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Mapmaker Malique - Kurzgeschichten

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9.2.2019 13:15
16 Ab 16 Jahren
In Arbeit

3 Charaktere

Malique

Malique schließt pünktlich zu seinem 16. Geburtstag die Ausbildung als Astronaut mit Fachgebiet »Kartographieren« ab. Wie er das schaffen konnte, ist ihm selbst ein Rätsel. Doch darüber beschwert er sich nicht: Sein Traum ist es, die Weiten des Universums zu bereisen und als Kartograph Daten zu Planeten und Sonnensystemen zu sammeln. Für genau diesen Wunsch wird er jedoch nur belächelt. Ob er es schafft, dies zu ändern?

Kryokrishna

Zynisch, genervt, aber für niedliche Dinge immer einen Spitznamen parat - die Verteidigerin Kryokrishna ist ein Gegensatz in sich. Darauf möchte sie aber keinesfalls angesprochen werden - ihr ist es sogar lieber, wenn man überhaupt nicht mit ihr spricht und sie einfach trainieren lässt. Dennoch hat sie ein großes Herz und würde nie zulassen, dass jemand ihren Freunden schadet.

Eunuvea

Eunuvea ist eine Elementarmagierin, die (besonders bei der Männerwelt) sehr beliebt ist und deshalb ihren eigenen Fanclub hat: den OAOEFC! Sie ist die meiste Zeit optimistisch und liebt es, im Mittelpunkt zu stehen. In ihrer Freizeit plant sie Shows für ihre Fans und hat eine Schwäche für leckeres Essen.

Mit zitternden Knien stand Malique da und blickte ehrfürchtig das Gebäude vor ihm an. Er war gerade 14 Jahre alt geworden und war nun hier, direkt vor dem Hauptgebäude der ICA, der »International Cosmos Agency«.

Wenn er so darüber nachdachte, konnte er immer noch nicht verstehen, wie er sich für eine Ausbildung zum Astronauten hatte qualifizieren können. Seine Noten waren etwas besser als der Durchschnitt, genauso sah es mit sportlichen Aktivitäten aus. Wenn man ihn fragen würde, was er am besten konnte, wäre seine Antwort »Ordnung halten«. Er liebte es, Sachen zu sortieren oder zu kategorisieren. Doch dass ihm dies zum Erhalt der Ausbildung verholfen haben sollte, bezweifelte er stark. Nichtsdestotrotz freute er sich ungemein darüber, aufgenommen worden zu sein.

Schon seit er ein kleiner Junge gewesen war, liebte er es nachts die Sterne anzusehen. Damals hatte er sie noch zusammen mit seinem Vater betrachtet, hatte sich abenteuerliche Geschichten von fremden Welten und Lebewesen einfallen lassen. Er seufzte traurig, als er an ihn dachte. Inzwischen war er verstorben, ärgerte sich stattdessen regelmäßig mit seinem Stiefvater herum, der für solchen Kinderkram keine Zeit hatte. Er beschäftigte sich lieber mit erwachsenen Dingen wie Saufengehen und Partymachen. Leider war er mit diesen Problemen alleine, da er keine Geschwister um sich hatte, die ihm zur Seite standen. Er hatte zwar eine ältere Schwester, doch diese war verschwunden, als er noch klein gewesen 7war. Eigentlich konnte er sich kaum noch an sie erinnern. Er hatte versucht, dies zu ändern, sei es durch das Ansehen von Fotos oder durch Nachfragen bei seiner Mutter. Doch alles war erfolglos geblieben, sodass er bis heute nicht wusste ob und wenn ja, wo seine Schwester lebte.

Auch wenn Malique sich oft fragte, ob ein Fluch auf seiner Familie lag, versuchte er, sich davon möglichst wenig anmerken zu lassen. Bevorzugterweise mochte er erst gar nicht auffallen, blieb immer im Hintergrund.

»Vielleicht schaffe ich es ja hier über meinen Schatten zu springen. Immerhin beginnt jetzt ein neuer Lebensabschnitt.«

Der Brünette richtete sich auf und atmete einmal tief ein und aus. Dann ging er hoch erhobenen Hauptes in das Gebäude.

Der große Eingangsbereich war aufgrund der Glasfassade lichtdurchflutet. Von allen Seiten kamen Menschen, die den Bereich schnellstmöglich durchqueren wollten. Malique blickte sich um und versuchte zum Empfangsschalter zu gelangen, ohne jemanden anzurempeln. Die anderen Anwesenden schienen keinen Gedanken daran zu verschwenden - sie wollten nur auf direktem Weg zu ihrem Zielort. Kurz vor dem Schalter tippte jemand Malique auf die Schulter. Er drehte sich um und sah in das Gesicht einer jungen, rothaarigen Frau. Sie lächelte ihn nett an und sprach in bestimmtem Ton zu ihm.

»Du musst Malique sein! Willkommen bei der ICA!«

»Vielen Dank, hallo!«

Maliques Antwort kam schüchtern. Er sah sie etwas verwundert an. Nicht, weil sie irgendwie seltsam aussah, sondern weil er ein ungewohntes, vertrautes Gefühl empfand, das er sich nicht erklären konnte.

»Irgendwoher kenne ich Sie, kann das sein?«, murmelte der Brünette. Die Frau lachte.

»Naja, so groß ist die Stadt ja auch nicht. Aber lass ruhig das mit dem ›Sie‹. Ich heiße Lana!«

Sie streckte ihm eine Hand entgegen, die er nach kurzem Zögern nahm und schüttelte. Als sich ihre Hände berührten, überlegte er, ob sie damit recht hatte. Sie wirkte vertraut auf ihn. Aber eine bessere Erklärung, als eine zufällige Begegnung, fiel ihm auch nicht ein.

»Ich zeige dir nun deine Klasse, mit der du die nächsten zwei Jahre Theorieunterricht haben wirst. Folgst du mir bitte?«

Malique folgte Lana. Als sie durch die Gänge gingen, blickte er sich neugierig um. Die Wände waren allesamt weiß, hatten gewöhnliche Holztüren und gelegentlich hingen Porträts an der Wand. Hätte der Brünette es nicht besser gewusst, dann hätte er vermutet, er wäre in einem Krankenhaus unterwegs.

»Hier sind wir.«

Sie ging hinein und winkte Malique zu sich.

»Das ist Malique, euer neuer Kollege. Helft ihm bitte bei der Eingewöhnung.«

Dann lächelte sie und drehte sich zum Brünetten um.

»Ich hole dich dann später wieder ab. Viel Spaß.«

»Danke. Bis später!«

Malique blickte in die Runde, es hatten sich bereits sämtliche Anwesenden wieder umgedreht und redeten in kleinen Gruppen miteinander. Er seufzte.

Ihm war etwas übel, denn er mochte es absolut nicht sich an neue Situationen, neue Menschen, neue Räume zu gewöhnen. Kurz: Er war ein Gewohnheitstier. Außerdem war es ihm immer ganz recht, wenn er nicht zu viel Kontakt zu anderen hatte. Woher diese Mischung aus Furcht und Abneigung kam, vermochte er nicht zu sagen. Doch selbst, wenn er sich überwand und mit fremden Menschen sprach, ging dies nur bei alltäglichen Situationen, wie beim Einkaufen, gut. Er hatte irgendwann die Feststellung gemacht, dass jedes Wort, das er von sich gab, auf die Waagschale geworfen und gegebenenfalls im Sinn verdreht wurde. Daher hatte er es schnell aufgegeben Freunde zu finden und Menschen zu viel Vertrauen zu schenken. Zu groß war die Sorge, dass ihm dies dann auch mit ihnen passierte.

Der Brünette ließ seinen Blick über das Klassenzimmer schweifen, versuchte aber, nicht zu sehr auf die Anwesenden zu achten. Das Zimmer war nicht sonderlich groß, gerade einmal 20 Schüler konnten hier insgesamt Platz finden. Davon war nur etwas mehr als die Hälfte besetzt.

Er nahm seinen Platz an einem Tisch in der zweiten Reihe ein und griff nach seiner Tasche, um einen Block und ein paar Stifte herauszuholen. Dann dauerte es auch nicht mehr lange, bis eine Frau den Raum betrat. Da sie die Tür hinter sich schloss und sich mit Fingerabdruck an dem Präsentationsterminal anmeldete, musste es sich um die Lehrerin handeln. Sie stellte sich gleich entsprechend vor.

»Guten Tag allerseits. Mein Name ist Laria Noell, ich bin für eure Klasse verantwortlich und werde euch in theoretischer Physik und Mathematik unterrichten.«

Malique rückte seine Stifte zurecht, sodass sie nun parallel zueinander lagen. Er mochte es, wenn Dinge ordentlich aufgeräumt waren. Selbst wenn es nur kleine Dinge waren, an denen sich sonst kein Mensch gestört hätte. Einige seiner Klassenkameraden beobachteten den Brünetten dabei. Sie begannen augenblicklich zu tuscheln.

»Was ist das denn für ein komischer Vogel?«

»Also da hätte ich Besseres zu tun!«

»Naja. Er scheint ja keine Freunde zu haben, mit denen er reden könnte. Wahrscheinlich macht er das deshalb.«

Malique seufzte. Ob die Anderen ahnten, dass er sie hören konnte? Ob es sie überhaupt interessierte? Er ließ den Kopf hängen.

»Na das geht ja schon wieder gut los.«

 

~*~

 

»Vielen Dank, dass Sie mir die Möglichkeit geben, auf ihn aufzupassen.«

Lana war inzwischen in das Zimmer des Direktors zurückgekehrt. Sie verbeugte sich kurz. Der Direktor lächelte.

»Das ist doch selbstverständlich. In dieser Situation ist dies unabdingbar.«

Lana erwiderte das Lächeln, wenngleich ein wenig Traurigkeit in ihren Augen zu sehen war.

»Du wirst dich gut um ihn kümmern. Vielleicht findest du ja bald eine Möglichkeit zur Lösung deines Problems.«

Lana nickte.

»Ich hoffe, dass mir bald etwas einfallen wird. Nochmals vielen Dank. Ich gehe dann wieder zurück an die Arbeit.«

 

~*~

 

Der Unterricht selbst gefiel Malique sehr gut. Es fiel ihm nicht schwer, sich zu konzentrieren und den Ausführungen des Lehrers zu folgen. Fleißig machte er Notizen, versuchte aber, sich auf das Wesentliche zu beschränken. Das gelang ihm aber nicht, da er alles interessant fand. Schon bald hatte er die erste Seite vollgeschrieben. Wieder hörte er einen Klassenkameraden tuscheln und lachen.

»Guck mal da. Wahrscheinlich ist er zu blöd, um sich etwas zu merken. Darum schreibt er alles mit!«

Glücklicherweise wurde dieser sofort vom Lehrer ermahnt, dass er still sein solle. Malique verdrehte dennoch die Augen. Immer wieder hatte er sich vorgenommen, sich über solche Kommentare gar nicht mehr aufzuregen. Aber er konnte in diesen Augenblicken nicht anders. Schlagfertige Antworten fielen ihm leider immer erst ein, wenn die unangenehme Situation längst hinter ihm lag.

Die restlichen Minuten der Unterrichtsstunden vergingen entsprechend langsam. Gegen Ende fand jedoch noch eine Ankündigung statt, die Maliques Laune erheblich steigerte.

»Morgen beginnen wir mit den Aufbauübungen für die allseits bekannte Humanzentrifuge. Diese bereitet euch unter anderem auf die Beschleunigung beim Start der Rakete vor. Da es etwas länger dauert, sich an diese Kräfte zu gewöhnen, wird euch dieses Training die komplette Ausbildung über begleiten.«

Damit entließ sie ihre Schüler in die Mittagspause. Die neuen Mitschüler unter ihnen, also auch Malique, mussten danach noch einige bürokratische Vorgänge und ärztliche Tests über sich ergehen lassen, um ihre Aufnahme in die ICA endgültig zu besiegeln.

 

»Wie war denn dein erster Tag mit deiner Klasse? Schon Freunde gefunden?«

»... ehrlich gesagt habe ich mir die Namen gar nicht erst gemerkt.«

»Wieso das denn?«

Malique zögerte, hatte aber das Gefühl Lana vertrauen zu können. Sie würde ihm nicht gleich einen Strick aus seiner ehrlichen Meinung drehen. Daher erzählte er ihr von seinem ersten Unterrichtstag.

»Danny war bei dir in der Klasse, soweit ich weiß. Gib ihnen eine Chance. Die lassen sich von diesem ganz Coolen nur anstacheln. Der kann nur halb so viel, wie er möchte.«

»Danke, Lana«, lächelte er.

»Darf ich dich als Dank in die Kantine einladen?«

Die Ausbilderin erwiderte das Lächeln und nickte.

»Ausnahmsweise, ja!«

Zusammen betraten sie den großen Raum und begaben sich zur Essensausgabe. Lana sah interessiert über die Angebote und war erstaunt, als Malique innerhalb weniger Sekunden meinte »Ich weiß, was ich nehme!«.

»Was denn?«

»Spaghetti!«

Lana lachte kurz. Es gab eine Vielzahl von Gerichten, die Lana für sich in Betracht zog. Alle davon waren aufwändiger in der Zubereitung, sodass sie diese zuhause niemals selbst kochen würde.

Nachdem sie ihr Essen erhalten hatten, setzten sie sich an einen freien Tisch und begannen zu essen. Währenddessen unterhielten sie sich und versuchten einander näher kennenzulernen.

»Wie lange arbeitest du denn schon für die ICA?«

Lana überlegte kurz, dann antwortete sie.

»Fast fünf Jahre sind es jetzt.«

»Wow! Gefällt dir noch alles?«

»Besser als zu Beginn. Dir wird das sicherlich genauso gehen. Wenn du dich anstrengst, dann darfst du sogar als Repräsentant des Planeten Erde zur Interstellar Space Organization

Malique sah die junge Frau erwartungsvoll an. Er hatte schon viel von dieser Organisation gelesen und wusste, dass dies eine große, wenn nicht sogar seine einzige Chance war, das Universum zu erkunden.

»Ehrlich? Es ist schon in der Ausbildung möglich dafür ausgewählt zu werden?«

»Ja, ist es. Also, streng dich an!«

Sie zwinkerte ihm zu, dann aßen sie weiter.

Noch ahnte keiner von beiden, dass sie nun regelmäßig miteinander in der Kantine sitzen und gemeinsam Essen würden. Denn Maliques Ausbildung hatte gerade erst begonnen.

Schweigend saß Snak auf dem Fensterbrett der Kristallpyramide und beobachtete, wie Freiwillige den Saal der Zusammenkunft für das am Folgetag stattfindende Salandrai vorbereiteten.

Sereban schlich sich in das Zimmer, doch er war nicht unbemerkt geblieben, denn Snak warf einen bösen Blick in seine Richtung.

»Mein Sohn, ich bin so stolz, dass du das das Alter für dein Salandrai erreicht hast.«

Der Angesprochene sah zu Boden. Wenn es nicht für sein eigenes Überleben notwendig wäre, dann hätte er keinerlei Interesse daran gehabt, seinen Partner kennenzulernen. Doch da er nun 19 Jahre alt war und durch den Gendefekt, den sämtliche Ocri teilten, bestenfalls 21 Jahre alt werden würde, gab es keine wirkliche Alternative für ihn.

»Ich weiß, du möchtest davon nichts hören.«

Der Priester ging auf Snak zu und hielt ihn an den Schultern fest.

»Natürlich wird es anfangs ungewohnt sein in ständiger Begleitung sein zu müssen. Ich bin mir aber sicher, dass du dich schnell daran gewöhnst. Die meisten Ocri können sich ein Leben ohne ihren Partner nach ein paar Wochen gar nicht mehr vorstellen.«

Er zog ihn an sich heran und umarmte ihn. Snak seufzte.

»Ich versuche es ... «

»Das ist mein Junge!«

Mit einem Klaps auf die Schulter verabschiedete er sich von ihm und ließ ihn mit seinen Gedanken allein.

~*~

Genervt stand Snak in einem der zwei Räume, die für die Salandrai-Teilnehmer vorgesehen waren und beobachtete, wie Sereban die jungen Ocri nach und nach zu sich rief. Immer wieder ging er auf und ab, blieb dann wieder stehen, um sich die Zeremonie der anderen anzusehen.

›Hoffentlich hab ich das bald hinter mir. Keine Lust mehr, mir hier die Füße in den Bauch zu stehen.‹

Frustriert trat er gegen den Boden, als ob er Staub aufwirbeln wollte, den es in dem Raum jedoch gar nicht gab. Er ignorierte das Lachen und Geschnatter, das von den anderen Anwesenden ausging.

›Die können sich doch nicht ernsthaft freuen, ihre Freiheit zu verlieren.‹

Erst eine gefühlte Ewigkeit später – er hatte zwischenzeitlich die Augen geschlossen und lehnte sich mit verschränkten Armen an den Türrahmen – hörte er, wie der Hohepriester ihn ankündigte.

»Voller Stolz darf ich verkünden, dass nun auch mein Sohn das Alter für das Salandrai erreicht hat. Snak, bitte tritt nach vorne.«

›Na endlich.‹

Langsamen Schrittes trat er in den Saal der Zusammenkunft, dessen Sitzplätze fast vollständig besetzt waren. Er sah sich um, erkannte einige bekannte Gesichter, die allesamt begeistert lächelten und sich für ihn freuten. Nervosität stieg in ihm auf, als er sich noch einmal in Erinnerung rief, dass er in wenigen Minuten nicht nur offiziell als erwachsen galt, sondern mit dem Mann den Saal verließ, der ihn künftig sein Leben lang begleiten würde. Er blickte zu Boden und wartete voller Anspannung, dass sein Vater die gängigen Floskeln beendete und einen zweiten Namen nannte.

»Kriru, bitte tritt nach vorne.«

»Was zum-?!«

Ungläubig sah Snak zu dem jungen Mann vor ihm, der mit tosendem Beifall von der Menge empfangen wurde.

Kriru war ein Kriegsheld seines Volkes, der an der Auslöschung mehrerer verfeindeter Nachbardörfer beteiligt war und als einziger seiner Gruppe überlebte. Snak konnte und wollte in ihm keinen Helden sehen – der Hype um ihn war ihm zuwider.

»Hi!«

Mit einem breiten Grinsen stand Kriru da, hob kurz seine Hand zum Gruß. Ein Raunen ging durch die Menge, einige jüngere Ocri ließen enttäuscht den Kopf hängen, als sie begriffen, dass Kriru nun nicht mehr als möglicher Salandrai-Partner zur Verfügung stand.

In dieser Kultur zeigte man für gewöhnlich seine Zu- oder Abneigung ganz offen. Von klein auf wurde jedem Jungen mitgegeben, dass es vollkommen normal sei, wenn nicht jeder von jedem gemocht wurde. Die gesellschaftliche Ordnung ließ es in den meisten Fällen auch problemlos zu, unsympathischen Menschen aus dem Weg zu gehen – sofern dieser Mensch nicht der eigene Salandrai-Partner war.

»Mein Name ist Kriru.«

»Ich weiß. Meiner Snak.«

»Ich weiß.«

Krirus Grinsen wurde breiter, während Snak seine Mundwinkel unbewusst nach unten zog. Sofort fragte er sich, woher Kriru ihn kannte. Natürlich war sein Name als solcher bekannt, immerhin war er der Sohn des Priesters, jedoch zeigte er sich in diesem Zusammenhang immer mit Kapuze. In der Öffentlichkeit benutzte er seinen Namen nie, da er nicht besser behandelt werden wollte als andere.

»Lasst uns mit der Zeremonie beginnen!«

Snaks Vater trat auf ein Podest in der Mitte des Raumes, um die jährliche Zusammenkunft der neuen Salandrai-Partner fortzusetzen. Das Ritual war denkbar simpel: Beide erfuhren jeweils erst zu den Feierlichkeiten, wer ihr Partner war, sie wurden einander vorgestellt und gaben sich die Hand, um den Stoffwechsel ihrer Körper erstmals zu verbinden. Dann wurden sie unter Jubel ins Erwachsensein entlassen.

Der Priester sah leicht besorgt zu seinem Sohn. Als Kriru bemerkte, dass Snak zurückwich, wurde auch ihm unwohl.

»Gebt euch nun die Hand.«

Während Kriru Snak seine Hand entgegenhielt, rang dieser sichtlich mit sich.

»Snak!«

Sein Vater ermahnte ihn leise, doch davon ließ der Angesprochene sich nicht beeindrucken. Langsam schüttelte er den Kopf und ging dann noch einen Schritt zurück.

»Ich kann das nicht!«

Damit drehte er sich um und rannte davon.

Das Raunen im Publikum begann immer lauter zu werden. Am liebsten wäre Sereban ihm hinterhergelaufen und hätte ihn wieder in den Saal gezogen, doch er war pflichtbewusst und wusste, dass noch einige auf ihre Zeremonie warteten. Er stieg vom Podest und flüsterte Kriru etwas zu, der daraufhin die Verfolgung aufnahm.

»Fahren wir nun fort«, gab der Priester bekannt und ließ die nächsten beiden in den Saal führen, auch wenn es ihm schwerfiel weiterzumachen, als wäre nichts gewesen.

»Warte doch! Snak!«

Als der Gerufene feststellte, dass er verfolgt wurde, erhöhte er sein Lauftempo noch weiter. Den Atem um ein «Verschwinde!« zu rufen sparte er sich und konzentrierte sich stattdessen auf seine Flucht. Nachdem er die letzten Treppenstufen in den Hauptbau des Palastes hinter sich gebracht hatte, bemerkte er, wie unsportlich er eigentlich war. Schon wenige Meter weiter wurde er eingeholt und am Arm festgehalten. Er versuchte, sich loszureißen, doch Kriru drehte ihn stattdessen zu sich um. Mit entschlossenem Blick sah er ihm in die Augen, aber dennoch lag ihm ein Lächeln auf den Lippen.

»Ich verstehe, dass du Angst hast. Nimm dir noch etwas Zeit, wenn du sie brauchst.«

»Das hat nichts mit Angst zu tun!«

Snak wusste, dass er gerade gelogen hatte, versuchte aber, es sich nicht weiter anmerken zu lassen.

»Ich sehe in dir keinen Helden! Du hast Leute getötet!«

»Das weiß ich selbst am besten.«

Hier konnte Snak nichts mehr hinzufügen.

»Wenn ich es könnte, dann würde ich einiges anders machen. Aber das geht ja nicht.«

»Weißt du, was ich glaube?«

»Hm?«

»Du sagst das jetzt nur, weil du nur noch wenige Monate ohne Salandrai leben kannst und du mich irgendwie überzeugen willst.«

»So ist das nicht!«

»Ja, natürlich nicht.«

Snak verdrehte die Augen und befreite sich aus dem Griff seines Gegenübers. Krirus Blick konnte er nur ansatzweise deuten, doch es lag Traurigkeit darin. Nachdem Kriru sich kurz gesammelt hatte, verschwand diese Emotion aus seinen Augen.

»Überleg es dir. So eine schlechte Partie bin ich nun auch wieder nicht!«

Fassungslos über so viel Selbstvertrauen drehte sich Snak um und ging in Richtung seines Zimmers davon.

»Ich komm dann morgen wieder vorbei!«

»Du glaubst doch nicht, dass ich dich reinlasse?!«

»Du vielleicht nicht, aber dein Vater ganz sicher!«

Snak grummelte wütend vor sich hin und ging weiter. Leider hatte sein auserwählter Partner recht damit. Notfalls musste er sich etwas anderes einfallen lassen, um ihm aus dem Weg zu gehen.

»Immerhin will dein Vater nicht, dass du stirbst.«

Nun blieb der junge Heiler doch noch einmal stehen. Seine Augen weiteten sich erschrocken, denn so weit hatte er nicht gedacht. Jetzt, wo ihm ein Partner zugewiesen wurde, gab es kein Zurück. Lediglich der Tod von Kriru würde ihn selbst wieder zur Auswahl freigeben, doch in dieser Zeit tickte seine eigene Uhr weiter.

»Er kann mich nicht dazu zwingen.«

Ein Teil in ihm rief ihn zur Vernunft auf. Noch konnte er sich einfach umdrehen und Kriru akzeptieren, so würde er sich und ihn retten. Dann stünde er auch nicht als Sohn eines Priesters da, der einen Helden auf dem Gewissen hatte. Aber etwas in ihm sperrte sich vehement dagegen.

Snak zuckte zusammen, als Kriru plötzlich neben ihm stand, ihm durch die Haare wuschelte und zuzwinkerte.

»Aber vielleicht kann ich dich ja noch anders überzeugen. Bis morgen!«

Mit diesen Worten ging er in Richtung des Ausgangs davon und ließ Snak mit Zornesröte im Gesicht zurück.

›Das ist also die ISSO!‹

Lächelnd hing sie an der Scheibe, sah durch ein kleines Fenster hinaus auf eine Raumstation. Diese war das Beeindruckendste, das sie jemals gesehen hatte. Ihre Ausmaße waren gewaltig, die Architektur beeindruckend und die Tatsache, dass sie um einen Stern herum gebaut worden war und Energie von diesem nutzte, toppte dies alles noch zusätzlich. Eine Weile beobachte Kryokrishna, wie sich die einzelnen Trakte der ISSO drehten.

Es dauerte nicht lange, bis sie die Genehmigung zum Ausstieg erhielt. Kaum hatte sie einen Schritt aus dem Raumschiff gemacht, blieb sie stehen, drehte sich fasziniert im Kreis, schaute sich den Hangar genau an.

›Sie ist wunderschön!‹

Mit ihr verließen ein Dutzend andere Neuankömmlinge das Gefährt, betrachteten die Umgebung so, wie sie es tat. Einige fassten kaum, dass sie die Aufnahmeprüfung der ISSO bestanden hatten, lachten und sprangen aufgeregt herum, andere dagegen bereuten ihre Entscheidung bereits zutiefst, da sie das Heimweh plagte.

»Willkommen auf der Haupt-Raumstation der ISSO. Sie haben sich qualifiziert, Teil unserer Besatzung zu werden. Hierzu möchte ich Sie beglückwünschen und Ihnen zeitgleich meinen Dank für Ihr Interesse aussprechen!«

Eine junge Iknesierin, die für ihre Spezies ein ausgesprochen stark geschwungenes Hörnerpaar auf ihrem Kopf trug, verbeugte sich und drehte sich bereits zum Gehen um.

»Folgen Sie mir bitte. Um Ihre Aufnahme abzuschließen, bedarf es einer Gesundheitsprüfung.«

Noch bevor ihr jemand eine Frage stellen konnte, ging sie davon, sah auch nicht zurück, um die Vollzähligkeit der Neuankömmlinge zu überprüfen. Kryokrishna war davon nicht nur etwas irritiert, entschied sich jedoch dafür, ihr zu folgen, bevor sie den Anschluss verlor.

Im Vergleich zum Hangar waren die Gänge, durch die sie gebracht wurden, relativ unspektakulär. Weiß und Silber waren die dominierenden Farben, Dekoration gab es keine.

›Total trist, fast wie bei mir zuhause. Schade eigentlich. Aber wahrscheinlich ist das wegen dem Arbeitsschutz so, nicht, dass da einer über was stolpert. Wobei, so ein, zwei Bilder ...‹

Kryokrishna zuckte mit den Schultern, einigte sich mit sich selbst darauf, dass es gute Gründe hierfür geben musste.

Als sie ihren Blick schweifen ließ, stellte sie überrascht fest, dass sich nur drei Leute hinter ihr befanden, zwei Jungen und ein Mädchen – der Rest hatte den Anschluss verloren. Einer der beiden jungen Männer lächelte Kryokrishna zu, was sie zwar irritierte, doch sie erwiderte das Lächeln aus Höflichkeit, bevor sie sich wieder nach vorne umdrehte.

›Eigentlich ganz süß‹, schmunzelte sie, biss sich auf die Unterlippe.

Er schloss zu ihr auf und strich sich in dem Moment, als Kryokrishna ihn ansah, seine schwarzen Haare aus dem Gesicht. Erst jetzt fielen ihr die stechend gelben Augen auf, die in ihr den Eindruck erweckten, er könnte sehen, was sie dachte.

»Darf ich deinen Namen erfahren, hübsche Lady?«

Kryokrishna prustete bei diesem Spitznamen, dennoch färbten sich ihre Wangen etwas rot.

»Kryokrishna. Und dein Name ist ... ?«

»Verrat ich dir bei unserem ersten Date!«

Kryokrishna konnte spüren, wie ihr Blut in ihr Gesicht schoss. Peinlich berührt drehte sie sich zur Seite. Sie benötigte einen kurzen Augenblick, um sich zu fangen und nach einer geeigneten Antwort zu suchen.

»Du glaubst doch nicht wirklich, dass ich mich auf ein Date einlasse, wenn ich den Namen meines Gegenübers noch nicht einmal kenne?«

Der Junge lachte leise, nickte zustimmend.

»Stimmt, so siehst du nicht aus«, er streckte ihr seine Hand hin, »Jolis!«.

Kryokrishna nahm seine Hand und grinste: »Jolis? Wo gibt's denn so nen Namen?«.

»Wefiolz. Ein bisschen weg vom Schuss, ich weiß. Woher kommst du?«

»Phobetor!«, antwortete Kryokrishna, der es selbst unheimlich war, wie überzeugend diese Lüge über ihre Lippen kam.

»Dann kommst du also auch nicht aus einer Region, die so dicht besiedelt ist. Schon haben wir eine Gemeinsamkeit gefunden!«

Kryokrishnas Herz machte einen Satz, sie war geschmeichelt von Jolis' Worten.

Ehe sie ihr Gespräch fortsetzen konnten, blieb die junge Frau, der sie die ganze Zeit über folgten, stehen und machte eine schwungvolle Drehung.

»Hier sind wir. Bitte setzt euch hin, gleich kommt unser medizinisches Fachpersonal und holt euch nach und nach zur Untersuchung. Wir sehen uns dann bei der Team-Vergabe heute Nachmittag, bis dann!«

Eiligen Schrittes spurtete sie davon, kümmerte sich weder weiter um sie noch um die, die sie in den Gängen verloren hatte.

›Die ist ja drauf ...‹, staunte Kryokrishna. Zu dieser Zeit ahnte sie noch nicht, dass sie in absehbarer Zeit dasselbe Verhalten an den Tag legen würde, sofern sie eine entsprechende Aufgabe bekam.

Nach kurzer Wartezeit öffnete sich die Tür zum Untersuchungszimmer. Eine tiefe Stimme rief Jolis hinein, der Besitzer dieser zeigte sich jedoch nicht.

Jolis stand auf und zwinkerte Kryokrishna zu, bevor er im Zimmer verschwand. Sie verschränkte die Arme und starrte auf den Boden vor sich.

›Der geht ja ran. Hätte ja nicht gedacht, dass hier jemand Interesse an mir zeigt ... und dann noch so schnell.‹

Eine wohlige Wärme breitete sich in ihr aus, als sie dies dachte, ein Lächeln schlich sich auf ihr Gesicht. In Gedanken versunken verging die Zeit wie im Fluge, die Tür öffnete sich erneut und Jolis kam heraus, setzte sich neben sie. Doch ehe er etwas sagen konnte, rief man Kryokrishna bereits hinein.

Kryokrishna sah in das Gesicht der Gestalt, nachdem sie das Zimmer betreten hatte, doch hatte kaum Zeit, sich die auffälligen Konturen der Wangenknochen näher anzusehen, da sie sich sofort wegdrehte.

»Hier hinhocken, bitte.«

Die leichte Wortkargheit war Kryokrishna sympathisch, redete sie selbst an einem Tag doch wenig bis gar nicht. Die Informationen, die in der letzten Zeit auf sie eingeprasselt waren, genügten ihr für eine Weile. Während ihr ein Impfstoff injiziert wurde, was sie ohne Zucken über sich ergehen ließ, dachte sie über ihre Begegnung mit Jolis nach.

›Also ihm würde ich sogar glatt noch eine Weile zuhören wollen.‹

Ein Lächeln schlich sich auf ihr Gesicht, was die Heilerin mit einer hochgezogener Augenbraue quittierte.

»Sie sind die erste Kadettin, die bei dieser Kanüle lächelt.«

Kryokrishna betrachtete besagtes Objekt, das die Ärztin in diesem Moment von ihrem Oberarm wegzog. Ihr wurde angesichts dieses Anblicks doch etwas mulmig, doch versuchte, es sich nicht weiter anmerken zu lassen.

»Hab ich es schon hinter mir?«

Das Lachen der Heilerin, – durchzogen mit Klackern und Quietschen – brachte Kryokrishna ebenfalls zum Kichern.

»Sie haben ganz schön Mumm.«

Kryokrishna nahm das Lob schmunzelnd zur Kenntnis, folgte dann der nächsten Anweisung, ihre Augen zu schließen. Sie spürte, wie etwas über ihren Kopf gestülpt wurde, das starke Vibrationen aussendete. Ehe sie sich versah, war das dumpfe Geräusch bereits erloschen und sie durfte die Augen wieder öffnen.

»Eine Frau mit großem Beschützerinstinkt. Herzlichen Glückwunsch, Sie sind durch und durch Verteidigerin!«

»Verteidigerin?«

»Ja, ihre Klasse.«

›Ah, da war was.‹

»Gut, dann haben wir es soweit. Sie können wieder gehen. Sollte es Ihnen einmal nicht gut gehen, dann kommen Sie jederzeit wieder hierher, wir kümmern uns dann um Sie!«

»In Ordnung, vielen Dank!«

Kryokrishna fiel ein Stein vom Herzen, als sie aus dem Behandlungszimmer trat und man ihr – wider Erwarten – keine unangenehmen Fragen gestellt hatte.

›Dann hat es wohl geklappt. Sehr gut.‹

Umso erstaunter war sie, als Jolis sie von der Seite angrinste.

»Da bist du ja, die Zeit ohne dich kam mir verdammt lange vor!«

Kryokrishna prustete, schüttelte den Kopf.

»So lange war das doch gar nicht.«

»Freu dich doch, dass ich dich vermisst hab.«

»Spinner.«

»Essen?«

Irritiert weiteten sich Kryokrishnas Augen, als Jolis sich vor sie stellte und ihr mit leicht gebeugtem Oberkörper eine Hand hinhielt.

»Wollen wir essen gehen? Ich habe gehört, dass es hier auf dieser Raumstation eine ganz vorzügliche Kantine geben soll.«

Kryokrishnas Wangen begannen vom dauerhaften Grinsen auf ihrem Gesicht langsam aber sicher zu schmerzen, dennoch erwiderte sie die offensichtliche Blödelei und machte einen tiefen Knicks.

»Aber sehr gerne, wie könnte ich da nur widerstehen?«

Sie legte ihre Hand auf seine und eine angenehme Wärme durchfuhr ihren Körper, als sie Hand in Hand mit Jolis zu der Kantine ging, nur um dort vor Aufregung kaum einen Bissen hinunterzubekommen. 

 

~*~

 

Freudestrahlend traten Kryokrishna und Jolis aus dem Versammlungsraum der ISSO, nachdem eine erneute Teamfindung für beide erfolglos geblieben war.

»Nochmal Glück gehabt!«, grinste Jolis, schob Kryokrishna zur Seite und drückte sie gegen die Wand, um sie in einen leidenschaftlichen Kuss zu ziehen.

»Zu mir?«, brabbelte Kryokrishna, als Jolis seine Lippen von ihren löste.

»Besser zu mir, ich hab da noch was für dich!«, er drückte ihr noch einmal einen Schmatz auf, bevor er sie hinter sich herzog.

Kaum fanden sie sich in seinem Zimmer ein, griff er zu einer kleinen schwarzen Schachtel im Regal.

»Keine Ringe, keine Sorge!«

Kryokrishna, die zu dieser Zeit noch nie etwas von einem Hochzeitsritual gehört hatte und die Aufregung deshalb nicht verstand, nickte nur, öffnete dann das ihr überreichte Kästchen. Ihre Augen strahlten vor Freude, während sie die glänzenden Objekte begutachtete, die gut geschützt auf einem roten Stoff lagen.

»Ohrringe? Die sind ja hübsch!«

»Ja, sind sie. Und asymmetrisch! Ich hab die drüben in der Einkaufsebene gesehen und dachte mir nur: Wow, die schreien ja nach meiner Kryo!«

»Danke!«, lachte Kryo, der ein leichter Rotschimmer auf die Wangen schlich, »Dann muss ich mir nachher mal Ohrlöcher stechen lassen«

Jolis klatschte sich mit der Handfläche ins Gesicht, senkte dann den Kopf.

»Daran hab ich Idiot gar nicht gedacht!«

Kryokrishna ging zu ihm, drückte ihm einen Kuss auf die Stirn: »Ich mag deine Schusseligkeit. Macht dich unglaublich sexy!«.

»Sexy?«

»Jap.«

»Du hast eine komische Vorstellung von sexy!«

»Freu dich doch!«, grinste Kryokrishna, die versuchte, Jolis üblichen Unterton nachzuahmen, bevor sie die Schachtel mit den Ohrringen zur Seite stellte und ihn rücklings aufs Bett schubste.

 

~*~

 

Kryokrishnas Ohrringe flogen zur Seite, als sie wutentbrannt gegen die Wand schlug.

»Dieses widerliche ...«

Krampfhaft suchte sie nach einer Bezeichnung, die Jolis beschrieb, doch alle Schimpfwörter, die ihr in den Sinn kamen, erweckten in ihr nicht den Eindruck, nur ansatzweise zu genügen.

»Was fällt ihm ein!«

Sie krallte sich in die Unterarme, hinterließ dort mehrere sichelförmige Spuren in der Haut. Den dadurch erzeugten Schmerz nahm sie gar nicht wahr, zu sehr war sie in Rage.

›Er hatte doch gesagt, dass er ... ‹

»LÜGNER!«

Eine einzelne Träne kullerte ihr über die Wange, die ihr erst bewusst machte, dass sie weinte. Sie ließ sich auf ihr Bett fallen, schluchzte in das Kissen, das die salzige Flüssigkeit schnell verschwinden ließ.

›Du hast mich gar nicht verdient, du Arschloch!‹

Immer wieder sah sie die Szene, die sich vor wenigen Stunden abgespielt hatte, vor ihrem geistigen Auge aufblitzen. Wie Jolis dastand und eine andere Frau umarmte, sie küsste ... und wie er ihr eiskalt ins Gesicht log: Sie ist nur eine gute Freundin!

»Glaubst du doch selbst nicht, du Volltrottel. Die hab ich vorher noch nie gesehen, warum macht man denn ein Geheimnis aus einer Freundin? Und warum steckt man so einem Miststück die Zunge in den Hals!«, mit jedem gesagten Satz nahm ihre Lautstärke zu, doch erneut zu brüllen vermied sie, um ihre Wut nicht noch weiter zu schüren. Sie bemerkte, dass sie kurz davor war die Fassung zu verlieren, was ein Beobachter an ihren grünleuchtenden Augen sofort hätte ausmachen können.

Als sie daran dachte, dass Jolis am Tag zuvor in ein Team aufgenommen worden war und seine Abreise in den nächsten Tagen anstand, musste sie dann doch kurz grinsen.

›Die ganzen Frauen, die du verarscht hast ... die musst du jetzt wohl alle zurücklassen. Du Armer.‹

Sie ging ins Bad und stellte sich vor den Ganzkörperspiegel, in dem sie sich genau ansah.

›Nie wieder werde ich so naiv sein. Nie. Wieder. Ich bin eine stolze Batkaryn. Das darf ich nie wieder vergessen‹, ihr Blick fiel auf die Ohrringe, die zwischen ihren verwuschelten Haaren hervorblitzten. ›Und diese Ohrringe ... sollen mich immer daran erinnern‹.

Sie packte eine Bürste und kämmte sich die Haare, wobei sie ungewöhnlich rabiat vorging, jedoch keine Miene verzog, als es regelmäßig an der Kopfhaut ziepte.

›Aber der Rest kann weg. Ich hol mir ein neues Trainingsoutfit. Hab gehört, Frustshoppen kann mal ganz entspannend sein. Dann geh ich an diesem grauen Tag doch mal los und hole mir was in der passenden Farbe: Verteidigergrau.‹

Damit ging sie hoch erhobenen Hauptes aus dem Zimmer und in die Einkaufsebene, in der sie den restlichen Tag verbrachte und jeden aufkommenden Gedanken an Jolis sofort wieder verdrängte.

Autorennotiz

Darum geht es:
Kaum hat der Tollpatsch Malique seine Ausbildung zum »Special Agent for Intergalactical Cartography« absolviert, beginnt seine Reise in die Weiten des Universums. Sein Traum: der erfolgreichste Kartograph des Universums zu werden!
Seine erste Reise bringt ihn zur Raumstation ISSO, auf der ihm sein Erkundungsteam zugeteilt wird: die hübsche Elementarmagierin Eunuvea, die nicht ohne Grund ihren eigenen Fanclub hat, und die zurückhaltende und zynische Verteidigerin Kryokrishna, die sämtlichen Gegenständen aus Prinzip einen Spitznamen verpasst.
Zu Maliques Entsetzen hat sein Traumberuf auf der ISSO allerdings nicht nur den abfälligen Spitznamen »Kartenkritzler« - auch seine Begleiterinnen sind von ihrem neuen Job zunächst wenig begeistert. Das ändert sich jedoch prompt, als sie auf einem abgelegenen Planeten den Unmut einer Horde Weltraumpiraten auf sich ziehen. Wäre das nicht schon schlimm genug, bleibt Malique auch nicht von typischen Teenagerproblemen verschont. Zwei eigenwillige Begleiterinnen zu haben, macht die Situation nicht gerade einfacher ...

Was euch sonst noch so erwartet:
-Introvertierter Prota, der erst in seine Rolle als Anführer hineinwachsen muss
-Bad-Ass Frauen
-LGBT-Charaktere
-Kampf gegen das Opferritual Iriliquium
-Kein Love-Triangle!

Infos zu meinem Herzensprojekt findet ihr auf meiner Website! mapmaker-malique.de

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Autor

SerenityACarters Profilbild SerenityACarter

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Statistik

Kapitel:3
Sätze:438
Wörter:5.423
Zeichen:32.264

Kurzbeschreibung

Eine Sammlung von Kurzgeschichten, die die Ereignisse meiner Romanreihe erweitern bzw. ergänzen. Wenn ihr SciFi und Fantasy mögt, und gerne lacht, dann schaut rein! :)

Kategorisierung

Diese Story wird neben Freundschaft auch in den Genres Science Fiction, Fantasy, Humor gelistet.