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Wenn das Schicksal zum Verräter wird

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02.01.19 16:38
12 Ab 12 Jahren
Heterosexualität
In Arbeit

Takehito hatte offensichtlich Glück im Unglück. Wäre die Polizei nicht zufällig vor Ort erschienen, hätten ihn die in schwarz gekleideten Männer wahrscheinlich ins Jenseits geschickt. Beide Männer schienen keinerlei Skrupel zu haben einen Menschen umzubringen. Das war dem selbsternannten Schülerdetektiv schon klar, als er einem der beiden Männer an der Achterbahn in die Augen gesehen hatte. Allerdings entschloss er sich der Polizei nichts von dem verdächtigen Deal, welchen er kurz zuvor beobachtet hatte, zu berichten. Schließlich hatte er weder Beweise für seine Anschuldigungen, da die beiden verdächtigen Männer offensichtlich das Aufnahmegerät mitgenommen hatten, noch wusste er, ob die anwesenden Polizisten vertrauenswürdig waren. Ihm war klar, dass der "Geschäftspartner" der beiden schwarzen Männer ein höheres Tier in der Polizei gewesen sein musste. Anders konnte Takehito sich nicht erklären, wie der Mann an solche brisante Informationen kommen konnte, welche er den schwarzen Männern übergeben hatte. Allerdings konnte er kein sehr hohes Tier sein, weil er an verschlüsselte Informationen, nach eigener Aussage, nicht heran kam. Dennoch... Korruption in der Tokioter Polizei... Ehe sich Takehito also mit seinem Verdacht an die Polizei wenden konnte, musste er erst einmal herausfinden, welche Kreise dieser Korruptionsfall zog. Er entschloss sich also dazu vorerst auf eigene Faust zu ermitteln und niemanden etwas von den Männern in schwarz zu erzählen.

Nachdem er sich etwas beruhigt hatte und der Polizei eine überzeugende Lüge bezüglich seiner Kopfwunde aufgetischt hatte, verließ er das Disneyland und machte sich auf den Weg nach Hause. Mittlerweile war es schon sehr spät geworden und es war dunkel draußen. Während der Teenager durch die Straßen Tokios lief, überschlugen sich seine Gedanken. Anscheinend war ihm erst jetzt wirklich bewusst geworden, was in den letzten Stunden alles geschehen war. Unbewusst lief noch einmal der Deal, den er kurz zuvor beobachtet hatte, vor seinem geistigen Auge ab.

Dabei murmelte er: "Diese beiden Männer in schwarz... Mein Gefühl hat mich also mal wieder nicht im Stich gelassen... Ich wusste, dass mit den beiden Typen etwas ganz und gar nicht stimmt..."

An einem Schaufenster, in dem er sich spiegelte, kam er zum Stehen und betrachtete sein Ebenbild. Dabei dachte er: "Auf jeden Fall werden diese Typen jetzt nichts unversucht lassen um mich zu finden. Das heißt vor allem für mich, dass ich mich in einer wahnsinnigen Gefahr befinde. Diese beiden Typen werden nichts unversucht lassen um mich zum Schweigen zu bringen. Sie wissen zumindest wie ich heiße. Mit ihrem Spitzel bei der Polizei wird es für die beiden wohl ein Leichtes sein mich ausfindig zu machen. Ich muss ihnen auf jeden Fall zuvor kommen. Ansonsten bin nicht nur ich in Gefahr, sondern auch alle Menschen um mich herum."

Inzwischen war Takehito in seinem Elternhaus angekommen. Glücklicherweise war er allein zu Hause, sodass niemand mitbekam wie spät er nach Hause kam. Seine Eltern befanden sich momentan mit seiner jüngeren Schwester Rika im Urlaub. Takehito hatte sich strikt geweigert mit seinen Eltern gemeinsam in den Urlaub zu fahren. Er fand er war ohnehin fiel zu alt für solche Familienausflüge.

Völlig geschafft ließ er sich am Schreibtisch seines Vaters nieder. Er wollte direkt mit seiner Recherche beginnen. Irgendetwas musste doch über diese schwarz gekleideten Männer in Erfahrung bringen zu sein. Man musste nur tief genug graben. Da war sich Takehito ganz sicher.

Doch ehe sich der Sherlock Holmes der Neuzeit in diese Sache vertiefen konnte, wurde er jäh unterbrochen. Irgendetwas schien er vergessen zu haben. Und dies wurde ihm schlagartig bewusst, als ihm eine, ihm wohl bekannte Stimme, aus dem Hausflur entgegen schallte: "Takehito? Takehito, bist du da? Ich bin es, Manami!" Doch noch ehe er etwas antworten konnte, stand Manami bereits vor ihm. Und ihr Gesichtsausdruck verhieß nichts Gutes.

Wütend brüllte sie: "Sag mal, spinnst du eigentlich, Takehito? Erst rennst du im Disneyland davon und lässt mich stehen wie einen Vollidioten und dann tauchst du einfach nicht wieder auf, sodass ich allein nach Hause laufen musste. Ist dir eigentlich klar, dass ich mir totale Sorgen um dich gemacht habe? Und dann komm ich hier her und du hast nichts Besseres zu tun, als seelenruhig in deinen bescheuerten Kriminalromanen zu schmökern! Ich bin fast umgekommen vor Sorge!"

Takehito schien ihr gar nicht zu zuhören. Wie ein Irrer blätterte er in alten Tageszeitungen und war völlig in Gedanken versunken. Diese Tatsache machte Manami nur noch wütender. Wutentbrannt riss sie ihm die Zeitung unter der Nase weg.

"Sag mal, hörst du mir überhaupt zu?", fragte sie, wobei sie die Antwort eigentlich schon kannte.

Nun sah Takehito sie endlich an und entgegnete forsch: "Was stimmt eigentlich nicht mit dir? Du siehst doch, dass ich gerade beschäftigt bin und lese. Da habe ich für dein dummes und sinnloses Gefasel überhaupt keine Zeit. Du hast doch jetzt gesehen, dass es mir gut geht, oder? Ich bin schließlich auch kein kleines Kind mehr. Ich kann sehr gut auf mich selbst aufpassen. Also kannst du jetzt auch gehen!"

Seine Worte waren für das junge Mädchen wie ein Stich ins Herz. Noch nie zuvor hatte er ihr gegenüber einen solchen Ton angeschlagen. Zutiefst verletzt stammelte sie: "Ist ja in Ordnung. Das ist aber noch lange kein Grund mich gleich so an zugehen. Entschuldige bitte, dass ich mir Sorgen um dich gemacht habe. Wird nicht wieder vorkommen. Vergrab du dich mal weiter in deinen bescheuerten Kriminalromanen, du Detektivfanatiker! Wenn du so weiter machst, hast du bald keine Freunde mehr!", ohne ein weiteres Wort verließ Manami das Haus der Akanishis und schlug die Tür mit voller Wucht hinter sich zu.

Spätestens in diesem Moment, wo das Knallen der Tür durch die stillen Räume schallte, wurde Takehito klar, dass er durchaus etwas falsch gemacht hatte. "Toll, Takehito. Ganz klasse. Das hast du ja mal wieder super hin bekommen!", tadelte er sich selbst. Allerdings wusste er auch, dass es momentan keinen Zweck haben würde ihr ausgerechnet jetzt hinterher zu laufen. Manami würde ihm jetzt ohnehin nicht zuhören und auf stur schalten. Deshalb entschloss er sich, die Sache vorerst auf sich beruhen zu lassen und seine Recherchen durchzuführen.

Die ganze Nacht hindurch saß Takehito über alten Zeitungsartikeln und alten Polizeiakten seines Vaters. Doch wirklich hilfreich schien das nicht zu sein. Er fand einfach keine Informationen über die schwarzen Männer. Genervt legte er die Zeitungen vom Tisch und fluchte: "Das gibt's doch gar nicht! Irgendwo muss es doch Informationen zu finden geben! Irgendwelche Spuren müssen sie doch bei ihren Verbrechen hinterlassen haben..."

Er beschloss die Zeitungsartikel noch einmal ganz in Ruhe durch zu gehen. Vielleicht hatte er eine ganz kleine Kleinigkeit übersehen...

Die Vögel zwitscherten bereits und die Morgensonne schien Takehito ins Gesicht. Verschlafen schlug er die Augen auf und rieb sich den Schlaf aus den Augen. "Verdammt! Ich muss wohl eingeschlafen sein..."

Vor ihm waren immer noch die alten Tageszeitungen ausgebreitet, welche ihm noch immer keinen Erfolg gebracht hatten. Doch dann schoss dem Detektiv ein Geistesblitz durch den Kopf. "Natürlich! Warum bin ich da nicht schon eher drauf gekommen...Die Bibliothek! Das ist es!", stieß er entschlossen hervor.

Er schien auch gar nicht lange fackeln zu wollen. Nachdem er nur fünf Minuten im Badezimmer war, um sich frisch zu machen, stürmte er in den Flur seines Elternhauses, schnappte sich seine Jacke und machte sich unverzüglich auf den Weg zur Bibliothek des Stadtbezirks Koto.

Dieser Fall hatte wirklich Takehitos Interesse geweckt. Das war genau das, was er am Detektivsein liebte. Er schien völlig in seinem Element zu sein und in diesem Fall aufzugehen. Es verlangte ihm all seine detektivischen Fähigkeiten ab. Würde der Fall nicht den Anschein machen so gefährlich zu sein, hätte er womöglich sogar Spaß an seiner Recherche gehabt. Dieser mysteriöse Fall um die schwarzen Männer forderte sein gesamtes Können ab. Und das war es, was ihn daran so sehr reizte. Obwohl es ihm bei dem Gedanken an diese Männer eiskalt den Rücken herunter lief. Wäre die Tokioter Polizei am vorigen Abend nicht zufällig aufgetaucht, so würde Takehito jetzt wohl die Radieschen von unten betrachten. Sie hätten ihn ohne mit der Wimper zu zucken aus dem Weg geräumt. Und diese Gestalten machten auf ihn auch keineswegs den Anschein, als würden sie etwas, das sie angefangen hatten, unerledigt lassen. Früher oder später würden sie ihn aufspüren und ihr gescheitertes Vorhaben doch noch in die Tat umsetzen. Dass Takehito noch am Leben war, war für sie wohl ein nicht akzeptables Risiko. Da war er sich ganz sicher. Vom Nachteil war dabei vor allem, dass Takehito im ganzen Land bekannt war als "der Schülerdetektiv des Ostens". Ihn und seinen Aufenthaltsort aufzuspüren, war deshalb nicht sonderlich schwer. Dem war er sich durchaus bewusst. Wenn sie seine Spur nicht schon längst aufgenommen hatten und nur noch auf die passende Gelegenheit warteten ihn unbemerkt aus dem Weg zu räumen. All diese Gedanken kreisten dem jungen Detektiv im Kopf herum, während er auf dem Weg zur Bibliothek war.

Und dann endlich hatte Takehito sein Ziel erreicht. Er war sich sicher hier in der Bibliothek fündig zu werden. Niemand könne ungehindert Verbrechen begehen ohne dabei auch nur die kleinste Spur zu hinterlassen. Und so wie die beiden verdächtigen Gestalten wirkten... skrupellos und unberechenbar... hatten sie schon so einige Verbrechen begangen. Das stand für ihn außer Frage. Seine außergewöhnliche Menschenkenntnis und sein ungetrübtes Gespür für die Wahrheit hatten ihn bisher noch nie getäuscht. Und das würden sie auch dieses Mal nicht tun. Doch in welche finsteren Abgründe sich Takehito mit seinen Recherchen begeben würde... Damit hatte er selbst in seinen schlimmsten Albträumen nicht gerechnet.

Nachdem er die Bibliothek betreten hatte, begann er auch direkt mit seinen Nachforschungen. Die Bibliothek im Stadtteil Koto bot den Vorteil, dass sie eine sehr große Auswahl an sämtlichen Tageszeitungen hatte, auch aus anderen Regionen.

Als erstes nahm sich Takehito allerdings sämtlich vorhandene Ausgaben der Tokioter Tageszeitung vor. Doch selbst nach stundenlangem durchforsten der Zeitungen der letzten Jahrzehnte konnte seine Spürnase nichts finden, was auch nur ansatzweise einen Hinweis auf die in schwarz gekleideten Männer bot. Es schien tatsächlich schier unmöglich zu sein etwas über die beiden oder deren Hintermänner in Erfahrung zu bringen. Auch wenn Takehito dies einfach nicht wahr haben wollte.

Als er allerdings noch einmal über diesen höchst verdächtigen Deal nachdachte und versuchte sich an das Gespräch der beiden zu erinnern, fiel es ihm wie Schuppen von den Augen. "Moment mal! Was haben die beiden gesagt? Sie haben die ganze Zeit von Kyoto gesprochen... Was, wenn sich ihre Verbrechen gar nicht in Tokio, sondern in Kyoto zugetragen haben?"

Je länger er über diese Tatsache nachdachte, desto plausibler klang es für ihn und er hatte recht schnell einen Entschluss gefasst. In Windeseile räumte er die Zeitschriften zusammen, brachte sie zurück an ihren Ursprungsort und verließ die Bibliothek auf schnellstem Wege.

Vor der Bibliothek suchte Takehito händeringend nach der nächstbesten Telefonzelle. Er wusste genau wer ihm jetzt wahrscheinlich am ehesten weiterhelfen konnte. Tatsuya Akanishi, Polizeichef von Kyoto und sein Großvater.

Er war sich ganz sicher, wenn sich die Verbrechen, welche die schwarzen Männer begangen haben, in Kyoto zugetragen haben, so könne ihm sein Großvater am ehesten Informationen beschaffen.

Es dauerte gar nicht lang, bis Takehito eine Telefonzelle gefunden hatte. Doch als er in der Zelle stand, kamen ihm Zweifel. Würde sein Großvater ihm ohne weiteres die Informationen geben, die er wollte, selbst wenn er sie hätte? Denn wenn sein Großvater tatsächlich Informationen zu den schwarz gekleideten Männern hatte, so wusste er sicherlich auch von deren Gefährlichkeit. Dann war es wohl eher unwahrscheinlich, dass sein Großvater ihm die Informationen gab. Allerdings war ihm auch klar, dass er gar keine andere Wahl hatte, nachdem sämtliche Recherchen seinerseits ins Leere gelaufen waren.

Widerwillig wählte er am Ziffernblatt des Telefons im Inneren der Telefonzelle die Nummer seines Großvaters. Es hatte gerade zweimal geklingelt, als sein Großvater das Telefonat bereits annahm. "Akanishi, Tatsuya. Wer spricht?", schallte es in den Hörer.

"Ojiisan? Ich bin es, Takehito. Ich brauche deine Hilfe." Als Tatsuya wusste wer am anderen Ende war, wirkte er gleich etwas fröhlicher. Er schien sich auch zu freuen von seinem Enkel zu hören. Zu diesem Zeitpunkt wusste er auch noch nicht, was genau sein Enkel eigentlich von ihm wollte.

"Was kann ich für dich tun, Hito-Chan?" Kurze Stille. Takehito schien noch einmal zu überlegen, ob er seinen Großvater wirklich fragen sollte.

Doch schließlich sprang er über seinen Schatten und formulierte sein Anliegen: "Hör zu, Ojiisan. Ich bin gerade an einem sehr komplizierten Fall dran, bei dem ich auf deine Unterstützung angewiesen bin. Bei meinem letzten Fall bin ich auf zwei zwielichtige Gestalten gestoßen, die ich bei einem äußerst verdächtigen Deal beobachtet habe. Jedenfalls waren diese beiden Gestalten komplett schwarz gekleidet und machten unmissverständlich den Anschein, dass sie vor keinem Verbrechen zurück schrecken würden. Nicht einmal vor Mord. Bei meinen eigenen Nachforschungen bin ich zu der Schlussfolgerung gekommen, dass sie ihre Verbrechen nicht in Tokio begehen, sondern eher in Kyoto. Gab es in Kyoto in den letzten Jahren ungeklärte Verbrechen, die vielleicht etwas damit zu tun haben könnten?"

"Takehito, du weißt, dass solche Informationen meiner Schweigepflicht unterliegen. Über Ermittlungen der Kyotoer Polizei darf ich dir eigentlich gar nichts sagen. Ich würde in Teufels Küche kommen und riskiere meinen Job. Mal ganz davon abgesehen, dass deine Eltern mich wahrscheinlich einen Kopf kürzer machen würden, sollten sie erfahren, dass ich dich in deinen Detektivspielen unterstütze.", sprach sein Großvater ernst.

Diese Reaktion war für den jungen Nachwuchsdetektiv keine Überraschung. Er hatte durchaus damit gerechnet. Sein Großvater tat sich schon immer schwer damit ihn mit brisanten oder geheimen Informationen zu versorgen, was wohl daran lag, dass er Ärger mit Takehitos Eltern vermeiden wollte. In die detektivischen Fähigkeiten seines Enkels hatte er nämlich großes Vertrauen und wusste um seine außergewöhnlichen Fähigkeiten bestens Bescheid und schätzte sie sehr.

Eindringlich sprach Takehito: "Ojiisan, bitte! Du vertraust mir doch, oder? Ich stecke mittlerweile viel zu tief in diesem Fall drin, als dass ich nun meine Ermittlungen ruhen lassen könnte..."

Totenstille am anderen Ende des Apparates. Nur das schwere Atmen seines Großvaters verriet ihm, dass er immer noch am Hörer war und noch nicht aufgelegt hatte. Einige Sekunden sagte keiner der beiden etwas, wobei es Takehito vor kam wie eine Ewigkeit. Schließlich unterbrach Tatsuya die Stille.

Behutsam sprach er auf seinen Enkel ein: "Es scheint mir, als hättest du dich dieses Mal mit den falschen Leuten angelegt. Diese Sache alleine regeln zu wollen, kann für dich fatale Folgen haben. Takehito, hör zu... Ich habe gute Kontakte zu Interpol. Mir scheint als wärst du hier in Japan nicht mehr sicher. Deine Ermittlungen auf eigene Faust sind viel zu gefährlich. Ich halte es für das Beste, wenn du vorerst das Land verlässt. Zumindest bis es gelungen ist diese Männer fest zu setzen. Im Ausland wärst du vorerst in Sicherheit. Überlass die Ermittlungen in diesem Fall den Profis."

Die Worte seines Großvaters kratzten ziemlich am Ego des jungen Detektivs. Energisch unterbrach er: "Auf gar keine Fall! Ich werde nicht vor meinem Schicksal davon laufen! Du musst mir einfach vertrauen! Ich weiß, was ich tue. Ich muss diesen Fall selbst lösen, verstehst du, Ojiisan. Aber deinen Worten nach zu urteilen, weißt du tatsächlich etwas über sie..."

Wieder herrschte Stille am anderen Ende. Prinzipiell war Takehitos Reaktion keine Überraschung für Tatsuya. Dass sein Enkel so reagieren würde, war ihm eigentlich von vornherein klar gewesen. Tatsuya ließ einen lauten Seufzer von sich. "Du erinnerst mich immer mehr an mich, als ich in deinem Alter war, Hito-Chan. Hör zu, ich kann dir nicht viel sagen, weil selbst für die japanische Polizei diese Gestalten völlig unbekannt sind und sie ihre Verbrechen ungehindert im Verborgenen ausüben. Ich habe selbst nur ein einziges Mal von einem Fall mitbekommen bei dem in schwarz gekleidete Männer involviert waren. Ob es sich dabei um dieselben Männer handelt, wie in deinem Fall, kann ich natürlich nicht sagen. Allerdings wären das schon zu viele Zufälle auf einmal. Ich selbst habe in diesem Fall nicht ermittelt. Die Ermittlungen in diesem Fall damals oblagen der japanischen Sicherheitspolizei. Und es drangen auch überhaupt keine Ermittlungsergebnisse an die Außenwelt. Ich kann dir nur sagen, dass damals eine junge Frau aus Tokio in diesen Fall involviert war und eine Zeit lang im Mittelpunkt der Ermittlungen stand. Ihr Name war Masami Hirota. Vielleicht solltest du sie mal aufsuchen. Eventuell kann sie dir weitere Informationen geben. Aber sei auf der Hut. Diese schwarz gekleideten Männer und deren Hintermänner scheinen gefähr-..."

Tatsuya kam gar nicht dazu seinen Satz zu beenden. Takehito hatte bereits aufgelegt. Schließlich hatte er nun eine heiße Spur, der er unverzüglich nachgehen musste.

Entschlossen wählte er die Nummer der Auskunft. Ihm war klar, wenn die japanische Sicherheitspolizei, die PSIA, damals die Ermittlungen in dem besagten Fall übernommen hatte, musste es tatsächlich brisant sein. Das bestärkte ihn in seiner Vermutung, dass von den schwarz gekleideten Männern eine unberechenbare Gefahr ausging. Aber sein Entschluss stand fest. Er wollte die beiden dingfest machen und ihnen das Handwerk legen. Und nichts und niemand konnte ihn von seinem Vorhaben abbringen.

Von der Auskunft hatte er die Adresse von Masami Hirota erfahren. Glücklicherweise gab es in ganz Tokio nur eine Frau mit diesem Namen. Ihre Adresse lag nicht weit entfernt vom Disneyland. Takehito war klar. Das konnte keineswegs ein Zufall sein. Diese Frau musste eine Verbindung zu den in schwarz gekleideten Männern haben. Doch bevor er sich auf den Weg zur Adresse von Masami Hirota machte, beschloss er erst einmal zu ermitteln in welchen Fall diese junge Frau damals verwickelt war.

Erneut besuchte Takehito die Bibliothek von Koto. Recht schnell hatte er auch gefunden, wonach er suchte, wenngleich die Informationen recht sporadisch waren. Vor einem Monat gab es in Kyoto einen Überfall auf einen Geldtransporter, bei dem insgesamt eine Milliarde Yen erbeutet wurden. Masami Hirota geriet schnell ins Visier der Ermittlungen und galt schnell als Hauptverdächtige. Da die Beute bis zum heutigen Tage nicht gefunden werden konnte und es keine eindeutigen Beweise gab, die für Masami Hirota als Täterin sprachen, wurde sie bisher nicht fest genommen. Auch mit diesen sporadischen Informationen hatte Takehito schnell eine Schlussfolgerung gezogen. Masami Hirota hatte durchaus den Raub begangen. Allerdings war sie nur ausführendes Organ. Die Drahtzieher hinter der ganzen Angelegenheit waren ganz andere und viel mächtiger als Masami selbst.

Entschlossen Masami Hirota mit seinen Schlussfolgerungen zu konfrontieren, machte Takehito sich auf den Weg zur Adresse, welche er von der Auskunft erfahren hatte.

Verhältnismäßig schnell erreichte er sein Ziel, kam an besagter Adresse an und betätigte die Klingel. Widererwarten wurde ihm nach dem zweiten Mal Klingeln die Tür geöffnet. Und dann stand sie vor ihm... seine Zielperson... Masami Hirota... eine engelsgleiche junge Frau die auf den ersten Blick den Anschein machte, als könne sie kein Wässerchen trügen oder je einer Fliege etwas zu Leide tun.

Die junge Frau schien überrascht zu sein diesen jungen Mann vor ihrer Tür stehen zu haben. Schließlich kannte sie ihn ja auch gar nicht. Der junge Mann vor ihrer Tür war ihr völlig unbekannt. Ohnehin machte es den Anschein, dass sie gerade im Begriff war das Haus zu verlassen. Offensichtlich hatte sie noch etwas vor. Doch Takehito zögerte dennoch nicht. Er war ja den ganzen Weg schließlich nicht umsonst gekommen.

Selbstbewusst sprach er sie an: "Entschuldigen Sie bitte vielmals die Störung. Mein Name ist Takehito. Dürfte ich vielleicht kurz eintreten? Ich habe etwas mit Ihnen zu besprechen."

Widerwillig gewährte Masami Hirota dem ihr unbekannten Jungen Einlass in ihre Wohnung. Sie schien durchaus neugierig zu sein. Denn obwohl sie diesen Jungen nicht kannte, wollte sie schon gern wissen, was er so dringendes mit ihr zu besprechen hatte. Im Wohnzimmer der jungen Frau angekommen, redete Takehito auch gar nicht lang um den heißen Brei herum. Er fiel direkt mit der Tür ins Haus.

Mit dem Rücken zu der jungen Frau gewandt, äußerte er: "Ich weiß über die Umstände des eine Milliarde Yen Raubes in Kyoto Bescheid. Sie, Masami Hirota, haben, wie die Polizei bereits vermutet hat, den Raub begangen. Aber Sie sind nicht der Drahtzieher dieser ganzen Sache. Davon bin ich felsenfest überzeugt. Die Drahtzieher hinter diesem Raubüberfall sind viel mächtiger, als die Polizei denkt und ziehen ihre Fäden aus dem Verborgenen. Ich habe doch recht mit dem was ich sage, oder, Masami Hirota?"

Noch ehe er eine Antwort von der jungen Frau bekam, spürte er einen stechenden Schmerz in seinem Nacken. Anstatt ihm zu antworten, hatte Masami ihre Handkante in Takehitos Nacken gejagt, um ihn so außer Gefecht zu setzen. Schon im selben Moment ging der Mittelschüler regungslos zu Boden. Blitzschnell schnappte sich die junge Frau ihre Autoschlüssel und einen Schlüssel für ein Schließfach und wollte ihre Wohnung unverzüglich verlassen. Doch Takehito schien sein Bewusstsein schneller zurück zu erlangen als Masami vermutet hatte. Als sie gerade dabei war das Wohnzimmer zu verlassen, nahm sie erneut dessen Stimme wahr.

"Masami... Gehen Sie nicht..."

Er richtete sich langsam in eine sitzende Position auf und hielt sich mit einem schmerzverzerrten Gesicht den Nacken. Durchaus überrascht wandte Masami sich zu dem Jungen um. Es war offensichtlich, dass sie ein schlechtes Gewissen hatte dem Jungen Schmerzen zugefügt zu haben.

"Sie sind in einer wahnsinnigen Gefahr, Masami. Man will Sie mit Sicherheit umbringen.", fuhr Takehito besorgt fort.

Ein leichtes Lächeln legte sich auf die Lippen von Masami. Ihre Augen verrieten allerdings, dass sie fürchterliche Angst hatte. Sie wusste wohl schon was sie erwartete. Dennoch erwiderte sie mit einem Lächeln: "Ich werde trotzdem gehen. Entschuldige... Es tut mir leid, Takehito. Du bist hier her gekommen um mich vor einem großen Unglück zu bewahren. Doch für mich ist es schon längst zu spät. Es gibt absolut nichts, was du für mich tun kannst. Deshalb werde ich gehen."

Nach diesem Satz wandte sie ihm den Rücken zu. Doch Takehito reagierte geistesgegenwärtig und warf zielsicher einen Peilsender in ihre Handtasche. Glücklicherweise blieb dies von Masami unbemerkt. Mithilfe des Peilsenders konnte er kurz darauf die Verfolgung der jungen Frau aufnehmen.

Eines war ihm klar... Masami Hirota befand sich in höchster Gefahr und er würde alles daran setzen sie zu beschützen. Zielstrebig verfolgte er das Signal des Peilsenders.

Während Takehito sie verfolgte, dachte er besorgt: "Ich muss sie irgendwie aufhalten. Sie weiß vermutlich nicht einmal in was für eine wahnsinnige Gefahr sie sich gerade begibt..."

Schnell wurde ihm klar, dass Masami Hirota sich auf dem Weg in das abgelegene Industriegebiet, unweit von ihrer Wohnung, befand. Er war ihr bereits dicht auf den Fersen. Allerdings war es für ihn unmöglich sie einzuholen...

Masami hatte bereits ihr Ziel erreicht.

Zielstrebig ging sie auf eine der verlassenen Fabrikhallen zu. Es war offensichtlich, dass sie nicht das erste Mal dort war. Zu vertraut bewegte sie sich in diesem weitläufigen Gebiet. Für einen Moment schloss sie ihre Augen, atmete tief durch, ehe sie möglichst selbstbewusst auf den Eingang zuging. Die Angst begleitete sie bei jedem Schritt den sie tat. Aber Masami war klar, jegliche Art von Zweifel durfte sie sich nicht erlauben, wollte zudem ihre Angst nicht zeigen. Zu viel stand für sie auf dem Spiel. Sie wusste ganz genau, was sie wollte. Und da gab es keinen Platz für Angst oder Panik. Sie musste sich jetzt einfach zusammen reißen. Es würde alles schon irgendwie gut gehen.

Ohne zu zögern trat sie durch die Tür und blickte sich flüchtig im Raum um. Soweit sie erkennen konnte, hatte sich nichts Nennenswertes verändert. Obwohl es schon eine ganze Weile her war, dass sie diesen Ort betreten hatte. Die zahlreichen kleinen Löcher in den Wänden waren noch immer die, an die sie sich erinnerte. Die meisten der Fenster waren zerbrochen.

Doch als sie bemerkte, dass sie dort niemand wie verabredet erwartete, rief sie selbstbewusst in den Raum: "Ich bin da. Wo seid ihr? Zeigt euch!"

Doch noch ehe Masami jemanden sehen konnte, ertönte in ihren Ohren diese rabenschwarze, finstere und eiskalte Stimme des Mannes auf den sie scheinbar gewartet hatte. "Gute Arbeit, das muss man dir lassen, Masami Hirota! Oder sollte ich besser sagen... Minami Miyano?"

Und dann standen sie vor ihr. Die beiden skrupellosen in schwarz gekleideten Männer. Und es waren tatsächlich genau diese Männer nach denen Takehito suchte. Doch für die junge Frau schien das Erscheinen der beiden keine Überraschung zu sein. Es war also ohne jeden Zweifel klar, dass sie in irgendeiner Verbindung zu diesen zwielichtigen Männern stand.

"Lass dein dummes Gerede, Gin! Ich weiß selbst am besten wie ich heiße. Und einem Bastard wie dir werde ich es nicht erlauben meinen bürgerlichen Namen in den Mund zu nehmen. Außerdem haben wir uns hier ja wohl aus einem anderen Grund getroffen!", warf Masami ihrem Gegenüber schnippisch entgegen.

Einer der Männer, dessen Name scheinbar Gin zu sein schien, unterbrach sie: "Vorsicht, Püppchen! Du solltest deine Zunge zügeln! Von einem Organisationsmitglied mit einem solch niedrigen Rang, dass es nicht einmal einen Decknamen wert ist, kann ich ja wohl etwas mehr Respekt erwarten!"

Es war nicht zu übersehen, dass Gins Worte Masami das Blut in den Adern gefrieren ließ. Der Mann hatte, selbst wenn er nicht sprach, eine so angsteinflößende Aura an sich, dass es wahrscheinlich jedem bei seinem Anblick eiskalt den Rücken herunter lief. Dennoch ließ Masami sich nicht verängstigen. Sie wusste ganz genau was sie wollte.

"Wie dem auch sei. Du erinnerst dich doch noch an unseren Deal von vor einem Monat, oder Gin? Ich überfalle den Geldtransporter für euch und erbeute eine Milliarde Yen und im Gegenzug dafür lasst ihr mich und meine Schwester aus den Fängen der Organisation. Ich habe meinen Teil der Abmachung erfüllt. Jetzt seid ihr an der Reihe euren Teil zu erfüllen."

Ein diabolisches Grinsen stahl sich auf die Lippen von Gin. Die Skrupellosigkeit funkelte in seinen Augen. Völlig eiskalt und ohne irgendwelche Anzeichen von Emotionen zog Gin eine Waffe, wobei es sich um eine Beretta 92FS handelte, aus seiner Manteltasche und richtete diese auf Masami.

Hinterlistig sprach er: "Jetzt mach dich doch nicht lächerlich, Minami. Wir hatten niemals einen Deal mit dir. Es war deine Wunschvorstellung. Wir haben nur einfach nicht widersprochen. Allerdings haben wir auch nie unsere Zustimmung dazu gegeben. Seit wann macht denn auch die Organisation solche Deals? Du bist ziemlich naiv, wenn du wirklich geglaubt hast, dass wir uns auch nur ansatzweise darauf einlassen würden. Deine Schwester ist für uns viel zu wertvoll, als dass wir sie aus unseren Fängen lassen würden. Für dich allerdings... hat die Organisation keine Verwendung mehr. Die Polizei hat dich bereits im Verdacht. Du bist einfach ein zu hohes Risiko für die Organisation... Tut mir leid, Minami..."

Und ehe sich Masami versah, gab es einen unwahrscheinlich lauten Knall. Und nur einen Bruchteil einer Sekunde später spürte sie einen stechenden Schmerz in ihrem Bauch und ging blutend zu Boden.

Gin und sein Partner hatten erledigt wofür sie ausgesandt wurden. Es gab für sie keinen Grund sich länger wie nötig in diesem Industriegebiet auf zu halten. Aufgrund dessen verschwanden sie genau so schnell wie sie gekommen waren.

Als Takehito am Industriegebiet ankam, war das erste was er vernahm ein Schuss. "Ein Schuss!", stieß er erschrocken hervor.

Die Tatsache, dass jemand ganz in der Nähe mit einer Waffe um sich schoss, beunruhigte ihn schon ziemlich. Er wusste aber auch, dass der Schuss wahrscheinlich etwas mit Masami zu tun haben musste. Er wusste, er musste sich beeilen, wenn er ihr noch irgendwie helfen wollte.

Zielstrebig begab er sich in die Lagerhalle aus der er zuvor das Geräusch des Schusses vernommen hatte. Dabei sah er sich immer wieder flüchtig um. Masami wäre schließlich nicht geholfen, wenn er sich selbst auch noch in Gefahr bringen würde. Doch bisher schien die Luft rein zu sein. In der Fabrikhalle angekommen bewahrheiteten sich seine schlimmsten Befürchtungen.

Die junge Frau, Masami Hirota, lag blutüberströmt am Boden. Jemand hatte sie offensichtlich skrupellos nieder geschossen. Dieser Anblick war selbst für den jungen Detektiv, der schon einiges gesehen und miterlebt hatte, fürchterlich. Der Schütze schien allerdings nicht mehr vor Ort zu sein.

Wie angewurzelt stand er in der Tür und stieß besorgt hervor: "Masami!"

Er rannte auf die junge Frau zu und legte behutsam ihren Kopf auf seinen Schoss, nachdem er sich hin gekniet hatte.

Besorgt musterte er sie und ihre stark blutende Wunde am Bauch und sprach: "Masami, können Sie aufstehen?"

Schwach öffnete die junge Frau ihre Augen und sah Takehito ins Gesicht.

"Takehito? Was machst du denn hier? Woher wusstest du, dass ich hier bin?", fragte Masami mit zittriger Stimme.

Takehito erwiderte sofort: "Bevor Sie die Wohnung verlassen hatten, konnte ich einen Peilsender in ihre Handtasche schnippen. Ich war mir ganz sicher, dass Sie die Leute treffen würden, die die wahren Drahtzieher des Überfalls auf den Geldtransporter waren. Ich hatte vorhin ja leider keine Möglichkeit Ihnen alles zu erklären."

Die junge Frau sah ihn eindringlich an. Dieser Junge war ganz offensichtlich kein einfacher Mittelschüler.

Überrascht stieß sie hervor: "Wer- Wer bist du? Sag es mir!"

Takehito wandte kurzzeitig seinen Blick von Masami ab. Er war sich nicht sicher, ob er seine Identität vor ihr wirklich preisgeben sollte. Schließlich stand sie mit den in schwarz gekleideten Männern in Verbindung und sie waren ganz sicher hinter ihm her. Nach einem kurzen Moment der Stille entgegnete er schließlich: "Mein Name ist Takehito Akanishi. Meines Zeichens Detektiv."

Masamis Augen weiteten sich. Nachdenklich stammelte sie: "Akanishi... Takehito Akanishi... ein Detektiv... ja, ich... ich habe von dir in der Zeitung gelesen."

Schwach richtete sie ihren Blick an die Decke und fuhr fort: "Die beiden Männer, die ich angeheuert hatte um mir bei den Raub behilflich zu sein, wurden getötet. Und mich hat es jetzt offensichtlich auch erwischt. Wahrscheinlich war das von Anfang an mein Schicksal. Ich hätte es wissen müssen... Es war die Organisation..."

Masami war plötzlich ungewöhnlich redselig. Als sie erfahren hatte, um wen es sich bei Takehito handelte, hatte er ihr Vertrauen gewonnen. Und er schien nun tatsächlich an die Informationen zu kommen, die der Grund dafür waren, dass er sie überhaupt aufgesucht hatte. Doch er hatte keinerlei Vorstellung in was für einen Fall er dort hinein geschlittert war.

"Organisation?", hakte Takehito wissbegierig nach.

Masami sah ihn ernst an und versuchte ihm alles mitzuteilen, was sie wusste: "Sie ist mysteriös und weit verzweigt. Eine große Organisation verschleiert von Mysterien. Wer einmal in ihren Bann gerät, den lässt sie nicht mehr los und alles was ich weiß ist, dass ihre Farbe schwarz ist."

"Schwarz sagen Sie?", unterbrach er die junge Frau erneut.

"Ja, Takehito. Das ist die Farbe, die sie hauptsächlich tragen. Die Leute, die in der Organisation etwas zu sagen haben, sind alle schwarz gekleidet. Schwarz wie das Böse... Genau wie Krähen... Schwarze Klamotten... Ihre Kleidung ist genauso schwarz wie ihre verdorbene Seele..."

Schlagartig schossen Takehito die Bilder der beiden in schwarz gekleideten Männer aus dem Disneyland in den Kopf. Jetzt war alles klar... Nun bestand kein Zweifel mehr. Sein Gefühl hatte ihn erneut nicht getrübt. Von Anfang bis Ende hatte er mit all seinen Vermutungen Recht behalten. Bei den Männern, die die Drahtzieher bei dem Überfall waren und den skrupellosen Männern aus dem Disneyland handelte es sich um ein und dieselben Männer. Daran gab es nun absolut keinen Zweifel mehr.

Masami packte Takehito am Arm und fuhr zunehmend schwächer fort: "Die schwarze Organisation verübt seit Jahren Verbrechen im Raum Kyoto. In der Szene sind sie längst eine feste Größe. Jeder versucht sie zu meiden und ihnen unter gar keinen Umständen in die Quere zu kommen, denn wer ihnen einen Strich durch die Rechnung macht, endet am Ende genauso wie ich jetzt. Bei ihren Verbrechen gehen sie geschickt vor und hinterlassen nie irgendwelche Spuren. Sie sind wie ein böser Schatten, der sich auf Kyoto gelegt hat. Das reine Böse, dem nicht einmal die japanische Polizei gewachsen ist. Sie sind organisiert und verhalten sich immer unauffällig. Niemand kennt sie. Sie sind wie böse Geister. Um ihre Identitäten zusätzlich zu verschleiern, haben alle hochrangigen Mitglieder sogenannte Decknamen. Diese Decknamen beschränken sich ausschließlich auf Spirituosen. Gin und Wodka sind die einzigen hochrangigen Mitglieder mit denen ich bisher Bekanntschaft gemacht habe. Ihre Boshaftigkeit und Skrupellosigkeit ist absolut grenzenlos. Das musste ich nun am eigenen Leib erfahren. Gin hat keine Sekunde gezögert mich aus dem Weg zu räumen. Ich stelle wohl ein zu hohes Risiko für die Organisation dar. Deshalb mussten sie mich beseitigen. Ich möchte dich um einen letzten Gefallen bitten, Takehito. Es ist sehr wichtig."

Zaghaft hielt sie ihm einen Schließfachschlüssel entgegen. "Hier. Der echte Schlüssel. Der, den sie mitgenommen haben, ist der Falsche. Ich habe die Kerle ganz schön reingelegt, nicht wahr? Der hier passt zu einem Schließfach am Ortsausgang vom Bahnhof Koto."

Masami kauerte sich vor Schmerzen und hustete stark. Takehito musterte sie besorgt. Mit schwachen glasigen Augen sah Masami ihn an und wisperte schwach: "Ich zähle auf dich, kleiner Detektiv. Das Geld muss zur Polizei. Beeil dich, bevor die rauskriegen, dass sie reingelegt worden sind. Mich werden diese Mistkerle... jedenfalls... nie wieder... benutzen..."

Nach diesem Satz schloss Masami geschwächt ihre Augen und binnen weniger Sekunden verließ auch der letzte Hauch Leben ihren Körper. Masami Hirota war in Takehitos Armen gestorben. Bestürzt riss er die Augen auf. Er hatte zwar jetzt die Informationen, die er wollte, aber... zu welchem Preis.

Selbst ihn, der durchaus mit dem Tod vertraut war, ließ das traurige Schicksal der jungen Frau nicht kalt. Und vor allem die Umstände ihres Todes. Behutsam legte er die Leiche der jungen Frau auf den Boden. Es dauerte einige Sekunden ehe er begreifen konnte, was geschehen war.

Kurz darauf zückte er sein Handy und wählte die Telefonnummer des Polizeihauptquartiers der Präfektur Chiba. Nachdem es zweimal geklingelt hatte, wurde das Telefonat angenommen. "Hallo?... Ja, guten Tag... Ich möchte gern Inspektor Hyuga sprechen..."

Seine Stimme wirkte zittrig und gebrochen. Der Tod von Masami schien ihn wirklich unheimlich nahe zu gehen. Er hatte es einfach nicht geschafft sie zu beschützen. Wäre er nur etwas schneller gewesen, hätte er sie vielleicht vor dem sicheren Tod bewahren können. Noch nie zuvor hatte Takehito sich so hilflos gefühlt.

Nur kurze Zeit später tauchte die Polizei am Tatort auf. Da die einzigen Fingerabdrücke, die man auf der Pistole gefunden hatte von Masami stammten, wurde geschlussfolgert, dass sie Selbstmord begangen hätte. Die Polizei war ihr dicht auf den Fersen gewesen, und man dachte, sie hätte es bemerkt. Die Milliarden wurden sichergestellt und der Fall schien abgeschlossen zu sein.

Aber weit gefehlt. Dieser Fall war noch lange nicht abgeschlossen. Takehito würde diese Männer in schwarz nie vergessen und eines Tages würde er sie finden und überführen. Das war für ihn so sicher wie das Amen in der Kirche...

Nachdem die Polizei Takehitos Aussage bezüglich zum Fund der Leiche, protokolliert hatte, durfte er endlich nach Hause gehen.

Nervlich war er längst völlig am Ende. Alles um ihn herum wirkte so irreal. War das alles wirklich geschehen? Konnte das nicht einfach ein böser Traum sein, aus dem er jede Minute erwachen würde?

Schweren Schrittes machte er sich auf den Heimweg. Das Laufen fiel ihm schwer. Es war auch eher ein dahin schleichen. Von den Informationen, die Takehito von Masami in Bezug auf die schwarze Organisation erhalten hatte, erzählte er den anwesenden Polizisten natürlich nichts. Zum einen wusste er immer noch nicht welche Kreise der Korruptionsfall zog und zum anderen... Was hätte er auch sagen sollen? Er hatte weder Beweise dafür, dass diese schwarze Organisation existierte, noch dass sie in den besagten Fall involviert waren. Was also hätte er der Polizei sagen sollen? Selbst für ihn selbst klang das ganze so absurd, dass er es kaum glauben konnte.

Doch momentan hatte er ein weitaus präsenteres Problem, als sich über die schwarze Organisation den Kopf zu zerbrechen. Selbstvorwürfe plagten ihn. Wäre er nur etwas eher bei Masami gewesen, hätte er ihr alles erklären können. Wohlmöglich hätte er sie aufhalten können und sie so vor dieser offensichtlichen Dummheit bewahren können. Masami hatte den Tod keinesfalls verdient.

Doch neben seinen Selbstvorwürfen stieg in ihm auch unheimliche Wut auf. Wut auf die schwarze Organisation. Wut auf deren Handeln und dass ihnen bisher noch niemand Einhalt gebieten konnte. Warum hatte Masami nur diese offensichtliche Dummheit begangen. Es war doch offensichtlich gewesen, dass sie bereits geahnt hatte wie das enden würde.

"Verdammt! Verdammt! Verdammt!", fluchte Takehito innerlich.

Die Geschehnisse der letzten Stunden wühlten ihn innerlich auf. Noch immer fiel es ihm schwer die Vorkommnisse wirklich zu begreifen. Er hatte nicht einmal bemerkt, dass noch immer das Blut von Masami an seiner Kleidung und seinen Händen haftete. Das war ihm völlig gleich. Zu unwirklich schien das Ganze. Eine schwarze Organisation, die ungehindert Verbrechen begehen konnte, indem sie so geschickt waren keine Beweise zu hinterlassen, und offensichtlich perfekt organisiert waren. Wer würde denn solch einer Schauergeschichte Glauben schenken? Man konnte fast meinen diese Geschichte entsprang einem recht guten Kriminalroman. Doch sie war finstere Realität. All das war wirklich geschehen. Und eines war Takehito nun klar... Diese Organisation war noch gefährlicher und unberechenbarer als er es vermutet hatte.

Völlig niedergeschlagen kam er endlich an seinem Elternhaus an. Er stieß einen tiefen Seufzer aus. Doch dann wurde er jäh aus seinen Gedanken gerissen. Eine ihm wohl bekannte Stimme drang in sein Ohr.

"Hey, Detektivspinner!"

Diese Worte konnten nur von einer Person stammen. Takehito wandte sich kurzer Hand um und hob seinen Blick an. Wie bereits zu erwarten war, erblickte er Manami. Wieder seufzte er, erwiderte allerdings nichts. Ihm war einfach nicht nach Reden zumute. Als Manami allerdings das Blut an seiner Kleidung und seinen Händen sah, reagierte sie direkt panisch: "Takehito! Bist du verletzt? Überall an dir haftet Blut!"

Erst jetzt blickte er an sich hinunter und bemerkte, dass er Masamis Blut an sich trug. Nach einem tiefen Seufzer sprach er betrübt: "Nein. Alles in bester Ordnung. Ich bin nicht verletzt. Es handelt sich hierbei nicht um mein Blut."

"Es ist ihres...", fuhr er in Gedanken fort.

Manami kam derweil auf ihn zugelaufen und sprach mit einem schnippischen Unterton in ihrer Stimme: "Na wenn du meinst. Du musst es ja wissen. Hast du dich denn mittlerweile wenigstens etwas beruhigt? Du hast dich ja gestern aufgeführt wie ein Idiot!"

Angesprochener warf dem nichts ahnenden Mädchen einen Blick zu, der Bände sprach und entgegnete genervt: "Verschon' mich mit deinem kindischen Gefasel, ja! Ich habe ganz andere Probleme und vor allem habe ich einen anstrengenden Tag hinter mir. Also verschon mich bitte, ja!"

Ohne ein weiteres Wort verschwand er in seinem Elternhaus und ließ Manami an Ort und Stelle stehen wie bestellt und nicht abgeholt.

Völlig überrumpelt blickte sie im nach. Aber sie war überhaupt nicht wütend über seine Reaktion. Im Gegenteil... sie machte sich schreckliche Sorgen um ihren Freund. Irgendetwas stimmte ganz und gar nicht mit ihm. Seit sie gemeinsam mit ihm vor einigen Tagen im Disneyland war, war er wie ausgewechselt. Er schien völlig neben sich zu stehen. Eigentlich hatte sie erwartet, dass er vor Selbstverliebtheit nur so strotzen würde, nachdem er den Mordfall, der sich dort ereignet hatte, so grandios gelöst hatte. Aber das komplette Gegenteil schien der Fall zu sein. Und genau das machte das Mädchen stutzig. Irgendetwas musste ihrem Freund tierisch zu schaffen machen. Aber was nur? Was war geschehen, dass er sich nun so verhielt?

Manami wollte Antworten. Doch sie musste sich genau überlegen wie sie ihm diese Antworten entlocken konnte. Dabei musste sie gerissen vorgehen, denn einfach so würde Takehito ihr wohl nicht Rede und Antwort stehen.

Als Takehito die Tür hinter sich geschlossen hatte, hatte er bereits im nächsten Moment ein schlechtes Gewissen. Er hatte es schon wieder getan. Er hatte seinen Frust und Ärger an Manami ausgelassen. Gerade an ihr, die eigentlich am aller wenigsten für das Ganze konnte. Bereits gestern hatte er sie vor den Kopf gestoßen. Und jetzt schon wieder. Und dabei hatte sie sich einfach nur um ihn gesorgt. Er wusste, dass sein Verhalten seiner Freundin gegenüber in den letzten beiden Tagen ziemlich unfair war. Allerdings war er auch viel zu stolz um sich zu entschuldigen.

Während er sich nun auch noch über sein Verhalten gegenüber seiner besten Freundin ärgerte, ließ er sich am Schreibtisch seines Vaters in dessen Arbeitszimmer nieder.

Recht schnell konzentrierten sich seine Gedanken wieder erneut auf Masami. Noch immer konnte er nicht so recht begreifen, was in den letzten Stunden geschehen war.

Einige Zeit saß er einfach auf dem Stuhl am Schreibtisch seines Vaters und war nicht in der Lage einen klaren Gedanken zu fassen. Bis er sich schließlich doch endlich wieder fasste.

Er konnte jetzt nicht untätig rumsitzen und in Selbstvorwürfen versinken. Geschehenes war geschehen. Daran konnte er, ganz gleich wie sehr er es auch wollte, nichts ändern. Masami hatte ihm ihr Leben anvertraut. Das konnte er jetzt nicht ohne weiteres ignorieren. Für ihn war es an der Zeit zu handeln. Bevor noch jemand durch die Machenschaften der schwarzen Organisation sein Leben lassen musste.

"Okay, Takehito. Du musst dich jetzt zusammen reißen!", sprach er tadelnd zu sich selbst.

Sein Entschluss stand fest... Er würde bis zum bitteren Ende gegen die schwarze Organisation ermitteln. Komme was wolle. Genau das war es, was auch Masami gewollt hätte.

Er breitete vor sich ein leeres Blatt Papier aus und nahm all seine Konzentration zusammen. Ihm war klar, dass die Organisation mindestens zwei potentielle nächste Ziele hatte.

Zum einen war er definitiv ein Ziel der schwarzen Organisation. Er hatte sie bei ihrem verdächtigen Deal beobachtet. Sollte die Organisation also so agieren, wie er es bisher vermutete, so war Takehito ein hohes Risiko für die Organisation. Sie hatten ja sogar ein Mitglied aus ihren eigenen Reihen aus dem Weg geräumt, da es ein zu hohes Risiko darstellte sie am Leben zu lassen. Warum sollten sie also ausgerechnet bei ihm eine Ausnahme machen. Sie waren hundert prozentig hinter ihm her und ihm wahrscheinlich dicht auf den Fersen. Das war so sicher wie das Amen in der Kirche.

Des Weiteren suchten sie offensichtlich nach jemanden, den sie beseitigen wollten. Takehito musste nur herausfinden wer derjenige war und das am besten noch vor ihnen.

"Moment mal... was haben sie noch gleich damals im Disneyland gesagt?"

Takehito versuchte sich ganz genau an diesen verdächtigen Deal zu erinnern. Sein Tonmitschnitt hätte ihm jetzt wahrscheinlich ungemein geholfen. Den hatten ihm allerdings die Männer in schwarz abgenommen, nachdem sie ihn nieder geschlagen hatten.

"Takehito, denk nach... Denk nach, verdammt nochmal!", murmelte er und schlug sich mit der flachen Hand immer wieder gegen die Stirn.

Und so langsam schienen die Erinnerungen zurück zu kehren. Er war sich sicher, dass die beiden Männer, welchen er im Disneyland begegnet war, Gin und Wodka gewesen sein mussten. Von den beiden Decknamen hatte auch Masami gesprochen. Auch wenn ihm ihre Identitäten unbekannt waren, so kannte er zumindest ihre Decknamen.

Gin und Wodka waren also ausführende Organe der schwarzen Organisation. So weit so gut. Klar war auch, dass die Organisation selbst nicht wusste, nach wem genau sie suchten. Sonst wären sie wohl kaum das Risiko eingegangen einen Polizisten zu bestechen. Das Risiko, dass die dunklen Machenschaften der schwarzen Organisation auffliegen könnten, war viel zu hoch. Also hatten sie offensichtlich keine andere Wahl als dieses Risiko einzugehen. Allerdings hatten die beiden Männer noch eine dritte Spirituose erwähnt... SHERRY.

Aber wer war dieser Sherry?

Offensichtlich schien es auch ein Deckname zu sein. Doch wenn diese Person, nach der sie suchten, einen Decknamen hatte, dann war es doch ganz offensichtlich ebenfalls ein Organisationsmitglied. Weshalb wussten sie dann nicht nach wem sie suchten? Sie müssten doch ihre Mitglieder kennen. Wer zur Hölle war also Sherry? War er ein Organisationsmitglied oder nicht? Mit der flachen Hand schlug Takehito auf den Tisch.

"Das ergibt doch alles überhaupt keinen Sinn!", brüllte er verzweifelt.

Je mehr er darüber nachdachte, desto verzwickter erschien ihm das Ganze. Irgendwie passte kein Puzzlestück zum anderen. Nur eines war sicher... Egal ob Organisationsmitglied oder nicht. Sherry sollte ihr nächstes Opfer werden.

Glück im Unglück war bisher nur, dass sie nichts wirklich über ihn wussten. Leider wusste Takehito genau so wenig. Er wusste eigentlich genau so wenig über Sherry wie die Männer in schwarz.

Es gab nur zwei Informationen, die er hatte: Erstens, Sherry war im Jahr 1983 geboren. Und zweitens, er oder sie war in Kyoto geboren und lebte seit geraumer Zeit in Tokio.

Das erklärte zumindest weshalb Gin und Wodka sich momentan in Tokio aufhielten, wo die Organisation doch eher im Raum Kyoto agierte. Doch diese Informationen halfen ihm nicht weiter. Wie sollte er mit diesen sporadischen Informationen auch nur im Entferntesten herausfinden wer Sherry war. Und das noch vor den Männern in schwarz. Doch wenn es so einfach gewesen wäre, hätten sie Sherry wahrscheinlich schon längst gefunden.

Doch Takehito genoss einen Vorteil. Sein Großvater war immerhin der Polizeichef von Kyoto. Er könnte ihm sicherlich Informationen darüber beschaffen, welche Personen im Jahr 1983 geboren wurden und von Kyoto nach Tokio gezogen waren.

Takehito zögerte nicht lang. Erneut beschloss er seinen Großvater um Unterstützung zu bitten. Doch im Gegensatz zum Morgen schrieb er ihm lediglich eine SMS. Er hatte momentan keinen Nerv für sinnlose Diskussionen in denen sein Großvater versuchte ihm den Ernst der Lage bewusst zu machen. Dem war er sich durchaus selbst bewusst. Er wusste worauf er sich einließ. Das änderte jedoch nichts an der Tatsache, dass er diese Informationen zwingend benötigte um einen Mord zu verhindern. Er hoffte einfach nur, dass sein Großvater ihm diese Informationen, welche er wollte, überlassen würde ohne groß nach zu fragen.

Autorennotiz

Takehito Akanishi ist "mein" Conan Edogawa
Manami Saitou ist "meine" Ai Haibara

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Autor

ManamiSaitous Profilbild ManamiSaitou

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Kapitel:8
Sätze:741
Wörter:7.969
Zeichen:47.975

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