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schein

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05.07.26 11:34
12 Ab 12 Jahren
Fertiggestellt

sebastian fühlte sich ganz und gar nicht wohl. undefinierbare bauchbeschwerden. kurz gesagt: ein schlechtes bauchgefühl - so könnte man es nennen. werde ich krank?, überlegte er. oder habe ich etwas schlechtes gegessen. weder das eine, noch das andere schien ihm zuzutreffen.

dennoch war er zu dem treffen seiner ehemaligen klassenkolleginnen gegangen. das 20jährige abschlusstreffen: unglaublich, irgendwie! nette gespräche, lustige erinnerungen,

vor der toilette hing eine box mit gratis werbekarten, zur freien entnahme. sebastian sprang eine, dunkelblaue ins auge: „scheinbar eine gute runde“ war darauf zu lesen. interessant fand sebastian diese wörter. er wusste nicht, warum, aber die karte zog ihn an und er steckte eine davon ein.

diese wörter oder dieser titel passten jedenfalls nicht in die runde, in der er sich gerade befand. die war nämlich wirklich gut. und hätte er nicht dieses blöde bauchgefühl gehabt, ware er wohl bis 3 uhr morgens geblieben.

So verabschiedeet er sich aber kurz nach mitternacht.

„du bist grün im gesicht!“. empfing ihn zuhause marie. sie war noch wach – wie zumeist um diese zeit. hatte vermutlich bis spät gearbeitet und schaute nun ihre lieblingsserie an. „Was ' los?“, fragte sie ihn. „keine ahnung. blöder bauch. war vielleicht das essen heute mittag. ich leg mich gleich nieder!“, antwortete er.

im bad stellte er fest, dass sein gesicht keineswegs grün war. blass, einfach.

hoffentlich geht’s mir morgen besser, dachte er. krankenstand war grad überhaupt nicht drin!

Am morgen spürt sebastian immer noch ein leichtes unwohlsein im bauch. Er trank darum kamillentee statt kaffee. Und begab sich ins büro.

„holger bittet alle mitarbeiterInnen um 9h in den meetingraum!“, teilte ihm die sekretärin seines chefs mit, als er im büro ankam.

'Jetzt wird’s endlich was, unsere anfragen an holger haben früchte getragen!', dachte sebastian, als er dann gemeinsam mit seinen kollegInnen im meetingraum platz nahm. die anderen waren auch positiv gestimmt. Allen war klar: es würde sich etwas ändern. und ihre dringenden anliegen bezüglich arbeitszeiten, arbeitspensum und urlaubsregelung würden nun endlich umgesetzt werden.

alle waren nämlich der meinung, sich wirklich glücklich schätzen zu können, in dieser so kollegialen, freundschaftlichen atmosphäre ihres arbeitsplatzes. wo alle per du waren, wo echte freundschaften entstand und gemeinschaft gelebt wurde. so jedenfalls bei diversen geburtstagsfeiern und anderen festlichen gelegenheiten. marie allerdings hatte immer skeptisch reagiert, wenn sebastian ihr von seinem super arbeitsklima und dem so coolen chef vorgeschwärmt hatte. "holger ist nicht sympathisch!", hatte sie gemeint. "was stört dich denn an ihm? und überhaupt, du kennst ihn ja praktisch nicht." - "zu cool. ich glaube, er ist rücksichtslos und unehrlich. ist jedenfalls mein gefühl.", hatte sie entgegnet. daruafhin hatte sebastian vehement protestiert und sie hatten das gespräch beendet.

all dies fiel sebastian nun ein, denn was nun folgte, konnte er nicht fassen: freundlich erklärte der chef holger seinen mitarbeiterinnen, sie müssten sich im bereich ki weiterbilden, das sei nun unumgänglich geworden, sei aber zu ihrer aller wohl – die kosten für die weiterbildung habe jeder und jede teilweise selbst zu tragen. dafür sei der kurs auch exquisit, inklusive mineralwasser und kaffee in den pausen. und es gäbe natürlich eine lohnkürzung, für die zeit des kurses, das erkläre sich aber von selbst....

Holger lobte daraufhin drei seiner mitarbeiterinnen, die ihm in den letzten wochen zur seite gestanden waren, dieses neue konzept auszuarbeiten und bat um applaus für sie.

Er lobte dann das gesamte team.

und fügte schließlich hinzu: „verzeiht mir, ihr lieben, aber ich habe jetzt gleich noch ein sehr wichtiges meeting, kann eure fragen, die nun vielleicht da sind, nicht beantworten. aber eines gebe ich euch noch mit: kein problem, wenn der eine oder die andere mit dieser neuerung nicht einverstanden ist: er oder sie kann jederzeit problemlos kündigen!“

sebastians herz klopfte bis zum hals.

er musste die toilette aufsuchen.

seine bauchschmerzen waren plötzlich weg.

 

In der hosentasche fand er die karte: „scheinbar eine gute runde."...

 

Jetzt weiß er, warum er sie am vortag mitgenommen hat!

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