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Das schlafende Auge

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19.7.2018 23:05
18 Ab 18 Jahren
Bisexualität
In Arbeit

Prolog


Der Teufel kommt gern im Engelsgewand. (Helmut Glaßl)

 

Oft schon hatte Capricornus sich gefragt, welchen Sinn das Leben hatte. Nicht das Leben allgemein, nur das irdische. Viele meinten, der Tod sei sinnlos, aber in ihm fand Capricornus durchaus einen Sinn. Der Tod war dem Leben immer schon vorausgesetzt. Das Leben aber, das war seltsam. Er empfand es als sinnlos, weil es irgendwie unbedingt erschien.

Jetzt überhaupt, in dieser unbedeutenden Scheune, kam ihm dieser Gedanke. Natürlich nicht grundlos. Es lag an Aries, der inmitten des Stalles kniete. Er war umgeben von sechs Pferdekadavern, in denen sich die Maden suhlten.

Capricornus schloss die Augen, seine Mundwinkel zogen sich nach unten. Das Leben war ein andauernder Regen. Stetig fielen die Tropfen herab, sie fielen ungehört zu Boden und waren mit einem dumpfen Aufschlag schon vollkommen vergessen. Unbedeutend und klein. Es war einfach nur sinnlos und gerade darum, war es bedauernswert.

„Es gibt keinen Grund mehr diese armen Geschöpfe zu untersuchen. Das hier ist ohne Zweifel das Werk eines Teufels.“

Aries fuhr mit der Hand über den Kopf eines Pferdes. Seine Aufmerksamkeit galt ganz dem Pferd, als er seine Finger über die Lider des Tieres legte und sie schloss. Ihn störten weder der Gestank noch das  Blut an seinen Händen.

„Sie müssen schon lange tot sein. Woher willst du wissen, dass es Teufel waren?“, warf Capricornus ihm entgegen.

„Das ist es ja gerade“, Aries erhob sich mit einem Seufzen. Seine langen, violetten Haare vielen dabei nach hinten und gaben den Blick auf zwei unnatürlich glänzende, grüne Iriden frei. „Vor einer Stunde waren diese Tiere noch quick lebendig.“

„Unmöglich“, lachte Capricornus: „Sinnlos. Warum sollte ein Teufel etwas Derartiges tun? Sie töten Menschen, Dämonen, ja vielleicht sogar Engel, aber Vieh? Warum sollten sie das tun?“

„Nun, ich würde es selbst nicht glauben, hätte ich es nicht gesehen. Aber diese Pferde haben noch gelebt. Ebenso wie diese bedauernswerten Menschen, Samira und Nathal - …“

„Hierbei handelt es sich um das Ritual!“, unterbrach Sagittarius auf einmal die Unterhaltung. Sowohl Capricornus, als auch Aries blickten zu ihrem Gefährten. „Die Pferde sind ein Blutopfer. Ebenso wie die Menschen!“

 

Capricornus belächelte Sagittarius zuerst, dann stutzte er. Er dachte an das alte Bauernhäuschen. Es war höchstens einen Kilometer entfernt. Die Frau zu seinen Füßen kam ihm ins Gedächtnis. Sie war entstellt gewesen. Der Mann ihr gegenüber … Er erschauderte.

„Lächerlich“, seine Stimme zitterte: „Niemals! Ich kann glauben, dass Teufel Vieh töten, meinetwegen grundlos. Aber das Ritual?“ Er hob die Hände in die Luft: „Ich bitte euch!“ 

Seine Kehle schnürte sich zu. Sein Kiefer begann zu mahlen, dann lächelte er bitter.

Ein weiteres Mal kam ihm der Gedanke, dass der Tod nicht sinnlos war. Aber er hatte keine Sekunde lang daran gedacht, dass die beiden Menschen ein Teil dieses scheußlichen Vorhabens gewesen sein könnten. Ja, man hatte sie schrecklich zugerichtet, aber Menschen starben jeden Tag.

Er hatte ihnen wenig Beachtung geschenkt, nicht mehr als notwendig gewesen war. Wichtiger war ihm dieser wunderschöne Baum gewesen. Das Wohnzimmer des Bauernhauses hatte ihm einen guten Blick auf die alte Eiche geboten.

„Wenn sie erfolgreich sind, können wir uns eingraben!“, murmelte Sagittarius. Mit seiner rechten Hand strich er immer wieder durch sein kurzes Haar, seine linke schloss und öffnete sich im Sekundentakt.

Capricornus wandte sich von ihm ab und schwieg. Ein Teil von ihm fühlte genauso wie Sagittarius. Er kannte diese Angst, aber größer war die Sorge.

Als er mit seinem Blick eine Fliege einfing, sah er, wie sie sich auf das offene Auge eines Pferdes setzte und sich an dem letzten Rest Flüssigkeit darin labte. Dann verstand er. Das Pferd war tot. Es war nur ein weiterer Tropfen im Meer der Toten. Ein Meer, in dem jeder enden würde. Das konnte niemand verhindern, nicht Sagittarius, nicht Aries und auch er nicht. Wenn überhaupt, dann konnten sie es verzögern.

Mit einem Kopfschütteln schloss er die Augen und fasste sich an die Schläfen. Dann erst fragte er: „Wo ist der Fluchträger?“

Sein Blick traf auf Aries, dieser sah ihn teilnahmslos an.

„Habt ihr das gehört?“, raunte Sagittarius und zog sein Schwert. Er grinste schelmisch: „Oh, ich hoffe der Teufel ist hier.“

„Nein. Das ist unwahrscheinlich. Die Aura eines Teufels ist giftig, wir hätten ihn längst bemerkt“, erwidert Aries.

Capricornus musterte seine Begleiter mit finsterer Miene. Er wusste, dass niemand sich so lange vor ihnen verstecken konnte. Nichts außer dem Summen der Fliegen war zu hören und dieses leise Rascheln aus einem Heubüschel. Er weitete die Augen.

Sollte Sagittarius Recht behalten … Wenn das Ritual – Er kam nicht mehr dazu, seinen Gedanken zu vollenden.

Sagittarius sprintete nach vorne und zog einen kleinen Körper aus dem Heubüschel. In seiner Kampfeswut schleuderte er ihn von sich und Capricornus hörte schon das grässliche Knacken brechender Knochen. Sein Freund stürmte dem Körper nach. Capricornus sah die scharfe Klinge wie Butter durch den Körper des Kindes gleiten. Blut überall. Die Wände waren getunkt in dunkles Rot.

Doch nichts dergleichen geschah. Aries stand mit dem Rücken zu Sagittarius. Er hatte das Kind aufgefangen und vor jedem Schaden bewahrt. Violette Schwingen umschlossen es und ihn selbst wie ein leuchtender Schleier. Das Schwert war einfach an den gewaltigen Flügeln abgeprallt. Als Aries sich erhob, bebte er.

„Unreifer, unbeherrschter Narr!“, zürnte er: „Seit wann stürmen wir blindlings voraus?! Willst du das Blut eines Kindes an deinen Händen haben?!“

Sagittarius versank im Boden, sein Blick fuhr nach unten. Capricornus aber ließ sich von dem Zorn seines Freundes nicht beeindrucken. Seine Augen verengten sich zu Schlitzen und er trat einen Schritt nach vorne. „Dieses Kind?“, er räusperte sich: „War es schon die ganze Zeit hier?“

Aries antwortete nicht. Seine Finger langten nach der Stirn des Kindes, aber er zog sie erschrocken zurück, als es die Augen öffnete. Capricornus keuchte. Das linke Auge des Kindes leuchtete in einem überirdischen Blau, die linke Gesichtshälfte war entstellt.

Capricornus zog sein Schwert und rauschte auf Aries zu. Es kostete ihn alles ihn nicht sofort anzufallen.

„Aries!“, fluchte er: „Wusstest du es? Sag mir, warst du hier, als das Ritual stattgefunden hat?“

„Das Kind ist verdorben!“, krächzte auf einmal Sagittarius. 

Capricornus ignorierte ihn. Er hatte nur Augen für Aries. Ekelerregend liebevoll sah er auf das Bündel in seinen Händen. In aller Ruhe saß er da und betrachtete dieses giftige Kind.

 

„Hab keine Angst“, wisperte Aries mit einem Mal: „Niemand wird dir wehtun!“ Erneut streckte er seine Hand nach dem Kind aus und legte seine Finger auf die kleine Stirn. Augenblicklich entspannte sich das Kind. Er legte den schlafenden Körper behutsam auf den Boden. Dann zog er sein Schwert ebenfalls und fuhr zu Capricornus herum. Seine Klinge zielte erbarmungslos auf dessen Herz.

„Wir sind hier fertig!“, fauchte er: „Komm ihm zu nahe und du wirst die Konsequenzen spüren!“ Seine Augen loderten.

Capricornus verstand nicht, er schüttelte den Kopf.
„Wie kannst du trotz dieser Sichtbarkeit nicht handeln?“, brüllte er. Sein Schwert zeigte nicht auf Aries. Es hätte genauso gut stumpf sein können. Aries wusste, dass er ihn nicht verletzen würde und so bekam er erneut keine Reaktion.

Capricornus ächzte. Er trat ein paar Schritte zurück, wandte sich ab und schrie in sich hinein. Er sah die Welt in einen neuen Krieg ziehen, seine Brüder standen an der Front. Unschuldiges Blut strömte in Massen auf die verdorbene Erde. So viele Tropfen, so viele Leben. Es würde ein endgültiger Krieg sein, ohne Hoffnung, ohne Gnade und ohne Ende.

Sagittarius trat auf Capricornus zu. Er legte ihm eine Hand auf die Schulter und sprach zu Aries: „Das Kind trägt den Fluch in sich. Wir müssen es töten! Das Schicksal aller an das Leben dieses Kindes zu hängen erscheint mir unrecht.“

Aries reagierte erst gar nicht auf das Flehen seiner Begleiter, stattdessen fing er an zu lachen. Zuerst war es lediglich ein Schmunzeln, dann ein Kichern und irgendwann lachte er so schrill, dass seine Stimme unerträglich laut in der ganzen Scheune widerhallte.

Sowohl Sagittarius als auch Capricornus blickten ihm verständnislos entgegen. Aries ließ sich nicht beirren. Er steckte sein Schwert zurück in die Scheide und erklärte: „Dieses Kind ist sicherlich nicht alleine mit seinem Schicksal oder glaubt ihr tatsächlich, dass nur eines auserkoren wurde?“

Capricornus verzog das Gesicht: „Ich liebe diese Welt und ich will ihren Untergang nicht sehen. Mir ist sehr wohl klar, dass das Ritual immer drei Opfer fordert, aber nur selten überleben die Auserwählten.“

Sagittarius nickte: „Und wenn wir schon einmal die Möglichkeit haben, dann sollten wir sie nutzen!“

„Ich habe euch schon gesagt, worin eure Möglichkeit besteht!“, schnaubte Aries: „Wollt ihr es wirklich darauf ankommen lassen?!“

Capricornus biss die Zähne zusammen: „Ich werde dich nicht bekämpfen, Aries. Ich will dein Blut nicht an meinen Händen und ich weiß, dass es umgekehrt genauso ist. Aber die Konsequenzen, die Folgen… ist dir das alles egal?“

„Ich trage die Verantwortung für mein Handeln“, erklärte Aries und verschränkte die Arme vor der Brust.

 

Sagittarius warf Capricornus einen Seitenblick zu, dann zuckte er mit den Schultern. Capricornus lachte: „Glaub mir, wenn du versagst, ist es bedeutungslos, wer die Verantwortung trägt.“

Er wandte sich ab und trat aus der Scheune. Das Schwert in seiner Hand bebte. Tief atmete er ein. In der Ferne sah er den alten Baum. Das Schwert lag nun ruhig in seiner Hand, seine Lider schlossen sich. 

Die gewaltige Eiche war zwischen zwei steinernen Bänken emporgewachsen. Sicherlich belächelte sie den Wandel der Welt. Capricornus seufzte.

Gerne wäre er zu ihr hinab gestiegen, doch es blieb keine Zeit.

Er hörte schon das Wüten der sich nähernden Krieger und so lächelte er. Immer klarer wurde der Gedanke und mit jedem Atemzug manifestierte er sich mehr.

Es lag nicht in seiner Hand.

Er konnte nichts tun.

 

 

Latina


Frieden ist nicht alles, aber ohne Frieden ist alles nichts.  (Willy Brandt)

Schwarze Nebelschwaden bedeckten den Himmel. Wie ein Vorhang hatten sie sich vor den Mond gezogen und ließen nicht zu, dass dessen Schein Licht in die Trostlosigkeit des Forstes brachte. Die kahlen Bäume wirkten wie Kreaturen aus anderen Welten, die sich jeden Moment aufbäumen und nach ihr greifen würden.

 

Viraseth schlang sich ihren matschbraunen Umhang um den Körper. Früher hatte sie ihn auf dieselbe Weise verabscheut, wie das Geschlecht, aus dem sie kam. Nun bot er ihr Schutz vor der grausamen Kälte, die ihre Glieder versteifte. Oder war es doch Angst, die sie lähmte?

Ein Knacken ließ sie aufhorchen. Das Rascheln zwang sie tiefer ins Dickicht. Ihr Herz pochte gegen ihren Brustkorb und dröhnte dabei wie eine Trommel. In einem schwachen Moment glaubte sie, es könnte sie verraten.

 

Ihre Finger langten nach einer potentiellen Waffe und erspürten etwas Weiches. Dann hörte sie das leise Grollen hinter sich. Stockend drehte sie sich um und blickte direkt in gelbe Augen. Reiszähne bohrten sich in ihren Oberarm und zerrten sie aus dem Buschwerk.

Ein erstickter Schrei verließ ihre Kehle und ihre Muskeln spannten sich an. Der reißende Schmerz betäubte ihre Sinne. Ihr Kopf war wie leergefegt, ihre Ziele vergessen.

 

Dann sackte das mächtige Tier vor ihr zusammen, die gelben Iriden leer ins Nichts gerichtet.

 

Aus der Ferne vernahm Viraseth die Stimme eines Mannes, doch sie verstand ihn nicht. Penetrant pochte der Puls an ihr Trommelfell und lähmte ihren Geist. Mit den Fingern tastete sie nach der Bisswunde, die schon  fast verschlossen war.

 

Knapp neben ihr Schlug ein Schwert in den staubigen Boden, Minuten später sah sie auf. Langsam realisierte sie, dass ein junger Mann mit kurzem, dunklem Haar vor ihr stand. Er hatte ihr den Rücken zugewandt und vertrieb mit seinem Schwert die restlichen Wölfe.

 

Als der Mann sich ihr zuwandte, sah Viraseth sofort die klauenartige Narbe, die seine linke Gesichtshälfte zierte, ebenso sein linkes Auge, das in einem merkwürden Blau erstrahlte.

 

„Was hast du hier verloren?“, brummte er. Viraseth hatte nicht das Gefühl, als sei es eine Frage. Mehr klang es, als würde er sie beschuldigen. „Na wird´s bald?“, zischte er und trat auf sie zu.

 

Viraseths Augen verengten sich zu Schlitzen und ungeschickt rappelte sie sich hoch, auf ihrer Zunge langen zahlreiche Flüche.

 

„Su, du musst der jungen Dame doch nicht gleich deine ungehobelte Seite zeigen“, lächelte ein zweiter Mann, der sich langsam auf sie und diesen Rüpel zubewegte.

 

Der Mann war blond und groß, in seiner linken Hand hielt er einen Bogen. Seine Kleidung trug die Zeichen einer langen Reise.

Mit einem offenen Lächeln im Gesicht, streckte er ihr seine Hand entgegen, Viraseth aber musterte ihn mit zusammengekniffenen Augenbrauen.

„Es ist alles in Ordnung“, sagte er, die Hände von sich gestreckt: „Mein Name ist Malek Oddmarr und das hier ist mein Cousin, Su Antun. Es kommt nicht oft vor, dass uns Reisende im Malesilva begegnen, also verzeih - …“

 

„Oddmarr? Wirklich?“, keuchte Viraseth. Sofort räusperte sie sich: „Verzeiht, aber es ist unfassbar. Ich habe nach deiner Familie gesucht, nach der Familie Oddmarr. Mein Name ist Viraseth Duric und ich - …“

 

„Duric“, schnaubte Su. Man musste kein Gefühlsmensch sein, um seinen Argwohn zu spüren. Sus Augen klebten an ihr, seine Mundwinkel waren nach unten gezogen, seine Haltung verkrampft.

„Duric ist der Name des Kaiserhauses“, stellte er fest: „Du willst also die Kaiserin sein, hm? Mitten im Wald, beinahe zerrissen von einem Wolfrudel?“

Seine rechte Augenbraue wanderte nach oben als er höhnte: „Wo ist Euer Geleitschutz, meine Kaiserin?“

Er deutete vor ihr einen Hofknicks an, seine Augen fixierten ihre und auf seinen Lippen zeichnete sich ein verächtliches Grinsen ab.

Erst als Malek ihm in die Seite stieß, zerbrach seine Fassade.

 

Viraseth ließ sich davon nicht beirren, sondern höhnte nun ihrerseits: „Sehe ich etwa aus wie eine Kaiserin, ich bin gerade einmal sechszehn! Selbst ein Bauerntölpel wie du, wird wohl ein Mädchen von einer erwachsenen Frau unterscheiden können!“

 

Su zuckte sichtlich zurück, schmunzelte und schüttelte den Kopf: „Mumm hast du auf jeden Fall.“ Dann blitzten seine Augen kurz auf: „Aber wenn du mich noch einmal Bauerntölpel nennst, kannst du dich von deiner Zunge verabschieden!“

 

Viraseth lief ein kalter Schauer über den Rücken. Doch sie ließ sich nichts anmerken, sondern überging seine Worte. Sie wandte sich an Malek, der ihr weitaus intelligenter vorkam, als sein dümmlicher Cousin.

 

„Ich weiß, dass es seltsam genug sein muss, einen Menschen hier zu treffen, noch seltsamer wohl, einen Menschen meines Ranges. Aber ich bin nicht ohne Grund hier, ich komme um Latina zu warnen. Euch und uns steht ein Krieg bevor und wenn wir schnell handeln, dann können wir ihn vielleicht verhindern.“

 

Für einen kurzen Moment verhärteten sich Maleks Gesichtszüge. Seine Augen wurden schmal und er setzte zu einer Antwort an.

 

„In dem Fall solltest du mit nach Latina kommen und dort dein Glück versuchen. Wir sind nur einfache Jäger, mit Kriegen haben wir nichts am Hut und Politik steht uns nicht“, erwiderte Su schulterzuckend.

Malek fuhr zu ihm herum.

Su grinste ihn an: „Was? Wir können sie schlecht hierlassen und wenn sie sowieso nach Latina will, sehe ich nichts das dagegen spricht.“

 

Viraseth war sicherlich genauso erstaunt wie Malek. Sie hatte nicht damit gerechnet, dass gerade dieser Tölpel ihr anbot mitzukommen. Aber ihr Anliegen hatte Eile und so lächelte sie: „Danke für euer Entgegenkommen, ihr werdet es nicht bereuen.“

 

„Sei dir nicht zu sicher, Mädchen“, warnte Malek: „Denjenigen, die Latina schaden wollen, denen geht es schlecht. Überleg dir also gut, ob du mitkommen willst.“

 

Viraseth zuckte mit den Schultern: „Nun, der Rückweg ist weit und beschwerlich und ich bin mir sicher, dass ich Latina einem hungrigen Wolfsrudel vorziehe.“

 

„Apropos Wolfsrudel, mir kam es so vor, als hätte dich einer von ihnen in der Zange gehabt, trotzdem sehe ich keine Wunde. Woran liegt das?“, fragte Su und steckte beiläufig sein Schwert zurück in die Scheide.

 

Viraseth hatte schon fast mit einer solchen Frage gerechnet. Allerdings kam sie später als erwartet. Zu ihrem Bedauern machte das nichts leichter und kurz wog sie ihre Möglichkeiten ab. Sie könnte lügen, auf Dauer könnte dies aber vieles erschweren.

 

„Ich kenne die Geschichten über die Jäger Latinas“, sprach sie mit gerunzelter Stirn, dann seufzte sie: „Ich weiß um eure Aufgabe und die Einstellung, die ihr vertretet. Aber ich kenne euch nicht und so fehlen mir, sowohl die Kraft als auch der  Mut um mich euch anzuvertrauen. Ich kann also nur um Zeit bitten.“

 

Einen qualvollen Moment lang, hafteten die beiden Blicke der Jäger auf ihr. Dann wandte Su sich von ihr ab, machte eine auffordernde Geste mit seiner Hand und setzte sich in Bewegung. Malek seinerseits lächelte und die Anspannung fiel von ihr ab.

 

„Danke!“, würgte sie hervor und folgte den beiden Jägern zeitversetzt.

 

Viraseth hatte nicht viel Zeit sich im Wald umzusehen. Su, der vor ihr ging, hatte einen schnellen Schritt. Malek trieb sie von hinten an, ohne sie zu überholen. Ob er damit bezweckte sie zu schützen oder Angst hatte, sie könnte verloren gehen, wusste sie nicht. Aber das Schweigen der Jäger, behagte ihr nicht und so flüsterte sie schließlich: „Es ist etwas in meinen Genen. Meine Wunden schließen sich schnell.“

 

„Hört sich nach Hexerei an“, erwiderte Su. Viraseth hatte das Gefühl, er urteilte über sie. Sie wollte ihm etwas an den Kopf werfen, aber dann sprach Malek: „Calen ist sicher zurück ins Dorf gegangen oder nicht?“

„Vermutlich“, erwiderte Su ebenso kühl. Viraseth erkannte, dass es nicht an ihr lag. Su hatte sie nicht verurteilt, sondern sie war ihm gleichgültig.  

 

Gedankenverloren strich sie sich halbherzig einzelne Blätter aus ihrem feuerroten Haar. Sie musste armselig auf die beiden Jäger wirken und daher gaben sie ihr die Zeit, die sie brauchte. Es ging hier sicherlich um Mitleid, nicht um Überzeugung. Sie konnte es ihnen nicht verübeln. Ein Seufzen verließ ihre Kehle, die  beiden Männer schwiegen.

 

Ihre Gedanken schweiften zu ihrer Heimat. Kurz erlaubte sie es sich zu träumen.  Sie ließ ihren Geist durch die Straßen Aszyniks wandern. Hinaus aus der Stadt, zu den Feldern der Bauern. Auf den Blumenwiesen hatte sie immer gerne gelegen und so ließ sie sich nieder. Der herbe Geruch von Zedern stieg ihr in die Nase und vor ihrem geistigen Auge sah sie die leuchtenden Blumen des Frühlings.

Mit zittrigen Fingern griff sie nach ihnen. Doch kaum hatte sie eine davon berührt, zerfiel sie in ihrer Hand zu Staub. Erschrocken fuhr sie hoch und schrie. Zumindest glaubte sie, dass sie schrie. Doch sie hörte nichts als das jaulende Wüten der Kriegerinnen und Krieger. Dann erschien das Gesicht einer Amazone vor ihr. Sie rüttelte sie an den Schultern, schrie mit ihr, aber Viraseth verstand sie nicht. Sie hörte nichts. Verzweifelt brüllte sie ihr entgegen, aber erneut kam kein Ton von ihren Lippen.

 

„Pass doch auf!“

Das Knurren des Jägers holte sie zurück in die Gegenwart. Mit gerunzelter Stirn sah sie zu ihm auf, fühlte nur am Rande die Erde unter ihren Fingerspitzen. Offensichtlich lag sie am Boden, Malek stand hinter ihr. Su blickte mit zusammengekniffenen Augen auf sie herab.

 

War sie etwa in ihn hineingelaufen?

 

Einen unerträglich langen Moment, strafte Su sie noch mit seinen Blicken. Dann räusperte sich Malek: „Was haltet ihr von einer Pause? Hier in der Nähe ist eine Lichtung, dort können wir uns ausruhen und das restliche Fleisch anbraten.“

 

Su ließ von ihr ab, nickte stattdessen Malek zu: „Ist gut. Ich werde Feuerholz sammeln.“ Er hob die Hand: „Sag nichts! Ich werde alleine gehen. Pass auf die kleine Prinzessin auf, der Wald scheint sie nicht zu mögen.“

 

Viraseth blinzelte: „Prinzessin?“ Sie begriff nicht, was hier vor sich ging, nur langsam verarbeitete ihr Geist die neuen Eindrücke.  Su grinste nur und hob die Hand zum Abschied.

 

„Sei vorsichtig und beeil dich. Die Morgendämmerung ist die schlimmste Zeit.“, rief Malek ihm hinterher. Erst jetzt bemerkte Viraseth, dass es tatsächlich schon heller geworden war.

 

Malek fing damit an eine Stelle von dürrem Laub zu befreien, Viraseth ging im wortlos zur Hand. Mit hochgezogenen Augenbrauen blickte Malek zu ihr auf, sie schnaubte: „Überrascht?“

 

Malek lachte: „Nun, ich hätte nicht gedacht, dass jemand wie du, sich zu solch niedrigen Tätigkeiten herablassen würde.“

Viraseth erstarrte in ihrer Bewegung, dann schüttelte sie den Kopf und fauchte: „Für wen hältst du dich? Wir kennen uns noch nicht lange genug, als dass es dir zustände, ein solches Urteil über mich zu fällen!“

 

Malek lachte ein weiteres Mal: „Hey, bleib  ruhig. Das war kein Urteil über dich, zumindest kein negatives. Man sieht halt nicht jeden Tag eine Adelsfrau im Wald.“

 

Viraseth sah ihm unbewegt entgegen. Dann schüttelte sie erneut den Kopf und fuhr in ihrer Tätigkeit fort. „Ich bin mehr als mein Blut, Jäger“, stellte sie letztlich fest.

 

Als sie damit fertig waren den Platz notdürftig vom Laub zu befreien, ließen sie sich zeitgleich am Boden nieder, nur Viraseth atmete hörbar aus.

 

Malek musterte sie mit tiefem Blick und Viraseth wurde unruhig. Es war kein aufdringlicher, kein aufreizender Blick. Vielmehr schien er sie zu durchleuchten. Das Problem war die Offenheit in seiner Mimik. Sie sah in ihm eine Sicherheit, die Erkenntnis glich und Viraseth wollte nicht erkannt werden.

 

„Gibt es ein Problem?“, bellte sie, als sie dieser ehrlichen Musterung nicht länger standhalten konnte. Malek wandte sofort den Blick von ihr ab. Er sah zur Feuerstelle und Viraseth glaubte einen Moment, Röte über seinen Wangen zu erblicken.

 

„Ich weiß nicht“, antwortete er verzögert: „Es fällt mir einfach schwer zu glauben, dass du bist, wer du vorgibst zu sein. Andererseits ist es aber offensichtlich, dass du eine Hochgeborene bist.“

 

Viraseth wusste nicht ob sie diese Feststellung als dreiste Beleidigung auffassen sollte oder nicht. Schließlich seufzte sie ergeben und ließ sich gegen einen der Bäume sinken: „Sag, wie stellst du dir das Kaiserhaus vor? Denkst du, alle Adeligen sind engstirnige, bösartige Menschen, die niemals gearbeitet haben und unfähig zur Empathie sind?“

 

Malek musterte sie erneut, dieses Mal war es ihr nicht unangenehm. Er beugte sich nach vorne und so erblickte sie seine schwarze Halskette, an der ein einfaches, schwarzes Kreuz hing. Es war ein Symbol, das sie zugut kannte.

 

„Warum bist du von zuhause weggelaufen, Vira?“

 

Augenblicklich war sie woanders. Sie sah ihren Onkel, Killian, wie er sie auf seinem Schoß hielt. Ihre Augen waren Tränennass, sie sah ins Feuer. Killian beugte sich zu ihr hinab: „Sag, warum weinst du, Vira? Wieso läufst du dauernd weg?“

 

„Ich sagte bereits: Du kennst mich nicht, also urteile nicht“, erwiderte sie reflexartig, während ihr Blick zu Boden fuhr.

 

„Ich verurteile dich nicht, ich versuche zu verstehen.“, sprach Malek mit einfühlsamer Stimmlage: „Du urteilst über mich, indem du alle meine Fragen als Urteil siehst. Ich für meinen Teil will dir helfen, aber das kann ich nur, wenn du dich öffnest.“

 

Viraseth wusste, dass Malek Recht hatte, aber ihr fehlte die Kraft ihm zu vertrauen. Sie ermahnte sich zur Ruhe, ehe sie aufsah, direkt in seine Augen: „Es geht hier nicht um mich. Es geht um meinen Vater, er ist ein Monster. Er manipuliert, er verdirbt und er zerstört. Er bringt nichts als den Tod über diese Welt.“

 

„Was macht dich so sicher, dass du die Politik deines Vaters verstehst, Prinzessin?“

 

Sowohl Viraseth als auch Malek blickten auf. Su ignorierte ihre Blicke, grinste und warf das Feuerholz auf die provisorische Feuerstelle. Dann ließ er sich ihr gegenüber auf den Boden fallen und lachte: „Ach, es ist mir gleich. Und wenn dein Vater ein Gott wäre, es betrifft mich nicht.“

 

„Su - …“, fing Malek an, aber Viraseth unterbrach ihn harsch: „Das ist eine weltfremde Einstellung. Dir kann nicht egal sein, was ein anderer tut, vor allem dann nicht, wenn er so viel Macht hat, wie mein Vater. Unsere Geschichten sind verbunden, alles was ein anderer tut, kann und wird früher oder später auf dich zurückfallen!“

 

Su schnaubte: „Das bezweifle ich, Mädchen.“ Er zog zwei weiße Steine aus seinen Manteltaschen und fing damit an sie gegeneinander zu schlagen. Das Gespräch schien für ihn beendet zu sein.

 

„Nimm seine Worte nicht zu ernst, er meint es nicht so“, flüsterte Malek ihr zu. Viraseth hatte das Gefühl er wollte sie besänftigen. Sie schüttelte den Kopf: „Mir ist es gleich, was er von mir hält. Wichtig ist nur, was der Rat Latinas sagen wird.“

 

Su warf ihr einen schneidenden Blick zu, sagte aber ansonsten nichts.

 

Als das Feuer endlich loderte, kramte Su erneut in seinen großen Manteltaschen und zog drei Stücke Fleisch heraus. Das Fleisch stank so erbärmlich, dass Viraseth augenblicklich wusste: Sie würde kein Stück davon essen.

 

Su schien nicht schockiert von dem Gestank, sondern durchstach alle drei Stücke mit jeweils einem Stecken und reichte dann einen davon Malek. Denn anderen streckte er ihr entgegen, Viraseth schluckte: „Nein, danke…“

 

„Musst wohl nichts essen, hm?“, fragte er und beäugte sie mit zusammengekniffenen Augenbrauen. Viraseth blinzelte verwirrt, schüttelte dann aber den Kopf: „Nein … doch.“ Sie griff sich peinlich berührt an die Schulter: „Es ist nur - …“

 

Sus Pupillen weiteten sich einen kurzen Moment, dann lachte er: „Ach, so ist das. Oh, es tut mir leid, Prinzessin. Ich habe nicht daran gedacht, dass ein solch minderwertiges Fleisch euren Magen verderben könnte.“

 

Malek lachte nun ebenfalls, was Viraseth noch mehr verärgerte, als das spöttische Verhalten von Su. Malek schien sich dessen bewusst zu sein, weshalb er ihr einen entschuldigenden Blick zuwarf. „Wenn man ein Reisender ist, dann gewöhnt man sich an harte Schlafplätze und schlechtes Essen“, besänftigte er sie.

 

Viraseth war froh, dass ihr weder Su noch Malek erneut ein Stück Fleisch anboten. Sie rappelte sich ein wenig auf, nur um sich dann weiter nach hinten zu legen und die Augen zu schließen. Ihren Kopf platzierte sie dabei auf einer Wurzel. Es war nicht sonderlich bequem, aber ihr Körper verlangte nach Schlaf, das spürte sie. Immer wieder fielen ihr die Augen zu und ihre Gedanken irrten ziellos umher.

 

„Entspann dich, versuch ein wenig zu schlafen“, murmelte Malek. Viraseth schnaubte leise, doch es klang mehr nach einem Seufzen. Was glaubte er denn, dass sie hier versuchte, fragte sie sich, noch während ihre Glieder schwer wurden.

 

 

Als Su sie am späten Nachmittag weckte, war sie weit davon entfernt ausgeruht zu sein. Ihr Rücken schmerzte und ihr Kopf pochte unentwegt. Sie rappelte sich auf und fühlte sich dabei wie eine alte Frau. Nachdem sie sich endlich in einer halbwegs aufrechten Position befand, sah sie direkt in die verschiedenfärbigen Augen von Su. „Na, gut geschlafen, Prinzessin?“, grinste er.

 

„Warum quälst du mich?“, quittierte Viraseth müde und verdrehte die Augen. Das konnte doch nicht sein ernst sein.

 

„Genug geredet“, warf Malek ein: „Dafür haben wir noch genug Zeit, wenn wir im Dorf sind.“

 

Damit stupste er sie auch schon an und so blieb ihr nichts anderes übrig, als die Zähne zusammen zu beißen. Su lachte, er wirkte um einiges entspannter als in der letzten Nacht. Vielleicht lag es daran, dass es nun mitten am Tag war.

 

Viraseth hingegen war angespannt. Je näher sie dem Dorf kamen, desto unsicherer wurde sie. Einem Teil von ihr war klar, dass sie sich vor dem Rat öffnen musste. Aber sie hatte eine berechtigte Angst davor. Die Jäger mochten ihresgleichen nicht.

 

Sie versuchte eine Lösung zu finden, lauschte dabei dem stapfenden Geräusch der Stiefeln und dem Knistern des Waldes. Ihre Finger entkrampften sich, als ihr noch ein anderes, leises Geräusch auffiel. Es war ein leises Plätschern.

 

Ihre Augen wurden größer. Mit einem Mal war die Sorge wie weggeblasen. Das war Rakaza. Der Fluss Rakaza! Wie lange war sie durch den Wald geirrt und hatte einfach nur gehofft dieses Geräusch zu hören? Ohne nachzudenken lief sie los. Nur noch den Fluss überqueren, dann wäre sie da.

 

Und tatsächlich.

Kaum hatte sie die Brücke überquert, sah sie es. Das Dorf der Jäger, Latina. Sie lachte auf, gleichzeitig traten ihr Tränen in die Augen, dann sank sie in die Knie und flüsterte: „Ich hab’s geschafft. Ann, ich hab’s tatsächlich geschafft!“

 

„Fast so, als wäre sie von einer langen Reise nach Hause gekommen“, brummte Su, der mit Malek neben sie trat. Viraseth überhörte ihn bewusst. Sie sah nur die grünen Wiesen und schmalen Wege. Die kleinen Häuschen und die Menschen, die sich vor allem auf der breiten Hauptstraße tummelten.

„Nicht mehr lange“, murmelte sie: „Die Rettung naht, Aszynik.“

 

Nomaden

 

Die Wissenschaft ist der Verstand der Welt, die Kunst ihre Seele.
(Maxim Gorkij)

 

Nichts erwärmt ein Herz so sehr wie die Kunst. Sie vermittelt Gefühle ohne Worte. Sie hat keine Grenzen. Sie ist unschuldig und ehrlich. Seit Anbeginn der Zeit beherrscht sie den Menschen. Unwiderruflich zieht sie in ihren Bann und lässt erstarren. Wäre der Mensch doch nur so rein und tiefgründig, wie seine Kunst es ist.

 

Die untergehende Sonne tunkte den Horizont in orangerotes Licht, welches sanfte Linien zog, die das Blau des Himmels zu verdrängen suchten. Weich trafen die Strahlen des mächtigen Sternes seine braungebrannte Haut und er dankte ihm für seine Gnade. Nach außen hin war die Sonne nicht viel mehr als ein großer, gelber Ball, der thronend im Himmel stand. Aber sie hatte unsagbare Kräfte, die alles Leben auszulöschen vermochten, wenn sie es wollte. Kaum vorzustellen welch Hitze ihn treffen würde, sollte er sich diesem Giganten stellen. Erbarmungslos verbrennen würde sie ihn, sollte er seine Demut vergessen, denn sie war das Feuer.

Eine angenehme Brise zog sich über die weite Landschaft. Voll Euphorie fuhr der Wind durch die Steppe und säuselte ihm mit leisen Stimmen Worte zu die er nicht verstand, denn er säuselte in Sprachen, die ihm fremd waren. Liebevoll spielte er mit den Ästen und Blättern der Bäume und erinnerte an ein munteres Kind, das seine Freiheit genoss. Unaufhaltsam groß würde seine Wut denjenigen treffen, der versuchte ihn zu zähmen, denn er war die Luft.

Sanft schlug die Oberfläche des Flusses Wellen, als seine Geschwister mit ihren Füßen darin plantschten. Wie erfrischend kühl der Fluss wohl sein musste und wie herrlich er sich an seine Haut schmiegen würde, wenn er dem Beispiel der Kinder folgte. Liebevoll, ruhig und geduldig wie eine Mutter und doch unberechenbar und kühl in seinem ungezügeltem Zorn, beinahe wie ein Kind. In einem einzigen Wutausbruch könnte er alles hin fortreißen, denn er war das Wasser.

Seine Finger glitten über den staubigen Boden und für einen kurzen Moment schloss er würdigend die Augen. Ruhig, unbewegt und neutral war der Grund, denn er ertrug anspruchslos, dass man auf ihm ging. Geduldig tolerierte er, die Ignoranz der Menschen, die das Fundament, welches er ihnen bot, einfach nicht zu schätzen wussten. Wie leicht der Boden seinen Schlund doch öffnen könnte um alles Leben in sich zu vergraben, denn er war die Erde.

 

Eine angenehme Brise zog sich über die weite Landschaft und liebkoste sein dunkelbraunes Haar. Die untergehende Sonne, spendete Lebenskraft und tunkte den Horizont in orangerotes Licht. Ein Stern als unscheinbarer, gelber Ball, im Himmel thronend, Erde und Wasser erwärmend. Doch die Sonne war nicht der schönste aller Sterne. Sein Großvater hatte ihm oft die Geschichten über jenen Morgenstern erzählt, der einst vom Himmelzelt verschwunden war. Verirrt hatte er sich, in einem Meer aus falschen Träumen verlor er sich. Verzweifelt und hasserfüllt, verging er in seinem eigenen Zorn. Als er aber wieder nach Hause fand, war er so glücklich und dankbar gewesen, dass er von da an beschlossen hatte, jede verirrte Seele zu leiten. Unweigerlich fragte Dajan sich, ob er auch seinem Großvater den Weg zum Baum der Ahnen gezeigt hatte.

An genau diesem lehnte Dajan. Es war ein starker Baum, der mit jedem Tod stärker wuchs, denn es handelte sich um einen Seelenbaum. Von außen mochte er unscheinbar wirken, denn seine Rinde war nicht bunt oder weiß, sondern in einem normalen, schlichten braun. Sein Stamm war merkwürdig gekrümmt und recht schmal verglichen mit seiner Höhe.  Ein großer Teil des Stammes beugte sich über den Fluss, krumm und hässlich. Lediglich ein kleiner Teil wuchs zum Himmel hinauf. Aber der Seelenbaum nahm die Geister seiner verstorbenen Ahnen in sich auf und wahrte sie. Dafür machten die Geister ihn stabil. Man konnte sogar abzählen wie viele Seelen er in sich trug, denn der Stamm hatte die Form einer Spirale, die sich erst an der Krone in zahlreiche Äste spaltete. Jeder Ast, jede Faser des Stammes, war ein Ahne. Zusammen machten die Geister den Baum stark und stabil, so dass er trotz seiner gekrümmten, hässlichen Form, nicht brechen würde. Dajan fragte sich, welche Faser, welcher Ast, wohl sein Großvater war.

Dajans Schwester, Ayana, lag in der größten Krümmung des Stammes, so befand sich ihr Oberkörper direkt über dem Fluss, gehalten von dem starken Stamm, von ihren Ahnen. Sie hatte die Lider geschlossen bis sie das Rufen ihrer jüngeren Geschwister Batuuli und Belay vernahm, die vom Flussufer direkt auf sie zuliefen.

Batuuli jedoch machte im letzten Moment eine Kurve, sodass sie nicht in den Baum, aber in Dajan hinein gelaufen wäre, hätte dieser nicht instinktiv reagiert. Lachend hatte er sie in seinen Armen gefangen. Das kleine Mädchen schmiegte sich nun zufrieden an ihn und legte die schmalen Ärmchen um seinen kräftigen Nacken. Sie war die jüngste seiner Geschwister, gerade einmal zehn Jahre alt und noch immer so zierlich und zerbrechlich wie am Tag ihrer Geburt. Zumindest fühlte es sich für Dajan so an und so hatte er das starke Bedürfnis sie vor allem Übel in der Welt zu schützen. Ihr langes schwarzes Haar war von seiner Mutter zu zwei Zöpfchen geflochten worden, wodurch sie noch niedlicher wurde, als sie es ohnehin schon war.

Belay, der langsamer gerannt war als Batuuli, konnte gerade noch bremsen, aber auch er lachte als Batuuli beinahe in Dajan hineinrannte. Er war zwölf Jahre alt, hatte nackenlanges, dunkelbraunes Haar und war ein richtiger Rotzbengel. Überall wo er war, verursachte er Chaos. Doch Belay hatte ein gutes Herz, das sah man vor allem an seiner Liebe zur Natur und an seiner Zuneigung zu den Tieren.

Ein innerer Frieden kehrte in Dajan ein und er genoss die Harmonie. Es gab nichts Schöneres als nach einem Arbeitstag beim Baum seiner Ahnen zu sitzen und seinen kleinen Geschwistern dabei zuzusehen, wie sie am Fluss spielten. Oft vergaß er seine inneren Konflikte und die Probleme seiner Familie, wenn er sich auf diese Ruhe einließ. Heute aber, ließen ihn nicht alle Gedanken los.

Kurz blickte er zu Ayana, die die Probleme ihres Stammes ebenso kannte wie er und er fragte sich ob sie gleich fühlte. Nachdem die beiden Kinder sich beruhigt hatten, setzte Ayana sich auf, strich sich ihre langen, dunkelbraunen Haare hinter die Ohren und zog die Knie an ihren Körper. Kurz glaubte Dajan sie würde vor den Kindern über die zahlreichen Überfälle sprechen, aber stattdessen sagte sie grüblerisch: „Mich beschäftigt schon seit längerem eine Frage.“

„Oh nein!“, fiel Belay ihr sofort ins Wort: „Du fragst immer Sachen, die mich ewig lang beschäftigen!“ Sein kleiner Bruder grummelte und verschränkte beleidigt die Arme vor der Brust. Dajan fand diese ernste Pose drollig. Kurz besah er sich den kleinen Jungen, ehe sein Blick Ayana traf. Sie war gerade mal vierzehn, aber sie dachte über alle möglichen Dinge nach. Dajan wusste, dass sie sehr reif für ihr Alter war, doch hier, als Nomade, hatte man nicht allzu viel Zeit erwachsen zu werden. Vor allem in ihren tiefen, braunen Augen, die die Welt bis ins kleinste Detail ergründen wollten, sah man ihr wirkliches Alter. Ayana war Dajan in vielen Punkten recht ähnlich, aber vor allem die Fragen, die sie beschäftigten, deckten sich oft mit seinen.

Kurz wartete sie noch darauf, dass ein wenig mehr Ruhe einkehrte, dann hob sie beschwichtigend die Hände und sprach ruhig zu Belay: „Wer weiß Brüderchen, vielleicht ist es ja dieses Mal eine Frage, die du mit Leichtigkeit beantworten kannst!“

Ergeben seufzte Belay und stemmte dann eine seiner Hände an die Hüfte: „Na gut. Aber wehe du lügst mich an.“

Ayana schüttelte den Kopf und sparte sich ihre Antwort, stattdessen fuhr sie fort: „Also, wie ich schon gesagt habe -….“ Sichtlich unruhig hüpfte Belay von einem Fuß auf den anderen und so stoppte Ayana, gebannt von dem Übereifer ihres Bruders.

Dajan lachte amüsiert und schüttelte den Kopf: „Sei doch nicht so ungeduldig! Vorhin wolltest du die Frage nicht einmal hören!“

Belay machte einen Schmollmund und brummte beleidigt: „Ja und? Da dachte ich auch noch, dass es eine blöde Frage ist. Jetzt will ich sie aber hören! Also sag schon, Ayana!“

Dajan belächelte seinen Bruder, wurde dann aber abgelenkt, als Batuuli versuchte über seinen Nacken hinaus auf den Baumstamm zu ihrer großen Schwester zu klettern. Er setzte sie auf dem Stamm ab, wo Ayana sie schon mit offenen Armen empfing. Dajan merkte, dass auch sie besorgt um Batuuli war, denn sie nahm ihre Schwester sehr vorsichtig und fürsorglich in die Arme.

Erst als sie sich sicher war, dass Batuuli nicht fallen würde, sagte sie: „Schon gut! Mich beschäftigt Kunst. Ich will wissen, welche Bedeutung die Kunst hat, was Kunst ist und wieso sie uns Menschen so sehr fasziniert?“

Augenblicklich zeigte Batuuli anklagend mit dem Finger auf ihre große Schwester und stieß sich ein wenig von ihr ab: „Hey! Das sind drei Fragen!“

Ayana zog das Mädchen wieder fest an ihre Brust und gestand dann schmunzelnd ein: „Ja, da hast du recht, Li. Aber ich hab versucht sie als eine Frage zu stellen, zählt das nicht?“

„Nein!“, hart schüttelte Batuuli den Kopf und der Ausdruck in ihrem Gesicht war ernst: „Weil es nämlich trotzdem drei Fragen sind!“

Dajan lachte laut auf, der anklagende Ausdruck in den kastanienbraunen Augen seiner kleinen Schwester war einfach entzückend. Wie viel Unschuld doch in ihrem Blick lag. Um alles in der Welt, wollte er ihre kindliche Art bewahren, niemals sollte sie dazu gezwungen werden erwachsen zu sein – nicht ehe sie dazu bereit war.

Dajan wurde aus seinen düsteren Gedanken gerissen, als Belay sich wieder in das Gespräch einbrachte: „Wieso willst du das wissen?“ Seiner Mimik nach hatte er schon damit begonnen sich die ersten Gedanken zu machen.

Ayana seufzte deprimiert: „Wenn ich das nur wüsste.“ Sie runzelte die Stirn: „Nun, ich denke, wenn ich es wüsste, könnte ich mir einen Teil der Frage selbst beantworten.“

Batuuli blickte verständnislos zu ihrer Schwester auf und schüttelte den Kopf erneut: „Das verstehe ich nicht.“

Ayana wandte sich ihr zu: „Du magst doch schöne Dinge oder?“ Vorsichtig nickte Batuuli, was Ayana erneut ein Lächeln entlockte. „Na siehst du. So geht es sehr vielen Menschen. Kunst ist etwas Schönes, das uns Menschen glücklich macht“, sanft fuhr sie mit ihren Fingern an die Brust ihrer Schwester: „Genau da. Ganz tief in unseren Herzen.“ Dann stupste sie an ihre Nase, worauf Batuuli lachte und sich eng an Ayana schmiegte.

Dajan aber schweifte ab. Er fragte sich, was ihn glücklich machte. Schönheit war es nicht, die bekümmerte ihn eher. Glücklich machte ihn das Lachen anderer Menschen und wenn Menschen tatsächlich dann lachten, wenn sie etwas Schönes sahen, dann müsste sein Ziel die Verschönerung der Welt sein. Aber was war Schönheit? War es wirklich Kunst? Lag die Antwort auf seine Frage in der Kunst?

„Du willst wissen warum Kunst den Menschen bewegt und darum musst du erst einmal wissen was Kunst ist?“, fragte Belay und traf damit ins Schwarze, was Dajan überrascht aus seinen Gedanken fahren ließ. Selbst Ayana sah ihren kleinen Bruder bewundernd an.

Zustimmend nickte sie: „Ja genau. Ich will wissen was an der Kunst ist, dass uns Menschen glücklich macht und dafür muss ich wissen, was Kunst ist.“

Belay legte sich eine Hand an den Mund und überlegte angestrengt: „Vielleicht kommt es ja darauf an, wann man die Kunst sieht. Ich gehe oft vorbei an Dingen die mir nicht auffallen, bis sie mir dann plötzlich doch auffallen.“

Ayana schmunzelte zuerst über die Worte ihres Bruders, ehe sie begriff: „Ja, wahrscheinlich liegt es am Augenblick in dem man sie sieht und es hat etwas mit der Erfahrung, also mit der Vergangenheit der Menschen zu tun. Und scheinbar auch mit der Situation. Das macht es sehr schwer der Kunst Grenzen zu setzen. Vielleicht gibt es ja gar keine…“

Begeistert von dieser Aussage hüpfte Belay nun hin und her und rief: „Oh ja! Ja! Alles ist Kunst! Nicht nur Musik, nicht nur Bilder! Alles! Tiere, Menschen, Häuser! Alles!“

Ayana lachte enthusiastisch auf: „Ja genau! Dann kommt man nämlich darauf, dass Kunst für jeden Menschen etwas anderes ist und dadurch kann man ihr gar keine Grenzen setzten. Kunst ist vielfältig und bunt, so wie die Träume der Menschen!“

Entrückt saßen Belay und Ayana nun da und ließen das Ergebnis ihrer Gedanken auf sich wirken. Selbst Batuuli war ruhig geworden und hatte die Augen geschlossen. Dajan aber glaubte nicht, dass seine Geschwister ihm gerade die Antwort auf die Frage nach der Schönheit geliefert hatten. Vielmehr hatten sie ihm gezeigt, dass  er seine Hoffnung nicht in die Kunst legen dürfte. Nach einer längeren Pause nickte er zustimmend:

„Ja, ihr habt Recht. Also lasst mich zusammenfügen. Kunst hat keine Grenzen, ob sie berührt kommt aber auf den Menschen und auf die Situation an. Die Kunst ist wie ein Traum, irgendwie subjektiv. Aber was wenn ich euch sage, dass die Kunst nicht nur wie ein Traum ist, sondern, dass sie der Traum eines Menschen ist?“

Ayana schien einen Moment lang über seine Worte nachzudenken, dann aber schüttelte sie den Kopf: „Wie soll das gehen? Die Kunst als Traum eines Menschen? Wieso bewegt ein Traum so viele Menschen? Und was ist mit den Träumen, die man nicht als Kunst sehen kann?“

Dajan entgegnete augenblicklich: „Welchen Traum kann man denn nicht als Kunst sehen? Außerdem bewegen Träume doch ständig mehrere Menschen. Ein Künstler muss von seiner Kunst bewegt sein um diese verwirklichen zu können, ebenso sieht es mit Träumen aus. Ein Künstler identifiziert sich über seine Kunst, ebenso wie man sich über seinen Traum identifiziert.“

Belay rauchte mittlerweile der Kopf, das sah man ihm an. Verzweifelt versuchte er zu verstehen: „Warte mal, Dajan. Kunst soll also gleichzeitig Traum des Künstlers und Traum von den Menschen sein, die die Kunst mögen?“

„Nein“, Dajan schüttelte den Kopf: „Kunst ist der Traum eines Künstlers und dieser Traum kann andere Menschen dazu bewegen ähnliches zu empfinden wie der Künstler selbst. Damit will ich nur sagen, dass, wenn Träume Kunst sind, tatsächlich alles Kunst ist!“

Zufrieden mit sich selbst lehnte er sich wieder zurück an den Baum seiner Ahnen und fügte grinsend hinzu: „Habt ihr doch vorhin gesagt. Ich habe nur eure Gedanken zusammengefasst.“

Ayana runzelte die Stirn und beäugte Dajan verständnislos: „Ja schon. Aber wir haben eher von schönen Dingen gesprochen. Also nicht wortwörtlich von allem. Wenn ich dich aber beim Wort nehme, dann sprichst du tatsächlich von allem! Vom Ergebnis jeder Tat.“ Sie schluckte schwer und schüttelte dann bestimmt den Kopf: „Nein! Das kann ich nicht glauben. Denn damit würde auch alles Hässliche Kunst werden.“

Dajan merkte gar nicht wie er zu lächeln begann, erst als Ayana mit deutlichem Unwohlsein in der Stimme sprach kam er zur Besinnung.

„Selbst ein Mord wäre Kunst.“

Dajan sah wie es sie bei diesen Worten schüttelte und er sah wie ängstlich Belay ihn betrachtete. Nach kurzem Zögern lenkte er daher ein. Er mochte diese verstörten Blicke auf ihren Gesichtern nicht und so schloss er die Augen um sich einen Moment zu fangen. Nachdem er seine Ruhe wiedergefunden hatte, stieß er sich vom Seelenbaum ab und sprach beherrscht: „Ein Mord kann in den Augen eines Mörders Kunst sein. Somit wäre der Mord der verwirklichte Traum des Mörders. Aber das heißt nicht, dass jeder Mensch den Mord als Kunst sehen würde. Wie die Schönheit an sich, liegt auch die Kunst im Auge des Betrachters. Daher stimmt eure Aussage, dass alles Kunst sein kann, es kommt lediglich auf den Blick an mit dem man sie betrachtet.“

Belay schüttelte den Kopf, die Euphorie war verschwunden: „Nein! Das glaube ich nicht! Das gefällt mir nicht!“

Batuuli hielt sich ihre Hände vor das Gesicht und nickte: „Ja, das ist keine Kunst, Dajan. Das macht mir nur Angst!“ Ihre Stimme piepste in der Tat und so wurde Dajans Blick weich.

Ruhig wandte er sich an Batuuli und sprach sanft: „Es tut mir leid, Li. Ich wollte dich nicht verschrecken. Vergiss einfach, was ich gesagt habe!“ Er streckte seine Arme nach seiner Schwester aus, worauf sie sich von Ayana löste und sich hochheben ließ. Dajan hob sie vom Stamm hinunter und umschloss sie behütend mit seinen Armen. Sein Blick aber schwankte zum Himmel, an dem schon die ersten Sterne standen.

Die letzten Sonnenstrahlen waren verschwunden und das rötliche Licht war zu einem blassen blauviolett geworden. Aber das alles ging an Dajan vorbei, denn es gab nur einen Stern am Himmelszelt, welcher ihn in seinen Bann zog. Geradezu zwanghaft fixierte er seinen Morgenstern, der für die nächsten drei Monate noch den Platz des Abendsterns einnehmen würde. Dajan konnte den Blick nicht von ihm lösen und er bat ihn um antworten, wohlwissend, dass er sie niemals erhalten würde.

Erst als Ayana ihn flüchtig an der Schulter berührte, schaffte er es sich von dem Stern zu lösen und wandte sich ihr zu. „Du kommst alleine runter, oder?“, fragte er und versuchte sich seinen Schwermut nicht anmerken zu lassen.

Ayana sagte nichts, lächelte nur und sprang ohne sichtliche Anstrengung vom Stamm des Baumes. Dann griff sie nach Batuuli, die sich widerstandslos von Ayana tragen ließ. Seine kleine Schwester war müde, kurz hatte sie gegähnt und dann waren ihre Lider auch schon zugefallen. Ja selbst Belay rieb an seinen Augen, so als könnte er damit den Schlaf vertreiben.

„Ich denke wir sollten zurück nach Hause, es wird schon dunkel“, meinte Ayana, die die beiden Kinder ebenfalls im Auge hatte. Dajan nickte abwesend. Seine Gedanken lagen in der trostlosen Zukunft, die Melancholie hatte von ihm Besitz ergriffen und er wusste nicht wie er sie abschütteln sollte.

„Geht schon mal vor, ich komme später nach“, erwiderte er zeitversetzt, grinste Ayana aber zuversichtlich an. Er wollte nicht, dass sie sich sorgte. Aber sie kannte ihn zu gut, der kurze Moment indem sie ihn zweifelnd musterte, reichte aus um ihm das zu bestätigen. Jedoch nickte sie einsichtig.

„Okay, lass dir aber nicht zu viel Zeit. Du weißt ja wie Mutter ist.“ Dann winkte sie Belay zu sich, der noch kurz zu Dajan blickte und dann seinen beiden Schwestern folgte.

 

Dajan sah seinen Geschwistern noch eine Weile nach. Selbst dann noch, als er sie nicht mehr sehen konnte, blickte er in die Richtung in der sie verschwunden waren. Er seufzte und wandte seinen Blick wieder gen Himmel, fixierte den Abendstern, seinen Morgenstern. Leise murmelte er zu sich selbst: „Wenn du mir doch mehr zeigen könntest, als nur den Weg nach Hause.“

 

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Kapitel:3
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Kurzbeschreibung

Viraseth Duric, Tochter der Kaiserin von Aszynik, flieht aus ihrer Heimat. Auf der Suche nach Frieden führt ihr Weg sie in ein Dorf voller Jäger. In dem Willen ihren Vater Beleth daran zu hindern durch einen Krieg Verderben über das Volk der Menschen zu bringen, sucht sie nach Unterstützung. Dabei ahnt sie noch nicht wie folgenschwer ihre Entscheidung ist und wie tief die Intrigen ihres Vaters tatsächlich gehen.

Kategorisierung

Diese Story wird neben Fantasy auch im Genre Philosophie gelistet.