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Rabenherz

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11.1.2017 19:43
16 Ab 16 Jahren
Fertiggestellt

Es war ein warmer Augusttag, als Vanessa beschloss, im Wald spazieren zu gehen.
Doch etwas stimmte heute nicht. Aber was?
Es war zu ruhig im Wald – man konnte nicht einmal die Vögel singen hören!
Aber Vanessa gab nichts drauf; sie ging weiter ohne zu wissen, dass sie ihr Schicksal somit endgültig besiegelt hatte.

Nach einer gewissen Zeit erreichte das Mädchen eine kleine Lichtung mit wunderschönen, bunten Blumen.
Während sie einen kleinen Blumenstrauß pflückte, geschah etwas Seltsames. Auf den Bäumen, die um die Lichtung herum standen, sammelten sich abertausende von pechschwarzen Raben.
Vanessa bemerkte dies nicht und pflückte munter weiter.
Wie aus dem Nichts tauchte eine in schwarzgehüllte, geisterhafte Gestalt auf.
Das Mädchen blickte auf und wollte die Gestalt begrüßen, doch dazu kam sie nicht.
Plötzlich blitze etwas im Licht der Sonne auf. Ein Jagdmesser! Vanessas Atem ging von Mal zu Mal immer hektischer und Panik kam in ihr auf. Unfähig sich zu bewegen, sah sie zu, wie das schwarze Geschöpf das Messer mit voller Wucht in ihren Leib stieß. Das Mädchen fing an zu schreien, keuchen, spuckte Blut. Der warme, rote Lebenssaft rann an ihrem Körper hinunter.
Vanessa fiel auf die Knie und dieses brutale Geschöpf beugte sich über sie. Erneut stach sie dem Mädchen in den Körper – diesmal in den Brustkorb und brach diesen mit voller Gewalt auseinander. Mit geübten schnitten trennte es das pumpende Organ von der oberen und der unteren Hohlvene und riss es schlussendlich aus dem mit Blut überströmten Körper heraus. Vanessas Körper fiel leblos in das feuchte Gras und färbte es mit ihrem Lebenssaft. Die Gestalt schien zufrieden zu sein mit seinem Werk und zog sich in den Wald zurück, aus dem es gekommen war.
Die Raben sammelten sich um den Leichnam. Es schien, als ob sie den leblosen Körper Vanessas auslachen würden.

Mit der Zeit kamen immer mehr Raben herangeflogen und gemeinsam stürzten sie sich auf den frischen Leichnam.
Sie pickten an den Gedärmen und an der Leber. Sie zogen alle Organe heraus und versuchten die Sehorgane herauszupicken, doch gelang es ihnen nur bei dem rechten Auge.
Nach geraumer Zeit verschwanden alle schwarzgefiederten Raben, bis auf einer.
Vanessas Leichnam lag auf der Lichtung. Blutverschmiert. Ihre Organe waren auf der ganzen Lichtung verstreut.
Der Rabe, der noch übriggeblieben war, kletterte in ihren aufgebrochenen Brustkorb.
Plötzlich schloss sich ihre Brust und eine kleine, unscheinbare Narbe zierte diese.
Vanessa öffnete schlagartig das linke Auge und erhob sich langsam. Mit eingeschränkter Sicht betrachtete sie die Lichtung, auf der sie stand. Das Mädchen wandte sich sofort von diesem kleinen Schlachtfeld ab und ging stillen Schrittes in den Wald zurück.

Es war schon dunkel geworden, als sie eine kleine, hölzerne Hütte erreichte, aus deren Schornstein sich ein dichter Qualm empor hob. Ohne zu klopfen betrat sie das Häuschen.
In der Hütte fand sie jene Gestalt vor, von der sie zuvor auf der Lichtung attackiert und ermordet wurde: Es war ein Mann Mitte zwanzig.
Als der junge Herr Vanessa bemerkte, erschrak er sichtlich und versuchte zu fliehen, doch seine Beine wollten nicht mehr auf ihn hören.
Vanessa kam langsam auf ihn zu und nahm im vorbeigehen eine Handsichel von dem lackierten Sekretär in die Hand.
Mit eisernem Griff packte sie den Mann an den Haaren und trennte Stück für Stück seinen Kopf vom Haupt ab. Danach war der Brustkorb dran. Den schlitzte sie auf und nahm das Herz heraus, so, wie er es bei ihr zuerst getan hatte.
Vanessa legte ihren Kopf in den Nacken und schlang das Herz in einem Bissen hinunter.
Das Mädchen drehte sich um und blickte dabei in einen Spiegel, der an der Wand hing.
Ihre Haut war schneeweiß, der Ansatz ihrer hüftlangen Haare war schwarz und verfärbten sich zu den Spitzen hin in ein blutrotes Geäst.
Ihr gefiel ihr neues Aussehen, doch das einzelne Auge störte sie.
Abrupt griff sie in ihr linkes Sehorgan und riss es heraus.
Jetzt bin ich schön!, dachte sie sich und grinste in sich hinein.

Seit diesem Ereignis wartete Vanessa im Wald auf ahnungslose Opfer, brachte sie um und verschlang anschließend das Herz. Doch dabei war sie nicht allein – sie hatte immer noch den Raben, welcher damals an der Stelle ihres herausgerissenen Herzens hineingeklettert war. Dieser handelte instinktiv aus Hunger, doch Vanessa entwickelte von Zeit zu Zeit Gefallen daran…

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pseudonym0gDHW Am 13.01.2017 um 15:27 Uhr
Der Grundgedanke gefällt mir gut, doch leider mangelt es ein wenig an der Umsetzung :(
Kurzgeschichte muss ja nicht unbedingt heißen, es wirklich auch zu kurz passieren zu lassen! Ein wenig mehr Ausführungen hätten der Geschichte gut getan.

Erster Absatz zum Beispiel anstatt: "Doch etwas stimmte heute nicht. Aber was?" vielleicht "Etwas schien an diesem Tag nicht zu stimmen, ein dumpfes Gefühl beschlich Vanessa. Dennoch konnte sie sich nicht erklären, woher dieses Gefühl kam."

Warum bemerkt sie die Raben nicht? Die müssen doch eigentlich einen ziemlichen Lärm machen, selbst wenn sie nicht schnattern, müsten die Äste knarzen, die Flügelschläge machen Geräusche usw.
Wenn die Raben sich an ihr laben, werden die Organe wohl kaum rumliegen, wohl eher die Reste der Organe (nur ein kleines Detail.) und eventuell wäre es schöner gewesen, wenn du noch einen kleinen Satz einbaust, der erklärt, warum Vanessa das Schlachtfeld links liegen lässt.
Bemerkt sie es nicht? Interessiert sie es nicht? Möchte sie flüchten?

Alles in Allem ist das hier aber rummeckern auf höherem Niveau.
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Autor

Prizraks Profilbild Prizrak

Bewertung

2 Bewertungen

Statistik

Sätze:23
Wörter:758
Zeichen:4.348

Kurzbeschreibung

Vanessa wollte nur im Wald spazieren gehen, aber sie wusste nicht, dass sie nie mehr nach Hause zurückkehren würde.