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What a man

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29.08.21 19:40
6 Ab 6 Jahren
Fertiggestellt

Drei Minuten, die Spuren hinterließen…

Die Fahrstuhltüre öffnet sich geschmeidig schnell. Genau eine Person ist aktuell zugelassen.

Ich schiebe mich hinein, stelle mich in die Ecke. Fünf Sekunden bis die Türe automatisch schließt, dass weiß ich bereits. Da rauscht er, Schumi-gleich hinein. Eine Sekunde bin ich irritiert, denke mir dann aber, was soll's. Ungefähr ein Meter ist es ja – annähernd.

Er drehte sich um, nur ein leichtes Kopfdrehen nach rechts. Ein männliches Grinsen trifft meine neugierigen Augen:"Sorry, dass ich hier so frech reingerutscht bin. Hoffe, das ist okay?“

„Alles gut", erwidere ich und denke, „na der traut sich ja was". Er verdreht sich immer noch und mustert mich. Entdreht sich erst, als der Fahrstuhl unten am Gleis hält.

"Schön. Ich bin nämlich manchmal etwas frech", grinst er mich an. Und strahlt wie ein zufriedenes Honigkuchenpferd, dass gerade den Topf leerschleckte …

Wir gleiten fast synchron aus dem Fahrstuhl. Leises Murmeln: „Ich bin froh, wenn jemand alles etwas lockerer sieht – besonders derzeit.“

Er schelmisch: „Ach, ich finde, es lockert doch gerade ungemein…“

Die Doppeldeutigkeit flattert eine angenehme Leichte und nun muss ich ebenfalls grinsen.

Wir unterhalten uns ca. drei Minuten. Er strahlt eine besonnene Zufriedenheit aus, eine frische Frechheit, die ansteckend ist. Er wirkt so angekommen in der Welt.

Falls uns jemand beobachtet, was würde derjenige wohl denken.
Ein Frühsommerflirt …

Ein Mann mit einer gewissen Aura und eine Frau, die etliche Zentimeter höher wirkt, als er in dem Moment.

Mir erschließt sich ein ganz anderes Bild. Er erscheint mir so viel größer als ich.

Nun wird er noch mutiger. „Deine Augen sind unglaublich – zum Niederknien."

Mir bleibt sprichwörtlich die Spucke weg. Weiß er, was er da gerade gesagt hat…

Da stehe ich wie eine Tomatenpflanze und weiß nicht, wie reagieren. Ob reagieren. Ist das Wangenrot nicht Reaktion genug?

Mein Zug fährt ein. Ich sage ihm, dass ich jetzt leider gehen müsse. Nicht eine Sekunde huscht etwas wie Bedauern über sein warmes, sympathisches Gesicht. Er gleicht einem aufregenden Wellenreiter – an Land.

Er wünscht mir einen schönen Tag und schenkt mir ein letztes Lächeln. Jetzt bedauere ich meinen schnellen Abgang.

Möchte mich flirtend umdrehen, ihm zuwinken? Entscheide mich – dagegen.

Kurz durchblitzt mich der verrückte Gedanke, wieder auszusteigen.

Dieses Gespräch weiterzuführen. Mehr von ihm zu erfahren. Seine
Geschichte, seine Werte, ER, wecken mein Interesse. Still reflektiere ich mich.
Ist es der Unterschied, der mein Interesse weckt? Ja, zum Teil schon. Es liegt
auf der Hand, wer mehr dabei lernen würde. Ich…

Am liebsten würde ich ihm gestehen, wie gerne ich ein Foto von ihm hätte. Wie sehr es mich in den Fingern juckt, eine Geschichte über ihn zu schreiben.

Nächsten Dienstag bin ich um dieselbe Zeit wieder dort.

Wird er es auch sein?

Mein Frühsommerflirt – im Rollstuhl …

 

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LenkaPenka87s Profilbild
LenkaPenka87 Am 02.09.2021 um 20:45 Uhr
Ich finde die Kurzgeschichte super. Man kann die Rolle richtig nachfühlen!
Moanas Profilbild
Moana (Autor)Am 02.09.2021 um 20:56 Uhr
Vielen Dank LenkaPenka87 . Tatsächlich ist diese Story fast genauso passiert. Dankeschön! Liebe Grüsse Moana

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Sätze:37
Wörter:482
Zeichen:2.886

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Diese Story wird neben Nachdenkliches auch im Genre Liebe gelistet.