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| Kapitel: | 8 | |
| Sätze: | 724 | |
| Wörter: | 10.457 | |
| Zeichen: | 62.713 |
Jethro packte sein Duschzeug zusammen, wärend er sich mit der linken Hand durch sein verschwitztes, walnussbraunes Haar fuhr. Fuck, tut das weh. Er konnte den Sonnenbrand vom Vortag bereits seit einigen Stunden spüren, doch mit jeder Bewegung schienen die Schmerzen schlimmer zu werden. Nun hatte sein Nacken die Farbe einer reifen Paprika angenommen und damit begonnen, sich langsam zu schälen. Und das alles nur, weil er in England nicht an Sonnencreme gedacht hatte! Er zog sein Handtuch aus dem Koffer, der in der Mitte des Gangs zwischen den Betten lag. Es war noch feucht vom Morgen, als er es nach dem Duschen achtlos auf all seine frischen Klamotten geschmissen hatte. Es war der 4. Tag des Stromboli-Forschungscamps für Jugendliche, dessen eigentliche Bezeichnung er sich nie länger als einen halben Tag behalten konnte. Sein Roomie, Jack Webber, lag bewegungslos in einem der unteren Betten und las ein Buch. Er hatte ihn bis jetzt erst zweimal reden hören, ausgenommen einsilbiger Pflichtantworten. Er war schlank gebaut und es grenzte an ein Wunder, dass er die letzten 4 Tage durchgehalten hatte. Jethros Brille landete auf einer Komode neben einer zerquetschen Eistee-Flasche, dessen bräunlich-gelber Inhalt gerade noch den Flaschenboden bedeckte. Er ging in Gedanken versunken den Flur entlang. Einmal links, kurz geradeaus, zweite Tür rechts. 5 Minuten später kam er, durchgefroren, aber wieder mental anwesend, aus der Dusche. 17:27 Uhr. In 3 Minuten ist die Besprechung. Na das kann ich jetzt richtig gut gebrauchen. Er ging zusammengesackt in sein Zimmer, schmiss sein Handtuch auf seinen Koffer und stopfte die alten Klamotten in seinen Wäschesack. Gerade als er gehen wollte, linste die Britische Co-Organisatorin in sein Zimmer, die Finger um den Türrahmen gekrallt, sodass er nur ihren Kopf und Oberkörper sehen konnte, als ob seine Privatsphäre dadurch weniger gestört wäre. „Hi, ich wollte nur sagen, dass in einer Minute die Besprechung über die heutigen Erkenntnisse beginnt." No shit, ich weiß und jetzt laber mich bitte nicht voll, danke. Ich würde mich freuen, wenn du ein wenig erzählst. Baxter hat gesagt, er freut sich schon auf eure Beiträge." Tut er nicht. Er hat keine Gefühle, außer grenzenlosem Selbstbewusstsein. Josie, die überschwängliche und kindlich naive Frau, verlies das Zimmer. Jethro wartete kurz, um nicht mit ihr laufen zu müssen. Als er den Klassenzimmergroßen Raum betritt, saß sein Roomie bereits an einem iPad und arbeitete konzentriert an einem Text. Jethro hatte nach dem Duschen nicht bemerkt, dass Jack gar nicht mehr im Zimmer gewesen war. James Cameron, der Junge mit den Streng gekämmten Haaren aus irgendwo in London, saß neben ihm und gab im Flüsterton, wie es sich gehört, Verbesserungsvorschläge, die Jack wortlos zur Kenntnis nahm – wahrscheinlich zumindest. Jethro setzte sich zu ihnen. Eine Junge Italienerin, die wie anfang zwanzig aussah, stützte ihre Ellenbogen auf einem der zu niedrigen Tische am anderen Ende des Raumes ab, was zu reichlich Getuschel an den von Jungs besetzten Tischen führte. Jethro fand diese Frau extrem nervig. Sie war der Typ Mensch, der sich Vorstellungsspiele ausdenkt. „3 Minuten noch!", bellte Baxter Coleman. Die nächste Stunde verbrachten sie damit, ihre Erkenntnisse vorzustellen. Und so langsam hellte sich die laune des 16-jährigen wieder auf. Er hatte wochenlang Vorfreude auf dieses Projekt, und jetzt war er in genau der Situation, in der er lange sein wollte. Nichts außer Ferien, Natur und ein bisschen Ruhe. Und nebenbei konnte er sich selbst beweisen, dass er auch ohne seine Eltern gut auskam.
„Also so manche Leute…“, regte sich Jethros Großvater auf, gerade, als er sein Auto aus der Parklücke des Waitrose Supermarkts steuerte, in dem sie die letzten eineinhalb Stunden verbracht hatten. Eigentlich sollte es nur ein kurzer Einkauf für die nächsten Tage werden, aber „kurzer Einkauf“ waren für die Senioren der Williams-Familie Fremdwörter. Sie hatten an jedem ersichtlichen Sale-Schild angehalten. Ausnahmslos. Und wenn das Rinderhack in der überdimensionierten Größe einen billigeren Kilopreis hatte, wurde es – nach langer Diskussion – mitgenommen. Und als wären die Kilopreise abgepackter Produkte nicht Dilemma genug, gab es da noch die Frischetheke - eine Wissenschaft für sich. Nachdem die junge Frau an der Fischtheke – sie war Vietnamesin, das schien laut seiner Großmutter wohl relevant zu sein, schließlich erwähnte sie es in jeder Beschwerde – tatsächlich ein Gramm Lachs zu wenig auf die Waage gelegt hatte, liefen sie weiter genervt durch den Laden, immer auf der Suche nach kleinen, roten Preisschildchen. Just als Jethro glaubte, er würde in dem Laden übernachten müssen, erreichten sie die Kasse. Er merkte erst, wie ausgelaugt er sich eigentlich fühlte, als die Bremsen des Audi Q3 ihn in der Einfahrt kurz in den Gurt und dann direkt wieder in den Sitz drückte. Das unangenehme klick,klick,klick der Handbremse, gepaart mit dem Gänsehaut erregenden Geräuschs von knarzendem Kunststoff, nahm er kaum war. Es war der erste von 3 Tagen, den der 16-jährige bei seinen Großeltern verbrachte, weil seine Eltern auf einer Beerdigung eines Bekannten eines Arbeitskollegen waren, doch er sehnte sich jetzt schon nach etwas Ruhe. Die Stunden vor dem Einkauf hatte er damit verbracht, seinen Klassenkameraden am Telefon die Matheaufgaben zu erklären und oh Boy, war das eine Quälerei gewesen. Nach 2 Stunden hatte er ihnen gesagt, sie seien gut vorbereitet, sofern sie sich ein Erklärvideo anschauen, welches er ihnen verlinkt hatte. Dies stimmte zwar nicht und er fühlte sich deswegen auch ein wenig mies, aber er wäre sie sonst nie losgeworden. Er verstand sowieso nicht, wer vor den Sommerferien freiwillig noch lernt, sie würden es ohnehin alles wieder vergessen. „Blimey!“, hauchte sein Großvater und riss ihn damit aus seinen gedanken, als er die schwerste Einkaufstaschen aus dem Kofferraum hob. Sie waren alle sortiert und er hatte sich ausgerechnet die ranzige Tesco-Tasche genommenen, die mit dem Tiefgekühlten Fisch und Gemüse gefüllt war. Außerdem hatte Jethro - gegen jegliche Vernunft - tatsächlich eine Wassermelone in diese Tüte gelegt. Er stieg aus und nahm ihm die Tasche aus den Händen. Shit! Die Wassermelone hatte die gefrorenen Chicken nuggets zerquetscht, die er auf das Kassenband geschmuggelt hatte. Here we go again, da muss ich mir gleich anhören, wie dumm das war, als könnte ich das nicht selbst sehen!
Wenige Stunden später saßen sie alle zusammen am Tisch im Garten. Die Vögel zwitscherten im Sonnenuntergang, der neue Grill brutzelte vor sich hin. Jethro beobachtete, wie sein Großvater jede freie Gelegenheit nutzte, um auf seinem Smartphone den KI-Zusammenschnitt der Sicherheitskameras zu kontrollieren, die wärend des Einkaufs auf das Haus aufgepasst hatten. Sie wohnten in einer Gegend in Birmingham, die eigentlich recht wenig Kriminalität hatte, doch die Erwähnung dessen hielt den Investigativjournalist in Rente nicht davon ab, sich von seiner Paranoia kontrollieren zu lassen. Er hatte früher Drohbriefe erhalten, einige sogar, und musste sich mit einigen Anwälten bekannter Unternehmen rumschlagen, wobei er häufig nur glimpflich davonkam. Seine Frau hielt davon nichts, doch was konnte sie machen. Jethro stach seinem Besteck in einem durchwachsenen Steak rum – der natürlich reduziert gewesen war – und dachte voller Vorfreude darüber nach, was in den nächsten Tagen wohl alles geschehen würde. Er hatte sich bereits vor Monaten für das Jugendcamp beworben, als er noch unermüdlich nach Ablenkung von der Schule suchte, die er, ohne aktiv Zielen zu Folgen und sich zu fordern, kaum zu bekommen glaubte. Doch er wusste damals, dass er sich sofort anmelden müsse, wenn er nicht zu viel Zeit haben wollte, wegen der nicht genutzten Zeit in Selbstmitleid zu versinken. „Jethro? Schaust du schon in die nächste Woche oder bist du noch da?“, schmunzelte seine Großmutter. „Ja, äh was ist?“ fragte er, und sah, dass sie ihm einen Teller mit verschiedenen Steaks und Spießen entgegen streckte. Es ist erst 19 Uhr oder so, warum bin ich so abwesend? Er nahm sich einen Hähnchenspieß und begann, die halb verbrannten Paprikascheiben rauszuarbeiten, die den Spieß zierten.
Nach dem Essen saß er in sein Smartphone vertieft im Wohnzimmer, wärend seine Großmutter alle Teller mit Zewa auswischte. Er ließ sein Smartphone auf den Tisch fallen und rieb sich die Augen, wodurch seine Brille ebenfalls auf den Tisch fiel. Er war trotz des Red Bull purple edition, welches er sich nach dem Essen in seinem Zimmer einverleibt hatte, ungewöhnlich müde. Ich wollte ja noch packen! Egal, mach ich morgen oder so, keine Ahnung.
Den nächsten Tag verbrachte er damit, seine Sachen zu packen, was nicht besonders schwer war, da er vor der Abreise nicht mehr nach Hause kommen würde, weshalb er vor einigen Tagen bereits alles Notwendige von daheim im Koffer mitgenommen hatte. Er war gerade damit fertig, die Schmerzmittel, Hustenbonbons und andere weiße Kunststoffzylinder mit kryptischen Linderungsdarstellungen einzupacken, als sein Großvater ihn aus den Gedanken riss. „Hier, das ist die Meta Ray-Ban Sonnenbrille von einem ehemaligen Kollege, er hat sie mir ausgeliehen und wir sehen uns sowieso erst in ein paar Monaten wieder.“ Bitte WAS. Mein Opa kommt mir gerade mit der gehypetesten, modernsten Technik um die Ecke, als wäre es nichts. Das Ding kostet 500 Pfund oder so. „Dürfte sogar von der Sehstärke in Ordnung sein, ich glaube es war irgendwas mit +5 Dioptrien, das könnte passen, oder?“ Keine Ahnung, ich gehe immer mit meiner Mutter zum Augenarzt, ich merke mir das doch nicht. „Jaja, passt schon, danke. Ich probiere sie mal aus, mal sehen“, sagte er gleichgültig, als hätte man ihm gerade eine neue Creme empfohlen, die eine nicht existente Wirkung haben soll. Er freute sich riesig über die Gelegenheit, die Brille testen zu dürfen. Noch wärend die Tür mit einem leisen „Klick“ ins Schloss viel, zog er das dazugehörige Armband an. Er koppelte die Brille mit seinem Smartphone und setzte sie auf. [Unfertiges Kapitel. Weitere Kapitel bereits geschrieben, dieser Teil fehlt jedoch]
„Aufstehen, sonst gibt’s von denen, die nichts kosten!“ Dieser Typ ist so fucking wichtig, halt doch einfach dein Maul und lass mich schlafen. Es war der 5. Tag. Es war jedoch ebenfalls sieben Uhr morgens. Jethro stieg träge aus dem Bett und verharrte einige Minuten an der Bettkante, seinen Kopf in die Hände gestützt. Sieben Minuten später standen sie in Reihe vor der Unterkunft und wurden in einen Bus gepfercht, der - naja - eher Italienisch aussah: Die unteren Kanten der Karosserie sahen aus wie ein schweizer Käse, allerdings in Rostbraun, denn die Lackierung hatte ihre besten Tage bereits hinter sich. Und da saßen sie, ihre Lunchpakete auf dem Schoß, wärend der Busfahrer sie anmaulte, sie sollen sich gefälligst anschnallen. Und schon ging’s ins Tal. Es war die erste Talfahrt der Reise und daher für einige besonders aufregend. Die Straße schien recht neu zu sein, denn sie war Rabenschwarz und wenn man genauer hinschaute konnte man Warnschilder erkennen, die nach dem Eröffnen der Straße scheinbar achtlos in die niedrigen Büsche am Straßenrand geworfen und nie nachträglich abgeholt worden waren. Jethro saß neben Jack, weshalb er die meiste Zeit der Fahrt mit seiner Switch verbrachte. Im Hintergrund konnte der vernehmen, wie James, sich seiner Lautstärke unbewusst, eine Verschwiegenheitsklausel nach der anderen aus dem Fenster warf. Sein Vater arbeitete für den MI6, wie er bereits mehrfach erwähnt hatte, weshalb er jede Gelegenheit nutzte, um sich damit selbst zu profilieren. Etwa 15 Minuten später parkte der Bus am Straßenrand. „Absitzen! Reihenweise! Nach Gruppen ordnen!“ Der Mann kennt kein Punkt und kein Komma, der kann ja wirklich nur in Ausrufezeichen sprechen. Kaum hatte Baxter den Bus verlassen, standen alle gleichzeitig auf, drängten sich in den Mittelgang und begannen, unkoordiniert durcheinanderzulaufen. Natürlich wusste niemand, was der Mann, der aus seiner Vergangenheit als Soldat kein Geheimnis machte, von sich gab, wenn es auch sehr offensichtlich war, was er wollte. Jethro konnte sich das Grinsen nicht verkneifen. Als sich die Gruppen bis auf wenige Ausreißer gefunden hatten, gingen sie als Menschentrauben den Gehweg entlang. Der Busfahrer, der sie mitten auf der Straße rausgelassen hatte, wurde von einem Rollerfahrer, der selbst sämtliche Verkehrsregeln brach, bösartig beschimpft, jede Beleidigung von einer wild vor-und-zurück schwingenden Hand begleitet. Der Franzose winkte ab, was den alten Italiener nur noch mehr auf die Palme brachte. Er musste erneut grinsen. Italiener! Während sie wenige Zeit später über einen Markt liefen, telefonierte James mit seinem Vater. Per Videoanruf natürlich. Er stellte sowohl sie als auch ihn vor, allerdings wussten sie bereits alles über Marcus Prescott, den Mann der tausend Geschichten. Zum Glück hat James den Nachnamen seiner Mutter bekommen. Jethro hatte die Ray-Ban angezogen und streifte sich das Armband über seine rechte Hand. Die nächsten Minuten verbrachte er damit, alle Funktionen durchzutesten, die die Sonnenbrille zu bieten hatte. Er kannte sie zwar bereits aus England, doch darum ginge es schließlich nicht. Dass er die ganze Zeit über wild mit der rechten Hand gestikulierte, um die Funktionen zu steuern, fiel auf dem belebten, Italienischen Markt kaum weiter auf. Als James endlich sein Smartphone in die Jeans steckte, zog er wieder seine normale Sonnenbrille an. Die Ray-Ban bereitete ihm immer Kopfschmerzen. Sein Nacken brannte noch immer. Der Marktplatz war prall gefüllt. Mit Überraschung stellte Jethro fest, dass es recht viel internationalen Besuch gab: Wärend er die Live-Übersetzung seiner Brille getestet hatte, wurden ihm Übersetzungen aus dem Deutschen, Französischen und sogar Russischen angezeigt, wobei er die Russische Sprache selbst einigermaßen gut beherrschte, da die Familienseite seiner Großmutter russisch war. Jetzt, da er es wusste, war es recht offensichtlich gewesen, dass einige der gesprochenen Sprachen sich nicht einmal ansatzweise nach italienisch anhörten. Die meisten unterhielten sich über Tratsch und gefälschte Gucci Taschen, an denen das Trio wohl noch vorbeikommen würden. Einizig die Deutsche Familie las irgendwelche kryptischen Daten aus einem kleinen Marco Polo Reiseführer, die sie an der nächsten Straßenecke wahrscheinlich wieder vergessen würden und zeigten dabei auf irgendwelche zerfallenen Häuser in der Ferne. Wahrscheinlich hat dort vierzehnhundert-schieß-mich-tot der heilige Theodor gewohnt, der fast Papst geworden wäre oder sowas.
„Will jemand Pizza?“ Jack hielt vor einem Haus, welches in seiner Vergangenheit mal eine Tapete gehabt zu haben schien. Aus dem Raum drang ein Höllenlärm an wild durcheinander rufenden Stimmen auf den Markt. Der Laden scheint gut zu sein … außer man hat Kopfschmerzen. Wenn man ganz genau hinschaute, konnte man an der Wand, die an die Toilette grenzte, eine kleine Kreidetafel mit der verwaschenen Aufschrift ‘Margerita 10€‘ erkennen. „Klar.“, murmelte James. Jethro folgte ihnen wortlos, die Kopfschmerzen hatten ihm sämtlichen Appetit genommen. Sie hatten das unscheinbare Haus kaum betreten, kam ihnen ein junger Mann mit streng zur Seite gegeltem, pechschwarzem Haar entgegen und begann mit atemberaubender Geschwindigkeit, auf sie einzureden. Jethro schätzte ihn auf etwa anfang 30, konnte sich jedoch nicht festnageln. Die 3 starrten ihn nur an, bis er seinen Redefluss nach was sich wie 2 Minuten angefühlt hatte, endlich einstellte. Nach einigen unangenehmen Schweigesekunden brachte James schließlich ein ‘Hi, können wir bitte einen Tisch für 3 bekommen?’ zustande, klar dafür von sich selbst begeistert, dass er es gesagt hatte. Der Italiener, sichtlich beleidigt, dass sie seine Sprache nicht beherrschten, führte sie zu einem kleinen, quadratischen Tisch aus dunkel geöltem Holz. Außer ihnen war der Laden nur von einer Vierergruppe besetzt, die ihren 60. alle bereits lange hinter sich zu haben schienen. „Also, was sagt ihr? 3 Margherita mit extra Chorizo-Stückchen und Ananas?“ Wie kann man so wenig Empathie haben? Sehe ich aus, als würde ich seine Begeisterung teilen oder was? Er brachte ein mühsames „mhm“ hervor, doch da hatte James bereits die Bestellung aufgegeben. Der Italiener sagte nichts, doch sein Gesichtsausdruck verriet, dass er sie für diese Bestellung gerne gesteinigt hätte. „Drinks?“, fragte er knapp. Die 3 schauten sich an umd verneinten kollektiv. Im Gehen murmelte er irgendetwas in sich hinein, was vermutlich eine Beleidigung war. „Wie findet ihr es bis jetzt? Ich habe vorhin meine Apple Watch vorhin angemacht, jetzt denken alle ich bin mit 20 km/h den Berg-” „Ich finde es gut.“, unterbrach ihn Jack, übertrieben die Augen rollend und schließlich wegeblickend, genervt vom ständigen Angeben. Allein schon dieser Londoner Akzent! It’s Posh, isn’t it, sir?, dachte Jack in der hohen Stimme einer alten Londoner Adelsdame, die alle Buchstaben klar betont, wärend sie die Situation mit ihren von Goldarmbändchen kläppernden Händen mit perfekt gemachten Nägeln einen wichtigen Ausdruck verlieh. Er konnte diese Art Mensch nicht ausstehen. „Hat jemand von euch die Strecke aufgezeichnet?“, fragte James, voll und ganz im Bilde, dass keiner der beiden eine Smartwatch besaßen. „Nein.“ Auch Jethro’s Toleranz für solche Spielereien war, gelinde gesagt, nicht besonders groß. „Mein Großvater hat sie mir geschenkt, an meinem 16. Geburtstag.“, fuhr er fort, die sonst gerade sitzenden Schultern nun zusammengesackt. Nach einer kurzen Pause fuhr er fort. „Meine Großmutter, Rosalind, konnte an diesem Geburtstag leider nicht kommen, sie …“ Er hatte den Kopf geneigt und starrte mit glänzenden Augen den Tisch an. „Sie ist wenige Tage später gestorben. An …“ Er schluchzte. Sie hatten begriffen und Jethro fühlte eine tiefe Schuld, wie er sie noch nie gespürt hatte. Deshalb ist er so ein Angeber! Er braucht das Selbstbewusstsein, um die Trauer auszugleichen. Sein Mitgefühl überrumpelte ihn und eine Träne kullerte seine rechte Wange herunter. Jack hatte sich offenbar etwas besser unter Kontrolle, doch die Gleichgültigkeit, die sonst seine Gesichtsmimik bestimmt hatte, war einem ‚schwierige Situation‘-Blick gewichen. „Es ist okay, du musst nichts sagen.“ Jethro legte seine Hand auf James’ Rücken und rieb sie auf seinem T-Shirt leicht auf und ab. „Das tut mir sehr leid.“, gab Jack zu, wobei er sich eher dem Ölgemälde an der ihm gegenüberliegenden Wand zu öffnen schien als James, wenn man seinem Blick folgte. Der Kellner kam an ihren Tisch, 2 Pizzen in den Händen, eine auf dem Unterarm und erkundigte sich, ob sie nicht doch ein Getränk haben wollten. Jethro’s Mund war staubtrocken. Als sich der Mann gerade zum gehen wandte, die Pizzen bereits abgestellt, hauchte er ein brüchiges „Tomatensaft, bitte.“ Der Mann nickte. „Dreimal.“, sagte Jack mit abwesender aber fester Stimme, immernoch auf das Bild starrend. Die anderen Gäste mussten das Restaurant irgendwann verlassen haben, denn es herrschte plötzlich eine unangenehme Stille, die sie zu zerquetschen drohte. Gerade, als Jethro sich gefangen hatte, begann Jack zu erzählen. „Ich habe meinen Großvater ebenfalls verloren. zwei Jahre ist es nun her, zwei Jahre, drei Monate und …. ein paar Tage. Es wird besser werden, James. Vertrau mir, das braucht Zeit, aber es wird besser.“ Jethro’s Augen glänzten, als sie Träne für Träne seine Wangen befeuchteten. Er konnte kaum noch etwas sehen, nicht nur, weil seine Brille vor ihm auf den Tisch gefallen war, als er sich die ersten Tränen weggewischt hatte. Diesmal war es Jack, der seine Hand auf seine Schulter legte. Er hatte seinen Blick von der Wand gelöst und schaute ihn nun direkt an. Etwas weiches lag in seinen Augen, etwas beruhigendes. Der Kellner kam mit 3 Gläsern zurück, alle bis zum Strich mit einer scharlachroten Flüssigkeit gefüllt. Von dem Kleinen Tisch war nun nichts mehr zu erkennen, er war bis ans Limit mit Tellern, Getränken und dem Gewürzhalter bedeckt, die Brille belegte den letzten freien Platz. Jethro hätte gerne seine Sorgen geteilt, wo sie schon dabei waren, doch irgendetwas sagte ihm, er sollte es lieber lassen. Sein Hals öffnete sich und er spürte, wie das Gefühl nach kratzendem Sand von einer Flut dickflüssigem, scharlachroten Tomatensaft abgelöst wurde. Er prustete auf.
Nachdem sie, – 2 von ihnen – ihre Pizza verdrückt hatten, liefen sie wieder über den Markt. Den Pizzakarton unter dem Arm, erzählte Jethro ihnen lachend von dem Moment vor einigen wenigen Monaten, als drei seiner Klassenkameraden in einer Grundschule, dessen Sporthalle sie damals wegen Renovierungen temporär für ihren Sportunterricht genutzt hatten, den Feueralarm ausgelöst hatten. „Sie haben einfach ein Deo genommen und Feuer frei den Raum vernebelt! Ich habe damit natürlich nichts zu tun, aber, wie soll ich sagen, die Feuerwehr und unsere Rektorin waren nicht besonders zufrieden, auch weil unser Sportlehrer sich dem ganzen etwas entzogen hat.“ James musste grinsen. „Das ist ja verrückt! Ich wäre dafür von der Schule geflogen!“ Die Ablenkung tat allen von ihnen ausgesprochen gut und Jethro spürte eine starke Bindung zwischen innen, wie ein Gummi, das sie miteinander verband und immer näher zusammenbrachte, und dabei hatte er nicht einmal etwas erzählt. Es fühlte sich unglaublich gut an.
Er fischte sein Smartphone aus seiner Jeans und rief, zum ersten mal in 5 Tagen, seine Mutter an. Es hatte keine 2 mal gepiepst, als ihre Stimme aus dem Lautsprecher Drang. „Hallo Schatz, na, wie ist es soweit?“, fragte sie voller Enthusiasmus. „Gut.“, antwortete er, wissend, dass diese Antwort niemals ausreichen würde. Und das tat sie auch nicht. Fast eine Dreiviertelstunde später legten seine Eltern widerwillig auf, da sie zum Sport mussten. Jethro hätte es zwar niemals zugegeben, aber das Gespräch hatte ihm gut getan. Sie waren seit sie aus dem Bus gelassen worden waren fast durchgängig gelaufen, ausgenommen der Zeit in der Pizzeria, jedoch zweifelte er daran, dass sie jemals ein Ende erreichen würden, weil alle drei den Orientierungssinn einer durch den Wind wirbelnder Plastiktüte hatten. Sie kamen gerade an einem Hafen vorbei, als plötzlich James’ Smartphone klingelte. Ich hoffe, es ist wieder sein Vater. Es war nicht sein Vater. Es war die Co-Organisatorin und man konnte selbst mit Mühe nicht mal einen Hauch ihrer üblichen überzogenen Freundlichkeit vernehmen. „Jungs!“, keifte sie über den Lautsprecher des Smartphones. Fuck. Was habe ich jetzt schon wieder falsch gemacht? Mit James wird sie ja wohl kaum ein Problem haben, er hat sich – auch, wenn ich jetzt weiß, warum – ordentlich bei ihr eingeschleimt. Ist mein Handy auf Stumm? Wollte sie mich anr- „Ihr solltet vor 5 Minuten am Treffpunkt sein! Es sind schon alle hier. Ihr habt drei Minuten, sonst bleibt ihr da!“ Sie legte auf, ohne ihre Antwort abzuwarten. Jethro schaute auf seine Armbanduhr. Sie waren tatsächlich um einiges zu spät! „Oh shit, Baxter hat ihr wohl ordentlich die Hölle heiß gemacht.“ Noch bevor James erneut fluchen konnte, machten sie auf der Stelle kehrt und sprinteten los. Nicht, das die Orga sie tatsächlich im Tal lassen würde, denn dann müssten sie nicht nur gegen einer Horde wütender Eltern ankommen, sondern sich ebenfalls mit Prescott’s Anwälten rumschlagen. Nein, sie trieb etwas anderes an: Baxter hatte beim ersten Briefing klargestellt, dass Schlampereien „Verhältnisgemäß zu einer steigenden Lernkurve“ führen würden. Es gab einige Theorien, was das zu bedeuten hatte, doch sie wollten kein unnötiges Risiko eingehen, wenn sie ihn auch nicht immer ernst nehmen konnten. Jack schien diesen Teil seiner Rede verschlafen zu haben, denn er schlurfte ihnen verträumt hinterher.
Sie waren bereits beide völlig außer Puste und hatten wärend des gesamten Sprints nicht gesprochen. „Was glaubst du, was Baxter mit uns macht?“, keuchte James und brach damit die plötzlich erzwungene Stille zwischen ihnen. „Müssen wir jetzt Toiletten Putzen? Igitt, ich hoffe nicht!“
Wenn man vom Teufel spricht. Sie hatten 5 Minuten nach dem Anruf den Bus erreicht und standen nun, nach Atem ringend, direkt vor ihm. Die schwüle Hitze hatte den Sprint zur Hölle gemacht. Baxter Coleman stand neben der Tür und schaute wortlos auf sie herab. Obwohl beide zusammengesackt und mit hängenden Köpfen dastanden, konnten sie spüren, wie Baxters kalter Blick sie förmlich durchbohrte. Jethro fühlte sich wie ein Hund, der gerade beim Plätzchen fressen erwischt wurde und nun die Folgen tragen musste. Nach einigen, qualvollen Sekunden kam schließlich das erlösende „Einsteigen!“ Was ist bei denen los? Warum sind die auf einmal so hart zu uns? Jethro wusste, es musste sich um irrationale Einschüchterung handeln, doch seine Gedanken konnte nicht locker lassen, egal, was er auch versuchte. Er spürte zum zweiten mal am diesem Morgen eine Schuld, dessen Heftigkeit man nur als völlig irrational bezeichnen konnte, wärend sich die Blicke mehrerer Dutzend Jugendliche auf ihn hefteten. Er versank in seiner Nintendo Switch, doch der Bus fuhr nicht los. Was ist denn jetzt? Eine Panne konnte er gerade noch gebrauchen. Oh shit, Jack spaziert ja immernoch durch die Stadt!
Er kam, zufrieden mit sich und der Welt, 10 Minuten später durch die Tür gelaufen. Baxter, der ganz vorne im Bus saß, würdigte ihn keines Blickes. Jethro starrte weiter in seine Switch, wärend sie die Serpentinen hochtuckerten. Der Einkauf der Orga ruckelte und rollte wild im Kofferraum hin und her und erzeugte dabei eine konstante Geräuschkulisse, die zusammen mit dem Brummen der Straße die perfekten Vorraussetzungen für Kopfschmerzen bildete. Falls für die nächsten Tage ein Obstteller geplant war, würden die Köche wohl auf Fruchtmousse im Glas umsteigen müssen.
Im Speisesaal wimmelte es nur so von Menschen. Jugendliche, die vor dem Buffet eine sich stetig vergrößernde Traube bildeten, Italienische Organisatoren in Roten T-Shirts und weißen Shorts, die versuchten, daraus eine Schlange zu koordinieren, Köche, die heiße, mit Essen gefüllte Metallbehältnisse in die Theke versanken, und Jethro, der sich in einer Ecke ein Glas mit Traubensaft füllte und stumm in sich hineinlächelte, wärend er das Geschehen beobachtete. Der Geruch des Duftsteckers, der genau neben ihm den ganzen Raum in Sandelholz und Lavendelduft, oder wie er es nannte, Klosteinduft, löste in ihm einen starken Nieß-Reiz aus. Baxter hatte James und ihn mit einer Verwarnung ziehen lassen. Für Jack war das ganze weniger gut ausgegangen. Er musste, bis zum Ende der Ferien, der Orga auf der Nase rumtanzen, die jedoch hauptsächlich Italienisch sprach. Jack konnte nur Englisch, vermutete Jethro zumindest, also würde das Ganze eine lustige Angelegenheit werden. Gerade beobachete er ihn dabei, wie er einen zweiten Stapel Teller an das eine Ende des Buffets abstellte, sichtlich nicht besonders erfreut, aber auch nicht besonders genervt. Wahrscheinlich ist er froh, ein wenig Zeit ohne tobende, prahlende Jungs zu verbringen. Dafür ist sogar die Sprachbarriere zu verkraften. Er dachte kurz darüber nach, ihm die Sonnenbrille zu leihen, damit er sich mit seinen neuen Kumpanen unterhalten konnte, verwarf diesen Gedanken jedoch sofort wieder. Er würde seine Brille in einem Teil zurück nach Hause bringen, soviel stand fest. Jethro selbst konnte mit Schwetzern normalerweise recht gut umgehen, weshalb ihn die Gruppe nicht besonders störte, aber manche, inklusive des Jungen mit dem blonden Buzzcut, der sich in der Schlange nach ganz vorne gekämpft hatte, brachten ihn manchmal einfach zu Weißglut. Doch damit war er nicht allein. Gleich zu Beginn des Trips hatte er überhört, wie die einzigen beiden Mädchen, Jessica und - wie auch immer die andere hieß - über ihn gehezt hatten. Sie hatten sich bisher jedoch stark im Hintergrund gehalten. Die Italiener waren mittlerweile übermäßig aufgebracht, wie er mit wachsendem Vergnügen feststellte. Kaum hatte ein fluchender Italiener in Kochschürze, den Jethro auf etwa mitte fünfzig schätzte, die Glocke in der Ecke der Theke geläutet, klirrten die Teller und das Geschubse ging wieder los. Das Buffet war eröffnet. Jethro nahm sich vom Nudelsalat mit Tomaten, Kapern und – Sind das gegrillte Auberginenstückchen? Im Nudelsalat? Außerdem gab es Sardinenfilets und Gewürfelte, angebratene Kartoffeln mit Rosmarin und Knoblauch. Als er sich setzte, hatte James bereits gut die Hälfte seines Mahls verdrückt. Die Italiener hatten mittlerweile aufgegeben, Ruhe und Ordnung in die Situation zu bringen und saßen wild gestikulierend in einer ansonsten leeren Ecke und tranken Kaffee. Jethro konnte sie so deutlich hören, als säße er selbst in der Ecke auf der Anderen Seite des Raumes. Nachdem er seinen Teller abgegeben hatte, verdrückte er sich auf ihr Zimmer. Jack hatte er seit dem Beginn des Essens nicht mehr zu Gesicht bekommen.
Keine 5 Minuten waren vergangen, kam auch schon ein Mann in rot-weiß auf sein Zimmer und erklärte ihm in gebrochenen Englisch, dass ihn jemanden am Festnetz sprechen wollte, der einzigen Möglichkeit außerhalb der Stadt, wenn man mit der Außenwelt kommunizieren musste. Jethro hatte dieses Telefon, welches ihnen beim ersten Briefing gezeigt worden war, gegenüber seinen Eltern mit keinem Wort erwähnt. Er schälte sich widerwillig aus dem Bett und fragte sich, ob seine Eltern die Telefonnummer auf der Website der Orga entdeckt hatten. Doch es waren nicht seine Eltern, schließlich hatten sie vor wenigen Stunden erst telefoniert. Es war Marc Prescott, der MI6-Mann. „Guten Abend, Jethro Williams. Oder sollte ich eher Jethro Armstrong sagen?“ Jethro hatte noch kein Wort gesprochen und war bereits verwirrt. Er hatte noch nie Armstrong geheißen und auch nicht vor, jemals so zu heißen. „Mein Sohn, James Cameron, hat uns ja bereits miteinander vertraut gemacht“, sprach er unbeirrt weiter. Angenehm, Williams mein Name, ich habe mein bestes gegeben, sie zu ignorieren. „Ja, das stimmt. Ich habe gehört, dass sie sehr ehrenwerte Arbeit verrichten.“, sagte er und wartete, ob der Londoner ihn nun über sein Anliegen informieren würde. „In der Tat,…“, lobte er sich selbst. „Und genau deshalb rufe ich an. Ich habe gehört, du hättest einige Tage frei, Sommerferien. Und ich möchte dir eine einmalige Gelegenheit bieten. Im Namen des MI6 möchte ich deine Fähigkeiten, von denen ich übrigens überzeugt bin, im Sinne deines Heimatlandes Nutzen.“ Jethro traute seinen Ohren nicht. Bat der Mann ihm gerade eine Stelle beim MI6 an, nur weil er auf dem selben Vulkan herumstapft wie sein Sohn? „Entschuldigung, aber ich habe keine Fähigkeiten, die meinem Heimatland auch nur im entferntesten einen Nutzen erbringen können. Und ich bin in einem Camp, wie sie wissen. Außerdem bin ich erst 16. Tut mir leid, aber das Leben ist kein Hollywoodfilm.“ Den Mann am anderen Ende der Leitung schien diese Absage von was auch immer in keinster Weise zu beeindrucken. „Du wolltest doch schon immer nach Russland, richtig? Wegen deiner Großmutter?“ Jethro stand einige Sekunden einfach nur wie gelähmt da, unfähig zu antworten. MI6, richtig. Er konnte dem Mann gar nichts mehr erzählen, er wusste bereits alles. „Richtig, ja, aber mehr so als Urlaub, mit ihr, wissen sie?“ fing er sich, immer noch davon überzeugt, er wolle ihn für irgendetwas ausnutzen – oder, was ihm als um einiges realistischer erschien – ihn auf den Arm nehmen. „Das habe ich mir gedacht. Schau mal, wir Engländer stehen doch so auf Bed and Breakfast, richtig?“, versuchte er Parallelen zu finden. „Schätze schon“, versuchte er höflich auszuweichen. „Super, dann habe ich etwas, das sehr nah an deinen Interesse liegt. Du wirst nämlich, falls du mein großzügiges Angebot annimmst, wenige Tage bei einer Familie in Russland verbringen. Nahe Moskau, nicht in der endlosen Kälte Sibiriens natürlich. Sie werden sich um dich kümmern und dich auf deiner Mission unterstützen. Du sprichst Russisch, richtig?“ Er hat mir nicht zugehört, oder? Und woher weiß er, ...ach ja, MI6! „Ja, ich spreche Russisch, nein, ich kann meine Eltern nicht so hintergehen. Sie werden merken, wenn ich einige Tage in einem völlig anderen Land verbracht habe.“ Jethro gefiel es nicht, dass er sich so langsam ganz gut mit dem Gedanken anfreunden konnte, allein auf ein Abenteuer zu gehen. Und niemand könnte ihn davon abhalten. „Was würde ich denn theoretisch für mein Land tun, angenommen ich würde das Angebot ansatzweise in Betracht ziehen?“ Er wählte jedes seiner Worte mit Vorsicht, konnte aber förmlich spüren, wie Marcus die Sache innerlich als erfolgreich erledigt abstempelte. „Fußball spielen. Du wirst Fußball Spielen, mit dem Sohn deiner Gastfamilie und seinen Freunden. Vielleicht kannst du ja sogar seine 16-Jährige Schwester dazu überreden, mitzuspielen.“ Jethro dem der Seitenhieb keineswegs entgangen war, errötete, zwang sich aber, es nicht zu zeigen. „Ich schlafe eine Nacht drüber.“, sagte er bestimmt, doch noch bevor er auflegen konnte, kam auch schon die erwartete Antwort: „Nein.“ Jethro seufzte hörbar. „Wie lange dauert es?“ Der Mann schien langsam ebenfalls die Geduld zu verlieren. „Die Operation sollte nur wenige Tage dauern.“, antwortete er lasch. „Wie lange werde ich im Russland sein und was muss ich machen?“ Jethro sprach jetzt, als hätte er es mit einem Kleinkind zu tun. „Mit Vorbereitung in England ungefähr 4 Wochen. Wir wollen dich nicht unvorbereitet losschicken. Wenn du annimmst, wird sich dein Großvater unter unseren Schirm nie wieder um Cyber-Attacken Gedanken machen müssen. Bleibst du hingegen in Italien … naja, deine Wahl.“ Er erpresst mich! Aber… Jethro hatte sich bereits entschieden. „Ich mache es. Unter der Voraussetzung, dass meine Eltern davon nichts erfahren und ich lebendig wieder rauskomme.“ Die mehreren Wochen Vorbereitung hatten ihn etwas abgeschreckt, aber die Neugier siegte. „Morgen früh um 6 wartet ein Boot auf dich, unten in der Stadt. Der Skipper weiß bescheid. Am Festland wirst du bereits erwartet werden. Nimm nur das nötigste mit, der Rest wird dir wärend deiner Vorbereitung nachgesendet.“ Der Mann legte auf. Es stand nie zur Auswahl, abzulehnen. Das ganze erschien ihm immer noch unwirklich und er bekam Gänsehaut am ganze Körper.
Zurück auf dem Zimmer begann er, seinen Koffer zu packen. Er hing das trockene Handtuch am obersten Knauf der Kommode auf und widmete sich seinen Klamotten. Wie viele brauche ich? Die Antwort war bereits klar, bevor er sich die Frage zuende stellen konnte. Alle. Er durchwühlte seine Klamotten, auf der Suche nach welchen, die nicht mit dem nassen Handtuch im Berührung gekommen waren und fand sie, logischerweise, ganz unten, nachdem der gesamte Koffer aussah, als hätte darin die letzten 2 Wochen ein Hamster gewohnt. Erst jetzt spürte er den verwirrten Blick von Jack, der scheinbar endlich von der Orga in Ruhe gelassen wurde. Schließlich war es bereits fast neun Uhr abends. „Hab Heimweh.“, sagte Jethro nur. Mit dieser Ausrede würde er abreisen müssen, eine bessere war ihm in so kurzer Zeit nicht eingefallen. Seine Sonnenbrille, Regenjacke und die Medikamente in den Rucksack stopfend, dachte er darüber nach, was ihm wohl bevorstand. Nur Fußball spielen. Für den Geheimdienst. So wie es alle 2 Wochen passiert. klingt doch völlig plausibel! Nach nur 3 Minuten war sein Rucksack Startklar, denn er hatte nicht dabei erwischt werden wollen. Jethro schlurfte zum Sanitäter und beklagte Übelkeit und Bauchschmerzen, sein bestes Besorgter-Junge-mit-Heimweh-Gesicht aufgesetzt. Der Sanitäter, ein älterer Herr, der sich – zu Jethro’s Vorteil - kaum für ihn zu interessieren schien, bot ihm irgendwelche Tabletten an, die der Junge zugunsten seines Theaterstücks höflich annahm und zog eine Wärmflasche aus einem Regal. „In der Küche gibt es heißes Wasser.“, brummte er. „Ich will nach Hause!“, klagte Jethro. Er ging sich selbst ziemlich auf die Nerven. Er verließ den Raum mit einem leisen „Danke.“, schloss die Tür und rollte mit den Augen. Nächster halt: Sekretariat. Er humpelte in die Küche, in der eine Putzkraft gerade noch ihre Arbeitsutensilien in einen kleinen Nebenraum stellte. Was zur Hölle mache ich hier? Von Bauchschmerzen muss man doch nicht humpeln? Er schüttelte den Kopf, verärgert über seine eigene Dummheit und füllte die Wärmflasche an einem Spülbecken. Das dampfend heiße Wasser floss, größtenteils, in die Silikonflasche. Der böse Blick der Putzkraft war ihm nicht entgangen. Ist nur Wasser, als ob du deswegen nochmal putzen müsstest. Er verließ den Raum und lief gebückt ins Sekretariat. Es war leider noch besetzt, sonst hätte er einfach einen Zettel geschrieben. „Hi, was kann ich für dich tun?“ Die Erinnerungsfrau. Wenigstens scheint sie nicht besonders nachtragend zu sein. Er presste sich mit der Rechten Hand die Wärmflasche irgendwo in die Magengegend und stützte sich mit seiner linken auf ihrem Tisch ab. ‚Hi, ich wollte nur sagen, dass ich Heimweh habe und wohl morgen abreisen werden muss.“ Er tat so, als müsse er sich gleich auf ihren Tisch übergeben. „Alles klar.“, bemerkte sie, als wäre es das Normalste der Welt. Ohne ihre Gedanken weiter auszuführen, tippte sie etwas in ihr Smartphone, wärend sie von einem laminierten DIN A4 Blatt ablies. Sie haben kein Netz, junge Frau, dass sollten sie mittlerweile herausgefunden haben. „Alles gut, ich habe meine Eltern unten schon angerufen. Ich muss nur noch sagen, dass sie den Zug buchen müssen. Die Fähre fährt sowieso hundert mal am Tag.“ Jetzt lag es an ihr, ihren Job schlecht zu machen, sonst würde es nicht aufgehen. „Hast du eine Reiserücktrittversicherung?“,, fragte sie. „Keine Ahnung, …“, sprach er zum ersten mal seit er den Raum betreten hatte die Wahrheit. „Aber ich muss jetzt ins Bett. Mein Magen …“ Und schon war er verschwunden. Er konnte nur hoffen, dass sie nicht weiter nachforschen würde, denn dann wäre alles im Eimer. Er schlich sich aus dem Haus. Der Bus war nicht mehr da, weil er nur hochgefahren kam, wenn sie ihn brauchten. Da er kein Auto eines Mitarbeiters klauen wollte, geschweige denn konnte, blieb ihm nur noch Laufen als einziger realistischer Weg. Nicht, dass das schlimm gewesen wäre, schließlich war der Weg nicht besonders lang, er rechnete mit etwa 40 Minuten zu Fuß. Die Insel war winzig, doch er würde sich vor Schlangen, Spinnen und was sonst noch alles am Straßenrand lauert in Acht nehmen müssen. Er schlich zurück auf sein Zimmer.
Sein Smartphone klingelte mit dem üblichen, nervigen Standard-Klingelton. Er hatte den Wecker so leise wie möglich eingestellt, um die Anderen nicht zu wecken. Er schlug, auf dem Rücken liegend, mit dem Finger auf das Display, in der Hoffnung, er würde die Richtige Stelle treffen. Plötzlich wurde es unheimlich still. Es ist soweit. Heute würde er in die Hände des MI6 verfallen, vorausgesetzt alles lief reibungslos ab. Der Junge schälte sich verschlafen aus dem Bett, setzte seinen Rucksack auf und nahm sein Handy von der Bettkante, welches ihm ‚05:01 Uhr‘ wie eine Blendgranate in die Augen brannte, die daraufhin sofort zu tränen begannen. Bevor er ging, vergewisserte er sich, dass alle noch schliefen. Gut. Los geht’s. Die Tür gab ein schmerzhaft lautes knarzen von sich, als sie geöffnet wurde und den Blick auf den Flur freigab. Die Luft war rein, niemand schien ihn bemerkt zu haben. Er schlich auf Zehenspitzen weiter und hatte das Gefühl, sich gleich in die Hose zu machen. Treppe runter, geradeaus und dann in den Speisesaal. Den Grundriss immer im Gedächtnis behaltend, lief er schritt für Schritt der Freiheit entgegen, nur war dieser Grundriss, dafür, dass der 6. Tag anbrach und nicht der erste, verhältnismäßig schlecht. Vom Speisesaal aus würden es nur noch wenige Schritte zum Hinterausgang sein, der, im Gegensatz zum Haupteingang, nicht Videoüberwacht war, wobei Jethro so seine Zweifel hatte, ob die Kamera an der Straßenlaterne überhaupt echt, geschweige denn angeschlossen war. Noch auf der Holztreppe, die die Zimmertüren offenbar als Vorbild sah, so wie sie quietschte, stach ihm der Geruch des Duftsteckers in die Nase. Nur mühsam gelang es ihm, ein nießen zu unterdrücken. Quälend langsam erreichte er den großen Raum, den er noch nie zuvor so aufgeräumt gesehen hatte. Er erschrak sich zu Tode, als ein Stockwerk über ihm eine Klospühlung lärmte. So zügig wie möglich schlich der vor Angst zitternde Junge zur unscheinbaren Holztür, die hinter einer Raumtrennung versteckt war und verschwand in der Natur. Er hatte es geschafft. Irgendwas habe ich doch- Fuck! Er hatte den Zettel vergessen, den er im Sekretariat hatte hinterlassen wollen. Es blieb ihm keine andere Wahl, er musste wieder rein. Der Wind pfiff durch das Gestrüpp und kühlte ihn runter, wodurch er noch stärker zu zittern begann. Zum Glück hatte er den Zettel am Vortag in den Rucksack gesteckt und nicht im Zimmer gelassen. Er öffnete langsam die Tür und erstarrte für einige Sekunden. Baxter Coleman stand unmittelbar vor ihm. Und er sah nicht aus, als wäre er gekommen, um ihm einen Abschiedskuss zu geben. Er sagte nichts, nutze die Schrecksekunden damit, Jethro an der Schulter zu packen und ins Haus zu ziehen. Das war’s dann wohl. Scheiße, ich bin so ein Versager! Naja, nach England komme ich dann wohl trotzdem, nur eben zu meinen Eltern! Wie soll ich das- Baxter schob einen der Stühle heran und pflanzte ihn darauf, immer danach bedacht, keinen Lärm zu machen. Er wollte es offenbar unter 4 Augen klären. „Einen wunderschönen guten Morgen.“, sagte er mit einen drohenden Unterton in seiner Stimme. Er hätte genauso gut ‘Du bist am Arsch’ sagen können und es hätte die selbe Wirkung gehabt. Jethro zitterte am ganzen Körper. „Na, wie geht es dir?“ Der Mann zeigte keinerlei Emotionen, wärend er mit kleinen, bedrohlichen Schritten auf und ab schritt. Jethro sagte nichts, wärend sich seine zuvor hektische Schnappatmung in ruhige, langsame Atemzüge verwandelte. Einatmen, …1…2…3…4, Ausatmen, …1…2…3... „Gut, wie geht es Ihnen, Cole?“ antwortete er nach einer langen Pause und grinse schelmisch. Er hatte sich wieder gefangen. „Sir Baxter Coleman, mein Name. An deiner Stelle würde ich Provokationen unterlassen. Schließlich möchte doch niemand, dass, … wie soll ich sagen, ein Zwischenfall deine Ferien ruiniert, richtig?“. Auf dem Wort ‚Zwischenfall‘ lag eine Betonung, die auf schlechte Aussichten schließen lies, sollte der Junge, der nun aufrecht und mit gespreizten Schultern auf dem kleinen Stuhl saß, nicht kooperieren. Er ließ sich nicht anmerken, dass er sich innerlich wie ein gestrandeter, jämmerlicher, kleiner Goldfisch fühlte, der seine letzten Sekunden zählte. Er antwortete nicht, wollte auf die Fortführung der Drohung warten und den Mann, der vor Autorität eigentlich hätte glühen müssen, gleichzeitig etwas aus dem Konzept bringen. „So spielen wir also jetzt, Junge?“ Er hatte aufgehört, auf und ab zu stolzieren und stand nun direkt vor ihm, starrte ihn an wie ein Vogel, dessen Nest man etwas zu nahe gekommen war. Jethro runzelte die Stirn und legte verwirrt den Kopf schief. „Kommt da noch Substanz oder wollen sie mich nur einschüchtern?“, fragte er frech. Er war sich Baxter’s Inkonsequenz keineswegs so sicher, wie er es auszustrahlen versuchte. „Du musst verstehen, Junge, dass du keine Ahnung hast, wie viele Kinder ich bereits nach Italien gekarrt habe und wie viele von ihnen wieder heil Zuhause ankamen.“, sagte er, immernoch unmittelbar vor ihm stehend. Der drohende Unterton in seiner Stimme nahm immer stärker an. Er hatte sich nun zu ihm heruntergebückt, sodass Jethro seinen Atem auf seiner Haut spüren konnte. Will er mich gleich abknutschen oder was? Jethro konnte nicht anders, er musste über die Vorstellung grinsen. Scheiße, Mann, ich bin am Arsch, wie lange kann ich das noch durchziehen? Seine Mundwinkel wanderten wieder nach unten. Wenige Meter über ihnen ertönte erneut die Klospühlung. Hat jemand heimlich auf dem Zimmer baked beans gesnackt oder was? Für einen Bruchteil einer Sekunde meinte er, Baxter’s Fassade bröckeln zu sehen, doch da war die Gefühlsregung auch schon wieder verschwunden. „Der Raum dort drüben.“, er zeigte auf eine Tür aus dunklem Holz, die die anderen Türen des Gebäudes um einiges übertraf. Diese war mit einer Aufschrift versehen war, die übersetzt wahrscheinlich so viel wie ‚Nur für Mitarbeiter‘ laß. „Das ist dein neuer Arbeitsplatz, bis der Raum sauber ist. Falls du rauskommst, ohne das der Raum blitzblank ist, … Ach was, du kommst nicht raus.“ Er schien zufrieden mit sich selbst, dass er sich kurzfristig eine schnellere Konsequenz überlegt hatte und packte ihn zum zweiten mal an diesem Morgen an der Schulter. Jethro’s Schuhe quietschten, wärend der Ex-Soldat ihn im Richtung seines neuen Zimmers schubste. Seine linke Hand fischte einen Schlüsselbund aus der Hosentasche, auf dessen Größe die meisten Hausmeister wohl neidisch wären, seine Rechte grub ihre Finger immer weiter in die Schulter, bis die Blutzirkulation des noch jugendlichen Körpers den Arm vollständig ausschloss. Die Schlüssel kläpperten und klirrten, während sie die Tür ins Ungewisse aufschlossen.
Der Junge wurde grob in den dunklen Raum hineingestoßen, als plötzlich die Treppe knarzte. „Ach, du bist es, Cole! Ich dachte schon, wie hätten wieder eine Rattenplage oder schlimmeres!“, Rief die Frau, dessen Name der Junge, der nun hilflos auf dem Boden lag, nicht behalten uns jetzt erst recht nicht ins Gedächtnis rufen konnte. Die Frau, die ihm das okay gegeben hatte, abzureisen! Sie ist meine einzige Chance! Doch bevor seine Stimmbänder ihm gehorchen konnten, fiel die Tür auch schon ins Schloss. Es war stockfinster, sogar der Türspalt, der normalerweise zwischen der unteren Türkante und dem Boden etwas Licht durchlies, war mit einer Gummidichtung versehen. Er konnte die Stimmen zwar nicht mehr verstehen, doch das erneute klirren des Schlüsselbunds konnte nur eines bedeuten: Ich bin eingeschlossen. Ich habe versagt! Die Welle an Selbstbewusstsein, die ihm das gesamte Gespräch über gestärkt hatte, war nun vollständig abgeschwächt. Er begann zu weinen. Auf ein Hochpunkt folgt immer ein Tiefpunkt, zitierte er in Gedanken seinen Mathelehrer. Das ist kindisch! Wand anstarren, Muskeln anspannen, rational denken! Ich kann jetzt nicht heulen wie ein Kleinkind! Nur konnte er gar keine Wand sehen. Er stand sehr langsam auf. Sein rechter Arm begann langsam, wieder zu funktionieren, doch er kribbelte noch immer ungeheuerlich. Die Wände nach Lichtschaltern abtastend, horchte Jethro nach Stimmen, vernahm jedoch kein Geräusch außer dem nicht konstanten Brummen des Boilers, der, flankiert von Rohren, die ziemlich sicher von den Toiletten kommen mussten, einen großteil des Raumes einnahm. Uhrgg! Jethro stand, vor Ekel wie versteinert neben der Tür, die Hand nicht vom Lichtschalter nehmend. Der Geruch nach Exkrementen, den er vorher gar nicht wahrgenommen hatte, stach ihm in die Nase und er dachte, er müsse sich sehr bald in eine Ecke übergeben. Dies hätte, in Anbetracht der Umstände, wohl kaum einen Unterschied gemacht, denn vor ihm lagen die menschlichen Ausscheidungen der letzten Wochen. Wie konnten wir das nicht riechen? Ach ja, die einzige massive Tür des gesamten Gebäudes steht zwischen mir und der Außenwelt, hab ich vergessen. Da geht nichts durch. Entweder sperrt Baxter hier jede Sommerferien Kinder ein, weshalb die Tür Schalldicht sein muss, oder das Toiletten-Problem ist hier gang und gäbe und so lässt es sich vertuschen, bis sich - scheinbar nach Wochen – jemand darum kümmert. Er schlug seine rechte Hand auf den Bauch, als ihn der Brechreiz plötzlich doch überwältigte, klappte in einen 90 Grad Winkel wie ein Zollstock und spieh einen halb verdauten Nudelsalat mit Kapern und nur mit Mühe erkennbaren Auberginen-Stückchen auf den kalten Betonboden. Sein Magen rumorte jämmerlich. Er spürte, wie die ersten Tränen der Überforderung glänzende Streifen auf seine Wangen zeichneten. Wand anstarren, Muskeln anspannen, rational denken! Doch diesmal glückte es ihm nicht. Er kroch in die Ecke, die am weitesten von den Rohren entfernt war und legte den Rücken an der Wand an, die dem Boden in allem – außer ihrer vertikalen Ausrichtung – zu gleichen schien. Sein Magen zog sich wild zusammen und auseinander, als er von einer Welle der Enttäuschung und Erschöpfung mitgerissen wurde. Ich habe versagt, hallte eine Stimme zum hundertsten mal an diesem Morgen duech seinem Kopf. Er blickte sich um und fand, dass der Raum keinerlei Reinigungsmittel beherbergte. Er wird nie kontrollieren ob ich fertig bin. Er will nur, dass ich leide. Jethro begann, seine Möglichkeiten durchzugehen. Der Boiler… Scheiße, die Dusche ist kalt, das Ding steht hier nur zur Deko. Seine Augen zuckten wild durch den Raum und er entdeckte einen weißen Kasten. Das mussten die Sicherungen sein. Er stützte sich mit dem Händen bis in die Hocke und stand schließlich, die linke Hand noch immer auf dem rumorenden Bauch, ganz langsam auf. Er hatte aufgehört zu weinen und die Krämpfe hatten nachgelassen, doch zu behaupten, er wäre in guter Verfassung wäre eine blanke Lüge. Er ging - nein – er stolperte hinüber zum Sicherungskasten und hob die Klappe an, wodurch ein halbes Dutzend schwarze Schalter zum Vorschein kamen. Sie waren alle mit von Hand geschriebener Beschreibung versehen, die er im Dunkeln genauso gut hätte entziffern können. Der stechende Schmerz, der beim in die Hocke gehen durch sein Bein gejagt war, machte sich im Stehen noch immer als dumpfes, aber prägnantes Gefühl bemerkbar. Und das, obwohl er kaum 2 Schritte gemacht hatte. Er musste sich beim Fall durch den Türrahmen verletzt haben. Es wurde plötzlich ungewöhnlich Kalt. Als er alle Schalter umgelegt hatte, kam ihm eine Idee. Was, wenn ich um 7 oder so durch das Toilettenrohr schreie. Vielleicht kann mich ja jemand hören, kurz bevor die Person ihr Geschäft … 7 UHR IST IN FAST EINER STUNDE! DER BOOTSMANN FÄHRT UM 6 OHNE MICH ANS FESTLAND ZURÜCK! Sein Kopf drehte hohl bei dem Gedanken, hier mit Baxter festzustecken, wärend der MI6 was-auch-immer mit seiner Familie anstellen würde. Er tobte – so schnell, wie es sein Bein zuließ – in dem kleinen Raum herum, drehte an allem, was sich drehen ließ, wühlte ohne richtiges Ziel in seinem Rucksack, tritt gegen eines der zerbersteten Rohre und rüttelte wie wild an der Tür, die ihm dem Weg in die Freiheit versperrte. Nur tat sie dies nicht besonders gut, denn sie öffnete sich problemlos nach dem ersten Betätigen der Klinke. Jethro stand verblüfft und nach Atem ringend im massiven Türrahmen, den Blick frei auf den Speisesaal gerichtet. Baxter hatte die Tür nicht abgeschlossen. Die Erinnerungsfrau, die Frau, die ihm so hart auf die Nerven ging, hatte ihn gerettet, indem sie Baxter ins straucheln gebracht hatte. Er hatte noch nie eine solche Erleichterung empfunden. Dass er Baxter’s Schlüssel durch die geschlossene Tür gar nicht hätte hören können, kam ihm nicht in den Sinn. Er war zu aufgewühlt. Die Morgensonne würde sich zwar erst in einigen Minuten präsentieren, doch es war schon jetzt hell genug, um durch die einfach verglasten Fenster die Mediterranen Büsche sehen zu können, die sich in Wind neigten. Er stopfte alles wieder in seinen Rucksack und entdeckte den Zettel. Ich gehe da nicht hoch. Sie mag mich gerettet haben, doch sie kann es kein zweites Mal. Er legte ihn auf einen der kleineren Tische in der Ecke des Raumes, an dem sie, gemeinsam mit ein Paar der anderen Betreuer, immer aß. Er humpelte zum zweiten Mal an diesem Morgen durch die Hintertür und stolperte zum Parkplatz, auf dem sich bereits einige wenige Mitarbeiter eingefunden hatten, darunter irgendeine Gruppe, die sich um die beste Stelle an der Ladefläche eines Pickups drängten. Ein kräftiger Mann, Oberarme so dick wie anderer Leute Oberschenkel, stand auf der Ladefläche und schob ihnen Kisten entgegen, dessen Inhalt von außen nicht zu erahnen war. Er rief mit Befehlsgewohnter Stimme irgendetwas auf Italienisch und der Pickup drehte, bis er zur Straße zeigten, von der er gekommen sein musste. Jethro wartete, bis alle roten Helferlein außer Sichtweite waren und wollte gerade aus seinem Versteck hinter einer überflüssigen Wandverlängerung des Hauses hervorhumpeln, als er sah, dass der kräftige Mann noch immer auf dem Pickup stand. Er wird nicht einsteigen, geschweige denn mich einfach mitnehmen. Ich habe keine Chance. Die Helferlein kamen wieder zum Vorschein. Es ist zu spät! Sie stiegen in einen der weißen Golfkarts mit 5 Sitzen, die etwas abseits geparkt standen und Jethro im Eifer des Gefechts entgangen waren. Er eilte zu einem der Plastikwagen und setzte sich mit aller Selbstverständlichkeit hin. Außer ein paar verwirrter Blicke schenkten die Männer ihm keine Beachtung. „Ich muss ins Tal.“, erklärte er auf Englisch, in der Hoffnung sie würden die Sprache nicht beherrschten und sich nicht darum scheren, weiter nachzuprüfen. Und er behielt Recht. Noch wärend er eine kurze, genuschelte Antwort von seinem Sitznachbarn erhielt, startete der Wagen. Die meisten, der Männer waren im Haus geblieben, weshalb auf dem Platz links neben ihm noch jemand Platz gefunden hätte, wären sie nicht sofort mit 45 Sachen den Vulkan heruntergebraust. Wo auch immer sie das Ding aufgetrieben hatten, das war so nicht vom Werk gekommen. Gibt es so eine Art Brabus für Golfkarts? Beim Gedanken an ein Brabus Rocket 90 Golfkart begann er plötzlich, laut aufzulachen. Es fühlte sich gut an, frei zu sein. Und dabei war er gefangener als je zuvor. Gefangen in dem Klauen des britischen Geheimdienstes, der ihn zu allem Überfluss erpresst hatte. Er hätte so oder so zugesagt, angesichts der Tatsache, dass er sich erstens gezwungen fühlte, sich und anderen etwas zu beweisen und er andererseits schon immer einmal nach Russland reisen wollte. Und dann auch noch kostenlos! Jethro spürte, wie der warme Fahrtwind seine Haare verwehte und musste die Augen zusammenpetzen, wenn er auf die Straße schauen wollte. Es war wunderschön.
Sie kamen an den Überresten eines alten Gebäudes vorbei, was einmal eine Zisterne gewesen sein musste, keine hundert Meter daneben spannte ein Mädchen, welches kaum älter als 14 wirkte, einen der großen Sonnenschirme eines Restaurants auf. Die hellblaue Farbe des Gebäudes glänzte im Morgenlicht und die Möwen, die unter ihnen über das Meer flogen, hatten ihre zukünftige Futterstelle noch nicht als solche erkannt. Rechts von ihnen ragte ein Monstrum von einem Gebäude auf, das neue Marine-Forschungszentrum, dessen Architekt wohl eine sehr schlechte Woche gehabt haben musste. Die Organische Form des Gebäudes ist Inspiriert von der Vielfalt des marinen Lebens, die Brücke zur konventionellen, pragmatischen Form des Nebengebäudes steht für die Verbundenheit der Natur zur Neugier des Menschen, der die Technologie auf ihre einfachste Form vorantreibt, versuchte Jethro erfolglos, den Schwachsinn nachzuempfinden, den der Architekt als 30-Seiten-Erklärung an die Sponsoren gegeben haben musste, um einen halben, liegenden Zylinder und ein Quadrat zu legitimieren, die mit einer einfachen Glasbrücke verbunden waren, wie man sie in jeder größeren Stadt finden konnte. Der Versuch, den look durch eine bunte, abstrakte Wandmalerei zu retten, war teilweise sogar gelungen. Was ich alles verpassen werde…, dachte er, wissend, dass die anderen dieses Gebäude sehr bald von innen sehen würden. Keine 300 Meter weiter versperrte ihnen die Forschungsstätte für Vulkanologie, oder Centro di ricerca per la vulcanologia, wenn es fancy klingen sollte, den Blick auf das unendliche, weite Meer. Es war mit seiner eingedellten Glaskuppel auf dem etwas ästhetischeren, Halbmondförmigen Hauptgebäude etwas einladender, und die schwarzen, Schiefergetäfelten Außenwände verleihen den Ganzen fast eine Aura, als würde es an diese Stelle gehören. Der Rest des Weges war mit Luxushotels zugepflastert, die, so näher sie der Küste kamen, immer dichter wurden, jedoch waren die meisten noch lange nicht fertig und die einzigen Indizien, dass hinter den Zäunen einmal Champagner am Pool getrunken werden würde, waren die großen Renders, die mit ihrem unrealistischem Realitätsidealien eine Art Garten Eden promovierten. Ganz gestört konnte Jethro sich von den Unterkünften nicht fühlen, schließlich waren sie der Grund, warum die Straße existierte, auf der der gerade chauffiert wurde. Der Pickup vor ihnen hielt am Straßenrand und sie taten es ihm gleich. Jethro sprang aus dem Wagen, bedankte sich und verschwand im Dorf. Er konnte sich kaum vorstellen, dass sie auf ihn warten würden. Er schaute auf sein Smartphone und atmete auf. 06:03 Uhr. Es hatte sich viel länger angefühlt. Die Sonne blendete ihn, als er mit seinem Rucksack durch die engen Straßen rannte, auf der Suche nach einer Andockstelle für kleine Boote. Ich war doch vor 6 Tagen erst dort! Das war er in der Tat, ebenso wie er orientierunslos war. Er fand eine kleine Betonrampe, von der ein Boot gerade mit seinem überdimensionierten Außenborder eine Bugwelle gegen die Betonwände schleuderte. Er rannte weiter. Wenn er es richtig im Erinnerung hatte, war es noch ein ganzes Stück bis zum Hafen. Er wusste, aus irgendeinem unerklärlichen Gefühl heraus, dass der Weg, würde er ihn sprinten, etwas länger als 5 Minuten dauern könnte. Er warf sich aus dem rechten Bein heraus vorwärts, bevor er es sich anders überlegen konnte und begann, zwischen merkbefreit schlendernden Touristen und verärgert blickenden, Fisch tragenden Einheimischen mit auffälligem Tempo hindurchzuschlüpfen. Etwa 4 Minuten später stand er, keuchend wie ein abgestochenes Schwein, vor einigen ins Wasser ragenden Stegen, beschlagen mit hellem, verwaschenem Holz. An einem dieser Stege war absolut nichts außer Wasser und Seegras, und die anderen Anlegestellen taten es diesem gleich. Panik überkam ihn und er spührte, wie sein Hirn sich überschlug. Seine Lippen verloren jegliche Farbe, seine Sicht verschwamm, und die Welt begann, sich zu drehen.
Als er seine Augen wieder öffnete, lag er auf einem harten, unregelmäßigen Boden, der im Bekannt vorkam. Ach ja, der Steg! In seinem Kopf läuteten sämtliche Alarmglocken und er verlor die Fähigkeit, logisch zu denken. Aua. Ich will nicht . Hol mich hier raus. Mein Rücken tut weh. Mein Magen macht Geräusche. Fuck, Fuck, Fuck! Ein Impuls, tief in seinem Unterbewusstsein vergraben, lies seine glasigen Augen panisch in alle Richtungen zucken, auf der Suche nach einer Parkbank. Eine Frau kniete neben ihm nieder und setzte ihm eine kalte Cola an die Lippen. Die klebrige Flüssigkeit befeuchtete seine Speiseröhre und sein Gehirn startete sich neu. Er konnte wieder denken „Hallo.“, sagte er benommen zu der Frau, die ihn mit neutralem Gesicht Anblicke. Erst jetzt merkte Jethro, dass sie seine Füße in seinen Händen hielt, darauf bedacht, die Parkbank zu ersetzen, die zuvor durch seinem Kopf gezuckt war. Sie ist schön, dachte er, sein Hirn zwar funktional, aber sechzehn. Ihre Braids bewegten sich keinen Millimeter im Wind, als sie seine Füße auf dem Boden abstellte, die Knie angewinkelt. „Hallo, Jethro Armstrong.“, sagte sie nur. Seine Stirn in aufleuchtende Falten gelegt, begriff er langsam, wen er vor sich hatte. Und was das bedeutete. Er hatte den ersten Teil seines Abenteuers geschafft.
Keine 5 Minuten später saß er auf einem kleinen, weißen Boot mit einzelnem Außenbordmotor und tuckerte auf das Italienische Festland zu. Er saß auf einer gepolsterten Bank und stopfte seine kalte, halbe Pizza in sich hinein, die er samt Karton in seinen Rucksack gestopft hatte. „Alles, was dir von jetzt an geschieht, geschieht nicht außerhalb eines kleinen, Vorsicht auserwähltem Kreis. Du wirst kein Wort darüber verlieren, Sonst ….“ Die Frau schaute ihn nicht richtig an, wärend sie ihren üblichen Text runterratterte. Ihre dunkle Haut glänzte im Sonnenlicht. …sonst bist du am Arsch, dachte Jethro den Satz fertig, den sie in der Luft hängen gelassen hatte. Was normalerweise eine Denkpause war, in der Eltern sich eine Konsequenz überlegten, verlieh der nicht ausgesprochenen Drohung diesmal eine erpresserische Wirkung. „Wie viele Zettel muss ich dafür ausfüllen, die mich nicht daran hindern können, zu sagen was ich will?“, versuchte er zu antworten, doch das Pizzastück, welches er sich kaum 3 Sekunden vorher gierig in dem Mund gestopft hatte, machte seine Provokation etwas undeutlich. Ab 20 Gramm wird’s unverständlich, hallte die Stimme seines Vaters in seinem Kopf. „Keines. Kein Einziges, denn solche Papiere werden typischerweise bei offiziell genehmigten Operationen eingesetzt. Ich kann dir eins geben, wenn du unbedingt möchtest, aber den will keiner sehen. Wir nutzen andere Methoden, um die Treue unserer Informanten zu gewährleisten. Ehrlich gesagt, gehen die meisten, mit denen ich gesprochen habe, nicht ….“ Sie ließ den Satz erneut in der Luft hängen, bis er vom Wind verweht wurde. Aha. „Delfine!“, kaum war das Pizzastück verschwunden, kamen wieder vollständige Worte aus seinem Mund. „Delfine.“, antwortete die Frau in gleichgültigem Ton. „Vielleicht solltest du, falls du zurück kommen solltest, Biologe werden. Ohne deine Hilfe hätte ich gedacht, es wären Goldfische.“ Falls du zurückkommst, äffte er in Gedanken nach, doch leider funktionierte ihre Schikane besser, als ihm lieb war, wenn auch ihn die Ironie der Biologen-Aussage etwas beruhigte. Er legte entspannt seinen Arm auf die Reling, wobei er den Pizzakarton, samt dem letzten Stück, ins Meer versenkte. Oh mein Gott. Er schüttelte den Kopf und versank ihn schamvoll in seiner Hand. Was mache ich schon wieder! „Ich glaube, das mit dem Biologiestudium sollten wir nochmal überdenken. Soweit ich weiß, ist Margherita kein festes Bestandteil in der Ernährung von Delfinen.“ „Das war keine Margherita, da war Ananas und so drauf.“, scherzte er in Versuchung, den Scham zu lindern. Der Karton verabschiedete sich nicht, als sie sich immer mehr von ihnen entfernte. „Chips?“ Sie warf eine Tüte Lays nach ihm und sie landete auf seinem Schoß. „Aber nicht im Meer versenken, bitte." Ist ja gut, Nervensäge, du hast mich doch jetzt genug aufgezogen, oder? Er riss die Tüte auf und stopfte Chips in sich hinein. „Gut?“ „Jaja, Chips schmecken doch sowieso immer gleich, egal, was draufsteht.“ „Gut.“
Wasser besprühte ihn, als sie das Boot noch schneller fahren ließ, nach dem Motto ‚Hebel auf den Tisch, was soll schon passieren‘. Eine Zewarolle flog auf ihn zu, nach dem Vorbild der Chips-Tüte, nur traf diese ihn am Kopf. „Was soll ich damit?“, fragte er und runzelte die Stirn. „Zum Hände abputzen? Was denn sonst?“, drang die verwirrte Antwort durch die Plexiglasscheibe des Skipperbereichs. „Kein Stress, hab sie mir an der Hose abgewischt, wegen der Umwelt und so, dann brauchen wir weniger Zewa.“, er grinste sie schelmisch an.
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Dexordin999 • Vor 4 Tagen, 4 Stunden und 43 Minuten | |||||||
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Ich habe bisher nur das erste Kapitel gelesen, werde aber auf jeden Fall noch weiter lesen. Die Story ist gut geschrieben. Nur zu viele Details und zu verschachtelte Sätze. Klar, viele Details sind wichtig für ein Buch oder eine Story, um sie nicht plump wirken zu lassen, aber manchmal ist weniger einfach mehr. Ich musste mir deshalb manche Sätze zweimal durchlesen, um sie zu verstehen. Das Lesen hat bisher trotzdem Spaß gemacht. Man merkt, du hattest beim Schreiben oder schon davor ein sehr klares Bild der Szene im Kopf, die Details sind sehr konkret formuliert. Ich weiß noch nicht richtig, worum es in der Haupthandlung geht, weil sich das ja im ersten Kapitel noch nicht ergibt, aber ich freue mich schon, es rauszufinden. PS.: das mit den verschachtelten Sätzen hatte ich damals auch, als ich mich noch an Büchern und später Drehbüchern ausprobiert habe. Hätte ich das besser geschrieben, wäre so nen Buch höchstens 100 Seiten lang geworden und das wollte ich nicht. Aber wie gesagt: weniger ist manchmal mehr. Mehr anzeigen |
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| Kapitel: | 8 | |
| Sätze: | 724 | |
| Wörter: | 10.457 | |
| Zeichen: | 62.713 |