunft blicken und so viel Zeit mit wenig zielführender Grüblerei verbringen. Da das Schicksal ohnehin nicht in unserer Hand liegt, können wir getrost und in aller Seelenruhe einfach alles auf uns zukommen lassen, in dem Wissen, dass alles genau so eintrifft, wie es kommen soll, und sich alles exakt so ereignen wird, wie es vorherbestimmt ist, wie es schon immer von einer höheren Macht, die unseren Intellekt bei weitem übertrifft und genau weiß, was zu tun ist, vorherbestimmt war. Das ist wahre Freiheit!

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suedehead Am 12.01.2019 um 19:42 Uhr
Ich hab den Text nur halb gelesen, weil diese Wall of Text es einem wirklich schwer macht, am Ball zu bleiben. Und mich bis zum Ende zu quälen lohnt der Text leider nicht, denn du machst einige gravierende Fehler.

Du definierst nicht, was du mit "Freiheit" meinst. Nach dem, was du später in deinen Beispielen anführst, muss man leider annehmen, dass du Freiheit mit Beliebigkeit verwechselst. Eine Welt, in der alles möglich ist, bietet dir nämlich keine individuelle Freiheit, sondern würde dich als Individuum völlig zerstören.
In einer Welt mit Schwerkraft kannst du zwar Hochspringer sein, aber die Physik setzt dir natürliche Grenzen. In einer Welt ohne Schwerkraft kannst du kein Hochspringer sein. Es gäbe vermutlich noch nicht einmal die Idee des Hochspringens.
Freiheit bezieht sich also immer auf einen Rahmen des Möglichen. Nach deiner Argumentation hat ein zum Tode Verurteilter keinerlei Freiheit mehr. Aber auch das ist falsch. Seine Freiheit spielt sich in einem kleineren Rahmen ab, als die eines Menschen, der nicht im Gefängnis sitzt. Er kann sich entscheiden, ob er sein Verbrechen bereut, ob er um Gnade winselt, ob er zu beten beginnt oder ob er dem Tod gleichgültig entgegen geht. Natürlich kann er sich nur für eins davon entscheiden. Jede Entscheidung ist der Tod von einer Millionen Möglichkeiten, aber das heißt ja nicht, dass man zuvor nicht frei war.
Der Witz ist, dass die Freiheit keine Gnade ist, nichts, wonach wir streben - und dein Text ist der beste Beweis dafür. Du sehnst dich danach, beweisen zu können, dass du nicht verantwortlich bist für dein Handeln. Aber das bist du. Freiheit ist eine Bürde. Freiheit ist eine Verantwortung. Deine Entscheidungen haben Konsequenzen, die deine Freiheit womöglich erweitern oder einschränken, nichts desto trotz, wirst du dein Leben lang immer weiter Entscheidung um Entscheidung treffen müssen. Klar kannst du gerne glauben, dass die Umstände dich in eine Richtung drängen und deshalb die Wahrscheinlichkeit, dass du eine bestimmte Entscheidung triffst, größer ist als die, dass du eine andere triffst, aber dass dir Entscheidungen abgenommen werden, weil es nur eine Realität gibt, die du wahrnehmen kannst, ist Quatsch. Wenn du einen Mord begehst und du argumentierst, dass du das getan hast, weil es getan werden musste, weil das Universum es verlangte, weil alles bereits festgelegt ist, dann verstößt du gegen Humes Gesetz, nach dem sich kein Sollen aus dem Sein ergibt. Es ist also ein Fehlschluss, zu glauben, nur weil etwas IST, hätte es nicht auch anders sein können. Es ist, im besten Fall, ein Glaube, den du hier formulierst, dem die Behauptung zu Grunde liegt: Alles ist berechenbar. Damit wäre mit einem hochkomplexen Supercomputer die Zukunft exakt vorauszusagen.

Gerade weil die Idee der Freiheit aka Verantwortung so monströs ist, haben die meisten Menschen Angst davor. Sie haben Angst, Fehler zu machen und mit den Konsequenzen leben zu müssen. Wir rennen blind in eine ungewisse Zukunft und blicken dabei auf eine Vergangenheit, in der zum Teil viele fürchterliche Fehler gemacht wurden - was uns suggeriert: Wenn wir uns dämlich anstellen, richten wir großes Leid und großen Schaden an. Nur leider wissen wir nicht, was wir tun sollen, damit das nicht passiert, aber etwas tun müssen wir doch - und wenn wir alle kollektiv Selbstmord begehen.
Diesen Zwang, etwas zu tun, diesen Zwang, sich zu entscheiden, betrachtest du als Beweis dafür, dass wir unfrei sind. Wir können uns schließlich nicht entscheiden, uns nicht zu entscheiden und wenn uns eine Möglichkeit nicht gegeben ist, meinst du direkt, es sei keine ultimative Freiheit... Aber denk zurück an den Hochspringer in der Schwerelosigkeit. Ohne Einschränkung, ohne Rahmen, ohne Bedingungen, ohne Regeln gibt es überhaupt keine individuelle Freiheit, keine einzige Möglichkeit - denn es wäre ja alles gleichzeitig Realität - oder nichts, denn ohne Grenzen gäbe es auch keine Ideen. Ein Ding wäre gleichzeitig Pferd und Kuh und Hase, weil nichts mehr definieren und nichts mehr ausschließen dürfte. Und wie kann man wissen, was "alles" ist? Kann man sich Dinge, die es nicht gibt, vorstellen? Oder sind Dinge, die man sich vorstellen kann, bereits in einer gewissen Weise existent?
Du merkst, du hast deinen Freiheitsbegriff extra so gewählt, dass er nicht funktionieren KANN und weil das nicht funktioniert, behauptest du, die ganze Idee von Freiheit funktioniere nicht. Das nennt man einen naturalistischen Fehlschluss. Herzlichen Glückwunsch dafür.
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