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OneShot- Sammlung zu Soko Leipzig

25
3.1.2019 11:07
12 Ab 12 Jahren
In Arbeit

Gleich nachdem ich Chef geworden bin, habe ich diese Liste erstellt: 

     1. Alles Richtig machen 
     2. Die Vorgesetzten glücklich machen 
     3. Die Stimmen meiner Kollegen beachten 
     4. Keine Fehler machen 
     5. Immer vor Ort sein 
     6. Lange Arbeiten 
     7. Für meinen Sohn da sein 

Sieben Punkte, welche ich jeden Tag abzuarbeiten habe. 365 Tage im Jahr. Seitdem ich die Leitung übernommen habe, konnte ich noch nicht einen einzigen Punkt von meiner Liste streichen. Nicht einen einzigen. Nicht einen Einzigen Punkt habe ich abhaken können, schreie ich in mich hinein. Wut kocht in mir hoch. Mein Herz fängt an unregelmäßig zu schlagen. Mein Körper fängt an zu vibrieren. Ich versteife mich um nicht das Gefühl des Schwindels zu verspüren, doch in mir öffnet sich ein Loch, welches mich zum wanken bringt. Meine Gedanken werden von großen Schaufeln durchschlagen. Sie graben jeden Tag ein Loch, bei dem sie immer tiefer in meine Gedanken eindringen, wie ein großer Bohrer, der sich in die Erdkruste hineinbohrt. Sie wühlen so tief, dass mein Kopf anfängt zu schmerzen. Die letzten Tage, Monate, Jahre ziehen an mir vorbei, blitzen auf und dann verschwinden sie hinter einer dicken Nebelwand voller Momente, die sich im Chaos meiner Gefühle befinden. Schmerzhafte, aber auch schöne Momente blitzen auf. Sie zeigen die Geburt meines Sohnes, welche ich als den schönsten Moment in meinem ganzen Leben betiteln würde. Noch nie verspürte ich so viel Glück auf einmal. Noch nie floss Schmerz und Glück zusammen, wie an diesem Tag. Es war der reinste Vulkanausbruch, welchen ich in den Momenten der Geburt warnahm. Das Ausstoßen des Glückes, verlief im Schmerz durch meine Tränen, die sich ihren Weg durch die felsige Landschaft bahnten.  Der Schrei meines Sohnes machte mich in diesem Augenblick zu einem der glücklichsten Menschen auf dieser Welt. Doch ich spürte solch ein Glücksgefühl seit diesem Tag nie wieder, bis heute. Nie wieder.

Ein leises, vorsichtiges Klopfen reißt mich aus dem Gespräch mit Sabine. Jan steht in der Tür und sieht mich an. Ob er besorgt oder nur nett sein will, kann ich nicht sagen, denn er fragt mich in keinem harten, aber auch keinen weichen Ton: " Ich gehe was Essen, kommst du mit?" Meine Verwunderung darüber ist mir ins Gesicht geschrieben, doch ich nicke oder mache eine Bewegung, die man als nicken deuten kann. Sabine lächelt mir zu und beendet kurz darauf unser Gespräch. Ich erzählte ihr, wie sehr ich unter diesem Posten, den ich nun inne habe, leide, wie es mir mit Jan ergeht. Auch wenn ich einiges von meinen Gefühlen preisgab, verschweige ich ihr die Wahrheit über meine Gefühle, mein Wohlergehen. Ich log sie an, um die Kontrolle weiterhin zu behalten. 
Ich stehe auf, schiebe meinen Stuhl an den Schreibtisch, ziehe meine Jacke über und gehe zusammen mit Jan durch die kleine Seitentür, die zum Innenhof des Präsidiums führt. Ich versuche noch einmal einen kleinen Blick auf Hajo zu erhaschen, dabei aber fällt die Tür seicht ins Schloss.  Wie in Trance gehe ich zu meinem Dienstwagen, an dem ich die Fahrerseite öffne, um einzusteigen. " Ich fahre", flüstert Jan leise, während er mich zur Beifahrerseite geleitet, um mir die Tür zu öffnen. Ich steige ein, drehe mein Kopf zum Fenster, sage nichts mehr. Ich schweige. Ich habe mir immer erträumt, dass genau dies geschieht, das mich Jan fragt, mich zum Essen einlädt, aber jetzt will ich nichts weiter als flüchten. Fortlaufen vor der bevorstehenden Konfrontation, wegrennen vor meinen Gefühlen, verschwinden in meine Depression und nie wieder aus dem sich drehenden Strudel auftauchen. 
Die Nähe, die Jan mir im Hotel vor einem Jahr gegeben hatte, war seit der Chefsache vollkommen verblasst. Verblasst, wie die seichten Sonnenstrahlen, welche in den frühen Morgenstunden Tau, auf Blättern, auf Wiesen und Feldern von den Strahlen angestupst, herunterkullern und in der Erde versickern lässt. Nichts ist mehr wie es vorher einmal war, nichts, alles hat sich verändert, nun da Hajo nicht mehr Chef ist. Jan macht mir Vorhaltungen, wie ich zu sein und was ich zu machen habe. Meist schreit er mich zudem ohne jegliche Rücksicht an, haut immer wieder auf meine Fehler drauf, bis ich schließlich am Ende des Tages Zuhause weinend neben ein Glas Rotwein in meinem Badezimmer auf dem kalten Fußboden zusammenbreche. 
" Ina", durchbricht Jan barsch das Schweigen. " Ist alles okay bei dir, du kannst doch sonst nicht den Mund halten, vor allem da du jetzt Chefin bist?" Ich starre ihn ausdruckslos an, will irgendetwas darauf antworten, doch ich gebe nach. Mein Körper gibt nach. Ich beginne erst leicht zu zittern, atme schnell und unregelmäßig, mir wird heiß, sehr heiß, sodass sich kleine Schweißperlen auf meiner Stirn bilden. Kaum sichtbar, aber spürbar. Meine Augen füllen sich mit glasigen, fast durchsichtigen blauen Tränen. Sie kullern immer schneller und schneller und immer zahlreicher meine blassen, mit Puder bedeckten Wangen hinunter, bis sie letztendlich auf meine blaue Jeanshose tropfen, wo sie sich langsam auflösen. 
Zahlreiche Gebäude,  bunte Felder, Wiesen und Wälder ziehen an mir vorüber, aber ich bin tief in meinen Gedanken versunken. 
Ein unsanfter Ruck verrät mir, dass wir angehalten haben. Ich schaue aus dem Fenster, doch ich erkenne nichts außer Bäume. Wild angeordnete Bäume, welche sich um einen schmalen Pfad, mit grünen saftigen Moos, anordnen. Ich starre Jan an. Doch er steigt aus dem Auto aus ohne mich anzusehen. Er sieht nicht einmal zurück. Immer weiter geht er in den dunklen Wald hinein, bis er nur noch als Silhouette zu erkennen ist. Jan scheint keine Angst zu haben, vor nichts und niemanden, nicht einmal davor angegriffen zu werden. Ich sitze da, bewege mich kaum, atme kaum, höre nur das leise rascheln der Bäume durch die offene Fahrertür. Ich sehe mich mehrmals um, jedoch kann ich meinen Kollegen in der Abenddämmerung nicht finden, nirgends. Seit fünft vielleicht zehn Minuten ist er verschwunden. Desto länger ich hier nichts tuend sitze, desto mehr beschleichen mich die Gefühle der Angst. Angst, welche ich nun um Jan spüre, wobei ich seit seiner letzten Aussage einen unglaublichen Hass auf ihn spüre. Hass. Ein schreckliches Wort, das viel Schaden anrichten kann. Hass kann nicht nur Familien entzweireißen, es kann dich auch zu einem Mörder machen. Somit viel Leid und Schmerz über die Menschheit bringen. Eigentlich wird gesagt, dass man nicht hassen soll, doch viele Menschen, wie ich brauchen diesen einen Moment, in dem sie ihr eigener Herr sein können. Zerstören, aber auch in Trauer versinken. 
Meine kalten Hände berühren den warmen Türgriff, öffnen diesen in einer unerträglichen Langsamkeit, sodass ich anfange zu zittern. Als die Tür offen steht, kann ich nun den Wald nicht nur aus dem Fenster erblicken, stattdessen werde ich ein Teil von ihn. Wie in Trance laufe ich auf und ab. Blicke mich verwirrt um, bis ich den Pfad endlich gefunden habe. Ich laufe ohne Ziel, ohne jede Orientierung auf dem weichen Boden des Mooses entlang. Höre mein Herz klopfen, spüre wie es vor Anstrengung zerspringen will. Ich halte diesem Prozess der Selbststörung meines Herzens stand und renne nur diesen einen Weg entlang. Laut rufe ich den Namen meines Kollegen in die nun existierende Dunkelheit. Allerdings kann ich nur ein leises Echo vernehmen. Mir schießt sofort in den Kopf, dass ein Echo oft bei hohen Felswänden entstehen kann. Wo in Leipzig gibt es Berge? Mir fallen auf die Schnelle nur die Hohburger Berge ein, die durch vulkanische Tätigkeiten entstanden. Heute gelten sie als ein beliebtes Ausflugsziel für Einheimische und Touristen. Mir wird dennoch nicht klar, warum Jan hierher wollte. Ich kann mich nicht daran erinnern ihn je von dem Ort sprechen gehört zu haben, gar dass ich ihn hiermit in Verbindung bringen würde. Nichts. Ich blicke mich noch einmal um in der Hoffnung ihn sehen zu können, auch wenn es nur eine Silhouette wäre, doch ich erkenne nichts außer den Bäumen, hohes Gras und großen Mückenschwärmen. Ich renne weiter durch den Wald, rufe weiter seinen Namen. Aber er scheint wie vom Erdboden verschluckt. Hoffnungslosigkeit macht sich in mir breit. Aussichtlos scheint es ihn in den Untiefen der Hohburger Berge zu finden. Ängstlich sehe ich mich ein erneutes Mal um, doch nichts scheint sich verändert zu haben. Bis auf die immer dunkler werdende Umgebung, welche mich immer mehr umgibt. Und mich, desto weiter ich zwischen den Bäumen nach ihm suche, immer mehr verschlingt. Sie zieht mich in ihre großen Mäuler, die an jeder Ecke auf der Lauer liegen, um das letzte Licht, den letzten Strahl auszusaugen. Noch immer rufe ich seinen Namen, stolpere über Steine, verheddere mich an den spitzen Stacheln der Sträucher, die mich bei jedem Schritt den ich mache zu Boden reißen wollen. 
Meine sonst so mitreißende Zuversicht schwindet weiter, macht mich schwach, saugt meine letzten Reserven aus meinem Körper aus, der jetzt eher einem schwer verwundeten Patienten eines Krankenhauses ähnelt, als meiner Person selbst. Der sonst so perfekten Ina Zimmermann. Blutige Schrammen kann ich durch den schwachen Lichteinfall des nun aufgegangen Mondes erkennen. Mein Atem ist so schwer. Ich bin verzweifelt und habe seit einiger Zeit nichts mehr zu mir genommen was mir jetzt hätte helfen können, mich nicht auf dem kalten Waldboden zu sitzen und zu hoffen, dass jemand kommt um mir zu helfen. Auf was ich hoffe ich? Auf nichts, lautet meine Antwort, denn wer soll hier vorbeikommen um diese Uhrzeit? Hoffe ich auf ein Wunder? 
Wunder habe ich in der Schule gelernt gibt es nicht, es gibt nur deine Entscheidungen, die deine Umgebung und dich beeinflussen. Ich zähle nicht mal mehr die Geburt meines Sohnes zu einem Wunder. Es war nur die Natur. Die Natur gibt uns Freunde, sie lässt uns leiden, aber niemals ist sie ein Wunder. Sie ist eine Laune. 
Erst jetzt bemerke ich wie schlecht es mir eigentlich geht. Mir ist schwindelig, ich will mich übergeben, aber ich werde von meinem Körper selber zurück gezwungen, so als hänge ich an einer Schnur und werde wie ein Lachs aus offener See herausgezogen. Nicht, dass ich ein Fisch wäre, aber so fühle ich mich in den Moment, wie ein Fisch, der an einer Angel hängt. Unbeholfen mit dem Schwanz wackelt, sich hin und her windet, dabei schreit. Seine qualvollen Schreie hallen in seiner Heimat wieder, aber niemand hört ihn, er ist alleine. Alleine in einem Gefängnis aus zusammengeknoteten Fäden. Er schließt langsam seine kleinen, schwarzen Knopfaugen, denn er weiß er wird sterben. 
Aussichtslosigkeit. Hoffnungslosigkeit. All diese stechenden Wörter schweben auf einem starken Luftstrom über Wohnsiedlungen, Wiesen und Felder, bis sie meinen Geist erreichen. Sie überqueren die höchsten Berge, lassen sich im Wasser treiben, dabei stoßen sie in ihrem Umkreis Angst und Schrecken aus. Menschen, denen sie begegnen bleiben regungslos stehen, bis sie in mich hineindringen. Sie krallen sich an meinen Gedanken fest, versprühen in mir Augenblicke der Todesangst. Sie stellt eine lebende Angst dar. Sie ist überall. Sie ist quälend, obendrein für Menschen gekoppelt mit verheerenden Auswirkungen, welche sich im Zusammenspiel mit entsetzlichen Qualen befinden. 

Ein dumpfes Geräusch ertönt von weit her, ich kann nicht beschreiben woher es kommt, oder ob es nur eine Illusion ist. " Ina, Frau Zimmermann", erdröhnen Stimmen wie im Chor, doch ich kann sie nicht orten. Kann sie kaum war nehmen, dennoch versprühen sie alleine mit ihrer Existenz einen Funken Hoffnung. Ohne meinen Körper aufzufordern sich zu bewegen, setzt er sich wie im Rausch in Richtung der immer lauter wertenden Stimmen in Bewegung. Stolpernd bewege ich mich voran, falle hin, stehe wieder auf und laufe weiter. Sehnsuchtsvoll schiebe ich mich näher heran. Gleichzeitig werde ich schwächer, verliere den Halt, will ich mich an einer Buche festhalten, doch ich falle auf den harten Waldboden. 
Musik erklingt in meinen Ohren. Sie gibt den schrillen Ton wieder, die die Gestalten machen, als sie auf meinen zunächst leblosen Körper zu rennen. Erschrocken, zugleich trauernd hocken sie sie sich neben mir auf den Boden. Sie schreien nach Hilfe, sind mit der Situation überfordert. Nur einer steht Abseits. Jan. Ohne sich zu regen steht er da, sich abwendet vom ganzen geschehen, als er von einer weinenden Person zu meinem Körper gedrängt wird. " Du hast meine Schwester umgebracht!!" entweicht es meinem Bruder wütend. "Wie konntest du sie gehen lassen….du warst nicht da, nur Interessiert an dein Wohl…". "Lass mich", sagte Jan ausdruckslos und ging zurück. Es kullerten Tränen aus seinen Augen, wischte sie aber schnell ab, um diesen Verlust den er gerade erlebt hat zu verschleiern. Er fühlte sich leer, schuldig, sodass er sich, als er am Wagen angekommen war, ins Auto setzt. Zielsuchend fährt er durch die leeren Straßen. Um fünf Uhr morgens war es bereits. Der Beifahrersitz war leer, würde nie wieder mit seiner Liebe besetzt sein. Er vermisst sie. Wünscht sie wäre hier…er hofft auf ihre Stärke, ihre Lebenskraft er kann sie nicht verlieren. Nicht jetzt, da er sie am dringendsten braucht. Er weiß, dass sie ihn braucht. Sie weiß, dass er sie bracht. 
Er hat seine Chefin beobachtet, wie sie litt, wie sie an ihm und seinem Egoismus zu Grunde ging. Und all dies war seine Schuld. Seine verdammte Schuld. Nichts könnte dies wieder gutmachen. In Ihm schwirrten quälende Gedanken um seine Chefin. Hätte er sie nicht so scheiße behandelt würde sie noch leben, würden sie miteinander reden, aber ja es drehte sich alles nur ihm selber. Ihr zuhören konnte er nicht, ihr beim leiden zu sehen auch nicht. Er wusste, dass dieser Tag, diese Frage sie umgebracht hatte. 

Das leise surren meines Handys weckt mich aus einem tiefen Schlaf. Einen nie endenden, wären nicht zusätzlich die Laute meines Sohnes zu vernehmen, der weinend an meinem Bett liegt. Aus seinen Augen kullern Tränen, die auf meine zerkratzte Haut tropfen in der Hoffnung sie verschwinden schnell. "Mama", höre ich wie in einem Traum. "Du lebst". Ja, ich lebe und ich bin unheimlich froh. Nichts, aber auch nichts hätte mich von meinem Sohn trennen können, nicht einmal der gestrige Tag. Oder welcher Tag auch immer. Auch wenn ich Jan vielleicht liebe, geht nichts über meinen Sohn, für den ich alles machen würde, auch sterben. Meine Hand berührt seine strubbeligen Haare. Ich spüre ihn. Meine Mundwinkel beginnen sich langsam zu einen Lächeln zu formen. Ich habe alles was ich brauche. Meinen Sohn Paul. Ein Wunder. 

Ein Traum. Die Erinnerungen schießen mir in den Kopf. Ich blicke mich verwirrt um, bemerke das es real ist. Jan ist real, das Radio ist real. Ich bin so durcheinander, dass ich mich von Kopf bis Fuß abtaste, ob ich echt bin. Ich fühle meine Haut, meine lockigen Haare. Jan sieht mich an, er lächelt mich an und gibt mir das Gefühl, dass alles gut ist. "Ina, es tut mir leid, wie ich mit dir umgegangen bin…ich weiß das du es nicht leicht hast als Chefin". Ich starre ihn an und lächle. Ich lächle einfach nur.


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Kurzbeschreibung

Oneshot zur Soko Leipzig

Crossover

Diese Fanfiction wird neben Sonstiges - Fernsehserien auch im Fandom Soko Leipzig gelistet.
Sie wurde außerdem mit Krimi, Depressionen, OneShot und OneShot-Sammlung getaggt.

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