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Wunschlos

29
27.12.2018 20:51
16 Ab 16 Jahren
Heterosexualität
Fertiggestellt

Autorennotiz

Diese Geschichte ist ein Weihnachtsspecial zu Mosaik ( storyhub.de/storys/geschichten/fantasy/mosaik )

Vorkenntnis ist jedoch nicht erforderlich!

Viel Spaß und fröhliche Feiertage.

Auch nach zwei Wochen fühlte sich die neue Prothese noch ungewohnt an. Vielleicht war es, weil sie keine Haltegurte hatte, vielleicht auch, weil die künstliche Haut enger auf ihrer Schulter auflag, um den Übergang zu verbergen. Immer wieder erwischte sich Pakhet dabei, ihre Hand zu betrachten, die selbst für ihre eigenen Augen real aussah. Da waren so viele Details. Kleine Muttermale, die Fingernägel und kleine Haare auf dem Arm. Es war wirklich gute Arbeit.
Umso irritierender war, dass sie die Kälte des mit Kondenswasser überzogenen Glases nicht wahrnehmen konnte. Ja, sie spürte, dass sie etwas in der Hand hielt, spürte den Druck ihrer Finger, doch die Kälte spürte sie genau so wenig wie Wärme.
Sie konnte sich nicht davon abhalten, das Glas mit ihrer rechten zu berühren, nur um sicher zu gehen, dass es wirklich kühl war. Wie albern.
Sie saß an der Bar eines kleinen, gehobenen Pubs, das genau so wenig wie der Rest der Stadt vom Weihnachtskitsch verschont geblieben war. In einer Ecke saß ein hübscher, gold geschmückter Weihnachsbaum und die Decke über der Bar war mit einer Lichterkette verziert. Wenigstens war es kein echter Tannenbaum, sondern nur ein Imitat aus Plastik.
Ach, sie hatte die Besessenheit mit diesen Traditionen nie verstanden. Vor allem nicht hier, auf der anderen Seite der Welt. In Südafrika fiel der 24. Dezember in den Sommer. Draußen war es warm, heiß, die Atmosphäre hier drin nur durch die Klimaanlage erträglich.
Generell erschien die Weihnachtszierde albern. Warum sollte man herkommen, wenn nicht um den Festlichkeiten der nächsten Tage zu entfliehen? Oder weil man wie sie war: Allein. Nicht dass sie dadurch etwas misste. Es war nur langweilig, sofern sie über die Feiertage keinen Job hatte.
Deswegen war sie hergekommen. Nach Joburg in der Hoffnung ein wenig Ablenkung zu finden.
Sie drehte sich ein Stück auf dem Barhocker, wanderte sich dem Raum hinter ihr zu. Ein länglicher, nicht sonderlich tiefer Raum. Hinter der Bar waren knapp zwei Meter Freiraum, dahinter eine Reihe kleiner Tische für zwei Personen, die direkt an die Wand oder die Glasfront anschloss, die den Pub mit der Lobby des anliegenden Hotels verband.
An den beiden Enden des Raums war jeweils eine kleine Ecke mit Tischen, die im Notfall Platz für fünf Personen bieten würden.
Doch der Pub war verhältnismäßig leer. Außer ihr saßen noch drei Leute an der Bar, zwei Paare an den Tischen und eine Gruppe aus drei jungen Männern an einem der größeren Tische. Sie sprachen Französisch und schienen Touristen zu sein. Was auch immer einen veranlasste, Weihnachten in Südafrika zu verbringen. Es ging sie nichts an. Die drei waren ohnehin zu jung für ihren Geschmack. Wie alt? Sicher nicht über 25.
Sie suchte Gesellschaft, ja, doch würde sie jemand, der zumindest in etwa ihr Alter hatte bevorzugen.
Eine Jazzversion irgendeines Weihnachtssong, der sie an lang vergangene Weihnachtsfeste erinnerte, duddelte leise über die Lautsprecher. Sie erkannte ihn nicht einmal, auch wenn er diese Erinnerungen weckte.
Vielleicht hätte sie an einen anderen Ort gehen sollen. Eine der größeren Bars, vielleicht eine Diskothek? Sie konnte noch immer gehen. Es war gerade einmal kurz nach neun.
Doch blieb sie, schwenkte ihr Whiskeyglas bedächtig vor sich. Die Eiswürfel ließen das Glas leise klirren. 
Es war letzten Endes auch egal. Joburg war wenigstens eine Abwechselung. Es war besser hier, als in Kapstadt herumzusitzen. Im Kapstadt würde nur Robert wieder versuchen, sie zu Dingen zu überreden, von denen er wusste, dass sie unmöglich waren.
Sie trank einen Schluck.
An sich konnte sie sich auch allein amüsieren. Sie hatte eins der besseren Zimmer gemietet, eins mit einem eigenen, kleinen Heimkinosystem. Oder sie konnte in ein richtiges Kino gehen. Die Nacht war noch Jung. Ihre Möglichkeiten offen.
Der Whiskey brannte angenehm in ihrer Kehle. Oh, wie sehr sie den Geschmack doch liebte.
Sie kostete ihn vollends aus.
Hinter ihr wurde die Tür geöffnet und einige Stimmen aus der Hotellobby drangen an ihre Ohren. Obwohl es so kurz vor Weihnachten und Abend war, herrschte hier reger Betrieb. Sie verstand es einfach nicht. Wer waren diese Menschen?
Kurz schaute sie über ihre Schulter. Da waren drei Leute reingekommen. Alle drei hatten dunkle Haut, schienen um die dreißig zu sein. Eine Frau, zwei Männer. Beide Männer in Anzug. Die Frau hing am Arm des anderen. Sie schien angetrunken zu sein.
Jetzt setzten sie sich an die Bar, nur einen Sitz von Pakhet entfernt. 
Der Barkeep grüßte sie, sie bestellten und kurz galt auch Pakhet ein neugieriger Blick.
Zugegebenermaßen hatte sie diesen Abend auf die Perücke, die sie bei ihren nächtlichen Aktivitäten oft trug, verzichtet. Es war zu warm, zu schwül dafür. So zog sie jedoch mehr neugierige Blicke auf sich. Ihr kurzes, stacheliges und rot gefärbtes Haar war ebenso auffällig, wie ihr großer, für eine Frau etwas zu muskulöser Körperbau, der ihr wenig Rundungen gelassen hatte. Es brauchte bei ihr nicht viel Make-Up, um als Mann durchzugehen. Sie hatte die notwendige Körpergröße, die richtige Figur.
Dennoch schienen die Neuankömmlinge nach einem kurzen Blick zu beschließen, dass es nicht so ungewöhnlich war. Dann kamen ihre Drinks und der Barkeep sprach sie an.
Während Pakhet ihren Whiskey leerte, lernte sie, dass die drei gerade aus einem Konzert gekommen waren. Dass sie sich einmal wirklich etwas hatten gönnen wollen. Dass die Frau mit dem Mann, an dessen Schulter sie hing, gerade verlobt war. Sie zeigte den Protzigen Ring.
Huh. Was er wohl arbeitete? Er schien einer der dunklen Diamanten zu sein, die auch heute noch zu selten waren. Wenigstens gönnte Pakhet es ihm, hoffte gleichzeitig für die Frau, dass wirklich alles mit guten Dingen zuging. 
Pakhet vertraute reichen Männern nicht. Sie glaubten, sich alles mit ihrem Geld kaufen zu können. Sie interessierten sich für nichts anderes, als sich selbst. Jedenfalls nach den Erfahrungen, die sie gemacht hatte. Dabei war die Hautfarbe egal. Männer halt.
Sie konnte dankbar sein, dass sie Beziehungen lange schon ausgewichen war. Sie hatte kein Interesse daran. Sie hatte sich nie verliebt. Wahrscheinlich würde sie sich nie verlieben. Romanze war nichts für sie. In der Highschool hatte sie versucht, aber es war nie passiert. Dieser Funke, die Schmetterlinge und was auch immer die Leute diesem Gefühl zuschrieben. Sie hatte es einfach nie gefühlt.
Während die drei weiter redeten, bestellte sie einen weiteren und holte ihr Handy heraus. Eins dieser neuen Dinger von Apple. Es war nett, erlaubte ihr Zugang zum Internet, mit dem zusätzlichen Bonus, dass es relativ leicht war mit einer Hand zu tippen.
Sie scrollte durch ein Nachrichtenmagazin ohne zu wissen warum. Sie rechnete nicht damit, dass es viel neues zu berichten gab. In Amerika baute sich ein ziemlich übler Sturm zusammen. Das würde für viele ein dramatisches Weihnachten geben. Es war jetzt schon angekündigt, dass einige Flughäfen den Dienst ausgesetzt hatten. Hier in Südafrika waren es vor allem lokale Geschichten, die in den Nachrichten waren, zumindest im Moment. Ein Busunglück. Sportnachrichten. Ein Urteil in einem größeren Kriminalfall. Ein Auftragsmord.
Sie leckte sich über die Lippen und steckte das Handy wieder weg.
Vielleicht war die Idee auf ihr Zimmer zu gehen doch keine so schlechte. Der Fernseher hing dort nicht umsonst. Morgen Abend konnte sie woanders hingehen. Wohin, wo mehr Touristen waren, etwas dass die Chancen steigerte, jemanden für eine Nacht zu finden.
Schon hob sie das Glas zu ihren Lippen, um es zu leeren, als der eine Mann, der zuvor in der Dreiertruppe gekommen war, auf den Hocker neben ihr.
Sie sah ihn aus den Augenwinkeln an, musterte ihn kurz. Eindeutig wollte er sie ansprechen, tat sich im Moment jedoch schwer die richtigen Worte zu finden. Sollte er überhaupt ähnliche Absichten haben wie sie, tat er das ganze nicht oft.
Wahrscheinlich hatte er das nicht mal.
Seine Begleiter waren jedenfalls in einer innigen Umarmung versunken. Es hätte Pakhet nicht gewundert, wären sie irgendwann zwischen Küssen und Cocktails von den Barhockern gefallen.
Endlich fand der Mann Worte. „Interessante Frisur.“
Beinahe hätte sie gelacht. Schnell setzte sie das Glas ab, stellte es auf die ebenso gläserne Oberfläche der Bar. „Wirklich?“
Die Mischung von mattem, abgedimmten Licht und seiner dunklen Haut erlaubten es ihr nicht, es zu sehen, doch war sie sicher, dass er errötete. „Entschuldigen Sie, Lady.“
„Lady?“ Ihre Augenbraue wanderte noch höher. Sie kam nicht umher zu schmunzeln. „Schon gut, schon gut.“ Sie nickte in Richtung der anderen beiden. „Solltest du nicht bei deinen Kumpanen sein.“
„Das ist die Sache“, meinte er auf Englisch mit einem recht deutlichen lokalen Akzent, „ich glaube, dass ich bei den beiden aktuell störe.“ 
Damit hatte er fraglos recht.
Sie zuckte mit den Schultern, musterte ihn erneut für einen Moment. Er hatte ein recht breites Gesicht, einen athletischen Körperbau mit breitem Kreuz. Wahrscheinlich machte er Sport. Das Hemd hatte er am Hals aufgeknöpft, trug die Krawatte oben.
Wieder umspielte das Schmunzeln ihre Lippen. „Also dachtest du, du rückst mal eben zu der Lady hinüber, die so allein zu sein scheint, eh?“
„Ich wollte nichts implizieren“, erwiderte er rasch.
„Schon gut.“
Er erschien sehr unsicher, erinnerte sie jedoch unwillkürlich an jemanden. Jemanden aus ihrem alten Leben. Es war verdammt lange her.
„Drink?“, fragte sie.
Er schaute überrascht drein. „Was?“
„Drink? Kann ich dir einen ausgeben?“
„Das ist nicht nötig, Lady“, erwiderte er.
Sie musterte ihn. „Kein Grund schüchtern deswegen zu sein. Ich habe Geld.“ Warum stellten sich Männer nur oftmals so an, wenn frau ihnen einen ausgeben wollte?
Er schaute unsicher zu ihr, blickte dann zu seinen Kumpanen. Er seufzte. „Sind Sie sicher?“
Pakhet zuckte mit den Schultern und winkte den Barkeep her, während sie zu dem Mann sah. „Was kann ich Ihnen bestellen?“
Ein Schulterzucken. „Bier?“
Sie kam nicht umher zu schmunzeln. Das hier war kein Pub. Entsprechend schockiert war der Blick des Barkeeps. Zumindest hatten sie dennoch Bier hier. Es war halt nur nicht die Art von Etablishment, in das Leute für ein Bier gingen.
„Danke“, murmelte der Mann.
„Gerne.“ Sie hatte sich ein Glas Wein bestellt. Ein großes Glas, in dem sich dennoch eine für den Preis kleine Pfütze Rotwein befand. Ja, diese Art von Etablishment war es. Das Bier, serviert in einer Flasche, war ebenso klein ausgefallen.
Sie hob das Glas, während er unsicher die Geste mit dem Bier imitierte. 
„Ich möchte mich Ihnen nicht aufdrängen.“
Beinahe hätte sie die Augen verdreht. „Wie Sie vielleicht haben sehen können: Ich hatte ohnehin nicht viel getan.“
„Ja.“ Er senkte den Blick, holte tief Luft. „Was machen Sie hier?“
Sie zuckte mit den Schultern. Auf diese Fragen antwortete sie selten ernsthaft. Es war leicht für sie, sich als Amerikanerin auszugeben. Es war nicht einmal eine Lüge, auch wenn ihr Pass auf eine vermeintlich in Durban geborene Person ausgestellt war. Ihren amerikanischen Akzent hörte man ihr auch nach sechs Jahren an, solange sie sich nicht aktiv bemühte, ihn zu verbergen. „Ich mache Urlaub hier“, erwiderte sie.
„Über die Feiertage?“
Langsam trank sie einen Schluck, schwenkte das Glas vorsichtig in der Hand. „Ja.“ Aus den Augenwinkeln beobachtete sie ihn.
Schon wieder senkte er den Blick, wirkte unsicher. Wahrscheinlich nahm er an, dass es hier eine dramatische Familiengeschichte gab. Erneut: Falsch lag er nicht, doch es war nicht so, als hätte es sie je betroffen gemacht.
„Entschuldigen Sie“, brachte er schließlich hervor.
Sie lächelte sanft. „Und was ist mit Ihnen?“ Knapp nickte sie in die Richtung des Paars. „Sieht aus, als wären sie das dritte Rad am Wagen?“
Auch er wandte sich wieder zu seinen Freunden um. „Ja.“ Ein leises Seufzen. „Wir waren eigentlich zu viert, aber ein Kumpel hat sich mit jemand anderen abgesetzt.“ Er legte kurz die Spitze der Zunge auf seine Oberlippe, schnalzte dann. „Und jetzt …“ Er machte eine knappe Kopfbewegung. „Sie sind seit gestern verlobt. Da will man es ihnen nicht verderben.“
„Verstehe.“ Wieder trank sie einen sehr kleinen Schluck. „Pech gehabt, hmm?“
Er lachte unsicher. „Ja.“
„Und was machen Sie hier in Johannisburg? Ich habe was von einem Konzert gehört.“
„Na ja, die beiden“, erwiderte er. „Ich arbeite hier.“ Er seufzte. „Kenne Will aus der Highschool.“
„Will, eh?“ Sie kam nicht umher leise zu lachen. Es war einer der häufigsten Namen in ihrer Generation hier und kam ihr doch immer komisch vor. Vielleicht gerade weil er daheim, in den USA ebenso verbreitet war und sich hier manchmal falsch anfühlte.
Der Mann hob eine Augenbraue. 
Pakhet schüttelte den Kopf. „Nichts. Nichts.“ Wieder lächelte sie mild. „Schön, dass die beiden …“ Ach, sie war mit diesen Situationen nicht gut. Was sagte man? Sich liebten? Eine Zukunft hatten? „Dass sie sich trauen.“
Nun schaute er sie verwirrt an.
„Ich bin nicht gut mit diesen Sachen“, erwiderte sie und holte Luft. Darauf wollte sie nicht eingehen. „Wie heißen Sie?“
„Caleb Joubert.“ Er hielt inne, bevor er ihr die Hand entgegen streckte. Die Erwartung war in seinen Augen zu erkennen.
Also nahm Pakhet seine Hand. „Stefanie“, stellte sie sich mit ihrem falschen Namen vor.
„Stefanie und weiter?“
Sie lächelte mild, zuckte mit den Schultern. Was für einen Unterschied machte es? „Montgomery.“ Es war nur ein Name von vielen.
„Sie …“ Er hielt inne. „Stefanie“, murmelte er dann. „Du bist wirklich aus den USA?“
Ihr Lächeln wurde verlegen. Sie übertrieb es ein wenig. Egal. Es war einfacher eine Rolle zu spielen. „Merkt man es mir so sehr an?“
„Der Dialekt ist deutlich …“ Auch er wirkte verlegen. Wahrscheinlich war es bei ihm aufrichtig.
Jetzt wandte sich sein Kumpane zu ihm um. „Hey, Cal. Was redest du mit der Lady dort?“
Ein kurzes, peinliches Grinsen huschte über sein Gesicht. Er warf ihr einen entschuldigenden Blick zu, ehe er sich umwandte. „Nun, es ist ja nicht so, als würde dir meine Anwesenheit hier viel bedeuten, eh?“, erwiderte er mit deutlicher raurerer Stimme als vorher.
„Bist du etwa eifersüchtig?“, erwiderte Will.
„Ja, vielleicht bin ich das, du Doofkopp!„
Pakhet hob eine Augenbraue. Die beiden schienen wirklich vertraut miteinander.
„Man, bist du empfindlich“, murrte Will übertrieben.
„Ich bin nicht empfindlich, ich denke mir nur, ihr solltet euch ein Zimmer nehmen.“
Nun lachte Will. „Und was machen wir dann mit dir?“
„Ich habe eine Bude hier, falls du es vergessen hast“, erwiderte Caleb übertrieben genervt.
„Dann willst du uns also ins Hotel zurückschicken?“, meinte die Frau nun. Sie schien deutlich angetrunken.
„Vielleicht ist das besser, Kat.“
Will wandte sich seiner Verlobten zu, küsste sie langanhaltend. „Ich habe hier fast das Gefühl, er will uns loswerden.“
„Pfft. Ich glaube, wir sollten beleidigt sein, Will.“
Pakhet hob das Weinglas, nippte daran, während das Paar einige ähnliche Sätze austauschte. Dann wandte sich Will noch einmal seinem Kumpel zu. „Ne, ernsthaft. Vielleicht ist es besser, wenn ich Kat hoch bringe. Ist das okay?“
Caleb zuckte mit den Schultern. „Ich denke, ich finde schon wieder nach Hause zurück.“
Wieder tauschte das Paar Blicke, ehe Will den Barkeep herüberwinkte und ein Trinkgeld aufschreiben ließ – ein Punkt dafür, dass die beiden im Hotel eingebucht waren und alles auf eine Rechnung nahmen. Nur wenige Minuten später waren die beiden verschwunden, während Caleb noch immer neben ihr saß. Er seufzte.
„Die beiden sind oben im Hotel eingebucht?“, fragte Pakhet.
„Ja“, erwiderte Caleb kurz angebunden. Er verdrehte die Augen, als wolle er sagen: „Ich weiß nicht, was die da jetzt machen und vielleicht will ich es nicht wissen.“
Es war wahrscheinlich eine Chance so gut wie jede andere auch. „Weißt du“, erwiderte sie und berührte vorsichtig sein Handgelenk. „Ich habe auch oben eins der Zimmer gebucht.“ Selbst wenn sie es normal bevorzugt hätte, ein zweites Zimmer für so etwas zu nehmen.
Er wandte sich zu ihr um, als wolle er sicher gehen, richtig gehört zu haben. Er fragte nicht, schaute nur.
Sie lächelte. Offenbar war er wirklich nicht die Art von Mann, die so etwas je tat. Doch er hatte den Arm nicht weggezogen, tat es auch nicht, als sie ihre Hand seinen Unterarm hinaufgleiten ließ. „Du könntest dir den Weg heim sparen.“
Noch immer brachte er kein Wort heraus. „Oh“, meinte er dann schließlich. Sein Blick wanderte unsicher durch den Raum. Dann lächelte er. „Ja“, meinte er und räusperte sich. „Ich …“ Ein weiteres Räuspern. „Ich habe wahrscheinlich schon zu viel getrunken, um noch zu fahren.“

Caleb war angespannt, als sie im Aufzug standen. Er hatte die Schulter leicht gehoben, schien es selbst nicht zu bemerken, wich bewusst ihrem Blick aus und schaute auf die Etagenanzeige überhalb der Tür.
Er war wirklich unsicher, hatte so etwas wohl nie gemacht.
Pakhet lächelte mild. Sie würde ihn nicht zu irgendetwas zwingen. Soweit war sie nicht gesunken. Er hatte aber verstanden, was sie wollte. Das sagte seine Körpersprache deutlich.
Vielleicht war es ein Fehler von ihr. Es war einfacher mit Männern, die wussten, was sie taten, die wussten, was sie tun wollten. Doch auf der anderen Seite fand sie ihn süß. Mehr noch: Er erinnerte sie an jemanden. Eine ferne, beinahe schon nostalgische Erinnerung. Eine Erinnerung aus dem letzten Jahrtausend.
Vorsichtig berührte sie seine Hand mit der ihren. Sie griff nicht danach, hielt seine Hand nicht fest, suchte seinen Blick, hob vielsagend eine Augenbraue und lächelte.
Er erwiderte das Lächeln, jedoch nervös.
Der Aufzug plingte, die Tür öffnete sich auf dem viertobersten Stockwerk.
Nervös schaute Caleb hinaus. Er hob eine Augenbraue. „Das sieht teuer hier aus“, meinte er. Anders, als in den unteren Stockwerken war der Flur tatsächlich edler eingerichtet und wirkte wahrscheinlich auch gepflegter.
Sie hatte sich für die paar Tage halt etwas gönnen wollen.
Zur Antwort zuckte sie nur mit den Schultern. „Es war nicht billig“, gab sie zu, zückte ihre Karte aus der Tasche und führte ihn zum Zimmer, das sie gemietet hatte, am Rand des Flurs.
Sie öffnete, ließ ihn hinein. Wie bei dem Preis anzunehmen, war es ein größeres Zimmer. Da war ein großes, konfortables Bett, eine Sofa Ecke mit Blick auf einen großen Flachbildfernseher. Daneben die kleine Zimmerbar. Das Badezimmer war durch eine Glaswand vom eigentlichen Zimmer abgetrennt. So etwas hatte sie in letzter Zeit häufiger in besseren Hotels gesehen. 
Das Bad war vor allem mit einer großen Badewanne inklusiven den damit zu erwartenden Schnickschnack ausgestattet. Eigentlich schon zu viel für ihren Geschmack, auch wenn sie große Badewannen mochte, doch hatte sie das große Zimmer gewollt und wenn es mitkam, beklagte man sich auch nicht.
Zugegebenermaßen war es zu leicht. Sie hatte im letzten Jahr einige internationale Jobs gemacht, war auf internationalem Niveau bezahlt worden, doch das Preisniveau in Südafrika blieb weiterhin im Verhältnis zu den US oder Europa relativ billig. Das Zimmer kostete sie nicht ganz zweihundert Dollar die Nacht. Unbewusst dachte sie doch immer wieder in Dollar.
Sie stellte das Licht gedimmt an und ließ Caleb herein.
Er brauchte einige Sekunden, ehe er sich daran erinnerte, den Mund wieder zu schließen. „Okay, Stefanie, eins musst du mir jetzt verraten“, meinte er. „Was zur Hölle arbeitest du?“
Es war vorhersehbar, dass diese Frage kommen würde. Eine ehrliche Antwort war natürlich nicht möglich, jedoch eine Antwort, die erstaunlich nah an der Wahrheit war. „Ich arbeite in der privaten Personensicherheit“, meinte sie, schenkte ihm einen vielsagenden Blick. „International.“
„Huh.“ Mehr sagte er erst einmal nicht. Er sah sich um. „Huh“, wiederholte er dann.
Jetzt berührte sie ihn an der Schulter. „Zahlt ganz gut.“ Ihr Lächeln wurde breiter, gewinnender.
Während er noch staunte, schritt sie zu dem Sofa hinüber, schlüpfte aus ihren Sandalen und setzte sich entspannt darauf.
Es brauchte eine Weile, bis er sich fing. Dann aber sah er zu ihr, zum Sofa, zum Fenster. Er schluckte merkbar, schlüpfte aus seinem Jackett und trat als erstes an das weite Fenster.
Das Hotel war nicht so hoch, wie sie es schon in anderen Ländern gesehen hatte. Es war nicht vergleichbar mit New York und sicher nicht mit Dubai. Dennoch hatte man von hier aus einen guten Ausblick. Dabei war es recht untypisch für Hotels hier. Die meisten guten Hotels der Stadt waren weit angelegt, streckten sich in die Breite und Länge, nicht in die Höhe. Schade eigentlich. Sie mochte die Aussicht. Sie mochte es, so weit über der Stadt zu stehen.
Offenbar schien es Caleb nicht anders zu gehen. Er wandte sich schließlich zu ihr um, kam mit steifen Schritten zu ihr hinüber und sank auf das Sofa, jedoch mit sicher gut drei Hand Abstand zu ihr.
Niedlich.
Neugierig musterte sie ihn. „Und du?“, fragte sie. „Was machst du beruflich?“
Er seufzte lang und ausgiebig. „Polizist“, erwiderte er. „Interpol.“
Oh Gott, Interpol auch noch. Sozusagen ihr natürlicher Feind. Sie sollte sicher gehen, dass er die Waffe in ihrer Handtasche nicht sah, selbst wenn sie diese eigentlich führen durfte. Es warf schnell Fragen auf. Wahrscheinlich hatte sie mit ihrer Andeutung auf ihren Job bereits zu viel gesagt. „Sicherheit“ war gerne die offizielle Bezeichnung für Söldnerarbeit. Allerdings war Söldnerei nicht prinzipiell illegal. Nur ein Teil ihrer Jobs war das. Häufig genug war sie wirklich ein glorifizierter und nicht selten überbezahlter Bodyguard für Extremsituationen. Zur Hölle, sie hatte auch der Polizei schon geholfen, wenn es darum ging Gangs auszuheben.
Sie lächelte ihn wieder an. „Und. Du lebst hier?“
„In Pretoria, ja“, erwiderte er. Er seufzte, schloss die Augen, lehnte sich zurück. Noch immer umspielte ein unsicheres Lächeln seine Lippen.
„Hmm?“ Er wollte etwas sagen, doch wusste sie nicht was.
Das Lächeln verbreitete sich. Dann blinzelte er sie an. „Ich …“ Er musterte sie. „Ich verstehe dich richtig, oder?“
Sie konnte sich das Schmunzeln nicht verkneifen. „Wie verstehst du mich denn?“
Ein weiteres, deutliches Schlucken. „Du willst mich verführen.“
Jetzt lachte sie kurz, leise. Sie konnte nicht anders. „So kann man es sagen, ja.“ Ein weiteres Glucksen stieg ihre Kehle empor. Vorsichtig rückte sie näher, griff nach seiner Hand, strich über die Handfläche. „Wenngleich ich es anders ausdrücken würde.“
Nun hob sich seine Augenbraue fragend.
„Ich würde sagen: Ich mache dir ein Angebot“, erwiderte sie. „Was du mit dem Angebot machst, ist deine Sache.“ Sie leckte sich über die Oberfläche. „Du kannst auch einfach auf dem Sofa übernachten. Aber ich denke es wäre eine furchtbare Verschwendung einer ansonsten vielversprechenden Nacht.“
Noch immer war er angespannt, rückte aber nicht von ihr fort. Es war deutlich, dass er über das Angebot nachdachte, sich aber unsicher war.
Schließlich räusperte er sich. „Es ist dann so eine einmalige Sache?“
Sie nickte. „Definitiv.“ Sie gab dem Wort Nachdruck. Nichts würde ihr die Nacht mehr verderben, als wenn diese Tatsache in Frage stand.
Sein Adamsapfel bewegte sich deutlich, als er ein weiteres Mal schluckte. Er nahm seine Hand, legte sie auf ihre Wange und strich hinüber. Sein Blick huschte über ihr Gesicht, während sie das letzte Stück zu ihm überwand.
Für einen Moment hielt er erneut inne. Dann beugte er sich vor.  Seine Lippen berührten ihre Wange. Ein unschuldiger, kurzer Kuss. Wieder suchten seine Augen ihren Blick. „Ich habe so etwas noch nie gemacht“, gab er dann zu.
„Das habe ich mir gedacht“, erwiderte sie.
Der Ausdruck auf seinem Gesicht verriet, dass er sich fragte, ob er es als Beleidigung wahrnehmen sollte, brauchte sie erneut dazu zu schmunzeln.
Sie legte ihre Hand auf seine Wange. Vorsichtig und langsam, um ihm eine Möglichkeit zu geben, sie wegzustoßen, schob sie sich auf seinen Schoß, ehe sie ihn auf die Lippen küsste. Ihre Hand glitt auf seine Brust.
Sein Herz hämmerte dagegen.
Endlich reagierte er, erwiderte ihren Kuss. Erst zurückhaltend, dann gieriger. Seine Hände wanderten zu ihrer Hüfte, fassten sie, hielten sie fest, während Pakhet sich leicht bewegte.
Zumindest schien er so zu wissen, was er tat. Er ließ ihre Hüfte los. Seine Finger wanderten zu ihren Oberschenkeln, schoben das knappe dunkle Kleid von dort hoch, bis über ihre Hüfte, ehe er erneut innehielt.
„Was ist?“, hauchte sie.
Eine kurze Pause. Dann: „Nichts.“
Er machte weiter, schob das Kleid hoch, während sie die Arme bereitwillig hoch. So zog er das Kleid über ihren Kopf, zog es ihr ganz aus, ließ es dann zu Boden fallen.
Dann musterte er sie.
Er legte die Hände auf ihre Seiten, musterte ihren BH, ihre Unterwäsche.
Seine Verlegenheit war ihm deutlich anzumerken. Mit den Daumen strich er über die Spitze des schwarzen BHs. „Hübsch.“ Damit berührte er vorsichtig ihre kleine Brust, die in seinen großen Händen um zu kleiner, flacher wirkte. 
Auch wenn sie eigentlich froh um ihre kleinen Brüste war, die sie in Kämpfen nicht beeinträchtigten, so wünschte sie sich in Situationen wie diesen immer etwas mehr Oberweite, selbst wenn sie es sich nicht anmerken ließ.
Sie antwortete nicht. Während er über ihre Brüste rieb, ohne die Hände unter den Stoff wandern zu lassen, löste sie die oberen drei Knöpfe seines Oberteils. Zu ihrer Überraschung war seine Brust rasiert. Sie hatte es nicht bei ihm erwartet. Na ja, vielleicht hatte er auch einfach kein Brusthaar.
Sie strich über die glatte Haut, gegen die ihre Hände beinahe schon weiß aussahen. Noch immer hämmerte sein Herz gegen den Brustkorb.
Vorsichtig öffnete sie den nächsten Knopf, während er nun unter den BH griff. Seine Finger rieben über ihre Brustwarzen, umspielten sie leicht, sanft, ehe sie sich von ihm löste, um den BH zu öffnen.
Er verstand den Hinweis, öffnete sein Hemd nun ganz und erlaubte ihr, es von seinen Schultern zu streichen.
Wie sie schon vorher geahnt hatte, war er durchaus gut gebaut. Seine Brust, Schultern und Oberarme durchaus muskulös. Er trainierte. Einzig am Bauch hatte sich etwas Fett angesetzt, dass einen Sixpack soweit erfolgreich verhinderte. Nicht genug, als das es störte. Beinahe eher niedlich.
Wieder küsste sie ihn, strich sanft durch sein kurzes Haar, froh zu merken, dass er langsam in Stimmung kam. Ihre Lippen wanderten über seine Wange, verfolgten den Rand seines Kiefers. Dann küsste sie seine Kehl.
Caleb strich derweil ihren Rücken hinab. Dann wanderten seine Finger unter ihren Schlüpfer, griffen ihren Hintern. 
Ein Glucksen ließ seinen Adamsapfel unter ihren Lippen wackeln.
Als sie ihn fragend ansah, grinste er. „Machst du den weißen Jungs nicht Angst?“
Sie lächelte, deutete ein Schulterzucken an. „Manchmal.“ Dann stand sie für einen Moment auf, um ihre Unterhose ganz auszuziehen. 
Auch er richtete sich etwas auf, öffnete seine Hose, hob aber seine Hände, als sie es ihm bedeutete.
Vorsichtig, aber mit sicherem Griff strich sie über seinen Schritt, spürte seine Erregung. Sanft strich sie über den Hügel der Hose, ehe sie den Bund fertig öffnete. Halb lehnte sie auf dem Sofa, das linke Knie neben seinen abgestützt. Sie ließ ihm genug Platz, als dass er sich aufrichten konnte, so dass sie seine Hose hinabdrücken konnte.
Anders als sie, hatte er keine besondere Unterwäsche herausgesucht. Kein Wunder. Er hatte hiermit nicht gerechnet. Entsprechend war es keine Überraschung, dass er nur einfache, dunkelgraue Boxershorts trug.
Auch diese schob sie hinab und musterte für einen Moment sein bereits deutlich hartes Glied.
Sie wollte ihm wieder in die Augen sehen, doch jetzt wich er ihrem Blick peinlich berührt aus.
Sie lächelte, drückte ihn wieder auf das Sofa zurück, küsste ihn innig. Manche mochten es nicht bei einem solchen folgenlosen Zusammenstoß zu küssen, doch Caleb entwehrte sich dem nicht. Er keuchte nur leise, als sie begann sein Glied weiter zu reiben.
Er schloss die Augen, lehnte den Kopf zurück, keuchte noch einmal.
Süß. Er erinnerte sie wirklich an früher.
Nach einer Weile ließ sie von ihm ab, griff vorsichtig nach ihrer Handtasche, um ein Kondom herauszuholen und danach die Tasche gänzlich zu schließen. 
Er sah sie an. Ein wenig enttäuscht wirkte er schon. „Muss das sein?“
„Ja“, flüsterte sie mit einem bestimmten Lächeln auf den Lippen.
Sie befreite das Kondom aus der Verpackung, ehe sie es geübt über sein Glied rollte.
„Oh man“, seufzte er. Wieder strich er ihren Rücken hinab, packte ihren Hintern für einen Moment fest. Dann strich er mit der linken über ihren Oberschenkel, diesen hinauf und hinab und dann zwischen ihre Beine.
Unwillkürlich verspannte sie sich. Sie mochte es nicht, dort berührt zu werden. Sie mochte es nicht, dort gerieben zu werden, mochte das Kribbeln in ihrem Schritt nicht.
Bestimmt griff sie nach seiner Hand, zog sie von dort weg, legte sie wieder auf ihre Hüfte, küsste ihn noch einmal, ehe sie die Führung übernahm. Sie rieb sich einige Male an ihm, ehe sie sein Glied in ihre Vagina führte.
Er keuchte, legte den Kopf zurück. Gänsehaut überzog seine Brust.
Pakhet lächelte, küsste seine Kehle, bewegte dann ihre Hüfte. Sie schloss ihre Augen, seufzte, genoss das Gefühl. Nach all den Jahren wusste sie genau, wie sie sich bewegen musste, um sich selbst zum Höhepunkt zu bringen. Sein Glied war groß, noch immer unglaublich hart, machte es leichter.
Wieder keuchte er, packte ihre Hüfte nun, um ihren Rhythmus zu verstärken, stöhnte noch lauter.
Sie war dagegen leise, mochte es nicht laut zu sein. Nur ab und an erlaubte sie sich ein leises Seufzen, während sich der Druck in ihr mehr und mehr aufbaute. Nur etwas. Nur etwas.
Ihre Bewegungen wurden schneller. Sie bevorzugte es, den Rhythmus kontrollieren zu können. Es gab ihr Kontrolle. Kontrolle, die sie nicht aufgeben konnte. Sie bewegte ihre Hüfte weiter, während seine Finger sich mehr und mehr anspannten, sich beinahe schon verspannten.
Er würde nicht vor ihr kommen. Dass würde sie nicht zulassen.
Sie legte ihre Arme um seine Schultern, ohne ihren Rhythmus zu unterbrachen. Dann endlich löste sich ihre Anspannung. Für einen Moment schwappte die Euphorie, die leider zu schnell verebbte durch ihren Körper, verdrängte jeden anderen Gedanken. Sie seufzte schwer, tief, machte aber weiter, bis sie ihn zucken spürte, sein Keuchen zu einem Stöhnen wurde und er sich an sie klammerte.
Als sie endlich inne hielt, zitterte er leicht, der Atem schwer. Er hauchte einen Kuss gegen ihr Schlüsselbein, zog sie dann an sich.
Was sollte sie tun? Für einen Moment ließ sie es zu, auch wenn sie definitiv kein Kuschler war.
Seine Hände waren warm, anders als ihre linke Hand. Ob er es bemerkt hatte? Der Zauber im Armreif sollte es verhindert haben.
Schließlich ließ er sie los und musterte sie. Er rang um Worte. „Wow“, flüsterte er schließlich.
Wieder konnte sie sich nicht helfen, lächelte.
Sie stand auf, streckte sich, griff nach dem kleinen Taschentuchspender auf dem Tisch und reichte ihm eins der Tücher.
Während er das Kondom vorsichtig abzog und in das Tuch wickelte, um es wegzuschmeißen, ließ sie sich mit verschränkten Armen auf den Sessel fallen.
Caleb sah zu ihr. Sein Lächeln war entspannter als zuvor. Kein Wunder.
Sie dagegen fühlte sich unsicher. Sie wusste mit Bekanntschaften wie ihm selten, was sie machen sollte, wenn es nicht gerade Sex war.
Vielleicht ahnte er das, als er eine Augenbraue hob. „Hast du sonst noch etwas mit mir geplant?“
Pakhet deutete ein Schulterzucken an. Sie hatte ihm implizit angeboten, hier zu übernachten, weshalb sie kaum erwarten konnte, dass er ging. Also versuchte sie ihre Unsicherheit als Angebot zu verkaufen: „Nun, wir haben ein komfortables Zimmer. Rugby sollte im Fernsehen sein und …“ Sie zuckte noch einmal mit den Schultern. „Was willst du machen?“
Wahrscheinlich durchschaute er sie. „Das ist eine gute Frage.“ Eine gewisse Mehrdeutigkeit lag in seinen Worten.
Sie stand auf. „Denk kurz darüber nach.“ Damit wandte sie sich, um kurz die Toilette aufzusuchen, die in einem Raum, getrennt von dem Bad war.
Sein Blick folgte ihr, sie konnte es spüren, sah sich jedoch nicht noch einmal um.
Für einen Moment erlaubte sie es sich in dem kleinen Toilettenraum, einfach nur auf der Schüssel zu sitzen, seufzte. Es gab Dinge, in denen sie gut war, und Dinge, die sie überforderten. Jemanden zu verführen war eine Sache, danach mit ihnen zu reden eine andere. Die meisten Männer schliefen einfach ein. Vielleicht hatte sie ja Glück.

Als sie schließlich aufstand, abspülte und sich die Hände wusch, hatte sie ein paar Minuten einfach nur dort gesessen. Sie öffnete die Tür, löschte das Licht und zuckte zusammen, als Caleb direkt vor ihr stand – noch immer nackt.
Sie fing sich. „Und? Hast du dir etwas überlegt?“
Er lächelte. Für einen Moment sah es aus, als wolle er sie berühren, hielt jedoch inne. „Ich hatte tatsächlich eine Idee. Die Badewanne da sieht verdammt fancy aus.“
Das machte es leichter. Sie lächelte. „Klingt nach einer wunderbaren Idee.“ Damit ging sie an ihm vorbei und in das eigentliche Badezimmer, um die Wanne zu inspizieren.
Sie wollte nur sicher gehen, dass mit dieser alles in Ordnung war. Als sie nichts zu beanstanden fand, drehte sie den Abfluss zu und das Wasser an. Es war ein breiter Wasserzulauf hinter dem einiger Druck war. So sollte sich die Wanne in kürzester Zeit füllen.
Ein wenig fröstelte sie, auch wenn es Sommer und im Zimmer warm war. Sie konnte auch ihren Bademantel anziehen. Nacktheit gab ihr immer das Gefühl, jemand würde mit einer Waffe auf sie zielen.
Die Toilettenspülung im kleinen Nachbarraum ging, dann wurde das Wasser angestellt.
Pakhet ging zu dem kleinen Kühlschrank, öffnete ihn und fand, was sie suchte: Eine Flasche Sekt. Ja, warum auch nicht. Das klang nach einem Plan.
Sie nahm die zwei Gläser vom Tisch und ging mit diesen und der Flasche in der Hand ins Bad. Wie für solche komfortablen Zimmer üblich, gab es eine kleine Abstellablage neben dem Bad, um genau solche extravaganten Abende zu erlauben.
Sie seufzte. Die Wanne war bereits halb voll. Noch ein wenig, dann sollte es reichen, würden sie gemeinsam auch einiges an Wasser verdrängen.
Sie stellte Gläser und Flasche ab, ehe sie sich ins Wasser gleiten ließ. Es war angenehm warm und schaffte es nebenbei ihre Blöße zu bedecken.
Die Hitze des Wassers durchflutete ihre Glieder. Es war angenehm.
Nun kam auch Caleb um die Ecke des Badezimmers, sah zu ihr. Sein Blick blieb an der Flasche hängen. „Noch mehr Alkohol?“
„Wieso nicht?“, erwiderte sie mit einem Lächeln. „Damit sich das ganze lohnt.“
„Lohnen, eh?“ Er gluckste und kam zu ihr hinüber. Er bewegte sich jetzt erstaunlich ungezwungen, zeigte weniger Verlegenheit als noch zuvor. Ja, er machte nicht einmal Anstalten seine Blöße zu bedecken.
Nun schwang er die Beine über den Rand der Wanne und ließ sich ins warme Nass gleiten. „Wow, das hier ist echt was anderes“, meinte er genüsslich und schloss für einen Moment die Augen.
Pakhet lächelte. „Schön, dass es dir zusagt.“
„Ich weiß gar nicht, was ich dazu sagen soll.“ Er blinzelte sie aus einem Auge an, den Kopf noch immer zurückgelehnt.
Die Wanne war hoch genug, dass sie ihnen beiden bis knapp unter die Schulter ragte und sie waren beide groß gewachsen.
„Nichts“, erwiderte sie. 
„Das fühlt sich allerdings auch falsch an, Lady“, meinte er.
„Lady, eh?“ Es war nicht das erste Mal, dass sie hier so genannt wurde.
„Stefanie“, korrigierte er sich grinsend. „Ich bin mir nur noch immer nicht sicher, ob ich mit dem Sekt vorsichtig sein sollte. Das ganze hier“ – er gestikulierte – „ist ein wenig zu gut.“
„Findest du?“
Nun war er es, der ein Schulterzucken andeutete.
Pakhet stellte das Wasser ab, nahm dann die Flasche, um sie vorsichtig zu öffnen. Sie hielt sie mit der Prothese, versuchte sie mit der rechten zu öffnen, was jedoch einmal wieder schwer war. Selbst mit der künstlichen Haut fehlte ihr die Oberfläche, um ein Rutschen der Flasche zu vermeiden.
„Gib her“, meinte Caleb sanft.
Sie hasste es, sich helfen zu lassen. Dennoch gab sie ihm die Flasche. Sie würde ihn nicht wieder sehen.
Ihm fiel es leichter. Zwar musste auch er mehrfach nachgreifen um einen ordentlichen Griff zu bekommen, doch schaffte er es schließlich den Korken aus der Flasche zu lösen.
Sie nahm das erste Glas, hielt es ihm hin, ließ auffüllen, stellte es ab, nahm das zweite. Dieses behielt sie voll in der Hand.
Eigentlich bevorzugte sie Wein gegenüber Sekt, aber irgendwie gehörte Sekt zu diesem Szenario dazu, oder?
Sie roch daran. Es war wie zu erwarten nicht der beste Sekt. Dafür war das Hotel doch nicht vornehm genug. Dennoch roch er angenehm. 
Sie trank. Für einen Moment prickelte die Kohlensäure auf ihrer Zunge.
Derweil musterte Caleb sie noch immer, nahm schließlich jedoch das Glas, setzte ebenfalls an. Seine Augen wandte er dennoch nicht von ihr ab.
Sie würde nicht fragen. Nein. Sie fragte nicht. Sie trank einen weiteren Schluck, breitete dann die Arme aus und ließ sich mit einem Seufzen weiter ins Wasser sinken. Vielleicht sollte sie noch die Whirlpoolfunktion anstellen. Ja. Wahrscheinlich. Aber noch nicht jetzt. Für einen Moment gönnte sie sich die Entspannung. Warum hatte sie die Badewanne in der Nacht vorher noch nicht probiert?
„Machst du so etwas öfter?“, fragte er schließlich.
Jetzt war sie es, die ihn aus einem Auge heraus anblinzelte. „Was?“ Dabei verstand sie die Frage doch.
Er machte eine Geste. „Hier. Sowas. Wie mit mir?“
„One Night Stands?“
Er nickte.
Sie zuckte mit den Schultern, schloss die Augen wieder. „Ja“, hauchte sie dann. Manche Männer hörten es nicht gerne, redeten sich selbst lieber ein, dass sie etwas besonderes waren, selbst wenn die Wahrheit offensichtlich war.
Caleb antwortete nichts. Jedenfalls nicht sofort. Erst als einige Sekunden verstrichen waren, setzte er erneut an: „Noch nicht den Richtigen gefunden für etwas … für etwas Festes?“
„Kein Interesse daran“, erwiderte sie. Jetzt öffnete sie die Augen wieder. „Ich … Romantik ist einfach nicht meins.“ Zumindest hatte sie nie jemanden gefunden, für den sie romantische Gefühle verspürt hätte. Mit 32 Jahren zweifelte sie nun auch, ob es so jemanden je geben würde. Wahrscheinlich nicht. Wahrscheinlich war sie aromantisch oder wie man es nannte.
„Huh.“ Eine sehr knappe Antwort.
Sie zwang sich zu einem knappen Lächeln. „Ich hoffe du hast nichts dergleichen erwartet, oder?“
„Nein“, erwiderte er. „Du hast dich klar ausgedrückt. Es ist nur … Schade.“
Sie schnaubte in den Sekt hinein. „Was ist schade? Das eine Frau keinen Kerl will?“
„Nein, nur …“ Er räusperte sich, verlegen.
Pakhet hob eine Augenbraue in einer herausfordender Geste.
„Nichts.“
„Was?“, fragte sie.
„Bist du nicht irgendwie … einsam?“
Sie zuckte mit den Schultern. „Ich habe Freunde, Familie.“ Einen einzigen Freund. Keine Familie. Sie brauchte nicht mehr. Caleb musste es nicht wissen.
„Stimmt“, erwiderte er. „Entschuldige.“ Nun hob er wieder das Glas, als wolle er sich dahinter verstecken.
Sie drehte den Spieß um. Sollte er merken, was er falsch gemacht hatte. „Und du? Du hast auch keine Freundin, oder?“
Offenbar bemerkte er die Intention ihrer Frage genau. Er verdrehte die Augen, lächelte aber. Lächelte auf diese Art, die sie ein wenig an Boka erinnerte. „Nein. Keine Zeit. Arbeit. Wusstest du das Polizistenbeziehungen selten halten?“
„Nein?“
„Jedenfalls eine rein subjektive Beobachtung.“ Sein Mund verformte sich zu einem Grinsen. Er lachte leise.
„Aha.“ Jetzt war sie es, die die Augen verdrehte. Sie hob das Glas, musterte die helle Flüssigkeit und spülte sie dann in einem Schluck hinab. Wenn sie ehrlich war, würde sie ihn lieber wieder ficken. Das war einfacher, als zu reden. Reden hieß lügen. Es sollte leicht sein, doch solange sie sich ihrer Rolle nicht sicher war, war es das nicht.
Wieso hatte sie ihm noch einmal angeboten, hier zu übernachten? Vielleicht hatte er ja Recht und sie war doch einsam. Nicht, dass das hier viel dagegen half.
Verdammt.
Sie streckte die Beine etwas aus, so dass diese an Calebs Oberschenkeln entlangstrichen, ehe sie das Glas in die Prothese legte, vorsichtig, dass sie es nicht zu locker, nicht zu fest griff und nach der Bedienung der Badewanne griff. Ein einfaches Panel an der Wand. Sie drehte die kleinen Lampen an, dann die Wasserdüsen.
Wieder lachte Caleb. Es war ein genussvolles, tiefes Lachen. Er ließ sich tiefer ins Wasser sinken. „Wow. Was würde ich für so ein Ding daheim geben.“
„Sparen“, erwiderte sie.
Noch immer gluckste er. „Ich lebe aktuell in einer Bude, die mir vom Job aus gestellt wird, man. Da flieg ich raus, wenn ich versuche sowas einzubauen.“
„Du könntest umziehen“, erwiderte sie. Zwar wusste sie von den Polizeikasernen in Pretoria, wusste aber auch, dass zumindest die, die es sich leisten konnten, oft eine andere Wohnung hatten. Gerade Interpol-Personal kam nicht selten aus anderen Städten.
„Ja, nein.“ Er brummte übertrieben grimmig. „Ich glaube, dass ist in der Budgetplanung erst einmal nicht enthalten.“ Ein Seufzen. „Aber nett wäre es schon.“ Seine Augen fielen wieder zu. Sein nächstes Seufzen war entspannt, glücklich. „Das ist himmlisch.“
„Schön, dass du es so genießt.“ Sie stellte das Glas ab, um sich einzuschenken. Sekt im Whirlpool. Eine neue Stufe der Dekadenz. Warum hatte ihr Haus bei allem Luxus eigentlich keinen Whirlpool? Denn angenehm war es. Noch angenehmer wäre es wahrscheinlich, nach einem langen Auftrag sich in so einem Whirlpool in Ruhe zu entspannen. Ja, das wäre wirklich himmlisch.
Sie legte den Kopf gegen den Rand der Wanne, sah zur Decke des Badezimmers hinauf. In einer Ecke war die Farbe etwas heller. Wahrscheinlich hatte es geschimmelt und man hatte es übermalt. Selbst in guten Hotels war das ein übliches Vorgehen.
Sie sollte sich daran nicht stören. Von den drei Nächten hier würde es ihr nicht schaden. Warum eigentlich nur drei Nächte?
Nun, über den Jahreswechsel wollte sie arbeiten. Robert wäre mit seinen Freunden unterwegs. Freunde, die sie vor vielen Jahren zum Teil zumindest als Joanne kennengelernt hatten. Freunde, die sie daher nicht sehen durften. Als ob sie sie noch erkennen würden.
Über den Jahreswechsel gab es immer Jobs. Es gab Neujahrsfeiern in Firmen. Es gab Feuerwerke. Feuerwerke, die eine wunderbare Deckung für Attentate waren. Außerdem zahlte es extra und brachte öfter Mal Reisen mit sich. Mit einem weiteren Bonus: Es waren oft gute Jobs für sie allein.
„Stef?“, fragte Caleb nach einer Weile.
Sie brummte etwas unverständliches, beinahe schon im Halbschlaf versunken.
Er stupste mit dem Fuß gegen ihre Hüfte. „Noch wach?“
„Total“, murmelte sie. „Ganz wach. Ganz.“ Sie blinzelte, gähnte. Wenn sonst nichts, war das hier entspannend.
Er lächelte sie an. Ein warmes, gewinnendes Lächeln.
Er war Polizist und irgendwie fühlte sie sich schlecht. Sie sah zu ihrem Glas, trank noch einen Schluck, schloss wieder die Augen.
„Danke hierfür“, meinte er.
Nun musterte sie ihn durch halb geschlossene Lider. „Ach, vielleicht musst du dafür gleich noch mal arbeiten.“
„Arbeiten, eh?“ Er lachte dreckig.
„Ja. Arbeiten.“
Sein Lachen wurde lauter, ließ das Wasser vibrieren, klang nach ein paar Sekunden wieder ab. „Ich werde mein bestes tun, ma Lady“, meinte er dann übertrieben galant. 
„Das hoffe ich auch.“ Sie kam dennoch nicht umher leise zu lachen.
Jetzt leerte sie auch dieses Glas. Dankbarerweise vertrug sie Alkohol.
Sie richtete sich auf. „Wollen wir dann?“
Er seufzte übertrieben. „Wenn es denn sein muss. Und ich nachher noch einmal hierein darf.“
„Muss ich mir überlegen“, erwiderte sie vielsagend. Dann seufzte sie aber. „Tu dir keinen Zwang an.“
„Du bist ein Engel.“
„Uhum.“ Sie stieg aus der Wanne, griff nach dem zu flauschigen Hotelhandtuch und warf es sich über die Schultern. Ihr borstiges, rotes Haar war größtenteils trocken geblieben. Der Vorteil kurzer Haare.
Sie trocknete sich ab, darauf bedacht wieder ihren Körper zu betonen. Es war leichter. Sexuelles war leichte als Reden, als eine Verbindung einzugehen – und sei sie auch noch so oberflächlich, noch so kurzweilig. Es war leichter.
Nur knapp trocknete sie sich zwischen den Beinen ab.
Ein Plätschern, dann kam auch er aus der Wanne, ging zu ihr. Er griff nach den Enden des Handtuchs. „Das könntest du auch mir überlassen.“
„Vielleicht“, erwiderte sie. Dennoch erlaubte er es, dass er den Stoff sanft weiter über ihren Körper führte, sie dann näher an sich zog. Zu nahe.
Er hauchte einen Kuss auf ihr Schlüselbein, ihre Brust, ihren Bauch, ließ seine Finger über ihre Arme wandern. Für einen Moment hielt er inne. Hatte er es bemerkt? Doch er sagte nichts, machte weiter. „Darf ich dich tragen?“, fragte er.
Das war albern. Es war wirklich albern. Es war doch nur Puppentheater.
Sie schloss die Augen. „Ja.“ Vielleicht tat sie es ja auch, um eine Nacht etwas zu sein, was sie sonst nicht war. Weich. Verletzlich. Dinge, die sie sich nicht leisten konnte zu sein. Dinge, die sie normal umbringen würden, auch jetzt umbringen konnten.
Seine eine Hand stützte ihre Schultern, die andere ihre Beine.
Albern. Wirklich albern. Als wäre sie eine Prinzessin. Sie war am Ende eher der Bösewicht, wenn klassische Geschichten überhaupt einen Platz für sie gehabt hätten. Sie war ein Bösewicht.
„Ganz schön schwer für jemanden, der so dünn ist“, murmelte er.
„Muskeln.“ Das war nicht einmal gelogen. Sie hatte viel Muskelmasse. 
„Ja. Du bist muskulös“, gab er zu. „Wie gesagt. Schüchterst du die weißen Jungs nicht ein?“
„Manchmal schon.“
Er brachte sie zum Bett, legte sie drauf ab. Dann war er auf ihr.
Ihr erster Instinkt sagte ihr, sich unter ihm wegzudrehen, dafür zu sorgen, dass sie oben war. Eine Erinnerung, eine stumpfe Panik drohte, an die Oberfläche ihres Bewusstseins zu kommen. Dann aber hatte sie sich wieder beruhigt. Es war okay. Er war okay. Er war einer dieser eigentlich zu netten Männer, bei denen es ihr doch immer leid tat, sie letzten Endes zu benutzen. Ein wenig konnte sie ihn gewähren lassen.
Und ihre Handtasche mit den Kondomen lag noch immer am Sofa. Würde er das Gewicht der Waffe darin als das erkennen, was es war?
Sicherheit. Sie war Security. Sie durfte eine Waffe haben, verdammt.
Seine Finger strichen ihre Seiten hinab, über ihren Bauch wieder hinauf. Er strich über ihre Brüste, griff diese so fest, wie es die straffe Haut auf dem wenigen Gewebe darunter erlaubte. Er zögerte, beugte sich hinab und küsste Pakhets Lippen. Ein beinahe unschuldiger Kuss.
Seine Hände wanderten wieder über ihren Bauch, über ihre Hüfte, ihre Oberschenkel. Seine Lippen berührten ihren Hals, wieder ihr Schlüsselbein, ihre Brüste. Kurz nahm er ihre Brustwarzen zwischen die Lippen, strich mit der Zunge darüber.
Er schien wirklich bemüht dafür zu sorgen, dass es ihr gefiel.
Lieb. Niedlich.
Reue.
Sie seufzte. Schloss die Augen. 
Jetzt wanderten seine Lippen weiter. Ihr Bauch. Ihr Bauchnabel. Ihre Leiste.
Nein. Bitte nicht.
Ihre Schenkel. Ihr Schritt.
Es war gut gemeint, das wusste sie, und dennoch richtete sie sich auf. „Bitte nicht da“, flüsterte sie. „Nicht so.“
Er sah sie an, deutlich überrascht. Kurz schien ihm die Frage auf der Zunge zu liegen, doch er beherrschte sich. „Okay. Entschuldige.“
Sie nickte nur. Sanft aber bestimmt drückte sie gegen seine Schultern, um ihn zum Aufstehen zu bewegen, rutschte dann vom Bett, um ihre Tasche und die Kondome daraus zu holen. Damit kehrte sie zu ihm zurück.
Sie lächelte, strich über seine Seite, seine Hüfte. „Es ist okay“, meinte sie schließlich. „Ich … Ich bevorzuge es nur oben zu sein, ja?“
Wieder schob sich eine Augenbraue in die Höhe, doch er sagte nichts, leckte sich nur über die Lippen. Bereitwillig drehte er sich auf den Rücken, strich über sein eigenes, soweit nur halb wieder erhärtetes Glied. „Dann schau, ob du diesen Kumpanen wieder zum Laufen bekommst“, meinte er herausfordernd.
Sie rückte weiter aufs Bett, krabbelte zu ihm und bestieg ihn dann. Mit dem Kopf beugte sie sich noch einmal zu ihm hinab. „Ich denke, ich kriege das schon hin“, erwiderte sie dann leise, küsste ihn, führte seine Hände zu ihrer Hüfte und begann sich an ihm zu reiben.
So war es besser. So hatte sie Situation unter Kontrolle. Das machte es leichter.

Blasses Sonnenlicht fiel durch die offenen Gardienen in das Hotelzimmer, ließ Pakhet blinzeln. Sie brauchte nicht lang, um sich zu erinnern, wo sie war. Joburg. Das Hotel. Da war jemand anderes im Bett. Ja, der Mann von gestern. Caleb. Genau, sie hatte ihn eingeladen. Er war nett gewesen.
Sie richtete sich auf, drehte sich zu ihm um. Er hatte sie respektiert, war deutlich auf der anderen Seite des Bettes geblieben, berührte sie nicht und döste offenbar noch glückselig. Er war nicht gegangen, war nicht abgehauen, wie es manche machten – wie sie es machte, wenn sie in ein fremdes Zimmer kam.
Egal. 
Hoffentlich würde die Trennung jetzt nicht zu dramatisch.
Sie hatte ein dunkles Nachthemd übergezogen. Ein besseres Hemd, der Stoff seidig, wenngleich keine echte Seide. Schließlich mochte sie es nicht, nackt zu schlafen. Auch nicht nach dem Sex.
Vorsichtig schob sie ihre Beine aus dem Bett, richtete sich auf, streckte sich.
Ihre Kleidung lag noch immer am Sofa. Nur seine Unterhose hatte er wieder angezogen, nachdem sie ein weiteres Mal in der Badewanne gewesen waren.
Sie nahm ihr Handy, schaute hinauf. Es war kurz nach neun. Recht spät für ihre Verhältnisse. Sie war Frühaufsteher. Egal. Es waren Feiertage. Sie musste nirgendwo sein. Die kommenden Nächte sollten ebenfalls länger werden, entsprechend war es nicht falsch.
So stand sie auf, ging zum Fenster, sah auf die Stadt hinauf. Die Sonnenstrahlen ließen die Stadt glitzern. Hatte es über Nacht geregnet? Wahrscheinlich nicht. Es regnete selten in dieser Gegend. Dennoch war die Atmosphäre so. So, wie sie oft nach dem Regen war.
Kurz atmete Pakhet durch, dann wandte sie sich, um zur Toilette zu gehen. Sie hatte ihre Morgenroutine und solange Caleb noch schlief, störte es sie nicht.
Mit einer Hand griff sie vorsichtig unter den linken Oberarm, wo ein kleiner Schalter versteckt war. Hätte sie die Prothese über Nacht angelassen, hätte sie die Batterie entleert. Also hatte sie sie ausgeschaltet, als Caleb weggedöst war. Hoffentlich hatte er nichts bemerkt.
Es war nicht so, als würde sie sich dafür schämen, doch war es eine Schwäche und sie hasste ihre Schwächen.
Ach, wäre es nur möglich den Arm zurückwachsen zu lassen. Doch das war Magie die weit die Fähigkeit eines menschlichen Magiers überstieg. Soetwas brauchte höhere Geister, Fae, Wesen, die enorme Preise für ihre Dienste verlangten – und diese Preise wurden nicht mit Geld bezahlt.
Es waren Schulden. Dienste. Sklavenarbeit.
Egal.
Sie ging auf die Toilette, spülte ab, wusch sich die Hände, dann das Gesicht, bewegte vorsichtig die linke Hand. Die Reaktion kam ihr verzögert vor. Bald sollte sie die Prothese aufladen. Nun, so lange würde Caleb nicht bleiben, oder?
Sollte sie ihn aufwecken?
Sie ließ es erst einmal. Kehrte ins eigentliche Hotelzimmer zurück, trat zu ihrem Koffer. Sie hatte selten den Schrank eines Hotelzimmers benutzt. Rasch öffnete sie das Zahlenschloss, zog Kleidung für den Tag heraus. Eine Bluse mit Ausschnitt, eine enge Jeans. Ja, das wäre nicht schlecht. Mit dem richtigen BH könnte sie ihre Figur ein wenig besser wirken lassen.
Sie sah zu Caleb, der noch immer zu schlafen schien, zog dann ihr Nachthemd aus, um sich die neue Kleidung überzuziehen.
Gerade knöpfte sie die Bluse zu, was dank der nur schwergängigen linken Hand nicht einfach war, als Caleb blinzelte. Er drehte sich gänzlich auf den Rücken, hob noch im Halbschlaf seine Hand, um die Augen von der Sonne zu schützen. Dann blinzelte er sie an. Ein mattes Lächeln erschien auf seinem Gesicht. „Hey“, meinte er sanft.
„Guten Morgen“, erwiderte sie.
Für einen Moment musterte er sie. „Wolltest du gehen?“
Sie schüttelte den Kopf. „Nein. Ich habe mich nur schon einmal angezogen.“ Kurz hielt sie inne. „Frühstück gibt es nur bis zehn.“
„Oh, ja.“ Nun setzte er sich auf, streckte sich. „Klar. Wie spät ist es?“
„Halb.“
„Oh. Entschuldige.“
Sie deutete ein Schulterzucken an, schlüpfte in ihre Sandalen. Kurz überlegte sie eine Perücke aufzuziehen, ließ es aber. Es würde nur zu unnötigen Fragen führen.
Er dachte nach, legte die Stirn in Falten. „Stef?“, meinte er.
Sie erwiderte seinen Blick, hob eine Augenbraue. „Ja?“
„Darf ich dich auf ein Frühstück einladen?“ Er räusperte sich verlegen. „Ich kenne hier in der Nähe ein nettes Bistro.“
Sie seufzte. „Laufdistanz?“
„Na ja, zu Fuß sind es zwanzig Minuten.“
Was sollte sie sagen? Eigentlich hasste sie es mit ihren nächtlichen Eroberungen zu Frühstücken. Es bedeutete mehr reden und sie traf sich mit ihnen nicht zum Reden. Doch vielleicht … Sie zuckte noch einmal mit den Schultern. „Danach gehen wir getrennte Wege?“
„Wenn du willst“, erwiderte er.
Was sollte das heißen? „Ja, das ist es, was ich will.“ Sie seufzte, setzte sich wieder hin. Zum Laufen würde sie diese Sandalen garantiert nicht tragen.
Sie fischte ein Paar dunkler Laufschuhe aus dem Koffer, zusammen mit dünnen Socken, zog sich beides an. Dann musterte sie ihn. „Willst du in Unterhose gehen?“
Er lachte verlegen. „Natürlich nicht.“ Damit stand er auf, ging zu ihr hinüber, sammelte seine Kleidung auf. Sein Blick verharrte auf ihrem Ausschnitt. 
Sie verdrehte die Augen, schaute ihn an. „Was?“
Jetzt zuckte er mit den Schultern, schlüpfte in sein Hemd, knöpfte es zu, zog sich dann seine Anzughose an. Sein Blick wanderte über den Boden, dann über das Sofa, bis er das Jackett auf dem Sessel entdeckte. 
So zog er sich fertig an, ehe auch er kurz in der Toilette verschwand.
Während er dort war, überprüfte sie ihre Handtasche. Handy. Waffe. Portemonnaie. Gut. Noch alles da. Misstrauen war immer besser.
Dann schulterte sie die Tasche, nahm die Zimmerkarte und steckte sie in die hintere Hosentasche der Jeans.
Als Caleb aus dem WC kam, sah er sie an. Er wirkte wieder etwas angespannt, nervös. „Wollen wir dann?“
Sie nickte. Warum auch nicht? Bistro klang gar nicht so schlecht. Obwohl sie sich fragte, ob es nicht schwer wäre, am 25. Dezember irgendwo etwas zu finden. Weihnachtsbrunch war nicht so ungewöhnlich, oder?
Er wartete an der Tür auf sie, hielt sie für sie auf, brachte sie damit dazu die Augen zu verdrehen.
„Keine Sorge, ich glaube nicht, dass du dazu nicht fähig wärst“, murmelte er, trat zur Seite, um sie die Tür schließen zu lassen.
Sie gingen zum Aufzug, warteten. „Und?“, fragte sie. „Was machst du heute?“
Er zuckte mit den Schultern. „Ich habe heute Abend Dienst.“
„Keine Weihnacht für Polizisten, eh?“
„Nein“, erwiderte er. „Morgen fahre ich zu meinen Eltern.“
„Ah.“
„Ja.“
Der Aufzug öffnete sich mit dem wohlvertrauten doppelten Pling, das sagte, das es abwärts ging.
So stiegen sie in die Kabine, fuhren schweigend hinab. Ach, wahrscheinlich wäre es besser, wenn sich jetzt ihre Wege trennten. Es wäre einfacher. Warum zögerten sie es hinaus?
„Wo ist das Bistro?“, fragte sie.
Er nannte die Straße. „Es sollte wirklich nicht weit sein.“
„Ja.“ Sie nickte. „Was ist mit deinem Wagen?“
„Ich nehme ihn nach dem Frühstück mit.“
„Ah. Okay.“ Dann würden sie gemeinsam zurückgehen? Vielleicht konnte sie etwas vorschürzen, warten, ein Taxi nehmen oder so. Wenigstens lag ihre Tasche gewohnt schwer in ihrer Hand. Ihre Waffe, sie hatte immer ihre Waffe.
Sie gingen über den Parkplatz. Ein wenig ungewohnt waren Fußwege schon, selbst wenn es hier bei weitem nicht so ungewohnt, wie früher in den USA war. Amerikaner liefen so selten. Bei der grausamen Organisation von Suburbia kein Wunder.
Endlich erreichten sie die Straße, gingen in die Richtung, die Caleb vorgab. Noch immer schweigend.
Jetzt aber räusperte er sich. „Darf ich eine Sache fragen?“
Sie schenkte ihm einen Seitenblick. Wenn jemand so anfing, war die beste Antwort eher „Nein“. „Wahrscheinlich nicht.“
Er schürzte die Lippen. „Du musst nicht antworten.“
Sie erwiderte nichts.
Nervös räusperte er sich. „Dein Arm“, meinte er, „was ist damit?“
„Mein Arm?“ Sie stellte sich dumm.
„Dein linker Arm.“ Er seufzte.  „Eine Prothese, oder?“ Als sie nicht antwortete leckte er sich erneut über die Lippen. „Ich habe so eine Prothese nur noch nie gesehen.“
„Woher nimmst du überhaupt, dass es eine Prothese ist?“ Der Zauber sollte ihn eigentlich täuschen. Hatte er vielleicht nachgelassen, als sie geschlafen hatte? Hatte er dabei etwas bemerkt? Hatte er gesehen, wie sie die Prothese ausgestellt hatte?
Caleb zuckte mit den Schultern. „Es war nur kalt und … Weniger fest. Es hat sich anders angefühlt. Und du hast eine Narbe auf der Schulter, die plötzlich anfängt. Ich nehme an …“ Er schüttelte rasch den Kopf, verstummte. „Es tut mir leid. Ich … Das hätte ich nicht erwähnen sollen.“
Sie erwiderte nichts. Ach, wie sie es hasste. Warum hatte er es sehen können? Wie hatte er den Zauber durchschaut?
Ach, es war egal. Es war egal. Sie musste ihn nicht wieder sehen. Sie würde ihn nicht wiedersehen. Niemals. Das Land war groß. Sie würde ihn nicht wieder treffen. „Ja. Es ist eine Prothese“, brummte sie. „Aber warum ich sie habe geht dich nichts an.“
Jetzt schwieg er.
„Hat es dich nicht gestört?“, fragte sie.
„Nein.“ Seine Antwort war nicht wortreich.
Sie wartete, lief weiter neben ihm.
„Wie gesagt, ich mache so etwas normal nicht und ich …“ Ein dieses mal sehr ausschweifendes Schulterzucken. „Ach, warum sollte es wichtig sein?“
Was auch immer sie darauf sagen sollte …
Sie lief stumm neben ihm her. Es war egal. Vielleicht sollte sie doch schon gehen, sollte sich von ihm trennen. Sie konnte auch woanders ein Frühstück finden. Dennoch war es schade. Er war nett. Netter als viele, mit denen sie normal schlief. Umgänglich. Die Art Person, mit der sie klarkam. Die Art von Person, mit der sie in einem anderen Leben vielleicht befreundet gewesen wäre, hätte ihr Lebensstil dafür den Platz. Sie seufzte.
Wie lange liefen sie so? Irgendwann stupste er sie an, nickte zu einer Ampel. „Da müssen wir rüber.“
„Okay.“ Sie nickte, blieb stehen, drückte auf den Fußgängerschalter. Dann wartete sie.
„Entschuldige“, meinte er. „Dass ich dich danach gefragt habe, meine ich.“
„Es ist schon gut“, murmelte sie. Es war eine Lüge, doch was sollte sie sonst sagen? 
„Wieso habe ich das Gefühl, dass das nicht stimmt?“ Sein Lächeln war sanft. Er berührte sie nicht, ahnte wahrscheinlich, dass sie es jetzt nicht akzeptieren würde. 
„Was soll ich sonst sagen?“
„Ich weiß es nicht.“
Wenigstens er war ehrlich.
Pakhet sah auf die Ampel auf der gegenüberliegenden Straßenseite, die endlich auf grün sprang. Sie leckte sich über die Lippen. „Weißt du, du bist ein netter Typ.“ Hoffentlich würde sie diese Worte nicht bereuen. „Aber … Das hier war nicht mehr, als ein wenig Unterhaltung für eine Nacht. Und du … Die Dinge gehen dich nichts an, ja?“
„Ich verstehe.“ Er holte tief Luft, lief neben ihr her, als sie die Straße überquerte. „Entschuldige. Wirklich.“
Sie nickte.
Wieder schwiegen sie, bis er wieder sprach. „Danke“, meinte er dann.
„Wofür?“
„Letzte Nacht. Es war … schön.“ Er lächelte matt. „Ich hoffe auch für dich.“ Jetzt wirkte er wieder verlegen.
„Ja“, antwortete sie. „Wie gesagt. Du bist nett. Das ist mehr, als ich über viele andere sagen kann.“
„Danke.“ Er klang unsicher.
Erneutes Schweigen, bis seine Schritte sich verlangsamten. Er zeigte auf einen Laden, eine gläserne Front, auf der das Logo des Bistros aufgedruckt war. Langsam und tief holte er Luft. „Da sind wir.“
Sie nickte. Vorsichtig berührte sie seinen Arm. Jetzt suchte sie seinen Blick, lächelte matt. „Dann lass uns mal.“ 

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Autor

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Kapitel:4
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Kurzbeschreibung

Weihnachten 2010. Ohne aktuellen Job gönnt sich Pakhet eine Auszeit in Johannisburg, mit dem Plan sich für ein paar Nächte zu amüsieren. Ein Plan der durchaus aufgeht, selbst wenn es ironischerweise ein Polizist ist, den sie mit auf ihr Zimmer nimmt …

Kategorisierung

Diese Story wird neben Drama auch im Genre Erotik gelistet.