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Nicht dein Leben

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13.10.2017 8:49
16 Ab 16 Jahren
Heterosexualität
In Arbeit

Autorennotiz

Disclaimer:
Nicht dein Leben... ist eine Fanfiction. Ich verdiene kein Geld damit. Die Story dient einzig alleine der Unterhaltung, da ich finde, dass einige Geschichten einfach erzählt werden müssen.
Die von mir verwendeten Charaktere bleiben Eigentum ihrer geistigen Schöpfer. Ich leihe sie mir nur einmal aus....

-Dick Grayson / Robin wurde geschaffen von Bob Kane und Bill Finger (erster Auftritt im Juli 1940)
-Dick als Nightwing wurde geschaffen von Marv Wolfman und George Pérez (erster Auftritt im Februar 1984)
-Bruce Wayne / Batman wurde geschaffen von Bob Kane und Bill Finger (erster Auftritt im Mai 1939)
-Barbara Gordon / Batgirl wurde geschaffen von Bob Kane (erster Auftritt im Januar 1967)
-Barbara als Oracle wurde geschaffen von John Ostrander (erster Auftritt 1989)
-Alfred Pennyworth wurde geschaffen von Bob Kane (erster Auftritt im April/Mai 1943)
-Tim Drake wurde geschaffen von Marv Wolfman und Pat Broderick (erster Auftritt im August 1989)
-Tim als Robin (erster Auftritt im Dezember 1990)
-Tim als Red Robin (erster Auftritt im August 2009)
-Jason Todd geschaffen von Gerry Conway, Max Allan Collins und Don Newton (erster Auftritt März 1983)
-Jason als Robin (erster Auftritt im Dezember 1983)
-Jason als Red Hood (erster Auftritt im Februar 2005)
-Roy Harper / Speedy geschaffen von Mort Weisinger (erster Auftritt im November 1941)
-Roy als Arsenal (erster Auftritt im Juli 1993)
-Timmy Grayson oder eben Johnny Grayson lebt auf Erde 2 (erster Auftritt im Dezember 2014)

Ich werde die Charakterliste ergänzen, sobald neue Charakter eine Rolle in meiner Geschichte spielen. Natürlich wird es auch Charaktere geben, die in den Comics keine Rolle spielen, da sie meiner Fantasie entspringen. So war es einst vor vielen Jahren auch mit einem Johnny Grayson. Das er nun tatsächlich in den Comics existiert, wenn auch nur auf Erde 2, erfüllt einen seit Jahren gehegten Wunsch von mir.

Sein Name ist Richard Grayson. Er ist 35 Jahre alt, glücklich verheiratet und Nachwuchs Nummer zwei ist unterwegs. Als Kind lebte er in einem Zirkus, war Artist und gehörte, wie seine Eltern, zu den berühmten Trapezkünstlern, den „Flying Graysons“, bis seine Eltern in der Manege ums Leben kamen. Der bei dem Unglück anwesende Milliardär Bruce Wayne, ebenfalls ein Waisenkind, nahm sich des Waisenjungen an und adoptierte ihn. Es dauerte nicht lange und Richard kam dem Geheimnis seines Adoptivvaters auf die Spur, denn dieser wachte als Batman über Gotham City. Nach langem harten Training wurde Richard zu Robin, dem jugendlichen Partner des Dunklen Ritters. Richard ging zur Schule, studierte danach Psychologie und Kriminologie und verliebte sich in die gutaussehende Bibliothekarin Barbara Gordon, die Adoptivtochter, des GCPD Commisioners James Gordon, die ebenfalls ein kleines Geheimnis schütze, denn Barbara, schon als Kind von Batman fasziniert, wollte nie etwas anderes als eine Superheldin, wie ihr Vorbild, sein und so trafen Robin und das selbsternannte Batgirl über den Dächern von Gotham City aufeinander und die Romanze nahm ihren Lauf. Irgendwann entwuchs Richard dem bunten Kostüm. Er wollte auf eigenen Beinen stehen und entschied sich Gotham City zu verlassen. In der Nachbarstadt Blüdhaven fand er sein neues Zuhause und trat in die Policeacademy ein, um fort an, als Policeofficer die Augen offenzuhalten. Des Nachts zog er als Nightwing seine Runden, an seiner Seite Batgirl, die Frau die er liebte und schon bald heiratete.

In dieser Zeit deckte ein Junge namens Timothy Drake die Geheimidenitäten der Vigilanten auf und sprach bei Bruce Wayne vor, der als einsamer Batman düsterer und brutaler als jemals zuvor erschien. Mit viel Geduld und guten Argumenten gelang es Timothy, mit Hilfe von Richard, der neue Robin zu werden und nachdem auch seine Eltern starben, wurde er zum kleinen Bruder von Richard und zu einem weiteren Adoptivsohn Bruce Waynes.

Viele Jahre kämpften sie gemeinsam gegen das organisierte Verbrechen an, zerschlugen Drogenkartelle, Mädchenhändlerringe und sorgten dafür das der Abschaum hinter eiserne Gardinen wanderte oder in die geschlossene Abteilung der Psychatrie kam. Nach und nach wurde es ruhiger und sicher in Gotham City und auch in Blüdhaven. Es wurde so still, das Bruce Wayne sich zur Ruhe setzen konnte und Batman aus der nächtlichen Ansicht der Stadt verschwand. Es war nicht mehr von Nöten jede verdammte Nacht auf Patrouille zu gehen und so sah man immer seltener, wie die Helden sich von einem Dach zum anderen schwangen.

Richard gab seinen Job als Officer auf, unterbrach die Laufbahn zu einem Detective und beschloss als Lehrer Kinder aus benachteiligten Familien, in Akrobatik und Kunstturnen zu unterrichten

Aber was wäre, wenn Richards Leben, nicht sein Leben wäre und er sich entscheiden müsste, ob er alles verlieren möchte, seine Familie, sein Heim, seine eigene Identiät, um den Lauf der Geschichte wieder in die richtigen Bahnen zu lenken oder kämpft er dagegen an und entscheidet sich für die, die er von ganzem Herzen liebt und für das, was er geschaffen hat?

Diese Fragen muss sich Richard stellen und früher oder später muss er eine Entscheidung treffen, für oder gegen seine Frau und seine beiden Söhne.


1. Santa Claus war da

„Daddy, Daddy, Santa Claus war da...“

Verschlafen schlug Richard die Augen auf, tastete im Dämmerlicht, des Schlafzimmers, nach dem Schalter der Leselampe auf dem Nachttisch. Sofort fiel ein heller Kegel auf ihn. Lächelnd schaute er auf den schwarzen, wuscheligen Haarschopf hinab und schlang die Arme um seinen Sohn, der zur Hälfte auf seinem Oberkörper lag. „Ehrlich?“, erkundigte er sich lächelnd und strich dem Jungen sanft durchs Haar, strich ihm wirre Haarsträhnen aus der Stirn.

„Ja und er hat ganz viele tolle Geschenke gebracht.“ Die blauen Augen, denen seines Vaters gar nicht so unähnlich, strahlten glücklich.

„Hat er auch was für mich unter den Baum gelegt?“ Mit einem sehr zufriedenen Gefühl und totaler innere Ruhe, zog der schwarzhaarige Mann an der mit königsblauer Bettwäsche bezogenen Daunendecke, um seinen Sohn, der noch immer nur seinen bunten Schlafanzug trug, zuzudecken. „Steck die Füße unter die Decke!“, lachte er und zog den Jungen vollständig zu sich ins Bett.

„Ich muss aber meine Geschenke auspacken“, erwiderte der Sechsjährige und versuchte sich aus der Umarmung seines Vaters zu lösen.

„Wo ist deine Mom?“ Der unendlichen Neugierde seines Sohnes konnte Richard nichts entgegensetzen und so gab er den kleinen Wirbelwind wieder frei.

„In der Küche. Ich glaube sie macht dir Rühreier.“ Lachend sprang Johnny auf, hüpfte einmal quer über das Bett und landete sicher auf dem weichen Bettvorleger.

„Zieh dir ein paar warme Socken über, Johnny, ehe du dich auf die restlichen Geschenke stürzt.“ Der schwarzhaarige, durchtrainierte Mann setzte sich auf, fasste nach der Hand seines Sohnes und beschwerte sich mit einem gewissen Schalk in der warmen, tiefen Stimme: „Habt ihr tatsächlich ohne mich die Geschenke ausgepackt?“

„Klar“, nickte der Junge. „Jason kam ohne dich runter, nachdem ich ihn zu dir geschickt hatte und Mom sagte, ich solle dich schlafen lassen.“

„Na dann, ab mit dir.“ Lächelnd gab Dick die kalten Finger seines Sohnes wieder frei und ließ sich seufzend zurück in das warme Bett fallen. Noch etwas schlafen, dann heiß duschen und den Tag mit der Familie verbringen. Wie spät war es eigentlich. Sein Blick wanderte zu dem Radiowecker. Gerade mal 7:05 Uhr. Viel zu früh, um an einem Feiertag aufzustehen und nach nur fünf Stunden Schlaf. Gegen zwei Uhr hatte er seine nächtliche Patrouille eingestellt. In der Nacht vor dem ersten Weihnachtsfeiertag trieben sich anscheinend keine Diebe in der Stadt herum. Müde drehte er sich auf die Seite, nachdem er sich das Kopfkissen zurecht und die Decke um sich gezogen hatte. Wenigstens zehn Minuten, dachte Richard und schloss die Augen. Zum Schlafen kam er jedoch nicht. Feuchter Atem schlug ihm ins Gesicht, ehe eine warme, nasse Zunge über seine Kinn glitt und ihn vollständig erwachen ließ.

„Jason, hör auf!“, bat der schwarzhaarige Mann und schob die freche Hundeschnauze von sich. „Lass mich noch etwas schlafen!“

Der Golden Retriver jedoch hielt sich nicht an die Bitte. Mit einem Satz war der Hund auf das Bett gesprungen und versuchte nun unter die warme Decke zu seinem Herrchen zu kriechen.

„Ist ja schon gut, Jason. Ich stehe auf.“ Mit allen Fingern kraulte Richard den Familienhund. „Und nun raus aus den Federn!“ Noch immer nicht ganz wach, schwang er die Beine aus dem Bett. Bevor er sich jedoch erhob dehnte er die Schultern und seinen Nacken. Der letzte Kampf steckte ihm noch immer in den Knochen, aber es wurde von Tag zu Tag besser. Die blauen Flecken auf seinen Schultern schimmerten nur noch ein wenig gelblich. Morgen würde nichts mehr davon zu sehen sein. Nur mit Shorts bekleidet, verließ er das Schlafzimmer. Ausgiebig gähnend, fuhr er sich mit den Fingern durch das blauschwarze Haar, rieb sich mit den Handballen einmal kurz über die Augen und stieg die Stufen hinab. Jason, aufgeregt mit dem Schwanz wedelnd, aber aufmerksam den Blick auf Richard gerichtet, an seiner Seite.

Am Ende der Treppe angekommen, blieb der Mann für einen Augenblick stehen. Sein Blick glitt in das große Wohnzimmer, mit der offenen Küche. Da befanden sich die beiden wichtigsten Menschen in seinem Leben. Johnny, sein Sohn, der ihm wie aus dem Gesicht geschnitten schien, saß vor dem riesigen Fernseher, noch immer in seinem Schlafanzug, und hielt einen Controller in den Händen. Nun aber wand er seine Aufmerksamkeit auf die rothaarige Frau, die in der Küche vor dem Herd stand. Leise schlich er sich auf nackten Sohlen näher. Hinter ihr angekommen, schlang er einen Arm um sie, legte die flache Hand auf den sichtlich gewölbten Bauch und schob mit den Fingern der anderen Hand, die Fülle der langen roten Haaren aus ihrem Nacken, ehe er sich zu ihr hinabbeugte und die Lippen sacht über die empfindliche Haut gleiten ließ. „Guten Morgen, ihr zwei“, murmelte er gegen die warme, nach Kokosnuss und Mango duftenden Haut und atmete den Geruch genießend ein.

„Morgen“, antwortete ihm Barbara. Sie legte die Eier, die sie eben für ein deftiges Frühstück aus dem Kühlschrank geholt hatte, zur Seite und drehte sich in den starken Armen ihres Mannes. Eng schmiegte sie sich an ihn, ließ die Hände über seinen Rücken gleiten und fühlte die Narben auf der Haut, ehe sie ihm einen Kuss stahl.

„Daddy!“ Aufgeregt drängelte sich ihr Sohn Johnny zwischen sie. „Weißt du, Santa hat alle Kekse, die ich mit Mom gebacken habe, aufgegessen und die Milch getrunken.“

Ein schelmisches Lächeln stahl sich auf Richards Gesicht. Die blauen Augen blitzen. „Dann waren sie bestimmt total lecker.“ Als er heute Morgen müde und frierend nach Hause gekommen war, hatte er sich mit großem Hunger und viel Appetit über die Kekse hergemacht und mit der Milch runtergespült.

„Darf ich noch ein Geschenk aufmachen?“ Aufgeregt vor seinen Eltern auf- und abhüpfend, schaute Johnny zwischen seiner Mutter und seinem Vater hin und her.

„Wenn du endlich Socken angezogen hast, dann darfst du noch eins öffnen“, lachte Richard, strich dabei seinem Sohn liebevoll durch das Haar und sah dem Jungen nach, als er, mit Jason im Schlepptau, nach oben in sein Zimmer verschwand.

„Dein Sohn hat vorhin zielsicher sein Spiel aus dem Stapel Geschenken gezogen“, erklärte Barbara und lehnte sich wieder gegen ihren Mann.

„Dann ist er die nächste Stunde mit Sicherheit beschäftigt.“ Das Gesicht in den langen, roten Haaren verbergend, murmelte er: „Kann das Frühstück noch warten, bis ich duschen war?“

„Lass dir Zeit.“ Langsam glitten ihre Finger auf Richards Rücken tiefer. „Darf ich mitkommen?“, wisperte sie gegen seine Lippen, die Hände dabei besitzergreifend auf seinen Hintern legend.

Bevor er Barbara eine Antwort geben konnte, vernahmen sie die eiligen Schritte ihres Sohnes, der mit dicken Socken an den Füßen, die Treppe hinabstürmte, danach zielsicher zu der großen rotsilbern geschmückten Nordmanntanne, die im Wintergarten ihres Hauses stand, eilte und dort nach einem weiteren Geschenk griff.

Hastig zerriss Johnny das weihnachtliche Geschenkpapier, ließ die Reste davon achtlos fallen und sprang auf. In den Händen hielt er eine der zur Zeit angesagten Superhelden-Action-Figuren, die mit den beweglichen Armen und Beinen und dem vielen Zubehör. Vor Freude kreischend, den Karton fest an seine Brust gedrückt, sprang er auf seine Eltern zu.

„Santa hat mir einen Nightwing geschenkt“, strahlte er überglücklich und drückte seinem verdutzen Vater die Verpackung in die Hand.

„Was hätte ich tun sollen?“, flüsterte Barbara. „Er hat sie sich so sehr gewünscht und in seiner Klasse besitzen die meisten Kinder schon eine Figur aus dieser Edition.“

„Aufmachen, Daddy!“

Die Stirn gerunzelt und die Augen zu schmalen Schlitzen verengt, schaute Richard den Karton in seinen Händen an. Durch die Folie auf der oberen Seite, fiel sein Blick auf die Plastikfigur. Wie er selbst, trug die Spielzeugfigur schwarze Stiefel, einen schwarzen Anzug, mit einem blauen, stilisierten Schwingensymbol auf der Brust, das sich über die Schultern bis zu den Armen ausbreitete und die schwarze Maske in Form eines Fledermausschattens. Das Symbol, welches Nightwing eindeutig als Mitglied der Bat-Familie, wie es in der Werbung des Spielzeughersteller hieß, auswies.

„Vielleicht hat Santa Claus dir ja auch noch ein Batgirl, Red Robin und Batman gebracht.“ Aus einem der Schubfächer in der Küchenzeile, nahm Richard ein kleines, scharfes Messer und zerschnitt damit die Folie, die als Schutz um den eigentlichen Karton gezogen war. Leicht den Kopf schüttelnd, weil er immer noch nicht so recht glauben konnte, dass Barbara, Tim, Bruce und er nun weltweit bekannte Superhelden waren, zog er die 12 inch (ca. 30 cm) große Figur aus ihrer Hülle und reichte sie Johnny, der sie mit glänzenden Augen an sich drückte. Stolz, die Actionfigur mit beiden Händen festhaltend, eilte der Sechsjährige zurück zu dem beigen Sofa, lümmelte sich in eine Ecke und setzte den Plastik-Nightwing neben sich, eher er nach dem Kontroller griff, um sich voll und ganz seinem neuen Lego-Spiel zu widmen.

„Darf ich dem echten Nightwing den Rücken schrubben?“ kicherte Barbara sichtlich amüsiert.

„Kanns kaum glauben, mich gibts jetzt als Actionfigur“, stellte Richard fest, ohne auf die eindeutige Anspielung seiner Frau einzugehen.

„Ich habe trotzdem lieber das Original im Bett.“ Barbaras grüne Augen glitzerten verheißungsvoll. „Aber ich gestehe, ich habe Johnny die Figur gekauft, damit ich sie mir ausleihen kann, wenn ich Nachts Sehnsucht nach dir habe.“ Ihre Finger verschränkten sich fest mit seinen. „Ich glaube von Tim bekommt er ein Batgirl.“

„Damit ich nicht so einsam bin, wenn du in einem Jahr wieder deine Runden drehst?“ Für einen Moment zog sich sein Magen schmerzhaft zusammen. Er ahnte, welchen Kampf er nach der Geburt ihres zweiten Kindes noch mit seiner Frau ausfechten musste. Er würde ihr, ihr Dasein als Batgirl nicht verbieten, aber er würde sie bitten, für ihre gemeinsamen Kinder das Kostüm an den Nagel zu hängen. Ob ihm dies gelang, stand in den Sternen. Schon nach Johnnys Geburt hatte er mit Engelszungen auf sie eingeredet, ohne großen Erfolg.

Verschwörerisch zwinkerte Barbara ihrem Mann zu, legte einen Finger auf die vollen, roten Lippen, als Zeichen, das sie leise sein sollten und begab sich Richtung Treppe. Hand in Hand, wie ein frisch verliebtes Paar, erreichten sie ihr Schlafzimmer und das angrenzende Bad, mit der großen Dusche, die wie für zwei gemacht schien.

2. Nightwing und Batgirl sollen heiraten

Frisch geduscht und in bequemen Sachen fanden Richard und Barbara sich etwa eine Stunde später wieder im Wohnzimmer ein. Johnny schien ihre Abwesenheit nicht bemerkt zu haben, denn er saß noch immer auf den Sofa vertieft in sein neues Konsolenspiel, dabei lagen seine Füße auf Jason, der sich dies gefallen ließ.

„Frühstück?“ Fragend die Augenbrauen hochziehend, betrat Richard dich Küche. „Ich kümmer mich um Speck und Rühreier.“ Gesagt, getan. Die nächsten Minuten wer der Schwarzhaarige beschäftigt, während Barbara den Tisch deckte.

„Weißt du was es nachher zu essen gibt?“, erkundigte er sich, während er in einer Schüssel, die Eier mit einem Schneebesen verquirlte. „Ariana und du habt doch gestern Abend telefoniert, als ich das Haus verließ.“

„Keine Ahnung. Sie will uns alle überraschen.“ Neben Tellern und Besteck, verteilte sie Servietten und legte jedem einen kleinen Schokoladenweihnachtsmann auf den Teller. Für Johnny und ihren Mann, stellte sie noch zwei Schüsseln, Cornflakes und Mich auf den Tisch. Zu guter Letzt bekam jeder noch ein Glas Orangensaft hingestellt, ehe sie sich um den Toast kümmerte und die Scheiben in den Toaster steckte.

„Versuch mal einen Speicherpunkt zu finden, Johnny!“, rief Richard, der eben hauchzart geschnittene Baconscheiben in eine weitere heiße Pfanne legte.

„Hab das Kapitel gleich geschafft“, kam die Antwort vom Sofa.

„Wann sollen wir da sein?“ Mit einem Holzlöffel, wendete Richard die unterdessen teilweise gestockte Eimasse.

„Punkt um eins gibts Mittag.“

„Dann haben wir genug Zeit in aller Ruhe die Geschenke auszupacken.“ Neugierig warf Richard einen Blick zu den Geschenken unter dem Baum und suchte nach dem kleinen roten Päckchen, welches er heute Nacht für seine Frau dort platziert hatte. Ja, es lag noch da, direkt neben dem Baseballhandschuh für Johnny.

„Kommst du frühstücken!“, rief Barbara Johnny, während Richard für alle Rührei und Bacon auf den Tellern verteilte.

Kurz darauf saßen sie friedlich vereint an dem Tisch und aßen. In diesen Augenblicken kam Richard zur Ruhe. Er genoss es mit seiner Familie zusammen sein, ohne Stress, weil niemand das Haus verlassen musste. Bei den Graysons konnte es morgens ziemlich hektisch zugehen, da musste ein ordentliches Frühstück für alle auf den Tisch, für Johnny musste eine Lunchbox für die Schule gepackt werden, Jason bestand auf seine morgendliche Runde und dann musste sie schon los, Johnny ließ er bei der Vorschule raus, dann fuhr er selber weiter zur Gotham City University, an der er als Trainer und Mentor die Studenten im Kunstturnen unterrichtete. Und ab und zu brachte er seine Frau zur Arbeit, die als Abteilungsleiterin der Kinderbibliothek in der Gotham City Library arbeitete. Da blieb keine Zeit für ein ausgedehntes Frühstück.

Plappernd erzählte Johnny mit vollem Mund, das er der beste Pitcher in seinem Team sei und dass er im Januar für das Klassenhaustier, ein kleines Rosettenmeerschweinchen, namens Pinky, verantwortlich ist.

Nachdem Johnny aufgegessen und seine Milch ausgetrunken hatte, fragte er, ob er sich vom Tisch entfernen durfte. Irgendwas von ihrer Erziehung war also doch hängen geblieben.

„Gibt's heute Nachmittag wieder deinen berühmt berüchtigten Eierpunsch?“ Fragend zog Richard eine Augenbraue nach oben und genoss den frischen, heißen, selbst aufgebrühten Kaffee.

„Sicher und wie immer mit gutem Whiskey und viel Sahne“, lächelte Barbara und begann das dreckige Geschirr zusammenzustapeln. „Die Zutaten stehen schon bei Tim in der Küche und Bruce hat dafür einen sehr guten, sehr alten, schottischen Whisky aus seiner Sammlung rausgerückt und da ich ja nicht mal kosten darf, benötige ich den einen oder anderen Vorkoster. Magst du dich freiwillig zur Verfügung stellen.“

„Unglaublich gern und Tim kostet sicher auch“, lachte er und half seiner Frau den Tisch abzuräumen, während Johnny sich wieder vor den Fernseher verzog um weiterzuspielen.

„Nur noch eine halbe Stunde, Johnny“, mahnte die werdende Mutter. „Dann kannst du wählen zwischen duschen oder baden.“

„Och, muss das sein?“, kam es nörgelnd als Antwort vom Sofa.

„Ja, das muss sein.“ Lächelnd, da sie ihren Sohn kannte, sortierte sie das Geschirr in die Spülmaschine. Immer wieder der selbe Kampf, dachte sie, tagein, tagaus, wenn Johnny aber erst mal in der warmen Wanne saß, dann war er nicht mehr so schnell aus dem Wasser zu bekommen.

„Hast du Jason schon sein Geschenk gegeben?“, wollte Richard wissen, der letzte Woche mit seinem Sohn in das nächste große Zoofachgeschäft fahren musste, um für Jason ein neues Spielzeug, einen quietschenden Plüschknochen, kaufen musste.

„Nö.“

„Vorschlag!“ Nachdem Richard die Milchpackung in den großen Kühlschrank gestellt hatte, wand er sich Richtung Wohnzimmer, setzte sich zu Johnny und kraulte den Familienhund der dösend auf dem Sofa lag. „Wir öffnen jetzt alle Geschenke und danach gehst du in die Wanne.“

„Mag nicht baden.“

„Dann gibt es keine Geschenke.“ Mit diesem Satz bekam er endlich die Aufmerksamkeit seines Sohnes, der tatsächlich den Controller auf den niedrigen Glastisch vor der Couch legte.

„Du darfst dir schon mal ein Päckchen raussuchen, wenn du versprichst dann baden zu gehen. Aber nicht das kleine rote.“

„Okay“, nickte Johnny, zog dabei spielerisch an Jasons Rute, was dieser mit einem Blinzeln quittierte.

„Komm, es gibt Geschenke“, lockte das Kind seinen Spielkameraden, er sich scheinbar unwillig von der Couch erhob, dann aber folgte.

Kurz darauf saßen sie alle vor dem Weihnachtsbaum. Zufrieden beobachteten die Eltern, wie ihr Sohn freudig strahlend ein Geschenk nach dem anderen auspackte.

Zum Schluss lagen nur noch die kleine rote Schachtel und ein weißes A3-Blatt, dass einmal in der Mitte gefaltet war, unter dem Baum.

„Für dich.“ Richard griff nach dem Händen seiner Frau und schaute ihr dabei in die wunderschönen grünen Augen.

„Aber...“

„Kein aber, Schatz.“

„Wir wollten uns doch nichts schenken.“

„Ich weiß. Es ergab sich...“ Sacht zog er Barbaras Hände an seine Lippen und hauchte zarte Küsse auf die Handrücken, eher die Finger wieder freigab, damit sie ihr Geschenk aufmachen konnte. Bevor sie jedoch dazu kam, rief Johnny: „Santa hat meinen Wunschzettel vergessen!“

„Den hast du ihm doch schon im November gegeben“, erinnerte die werdende Mutter.

„Das ist doch der für nächstes Jahr.“ Eilig griff Johnny nach dem Zeichenpapier.

„Du weißt schon, was du dir nächstes Jahr Weihnachten wünschst?“ Amüsiert betrachtete Richard seinen Sohn, der ihn mit dieser Art von Taten und Überlegungen immer wieder überraschte.

Wild mit dem Kopf nickend bestätige der Junge die Worte.

„Na, dann zeig mal her!“

Für einen Augenblick zögerte der Junge, aber dann reichte er seinem Vater das Blatt, der es auseinander faltete und auf eine Zeichnung schaute.

Die grauen Blöcke, mit den gelben Punkten, schienen Hochhäuser darzustellen, die sich rechts und links des Blattes abzeichneten. Dazwischen erkannte er eine Häuserschlucht. Am oberen Rand, ziemlich mittig, prangte das Batsignal, ein wenig schief, aber deutlich zu erkennen. Genau in der Mitte des Bildes befanden sich zwei Figuren, beide in grau-blauen Tönen gehalten. Die eine Figur, die mit den schwarzen Haaren und einer dunklen Maske vor den Augen, trug kein Cape, die andere, eindeutig eine weibliche Person, trug ein Cape und hatte lange rote Haare. Lange musste Richard nicht überlege, wen sein Sohn da zu Papier gebracht hatte. Johnny hatte seine eigenen Eltern gezeichnet, wenn er dies auch nicht wusste. Johnnys Nightwing und Johnnys Batgirl hielten sich an den Händen und um sie herum hatte er ein großes rotes Herz gemalt.

Neugierig geworden schaute nun auch Barbara auf das Kunstwerk ihre Kindes. „Und was wünscht du dir von Santa?“

Heftig schlug das Herz in Richards Brust. Ahnte der sechsjährige etwa, das er Nightwing und Barbara Batgirl war? Waren sie nicht vorsichtig genug gewesen?

„Das Nightwing und Batgirl heiraten.“ Mit dem Ernst, zu dem nur ein Kind fähig war, sprach Johnny seinen Wunsch aus.

Wieder huschte ein belustigtes Lächeln über Barbaras Gesicht. „Und warum sollen sie heiraten?“

Neugierig lauschte Richard dem Gespräch, faltete dabei die Zeichnung wieder zusammen und gab sie seinem Sohn zurück.

„Sie scheinen sich genauso lieb zu haben, wie ihr.“

Über den Kopf seines Sohnes hinweg, warf Richard seiner Frau, die sich nur mühsam ein Lachen verkneifen konnte, einen hilfesuchenden Blick zu. Für diese Art eines Gespräches, war sie eindeutig besser geeignet als er.

„Johnny ich bin mir ziemlich sicher, das Nightwing und Batgirl sich mögen.“

„Ja, aber...“ Nachdenklich schloss der Junge die Augen und knabberte aufgeregt an seinem Daumennagel. „Ich muss immer an Dad und dich denken, wenn ich sie im Fernsehen sehe.“

Alarmiert zog Richard die Augenbrauen zusammen. Sein Sohn schien etwas zu ahnen. Ob er wusste, wie nah er der Wahrheit mit dieser Feststellung gekommen war? „Warum musst du an deine Mutter und mich denken?“, fragte er daher.

„Batgirl hat rote Haare wie Mom und Nightwings Haare sehen aus wie deine.“ Aufgeweckt und nach Zustimmung heischend irrte der Blick des Jungen von seinem Vater, zu seiner Mutter und wieder zurück.

„Schatz, ich bin mir sicher, dass die beiden Perücken tragen, so wie die Schauspieler in Märchenfilmen. Wer weiß, vielleicht ist Nightwing ist in Wirklichkeit blond und Batgirls Haare sind so dunkel wie deine“, erklärte Barbara. „Die beiden möchten bestimmt nicht erkannt werden. Sie verstecken ihre wahre Identität hinter ihren Masken und den Perücken, damit sie nicht erkannt werden, wenn sie im Supermarkt einkaufen gehen. Es ist ihr Geheimnis.“

„Aber...“ Nickend deutete Johnny an, dass er verstanden hatte. „Trotzdem, die beiden sollten sich lieb haben.“

Nun konnte sich Richard ein leises Lachen nicht mehr verkneifen. „Warum denn Batgirl und Nightwing und nicht Batgirl und Red Robin?“

„Na weil Red Robin rot trägt“, antwortete Johnny, mit einer Logik, zu der anscheinend nur Kinder in der Lage waren.

Noch immer lachend wuschelte Richards kräftige Finger durch das Haar seines Sohnes, ehe er fragte: „Magst du in die Wanne fliegen?“

„Oh ja.“ Johnny sprang auf, eilte zu dem Sofa, kletterte darauf und wartete nun, auf der Schulter seines Vaters, wie ein Superheld in die obere Etage des Hauses zu fliegen.

„Hoch mit dir!“ Mit sicherem Griff hob Richard den Jungen, den er über alles liebte, auf seine rechte Schulter und fixierte ihn an der Hüfte, nachdem Johnny sich lang ausstreckte. Beide Arme nach vorne geführt, kreischte Johnny vergnügt auf, während Richard mit schnellen Schritten die Treppe hinauf lief. Hinter sich vernahmen sie Jasons freudiges Bellen.

Nachdem Johnny endlich in der Wanne saß, kehrte der schwarzhaarige Mann ins Wohnzimmer zurück. Die Badezimmertür hatte er offen gelassen, damit sie Johnny hören konnten, falls er nach ihnen rief. Außerdem war Jason als Babysitter zurückgeblieben. Mit wachem Blick saß der Golden Retriever vor der Wanne, da war sich Richard sicher.

Nachdenklich, das kleine rote Geschenk in der Hand, verweilte Barbara wartend auf dem Sofa.

„Glaubst du, Johnny ahnt etwas?“, erkundigte sie sich, ohne aufzuschauen.

„Ich weiß es nicht.“ Leise seufzend ließ Richard sich auf das Sofa fallen und zog seine Frau an sich, schloss sie in die Arme. „Es ist die Fantasie eines Kindes. Wir alle besaßen unsere Helden in dem Alter. Nur das unsere Helden sich in Büchern, Comics oder Filmen tummelten und sich nicht mitten in der Nacht von einem Haus zum anderen schwangen und am nächsten Tag mit gestochen scharfen Aufnahmen in den Nachrichten zu sehen waren.“

„Sollten wir es ihm sagen?“ Barbara zog Richards Arme enger um sich und die Füße hoch auf die Couch, um es sich gemütlicher zu machen.

„Lieber nicht. Wir sollten noch etwas warten. Er würde vielleicht nicht damit angeben, dass seine Eltern berühmte Superhelden sind, aber ich bin mir nicht sicher, ob er sich nicht im Eifer des Gefechts verplappert.“ Sacht strichen seine Finger über den runden Bauch der hübschen Rothaarigen. Er konnte es kaum noch abwarten, dass sein zweites Kind auf die Welt kam. Er liebte es jetzt schon so sehr, dass er, wann immer er konnte und sie beide alleine waren, mit dem oder der Kleinen sprach.

„Ja, warten wir noch eine Weile.“ Neugierig, da sie, wie sie fand, lange genug warten musste, entfernte Barbara das rote glitzernde Papier. Eindeutig eine
Schmuckschatulle. Komisch, huschte es ihr durch den Kopf. Richard hatte ihr noch nie Schmuck geschenkt. Bisher hatten sie immer gemeinsam Ohrringe ausgewählt oder eine Kette, wenn sie etwas teureren Schmuck für einen Benefizball oder einen Opernabend benötigten. Meistens lieh sie ihn sich sogar, bei den in Gotham angesiedelten Juwelierläden. Nur ein einziges Mal, hatte er ihr Schmuck geschenkt, damals vor beinah zwölf Jahren, als er ihr auf dem Dach des Wayne Towers, in den frühen Morgenstunden, genauer gesagt um 3:24 Uhr, einen Antrag machte. Mit einem wohlig kribbelnden Gefühl im Bauch erinnerte sie sich. Es war kalt gewesen in jener Nacht vom 28. zum 29. Dezember. Frischer Schnee war gefallen. Silbern glitzerte die Stadt. Kaum ein Geräusch war zu vernehmen gewesen. Der Schnee dämpfte beinah jeden Laut. Sie erinnerte sich nur noch an das leise Knirschen, als Nightwing im Frisch gefallenen Schnee zu ihr trat, ihr tief in die Augen schaute und nach ihren Händen griff.

Gemeinsam waren sie auf Patrouille gewesen und hatte einen Organhändlerring zerschlagen, nachdem auffällig viele Einwohner Gothams auf unerklärliche Weise verschwanden. Es gab keinerlei Gemeinsamkeiten zwischen den Opfern, es betraf Kinder, Frauen und Männer, jeglichen Alters, sie waren verschiedenster Abstammungen, afrikanisch, asiatisch, europäisch und kamen aus den unterschiedlichsten Schichten. Ob arm, ob reich, ob groß, ob klein, ob blond, ob dunkelhaarig, es spielte anscheinend keine Rolle. Es gab nur einen Punkt, in dem sich die Opfer glichen, sie alle schienen kerngesund zu sein. Eine Woche lang recherchierten sie in alle nur erdenklichen Richtungen, bis Batman den entscheidenden Hinweis gab.

Damals hatte Barbara mit allem gerechnet, nur nicht damit, dass Richard ihr einen Antrag machte.

Lächelnd, in Gedanken versunken, öffnete sie die kleine Schachtel. Ihr Blick fiel auf zwei schlichte Platinringe.

„Frohe Weihnachten“, murmelte Richard in ihr Haar, während sie auf das schlichte Band aus Weißgold an ihrem Ringfinger schaute.

„Neue Ringe?“ Sie löste sich aus der sicheren Umarmung, um in die blauen Augen blicken zu können.

„Ja.“ Richard zog sich seinen Trauring von dem Finger, reichte ihn seiner Frau und erklärte: „Schau ihn dir an - glanzlos, mit Kratzern und Dellen. Dein Ring sieht sicher genauso mitgenommen aus. Unsere nächtlichen Einsätze gehen nicht spurlos an ihnen vorbei. Siehst du diese Kerbe?“ Er deutete auf die entsprechende Stelle. „Dort traf mich ein Schwerthieb. Nur meine Handschuhe verhinderten Schlimmeres. Ohne die Metallfolie darin, hätte ich sicherlich mehrere Finger verloren..“

„Du sagtest vorhin: es ergab sich...“ Mit etwas Geduld und Mühe gelang es Barbara nach einer Weile, den eigenen Ring vom Finger zu bekommen. Durch ihre Schwangerschaft und die dadurch zugenommenen Kilos, saß das Weißgold ein wenig eng.

„Tim ist schuld“, lachte Richard und nahm den neuen Ring, als Beweis seiner Liebe aus der Schachtel. „Er bat mich, ihm bei der Auswahl eines passenden Verlobungsringes zu helfen und da ich schon mal da war...“

„Er will Ariana einen Antrag machen?“

„Dies dürfte schon geschehen sein.“ Richard griff nach Barbaras Hand, um ihr den neuen Ring anzustecken. „Zehn Jahre verheiratet“, murmelte er dabei. „Und ich liebe dich noch genauso, wie damals.“

„Ich dich auch.“ Sie warf nur einen kurzen Blick auf den Platinring an ihrem Finger, bevor sie Richard stürmisch küsste.

Minuten später saßen sie beide, mit einem neuem Ring am Finger, schwer atmend auf dem Sofa.

„Tim ist sich hoffentlich bewusst darüber, dass er Ariana nun einweihen und ihr sagen muss, dass er Red Robin ist.“

Richard nickte, griff nach der Actionfigur, die noch immer auf der Couch lag und drehte sie nachdenklich zwischen den Fingern.. „Er wollte es ihr vor seinem Antrag beichten. Wenn Ariana nachher noch da ist, dann ist alles zu seiner Zufriedenheit verlaufen und wir feiern nicht nur Weihnachten, sondern auch noch eine Verlobung.“

„Welch ein Glück ich doch hatte, dass ich wusste, wer du bist“, erinnerte sie sich. „Ich mochte dich vom ersten Tag an, als du in der Bibliothek vor mir gestanden hast.“

„Wieso auch immer?“, grinste ihr Mann. „Ich kann mich nämlich nicht mehr an unser erstes Treffen erinnern.“

„Sicher nur, weil sich junge Männer in dem Alter nicht für kleine, graue Mäuse interessieren, die noch nicht mal volljährig sind.“

„So grau warst du gar nicht“, verteidigte Richard Barbara und sich und legte die Plastikfigur auf den Couchtisch, ehe er sich lang ausstreckte und seine Frau mit sich zog. Eng aneinander geschmiegt schwelgten sie gemeinsam in ihren Erinnerungen.

„Zumindest meine Haare waren rot“, kicherte Johnnys Mutter. „Ich trug damals eine riesige Brille und ähnelte den strengen Bibliothekarinnen. Ich weiß noch, dass du beinah immer deine Bücher zu spät zurückbrachtest. Fast immer hast du angerufen, um die Medien zu verlängern, aber irgendwann kamst du plötzlich nur noch persönlich vorbei, um die Leihfrist hochzusetzen. Du standest unweit der Theke, begabst dich aber nie zu Miss Fitzwater, sondern wartetest geduldig, bis ich an den Tresen kam. Kannst du dir vorstellen, wie heftig mein Herz klopfte, wenn ich dich sah?“

„Ich mochte dich, zumindest mehr als Miss Fitzwater mit ihrem strengen Blick aus den Eisaugen. Sie wirkte wie ein Wachhund, kontrollierte akribisch jedes Buch, auf Eselsecken und Unterstreichungen, das ich abgab. Mit den grauen Haaren, dem Dutt und den Ärmelschonern, wirkte sie wie eine strenge Angestellte in einem Waisenhaus, in einem Gruselroman. Du dagegen, hast immer gelächelt, hast gescherzt und warst zu Smalltalk fähig, ganz im Gegensatz zu Miss Fitzwater, die immer nur sagte: Das macht 3,- Dollar“, lachte Richard und streichelte gedankenverloren den runden Bauch seiner Frau. „Dein Satz war: Na, wieder mal zu spät dran, Grayson?“

„Hab ich dir jemals gestanden, dass ich bei deinem Kunstturntraining fast immer anwesend war? Ich saß ganz oben auf der Tribüne, in einer dunklen Ecke, nachdem ich am Computer der Uni recherchierte, was für Kurse oder Aktivitäten du neben deinen Studienfächern noch belegt hattest.“

„Nein, gesagt hast du es mir bisher nicht, aber ich wusste es, weil ich dich immer entdeckte.“

„Und du hast geschwiegen?“

„Na ja, du warst nicht die Einzige, die uns beim Training beobachtete. Da befand sich eigentlich immer irgendwo eine Traube von kichernden Mädchen. Es gab nur einen Unterschied, die kichernden waren Studentinnen, du nicht. Wie alt warst du damals, sechzehn, siebzehn?“

„Mit sechzehn hab ich angefangen mir mein Taschengeld aufzubessern. An drei Nachmittagen in der Woche half ich in der Universitätsbibliothek.“

„Montags, Mittwochs und Freitags - die Nachmittage, an denen ich, ohne einen bösen Blick fürchten zu müssen, in die Bibliothek gehen konnte.“

„Hätte ich schon damals gewusst, dass du Robin bist. Ich glaube, ich hätte dich niemals angesprochen und mich irgendwo zwischen den Regalen versteckt. Aber so, warst du nur der Adoptivsohn des reichsten Mannes der Stadt, für mich unerreichbar. Also spielte es keine Rolle, ob ich mit dir sprach oder nicht, außerdem darf man in dem Alter noch Träume träumen.“ Sie schmiegte sich enger an ihn, bettete den Kopf auf seine Brust und lauschte dem gleichmäßigen Herzschlag. „Ich meldete mich beim Turnen an, nahm Karateunterricht, ging zum Judo und Fechten und tat alles, um so gut wie Batman und Robin zu werden. Ich wollte wie sie gegen das Unrecht in dieser Stadt vorgehen. Ich wollte Kindern und Frauen helfen und zu meinem achtzehnten Geburtstag erschien ich auf der Bildfläche.“

„Bruce war eine Wut...“

„Ja, kleine Mädchen haben mitten in der Nacht nichts auf den Straßen Gothams zu suchen, knurrte er mich an. Du dagegen hast mich neugierig gemustert.“

„Ich fand es gut. Außerdem sahst du in deinem Dress verdammt heiß und sexy aus“, schmeichelte Richard. „Tust du heute noch.“

„Komisch, wie das Leben so spielt. Barbara Gordon mit der großen Brille und in einer Bibliothek arbeitend, vollkommen uninteressant, aber als Batgirl in hautengen Sachen, weckte ich dein Interesse. Aber damals wusste ich ja noch nicht, dass der Student Dick Grayson und der Sidekick von Batman ein und dieselbe Person sind.“

„Wir sahen uns damals ziemlich oft. In der Bibliothek traf ich auf eine, mit der Zeit gute Freundin und in der Nacht konnte ich es kaum erwarten, das heißeste Girl der Stadt zu sehen. So, wie dein Herz schlug, wenn du in der Bibliothek auf Dick Grayson wartetest, so heftig schlug mein Herz, wenn ich Batgirls Erscheinen entgegen fieberte.“

„Und dann verschwand Dick aus meinem Leben. Er erklärte nur, dass er ein Auslandssemester nahm und plötzlich war auch von Robin nichts mehr zu sehen. Ich glaube, ich ahnte es schon damals...“

„Ich verschwand ganze sechs Monate. Ich benötigte dringend Abstand von Bruce, der mir alles in meinem Leben vorschreiben wollte und einfach nicht sah, dass ich nicht mehr das Kind war, dass seine Eltern verlor. Ich ging nach Asien - Japan, Thailand, die Philippinen. Zwei Monate Intensivkurs in Kendo, danach ein Monat in einer Muay-Thai-Schule in der Nähe von Chiang Rai, wobei ich mich auf Krabi Krabong, genauer Plong konzentrierte und zu guter Letzt befand ich mich drei Monate in einem kleinen Dorf auf der Insel Palawan, um Unterricht in Arnis zu nehmen, wobei mir da Dalawang Olisi zusagte. Als ich zurückkehrte, suchte ich mir eine Wohnung in Blüdhaven, war ab sofort nur noch Richard, nicht mehr Dick und legte Robins Kostüm ab. Ich war erwachsen geworden. Fortan drehte ich in Blüdhaven meine Runden, in meiner neuen, mich nicht mehr einengenden eigenen Identität als Nightwing.“

„Mein Vater erzählte beim Abendessen von einem neuen Jäger in der Nacht“, erinnerte sich Barbara. „Ich fragte mich, ob Nightwing eventuell Robin ist und tauchte als Batgirl auf.“

„Worüber ich mich unglaublich freute, denn in den sechs Monaten hatte ich sie nicht vergessen können. Ich fühlte mich wieder wie ein Teenager, als ich dich auf dem Dach des Krankenhauses stehen sah. Und dann sagtest du...“

„Na, wieder mal zu spät dran, Robin“, vollendete sie.

„Genau in diesem Moment wusste ich, wer sich hinter der Maske verbarg. Barbara Gordon, das Mädchen mit der Brille aus der Bibliothek.“

„Und ich wusste, dass du Dick bist. Denn mit dem Auftauchen von Nightwing in Blüdhaven, war auch Richard John Grayson-Wayne zurückgekehrt.“

„An diesem Abend habe ich mich haltlos in dich verliebt...“

„Und mir wurde mein Wunschtraum erfüllt, denn in Dick Grayson hatte ich mich schon zweieinhalb Jahre vorher verguckt.“

Gemeinsam, den wundervollen Erinnerungen nachhängend, bemerkten die beiden in inniger Umarmung daliegenden Eltern ihren Sohn nicht, der schon seit einer geraumen Weile, in seinen dicken Bademantel gehüllt, auf der untersten Stufe der Treppe saß und mit großen Augen und offenem Mund lauschte.

Zur Info für Euch: Ich habe mir eine eigene kleine Zeitleiste zusammengestellt. Falls also einige Zeitsprünge nicht ganz stimmen, nehmt es mir nicht übel. Die Ereignisse auf die ich mich im Laufe der Geschichte beziehe, handeln alle vor der War Games-Story. Wir kehren also zurück in das gute alte Gotham, wie ich es liebe und schätze, mit all den Katastrophen und Geschehnissen.

3. 3-Gänge-Menü von Ariana

Nicht ahnend, dass ihr Sohn ihr Gespräch belauscht hatte, verließ Familie Grayson etwa zwei Stunden später ihr Heim, um pünktlich zum Mittagessen auf Wayne Manor einzutreffen. Leger angezogen, hatte Tim zu seiner Einladung ausgesprochen. Er wolle nur einen gemütlichen Tag in Familie verbringen und kein Bankett abhalten. Für diese Anweisung war Barbara ihm dankbar, denn unterdessen fand sie so gut wie kein passendes Kleidungsstück mehr in ihrem begehbaren Kleiderschrank mehr und so trug sie bequeme Jeans und einen roten Wollpullover, der locker über ihren Bauch fiel und nicht zu sehr auftrug. In einem schicken Kleid wollte sie sich im Moment nicht sehen.

Nur noch sechs Wochen, huschte es ihr durch den Kopf. Ihr Frauenarzt hatte den 5. Februar als Geburtstermin errechnet, also kurz vor Bruce Geburtstag. Schon bald würden sie einen neuen kleinen Erdenbürger begrüßen dürfen.

Von der Seite sah sie Richard an, der sie sicher, durch den frisch gefallenen Schnee chauffierte.

„Johnny, du bist so still!“ sprach sie ihren Sohn an, der nicht wie sonst munter vor sich hinplapperte.

Sicher angeschnallt saß der Sechsjährige in seinem Kindersitz im Fond des Wagens auf der Beifahrerseite. Neben ihm auf dem Rücksitz, gesichert mit einem Hundegeschirr, lag Jason und döste. Mit neun Jahren war der golden Retriever schon ein Methusalem unter seiner Rasse. Es schien überhaupt ein Wunder zu sein, das der Hund bei ihnen lebte. Als Richard, dass winzige Bündel von Hund, vor etwa neun Jahren mit nach Hause brachte, gingen sie eher davon aus, dass der winzige Welpe die erste Nacht nicht überleben würde. Es stellte sich heraus, dass der Kleine ein Kämpfer war. Ein befreundeter Tierarzt, der für Wayne Animal Sanctuary arbeitete, tat alles, um den Kleinen aufzupäppeln, der regelrecht nach Wärme und Liebe schrie und beinah sofort anfing zu winseln, wenn Richard sich nicht in seiner Nähe befand.

„Johnny?“ Da sie keine Reaktion ihres Kindes erhielt, drehte Barbara sich auf ihrem Sitz, damit sie den Jungen anschauen konnte.

„Träumer“, lachte sie, als sie erkannte, das ihr Sohn tief in die eigenen Gedanken versunken zum Fenster hinaus schaute.

Kurz nach 12:00 Uhr öffnete sich das stählerne Tor für sie, das Wayne Manor vor fremden und nicht eingeladenen Gästen schützte. Dank der modernen Technik und einem Funkchip, schwangen die schweren Torflügel leise zur Seite. Sie folgen dem Kiesweg hinauf zu dem wuchtigen, immer ein wenig düster wirkenden, imposanten Anwesen.

„Ich werde mich wohl nie daran gewöhnen“, murmelte sie. „Da ist mir unser helles, gemütliches Haus tausendmal lieber.“

„Ich mochte als Kind das Düstere. Ich hatte immer das Gefühl, dass das Gebäude sich meiner Stimmung anpasste.“

„Ich versteh wirklich nicht, wie Tim es hier aushält - die dunklen Räume, das fehlende Tageslicht, das alte Mobiliar. Über die Hälfte der Räume nicht beheizt, weil sie nie jemand betritt oder gar nutzt. Ich würde depressiv werden.“

Sanft legte Richard eine Hand auf den Oberschenkel seiner Frau. „Wann warst du das letzte mal hier? Im April zu Alfreds Geburtstag? Dann lass dich mal überraschen, was Tim in den acht Monaten aus dem alten, verstaubt wirkenden Kasten geschaffen hat. Du wirst kaum noch etwas wiedererkennen. Na ja, zumindest in seiner Hälfte des Anwesens.“

Ihr Ankunft war nicht unbemerkt geblieben, denn am Beginn des Westflügels öffnete sich das große Garagentor für sie. Neben einem alten schwarzen Bentley und Tims Audi parkte Richard ein.

„Jason muss mal“, erklang es aus dem Fond.

„Um 1:00 Uhr gibt's Mittag“, erinnerte Barbara ihren Sohn, der erst sich, dann Jason abschnallte und mit dem Hund in der großen parkähnlichen Anlage verschwand.

„Irgendetwas bedrückt ihn“, murmelte sie, als Johnny zwischen den hohen Bäumen verschwand. „Seit du ihn in die Wanne gesteckt hast, schweigt er vor sich hin und scheint angestrengt über etwas nachzudenken.“

„Hab ich auch bemerkt“, bestätigte Richard, während er ihr Gepäck, da sie über Nacht bleiben wollten, aus dem Kofferraum des Ford Explorer holte. „Wer weiß, was ihm durch den Kopf geht. Er wird zu uns kommen, wenn es wichtig ist.“ Er zog Barbara kurz an sich, hauchte ihr einen Kuss auf die Lippen und lächelte zuversichtlich: „Bisher kam er immer zu uns, wenn er über etwas reden oder etwas wissen wollte.“

„Du hast ja recht, aber ich mach mir trotzdem meine Gedanken.“

„Du bist nicht nur eine Mutter, sondern auch noch schwanger. Ich glaube das gehört es dazu, dass du wie eine Glucke über deine Kinder wachst.“

„Glucke, hmm? Du vergleichst mich wahrhaftig mit einer Glucke?“ Spielerisch boxte sie ihrem Mann in die Seite, der sich lachend, die freie Hand auf die getroffene Stelle drückte und Schmerzen vortäuschte.

„Komm, lass uns reingehen!“ Er griff nach Barbaras Hand und verschränkte ihre Finger, ehe sie dem hell erleuchteten Gang folgten, der sie ins Innere von Wayne Manor führte.

An einer Stahltür war plötzlich Schluss. „Die ist neu“, murmelte Richard und sah auf das Chip gesteuerte Schloss. „Tim hat wohl vergessen, mir Bescheid zu geben, das mein Transponder neu programmiert werden müsste.“

„Und nun?“

„Rufen wir Alfred an oder aber...“ Die Tasche entglitt Richards Fingern. Mit einem dumpfen Laut landete ihr Gepäck auf dem Estrichbeton, aber dies bekamen sie schon nicht mehr mit, da Richard Barbara, sanft mit seinem Körper, gegen die Wand in ihrem Rücke drängte. Die Finger an ihren Nacken legend, senkte er die Lippen auf ihre und küsste sie zärtlich. „Ich wüsste, wie wir uns die Zeit vertreiben können“, wisperte er in den Kuss.

„Wir sind doch keine sechzehn mehr“, antwortete Barbara heiser. „Wir haben ein Haus. Wir müssen nicht mehr in irgendwelchen dunklen Ecken knutschen. Falls du es noch nicht wusstest: wir dürfen das jetzt offiziell.“

„Ich finde es trotzdem aufregend.“ Bevor Richard seine Zärtlichkeiten jedoch vertiefen konnte, vernahmen sie ein Räuspern. Vor ihnen, in der nun geöffneten Tür, stand Alfred - der treue Butler von Bruce Wayne.

„Hallo Alfred!“, grüßte der Richard und wirkte für einen Moment wie ein, von seinen Eltern, ertappter Teenager. „Mein Transponder funktioniert nicht“, erklärte er schulterzuckend und hob die Sporttasche auf die Schulter.

„Barbara, darf ich das sagen? Du siehst umwerfend aus. Die Schwangerschaft steht dir.“ Der mittlerweile fünfundachtzig jährige Mann, schloss die werdende Mutter fest in seine Arme. Gemeinsam betraten sie kurz darauf einen Gang, dessen dicke bordeauxfarbene Auslegware ihre Schritte dämpfte.

„Wo sind denn alle?“, wunderte sich Dick, als nicht mal Tim zur Begrüßung erschien.

„Master Bruce hält sich in der Bibliothek auf und Tim und Ariana haben sich heute morgen noch nicht blicken lassen. Ich sah Tim nur ganz kurz, als er mich bat Spiegeleier zu braten und frischen Orangensaft zu pressen. Deswegen muss ich auch wieder los, da sich das Kochen nicht von alleine erledigt. Ich denke, es gibt heute kein versprochenes 3-Sterne-Menü von Ariana, sondern nur ein Alfred-hat-nachgekocht-Essen.“ Alfred, die gute Seele des Hauses wollte sich Richtung Küche wenden, als Barbara ihn aufhielt. „Warte kurz! Hat Ariana ja gesagt?“

„So weit ich informiert bin, ja.“ Noch immer gut zu Fuß eilte Alfred davon. Wer den Butler der Waynes nicht persönlich kannte, würde den agilen, älteren Herrn niemals für fünfundachtzig halten, sondern eher auf siebzig schätzen.

„Und was nun? Zur Bibliothek? In die Küche und Alfred helfen oder bei Tim anklopfen?“

„Tim und Ariana sollten wir lieber nicht stören“, überlegte Barbara. „Ich werde Alfred helfen.“

„Ist gut. Ich geh Bruce hallo sagen.“ Gemeinsam betraten sie die große Empfangshalle, die sich weihnachtlich geschmückt, vor ihnen ausbreitete. Zwischen den beiden geschwungenen Treppen, die nach oben in die erste Etage führten, stand eine so riesige Tanne, das Richard sich fragte, wie sie diese in die Halle bekommen und aufgestellt hatten. An das Schmücken wollte er gar nicht denken, dies war sicher nur mit einem Hubwagen möglich gewesen. Er stellte die Tasche auf der untersten Treppe ab, stahl seiner Frau noch einen Kuss, dann begab er sich in den östlichen Flügel des Hauses, um Bruce in der alten Bibliothek aufzusuchen, während Barbara der versteckten Treppe in den Keller folgte, wo sich die alte, unterdessen modernisierte Küche befand. Noch vor einhundert Jahren war dies der Angestelltentrakt gewesen, mit Leben erfüllt und in der Küche befand sich damals nicht nur ein einziger Mann, sondern eine ganze Traube an Köchen, Beiköchen und Dienern. Heute war Alfred der einzige, der sich dort aufhielt.

„Ariana wollte eigentlich für uns alle kochen“, erklärte Alfred. „Ich nehme aber an, dass sie viel mit Timothy zu bereden hat, weshalb sie mir ihre Rezepte mit der Bitte, entweder zu kochen, überreichte oder im 'San Sebastian' anzurufen und für uns alle ein Menü zu bestellen. Ich entschied mich zu kochen.“

„Für sechseinhalb Personen kochen. Da hast du dir ganz schön was vorgenommen.“ Aus einem der Schränke, nahm sich Barbara eine Schürze und band sie sich um.

„Ich sehe dies als Herausforderung an.“

„Dann tue ich das auch. Was kann ich tun?“

„Ich bin soweit fertig, Barbara. Die Gans brutzelt seit heute Morgen im Ofen, das Rotkraut ist weich und die Klöße sind fertig geformt. Sie müssen nachher noch etwa zwanzig Minuten ziehen. Den Salat will Ariana selbst frisch anrichten. Bleibt nur noch das Dessert.“ Lächelnd reichte Alfred Barbara ein handgeschriebenes Rezept.

„Lebkuchenparfait mit gewürzten Blutorangen“, las Barbara leise, überflog die Zutatenliste und die Zubereitungsanweisungen. „Ähm, Alfred, das Parfait muss über Nacht ins Tiefkühlfach. Ich wüsste nicht, wie ich das in einer Stunde bewerkstelligen sollte.“

Ohne ein Wort öffnete Alfred den Tiefkühlschrank. Barbaras Blick fiel auf eine große, abgedeckte Schüssel. „Dann bleibt für mich nur der Rest, zum Glück.“

Gemeinsam und sich dabei angeregt unterhaltend zauberten sie ein leckeres 3-Gänge-Menü. Sie deckten den Tisch im Esszimmer, welches nur zu bestimmten Anlässen benutzt wurde. Alfred entfachte die Holzscheite in dem großen Kamin, dämmte das Deckenlicht und entzündete die roten Kerzen, die auf großen silbernen Kandelabern standen. Plötzlich wirkte der Raum gemütlich und mit der weihnachtlichen Dekoration, bestehend aus Tannenzweigen, die mit roten Schleifen und silbernen Kugeln verziert waren und der feierlichen Musik, Bachs Weihnachtsoratorium, die leise im Hintergrund spielte, konnte Weihnachten gebührend gefeiert werden.

„Ihr seid großartig.“ Im Türrahmen stand Ariana. Sie trug ein rotes Kleid und strahlte sie zufrieden an. Herzlich begrüßte sie Barbara. Es wirkte beinah, als hätten die beiden Frauen sich seit Monaten nicht gesehen und nicht miteinander telefoniert, dabei war es gerade mal drei Tage her, dass sie sich auf einen Nachmittagsplausch in einem der vielen Cafés trafen.

„Ich kann euch gar nicht genug danken, vor allen Dingen dir Alfred.“

„Gern geschehen, Miss Dzerchenko.“ Alfred zwinkerte Tims High-School-Liebe zu. „Ich hoffe für sie, dass ihr Gespräch mit Timothy gut verlaufen ist.“

„Ist es, Alfred, ist es.“

„Dann bin ich beruhigt.“

„Hilfst du mir beim Salat?“ Fragend schaute die Dunkelhaarige Barbara an. „Ich muss unbedingt mit jemanden reden. Ich habe das Gefühl vor Glück und vor enthüllten Geheimnissen bald zu platzen.“

Bevor Barbara zustimmend nicken konnte, unterbrach sie ihr vibrierendes Smartphone. „Könnt ihr mich bitte reinlassen?!“

„Ich geh schon, Barbara.“ Auf leisen Sohlen verließ Alfred das Esszimmer, um Johnny und Jason einzulassen.

„Nun zeig schon her!“ Barbara griff nach der Hand ihrer Freundin und betrachtete den schmalen goldenen Ring, mit dem kleinen Stein. Nicht zu aufdringlich, aber wunderschön. Ihr Mann schien Tim gut beraten zu haben.

„Ich habe tatsächlich ja gesagt.“ Ariane schüttelte noch immer ungläubig den Kopf. „Tim hat mir heute morgen so unendlich viele Geheimnisse anvertraut. Ich wäre niemals auf den Gedanken gekommen, dass du Batgirl sein könntest, geschweige denn, dass Tim Red Robin ist. Er hat mir die Bathöhle gezeigt und mich gefragt, ob ich hier einziehen möchte und...“

„Hol einmal ganz tief Luft. Öffne dir einen Wein und trink ein Glas. Ich schau nur schnell nach Johnny. Danach stehe ich dir voll und ganz zur Verfügung und du erzählst mir, wie Tim dir den Antrag gemacht hat.“

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StoryHub Awards 2017

Du kannst diese Fanfiction nicht für die StoryHub Awards 2017 nominieren, da nur Werke teilnehmen, welche im letzten Jahr und nicht während des Events erschienen sind.

Autor

TamSangs Profilbild TamSang

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Kapitel:3
Sätze:560
Wörter:8.273
Zeichen:49.245

Kurzbeschreibung

Stell Dir vor, Dein Leben gehört nicht Dir. Du bist glücklich verheiratet, hast zwei gesunde Kinder und plötzlich kommt ein Fremder daher und erklärt Dir, das dies alles nie wirklich geschah. Eigentlich bist Du nicht verheiratet, Du hast auch keine Kinder und der Fremde, ist kein Fremder...

Kategorisierung

Diese Fanfiction wurde mit Liebe, Familie, Drama (Genre), Romanze, Krimi und Abenteuer getaggt.

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