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Hexentanz

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08.11.22 13:46
12 Ab 12 Jahren
Homosexualität
In Arbeit

Wir 4 Mädels, Simone, Lena, Yvonne und meine Wenigkeit. Pendelnd zwischen Lebenslust und Lebenslangweile – oder eben auch Liebeslust und Liebeslangweile. Ach ja, Schulfrust, Elternfrust, Klamottenlust und –Frust und Frust allgemein.

Wir räkeln uns auf den Polstern von Simones Luxuszimmer. Simone schwärmt für indische Musik, seit sie Yoga praktiziert. Wir notgedrungen auch, umnebelt von hocharomatischen Räucherstäbchen.

Zu Simones engerem Freundinnenkreis gehören ist eine Ehre. Sie umgibt sich mit der Aura der einsamen weisen Frau, obwohl sie gar nicht oft allein angetroffen wird. Auch männliche Wesen umwerben sie, die sie sich mit freundlicher Zuneigung vom Leib hält – sagt sie jedenfalls. Man sah sie auch schon mal knutschen.

Simone springt von einem Thema zum anderen. Die Ragas bohren sich in unsere Ohren, und ganz unyogisch bietet uns Simone indischen Gewürzschnaps an. Wir können die fremde Schrift auf dem Etikett nicht lesen, aber irgendwo steht ganz winzig 43 Vol%.

Wir bewundern die fein geschliffenen Gläschen und erschnuppern Zimt oder ähnliches, bevor wir nippen. Süßes Zeug, exotisch, gefährlich.

Ich bin eine Hexe, entfährt es Simone. Nach etwa zwei Kristallgläschen des Hexendestillats sind wir nicht direkt überrascht. Und wenn ihr wollt, leisten wir uns den Hexenschwur von lebenslanger Verbunden- und Verschwiegenheit. Wir schwören, niemals unsere Macht an einen Mann abzugeben. Ansonsten können wir mit Männern machen was uns beliebt. Wollt ihr?

Ein prickelnder Erlebnisdurst und Leichtsinn verbieten uns ein Nein.

Dann kommen wir jetzt zum Hexentanz. Simone springt auf, ein neuer Raga ertönt, geschmeidig dreht und wendet sich Simone, in weichen Körper-, Arm-, Hand-, Fingerbewegungen, beängstigend schön, herausfordernd. Sie gebietet uns durch Gesten, dass wir uns anschließen sollen. Wir gehorchen, etwas beklommen zunächst, aber Simone tanzt sich in die Nähe jeder einzelnen von uns und reißt uns mit in den berauschenden Tanz.

Ein tiefschwingender Klang lässt unsere Bewegungen ausklingen. Wir schauen auf Simone und die große Klangschale, deren Vibration noch immer im Herzbereich von uns Mädchen vibrieren lässt.

Hexen tanzen nackt. Erst dann können wir schwören.

„Hat sie uns schon behext?“, schießt es mir durch meinen irgendwie unter Strom stehenden Kopf. Zögernd schauen wir auf Simone, tauschen Augenwinkelblicke mit den nichtgeweihten Hexenschwestern aus.

Simone zieht sich ihr graues T-Shirt über den Kopf, einen BH trägt sie nicht, wie wir ja schon registriert hatten. Sie öffnet ihre Jeans und schiebt sie nach unten über ihre Hüften, greift standfest auf einem Bein stehend nach dem gegenüberliegenden Hosenbein und entledigt sich der Jeans, indem sie erst das eine, dann das andere Hosenbein nach unten über ihre Fußgelenke streift. Zu dem Kleiderpäckchen auf dem Boden wirft sie lässig ihre blaue Unterhose – und ihr Blick duldet keinen Widerspruch.

Als Hexenanwärterin möchte ich mich nicht zieren. Wie selbstverständlich schiebe ich Hose und Slip über die Knie, steige heraus, Bluse und BH landen auf den abgelegten Kleidungsstücken.

Yvonne hat sich meinem Takt in etwa gleichgeschaltet. Ich staune über ihr dichtes schwarzes Schamhaar. Lena verharrt beinahe in Bewegungslosigkeit, bis Simone ihr milde lächelnd die Entscheidungsverklemmung abnimmt und die Kleidung löst.

Der Hexentanz lässt keine Zeit zum Begaffen, und das verlogene Gefühl von luftiger ganzkörperlicher Nacktheit löst sich in schweißtreibender Bewegungshitze auf. Simone hockt vor dem CD-Player, gibt den Blick frei zwischen ihre geöffneten Knie, schockt uns mit einer abrupt einsetzenden indonesischen Musik, die wohl zum Schwerttanz gespielt wird.

Wir sind etwas aus dem ekstatischen Rhythmus gekommen, ein Gläschen Zimtschnaps kittet die Lücke. Bevor ich mich erschöpft fallen lassen muss, gibt Simone das Zeichen zur Umarmung. Vier nackte Mädchenleiber formen einen Kraftkamin, Arme um die Schwesternschultern gespannt, die Köpfe hängend, und Simone gibt den Schwur vor.

Ich komme erst wieder zu mir in Simones Bett, Simone liegt nackt neben mir. Ich schmiege meine Wange an ihre Brust und wünsche, dieses Glück möge nie vergehen. Dann verlässt mich mein Bewusstsein bis zum Morgen.

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