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My Doll

30
11.1.2017 19:52
16 Ab 16 Jahren
Fertiggestellt

Es war eine ruhige und tiefe Nacht. Ich saß im Wohnzimmer und flocht meiner Lieblingspuppe die Haare.
Es kann sein, dass ich mit sechzehn Jahren schon zu alt bin um mit Puppen zu spielen. Aber ich liebe meine Vanessa!
Ihr pechschwarzes Haar fiel wie Seide über ihre Schultern, ihre violetten Augen glichen beinahe echten Amethysten und ihr makelloses, schneeweißes Porzellangesicht, was einen einfach dazu bringt sie zu mögen.
Mit ihren 1,50m war sie recht großgebaut, doch das machte mir nichts aus. Es war so, als hätte ich eine kleine Schwester. Ich habe mir schon immer eine kleine Schwester gewünscht.
Sie in hübsche Kleidchen zu stecken und ihr die Haare zu machen liebe ich sehr. Sie war mein größter Schatz und ich kümmerte mich immer gut um sie – als wär sie ein echter Mensch.
Meine Eltern schenkten sie mir als ich neun war. Seitdem spielte ich jeden Tag mit ihr. Sogar noch heute.
Es ist nicht so, als hätte ich keine Freunde, doch die kommen mich nicht gern besuchen. Sie meinen, Vanessa mache ihnen Angst. So ein Quatsch! Meine Vanessa macht niemandem Angst – nicht mal mir.
Viel Kontakt zu meinen Freunden habe ich nicht; einige haben den zu mir ganz abgebrochen, doch das macht mir nichts aus, ich hab ja meine schöne Vanessa.
Solang ich sie habe, ist mir alles andere herzlich egal.
Meine Eltern machten sich Sorgen um mich, da ich oft mit meiner Vanessa sprach und ihr was zu essen brachte. Sie wollten sie mir sogar wegnehmen, doch jetzt macht es ihnen nichts mehr aus. Sie mögen Vanessa jetzt und das macht mich glücklich.

Ich stand auf und ging zum hölzernen Schrank. Als ich ihn aufmachte viel mir meine leichenblasse Mutter entgegen. Wahrscheinlich sollte ich mir wohl einen neuen Ort überlegen, wo ich sie hin packen könnte.
Ich stopfte die verwesende Leiche wieder in den Schrank und nahm eine kleine Kiste raus.
Vanessa meinte, dass es besser wäre sie umzubringen, denn dann würden sie sie mögen und das stimmte sogar. Ein Glück, dass mir Vanessa das geraten hatte, denn jetzt waren sie viel freundlicher als vorher.
Es war nicht das erste Mal, dass Vanessa mir sowas sagte. Viele meiner Freunde fingen auf diese Weise auch an sie zu mögen. Einfach wunderbar, wie sie alle mit ihr harmonisierten!!
Und viele machten sich in meinem Keller sehr gut als Dekoration. Mit der Zeit fing ich an sie auch zu frisieren und anzukleiden. Sie waren wunderschön.
Doch mein Liebling war und ist immer noch Vanessa.

Als ich wieder im Wohnzimmer war, saß sie plötzlich nicht mehr auf dem Sofa, sondern auf der Fensterbank.
„Willst du nicht, dass ich dir weiter die Haare mache?“, ruhig und gespannt zugleich wartete ich auf eine Antwort ihrerseits, doch sie drehte bloß den Kopf zu mir und sah mich mit ihren violetten Augen diabolisch an.
Das war das letzte was ich sah, bevor ich einen Schuss vernahm und mir schwarz vor Augen wurde.

Ein Polizist sah sich den Tatort an.
„Elizabeth Jones, sechzehn Jahre alt. Starb durch einen Kopfschuss“, erklärte ein Gerichtsmediziner, der sich ebenfalls am Tatort vorfand.
„Man fand zwei Leichen in ihrem Schrank und zehn weitere in ihrem Keller“, erwiderte der Polizist und machte eifrig auf seinem kleinen Notizblock kleine, stichpunktartige Vermerkungen.
„Einige wurden vor kurzem getötet andere vor Jahren. Was das Mädchen wohl dazu veranlasste, zehn Menschen und ihre eigenen Eltern umzubringen?“  Der Gerichtsmediziner kratzte sich fragend am Kopf und blickte nachdenklich ins Leere.
„Gute Frage, doch mich interessiert eher, wieso der Mörder der Puppe die Pistole gab und wie die Schmauchspuren auf diese Handfeuerwaffe kamen. Und, woher hatte das Mädchen überhaupt dieses Schießeisen, wenn keiner der Eltern oder anderen Personen eine besaß?“

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Prizraks Profilbild Prizrak

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Sätze:31
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Kurzbeschreibung

Vanessa, meine Schöne. Ich werde mich gut um dich kümmern, meine Schöne. Werde dich pflegen, meine Schöne. Vanessa … meine … SCHÖNE Puppe, die … niemandem etwas … zu Leide tun könnte …! NIEMANDEM!

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