Autor
|
|
Bewertung
Statistik
| Sätze: | 18 | |
| Wörter: | 414 | |
| Zeichen: | 2.630 |
„Du musst tiefer graben!“, feuerte mich meine Cousine Petra an, als wir unter dem grün belaubten Wipfel des Nussbaums unseren Schatz vergruben. Wir hatten einige Münzen und schöne Knöpfe in ein Tuch eingeschlagen und dieses Bündel schließlich liebevoll, wie Gollum seinen behüteten Ring, in eine kleine rote Blechdose gebettet. Gleich echten Piraten sollte unsere Schatzkiste, verborgen unter dem Rasenteppich, den Jahreszeiten und Jahrzehnten trotzen und irgendwann von Fremden entdeckt werden. Schlussendlich war es Papa, der etliche Jahre später auf unseren Hort aus Kindertagen stieß, als er die Wurzeln des vom Blitz erschlagenen Baumes ausgrub.
Petras und meine Kindheit prägten Einfachheit und Kreativität. Wollten wir rutschen, lehnte Opa den langen, hölzernen Waschtrog verkehrt herum an den schweren Gartentisch. Hui! Wie die Wiesel kletterten wir dann auf die Tischplatte, um mit lautem Gejohle auf der glatten Unterseite des Trogs hinunterzusausen. Sehr zum Leidwesen unserer Nachbarin, die sich dann bei meiner Großmutter über den Krach während der frühen Nachmittagsstunden, in denen sie gerne ein Nickerchen hielt, ausweinte. Meistens berechtigt, wenn wir Musikkapelle spielten und mit dem Kochlöffel über die Rillen der Waschrumpel strichen oder die Deckel der Kochtöpfe wie Tschinellen aneinanderschlugen. Auweh! Da war Ohrensausen bei den Erwachsenen vorprogrammiert! Trotzdem verstanden wir uns mit unserer Frau Berger recht gut. Fröhlich guckten wir über den Zaun hinweg in ihren mit rosafarbenen Cosmea und violetten Lupinien geschmückten Vorgarten und erkundigten uns nach dem Befinden ihrer Goldfische im Teich oder ob das Gemüse prächtig gedeihe.
Brannte die Sommersonne vom Himmel, war Petra im Nu braun gebrannt, während meine bleiche Haut noch immer als Werbeträger für Milchprodukte herhalten konnte. Dann entfachte unser Großvater ein Feuer unter dem Waschkessel, um schließlich Eimer für Eimer aufgewärmtes Wasser in den Blechzuber zu leeren, damit seine Enkelinnen ihren Badespaß hatten. Als wir schon etwas älter waren, liefen wir mit einer leeren Glasflasche zum nahen Rußbach und setzten uns unter die Eiche, auf deren starke Äste der kriegerische Korse einst geklettert sein soll, um die feindlichen Truppen vor der Schlacht bei Wagram im Jahr 1809 durch seinen Feldstecher zu beobachten. Im Schatten des Napoleonbaums schrieben wir unsere Träume, unsere Wünsche an das Leben auf, steckten den Zettel in die Flasche und verschlossen diese mit einem Korken. Behutsam warfen wir unsere Flaschenpost in die sanfte Strömung, vom Gedanken beseelt, sie möge bis zum Schwarzen Meer gelangen ...
Logge Dich ein oder registriere Dich um Storys kommentieren zu können!
|
0
|
Nandoswiftie • Vor 2 Stunden und 8 Minuten | |
| Ich finde mich zurückversetzt in glückliche Kindertage, als die Erde einfach und rund war. Und ich frage mich, hat die Flaschenpost ihr Ziel erreicht. | ||
|
|
|
0
|
Gabrieleart • Vor 5 Stunden und 46 Minuten | |||
| Ich sehe den Russbach und Eiche vor mir und zwei glückliche Kinder. | ||||
|
|
0
|
Brig7 • Vor 6 Stunden und 2 Minuten | |||
| Eine Flaschenpost zum Neustart- schönes Symbol | ||||
|
|
|
| Sätze: | 18 | |
| Wörter: | 414 | |
| Zeichen: | 2.630 |