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Das Wunder in der 8. Straße

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01.07.26 21:05
6 Ab 6 Jahren
Fertiggestellt

Er war immer traurig, wenn er als Letzter ein altes Haus begehen musste, bevor es dem Abriss endgültig freigegeben wurde. Nicht einmal denkmalschutzrechtliche Erwägungen konnten das jetzt für dieses Bauwerk verhindern. Es hatte zwar ein paar Proteste gegeben, aber am Ende setzte sich der Bauträger durch und erhielt die Erlaubnis zum Niederreißen des neunzig Jahre alten Gebäudes. Ein neomoderner Neubau würde an die Stelle des in die Jahre gekommenen Vorgängers gepflanzt werden. Die Bautafeln waren schon errichtet und zeigten im Hochglanzdruck den geplanten Nachfolger. Die verspielte Außenfassade mit den kleinen Erkern und Buntglasfenstern wäre bald Vergangenheit und die späten dem Jugendstil nachempfundenen Elemente innerhalb des Gebäudes selber auch. Kühle, abweisende Geradlinigkeit würde den warmen, einladenden Formenreichtum ablösen.

Langsam durchschritt er Raum für Raum. So viel laute Leere, die von der Vergangenheit erzählte. Er blieb mal hier und mal dort stehen, prüfte und ging weiter. Die Verwerter waren dieses Mal gründlich gewesen, hatten kaum Reststücke zurückgelassen. Klar, viele der Gegenstände fanden auf Versteigerungen und dem Antiquitätenmarkt Liebhaber. Ein paar Holzstühle standen achtlos herum, eine ausgeblichene, samtig rote Couch träumte im Foyer ihren letzten Traum. In einem der Hinterzimmer klebten noch ein einige Filmplakate an den Wänden, auf dem Boden lagen wild verstreut alte Prospekte und Eintrittskarten.

Eine davon erregte seine Aufmerksamkeit. „Moonraker - Streng geheim“, stand auf dem Abschnitt. War das nicht der James-Bond-Film, in dem Szenen vor der atemberaubenden Kulisse Rio de Janeiros gefilmt worden waren und eine Concorde im Landeanflug am Zuckerhut vorbeiflog? Wie lange war das her? Er überlegte, das musste in den siebziger Jahren gewesen sein. Damals wirkten solche Filme noch wie Straßenfeger. Und heute?

Große Menschentempel, CineStars, Cineplex und so weiter genannt, hatten den kleinen Kinos das Geschäft streitig gemacht. Ein langer Verdrängungskampf, in dem mehr und mehr alle herkömmlichen Kinos unterlagen. Streamingdienste, Netflix und Co trugen ihr Übriges dazu bei. Die Menschen gingen nicht mehr ins Kino, um ein Erlebnis draus zu machen, sie gingen jetzt hin, um schnell zu konsumieren und sich dann wieder in den Alltag zu werfen. Die kleinen Kinos, obwohl, die waren zum Teil richtig groß, konnten mit der neuen Technik nicht mithalten.

Schon im Hinausgehen begriffen, kam er im Foyer an einem großen Bilderrahmen vorbei, der an einer der Wände angelehnt war. Hatte jemand vergessen, den mitzunehmen? Das Glas war zersplittert, jedoch das Plakat darunter heil geblieben. Er musste lächeln, nahm den Bilderrahmen und hing ihn am letzten Nagel auf. Er trat einen Schritt zurück, während sein Blick noch einmal über den Farbdruck glitt. Die großen Lettern verkündeten: „Das Wunder in der 8. Straße!“.

Autorennotiz

Als Einstieg hier auf StoryHub eine ältere Geschichte von mir, die auf der Vorgabe von drei Worten beruhte.

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Autor

Fabiennnes Profilbild Fabiennne

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Sätze: 30
Wörter: 462
Zeichen: 2.876

Kategorisierung

Diese Story wird neben Vermischtes auch im Genre Nachdenkliches gelistet.