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Die Eiche

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29.6.2017 18:52
Fertiggestellt

Ich habe Dinge erlebt, die wirst du nie erleben. Ich habe Dinge gespürt, die wirst du niemals spüren. Aber ich werde noch da sein, wenn du längst gegangen bist. 

Du hast mich nicht gesät. Aus einer 3 cm großen Frucht bin ich herangewachsen und habe mich gegen meine Brüder und andere Bäume und Sträucher durchgesetzt. Ich habe Wunden von den Tieren davongetragen, die in meiner Jungend meine glatte und glänzende Rinde fressen wollten. Aber ich bin noch da. 

Ich habe meine Äste in den Himmel gestreckt und bin zu diesem königlichen Baum geworden, den du heute siehst. Ich war schon da, da hast du noch nicht einmal dran gedacht, uns Laubbäume gegen deine Nadelgehölze auszutauschen.

Ich war und bin Heimat für zahlreiche Tiere. Gebe ihnen mit meiner Frucht Nahrung und mit meiner Krone und Borke Schutz. Auch deine Schweine habe ich mit meiner Frucht gefüttert. Noch immer wachse ich, werde immer mehr, recke meine Triebe, bilde Knospen und Blätter. Auch noch nach Jahrhunderten. Noch immer spüre ich den Wind in meinen Blättern. Spüre Regen und Schnee, die Wärme der Sonne, den Wechsel der Jahreszeiten. Ich bin noch nicht am Ende meines Lebenszyklus.

Ich habe Generationen deiner Art kommen und gehen sehen. Und mehr als einer hat sich an meinen Stamm gelehnt um sich auszuruhen. Jeden habe ich empfangen und ihm Ruhe und Schutz gegeben. Während du unzählige Kriege geführt hast war ich hier. Während du zu dem geworden bist, was du heute bist, war ich hier. Und bin es noch immer, denn ich bin trotz meiner Abgeschiedenheit ein Teil deiner Welt.

Ich spüre bis in meine Wurzeln was du tust, den mit deiner Welt bin ich fest verbunden. Meine Wurzel reichen tief in die Böden und ich spüre dich im Grundwasser. Ich erlebe, wie der Wald immer kleiner wird. Ich spüre, wie sich die Pflanzen um mich verändern. Ich spüre deinen Einfluss auf die Tiere. Ich spüre, wie du die Luft veränderst. Ich spüre, wie du dich veränderst. Aber ich bin noch da.

Und ich werde auch noch da sein, wenn du längst gegangen bist und Generationen auf dich folgen... wenn du mich lässt.

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suedeheads Profilbild
suedehead Am 29.06.2017 um 19:26 Uhr
Da ist ein leicht vorwurfsvoller Ton in deinem Text. Den finde ich gut. Leider bleibst du insgesamt sehr allgemein und unkonkret. Du hättest dich trauen können, konkret aufzuzählen, wie der Wald und damit Fauna, Klima und Umwelt leiden und warum der Mensch dafür verantwortlich ist. Du hättest daraus eine richtige Anklageschrift machen können, so bleibt es aber leider sehr beliebig und kaum berührend, obwohl du sicherlich die Emotionen der Leser ansprechen wolltest.
Eine Kurzgeschichte ist der Text jedenfalls nicht, denn es gibt ja keine Handlung. Weil es aber auch keine richtige Streitschrift ist, ist mir nicht ganz klar, was das sein soll. Er taugt wenig zur Illustration eines Situation, denn alles, was zu erklärst, ist natürlich allseits bekannt. Du versuchst eine emotionale Verbindung zum Leser aufzubauen. Das scheitert jedoch daran, dass du dich auf allgemeine Aussagen beschränkst.
Einen Baum reden lassen ist eine interessante Idee. Aber nachdem ein Baum hunderte von Jahre alt wird, ist dieser kurze Text einfach nicht annähernd lang genug, um das alles zu erfassen.
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