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Thoughtless Stones - Fluorit

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01.06.21 06:36
16 Ab 16 Jahren
Heterosexualität
In Arbeit

Der Rhythmus meines Herzens ging polternd und viel zu schnell. Immer wieder sah ich Bruchstücke vor meinem inneren Auge, was in jener Nacht geschah. Ich wollte schreien, all den Schmerz und Ballast abschütteln. Doch ich blieb still. Lag einfach nur da, ruhig und bewegungslos. Das einzige Geräusch in meinem Krankenzimmer, war das piepsen des Monitors neben mir. Der mir Versicherte, dass ich noch lebte. Tat ich das wirklich, leben? Was hatte ich in meinen neunzehn Jahren erreicht? Ich war eine Musterschülerin, aufmerksam und ehrgeizig. Ich war beliebt bei meinen Lehrern und Mitschülern gleichermaßen. Doch während meine Freunde feierten, blieb ich artig zuhause und lernte. Ich hab rein garnicht's wildes vorzuweisen. Sozusagen hatte ich eine reine Weste, strahlend weiß. 

Meinen Führerschein hatte ich bereits mit siebzehn gemacht. Auch hatte ich eine Klasse übersprungen. In jeder freien Minute steckte ich meine Nase in ein Buch. Das war für mich das größte auf der Welt. Wenn ich bei Bewusstsein wäre, würde ich mir heute dafür selbst eine reinhauen. Ich hasste mich dafür, dass ich nie wirklich mein Leben auskostete. Jetzt da ich im Koma lag, sah ich das alles mit anderen Augen. Meine Haut war aschfahl und meine schwarzen langen locken umsäumten glanzlos mein eingefallenes Gesicht. Tiefe schwarze Ringe säumten meine Augen und meine Lippen wiesen etliche Risse auf. Sie waren viel zu trocken. Die Ärzte kamen im Stundentakt zu mir. Kontrollierten meinen Puls und Blutdruck und wiesen die Pflegekräfte darauf hin, meine Lippen zu benetzen. Natürlich taten sie es nicht. Aber warum auch? Ich lag im Koma und niemand wusste ob ich je wieder erwachen würde.

Hin und wieder nahm ich Bruchstücke von Gesprächen auf.

 

„Das arme Ding, ganz schön hart was sie durchgemacht hat. Für sie wäre es besser wenn sie nicht mehr erwachen würde."

 

Diese Gespräche machten mich wütend. Innerlich war ich kurz vorm zerplatzen. Doch dies sah niemand. Erstaunlich was man als Koma Patient doch alles mitbekommt. Vielleicht war ich aber auch die Ausnahme. Meine Schmerzen die ich verspürte und dass ich mich selbst sah.

Erneut drohte mein Herz in der Brust zu zerbarsten. Ich spürte wie sich jede Faser meines Körpers verkrampfte, sich zusammenzog. Ich hörte den monotonen Piepton des Monitors neben mir. War jetzt etwa der Moment gekommen, in dem ich starb?

 

Alles ging auf einmal ganz schnell. Stimmenwirrwarr drang zu mir hinein. Ärzte und Pflegekräfte stolperten in mein Zimmer. Dann spürte ich wie eine kühle Flüssigkeit durch meine Adern gepumpt wurde. Der Schmerz schwoll auf ein mir neues unbekanntes Level an. Unkontrolliertes zucken und schütteln durchzog meinen gesamten Körper.

 

„Paddels aufladen auf dreihundertsechzig Joules! Alle weg!"

 

Die Angst überrollte mich. Ich wusste was nun folgen würde. Ein Stromstoß drang in mich hinein, mein Herz zog sich zusammen. Das Kribbeln verteilte sich bis in die Zehen. Ein Feuer, so verheerend brannte vor meinem inneren Auge. Das war neu. Es zeigte unser Haus, dass lichterloh in Flammen stand. Ehe die Bilder wieder verschwanden.

 

„Noch mal, Paddels aufladen auf dreihundertsechzig Joules! Alle weg!"

 

Erneut zog sich mein Herz unter dem Schock zusammen. Ich konnte es fühlen, so klar wie schon lange nicht mehr. Das Licht der Lampen  über mir, nahm ich plötzlich durch meine flatternden Augenlider deutlich wahr. Panik überkam mich. Irgendetwas hinderte mich am Atmen, ich spürte einen starren Gegenstand in meiner Luftröhre. Meine Hände gehorchten mir wieder. Augenblicklich schlug ich um mich.

 

„Fixieren Sie ihre Arme, wie es scheint haben wir Sie zurück! Entfernt den Tubus und geben Sie ihr ein Sedativum!"

 

Meine brennenden Adern wurden  innerhalb Sekunden herunter gekühlt. Ich wollte mich weiter wehren, jedoch war mir dies nun nicht mehr möglich. Wie ein Schleier legte sich eine schwere über mich. Die Schmerzen verebbten allmählich, ehe ich in ein tiefes Schwarzes Loch glitt. Ich hörte keine Stimmen mehr, auch meinen Herzschlag vernahm ich nicht mehr. Ich schlief, tief und fest. Dennoch träumte ich von jener Nacht. Die Nacht die mich aus meinem Leben riss.

 

Ich saß wie immer in der Küche und laß mein Buch, während meine Mutter das Essen zubereitete. Es duftete herrlich nach Curry und Kokosmilch. Mein Vater war dabei, Ben das lesen beizubringen. Während der Woche übte ich mit Ben, am Wochenende jedoch hatte ich frei. Meine Eltern wollten das ich meine Jugend genieße. Ich war voll und ganz in mein Buch vertieft. Plötzlich änderte sich die Stimmung. Mein Traum verformte sich. Ich vernahm einen Schatten, blitzschnell. Dann Flammen. Lodernde riesige Flammen die alles zu verschlingen drohten. Ich hörte spitze, schmerzerfüllte schreie. Gefolgt von einem lauten Knall. Dann herrschte Stille.

Mein Traum begann erneut.

Immer und immer wieder erlebte ich die Szene in der Küche und das Flammenmeer. Ab und an blitzten die Gesichter meiner Familie auf. Meine Mutter, mit ihren wundervollen grünen Augen und dunkel gelockten Haaren. Mein Vater, mit seinen grauen Augen und seinem Bart, der sich mittlerweile grau färbte. Und Ben, mein kleiner Bruder. Dessen grinsen so frech war, dass man sicher sein konnte, er habe etwas angestellt. Was genau war nur geschehen? Und was noch viel wichtiger war, warum war niemand aus meiner Familie bei mir am Krankenbett gewesen? Waren sie ebenfalls verletzt? Mein herz legte noch einen Zahn zu, bei diesem Gedanken. 

Wie kam es zu diesem Feuer? War es ein Unfall? 

So viele Fragen, die dringend eine Antwort benötigten. 

Plötzlich drang eine Stimme zu mir durch, sanft und doch bestimmend. Sie hallte in meinem Kopf nach.

 

„Miss Jaspis können Sie mich hören? Miss Jaspis?!"

 

Mein Traum verebbte allmählich und die Lebensgeister kehrten in mich zurück. Schmerz. Jeder noch so kleine Millimeter meines Körpers schmerzte. Langsam versuchte ich meine Augen zu öffnen. Doch das grelle Licht der Neonröhre über mir, blendete mich. Mein Kopf pochte. Mein Herz schlug mehrere Takte schneller, ich japste gierig nach Luft. Was höllisch schmerzte, da mein Hals einer Wüste glich. Das Zimmer um mich herum begann sich zu drehen. Ich hatte den starken Drang mich zu übergeben. Dann öffnete ich meine Augen.

Ich war zurück, zurück im Leben.

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AnkeSabineBs Profilbild AnkeSabineB

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Kurzbeschreibung

Edelsteine, wundervolle Gebilde der Natur. Rein, Mystisch, alt und Allwissend. Einige von ihnen enthalten gewisse Kräfte. Kräfte, die nur noch wenige Menschen zu beherrschen wissen. Ein gut behütetes Geheimnis. Doch dunkle Mächte, wollen sich diese Kräfte zu eigen machen. Jahrtausende auf der Suche nach diesen Steinen, um ihre eigene Welt zu formen. Mia, ein Mädchen dessen leben innerhalb einer Sekunde aus den Fugen gerät, wird plötzlich zur Hüterin solch eines Steines.

Kategorisierung

Diese Story wird neben Fantasy auch in den Genres Mystery und Familie gelistet.