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38 Grad verriet mir die digitale Anzeige vor dem Kassenschalter in unserem in die Jahre gekommenen Freibad, das ich nach jahrelanger Absenz wieder mal aufsuchte. Das neue Anzeigenboard mit der rot blinkenden Ziffer wirkte wie ein Fremdkörper auf dem alten, schmiedeeisernen Eingangstor und verstärkte die ohnehin schier unerträgliche Hitze.
Gleich nach dem Eingang, beim Buffet, bestätigte das antike Underberg-Thermometer die Affenhitze analog. Diese ehrwürdige Emailtafel hängt schon seit meiner Kindheit knapp über der Eistruhe und schon damals konnte ich nicht vorbeigehen, ohne einen Blick darauf zu werfen. Als Schüler war ich hier an nahezu jedem Ferientag. Auf Zehenspitzen tänzelnd suchte ich in der untersten Region der Truhe nach einem Twinni. Und wenn dies zu lange dauerte, mahnte Frau Czerny unüberhörbar charmant aus dem damals mit Holz verkleideten Buffethäuschen:
"Mach den Deck'l zua, sonst wird des Eis hin. Rotzbua!" Mit dem unschuldigen Grinsen eines braven Musterschülers händigte ich ihr zwei Schillinge aus und erwiderte artig: "Die fünfzig Groschen bring' ich dann später." Damals konnte man beim Buffet noch anschreiben lassen, weil jeder jeden kannte und das Vertrauen wurde fast niemals enttäuscht. Mit solchen Kindheitserinnerungen in Kopf schlenderte ich weiter und suchte mir ein schattiges Plätzchen in der Nähe des Sportbeckens. Erst einmal abschalten und zur Ruhe kommen.
Besonders viel hat sich hier gar nicht verändert, dachte ich. Die Schatten spendenden Birken und Linden waren stattlicher denn je, am Sprungturm wackelte das 3-Meter-Brett nach wie vor und sogar die Umkleidekabinen aus Holz gab es noch. Allerdings mit frischem Grün-Weiß-Anstrich. Zwischen den Waschbetonsteinen, auf denen ich mich einst nach stundenlangem Tauchen und Schwimmen aufwärmte, bahnten sich einige Löwenzahnblätter mutig nach oben. Unweigerlich wanderten meine Gedanken einmal mehr in die Kindheit zurück. Wie viele unbeschwert glückliche Stunden habe ich hier wohl verbracht. Wie viele Baderegeln tagtäglich gebrochen. Die schon damals streng verbotenen Randsprünge nicht mitgerechnet ...
Ich erinnere mich an unser Fangen-Spiel, bei dem wir im gesamten Becken Unruhe stifteten und damit den Bademeister stets zur Weißglut brachten. Oder an die orangefarbigen Badehauben-Ungetüme älterer Damen, die wir bei unseren Wasserballschlachten gerne anvisierten und oft genug trafen. Das manchmal verhängte dreitägige Freibadverbot danach nahmen wir achselzuckend in Kauf, weil es meist durch die Intervention des Herrn Papa auf maximal einen Tag reduziert wurde.
Ich erinnere mich an die Gerüche von damals. Das leicht modrige Kabinenholz, an feuchte Badetücher, die eine ganze Saison lang nach Sonnencreme und Chlor rochen. Etwas entfernt, aber immer noch wahrnehmbar, die mediterrane Zitronenfrische von Delial und die herb-rustikale Note vom Tiroler Nussöl mit dem extrem hohen LSF 2, dessen Werbung stets eine unwiderstehliche Bräune versprach. Und ich erinnere mich an die nassen Frottee-Badehosen, die in der Kabine nie trockneten und die man am darauffolgenden Tag noch halbnass anzog. Von den dranhängenden Bommeln ganz zu schweigen. Die wurden über die ganzen Ferien hinweg nie trocken.
Ein krachender Sprung vom 3-Meter-Brett riss mich blitzartig aus meinen Erinnerungen. Jetzt war es wohl an der Zeit selbst abzutauchen, sinnierte ich benommen in der brütenden Hitze. Und danach belohnte ich mich mit einem fruchtigen Twinni.
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RENA • Vor 11 Minuten | |
| Da möchte ich mich Anne gleich anschließen. Das bunte Twinni, bei dem ich immer nur die grüne Seite wollte und das bunte Jolly blitzen eben, ganz lebendig, vor meinem geistigen Auge auf! 😊 Ich bilde mir ein, dass ich neulich beide erblickte bei meinem Onlinesupermarkt mit Lieferservice, den ich dankbar nutze, um Stress oder Schlepperei zu umgehen … | ||
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Anne • Vor 49 Minuten | |||
| Ja, die Ferientage im Freibad. Ich habe ganz ähnliche Erinnerungen. Twini und Jolly - unsere Lieblingseissorten. LG | ||||
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